[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Leistungssteuerung eines Gefechtskopfes,
dessen zylindrische Sprengladung eine definierte Porosität aufweist, wobei die Porenräume
mit einer Flüssigkeit aufgefüllt werden, wobei ein Einpressdruck gesteuert auf die
Flüssigkeit aufgebracht wird.
[0002] Aus den Patentschriften
DE 100 08 914 C2 und
DE 102 27 002 B4 ist bereits ein Gefechtskopf bekannt geworden, bei dem die Leistung des Gefechtskopfes
mittels mechanischer Zerlegung zumindest eines Teils der Sprengladung in einem weiten
Bereich dosiert werden kann. Hierbei wird die Tatsache genutzt, dass eine Sprengladung
nicht mehr zur Detonation fähig ist sobald die Dichte der Sprengladung eine kritische
Grenze unterschritten hat. Die Sprengladung behält jedoch bis zur beschriebenen mechanischen
Zerlegung ihre volle Leistungsfähigkeit.
[0003] Die
US 5 067 995 A beschreibt ein Verfahren zur Leistungssteuerung eines Gefechtskopfes. Die Sprengladung
des Gefechtskopfes weist eine definierte Porosität auf. Die Hohlräume der Poren werden
mit einer Flüssigkeit gefüllt, wobei der Einpressen der Flüssigkeit aufgebrachte Druck
gesteuert wird.
[0004] Demgegenüber liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine vorteilhafte
Alternative zu entwickeln, welche sich vor der Initiierung quasi wie eine inerte Ladung
verhält, bzw. bei ungewollter Zündung maximal eine niedrige deflagrative Leistung
abgibt wobei die Leistung des Gefechtskopfes bis kurz vor der Detonation gesteuert
werden kann.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch das beschriebene Verfahren gelöst.
[0006] Mit dem im Anspruch beschriebenen Verfahren kann in vorteilhafter Weise die poröse
Sprengladung, die eine niedrige Dichte unterhalb der Detonationsgrenze aufweist, mittels
gesteuertem
axialem Einpressdruck wenigstens teilweise mittels des füssigen Sprengstoffes auf eine höhere
Dichte verdichtet werden, die über der Detonationsgrenze liegt. Dieser Teil der Sprengladung
lässt sich dann mittels einer weiteren Zündeinrichtung detonativ umsetzen. Im Ausgangszustand
ist diese Sprengladung aufgrund ihrer Dichte nur deflagrativ initiierbar. Je weiter
jedoch die Beaufschlagung mit Einpressdruck fortschreitet um so mehr Poren der Sprengladung
werden über die Detonationsgrenze hinaus gefüllt. Durch geschickte Wahl des Zündzeitpunkts
der Sprengladung ergibt sich daraus eine Steuerung der detonativen Wirkung der Sprengladung
im Bereich von 0 bis 100 %. Im Fall eines splitterbildenden Gefechtskopfes kann somit
die Splittererzeugung in weiten Grenzen eingestellt werden.
[0007] Der besondere Vorteil einer erfindungsgemäßen Sprengladung ist die hohe Sicherheit
bei Lagerung und Transport. Die poröse Sprengladung ist vor der Druckbeaufschlagung
sehr sicher, weil die Sprengladung eine Dichte aufweist, die deutlich unterhalb der
so genannten kritischen Dichte liegt, die die Grenze für die Detonationsfähigkeit
darstellt. Somit können die Bedingungen für die Safety Tests ohne Probleme erfüllt
werde und die Klassifikation einer solchen Sprengladung ist wesentlich unkritischer.
[0008] In vorteilhafter Weise erfolgt die Beaufschlagung mit Einpressdruck mit Hilfe einer
an der Stirnseite der zylindrischen Ladung anliegenden inerten Platte, die beispielsweise
mittels einer weiteren geeigneten Sprengladung in Richtung Sprengladung hin beschleunigt
wird und letztere damit komprimiert.
[0009] Verwendung findet hierbei ein Abteils mit flüssigem Sprengstoff, welches im Sprengladungsgehäuse
zwischen der zu komprimierenden porösen Sprengladung und einer als Druckübertrager
dienenden inerten Platte platziert ist. Die Platte wird zum geeigneten Zeitpunkt mit
Druck beaufschlagt und presst den flüssigen Sprengstoff in die Poren der porösen Sprengladung.
[0010] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Figuren der Zeichnung schematisch
vereinfacht dargestellt, wobei sich die Merkmale der Erfindung nicht auf die gezeigten
Beispiele beschränken. Es zeigen:
- Fig. 1:
- eine Sprengladung mit offenporigem Sprengstoff und einem Reservoir mit flüssigem Sprengstoff,
- Fig. 2:
- eine Sprengladung nach Figur 1 in der Kompressionsphase.
[0011] In den Figuren der Zeichnung Anordnungen zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
zur Leistungssteuerung eines Gefechtskopfes dargestellt und in der nachfolgenden Beschreibung
erläutert. Aus der Darstellung in den Figuren ergibt sich jedoch keine Beschränkung
auf genau diese Ausführungsformen.
[0012] Die Figur 1 zeigt ein weiteres Lösungskonzept für die gewünschte Verdichtung einer
porösen Ladung PHE. Es wird hierbei vorausgesetzt, dass der poröse Sprengstoff PHE
offenporig ist. Im Ausgangszustand der Ladung ist ein Reservoir mit flüssigen Sprengstoff
LHE von der porösen Ladung PHE durch eine undurchlässige zerreißbare Membran M getrennt.
Auf der der Membran gegenüberliegenden Seite des Reservoirs ist ein Druckstempel P,
der in der Metallhülle MH der Ladung verschiebbar gelagert ist, angeordnet. Gemäß
Figur 2 wird der Druckstempel mit Druck D beaufschlagt, wodurch die Membran zerstört
wird. Gleichzeitig wird der flüssige Sprengstoff LHE durch die offenen Poren in das
freie Volumen der porösen Ladung gedrückt. Der Bereich der Ladung, dessen Poren gefüllt
sind, ist dann die detonationsfähige Sprengladung HE. Die Initiierung dieser Sprengladung
erfolgt mittels einer dem ursprünglichen Reservoir gegenüber angeordneten Zündkette
ZK 2 oder mit Hilfe einer innerhalb der Ladung HE angeordneten, hier nicht dargestellten
eigenen Zündkette.
[0013] Flüssige Sprengstoffe LHE sind seit langem bekannt und können deshalb anhand ihrer
für diese Anwendung besonders geeigneten Parameter ausgewählt werden.
[0014] Die Beaufschlagung des Druckstempels P mit Druck D in der gezeichneten Pfeilrichtung
kann im Rahmen des fachmännischen Handelns auf vielfältige Weise erfolgen. Falls eine
hohe Geschwindigkeit erforderlich ist, können pyrotechnische Hilfsmittel, wie beispielsweise
Treibladungen, eingesetzt werden. Auch der Triebwerksdruck eines Flugkörpers kann
entsprechend geführt und eingesetzt werden. Bei geringeren Anforderungen hinsichtlich
der Geschwindigkeit können auch mechanische oder elektrische Antriebe eingesetzt werden.
[0015] Für alle hier beschriebenen Beispiele beziehungsweise die gleichartig wirkenden Ausführungsformen
gilt die Bedingung, dass nicht die vollständige Verdichtung des porösen Ladungsteils
PHE abgewartet werden muss, bis über die weitere Zündkette ZK 2 die Initiierung erfolgen
kann. Vielmehr kann auch von dieser Zündkette beispielsweise über eine weitere Zünd-
oder Detonationsschnur ein zentrales Detonationssignal an den bereits verdichteten
Teil der Ladung HE herangeführt und zum gewünschten Zeitpunkt gezündet werden. Damit
wird eine weitere Flexibilität der Dosierbarkeit der Ladung erreicht.
1. Verfahren zur Leistungssteuerung eines Gefechtskopfes, dessen zylindrische Sprengladung
eine definierte Porosität aufweist, wobei die Porenräume mit einer Flüssigkeit aufgefüllt
werden, wobei ein Einpressdruck gesteuert auf die Flüssigkeit aufgebracht wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Flüssigkeit ein flüssiger Sprengstoff (LHE) ist,
- der im Sprengladungsgehäuse angeordnet ist und der auf der einen Seite über eine
Membran (M) an der zu komprimierenden Sprengladung (PHE) und
- auf der anderen Seite an einer beweglich gelagerten inerten Platte (P) anliegt.
IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE
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