(19)
(11) EP 2 727 574 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
07.05.2014  Patentblatt  2014/19

(21) Anmeldenummer: 12190973.3

(22) Anmeldetag:  01.11.2012
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
A61J 3/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME

(71) Anmelder:
  • Baumann, Torsten
    22301 Hamburg (DE)
  • Breuer, Nils
    21339 Lüneburg (DE)
  • Schmidt, Thomas
    22175 Hamburg (DE)

(72) Erfinder:
  • Baumann, Torsten
    22301 Hamburg (DE)
  • Breuer, Nils
    21339 Lüneburg (DE)
  • Schmidt, Thomas
    22175 Hamburg (DE)

(74) Vertreter: Seemann, Ralph 
Patentanwälte Seemann & Partner Raboisen 6
20095 Hamburg
20095 Hamburg (DE)

   


(54) Bereitstellung von Infusionslösungen


(57) Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung (10) zur in-situ-Bereitstellung von verabreichungsfähigen, vorzugsweise reinen, Infusionslösungen zur Behandlung von Menschen oder Tieren mit einer Wassersterilisierungsvorrichtung (12), mittels der Trinkwasser zu sterilem Wasser aufbereitbar ist oder aufbereitet wird, mit einer Aufnahmevorrichtung (22) zur Aufnahme von wenigstens einem Substanzkonzentratbehälter (30, 32), wobei der Substanzkonzentratbehälter (30, 32) mit einem wasserlöslichen Substanzkonzentrat für die Infusionslösung befüllt ist oder befüllbar ist, und mit einer Mischeinheit (26) zum Mischen und/oder zum Bereitstellen von einer verabreichungsfähigen Infusionslösung aus dem von der Wassersterilisierungsvorrichtung (12) abgegebenen sterilen Wasser und aus einem Anteil des von dem in der Aufnahmevorrichtung (22) anordbaren und angeordneten Substanzkonzentratbehälters (30, 32) abgegebenen Substanzkonzentrats und mit einer Abgabeleitung zur in-situ-Infudierung der Infusionslösung.
Ferner betrifft die Erfindung eine Verwendung einer derartigen Vorrichtung sowie eine Verwendung wenigstens eines Substanzkonzentratbehälters (30, 32).




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur in-situ-Bereitstellung von verabreichungsfähigen, vorzugsweise reinen, Infusionslösungen zur Behandlung von Menschen oder Tieren. Ferner betrifft die Erfindung eine Verwendung einer derartigen Vorrichtung sowie eine Verwendung wenigstens eines Substanzkonzentratbehälters.

[0002] Im Stand der Technik ist bekannt, dass zur Behandlung von Menschen, beispielsweise in Krankenhäusern, die Patienten mit Infusionslösungen versorgt bzw. behandelt werden. Hierbei werden die wasserhaltigen Infusionslösungen in bereits verabreichungsfähiger Form in Beuteln oder Flaschen mit einer niedrigen Konzentration zum Beispiel mit Salzen im Wasser bzw. Kochsalzlösungen bereitgestellt, wobei die in großtechnischem Maßstab hergestellten, fertigen Infusionslösungen aus den Behältnissen, wie z.B. Beutel oder Flaschen schwerkraftgetrieben in die Patienten infudiert werden.

[0003] Ausgehend von diesem Stand der Technik besteht die Aufgabe der Erfindung darin, bedarfsgerecht für die Behandlung von Patienten Infusionslösungen bereitzustellen, wobei der logistische Aufwand signifikant reduziert werden soll.

[0004] Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Vorrichtung zur in-situ-Bereitstellung von verabreichungsfähigen, vorzugsweise reinen, Infusionslösungen zur Behandlung von Menschen oder Tieren mit einer Wassersterilisierungsvorrichtung, mittels der Trinkwasser zu sterilem Wasser aufbereitbar ist oder aufbereitet wird, mit einer Aufnahmevorrichtung zur Aufnahme von wenigstens einem Substanzkonzentratbehälter, wobei der Substanzkonzentratbehälter mit einem wasserlöslichen Substanzkonzentrat für die Infusionslösung befüllt ist oder befüllbar ist, und mit einer Mischeinheit zum Mischen und/oder zum Bereitstellen von einer verabreichungsfähigen Infusionslösung aus dem von der Wassersterilisierungsvorrichtung abgegebenen sterilem Wasser und aus einem Anteil des von dem in der Aufnahmevorrichtung anordbaren und angeordneten Substanzkonzentratbehälters abgegebenen Substanzkonzentrats und mit einer Abgabeleitung zur in-situ-Infudierung der Infusionslösung.

[0005] Die Erfindung beruht auf dem Gedanken, dass durch eine mobile und/oder stationäre Vorrichtung bedarfsgerecht in Anwesenheit des Patienten eine auf diesen Patienten angepasste Infusionslösung für eine Direkt-Infusion bereitgestellt wird, wobei die Herstellung der Infusionslösung durch die Vorrichtung direkt vor Ort am Patienten, d.h. in-situ, erfolgt. Da beispielsweise in Krankenhäusern oder Arztpraxen Wasser allgemein in Form von Trinkwasser verfügbar ist, wird oder ist die Vorrichtung mit einem Trinkwasseranschluss im Behandlungszimmer des Patienten verbunden, wodurch aus dem durch den Trinkwasseranschluss bereitgestellten Wasser steriles Wasser aufbereitet wird, so dass dem aufbereiteten sterilen Wasser ein Teil oder eine Menge eines Substratkonzentrats aus einem Substanzkonzentratbehälter zugegeben und mit diesem vermischt wird. Dadurch wird eine bedarfsgerechte Infusionslösung für eine direkte Infusion mit niedriger Konzentration für die unmittelbare Behandlung des Patienten zeitnah bereitgestellt. Hierbei ist beispielsweise das Substanzkonzentratbehältnis als Verpackung für ein Substanzkonzentrat bereitgestellt, wobei zur Herstellung der fertigen verabreichungsfähigen Infusionslösung zur in-situ Infudierung eines Patienten eine Substanzkonzentratmenge dosiert mit einer vorbestimmten Menge an sterilem Wasser vermischt wird. Hierzu ist eine Mischeinheit vorgesehen, die beispielsweise einen Mischbehälter bzw. einen Behälter zum Mischen und/oder einen Mischschlauch umfasst.

[0006] Im Rahmen der Erfindung ist es dabei ebenfalls möglich, dass für die Bereitstellung der Infusionslösung für die sofortige Verwendung das aufbereitete, sterile Wasser durch das Substanzkonzentratbehältnis hindurchgeleitet wird, so dass ein Teil des Substanzkonzentrats im Behälter ausgespült wird.

[0007] Der Vorteil der Erfindung besteht darin, dass sterile Substanzkonzentratbehälter mit jeweils einem Substanzkonzentrat verwendet werden, wodurch ein hoher Lagerbedarf gegenüber fertigen Beuteln und/oder Flaschen mit Infusionslösungen verringert wird. Darüber hinaus wird auch die Entsorgung von nicht benötigten Infusionslösungen minimiert, da ggf. nur die Substanzkonzentrate und ggf. deren Verpackungen zu entsorgen sind.

[0008] Ein weiterer Vorteil der Erfindung besteht darin, dass individuell für einen Patienten Infusionslösungen hergestellt werden und unmittelbar nach ihrer Herstellung zur Behandlung des Patienten verabreicht werden. Hierdurch wird direkt am Ort der Nutzung bzw. Behandlung von Patienten die Infusionslösung bereitgestellt.

[0009] Darüber hinaus zeichnet sich die Vorrichtung dadurch aus, dass die Wassersterilisierungsvorrichtung wenigstens einen, vorzugsweise mit Umkehrosmose, UV-Licht und/oder anderen Sterilisationsverfahren betriebenen, Sterilfilter, z.B. Umkehrosmosefilter, zur Aufbereitung von Trinkwasser zu sterilem Wasser und/oder einen Anschluss zum Anschließen der Wassersterilisierungsvorrichtung an einen Trinkwasservorrat, insbesondere einen Trinkwasseranschluss, aufweist. Solche Sterilfilter sind auch unter der Bezeichnung "Sterilfilter" bekannt.

[0010] Außerdem zeichnet sich eine weitere Ausführungsform der Vorrichtung dadurch aus, dass eine Substanzkonzentratdosierungseinrichtung vorgesehen ist, derart, dass aus dem Substanzkonzentratbehälter dosiert Anteile des Substanzkonzentrats dem sterilen Wasser zuführbar sind. Unter Verwendung der Substanzkonzentratdosierungseinrichtung wird erreicht, dass ein vorbestimmter Anteil oder eine vorbestimmte Menge Substanzkonzentrat aus dem Substanzkonzentratbehälter dem sterilen Wasser zugeführt wird, wodurch eine vorbestimmte niedrige und einstellbare Konzentration der Substanz in dem sterilen Wasser erreicht wird.

[0011] Des Weiteren ist es bei einer Ausgestaltung der Vorrichtung bevorzugt, wenn mehrere Aufnahmevorrichtungen zur Aufnahme von mehreren Substanzkonzentratbehältern vorgesehen sind. Dadurch, dass gleichzeitig mehrere Substanzkonzentratbehälter in der Vorrichtung aufgenommen sind, können verschiedene Substanzen aus den entsprechenden Substanzkonzentratbehältern einer Lösung bzw. dem sterilen Wasser zugeführt und mit diesem zur Herstellung der bedarfsgerechten Infusionslösung vermischt werden, wodurch beispielsweise Salze aus einem Konzentratbehälter und aus einem weiteren Konzentratbehälter Elektrolyte für die Herstellung der Infusionslösung abgegeben werden. Hierzu ist es im Rahmen der Erfindung vorgesehen, dass für mehrere Substanzkonzentratbehälter auch entsprechende jeweilige Substanzkonzentratdosiereinrichtungen vorgesehen sind, um auf dosierte Weise aus den mehreren aufgenommenen Substanzkonzentratbehältern entsprechende Konzentrate dem sterilen Wasser zuzugeben und zuzumischen.

[0012] Insbesondere ist eine Regeleinrichtung oder eine Steuerungseinrichtung für die Wassersterilisierungsvorrichtung vorgesehen, wodurch mittels der Regeleinrichtung die Wassersterilisierungsvorrichtung geregelt wird oder mittels der Steuerungseinrichtung die Wassersterilisierungsvorrichtung gesteuert wird.

[0013] Ferner zeichnet sich die Vorrichtung dadurch aus, dass eine Regeleinrichtung oder eine Steuerungseinrichtung für die Substanzkonzentratdosierungseinrichtung vorgesehen ist, wodurch zum Mischen von wenigstens einem Teil oder einer Menge eines Substanzkonzentrats dieses mit einer vorbestimmten Menge an sterilem Wasser gemischt wird. Hierzu kann im Rahmen der Erfindung auch eine Mischeinrichtung für die abgegebene Substanzkonzentratmenge und der abgegebenen sterilen Wassermenge vorgesehen sein.

[0014] Außerdem wird der Betrieb einer erfindungsgemäßen Vorrichtung dadurch verbessert, dass eine Messvorrichtung zum Messen der Konzentration der gelösten Substanz in der Infusionslösung vorgesehen ist, wobei insbesondere die Messvorrichtung mit der Regeleinrichtung zur Regelung der Wassersterilisierungsvorrichtung und/oder mit der Regeleinrichtung zur Regelung der wenigstens einen Substanzkonzentratdosiereinrichtung für das im Substanzkonzentratbehälter befindliche Substanzkonzentrat verbunden ist. Beispielsweise wird dadurch eine exakte Konzentratmenge an im sterilen Wasser gelöster Substanz, beispielsweise durch Wiegen oder durch einen Infusiomaten, erreicht. Eine weitere Messvorrichtung ist beispielsweise durch eine Wiegeeinrichtung bereitgestellt.

[0015] Um einen kontinuierlichen Betrieb der Vorrichtung und ferner eine kontinuierliche Verabreichung der zubereiteten in-situ Infusionslösung zu gewährleisten, ist eine Pumpeneinrichtung, insbesondere eine peristaltische Pumpe, zur sofortigen Verabreichung der Infusionslösung vorgesehen ist, wobei insbesondere die Pumpeneinrichtung mit der Mischeinheit für die bereitgestellte (in-situ-)Infusionslösung verbunden ist. Die Pumpeneinrichtung kann auch dazu dienen, einen Druck aufzubauen, um zu verhindern, dass sich ein gegebenenfalls in einer Abgabeleitung angeordneter weiterer Sterilfilter zusetzt.

[0016] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist außerdem vorgesehen, dass eine Eingabevorrichtung zur Eingabe von herstellungsprozessbezogenen Daten, insbesondere Steuerparameter oder Regelparameter, und/oder eine Anzeigeeinrichtung zur Anzeige von, insbesondere prozessbezogenen, Daten vorgesehen ist.

[0017] Mittels der Eingabevorrichtung ist es dabei möglich, dass für eine zentrale Programmiereinheit oder eine zentrale Regeleinheit entsprechende Parameter für den Herstellungsprozess einer in-situ Infusionslösung mittels der Vorrichtung vorgegeben werden, so dass beispielsweise die Flussrate des sterilen Wassers bzw. die Abgaberate einer Substanzkonzentratmenge sowie die Konzentration der gelösten Substanz in der Infusionslösung vorgegeben wird. Mittels der Anzeigeeinrichtung, beispielsweise eines Displays, werden die entsprechenden Parameter bzw. Daten einem Nutzer bzw. Anwender angezeigt.

[0018] Ferner zeichnet sich eine erfindungsgemäße Ausführungsform der Vorrichtung dadurch aus, dass die Vorrichtung als ein Kompaktgerät oder eine Baueinheit, z.B. Modul oder dergleichen, ausgebildet ist, wobei insbesondere die Vorrichtung als eine Art Trolley oder als Trolley ausgebildet ist, wobei das Kompaktgerät oder die Baueinheit insbesondere stationär, voll mobil oder tragbar ausgebildet ist. Im Falle einer mobilen Vorrichtung ist es möglich, die Vorrichtung, beispielsweise in einem Krankenhaus, von Patientenzimmer zu einem anderen Patientenzimmer zu transportieren bzw. zu verschieben, wobei beispielsweise bei einem Nutzerwechsel oder Nutzungswechsel die Infusionsschläuche aus Gründen der Sterilität ausgetauscht werden. Bei einem Ortswechsel wird die Vorrichtung von einem Trinkwasseranschluss gelöst und beispielsweise in einem anderen Zimmer an einen dort vorhandenen Wasseranschluss entsprechend wieder angeschlossen. Durch die handhabbare, kompakte Größe der Vorrichtung kann die Vorrichtung bei Ausgestaltung als Trolley auf einfache Weise von einem Nutzerplatz zu einem anderen Nutzerplatz verfahren werden. Hierzu weist der Trolley entsprechende Rollmittel bzw. Rollen auf.

[0019] Alternativ hierzu ist, beispielsweise für Intensivstationen, vorteilhafterweise eine rein stationäre Anordnung und/oder Ausbildung der Vorrichtung vorgesehen. Ebenfalls vorteilhaft umfasst die Vorrichtung ein, insbesondere vollmobiles, Wasserreservoir, so dass auch temporär auf einen Festwasseranschluss verzichtet werden kann.

[0020] Darüber hinaus wird die Aufgabe gelöst durch eine Verwendung einer Vorrichtung zur in-situ-Bereitstellung bzw. in-situ-Herstellung von verabreichungsfähigen, vorzugsweise reinen, Infusionslösungen zur Behandlung von Menschen oder Tieren, wobei die Vorrichtung wie voranstehend beschrieben ausgebildet ist und wobei wenigstens ein Substanzkonzentratbehälter mit einer im Substanzkonzentratbehälter konzentriert vorliegenden Substanz bzw. Substanzkonzentrat für die in-situ-Bereitstellung von Infusionslösungen verwendet wird.

[0021] Dabei zeichnet sich eine Weiterbildung dadurch aus, dass der für das Substanzkonzentrat als Verpackung vorgesehene Substanzkonzentratbehälter als Kapsel oder als Pad oder als Kartusche oder als Beutel ausgebildet ist, so dass sich eine einfache Handhabung des Substanzkonzentratbehälters ergibt. Der Substanzkonzentratbehälter wird dabei bei Anwendung in die dafür vorgesehene Aufnahmevorrichtung zur Aufnahme eines Substanzkonzentratbehälters eingelegt oder darin angeordnet, so dass für die Herstellung einer in-situ-Infusionslösung kleine dosierte Mengen des Substanzkonzentrats im Substanzkonzentratbehälter abgegeben werden.

[0022] Eine weitere Lösung der Aufgabe erfolgt durch eine Verwendung wenigstens eines Substanzkonzentratbehälters mit einem im Substanzkonzentratbehälter befindlichen und für die Infusionslösung vorgesehenen Substanzkonzentrat zur in-situ-Bereitstellung von verabreichungsfähigen Infusionslösungen für eine in-situ-Infudierung von Menschen oder Tieren für eine oder in Kombination mit einer voranstehend beschriebenen Vorrichtung zur in-situ-Bereitstellung von verabreichungsfähigen Infusionslösungen, wobei insbesondere der Substanzkonzentratbehälter als Kapsel oder als Pad oder als Kartusche oder als Beutel ausgebildet ist.

[0023] Vorzugsweise weist dabei das Substanzkonzentrat in einem Substanzkonzentratbehälter konzentrierte Elektrolyte und/oder Halbelektrolyten und/oder Nährstoffe und/oder Vitamine und/oder Nahrungsergänzungsstoffe und/oder Inhaltsstoffe für eine enterale oder parenterale Ernährung und/oder Medikamente, insbesondere für eine Chemotherapie, aufweist.

[0024] Weitere Merkmale der Erfindung werden aus der Beschreibung erfindungsgemäßer Ausführungsformen zusammen mit den Ansprüchen und der beigefügten Zeichnung ersichtlich. Erfindungsgemäße Ausführungsformen können einzelne Merkmale oder eine Kombination mehrerer Merkmale erfüllen.

[0025] Die Erfindung wird nachstehend ohne Beschränkung des allgemeinen Erfindungsgedankens anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme auf die Zeichnung beschrieben, wobei bezüglich aller im Text nicht näher erläuterten erfindungsgemäßen Einzelheiten ausdrücklich auf die Zeichnung verwiesen wird. Es zeigt:
Fig. 1
schematisch einen prinzipiellen Aufbau einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur in-situ-Bereitstellung von Infusionslösungen.


[0026] In Fig. 1 ist schematisch der prinzipielle Aufbau einer mobilen Vorrichtung 10 zur in-situ-Bereitstellung bzw. -Herstellung von Infusionslösungen zur Direktverabreichung oder Sofortinfusion von Patienten dargestellt.

[0027] Die Vorrichtung 10 ist als fahrbarer Wagen bzw. als fahrbarer Trolley ausgebildet. Die Vorrichtung 10 weist ein Gehäuse oder (Fahr-) Gestell auf, wobei im Gehäuse eine Aufbereitungseinheit 12 zur Herstellung von sterilem Wasser angeordnet ist. In einer stationären Version, die beispielsweise in Intensivstationen einsetzbar ist, kann das Fahrgestell entfallen.

[0028] Die Aufbereitungseinheit 12 ist dabei beispielsweise mit einem Sterilfilter oder einem Umkehrosmosefilter ausgebildet, wobei mittels der Aufbereitungseinheit 12 Trinkwasser zu sterilem Wasser aufbereitet wird. Die Aufbereitungseinheit 12 weist einen eingangsseitigen Anschluss 14 auf, so dass die Aufbereitungseinheit 12 mittels eines am Anschluss 14 angeschlossenen Schlauches 16 mit einem externen Wasseranschluss 18 z.B. eines Behandlungszimmers verbunden wird bzw. ist.

[0029] Über den Wasseranschluss 18 wird beispielsweise Leitungswasser bzw. Trinkwasser der Aufbereitungseinheit 12 zugefördert. Beispielsweise wird mittels der Aufbereitungseinheit 12 Leitungswasser durch osmotische Verfahren (Umkehrosmose) oder durch einen Sterilfilter oder vergleichbare Maßnahmen zu sterilem Wasser aufbereitet. Dieses sterile Wasser bildet damit die Basissubstanz der zu erzeugenden Infusionslösungen. Über eine ausgangsseitige Abgabeleitung 20 wird das aufbereitete sterile Wasser für aus der Aufbereitungseinheit 12 herzustellende Infusionslösungen abgegeben.

[0030] Darüber hinaus ist die Vorrichtung 10 mit Aufnahmen 22 zur Aufnahme von sterilen Kartuschen 30, 32 ausgebildet, so dass in den Aufnahmen 22 Kartuschen 30, 32 angeordnet sind. Die Kartuschen 30, 32 sind mit unterschiedlichen hochkonzentrierten Substanzen für die Infusionslösung gefüllt.

[0031] Um die Substanzkonzentrate aus den Kartuschen 30, 32 in dosierter Weise abzugeben, ist für jede Kartusche eine steuerbare oder regelbare Dosiereinheit 40, 42 vorgesehen. Bei Aktivierung der Dosiereinheiten 40, 42 werden dabei vorbestimmte dosierte Mengen an Substanzkonzentraten aus den Kartuschen 30, 32 für die Herstellung der in-situ-Infusionslösungen bereitgestellt.

[0032] Die aus den Kartuschen 30, 32 abgegebenen Substanzkonzentratmengen werden über eine Abgabeleitung 24 dem aus der Abflussleitung 20 zugeführten sterilen Wasser zugeführt und miteinander gemischt, so dass über eine als gemeinsame Förderleitung 26 ausgebildete Mischeinheit das sterile Wasser und die abgegebenen Substanzkonzentratmengen miteinander gemischt werden. Das Gemisch, also die hergestellte in-situ-Infusionslösung, wird mittels einer peristaltischen Pumpe 28 über einen Infusionsschlauch 50 abgefördert und beispielsweise einem Patienten infudiert.

[0033] Darüber hinaus können in einer Weiterbildung der Vorrichtung 10 Messeinrichtungen zur Konzentration der in der im Behältnis 28 vorhandenen Infusionslösung gelösten Substanz vorgesehen sein, um eine gewünschte Konzentration der Substanz in der Infusionslösung einzustellen.

[0034] Die hochkonzentrierten Substanzkonzentrate in den Kartuschen 30, 32 können dabei in flüssiger Form oder als Trockensubstanz vorliegen. Die genaue dosierte Zuführung einer Substanzkonzentratmenge wird in einer Ausgestaltung der Vorrichtung durch eine Wiegeeinheit, geeignete Sensortechnik oder Dosierungstechnik oder durch einen Infusiomaten erreicht. Die Infusionslösung wird ferner durch eine Messeinrichtung hinsichtlich der korrekten Konzentrationsverhältnisse der Substanzen in der bereitgestellten Infusionslösung geprüft, wobei insbesondere eine Doppelprüfung hierzu durchgeführt wird. Darüber hinaus ist es in einer Ausgestaltung der Vorrichtung 10 gemäß Fig. 1 vorgesehen, dass in der Abförderleitung der Infusionslösung nach der peristaltischen Pumpe 28 ein weiterer Sterilfilter 36 vorgesehen ist, um vor der Zuführung der Infusionslösung zu einem Patienten eine Infektionsgefahr des Patienten zu vermeiden.

[0035] Um eine kontinuierliche Verabreichung der Infusionslösung zu erreichen, ist ferner ein Schlauchpumpensystem vorgesehen, welches insbesondere als Einwegeschlauchsystem patientenbezogen angewendet und bei einem Nutzerwechsel ausgetauscht wird. Auch andere Pumpensysteme und Infusionssysteme sind im Rahmen der vorliegenden Erfindung einsetzbar.

[0036] Darüber hinaus ist bei der Vorrichtung eine Eingabeeinheit 52 vorgesehen, um für den Betrieb der Vorrichtung 10 entsprechende Parameter oder Programme zur Herstellung von Infusionslösungen anzustellen. Darüber hinaus ist ferner ein Display 54 zur Kontrolle der eingestellten Herstellungsparameter bzw. des eingestellten Infusionsprogramms vorgesehen. Mittels der Eingabeeinheit 52, die in einer Ausgestaltung auch Teil einer Programmiereinheit sein kann, wird die Flussrate sowie die Konzentration oder beispielsweise das zu infudierende Volumen der Infusionsmenge usw. eingestellt.

[0037] Die Sterilität der Vorrichtung 10 wird beispielsweise dadurch erreicht, dass die Kartuschen 30, 32 steril eingelegt und verarbeitet werden. Alternativ kann die Sterilität auch zusätzlich durch einen weiteren Sterilfilter erreicht werden. Ferner kann die Vorrichtung 10 einen Sterilisierungsanschluss 56 aufweisen, so dass zur Sterilisierung der gesamten wasserführenden Einheiten der Vorrichtung 10 über den Sterilisierungsanschluss 56 eine Lösung oder Wasser zugeführt werden kann, wobei mittels einer Heizeinrichtung die Lösung oder das Wasser zur Sterilisierung der Vorrichtung z.B. auf eine Temperatur von wenigstens 95°C oder höher in der Vorrichtung 10 erhitzt werden. Ferner sind zur Sterilisierung auch chemische Verfahren anwendbar, beispielsweise die Zugabe von Essigsäure zu den wasserführenden Einheiten der Vorrichtung 10.

[0038] Alle genannten Merkmale, auch die den Zeichnungen allein zu entnehmenden sowie auch einzelne Merkmale, die in Kombination mit anderen Merkmalen offenbart sind, werden allein und in Kombination als erfindungswesentlich angesehen. Erfindungsgemäße Ausführungsformen können durch einzelne Merkmale oder eine Kombination mehrerer Merkmale erfüllt sein.

Bezugszeichenliste



[0039] 
10
Vorrichtung
12
Aufbereitungseinheit
14
Anschluss
16
Schlauch
18
Wasseranschluss
20
Leitung
22
Aufnahme
24
Abgabeleitung
26
Förderleitung
28
peristaltische Pumpe
30
Kartusche
32
Kartusche
36
Sterilfilter
40
Dosiereinheit
42
Dosiereinheit
50
Infusionsleitung
52
Eingabeeinheit
54
Display
56
Sterilisierungsanschluss



Ansprüche

1. Vorrichtung (10) zur in-situ-Bereitstellung von verabreichungsfähigen, vorzugsweise reinen, Infusionslösungen zur Behandlung von Menschen oder Tieren mit einer Wassersterilisierungsvorrichtung (12), mittels der Trinkwasser zu sterilem Wasser aufbereitbar ist oder aufbereitet wird, mit einer Aufnahmevorrichtung (22) zur Aufnahme von wenigstens einem Substanzkonzentratbehälter (30, 32), wobei der Substanzkonzentratbehälter (30, 32) mit einem wasserlöslichen Substanzkonzentrat für die Infusionslösung befüllt ist oder befüllbar ist, und mit einer Mischeinheit (26) zum Mischen und/oder zum Bereitstellen von einer verabreichungsfähigen Infusionslösung aus dem von der Wassersterilisierungsvorrichtung (12) abgegebenen sterilen Wasser und aus einem Anteil des von dem in der Aufnahmevorrichtung (22) anordbaren und angeordneten Substanzkonzentratbehälters (30, 32) abgegebenen Substanzkonzentrats und mit einer Abgabeleitung (50) zur in-situ-Infudierung der Infusionslösung.
 
2. Vorrichtung (10) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Wassersterilisierungsvorrichtung (12) wenigstens einen, insbesondere mit Umkehrosmose, UV-Licht und/oder anderen Sterilisationsverfahren betriebenen, Sterilfilter zur Aufbereitung von Trinkwasser zu sterilem Wasser und/oder einen Anschluss (14) zum Anschließen der Wassersterilisierungsvorrichtung (12) an einen Trinkwasservorrat, insbesondere einen Trinkwasseranschluss (18), aufweist.
 
3. Vorrichtung (10) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Substanzkonzentratdosierungseinrichtung (40, 42) vorgesehen ist, derart, dass aus dem Substanzkonzentratbehälter (30, 32) dosiert Anteile des Substanzkonzentrats dem sterilen Wasser zuführbar sind.
 
4. Vorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass mehrere Aufnahmevorrichtungen (22) zur Aufnahme von mehreren Substanzkonzentratbehältern (30, 32) vorgesehen sind.
 
5. Vorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass eine Regeleinrichtung oder eine Steuerungseinrichtung für die Wassersterilisierungsvorrichtung (12) vorgesehen ist.
 
6. Vorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass eine Regeleinrichtung und/oder eine Steuerungseinrichtung für die Substanzkonzentratdosierungseinrichtung (40, 42) vorgesehen ist.
 
7. Vorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass eine Messvorrichtung zum Messen der Konzentration der gelösten Substanz in der Infusionslösung vorgesehen ist, wobei insbesondere die Messvorrichtung mit der Regeleinrichtung zur Regelung der Wassersterilisierungsvorrichtung (12) und/oder mit der Regeleinrichtung zur Regelung der wenigstens einen Substanzkonzentratdosiereinrichtung (40, 42) für das im Substanzkonzentratbehälter (30, 32) befindliche Substanzkonzentrat verbunden ist.
 
8. Vorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass eine Pumpeneinrichtung (28), insbesondere eine peristaltische Pumpe (28), zur Verabreichung der Infusionslösung vorgesehen ist, wobei insbesondere die Pumpeneinrichtung (28) mit der Mischeinheit (26) für die Infusionslösung verbunden ist.
 
9. Vorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass eine Eingabevorrichtung (52) zur Eingabe von herstellungsprozessbezogenen Daten, insbesondere Steuerdaten, und/oder einer Anzeigeeinrichtung (54) zur Anzeige von, insbesondere prozessbezogene, Daten vorgesehen ist.
 
10. Vorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (10) als ein Kompaktgerät oder eine Baueinheit ausgebildet ist, wobei insbesondere die Vorrichtung als eine Art Trolley oder als Trolley ausgebildet ist, wobei das Kompaktgerät oder die Baueinheit insbesondere stationär, voll mobil oder tragbar ausgebildet ist.
 
11. Vorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (10) ein, insbesondere vollmobiles, Wasserreservoir umfasst.
 
12. Verwendung einer Vorrichtung (10) zur in-situ-Bereitstellung von verabreichungsfähigen, vorzugsweise reinen, Infusionslösungen zur Behandlung von Menschen oder Tieren, wobei die Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 11 ausgebildet ist und wobei wenigstens ein Substanzkonzentratbehälter (30, 32) mit einer im Substanzkonzentratbehälter (30, 32) konzentriert vorliegenden Substanz für die in-situ-Bereitstellung von Infusionslösungen verwendet wird.
 
13. Verwendung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass der Substanzkonzentratbehälter (30, 32) als Kapsel oder als Pad oder als Kartusche oder als Beutel ausgebildet ist.
 
14. Verwendung wenigstens eines Substanzkonzentratbehälters (30, 32) mit einem im Substanzkonzentratbehälter (30, 32) befindlichen und für die Infusionslösung vorgesehenen Substanzkonzentrat zur in-situ-Bereitstellung von verabreichungsfähigen Infusionslösungen für eine in-situ-Infudierung von Menschen oder Tieren für eine Vorrichtung (10) zur in-situ-Bereitstellung von verabreichungsfähigen Infusionslösungen nach einem der Ansprüche 1 bis 11, wobei insbesondere der Substanzkonzentratbehälter (30, 32) als Kapsel oder als Pad oder als Kartusche oder als Beutel ausgebildet ist.
 
15. Verwendung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass das Substanzkonzentrat konzentrierte Elektrolyte und/oder Halbelektrolyten und/oder Nährstoffe und/oder Vitamine und/oder Nahrungsergänzungsstoffe und/oder Inhaltsstoffe für eine enterale oder parenterale Ernährung und/oder Medikamente, insbesondere für eine Chemotherapie, aufweist.
 




Zeichnung







Recherchenbericht















Recherchenbericht