[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Entkernung
von vorzugsweise über ein Druckgussverfahren hergestellten Gussteilen aus Leichtmetall
durch Entfernung von verlorenen Kernen mittels eines Wasserstrahls.
[0002] Mit Hilfe des Druckgussverfahrens werden heutzutage sehr viele Bauteile grosstechnisch
hergestellt. Eine Druckgussmaschine umfasst eine Giessform, welche zumindest aus zwei
Formhälften (einer festen und einer beweglichen Formhälfte) besteht, die zusammen
einen dem herzustellenden Bauteil entsprechenden Hohlraum (auch als Kavität oder Formkontur
bezeichnet) bilden. In diesen Hohlraum wird eine Schmelze des zu formenden Materials,
beispielsweise Aluminium, mit Hilfe eines Giesskolbens unter hoher Geschwindigkeit
und hohem Druck gepresst. Nach Erstarren der Metallschmelze im Hohlraum wird die Form
durch Bewegung der beweglichen Formhälfte geöffnet und das fertige gegossene Bauteil
mit Hilfe von Auswerfern ausgeworfen.
[0003] Für die Herstellung von Gussteilen mit komplexerer Form (beispielsweise hohlen Strukturen
und/oder nicht entformbaren Hinterschnitten) ist es erforderlich, in der Form so genannte
verlorene Kerne bereitzustellen. Es handelt sich hierbei um Formteile, die während
des Giessvorgangs in der Form an der entsprechenden Stelle positioniert sind und nach
dem Giessvorgang rückstandsfrei vom/aus dem Gussteil entfernt werden. Diese Kerne
sind nur für den Einmalgebrauch vorgesehen und gehen danach "verloren".
[0004] In letzter Zeit wurden zunehmend Salzkerne für diese Aufgabe herangezogen. Es handelt
sich hierbei um Gemische verschiedener Salze wie Natriumcarbonat (Na
2CO
3) und Natriumchlorid (NaCl), wie sie aus dem Stand der Technik (z.B.
EP-2 277 644 A1;
Yaokawa et al., Journal of Japan Foundry Engineering Society, vol. 78 (10), 2006,
516-522;
DE-100 4 785 T1) bekannt sind. Salzkerne halten den harschen Druckgussbedingungen stand und können
- im Gegensatz zu beispielsweise Sandkernen - nach beendetem Druckgussvorgang leicht
durch Behandlung mit beispielsweise heissem Wasser aufgelöst und entfernt werden.
[0005] Eine Entfernung von Salzkernen durch Eintauchen des Gussteils in Wasser oder ein
anderes geeignetes Lösungsmittel ist allerdings ökonomisch wenig praktikabel: Je nach
Art und Grösse des Salzkerns kann der Entfernungsvorgang mehrere Stunden benötigen,
was den gesamten Fertigungsprozess erheblich verlangsamt. Zudem ist es aufgrund der
für ein vollständiges Eintauchen des Gussteils erforderlichen grossen Menge an Flüssigkeit
nicht einfach, das praktisch vollständig in Lösung übergegangene Salz ökonomisch zu
recyceln.
[0006] In der
EP-0 909 623 A1 wird vorgeschlagen, Salzkerne mit Hilfe eines unter hohem Druck stehenden Wasserstrahls
aus dem Gussteil zu lösen. Es handelt sich hierbei um herkömmliche, in Serie geschaltete
Hochdruck-Wasserstrahlvorrichtungen, bei denen ein unter hohem Druck stehender Wasserstrahl
kontinuierlich auf das Gussteil mit darin befindlichem Salzkern gerichtet wird. Es
kommt auch hierbei zu einer erheblichen beziehungsweise vollständigen Auflösung der
Salzkerne. Zum Betrieb der kontinuierlichen Wasserstrahlvorrichtung ist eine erhebliche
Menge an Flüssigkeit erforderlich. Das Recycling des suspendierten beziehungsweise
gelösten Salzes ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Unter anderem wird vorgeschlagen,
das nachträgliche Ausfallen des Salzes aus der Flüssigkeit dadurch zu verbessern,
indem man eine Salzlösung durch die Hochdruck-Wasserstrahldüsen leitet.
[0007] In der
JP-2011/245530 A wird vorgeschlagen, Salzkerne mit einer herkömmlichen Hochdruck-Wasserstrahlvorrichtung
durch Anlegen eines geringeren Wasserdrucks zu zertrümmern. Die zertrümmerten Salzkernreste
werden umgehend von der Flüssigkeit getrennt, wodurch die aus der Vorrichtung austretende
Flüssigkeit im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren eine geringere Salzkonzentration
aufweisen soll. Auch bei diesen Verfahren muss zum Erreichen der gewünschten Zertrümmerung
der Salzkerne aber immer noch eine hohe Flüssigkeitsmenge durch die Düsen geleitet
werden, wodurch nach wie vor ein nicht unerheblicher Teil an Salz in Lösung geht.
Zudem ist der in diesem Dokument beschriebene Prozess vergleichsweise langsam. Das
zu entkernende Gussteil muss in der Vorrichtung genau auf die fest installierten Wasserstrahldüsen
ausgerichtet werden, was Zeit beansprucht.
[0008] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung bestand darin, eine Vorrichtung und ein Verfahren
bereitzustellen, mit welchem die Entkernung von Leichtmetall-Gussteilen einfacher
und effizienter durchgeführt und ein verbessertes Recycling des Salzmaterials der
Salzkerne erreicht werden kann.
[0009] Die vorliegende Aufgabe wird gelöst durch eine Vorrichtung zur Entkernung von Gussteilen,
insbesondere Leichtmetall-Gussteilen, umfassend eine Wasserstrahl-Schneiddüse und
eine Einheit zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse.
[0010] Es hat sich erfindungsgemäss gezeigt, dass die Entkernung von Gussteilen auf verbesserte
Weise durchgeführt werden kann, wenn die Gussteile nicht mit einem herkömmlichen Hochdruck-Wasserstrahl
behandelt werden, sondern mit einer Wasserstrahl-Schneidevorrichtung.
[0011] Wasserstrahl-Schneidvorrichtungen sind an sich bekannt. Sie beruhen auf dem Prinzip
der Materialabtragung durch kinetische Energie. Mit Hilfe einer speziellen Düse wird
die Druckenergie eines Wasserstrahls in kinetische Energie umgewandelt, welche sich
beim Auftreffen auf ein Werkstück in Verformungsenergie umwandelt.
[0012] Eine pumpfähige Flüssigkeit (in der Regel Wasser) wird durch eine Pumpe (beispielsweise
eine Membranpumpe, eine Hub-Kolbenpumpe oder eine hydraulisch angetriebene Kolbenpumpe)
mit hohem Druck in die Wasserstrahl-Schneidevorrichtung eingeführt. Der Wasserstahl
tritt aus der Vorrichtung durch eine Düse aus, welche eine Blende mit einer geringen
Austrittsöffnung (in der Regel mit einem Durchmesser von 0,4 bis 1,4 mm) aufweist.
Diese Blende ist vorzugsweise aus einem harten Werkstoff wie Keramik, Saphir oder
Diamant gefertigt. Der aus der Düse austretende Strahl weist eine sehr hohe Geschwindigkeit
(üblicherweise im Bereich von 600-1000 m/s) und somit eine hohe kinetische Energie
auf. Gleichzeitig wird durch diese Düse nur eine vergleichsweise geringe Menge an
Flüssigkeit gefördert.
[0013] Nach Austritt aus der Düse kommt es zu einer Verjüngung der Kernzone des Flüssigkeitsstrahls,
da der Strahl in seinen Randbereichen aufgrund Wechselwirkung mit Umgebungsluft abgebremst
und in Form von Tröpfchen zunehmend abgelöst wird. Es kommt somit zu einer punktförmigen
Fokussierung des Wasserstrahls.
[0014] In der Regel sollte beim Wasserstrahl-Schneiden die Düse einen Abstand von 10 bis
20 mm zum Werkstück haben, um ein optimales Resultat zu erzielen.
[0015] Gemäss der vorliegenden Erfindung soll demnach unter einer Wasserstrahl-Schneiddüse
eine vorstehend beschriebene Düse verstanden werden, welche am Düsenaustritt eine
Blende mit einer kleinen Austrittsöffnung mit einem Durchmesser von 0,4 bis 1,4 mm
aufweist, wobei die Blende aus einem harten Werkstoff wie Keramik, Saphir oder Diamant
gefertigt ist und die Wasserstrahl-Schneiddüse den Austritt eines Flüssigkeitsstrahls
mit einem Druck von 300 bis 500 bar, vorzugsweise 300 bis 400 bar, besonders bevorzugt
320 bis 380 bar bei einer Geschwindigkeit von 600-1000 m/s und einer Flüssigkeitsmenge
von 3 bis 20 1/min, vorzugsweise 5 bis 15 1/min, besonders bevorzugt 7 bis 12 1/min
ermöglicht.
[0016] Für bestimmte Anwendungen kann es vorteilhaft sein, der Flüssigkeit ein abrasives
Material zuzusetzen, um beispielsweise den Schneidvorgang bei hartem Material zu unterstützen.
Ein Beispiel für ein verwendbares abrasives Material ist Granat.
[0017] Im Gegensatz zu einer Entkernung mit herkömmlichen Hochdruck-Wasserstrahlvorrichtungen
kann mit einer Wasserstrahl-Schneidevorrichtung somit eine fokussierte Entkernung
(verringertes Risiko einer Beschädigung des Gussteils) mit geringerer Flüssigkeitsmenge
(geringere Auflösung des Salzkernmaterials) und höherer kinetischer Energie (effizientere
und schnellere Entkernung) erreicht werden.
[0018] Der Einsatz von Wasserstrahl-Schneidevorrichtungen zur Entkernung von Gussteilen
ist bislang nicht beschrieben worden. Im Stand der Technik wurde vorgeschlagen, die
Entkernung durch vollständiges Auflösen des Salzkerns beziehungsweise durch eine grobe
Zertrümmerung des Salzkerns mit Hilfe eines herkömmlichen Wasserstrahls durchzuführen.
[0019] Die erfindungsgemässe Wasserstrahl-Schneidevorrichtung entspricht von ihrem Aufbau
den bekannten, vorstehend beschrieben Wasserstrahl-Schneidevorrichtungen. Bei der
erfindungsgemässen Wasserstrahl-Schneidevorrichtung wird vorzugsweise Wasser als Flüssigkeit
verwendet. Mit Hilfe einer geeigneten Pumpe, vorzugsweise einer bekannten Hydraulikpumpe,
wird bei der erfindungsgemässen Wasserstrahl-Schneidevorrichtung ein Wasserstrahl
mit einem Druck im Bereich von 300 bis 500 bar, vorzugsweise 300 bis 400 bar, besonders
bevorzugt 320 bis 380 bar, durch einen Strömungskanal in der Vorrichtung gepumpt.
Herkömmliche Hochdruck-Wasserstrahlvorrichtungen werden zum Vergleich mit höherem
Druck von 400 bis 1000 bar betrieben.
[0020] Der so erzeugte Hochdruck-Flüssigkeitsstrahl wird durch eine vorstehend beschriebene
Düse mit einer Blende aus beispielsweise Keramik, Saphir oder Diamant mit einem Austrittslochdurchmesser
von 0,4 bis 1,4 mm gepresst. Der so erzeugte Strahl umfasst eine Flüssigkeitsmenge
von 3 bis 20 1/min, vorzugsweise 5 bis 15 1/min, besonders bevorzugt 7 bis 12 1/min.
Im Vergleich zu herkömmlichen Wasserstrahl-Vorrichtungen, bei denen ein Wasserstrahl
mit einer Flüssigkeitsmenge von 40 bis 60 1/min erzeugt wird, gelangt somit aus der
erfindungsgemässen Vorrichtung deutlich weniger Flüssigkeit auf den Salzkern.
[0021] Als Folge wird erfindungsgemäss eine deutlich geringere Menge des Salzkernmaterials
in der Flüssigkeit gelöst als bei herkömmlichen Entkernungsverfahren. Der Salzkern
wird vielmehr fein in kleine Teile geschnitten. Erfindungsgemäss verbleibt nach der
Entkernung ein um 5- 30%, vorzugsweise 10-25%, besonders bevorzugt 20% grösser Feststoffanteil
des Salzkernmaterials als bei herkömmlichen Entkernungsverfahren. Durch die verringerte
Menge an gelöstem Salzkernmaterial kann erfindungsgemäss das Recycling von Salzkernmaterial
sowie für das Wasserstrahlschneiden benötigter Flüssigkeit einfacher und effizienter
durchgeführt werden. Dies wird nachstehend näher ausgeführt.
[0022] Erfindungsgemäss erfolgt die Entkernung des Gussteils mit einem fokussierten Flüssigkeitsstrahl
mit hoher kinetischer Energie. Wie vorstehend beschrieben tritt der Flüssigkeitsstrahl
aus der Düse mit einer Geschwindigkeit von 200-1000 m/s, vorzugsweise 200 500 m/s
aus. Die erfindungsgemässe Entkernung kann somit schneller als herkömmliche Verfahren
durchgeführt werden. Herkömmliche Verfahren benötigen einen längeren Zeitraum für
die Entkernung von Gussteilen. Zudem ist durch den Einsatz eines fokussierten Flüssigkeitsstrahls
eine sehr präzise, punktgenaue Bearbeitung des Salzkernmaterials möglich. Das Risiko
einer Beschädigung des Gussteils durch den Flüssigkeitsstrahl ist somit minimiert
beziehungsweise ausgeschaltet.
[0023] Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin eine Vorrichtung zur Entkernung von
Gussteilen, insbesondere Leichtmetall-Gussteilen, umfassend eine Wasserstrahl-Schneiddüse
und eine Einheit zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse. Ein Nachteil
bekannter Entkernungsvorrichtung besteht darin, dass diese manuell oder halbautomatisch
durchgeführt werden, indem das zu entkernende Gussteil zeitaufwendig in die korrekte
Position zu fest installierten Hochdruck-Wasserstrahldüsen gebracht werden muss. Erfindungsgemäss
kann die vorstehend beschriebene Wasserstrahl-Schneiddüse in die korrekte Position
zu einem fixierten Gussteil gebracht werden. Dazu ist die Wasserstrahl-Schneiddüse
an einer beweglichen Einheit angeordnet. Durch entsprechende Bewegung dieser Einheit
kann die Wasserstrahl-Schneiddüse korrekt auf das Gussteil ausgerichtet werden.
[0024] Vorzugsweise umfasst die Einheit zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse
mehrere unabhängig voneinander bewegbare Bauteile, um eine möglichst einfache und
effiziente dreidimensionale Bewegung und Ausrichtung der an der Einheit angebrachten
Wasserstrahl-Schneiddüse zu erreichen. Derartige Einheiten sind aus dem Stand der
Technik bekannt. Es sei beispielsweise auf bekannte Industrieroboter-Einheiten verwiesen,
welche zur Bearbeitung von Bauteilen eingesetzt werden.
[0025] Erfindungsgemäss ist die Einheit zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse
mit einer Hochleistungspumpe verbunden, beispielsweise einer hydraulisch betriebenen
Pumpe. Dieser Pumpe wird Flüssigkeit, vorzugsweise Wasser, aus einem Tank zugeführt.
Mittels der Pumpe wird wie vorstehend beschrieben ein Hochdruck-Flüssigkeitsstrahl
erzeugt. Dieser Hochdruck-Flüssigkeitsstrahl wird durch ein Leitungssystem im Innern
der Einheit zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse zur Wasserstrahl-Schneiddüse
geführt.
[0026] Die Wasserstrahl-Schneiddüse ist derart mit der Einheit zur Bewegung und Ausrichtung
der Wasserstrahl-Schneiddüse verbunden, dass der Hochdruck-Flüssigkeitsstrahl ohne
Beeinträchtigung aus der Einheit zur Düse gelangt. Dies kann mittels hierfür bekannter
Verbindungsbauteile erfolgen.
[0027] Erfindungsgemäss bevorzugt umfasst die Einheit zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse
zusätzlich Einheiten zum Ergreifen und Halten eines Gussteils. Dadurch wird eine vollständige
Automatisierung des Entkernungsvorgangs ermöglicht. Ein beispielsweise in einem Druckgussprozess
hergestelltes Gussteil wird der Gussform auf bekannte Weise entnommen, beispielsweise
mit Hilfe eines anderen Industrieroboters, und der Entkernungsvorrichtung zugeführt.
Die Einheit zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse kann das Gussteil
mit Hilfe der zusätzlich Einheiten zum Ergreifen und Halten ergreifen und beispielsweise
zu einer Fixiereinheit überführen. Dort wird das Gussteil fixiert. Derartige Fixiereinheiten
sind bekannt und müssen hier nicht näher erläutert werden. Beispielsweise kann es
sich um einen fest angeordneten Block mit einer Einheit zur Aufnahme und Befestigung
eines Gussteils, beispielsweise einer zu öffnenden und zu schliessenden Klemmeinheit,
handeln.
[0028] Anschliessend wird die Wasserstrahl-Schneiddüse durch Bewegung der Einheit zur Bewegung
und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse korrekt auf das fixierte Gussteil ausgerichtet.
Nach Beendigung des Entkernungsprozesses wird das Gussteil mittels der Einheit zur
Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse aus der Fixiereinheit entnommen
und dem nächsten Arbeitsschritt zugeführt. Einheiten zum Ergreifen und Halten eines
Gussteils sind bekannt und müssen nicht näher erläutert werden. Vorzugsweise handelt
es sich um zangenartige Bauteile, welche geöffnet und geschlossen werden können.
[0029] Die Einheit zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse wird erfindungsgemäss
bevorzugt automatisch gesteuert. Dies kann mit Hilfe bekannter Steuereinheiten wie
Computern erfolgen, welche entsprechende Steuerungsprogramme enthalten. Derartige
Steuereinheiten und Steuerungsprogramme für Industrieroboter sind bekannt und müssen
hier nicht näher erläutert werden.
[0030] Wasserstrahl-Schneidverfahren sind sehr laut, da der Flüssigkeitsstrahl wie vorstehend
beschrieben aus der Düse mit einer Geschwindigkeit von 200-1000 m/s, vorzugsweise
200-500 m/s austritt, d.h. mit Überschallgeschwindigkeit. Zudem besteht erhebliche
Verletzungsgefahr für das Bedienungspersonal, wenn es in den Bereich des Flüssigkeitsstrahls
gerät. Gemäss einer besonders bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung
ist die Vorrichtung zur Entkernung von Gussteilen als eine abgeschlossene Zelle ausgestaltet,
welche nachstehend als Entkernungszelle bezeichnet wird. Die Entkernungszelle umfasst
einen durch Trennwände von der Umgebung abgeschlossenen Raum, durch welchen das Innere
der Zelle von der Umgebung schalldicht abgeschlossen ist. Vorzugsweise sind die Wände
zumindest teilweise aus einem transparenten Material gefertigt, damit Bedienungspersonal
den im Innern der Entkernungszelle ablaufenden Entkernungsvorgang optimal überwachen
kann. Geeignete Wandmaterialien sind bekannt und müssen hier nicht näher erläutert
werden.
[0031] In den Trennwänden sind mindestens ein Einlass und ein Auslass zum Einbringen beziehungsweise
Herausnehmen eines Gussteils in die Zelle vorhanden. Es kann sich hierbei beispielsweise
um Schiebetüren oder um Schleusensysteme handeln.
[0032] Im Innern der Entkernungszelle ist die vorstehend beschriebene Einheit zur Bewegung
und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse mit daran angeordneter, vorstehend beschriebener
Wasserstrahl-Schneiddüse bereitgestellt.
[0033] Gemäss einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung befindet sich
im Innern der Entkernungszelle zudem eine vorstehend beschriebene Einheit zur Fixierung
eines Gussteils (Fixiereinheit). Gemäss einer besonders bevorzugten Ausführungsform
wird durch einen Einlass in einer Trennwand der Entkernungszelle ein Gussteil eingeführt,
welches von der Einheit zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse
ergriffen und zur vorstehend beschriebenen Fixiereinheit befördert wird. Dort wird
das Gussteil fixiert. Anschliessend wird die Wasserstrahl-Schneiddüse durch Bewegung
der Einheit zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse korrekt auf
das Gussteil ausgerichtet, vorzugsweise in einem Abstand von 10 bis 20 mm zum Werkstück.
Nach Abschluss des Entkernungsprozesses wird das Gussteil mit Hilfe der Einheit zur
Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse aus der Fixiereinheit entnommen
und zu einem Auslass in einer Trennwand der Entkernungszelle ein Gussteil befördert,
durch welchen es aus der Entkernungszelle heraus gebracht und gegebenenfalls weiter
bearbeitet wird.
[0034] Mit Hilfe der erfindungsgemässen Entkernungszelle ist somit ein vollautomatischer
Entkernungsprozess für Gussteile ohne zu grosse Lärmbelastung und ohne Gesundheitsrisiko
für das Bedienungspersonal durchführbar.
[0035] Ein weiterer Vorteil der vorliegenden Erfindung besteht in dem einfacheren und effizienteren
Recycling das aus dem Gussteil heraus gelösten Salzkernmaterials und der für den Vorgang
benötigten Flüssigkeit, vorzugsweise Wasser. Wie vorstehend beschrieben zeichnet sich
der erfindungsgemässe Entkernungsprozess durch die Verwendung einer geringeren Flüssigkeitsmenge
und damit einhergehend einer geringeren Lösung von Salzkernmaterial aus. Somit verbleibt
nach dem Entkernungsvorgang ein grösser Anteil des aus dem Gussteil entfernten Salzkernmaterials
in fester Form, nämlich 60 bis 80% (d.h. 20 bis 40% des Materials gehen in Lösung),
vorzugsweise 70 bis 80%. Das feste Salzkernmaterial kann auf sehr einfache Weise durch
bekannte Trocknungsverfahren von der Flüssigkeit getrennt werden.
[0036] Vorzugsweise ist im Boden der erfindungsgemässen Entkernungszelle eine Öffnung vorhanden,
durch welche die zur Entkernung verwendete Flüssigkeit mit darin teilweise gelöstem
Salzkernmaterial sowie die festen Salzkernrückstände aus der Entkernungszelle herausgeführt
werden können.
[0037] Gemäss einer Ausführungsform ist an der erfindungsgemässen Entkernungsvorrichtung
eine Einheit zur Trennung fester und flüssiger Rückstände eines Entkernungsprozesses
angeordnet. Derartige Einheiten sind an sich bekannt und beispielsweise in der
JP-2011/245530 A beschrieben.
[0038] Beispielhaft kann es sich hierbei um ein siebartiges Förderband handeln, welches
unterhalb der Öffnung im Boden der Erfindungsgemässen Entkernungszelle angeordnet
ist. Das Förderband ist hierbei aus einem Material gefertigt, das wie ein Sieb Löcher
einer bestimmten Grösse aufweist. Die Löcher sind derart dimensioniert, dass die festen
Rückstände des Salzkernmaterials auf dem Förderband verbleiben, während die Flüssigkeit
durch die Löcher hindurch tritt und von einer darunter angeordneten Sammeleinheit
(beispielsweise ein Tank) aufgenommen wird. Die auf dem Förderband verbliebenen festen
Rückstände des Salzkernmaterials werden auf dem Förderband getrocknet, beispielsweise
mit Hilfe von Gebläseeinheiten und anschliessend in einen Auffangbehälter überführt.
Das so erhaltene Material kann zur Herstellung neuer Salzkerne verwendet werden. Die
in der Sammeleinheit aufgenommene Flüssigkeit kann aufgrund des geringen Salzgehalts
auf einfache Weise entsorgt oder alternativ durch Entfernung des Salzkernmaterials
durch bekannte Trenntechniken recycelt und der Hochdruckpumpe der Wasserstrahl-Schneidvorrichtung
zugeführt werden.
[0039] Mit Hilfe der vorliegenden Erfindung können Gussteile entkernt werden, welche mit
Hilfe von verlorenen Kernen geformt wurden. Verfahren zur Formung von Gussteilen sind
bekannt und müssen hier nicht näher erläutert werden. Die vorliegende Erfindung betrifft
besonders die Entkernung von Gussteilen, welche über ein Druckgussverfahren hergestellt
wurden, ist aber nicht darauf beschränkt. Beispielsweise können auch Gussteile aus
Spritgussverfahren mit dem erfindungsgemässen Verfahren entkernt werden.
[0040] Druckgussverfahren und damit hergestellte Gussteile sind bekannt und müssen hier
nicht näher erläutert werden. Erfindungsgemäss bevorzugt handelt es sich bei den Gussteilen
und Gussteile aus Leichtmetall, wie sie üblicherweise durch Druckgussverfahren hergestellt
werden. Beispielhaft seien Gussteile aus Aluminium oder aus Aluminium- oder Magnesium-Legierungen
genannt.
[0042] Die vorliegende Erfindung wird nachstehend anhand von nicht einschränkenden Zeichnungen
und Ausführungsformen näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Ausführungsform einer erfindungsgemässen Entkernungszelle
- Fig. 2
- eine Ausführungsform einer erfindungsgemäss verwendbaren Wasserstrahl-Schneiddüse.
[0043] Eine Ausführungsform einer erfindungsgemässen Entkernungszelle 1 umfasst eine Zelle
2, welche einen abgeschlossenen Raum definiert. Dieser Raum ist durch einen Einlass
3 und einen Auslass 4 zugänglich. Einlass 3 und Auslass 4 sind hier in Form von Schiebetüren
ausgestaltet. Vor dem Einlass 3 und dem Auslass 4 sind in der Ausführungsform gemäss
Fig. 1 Ablagen für ein einzuführendes beziehungsweise zu entnehmendes Gussteil angeordnet.
[0044] In der Zelle 2 befindet sich die Einheit 5 zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse.
Die Einheit ist hier als Industrieroboter ausgestaltet, welcher mehrere bewegliche
Teile umfasst und mit Hilfe einer (nicht gezeigten) Steuereinheit nach Bedarf bewegt
werden kann.
[0045] Am Ende der Einheit 5 ist eine Funktionseinheit angeordnet, welche die Wasserstrahl-Schneiddüse
6 sowie Einheiten 7 zum Ergreifen und Halten eines Gussteils (in Fig. 1 als zangenförmige
Elemente ausgestaltet) umfasst.
[0046] In der Zelle 2 befindet sich weiterhin eine Einheit 8 zur Fixierung eines Gussteils.
In der Ausführungsform gemäss Fig. 1 ist diese Einheit 8 als Block mit daran angeordnetem
zangenförmigem Element ausgestaltet. Die Einheit 8 ist in Fig. 1 auf einem säulenförmigen
Bauteil angeordnet, welches fest auf dem Untergrund angeordnet ist. Damit wird eine
sichere Fixierung des Gussteils in der Einheit 8 während des Entkernungsvorgangs gewährleistet.
[0047] Die Wasserstrahl-Schneiddüse 6 ist durch das Innere der Einheit 5 mit einer (nicht
gezeigten) Hochleistungspumpe wie einer Hydraulikpumpe verbunden, mit welcher ihr
eine Flüssigkeit, vorzugsweise Wasser, unter hohem Druck zugeführt wird.
[0048] Das während der Entkernung aus dem Gussteil entfernte Salzkernmaterial wird zusammen
mit der aus der Wasserstrahl-Schneiddüse 6 austretenden Flüssigkeit durch eine Öffnung
9 aus der Zelle 2 herausgeführt und gelangt in eine Einheit 10, in welcher die festen
Rückstände so schnell wie möglich von der Flüssigkeit getrennt werden. Die von der
Flüssigkeit abgetrennten festen Rückstände des Entkernungsprozesses werden in einen
Sammelbehälter 11 befordert, wo sie als recyceltes Material für die Herstellung neuer
Salzkerne zur Verfügung stehen. Die abgetrennte Flüssigkeit kann aus der Einheit 10
nach vorgängiger Abtrennung gelöster Bestandteile des Salzkerns in die Hochleistungspumpe
zurückgeführt werden.
[0049] In Fig. 2 ist eine Ausführungsform einer erfindungsgemäss verwendbaren Wasserstrahl-Schneiddüse
6 gezeigt. Durch einen Düsenkanal 12 strömt eine Flüssigkeit, vorzugsweise Wasser,
welche unter einem hohen Druck von 300 bis 500 bar, vorzugsweise 300 bis 400 bar,
besonders bevorzugt 320 bis 380 bar steht. Die Flüssigkeit wird durch eine als Stauelement
dienende Blende 13 gedrückt, welches aus einem harten Werkstoff wie beispielsweise
Keramik, Saphir oder Diamant gefertigt ist. In der Blende ist eine kleine Austrittsöffnung
14 vorhanden, welche einen Durchmesser von 0,4 bis 1,4 mm aufweist. Die Blende 13
kann in der Düse auf bekannte Weise befestigt sein, beispielsweise mit Hilfe einer
(nicht gezeigten) Gummidichtung oder mittels Konus.
[0050] Der Flüssigkeitsstrom wird durch die kleine Öffnung 14 gepresst und dabei auf eine
Geschwindigkeit von 200-1000 m/s, vorzugsweise 200-500 m/s beschleunigt, wodurch er
eine sehr hohe kinetische Energie erhält. Gleichzeitig gelangt nur eine geringe Flüssigkeitsmenge
von 3 bis 20 1/min, vorzugsweise 5 bis 15 1/min, besonders bevorzugt 7 bis 12 1/min,
durch die Öffnung 14.
[0051] Der so erzeugte Flüssigkeitsstrom durchläuft den Strahlstabilisator-Abschnitt 15
und verlässt die Wasserstrahl-Schneiddüse 6 als fokussierter Strahl mit hoher kinetischer
Energie. Der Strahl trifft auf den Salzkern S, welcher sich im Gussteil G befindet,
und schneidet diesen in kleine Teile. Die kleinen Teile werden dabei aus dem Gussteil
G herausgelöst, und die gewünschte Entkernung des Gussteils G wird erreicht.
1. Vorrichtung (1) zur Entkernung von Gussteilen (G), insbesondere Leichtmetall-Gussteilen,
umfassend eine Wasserstrahl-Schneiddüse (6) und eine Einheit (5) zur Bewegung und
Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse (6).
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Einheit (5) zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse (6) mehrere
unabhängig voneinander bewegbare Bauteile umfasst.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Einheit (5) zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse (6) zusätzlich
Einheiten (7) zum Ergreifen und Halten eines Gussteils (G) umfasst.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Einheit (5) zur Bewegung und Ausrichtung der Wasserstrahl-Schneiddüse (6) mit
Hilfe einer Steuerungseinheit bedienbar ist.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (1) zusätzlich eine Einheit (8) zur Fixierung eines Gussteils (G)
umfasst.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (1) als eine abgeschlossene Zelle (2) ausgestaltet ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Einlass (3) und ein Auslass (4) zum Einbringen beziehungsweise Herausnehmen
eines Gussteils (G) in die Zelle (2) vorhanden sind.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass an der Vorrichtung eine Einheit (10) zur Trennung fester und flüssiger Rückstände
eines Entkernungsprozesses angeordnet ist.
9. Verfahren zur Entkernung von Gussteilen (G), insbesondere Leichtmetall-Gussteilen,
gekennzeichnet durch den Schritt der Behandlung eines Gussteils (G) mit einem Wasserstrahl, welcher aus
einer Wasserstrahl-Schneiddüse (6) auf das Gussteil geführt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Wasserstrahl mit einem Druck im Bereich von 300 bis 500 bar auf das Gussteil
(G) geführt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass der auf das Gussteil (G) geführte Wasserstrahl eine Wassermenge im Bereich von 3
1/min bis 20 1/min umfasst.
12. Verwendung einer Vorrichtung (1) nach einem Ansprüche 1 bis 8 zur Entkernung von Gussteilen
(G), insbesondere Leichtmetall-Gussteilen.
13. Verwendung einer Wasserstrahl-Schneiddüse (6) zur Entkernung von Gussteilen (G), insbesondere
Leichtmetall-Gussteilen.