[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Ternesit-Belit-Calciumsulfoaluminat-Klinker,
-Zement und -Bindemittel, sowie den Einsatz von Ternesit als Additiv zu Calciumsulfoaluminat(ferrit)(Belit)-Klinker
(CSA(F)(B)), -zement, und Bindemitteln.
[0002] Die Zementindustrie hat einen erheblichen Anteil an der globalen CO
2-Produktion. Die weltweit wachsende Nachfrage nach Zement vor allem in Entwicklungsländern
sowie steigende Kosten für Rohstoffe, Energie und CO
2-Zertifikate führten in den letzten Jahren zur zunehmenden Verringerung des Klinkerfaktors,
zum Beispiel durch eine Zugabe von Kalksteinmehlen, Flugaschen und granulierten Hüttensanden
als Klinkerersatzstoffe. Diese Verwendung von Nebenprodukten und Abfallprodukten anderer
Industrien sowie die Entwicklung alternativer Bindemittel rücken zunehmend in den
Fokus des politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interesses.
[0003] Weltweit fallen im Zuge der thermischen Abfallbeseitigung / Energiegewinnung, Stahlerzeugung,
Edelmetallgewinnung etc., enorme Mengen an Materialien an, die im Folgenden als industrielle
Nebenprodukte bezeichnet werden. Je nach Qualität / Zusammensetzung / Anwendungsgebiet
können diese teilweise oder vollständig in verschiedenen Prozessen und Produkten wiederverwendet
werden, z.B. als Korrektiv zur Klinkerherstellung von Portlandzement, als Additiv
für Beton und als Zuschlag für Asphalt und Beton, etc.
[0004] Aufgrund verschiedener Faktoren, wie zum Beispiel der fehlenden Gleichmäßigkeit (Chemismus
und Mineralogie) und der Schadstoffgehalte (Organik, Schwermetalle, etc...), ist die
Verwendung der industriellen Nebenprodukte aber nicht unproblematisch. Unter anderem
kann eine sinkende Reaktivität / Qualität von OPC-Klinker bzw. eine mangelnde Raumbeständigkeit
von Zementen dazu führen, dass jährlich große Mengen solcher Materialien kostenintensiv
deponiert bzw. als Haldenmaterial und Deponiematerial herangezogen werden müssen.
Schwierigkeiten können auch bei der Deponierung solcher Materialien auftreten, z.B.
können Auslaugungsprozesse zur Kontamination der umliegenden Flächen und Gewässer
/ Grundwässer führen. Die Verwendung / Aufbereitung industrieller Nebenprodukte stellt
daher eine große Herausforderung und eine noch immer nicht gelöste Aufgabe dar. Eine
möglichst effiziente und nachhaltige Ressourcennutzung wird zukünftig unverzichtbar
sein und besitzt eine globale Relevanz.
[0005] Neben der Substitution von Klinker im Zement und von Rohstoffen in der Rohmehlmischung
wurde auch versucht, andere hydraulisch härtende Bindemittel zu finden. Hierzu zählen
Calciumsulfoaluminatzemente und Zemente mit Belit als Hauptkomponente.
[0006] Es werden folgende in der Zementindustrie üblichen Abkürzungen verwendet: H - H
2O, C - CaO, A - Al
2O
3, F - Fe
2O
3, M - MgO, S - SiO
2 und $ - SO
3. Um die weitere Beschreibung zu vereinfachen werden zumeist Verbindungen in ihrer
reinen Form angegeben, ohne explizite Angabe von Mischreihen / Substitution durch
Fremdionen usw. wie sie in technischen und industriellen Materialien üblich sind.
Wie jeder Fachmann versteht, kann die Zusammensetzung der in dieser Erfindung namentlich
genannten Phasen, in Abhängigkeit vom Chemismus des Rohmehls und der Art der Herstellung,
durch die Substitution mit diversen Fremdionen variieren, wobei solche Verbindungen
ebenfalls in den Schutzbereich der vorliegenden Erfindung fallen und von der Angabe
der reinen Phasen/Verbindungen umfasst sein sollen.
Stand der Technik
[0007] Calciumsulfoaluminatzement wird großtechnisch. üblicherweise durch die Sinterung
homogenisierter, feinteiliger, natürlicher Rohstoffe, wie Kalkstein, Bauxit, Gips
/ Halbhydrat / Anhydrit, aluminiumreicher Ton und einer SiO
2-Quelle, in einem Drehrohrofen zwischen 1100 °C - 1350 °C hergestellt und weist einen
signifikant unterschiedlichen Chemismus und Phasengehalt im Vergleich zu Portlandzement
auf. In Tabelle 1 sind die in Portlandzement (OPC) und Sulfoaluminatzement (BCSAF)
vorliegenden Phasen gegenübergestellt. Auch beim Sulfoaluminatzement können verschiedene
industrielle Nebenprodukte wie z.B. Hüttensand und Flugaschen dem Rohmehl zugesetzt
werden.
Tabelle 1: Chemismus und Mineralogie von OPC im Vergleich zu BCSA(F)
| |
Temperatur [°C] |
Chem. Zusammensetzung [%] |
Miner. Zusammensetzung [%] |
| |
|
|
C3S [50-70] |
| |
|
CaO [55-75] |
C2S [10-40] |
| |
|
SiO2 [15-25] |
C3A [0-15] |
| OPC |
~1450 |
Al2O3 [2-6] |
C4AF [0-20] |
| |
|
Fe2O3 [0-6] |
C$ [2-10] |
| |
|
SO3 [1.5-4.5] |
C [0-3] |
| |
|
|
Cc [ 0-5 ] |
| |
|
CaO [40-70] |
C2S [2-70] |
| |
|
SiO2 [2-40] |
C4A3$ [10-75] |
| BCSAF |
~1250 |
Al2O3 [5-40] |
C4AF [0-30] |
| |
|
Fe2O3 [0-15] |
C$ [5-30] |
| |
|
SO3 [5-25] |
Nebenphasen |
[0008] Ein entscheidender, hydraulisch aktiver Bestandteil von Calciumsuffoaluminat-Zement
ist ein (Misch)Kristall der Verbindungen folgender Zusammensetzung 3 CaO ● 3 Al
2O
3 ● CaSO
4 - 3 CaO ● 3 Fe
2O
3 ● CaSO
4 (C
4A
3$ - C
4F
3$; Sulfoaluminat-Sulfoferrit, Ye'elimit), welcher nach dem Anmachen mit Wasser und
in Gegenwart von löslichen Sulfaten und zusätzlichen Calciumträgern zu Ettringit,
3 CaO ● (Al
2O
3 / Fe
2O
3) ● 3 CaSO
4 ● 32 H
2O, sowie verschiedenen Monophasen reagiert. Die sich bildenden (Hydrat)Phasen (z.B.
Ettringit [AF
t], Monophasen [AF
m] etc.) können eine Vielzahl verschiedener (Schad)Stoffe, durch z.B. den Einbau in
die Kristallstruktur der Hydratphase, Anlagerung an Partikeloberflächen, Fixierung
im Zementleim, Ausfällung als z.B. Hydroxide / Karbonate, etc., binden und dauerhaft
fixieren. Zwei weitere hydraulisch aktive Phasen des Calciumsulfoaluminatzements sind
Dicalciumsilicat (C
2S) und Tetracalciumaluminatferrit (C
4AF), welche jedoch vorrangig zur Endfestigkeit beitragen.
[0009] EP 0 838 443 A1 beschreibt die Herstellung von Calciumsulfoaluminat - Zement, ausgehend von Aluminium
enthaltenden Reststoffen.
[0010] DE 196 44 654 A1 beschreibt die Herstellung eines Calciumsulfoaluminat - Zements aus aufbereiteten
Salzschlacken.
[0011] FR 2 928 643 beschreibt die Herstellung und Zusammensetzung eines Belit-Calciumsulfoaluminat(ferrit)
- Klinkers aus einer Mischung mit Mineralen, die Calcium, Aluminium, Silizium, Eisen
und Schwefel, vorzugsweise in Form von Sulfat, enthalten. Die Sinterung der Rohmehlmischung
erfolgt durch das Durchlaufen eines Brennofens mit einer Durchlaufzeit von mindestens
15 Minuten.
[0012] FR 2 946 978 beschreibt die Herstellung und Zusammensetzung eines BelitCalciumsulfoaluminat(ferrit)
- Klinkers aus einer Mischung verschiedener Rohstoffe.
[0013] Sherman et al. in "Long-term Behaviour of Hydraulic Binders based on Calcium Sulfoaluminate
and Calcium Sulfosilicate" offenbaren ein Verfahren zur Herstellung eines hydraulisch
reaktiven Klinkers durch Sintern einer Rohmehlmischung aus CaCO
3, Phosphogips, Flugasche, Bauxit, Hochofenschlacke und Ton. Die Rohstoffmischung wird
bei ca. 1200°C in einem Elektroofen über einen Zeitraum von 4-8 Stunden gesintert.
Der erhaltene Klinker weist eine mineralogische Zusammensetzung enthaltend: C
4A
3$ und C
5S
2$ und C$ im Verhältnis 1:1:0.5. Die Proben FA, BS und CL setzen sich aus C
4A
3$, C
5S
2$ und C$ sowie Nebenphasen von C
3A und C
4AF zusammen und weisen keine ß-C
2S Phase auf. Neben dem C
4A
3$-C
5S
2$-C$-Klinker wird auch ein reiner C
5S
2$-Klinker synthetisiert. Wie aus den Hydratationsversuchen hervorgeht, ist dieser
reiner C
5S
2$-Klinker hydraulisch "inaktiv", da er über einen Zeitraum von 2 Jahren keine nennenswerte
hydraulische Aktivität.
[0014] EP 1 171 398 B1 (
DE 600 29 779 T2) beschreibt die Sinterung spezifischer Rohmaterialien bei 900 bis 1200 °C, um im
Ofen Spezialklinker zu produzieren, die hohe Konzentrationen an Kristall X = {(C,
K, N, M)
4(A, F, Mn, P, T, S)
3(Cl, $)} und Kristall Y = {(C
2S)
3(CS)
3Ca(f, cl)
2} und/oder Kristall Z = {C
5S
2$} aufweisen. Diese Klinker werden mit hydraulischem Zement oder Zement vom Typ Portland
gemischt, um fertige Zementzusammensetzungen zu produzieren.
[0015] Aufgabe der Erfindung war die Bereitstellung eines verbesserten Calciumsulfoaluminat(ferrit)
- Klinkers, - Zements und - Bindemittels, welche weniger negativen Einfluss auf die
Umwelt haben, indem industrielle Nebenprodukte einen großen Teil der Rohmehlmischung
ausmachen können und/oder dessen Herstellung weniger CO
2 freisetzt.
[0016] Es wurde nun überraschend gefunden, dass die Phase C
5S
2$ (Ternesit auch als Sulfospurrit oder Sulfatspurrit bezeichnet) eine signifikant
reaktive Komponente in Sulfoaluminatzementen darstellt. In der Literatur (siehe z.B.
"
Synthesis of Calcium Sulfoaluminate Cements From Al2O3-Rich By-products from Aluminium
Manufacture", Milena Marroccoli et al., The second international conference on sustainable
construction materials and technologies 2010, "
Synthesis of Special Cements from Mixtures Containing Fluidized Bed Combustion Waste,
Calcium Carbonate and Various Sources of Alumina", Belz et al, 28th Meeting of the
Italian Section of The Combustion Institute 2005, "
Fluidized Bed Combustion Waste as a Raw Mix Component for the Manufacture of Calcium
Sulphoaluminate Cements", Belz G et al, 29th Meeting of the Italian Section of The
Combustion Institute, 2006 und "
The Fabrication of Value Added Cement Products from Circulating Fluidized Bed Combustion
Ash", Jewell R.B et al, World of Coal Ash (WOCA) Covington, Kentucky, USA, 2007) wird die Phase C
5S
2$ als wenig reaktiv bzw. inert und unerwünscht beschrieben. Des Weiteren werden regelmäßig
Methoden aufgezeigt diese "unerwünschte Phase" zu vermeiden. Überraschenderweise hat
sich bei unseren Versuchen gezeigt, dass eine signifikante Menge dieser Phase C
5S
2$ schon innerhalb der ersten Tage der Hydratation reagiert und die Phasenzusammensetzung
der hydratisierten Proben signifikant beeinflusst.
[0017] Die obige Aufgabe wird daher einerseits durch einen Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker,
-Zement und Bindemittel daraus gelöst. Es wird weiter durch den Zusatz von Ternesit
zu Calciumsulfoaluminatzement gelöst, bei dem Ternesit-Klinker durch Sintern einer
Rohmehlmischung, die mindestens Quellen für CaO, SiO
2 und SO
3 enthält, erhalten wird, wobei die Sintertemperatur so eingestellt wird, dass der
Ternesit-Klinker bezogen auf das Gesamtgewicht des Klinkers mindestens 20 Gew.-% C
5S
2$ enthält. Der Ternesit-Klinker wird, vor oder nach dem Mahlen, mit einem Calciumsulfoaluminat-
oder Calciumsulfoaluminat-Belit-Klinker oder -Zement zu einem Bindemittel vermischt.
[0018] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung meint Klinker ein Sinterprodukt, welches durch
Brennen einer Rohstoffmischung bei erhöhter Temperatur erhalten wird und zumindest
eine hydraulisch reaktive Phase enthält. Mit Zement wird ein mit oder ohne Zusatz
weiterer Komponenten gemahlener Klinker bezeichnet. Bindemittel oder Bindemittelmischung
bezeichnet ein Zement und typischerweise aber nicht zwingend weitere, fein gemahlene
Komponenten enthaltendes, hydraulisch erhärtendes Gemisch, welches nach Zusatz von
Wasser, ggfs. Zusatzmitteln und Gesteinskörnung, zur Anwendung gelangt.
[0019] Ein Klinker kann bereits alle notwendigen bzw. gewünschten Phasen enthalten und nach
Vermahlen zu Zement direkt als Bindemittel zum Einsatz kommen. Erfindungsgemäß wird
die Zusammensetzung des Bindemittels durch Vermischen von zwei oder mehreren Klinkern
und/oder Zementen erhalten, wobei das Vermischen bereits vor (oder während) dem Mahlen
und/oder im gemahlenen Zustand und/oder bei der Herstellung des Bindemittels erfolgt.
Soweit nicht ausdrücklich ein Zeitpunkt des Vermischens genannt ist, beziehen sich
die folgenden Beschreibungen auf Bindemittel (und Zemente), die in dieser Beziehung
nicht beschränkt sind.
[0020] Soweit nichts anderes angegeben ist mit "reaktiv" eine hydraulische Reaktivität gemeint.
[0021] Phasen, wie zum Beispiel C
5S
2$, werden vorrangig stöchiometrisch angegeben, jedoch kann die genaue Zusammensetzung
abweichen/variieren. Des Weiteren können verschiedene Fremdionen aus der Gruppe der
Halogene, Nichtmetalle, Alkali- und Erdalkalimetalle, sowie Vertreter der Übergangs-
und Halbmetalle und Metalle in die Kristallstruktur der Phase eingebaut werden. Für
den erfindungsgemäßen Klinker sind diese alle geeignet. Vorzugsweise wird zum Beispiel
Phosphat, Fluorid, Nitrat oder Chlorid in die Struktur von C
5S
2$ eingebaut, wodurch diese stabilisiert wird (z.B. bei höheren Temperaturen > 1200°C).
Vorzugsweise kann Phosphat und / oder Eisen in die Phase C
4A
3$ eingebaut werden. Der Fremdioneneinbau kann zu einer erhöhten Bildungsgeschwindigkeit
der Phase in der heißen Zone führen, was wiederum potentiell die benötigte Verweildauer
verringert und / oder zu ihre quantitativen Zunahme führen kann. Die Bezeichnung Al
2O
3(Fe
2O
3) bedeutet ebenso wie in der Angabe C
4(A
xF
1-x)
3$ für die Klinkerphase, dass Aluminium teilweise durch Eisen ersetzbar ist, d.h. x
ist eine Zahl von 0,1 bis 1,0. Typischerweise liegt hauptsächlich Aluminium mit geringen
Beimengungen von Eisen vor, es liegt aber im Rahmen der Erfindung erhebliche Mengen
Eisen bis hin zu einem überwiegenden Gehalt an Eisen einzusetzen.
[0022] Als Mineralisatoren werden Stoffe bezeichnet, welche als Flussmittel wirken und/oder
die Temperatur senken, die zur Bildung einer Schmelze notwendig ist, und /oder solche,
die die Bildung der Klinkerverbindung fördern, wie zum Beispiel durch Mischkristallbildung
und/oder Phasenstabilisierung.
[0023] Ein Nachweis für den Einbau von Eisen ist die quantitative Abnahme eisenreicher Phasen
(z.B. Fe
3O
4, C
2F und C
4AF), die Zunahme der Phase C
4A
3$ bzw. C
4(A
xFe
(1-x))
3$, sowie die Zunahme der Peakintensitäten und des Gitterparameters c (Å) [Kristallsystem:
Orthorhombisch] von 9,1610 [PDF-Nummer: 01-085-2210, Tetracalcium hexaaluminate sulfate(VI)
- Ca
4 (Al
6O
12)(SO
4), ICSD Collection Kode: 080361, Calculated from ICSD using POWD-12++, (1997), Struktur:
Calos, N.J., Kennard, C.H.L., Whittaker, A.K., Davis, R.L., J. Solid State Chem.,
119, 1, (1995)] über 9,1784 [PDF-Nummer: 00-051-0162, Calcium Aluminum Iron Oxide Sulfate - Ca
4((Al
0.95Fe
0.05))
6O
12(SO
4), ICSD Collection Kode: -, Primärer Verweis:
Schmidt, R., Pöllmann, H., Martin-Luther-Univ., Halle, Germany., ICDD Grant-in-Aid,
(1999)] bis zu Werten von über 9,2000. Die Prüfung auf eine etwaige Mischkristallbildung
kann ebenfalls mittels der Bestimmung der Besetzungsfaktoren bei einer Rietveld-Anpassungen
durch Unter- oder Gemischtbesetzungen einzelner Atomlagen ermittelt werden. Ein weiterer
rein qualitativer Indikator ist die zum Teil deutliche Farbveränderung der Klinker.
So ändert sich die Farbe der Klinker von einem Kastanien- / Ockerbraun über Grünbraun
bis hin zu einem hellen Grauton.
[0024] C
5S
2$ kann durch Sinterung von Rohstoffen, welche ausreichende Mengen CaO, SiO
2 und SO
3 bereitstellen, hergestellt werden. Dabei eignen sich einerseits reine bzw. im Wesentlichen
reine Rohstoffe wie Calciumcarbonat oder -oxid, Quarzmehl oder Microsilica, und Calciumsulfat.
Andererseits kann eine Vielzahl natürliche aber auch industrielle Materialien, wie
zum Beispiel, aber nicht ausschließlich, Kalkstein, Bauxit, Ton / Tonstein, kalzinierte
Tone (z. B. Metakaolin), Basalte, Periodite, Dunite, Ignimbrite, Karbonatite, Aschen
/ Schlacken / Hüttensande hoher und geringer Qualität (Mineralogie / Glasgehalt, Reaktivität,
etc.), diverse Haldenmaterialien, Rot- und Braunschlämme, natürliche Sulfatträger,
Entschwefelungsschlämme, Phosphogips, Rauchgasgips, Titanogips, Fluorogips, etc.,
in geeigneter Kombination als Rohmaterial verwendet werden. Es fallen ebenfalls namentlich
nicht genannte Stoffe / Stoffgruppen in den Schutzbereich, welche die chemischen Mindestanforderungen
als potentielle Rohstoffe erfüllen. Die Rohstoffe können, müssen aber nicht, vorbehandelt
werden.
[0025] Ternesit kommt auch als Mineral vor, jedoch sind keine Lagerstätten bekannt, aus
denen es in ausreichender Menge bzw. Reinheit gewonnen werden kann, so dass der Einsatz
von "natürlichem" Ternesit zwar möglich, in der Praxis aber unwirtschaftlich ist.
Eine Herstellung durch Sinterung geeigneter Rohstoffe ist erfindungsgemäß vorzuziehen.
[0026] In einer Ausführungsform wird Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker durch ein spezielles
Verfahren aus Rohstoffen, welche zumindest Quellen für CaO, Al
2O
3(±Fe
2O
3), SiO
2 und SO
3 durch Brennen und anschließendes Tempern hergestellt.
[0027] Das Verfahren zur Herstellung eines hydraulisch reaktiven Klinkers durch Sintern
einer Rohmehlmischung, welche Quellen für CaO, Al
2O
3(Fe
2O
3), SiO
2 und SO
3 enthält, umfasst zunächst als ersten Schritt eine Umsetzung bzw. Sinterung der Rohmehlmischung
in einem Temperaturbereich von > 1200 °C bis 1350 °C, vorzugsweise von 1250 bis 1300
°C, über einen Zeitraum, der ausreicht, um ein Klinkerzwischenprodukt zu erhalten.
Typischerweise beträgt der Zeitraum 10 min bis 240 min, vorzugsweise 30 min bis 90
min. Das Klinkerzwischenprodukt wird dann in einem Temperaturbereich von 1200 °C bis
zu einer unteren Grenze von 750 °C, vorzugsweise in einem Temperaturbereich von 1150
bis 850 °C, über eine Zeit getempert, die ausreicht, um die gewünschte Menge an C
5S
2$ zu erhalten, sowie eine gewisse Menge an Aluminat- und Ferratphasen und Reste der
kristallinen Hochtemperaturphasen der Rohstoffe mit vorhandenem C$ zu zusätzlichem
C
4(A
xF
1-x)
3$ und C
5S
2$ umzusetzen. Der Klinker sollte den Temperaturbereich zwischen 1200°C und 1050°C
für einen Zeitraum von 10 min bis 180 min, vorzugsweise von 25 min bis 120 min und
noch stärker bevorzugt von 30 min bis 60 min durchlaufen. Der Klinker kann während
der Abkühlung den Bereich von 1050°C bis 750°C, vorzugsweise von 1050°C bis 850°C
für einem Zeitraum von 5 min bis 120 min, vorzugsweise von 10 min bis 60 min durchlaufen.
Abschließend wird der Klinker in an sich bekannter Weise rapide abgekühlt, so dass
weitere Phasenumwandlungen verhindert werden. Das Verfahren ist in
EP11006757.6 ausführlich beschrieben, auf die hierfür in vollem Umfang Bezug genommen wird.
[0028] Man erhält dadurch den erfindungsgemäßen Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker mit
den Hauptkomponenten C
4(A
xF
1-x)
3$, (α; β) C
2S, C
2(A
yF
(1-y)) und C
5S
2$ in folgenden Anteilen
- C5S2$ 5 bis 75 Gew.-%, bevorzugt von 10 bis 60 Gew.-% und noch stärker bevorzugt von 20
bis 40 Gew.-%
- C2S 1 bis 80 Gew.-%, bevorzugt von 5 bis 70, noch stärker bevorzugt von 10 bis 65 Gew.-%
und am meisten bevorzugt von 20 bis 50 Gew.-%
- C4(AxF1-x)3$ 5 bis 70 Gew.-%, bevorzugt von 10 bis 60 Gew.-% und noch stärker bevorzugt von 20
bis 45 Gew.-%
- C2(AyF(i-y)) 5 bis 30 Gew.-%, bevorzugt von 8 bis 25 Gew.-% und noch stärker bevorzugt von 10
bis 20 Gew.-%
- Nebenphasen 0 bis 30 Gew.-%, bevorzugt 5 bis 25 Gew.-% und noch stärker bevorzugt
von 10 bis 20 Gew.-%
mit x im Bereich von 0,1 bis 1, vorzugsweise im Bereich von 0,8 bis 0,95, und y im
Bereich von 0,2 bis 0,8, vorzugsweise im Bereich von 0,4 bis 0,6.
[0029] Als Nebenphasen können z.B. Kalziumsilikate, Sulfate, Kalziumaluminate, Spinelle,
Vertreter der Melilith-Gruppe, Periklas, Freikalk, Quarz, Olivine, Pyroxene, Vertreter
der Merwinit-Gruppe, Apatite, Ellestadite, Silicocarnotit Spurrit und/oder eine Glasphase
auftreten. Der Freikalkgehalt des Klinkers liegt vorzugsweise unter 5 Gew.-%, besonders
bevorzugt unter 2 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt unter 1 Gew.-%. In einer bevorzugten
Ausführungsform enthält der Ternesitklinker 1 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise 2 bis 8
Gew.-% und noch stärker bevorzugt 3 bis 5 Gew.-% einer röntgenamorphen Phase / einer
Glasphase.
[0030] Vorzugsweise liegen die Gewichtsverhältnisse der wichtigsten Phasen des erfindungsgemäßen
Klinkers (C
4(A
xF
1-x)
3$, (α; β)C
2S, C
5S
2$) in folgenden Bereichen:
- C4(AxF1-x)3$ zu (α; β)C2S = 1:16 - 70:1, bevorzugt 1:8 - 8:1 und besonders bevorzugt 1:5 - 5:1
- C4(AxF1-x)3$ zu C5S2$ = 1:15 - 14:1, bevorzugt 1:8-8:1 und besonders bevorzugt 1:5- 5:1
- C5S2$ zu (α; β)C2S = 1:15 - 70:1, bevorzugt 1:8- 10:1 und besonders bevorzugt 1:4- 5:1
- C4(AxF1-x)3$ zu ((α; β)C2S + C5S2$) = 1:16 - 10:1 1, bevorzugt 1:8 - 8:1 und besonders bevorzugt 1:4- 4:1
[0031] Der erfindungsgemäße Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker kann in seinen Eigenschaften
und seiner Zusammensetzung durch die Rohmehlzusammensetzung, die Gehalte an Korrektiven,
die Brennbedingungen und die Regelung der Temperung / Vorkühlung so eingestellt werden,
dass C
5S
2$ und anstelle von β-C
2S reaktive Modifikationen von C
2S, wie zum Beispiel α-Modifikationen, vermehrt auftreten. Die Rohmehlmischung muss
eine Temperatur von mehr als 1200°C durchlaufen, so dass etwaige unerwünschte kristalline
Hochtemperaturphasen (z.B. C
2AS) in gewünschte Phasen des Zielklinkers umgesetzt werden und eine ausreichende Menge
C
4(A
xFe
1-x)
3$ gebildet wird. Jedoch geht damit ein wesentlicher Nachteil einher. Die gewünschte
Phase C
5S
2$ ist ab einer Temperatur von über ±1180°C nicht stabil und zerfällt in C
2S und C$. Daher wird die Sinterung bei über 1200 °C mit einer gezielten, gegenüber
der üblichen Zeit verlangsamten Kühlung des Klinkers über einen Bereich von 1200°C
bis 750°C, vorzugsweise von 1150°C bis 850°C und noch stärker bevorzugt von 1150°C,
bis 1080°C, kombiniert, um C
5S
2$ neben der Phase C
4(A
xFe
1-x)
3$ gezielt zu bilden. Überraschenderweise hat sich ein weiterer Vorteil dieses Temper-Verfahrens
gezeigt. Durchläuft die Phase C
4(A
xFe
1-x)
3$ (gebildet bei mindestens über 1200°C) gezielt einen Bereich von 1150°C bis 1050°C,
wird diese, durch die Konsumierung / Umwandlung von zum Beispiel C
4AF, C
2F, CF messbar eisenreicher und ihre Menge nimmt etwas zu.
[0032] Die Gehalte der Hauptoxide des Klinkers umfassen bevorzugt folgende Bereiche:
- CaO 35 bis 65 Gew.-%
- Al2O3(Fe2O3) 7 bis 45 Gew.-%
- SiO2 5 bis 28 Gew.-%
- SO3 5 bis 20 Gew.-%.
[0033] Es ist von Vorteil, wenn der erfindungsgemäße Klinker einen Periklasgehalt von >
2 Gew.-% aufweist. Außerdem kann der Klinker ein oder mehrere sekundäre Elemente und
/ oder deren Verbindungen aus der Gruppe der Alkali- und Erdalkalimetalle und / oder
der Übergangsmetalle und / oder Metalle und / oder der Halbmetalle und / oder der
Nichtmetalle in einem Anteil von bis zu 20 Gew.-%, vorzugsweise von ≤ 15 Gew.-% und
besonders bevorzugt von ≤ 10 Gew.-%, enthalten.
[0034] Alternativ kann ein Ternesit-Klinker mit einem Gehalt an C
5S
2$ im Bereich von 20 bis 100 Gew.-% und einem Gehalt an C
4(A
xFe
1-x)
3$ unter 15 Gew.-% erzeugt werden. Die separate Herstellung von Ternesit oder einem
Klinker bzw. Zement mit Ternesit als mindestens einer der Hauptkomponenten hat den
Vorteil, dass Ternesit bzw. dieser Klinker in einem Schritt in einem Temperaturbereich
von typischerweise 900 bis 1200°C, vorzugsweise 1050 bis 1150°C hergestellt werde
kann. Bei diesen im Vergleich zu denen bei der Herstellung von Ye'elimit als Hauptphase
enthaltenden Klinkern niedrigen Brenntemperaturen ergibt sich des weiteren der Vorteil,
dass in dem erfindungsgemäßen Klinker gezielt erhöhte Magnesium / Periklas-Gehalte
(> 2 Gew.-%) eingestellt werden können. Aufgrund der geringen Brenntemperatur kann
Periklas in einer reaktiven Form vorliegen und zur Festigkeitsentwicklung / Hydratation
beitragen. Aber auch höhere Brenntemperaturen sind je nach Rohstoffmischung brauchbar,
sofern Ternesit in hohen Anteilen gebildet wird, bevorzugt sind 20 bis 100 % des Klinkers.
[0035] Soll die Herstellung möglichst reines C
5S
2$ ergeben, werden Rohstoffe gewählt, welche neben Quellen für CaO, SiO
2 und SO
3 keine oder nur wenig weitere Bestandteile enthalten. Die Umsetzung von Calciumcarbonat
mit Quarzmehl und Calciumsulfat im Temperaturbereich von 900 bis 1200 °C, vorzugsweise
1050 bis 1150 °C ergibt C
5S
2$ mit einer Reinheit von > 99 %.
[0036] Es ist jedoch bevorzugt, wenn zur Herstellung von C
5S
2$ ein möglichst hoher Anteil kostengünstiger und umweltverträglicher Rohstoffe zum
Einsatz kommt. Umweltverträglich meint hierbei einen möglichst geringen Energieeinsatz
und/oder die Schonung natürlicher Rohstoffe bzw. hochwertiger Abfall- und Nebenprodukte.
[0037] Eine Umsetzung von etwa 25% der Flugasche FA2 (siehe Beispiele) mit etwa 45% Kalkstein
K1, etwa 8% Quarz (Merck, p.a.) und etwa 20 % MicroA (natürlicher Anhydrit) ergab
einen Klinker mit einem C
5S
2$ Gehalt von > 70 % und bei Umsetzung von ∼8% Metakaolin, ∼58% K1, ∼23% Micro A und
∼10% SiO
2 wurden Reinheiten von > 80 % erreicht.
[0038] Die Umsetzung dieser Rohstoffe erfolgt bevorzugt ebenfalls im Temperaturbereich von
900 bis 1200 °C, vorzugsweise 1050 bis 1150 °C. Hierbei wird, im Gegensatz zur bekannten
Sinterung derselben Rohstoffe mit dem Ziel der Bildung von C
4A
3$ bei mindestens 1200 °C, im wesentlichen Ternesit gebildet. Je nach Rohstoffzusammensetzung
können auch höhere Temperaturen von z.B. bis 1300 °C geeignet sein, beispielsweise,
wenn relevante Mengen Phosphor enthalten sind, wie es bei einer Verwendung von Phosphorgips
der Fall ist. Im Unterschied zu den bekannten Verfahren/Klinkern steht erfindungsgemäß
jedoch die Bildung von Ternesit im Fokus, die Sintertemperatur wird daher für dessen
Bildung optimiert. Im Stand der Technik wurde dagegen die Sintertemperatur für die
Bildung von C
4A
3$ optimiert, Ternesit sollte möglichst nicht gebildet werden. Demgegenüber wird erfindungsgemäß
die Temperatur so gewählt, dass möglichst viel Ternesit gebildet wird und, sofern
die Rohstoffe Quellen für Al
2O3 bzw. Fe
2O
3 enthalten, der Gehalt an C
4(A
xF(
1-x)
3$ auf weniger als 15 % begrenzt wird. Zwar könnten auch Klinker mit mehr C
4(A
xF(
1-x)
3$ verwendet werden, aber ein höherer Gehalt davon geht zu Lasten von Ternesit und
die entsprechend höhere Sintertemperatur kann auch die Reaktivität von Ternesit beeinträchtigen.
[0039] Der Temperaturbereich von 900°C bis 1300°C, vorzugsweise von 1050°C bis 1150°C, sollte
für einen Zeitraum von 10 min bis 180 min, vorzugsweise von 25 min bis 120 min und
noch stärker bevorzugt von 30 min bis 60 min durchlaufen werden. Der Klinker kann
zur weiteren Bildung gewünschter Phasen während der Abkühlung den Bereich von 900°C
bis 750°C für einen Zeitraum von 5 min bis 120 min, vorzugsweise von 10 min bis 60
min durchlaufen. Abschließend oder aber auch ohne eine verzögerte Abkühlung, durch
den Bereich von 900° bis 750°C, wird der Klinker in an sich bekannter Weise rapide
abgekühlt, so dass weitere Phasenumwandlungen verhindert werden.
[0040] Klinker mit Ternesit als Hauptkomponente ohne nennenswerte Mengen Ye'elimit sind
bisher stets vermieden worden und daher neu und Gegenstand der vorliegenden Erfindung,
ebenso wie ihre Verwendung als Additiv in Calciumsulfoaluminat(ferrit) - Zement und
- Bindemittel.
[0041] Der C
5S
2$ als Hauptkomponente enthaltende Ternesit-Klinker bzw. ein daraus durch Mahlen ohne
Zusätze erhaltener Zement enthält erfindungsgemäß die folgenden Komponenten in den
angegebenen Anteilen:
- C5S2$ 20 bis 100 Gew.-%,
bevorzugt 30 bis 95 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 40 bis 90 Gew.-%
- (α, β) C2S 0 bis 80 Gew.-%,
bevorzugt 5 bis 70 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 10 bis 60 Gew.-%
- C4(AxF(1-x))3$ 0 bis < 15 Gew.%,
bevorzugt 3 bis 12 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 5 bis 10 Gew.-%
- C2(AyF(1-y)) 0 bis 30 Gew.-%,
bevorzugt 5 bis 20 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 8 bis 15 Gew.-%
- Reaktive Aluminate 0 bis 20 Gew.-%,
bevorzugt 1 bis 15 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 3 bis 10 gew.-%
- Periklas (M) 0 bis 25 Gew.-%,
bevorzugt 1 bis 15 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 2 bis 10 Gew.-%
- Nebenphasen 0 bis 30 Gew.-%,
bevorzugt 3 bis 20 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 5 bis 10 Gew.-% bezogen auf die
gesamte Menge an Klinker/Zement, wobei sich die Anteile der Phasen zu 100% addieren.
[0042] Durch die Zugabe von Mineralisatoren zum Rohmehl kann neben der Stabilisierung des
Ternesit insbesondere ein Teil, bis hin zum überwiegenden Teil, des Dicalciumsilikates
in Form von dotiertem "α" C
2S, wie zum Beispiel in Gegenwart von P
2O
5 als Calcium-Phosphat-Silikat [Ca
2SiO
4 · 0.05Ca
3(PO
4)
2], vorkommen. Solche Verbindungen fallen ebenfalls in die Gruppe der reaktiven α C
2S Polymorphe und den Schutzbereich der vorliegenden Erfindung.
[0043] Die Angabe (α, β) C
2S bedeutet, dass es sich um Polymorphe von C
2S und deren Gemische handeln kann, wobei die reaktiven α Polymorphe (z.B. α, α'
L, α'
H) bevorzugt werden. Vorzugsweise sind mindestens 5 Gew.-% α Polymorphe von C
2S enthalten, da diese vorteilhaft zu einer hohen Frühfestigkeit beitragen.
[0044] Bei der Phase C
4(A
xF(
1-x))
3$ liegt x im Bereich von 0,1 bis 1, vorzugsweise von 0,8 bis 0,95. Bei der Phase C
2(A
yF
(1-y)) liegt y im Bereich von 0,2 bis 0,8 und vorzugsweise im Bereich von 0,4 bis 0,6.
[0045] Unter reaktiven Aluminaten sind zum Beispiel, aber nicht ausschließlich, C
3A, CA und C
12A
7 zu verstehen.
[0046] Als Nebenphasen können zum Beispiel, aber nicht ausschließlich, Alkali/Erdalkali-Sulfate,
Quarze, Spinelle, Olivine, Pyroxene, Vertreter der Melilith- und Merwinit-Gruppe,
Apatite, Ellestadite, Silicocarnotit, Freikalk, Spurrit, Quarz und/oder ein röntgenamorpher
Phasenbestand / eine Glasphase, in einem Anteil von 0 Gew.-% bis 30 Gew.-%, vorzugsweise
von 2 Gew.-% bis 20 Gew.-% und besonders bevorzugt von 5 Gew.-% bis 15 Gew.-% auftreten.
Der Freikalkgehalt des Klinkers liegt unter 5 Gew.-%, vorzugsweise unter 2 Gew.-%
und besonders bevorzugt unter 1 Gew.-%.
[0047] Die Gehalte der Hauptoxide eines C
5S
2$ als Hauptphase enthaltenden, separat hergestellten Ternesit-Klinkers umfassen folgende
Bereiche:
- CaO 40 bis 70 Gew.-%, bevorzugt 45 bis 60 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 50 bis
55 Gew.-%
- SiO2 5 bis 30 Gew.-%, bevorzugt 10 bis 25 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 15 bis 23
Gew.-%
- SO3 3 bis 30 Gew.-%, bevorzugt 5 bis 26 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 8 bis 22 Gew.-%
- Σ(Al2O3+Fe2O3) 0 bis 40 Gew.-%, bevorzugt 5 bis 30 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 8 bis 20 Gew.-%
- MgO 0 bis 25 Gew.-%, bevorzugt 2 bis 15 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 5 bis 10
Gew.-%
bezogen auf die gesamte Menge an Klinker/Zement, wobei sich die Anteile der Gehalte
zu 100% addieren.
[0048] Die Rohstoffe für die Herstellung des erfindungsgemäßen Ternesit-Calciumsulfo-aluminat-Klinkers
oder Ternesit-Klinkers werden in an sich bekannter Weise auf übliche Feinheiten gemahlen.
Feinheiten von 2000 bis 10000 cm
2/g, vorzugsweise im Bereich von 3000 bis 6000 cm
2/g und besonders bevorzugt von 4000 bis 5000 cm
2/g sind besonders gut geeignet. Die Mahlfeinheit richtet sich in erster Linie nach
der Art und Zusammensetzung des eingesetzten Rohstoffes, dem Brennprozess (Temperatur,
Verweildauer in der Sinterzone, etc.) sowie den angestrebten Eigenschaften des Bindemittels
und den zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten.
[0049] Das erfindungsgemäße Bindemittel und/oder der erfindungsgemäße Zement umfasst als
Hauptphasen zumindest C
5S
2$ und C
4(A
xF
(1-x))
3$, mit x von 0,1 bis 1, vorzugsweise von 0,8 bis 0,95, sowie vorzugsweise auch C
2(A
yF
(1-y)), mit y von 0,2 bis 0,8, vorzugsweise von 0,4 bis 0,6 und reaktive Polymorphe von
C
2S. Typischerweise enthält das Bindemittel außerdem Anhydrit und kann Calciumferrit
(z.B. C
2F), und/oder Aluminiumsilikate C
2AS, CAS
2, Tricalciumsilikat und Freikalk enthalten. Bevorzugt enthält das Bindemittel außerdem
Zusatzmittel und/oder Zusatzstoffe sowie ggfs. weitere hydraulisch aktive Komponenten.
Bei den Zusatzstoffen kann es sich um latent hydraulische, puzzolanische und/oder
nicht hydraulisch aktive (z.B. gemahlener Kalkstein / Dolomit, gefälltes CaCO
3, Mg(OH)
2,Ca(OH)
2, Aluminiumhydroxide [z.B. amorphes Al(OH)
3], lösliche Alkali-Aluminate [z.B. Na
2Al
2O
4], Silica Fume) Komponenten handeln.
[0050] Zement und Bindemittel können durch Zumischen von Ternesit-Klinker zu Calciumsulofaluminat(Ferrit)
(Belit) - Klinker, Zement oder - Bindemittel oder durch Mahlung des Ternesit-Cacliumsulfoaluminat-Klinkers
und ggfs. Zumischen weiterer Komponenten erhalten werden.
[0051] Das erfindungsgemäße Bindemittel aus dem Ternesit-Klinker wird durch die Kombination
eines Calciumsulfoaluminat(ferrit)(Belit) - Klinkers (CSA(F)(B)) oder - Zements mit
einem Gehalt der reaktiven Phase C
4(A
xF
1-x)
3$ von 10 bis 80 Gew.-% (mit x von 1 bis 0,1) mit einem Klinker und/oder Zement, enthaltend
von 20 bis 100 Gew.-% C
5S
2$ zu einem Zement / Bindemittel erhalten. Die mindestens zwei Komponenten liegen dabei
in folgenden Anteilen vor:
- Klinker oder Zement enthaltend CSA(F)(B) 10 bis 90 Gew.-%, bevorzugt 20 bis 70 Gew.-%
und noch stärker bevorzugt 30 bis 60 Gew.-%
- Klinker oder Zement enthaltend C5S2$ 10 bis 90 Gew.-%, bevorzugt 30 bis 80 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 40 bis 70
Gew.%.
Die Anteile sind bezogen auf die gesamte Menge an Bindemittel, wobei sich die Anteile
zu 100% addieren.
[0052] Der Ternesit-Klinker mit der Hauptphase C
5S
2$ kann bei geeigneter Zusammensetzung, wie zum Beispiel, aber nicht ausschließlich,
durch erhöhte Gehalte an reaktiven Aluminaten und Ferraten, als eigenständiges Bindemittel
eingesetzt werden. Es ist jedoch vorteilhafter diesen mit CSA(F)(B) Klinkern und Zementen
zu Bindemitteln mit optimierter Zusammensetzung zu kombinieren.
[0053] Der Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker bzw. der Ternesit-Klinker wird zur Herstellung
von Zement bzw. Bindemittelmischungen in an sich bekannter Weise mit oder ohne Sulfatträger
auf übliche Zementfeinheiten (nach Blaine) von 2000 bis 10000 cm
2/g, vorzugsweise von 3000 bis 6000 cm
2/g und besonders bevorzugt von 4000 bis 5000 cm
2/g gemahlen. Als Sulfatträger eignen sich besonders Alkali- und / oder Erdalkalisulfate,
vorzugsweise in Form von Gips und / oder Halbhydrat und / oder Anhydrit.
[0054] Der gemahlene Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker bzw. Ternesit-Klinker kann mit
einem oder mit Mischungen anderer Stoffe, wie zum Beispiel, aber nicht ausschließlich,
mit Portlandzement, geopolymerem Binder; Calciumaluminatzement, künstlichen und natürlichen
Puzzolanen / latent hydraulischen Materialien, Kalksteinmehlen etc. oder mehreren
davon, zu einer Bindemittelmischung kombiniert werden. Dies ist jedoch entgegen EP
1 171 398 B1 zum Erreichen einer brauchbaren hydraulischen Reaktivität nicht erforderlich,
vielmehr zeigt der zu Zement gemahlenen Klinker allein die gewünschten hydraulische
Reaktivität.
[0055] Vorzugsweise enthält der Zement bzw. die Bindemittelmischung außerdem als Zusatzmittel
einen oder mehrere Abbinde- und / oder Erhärtungsbeschleuniger, vorzugsweise ausgewählt
unter Komponenten mit verfügbarem Aluminium beziehungsweise solchen, die in Kontakt
mit Wasser Aluminium, zum Beispiel in der Form von Al(OH)
4- oder amorphes Al(OH)
3-Gel, freisetzen, wie zum Beispiel, aber nicht ausschließlich, lösliche Alkali-Aluminate
[z.B. Na
2Al
2O
4, K
2Al
2O
4, etc.], amorphes Aluminiumhydroxid (z.B. Al(OH)
3). Des Weiteren kann der Zement bzw. die Bindemittelmischung als Zusatzmittel einen
oder mehrere Abbinde- und / oder Erhärtungsbeschleuniger, ebenfalls in Kombination
mit den vorgenannten Komponenten mit verfügbarem Aluminium, vorzugsweise ausgewählt
unter Lithiumsalzen und -hydroxiden, anderen Alkalisalzen und -hydroxiden, Alkalisilikaten
enthalten.
[0056] Zusätze, wie zum Beispiel Alkali-Aluminate und Alkalisalze, -silikate und -hydroxide,
welche den pH-Wert der Lösung und damit einhergehend die Reaktivität von C
5S
2$ zusätzlich erhöhen, sind besonders bevorzugt und können in einer Menge im Bereich
von 0,1 bis 10 Gew.%, vorzugsweise von 0,5 bis 5 Gew.% und noch stärker bevorzugt
von 1 bis 2 Gew.% dosiert werden.
[0057] Es ist weiter bevorzugt, wenn Betonverflüssiger und / oder Fließmittel und / oder
Verzögerer, vorzugsweise auf Basis von Ligninsulfonaten, sulfoniertem Naphthalin-,
Melamin- oder Phenolformaldehydkondensat, oder auf Basis von Acrylsäure-Acrylamidgemischen
oder Polycarboxylatethern oder auf Basis von phosphatierten Polykondensaten, phosphatierten
Alkylcarbonsäure und Salzen dieser, (Hydroxy)-Carbonsäuren und Carboxylate, Borax,
Borsäure und borate, Oxalate, Sulfanilsäure, Aminocarbonsäuren, Salicylsäure und Acetylsalicylsäure,
Dialdehyde enthalten sind.
[0058] Ein üblicher Calciumsulfoaluminat(ferrit)(Belit) - Klinker oder - Zement kann mit
einem Klinker und/oder Zement, hauptsächlich enthaltend C
5S
2$ von 20 bis 100 Gew.-%, sowie weiteren Sulfatträgern gemeinsam vermahlen jedoch auch
separat gemahlen und anschließend zu einem Zement / Bindemittel kombiniert werden.
[0059] Überraschend hat sich gezeigt, dass dem Bindemittel künstliche und natürliche (getemperte)
Puzzolane (wie zum Beispiel, aber nicht ausschließlich Ziegelmehl, Flugaschen, Tuff,
Trass, Sedimente mit hohem Anteil an löslicher Kieselsäure, getemperte Tone und Schiefer,
künstliche Gläser, etc.), latent hydraulische Materialien (wie zum Beispiel, aber
nicht ausschließlich, Hüttensand, künstliche Gläser, etc.) und deren Kombinationen
mit relativ hohen Gehalten zugesetzt werden können (solche Materialien werden im folgenden
als Cementitious Materials [CM] zusammengefasst). Dahingegen ist der Einsatz solcher
Materialien typischerweise bei auf CSA(F)(B) basierten Bindemitteln, aufgrund des
geringen pH-Wertes und/oder des geringen bzw. fehlenden Portlandit-Gehaltes, nur sehr
begrenzt möglich (laut Literatur max. 15 Gew.-% [Živica V. (2000) Properties of blended
sulfoaluminate belite cement.
C. B. Mat., Vol. 14, pp 433-437; Živica V. (2001) Possibility of the modification of the properties of sulfoaluminate belite cement
by its blending.
Ceramics Silikaty, Vol. 45 (1), pp 24-30]). Durch die Zugabe eines auf Ternesit basierten Klinkers oder Zements zu Calciumsulfoaluminat(ferrit)
(Belit) Klinker/Zement/Bindemittel bzw. bei dem Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker/-Zement/-Blndemittel
können die Anteile solcher Zugaben und/oder Mischungen dieser in Summe von:
- Bindemittel 20 bis 95 Gew.%, vorzugsweise 40 bis 80 Gew.-% und noch stärker bevorzugt
50 bis 70 Gew.-%
- CM 5 bis 80 Gew.-%, vorzugsweise 20 bis 60 Gew.-% und noch stärker bevorzugt 30 bis
50 Gew.-%
reichen, wobei die Werte auf die gesamte Menge an Bindemittel bezogen sind und sich
die Anteile mit den restlichen Bindemittelkomponenten zu 100% addieren.
[0060] Besonders bevorzugt werden künstliche und natürliche Puzzolane und latent hydraulische
Materialien zugefügt, welche mit dem Ternesit einen eigenen Beitrag zur Festigkeitsentwicklung
liefern. Es wurde nämlich überraschend gefunden, dass im Falle von Aluminium-reichen
Puzzolanen/latent hydraulischen Materialien deren Aluminium, welches im Zuge der Hydratation
freigesetzt wir (z.B. in der Form von Al(OH)
4- oder als amorphes Aluminiumhydroxid(-Gel), mit Ternesit umgesetzt wird. Besonders
vorteilhaft ist dabei, dass Ternesit in der Lage ist, kontinuierlich Sulfat bereitzustellen,
so dass auch zeitlich spät vorliegendes Al(OH)4
- oder amorphes Aluminiumhydroxid, zum Beispiel durch die Reaktion von Hüttensand und/oder
Flugasche gebildet, umgesetzt werden kann. Sulfattreiben wird, zumindest weitgehend
und in der Regel vollständig, verhindert.
[0061] Das erfindungsgemäße Bindemittel bildet in Gegenwart von Wasser durch die Reaktion
mit zum Beispiel C
4A
3$ AF
t- und AF
m-Phasen sowie Al(OH)
3. Die Bildung/Freisetzung von Al(OH)4
- oder als amorphes Aluminiumhydroxid(-Gel) führt zur fortschreitenden Reaktion der
C
5S
2$-Phase und stellt einerseits zusätzliches Sulfat zur Verfügung, was wiederum AF
t stabilisiert und eine mögliche Transformation zu AF
m vermeidet / verringert, andererseits wird eine reaktive Form von C
2S freigesetzt, C
5S
2$ oder (C
2S)
2 ● C$ ↔ 2 C
2S + 1 C$, die mit Wasser aber auch mit dem verfügbaren Al(OH)
3 reagieren und C
2AS ● 8 H
2O (Strätlingit) sowie C-(A)-S-H bilden kann. Die Stabilisierung von AF
t und der Verbrauch von Al(OH)
3 sowie die Verringerung der Porosität durch die Bildung von C
2AS ● 8 H
2O und C-(A)-S-H des erfindungsgemäßen Zementes führt zu einer deutlichen Verbesserung
der Dauerhaftigkeit zum Beispiel, aber nicht ausschließlich, durch die Verringerung
der Gesamtporosität und / oder des verbundenen Porenraums und die Beständigkeit gegenüber
einem möglichen Sulfatangriff.
[0062] Bevorzugte Puzzolane / latent hydraulische Materialien sind getemperte Tone (z.B.
Metakaolin) und Schiefer, Flugaschen, Hüttensande sowie künstliche (puzzolanische
und latent hydraulische) Gläser.
[0063] Die Komponenten des erfindungsgemäßen Bindemittels können separat oder gemeinsam,
sowie mit oder ohne zusätzliche Sulfatträger, in an sich bekannter Weise auf übliche
Zementfeinheiten (nach Blaine) von 2000 bis 10000 cm
2/g, vorzugsweise von 3000 bis 6000 cm
2/g und besonders bevorzugt von 4000 bis 5000 cm
2/g gemahlen werden. Als Sulfatträger eignen sich besonders Alkali- und / oder Erdalkalisulfate,
vorzugsweise in Form von Gips und / oder Halbhydrat und / oder Anhydrit und / oder
Magnesiumsulfat.
[0064] Der C
5S
2$ enthaltende Klinker, besonders wenn dieser wenig andere Phasen aufweist, lässt sich
mit sehr geringem Energieeinsatz mahlen, so dass dieser, wenn zum Beispiel eine höhere
Reaktivität (schnellere Umsetzung / Verbrauch) von C
5S
2$ erwünscht ist, auf höhere Feinheiten des C
5S
2$-enthaltenden Klinkers durch separates Mahlen oder Vormahlen eingestellt werden kann.
Das ermahlene Produkt kann, wenn für eine spezielle Anwendung benötigt, auf eine Partikelgrößenverteilung
mit d
50 kleiner 20 µm und d
90 kleiner 100 µm, beziehungsweise einem d
50 kleiner 5 µm und einem d
90 kleiner 20 µm aber auch einem d
50 kleiner 0,1 µm und einem d
90 kleiner 2 µm aufweisen.
[0065] Eine intensive Aufmahlung des C
5S
2$ enthaltenden Klinkers kann dazu führen, dass der Phasenbestand des Klinkers, z.B.
C
5S
2$, teilweise (oft 3 bis 20 %) bis nahezu vollständig (> 90 %) röntgenamorph vorliegt.
Dies geht mit einer signifikanten Erhöhung der Reaktivität einher und erlaubt die
Formulierung von neuartigen, hoch reaktiven Bindemittelsystemen.
[0066] Ein sehr fein gemahlener Ternesit-Klinker kann schon innerhalb der ersten 24 h bis
7 Tage zur Festigkeit beitragen. Eine solche Aufmahlung ist bei einem Klinker, der
signifikante Anteile (z.B. 15 % und mehr) an C
4A
3$ enthält, nicht möglich, weil C
4A
3$ leichter mahlbar ist als C
5S
2$ und daher zu fein gemahlen werden würde. Die hohe Reaktivität des C
4A
3$ und der hohe Wasseranspruch würden bei entsprechend feiner Mahlung des C
5S
2$ in einem Ternesit-Calciulsulfoaluminat-Klinker den Erhalt eines brauchbaren Bindemittels
verhindern.
[0067] Bei der Verarbeitung des erfindungsgemäßen Zementes bzw. eines diesen enthaltenden
Bindemittels ist ein Wasser / Bindemittelwert von 0,2 bis 2 geeignet, bevorzugt von
0,3 bis 0,8 und besonders bevorzugt von 0,45 bis 0,72.
[0068] Zur Herstellung des Bindemittels können Einzelkomponenten oder Komponentengemische
verwendet werden, je nach Qualität und Zusammensetzung der verfügbaren Rohstoffe bzw.
Klinker.
[0069] Calciumsulfoaluminatklinker und - zemente mit der Hauptkomponente C
4A
3$ sind in verschiedenen Zusammensetzungen bekannt und verfügbar. Für das erfindungsgemäße
Bindemittel sind diese alle geeignet. Beispielsweise sind folgende Calciumsulfoaluminatzemente
kommerziell verfügbar:
Lafarge Aether®:
| Belit (α; +/-β) C2S |
40 - 75%; |
Ye'elimit C4A3$ |
15 - 35%; |
| Ferrit C2(A,F) |
5 - 25%; |
Nebenphasen |
0,1 - 10% |
Lafarge Rockfast®:
| Belit (α; +/-β) C2S |
0 - 10%; |
Ye'elimit C4A3$ |
50 - 65% |
| Aluminat CA |
10 - 25%; |
Gehlenit C2AS |
10 - 25%; |
| Ferrit C2(A,F) |
0 - 10%; |
Nebenphasen |
0 - 10% |
Italcementi Alipre®:
| Belit (α; +/-β) C2S |
10 - 25%; |
Ye'elimit C4A3$ |
50 - 65%; |
| Anhydrit C$ |
0 - 25%; |
Nebenphasen |
1 - 20% |
Cemex CSA:
| Belit (α; +/-β) C2S |
10 - 30%; |
Ye'elimit C4A3$ |
20 - 40% |
| Anhydrit C$ |
>1%; |
Alit C3S |
>1 - 30%; |
| Freikalk CaO |
<0.5 - 6%; |
Portlandit Ca(OH)2 |
0 - 7%; |
| Nebenphasen |
0 - 10% |
|
|
Denka® CSA
| Belit (α; +/-β) C2S |
0 - 10%; |
Ye'elimit C4A3$ |
15 - 25%; |
| Anhydrit C2(A,F) |
30 - 40%; |
Portlandit Ca(OH)2 |
20 - 35%; |
| Freikalk CaO |
1 - 10%; |
Nebenphasen |
0 - 10% |
China Type II &
III CSA
| Belit (α; +/-β) C2S |
10 - 25%; |
Ye'elimit C4A3$ |
60 - 70%; |
| Ferrit C2(A,F) |
1 - 15%; |
Nebenphasen |
1 - 15% |
Barnstone CSA
| Belit (α; +/-β) C2S |
22%; |
Ye'elimit C4A3$ |
60%; |
| Aluminat C12A7 |
5%; |
Alit C3S |
8%; |
| Ferrit C2(A,F) |
4%; |
Nebenphasen |
1% |
[0070] Die Calciumsulfoaluminatklinker und -zemente enthalten teilweise bereits Ternesit,
üblicherweise jedoch in zu geringer Menge. Daher wird C
5S
2$ oder ein daran reiches Gemisch zugesetzt. Es scheint außerdem, dass erfindungsgemäß
gezielt, d.h. bei optimierter Temperatur, hergestelltes C
5S
2$ reaktiver ist, als ein bei der Herstellung CSA(B) als Nebenprodukt erhaltenes Ternesit
(siehe Beispiel 4 und 5).
[0071] Auch in Bezug auf den Belitgehalt genügen nicht alle Calciumsulfoaluminatklinker
den Anforderungen des erfindungsgemäßen Bindemittels, so dass auch Belit oder Belit-reiche
Gemische zugesetzt werden, sofern der Belitgehalt der Calciumsulfoaluminatkomponente
und/oder Ternesitkomponente zu gering ist. Belit kann zum einen zur Frühfestigkeit
aber im Wesentlichen signifikant zur Endfestigkeit der etwaigen Bindemittelsysteme
und zum anderen zur Anregung von puzzolanischen und latent hydraulischen Materialien
beitragen.
[0072] Der erfindungsgemäße Zement bzw. das erfindungsgemäße Bindemittel eignet sich hervorragend
zur Verfestigung von Altlasten. Hierbei ist ein Gehalt an adsorptiv wirksamen Zusatzstoffen,
z.B. Zeolithen und / oder Ionenaustauscherharzen, bevorzugt. Bei der Immobilisierung
von Schwermetallen in anorganischen Bindemitteln kann ein hoher pH-Wert von Vorteil
sein, der die Bildung schwer löslicher Hydroxide begünstigt. Dies kann zum Beispiel,
aber nicht ausschließlich, durch ein Mischen des erfindungsgemäßen Klinkers mit Portlandzement
in einem Bindemittel realisiert werden.
[0073] Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Zements bzw. der Bindemittelmischung daraus
ist die Bildung verschiedener Phasen im Zuge der Hydratation (z.B. Ettringit [AF
t], Monophasen [AF
m], Metall-Metall Hydroxisalze [LDH], etc..), die verschiedene Schwermetalle sowie
weitere Schadstoffe (zum Beispiel, Chloride, etc.) in ihrer Struktur einbauen und
somit dauerhaft fixieren können.
[0074] Die Erfindung soll anhand der folgenden Beispiele erläutert werden, ohne jedoch auf
die speziell beschriebenen Ausführungsformen beschränkt zu sein. Soweit nichts anderes
angegeben ist oder sich aus dem Zusammenhang zwingend anders ergibt, beziehen sich
Prozentangaben auf das Gewicht, im Zweifel auf das Gesamtgewicht der Mischung.
[0075] Die Erfindung bezieht sich auch auf sämtliche Kombinationen von bevorzugten Ausgestaltungen,
soweit diese sich nicht gegenseitig ausschließen. Die Angaben "etwa" oder "ca." in
Verbindung mit einer Zahlenangabe bedeuten, dass zumindest um 10 % höhere oder niedrigere
Werte oder um 5 % höhere oder niedrigere Werte und in jedem Fall um 1 % höhere oder
niedrigere Werte eingeschlossen sind.
Beispiele
[0076] In Tabelle 2 sind die verwendeten Rohstoffe, mit denen die im Folgenden beschriebenen
Beispiele durchgeführt wurden, anhand ihrer oxidischen Hauptbestandteile und ihrer
Mahlfeinheit charakterisiert. Der Gewichtsverlust nach einem Tempern bei 1050 °C ist
ebenfalls angegeben. Tabelle 3 zeigt die mineralogische Phasenzusammensetzung der
verwendeten industriellen Nebenprodukte.
Tabelle 2: Elementare Zusammensetzung der verwendeten Rohstoffe (RFA)
| Rohstoff |
|
Kalkstein |
Schlacken |
Aschen |
Sulfatträger |
Al-Korr. |
Metakaolin |
| Probe |
|
K1 |
S1 |
S2 |
S3 |
FA1 |
FA2 |
FA 3 |
MicroA |
Al(OH)3 |
MK |
| RFA |
Einheit |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| GV 1050 °C |
% |
43,09 |
0,00 |
0,00 |
1,15 |
3,48 |
0,82 |
2,79 |
4,64 |
34,64 |
1,91 |
| SiO2 |
% |
1,53 |
36,82 |
43,42 |
35,46 |
35,70 |
28,50 |
47,30 |
4,17 |
0,00 |
48,00 |
| Al2O3 |
% |
0,35 |
11,72 |
11,40 |
12,99 |
21,8 |
12,5 |
27,70 |
1,36 |
65,36 |
41,60 |
| TiO2 |
% |
0,03 |
0,88 |
0,64 |
0,70 |
1,21 |
1,05 |
1,38 |
0,04 |
0,00 |
|
| MnO |
% |
0,01 |
0,37 |
1,05 |
0,62 |
0,03 |
0,18 |
0,06 |
0,00 |
0,00 |
|
| Fe2O3 |
% |
0,19 |
0,52 |
1,43 |
0,26 |
6,22 |
5,18 |
6,29 |
0,37 |
0,00 |
1,80 |
| CaO |
% |
54,50 |
38,61 |
37,36 |
37,81 |
25,80 |
37,4 |
7,84 |
37,40 |
0,00 |
5,70 |
| MgO |
% |
0,22 |
7,75 |
2,62 |
7,74 |
1,34 |
4,81 |
2,31 |
1,82 |
0,00 |
0,10 |
| K2O |
% |
0,04 |
0,44 |
0,36 |
0,74 |
0,13 |
0,28 |
1,46 |
0,28 |
0,00 |
0,95 |
| Na2O |
% |
0,00 |
0,18 |
0,38 |
0,75 |
0,07 |
0,07 |
0,59 |
0,06 |
0,00 |
|
| SO3 |
% |
0,01 |
2,70 |
1,11 |
1,58 |
3,96 |
7,71 |
0,29 |
49,80 |
0,00 |
|
| P2O5 |
% |
0,01 |
0.00 |
0,01 |
0,00 |
0,15 |
1,27 |
1,77 |
0,00 |
0,00 |
|
| Summe |
|
99,98 |
100,00 |
99,78 |
99,80 |
99,89 |
99,77 |
99,78 |
99,94 |
100,00 |
100,06 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Amorph |
% |
/ |
/ |
>95 |
|
48,0 |
38,0 |
58,9 |
/ |
/ |
|
| Dichte |
g/cm3 |
2,64 |
2,82 |
2,82 |
2,81 |
2,59 |
2,82 |
2,30 |
|
|
2,54 |
| Mahlfeinheit nach Blaine |
cm2/g |
3350 |
4700 |
3710 |
3900 |
6380 |
4380 |
4270 |
|
|
|
Tabelle 3: Mineralogische Phasenzusammensetzung der verwendeten industriellen Nebenprodukte
(QXRD nach Rietveld)
| Rohstoff |
|
Schlacken |
Aschen |
| Probe |
|
S1 |
S2 |
S3 |
FA1 |
FA2 |
FA3 |
| Mineral |
Einheit |
|
|
|
|
|
|
| Kalzit |
Gew.-% |
|
|
1,2 |
1,6 |
|
|
| Quarz |
Gew.-% |
0,5 |
0,25 |
|
7,5 |
11,5 |
9,8 |
| Cristobalit |
Gew.-% |
|
|
|
1,2 |
0,4 |
|
| Freikalk |
Gew.-% |
|
|
|
2,4 |
9,3 |
0,9 |
| Periklas |
Gew.-% |
|
|
|
|
2,8 |
1,1 |
| Anhydrit |
Gew.-% |
|
|
|
4,5 |
10,4 |
0,6 |
| Feldspäte |
Gew.-% |
|
|
|
8,0 |
|
|
| Akermanit |
Gew.-% |
56,0 |
|
18,3 |
|
|
|
| Gehlenit |
Gew.-% |
26,8 |
|
8,9 |
8,9 |
6,3 |
|
| Merwinit |
Gew.-% |
|
0,4 |
3,1 |
|
4,9 |
|
| Augit |
Gew.-% |
14,6 |
|
|
|
|
|
| Mullit |
Gew.-% |
0,8 |
|
|
3,6 |
|
25,1 |
| Maghemit |
Gew.-% |
|
0,14 |
|
1,8 |
1,2 |
1,4 |
| Hämatit |
Gew.-% |
|
|
|
2,4 |
0,9 |
0,8 |
| Rutil |
Gew.-% |
|
|
|
|
|
0,3 |
| Perowskit |
Gew.-% |
|
|
|
2,4 |
|
|
| Ye'elimit |
Gew.-% |
|
|
|
1,2 |
3,1 |
|
| C2S |
Gew.-% |
|
|
|
6,5 |
8,1 |
1,1 |
| C4AF |
Gew.-% |
|
|
|
|
3,1 |
|
| C5S2$ |
Gew.-% |
1,3 |
|
|
|
|
|
| Amorph |
Gew.-% |
0,00 |
99,21 |
68,5 |
48,0 |
38,0 |
58,9 |
Beispiele 1 Tpur
[0077] Eine stöchiometrische Mischung aus CaCO
3 [Merck, p.a.], CaSO
4 [Merck, p.a.] und Quarzmehl [Merck, p.a.] wurde 1 h bei 1100°C gebrannt, anschließend
rapide gekühlt, gemahlen und ein weiteres Mal 1h bei 1100°C gebrannt und rapide gekühlt.
Beispiel 2 TKFA
[0078] Die Rohmischung bestand aus 45 Gew.-% Kalkstein (K1) + 27 Gew.-% FA2, 20 Gew.-% MicroA
und 8 Gew.-% Quarzmehl (Merck, p.a.). Das Rohmehl wurde in bei 1100°C gesintert und
durchlief nach dem Sintern zur Temperung ein Kühlprogramm bei dem die Temperatur über
etwa 35 min von 1100°C auf 850°C gesenkt wurde. Der Klinker wurde dann rapide an der
Luft abgekühlt.
Beispiel 3 TKAGS
[0079] Die Rohmischung bestand aus 58 Gew.-% K1 + 8 Gew.-% MK, 24 Gew.-% MircoA und 10 Gew.-%
Quarzmehl (Merck, p.a.). Das Rohmehl durchlief dasselbe Programm wie in Beispiel 2.
Beispiel 4
[0080] Verschiedene Bindemittel wurden aus einem kommerziellen CSA Zement (Zusammensetzung
siehe Tabelle 6) und den drei Ternesitqualitäten aus den Beispielen 1-3 sowie Micro
A gemischt. In Tabelle 4 sind die Zusammensetzungen der Ternesite und in Tabelle 5
die Mischungsverhältnisse mit dem Zement aufgelistet, die Figuren 1 bis 4 geben den
Wärmefluss und den kumulativen Wärmefluss der Mischungen beim Anmachen mit Wasser
mit einem W/B von 0,7 wieder. Tabelle 7 gibt die Mineralogie der Zemente entsprechend
Beispiel 4 (QXRD nach Rietveld) und TG Daten (chem. gebundenes Wasser) der Zemente
sowie der daraus hergestellten Zementsteine, normiert auf 100% Paste; W/Z 0,7 an.
Tabelle 4: Chemische (berechnet) und mineralogische Zusammensetzung der Klinker aus
den Beispielen 1 bis 3
| Oxide |
Tpur |
TKFA |
TKAGS |
| SiO2 |
25,00% |
21,30% |
22,16% |
| Al2O3 |
-- |
4,75% |
4,94% |
| TiO2 |
-- |
0,38% |
0,04% |
| MnO |
-- |
0,07% |
0,01% |
| Fe2O3 |
-- |
1,96% |
0,45% |
| CaO |
58,34% |
53,20% |
55,34% |
| MgO |
-- |
2,23% |
0,77% |
| K2O |
-- |
0,19% |
0,22% |
| Na2O |
-- |
0,04% |
0,02% |
| SO3 |
16,66% |
15,44% |
16,06% |
| P2O5 |
-- |
0,44% |
0,01% |
| Phasen |
|
|
|
| Anhydrit |
0,4 |
0,3 |
0,2 |
| C3A (cub) |
-- |
2,2 |
-- |
| C3A (orth) |
-- |
1,2 |
0,4 |
| C2S a·H |
-- |
2,7 |
1,4 |
| C2S beta |
-- |
5,7 |
3,2 |
| C2S gamma |
-- |
1,1 |
0,4 |
| ΣC2S |
-- |
9,5 |
5,0 |
| Ternesit |
99,2 |
74,9 |
85,5 |
| Freikalk |
<0,1 |
0,3 |
0,3 |
| Periklas |
-- |
1,2 |
0,5 |
| C4A3S |
-- |
9,3 |
7,0 |
| Augit |
-- |
1,2 |
1,1 |
| Quarz |
0,4 |
-- |
-- |
| Verhältnisse |
|
|
|
| CaO/Al2O3 |
-- |
11,21 |
11,21 |
| Al2O3/Fe2O3 |
-- |
2,42 |
10,92 |
| SO3/(Al2O3+Fe2O3) |
-- |
2,30 |
2,98 |
| SO3/SiO2 |
0,67 |
0,72 |
0,72 |
| CaO/SO3 |
3,50 |
3,45 |
3,45 |
| CaO/SiO2 |
2,33 |
2,50 |
2,50 |
| MgO/SiO2 |
0,00 |
0,10 |
0,03 |
Tabelle 5: Mischungen eines kommerziellen Calciumsulfoaluminat-Zements mit Klinkern
entsprechend Beispiel 1-3
| Mischung |
CSA |
Tpur |
TKFA |
TKAGS |
Micro A |
| CSA-C$ |
85% |
|
|
|
15% |
| CSA-T |
60% |
40% |
|
|
|
| CSA-T-C$ |
68% |
20% |
|
|
12% |
| CSA-TK_FA-C$ |
68% |
|
20% |
|
12% |
| CSA-TK_AGS-C$ |
68% |
|
|
20% |
12% |
Tabelle 6: Chemische Zusammensetzung des verwendeten kommerziellen Calciumsulfoaluminat-Zements
| |
|
China CSA |
| GV 1050 °C |
% |
0,18 |
| SiO2 |
% |
6,93 |
| Al2O3 |
% |
36,48 |
| TiO2 |
% |
1,64 |
| MnO |
% |
0,00 |
| Fe2O3 |
% |
2,24 |
| CaO |
% |
40,61 |
| MgO |
% |
2,94 |
| K2O |
% |
0,18 |
| Na2O |
% |
0,00 |
| SO3 |
% |
8,61 |
| P2O5 |
% |
0,14 |
| Sum. |
% |
99,94 |

Beispiel 5
[0081] Die Rohmischung bestand aus 44 Gew.-% K1 + 25 Gew.-% FA1 + Sulfatträger und Al(OH)
3. Eine Probe (M1) wurde nach dem Sintern direkt abgekühlt, die zweite Probe (M1a)
durchlief nach dem Sintern zur Temperung ein Kühlprogramm bei dem die Temperatur über
∼45 min von 1200°C auf 850°C gesenkt und der Klinker dann rapide an der Luft abgekühlt
wurde.
Beispiel 6
[0082] Die Rohmischung bestand aus 65 Gew.-% (80% K1 /20% MK) + 5 Gew.-% FA3 + Sulfatträger
und Al(OH)
3. Die Probe (M2) durchlief nach dem Sintern dasselbe Kühlprogramm wie M1a und wurde
dann abgekühlt.
Beispiel 7
[0083] Die Rohmischung bestand aus 45 Gew.-% K1 + 35 Gew.-% S2 + Sulfatträger und Al(OH)
3. Eine Probe (L1) wurde nach dem Sintern direkt abgekühlt, die zweite Probe (L1a)
durchlief nach dem Sintern dasselbe Kühlprogramm wie M1a und wurde dann abgekühlt,
die dritte Probe (L1b) durchlief nach dem Sintern ein Kühlprogramm bei dem die Temperatur
über ∼60 min von 1150°C auf 1100°C gesenkt und der Klinker dann rapide an der Luft
abgekühlt wurde.
Beispiel 8
[0084] Die Rohmischung bestand aus 37 Gew.-% K1 + 54 Gew.-% FA2 + Sulfatträger und Al(OH)
3. Eine Probe (L2) wurde nach dem Tempern direkt abgekühlt, die zweite Probe (L2a)
durchlief nach dem Tempern dasselbe Kühlprogramm wie L1b und wurde dann abgekühlt.
Beispiel 9
[0085] Die Rohmischung bestand aus 41 Gew.-% K1 + 41 Gew.-% S1 + Sulfatträger und Al(OH)
3. Eine Probe (L3) wurde nach dem Sintern direkt abgekühlt, die zweite Probe (L3a)
durchlief nach dem Sintern dasselbe Kühlprogramm wie M1a und wurde dann abgekühlt.
[0086] Die Analyseergebnisse für die Klinker und die Zementsteine, die aus einem Gemisch
von 85 Gew.-% des Klinkers und 15 Gew.-% Anhydrit mit einem Wasser/Zementwert von
0,7 hergestellt wurden, sind in Tabelle 8 zusammengestellt. In den Figuren 5 bis 9
sind Wärmeflussmessungen für die Zemente dargestellt.
Beispiel 10
[0087] Die Rohmischung bestand aus 52,5 Gew.-% CaCO
3 (Merck, p.a.) + 32,6 Gew.-% FA2 + MicroA und Al(OH)
3. Zwei Proben (CSAB1250_a und b) wurden nach dem Sintern bei 1250°C direkt an der
Luft rapide abgekühlt, zwei weitere Proben (CSAB1100_a und b) wurden im Ofen, nach
dem Tempern bei 1250°C, auf 1100°C heruntergekühlt und für 1h bei dieser Temperatur
gehalten, anschließend direkt an der Luft rapide abgekühlt. In zwei weiteren Proben
(CSAB1100-SO3_a und b) wurde jeweils der Sulfatgehalt des Rohmehls erhöht, anschließend
durchliefen diese Proben dasselbe Temper- und Kühlprogram wie CSAB1100_a und b.
[0088] Tabelle 9 gibt die für die erhaltenen Klinker bestimmten Gitterparameter und Zusammensetzungen
an. Figur 10 veranschaulicht die Abhängigkeit der Gitterparameter von der Synthesetemperatur
bzw. dem spezifischen Kühlungsprogramm sowie dem SO
3-Gehalt.
[0089] Durch die Optimierung des SO
3 / (Al
2O
3+Fe
2O
3) Verhältnisses sowie die Anwendung des speziellen Herstellungsverfahrens lässt sich
die Klinkerzusammensetzung optimieren bzw. variieren (siehe Tabelle 9). Der zunehmend
Einbau von Eisen in die Struktur von Ye'elimit korreliert mit der Vergrößerung der
Gitterparameter. Ebenfalls tritt im Zuge des Eiseneinbaus zunehmend eine kubische
Modifikation anstelle der orthorhombischen auf.
[0090] In Figur 11 ist der Wärmefluss von Zementsteinen aus Mischungen von 90 % der Klinker
mit 10% MicroA und der reinen Klinkers CSAB1100-SO3_b bei einem W/Z von 0,6 dargestellt.
Klinker, hergestellt entsprechend dem erfindungsgemäßen zweistufigen Verfahren bzw.
mit einer optimierten mineralogischen Zusammensetzung des Rohmehls reagieren / hydratisieren
eindeutig zu früheren Zeitpunkten. Versuche haben belegt, dass dies mit einer signifikanten
Erhöhung der Frühfestigkeit einhergeht.
Tabelle 8: QXRD Daten (nach Rietveld) der Klinker sowie der daraus hergestellten Zementsteine
| Probe |
Klinker |
Zementstein |
| |
C2S [Gew.-%] |
C4(AxF(1-x))3$ [Gew.-%] |
C5S2$ [Gew.-%] |
physikalisch gebundenes Wasser (40°C) [Gew.-%] |
chemisch gebundenes Wasser [Gew.-%] |
C2S [Gew.-%] |
C4(AxF(1-x))3$ [Gew.-%] |
C5S2$ [Gew.-%] |
AFt [Gew.- %] |
C2ASH8 [Gew.-%] |
amorph [Gew.-%] |
| M1 |
45 |
39 |
1 |
14 |
30,8 |
20 |
- |
- |
35 |
2 |
39 |
| M1a |
42 |
42 |
5 |
12,8 |
31,8 |
14 |
- |
- |
26 |
5 |
51 |
| M2 |
23 |
44 |
26 |
18,6 |
25,8 |
30 |
- |
12 |
22 |
- |
32 |
| L1 |
59 |
21 |
2 |
24 |
21,4 |
34 |
- |
- |
27 |
- |
24 |
| L1a |
58 |
22 |
2 |
23,4 |
22,6 |
34 |
- |
- |
31 |
- |
24 |
| L1b |
46 |
22 |
19 |
23,6 |
22,1 |
27 |
- |
7 |
29 |
- |
26 |
| L2 |
30 |
23 |
31 |
25,9 |
18,8 |
24 |
- |
17 |
29 |
- |
19 |
| L2a |
20 |
24 |
42 |
26,2 |
19,2 |
15 |
- |
26 |
28 |
- |
19 |
| L3 |
63 |
22 |
1 |
24,6 |
19,6 |
46 |
- |
1 |
30 |
- |
6 |
| L3a |
55 |
23 |
12 |
24,9 |
19,0 |
40 |
- |
4 |
29 |
- |
11 |
Tabelle 9: QXRD Daten (nach Rietveld) der Klinker nach Beispiel 10
| Phasen |
in Klinker [Gew.-%] |
| CSAB1250_a |
CSAB1250_b |
CSAB1100_a |
CSAB1100_b |
CSA1100-SO3_a |
CSA1100-SO3_b |
| C4A3$ ortho |
12,8 |
12,6 |
10,3 |
10,5 |
9,2 |
2,4 |
| C4A3$ cub |
13,8 |
13,8 |
15,7 |
16,5 |
20,1 |
21,4 |
| ∑C4A3$ |
26,5 |
26,4 |
26,0 |
27,0 |
29,3 |
23,8 |
| α-C2S |
0,8 |
1,0 |
1,6 |
2,1 |
1,9 |
1,3 |
| β-C2S |
54,2 |
51,5 |
50,2 |
50,6 |
53,2 |
15,8 |
| γ-C2S |
3,8 |
5,8 |
5,1 |
5,0 |
0,0 |
0,0 |
| ∑C2S |
58,8 |
58,2 |
56,8 |
57,6 |
55,2 |
17,1 |
| C5S2$ |
0,0 |
0,0 |
0,8 |
0,8 |
5,2 |
49,7 |
| C4AF |
7,2 |
6,7 |
6,7 |
6,6 |
2,7 |
1,3 |
| Minors |
7,5 |
8,7 |
9,6 |
8,0 |
7,7 |
8,3 |
| Summe |
100,0 |
100,0 |
100,0 |
100,0 |
100,0 |
100,0 |
| |
| SO3/(Al2O3+Fe2O3) |
0,25 |
0,25 |
0,25 |
0,25 |
0,40 |
0,91 |
| α C4A3$ cub |
9,198 |
9,199 |
9,199 |
9,200 |
9,205 |
9,207 |
| c C4A3$ otho |
9,149 |
9,150 |
9,150 |
9,150 |
9,174 |
9,182 |
1. Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker oder Zement, erhältlich durch Sintern einer
Rohmehlmischung, welche Quellen für CaO, Al
2O
3(Fe
2O
3), SiO
2 und SO
3 enthält,
dadurch gekennzeichnet, dass man
die Rohmehlmischung in einem Temperaturbereich von > 1200 °C bis 1350 °C über einen
Zeitraum sintert, der ausreicht, um die Rohmehlmischung zu einem Klinkerzwischenprodukt
umzusetzen, typischerweise 10 bis 240 min.
das Klinkerzwischenprodukt in einem Temperaturbereich von 1200 °C bis zu einer unteren
Grenze von 750 °C über eine Zeit tempert, die ausreicht, um die gewünschte Menge an
C
5S
2$ zu erhalten, sowie Aluminat- und Ferratphasen und Reste der kristallinen Hochtemperaturphasen
der Rohstoffe zumindest teilweise mit vorhandenem C$ zu zusätzlichen C
4(A
xF
1-x)
3$ und C
5S
2$ umzusetzen, typischerweise 15 bis 300 min,
und den Klinker mit den Hauptkomponenten C
4(A
xF
1-x)
3$, (α; β) C
2S und C
5S
2$ in folgenden Anteilen
• C5S2$ 5 bis 75 Gew.-%
• C2S 1 bis 80 Gew.-%
• C4(AxF1-x)3$ 5 bis 70 Gew.-%
• Nebenphasen 0 bis 30 Gew.-%
wobei x eine Zahl von 0,1 bis 1 ist, abkühlt.
2. Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker oder Zement gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man das Klinkerzwischenprodukt in dem Temperaturbereich von 1200 °C bis zu einer
unteren Grenze von 750 °C über eine Zeit tempert, die ausreicht, um mindestnes 10
Gew.-%, vorzugsweise mindestens 20 Gew.-% C5S2$ zu erhalten.
3. Bindemittel enthaltend einen gemahlenen Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker gemäß
Anspruch 1 oder 2 oder einen gemahlenen Ternesit-Klinker mit einem Gehalt an C
5S
2$ im Bereich von 20 bis 100 Gew.-% und einem Gehalt an C
4(A
xF
(1-x))
3$ unter 15 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht des Klinkers, und den weiteren
Klinkerphasen (α; β) C
2S, C
4(A
xF(
1-x))
3$ mit x von 0,1 bis 1,0, C
2(A
yF
(1-y)) mit y von 0,2 bis 0,8, reaktive Aluminate, Periklas (M) und Nebenphasen in folgenden
Anteilen:
• (α, β) C2S 0 bis 80 Gew.-%
• C4(AxF(1-x))3$ 0 bis < 15 Gew.-%
• C2(AyF(1-y)) 0 bis 30 Gew.-%
• Reaktive Aluminate 0 bis 20 Gew.-%
• Periklas (M) 0 bis 25 Gew.-%
• Nebenphasen 0 bis 30 Gew.-%
wobei sich die Anteile der Klinkerphasen zu 100 % addieren, und einen gemahlenen Calciumsulfoaluminat-Klinker.
4. Bindemittel gemäß Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass es den Calciumsulfoaluminat-Klinker in einer Menge im Bereich von 10 bis 90 Gew.-%,
vorzugsweise von 20 bis 70 Gew.-% und den Ternesit-Klinker in einer Menge im Bereich
von 10 bis 90 Gew.-%, vorzugsweise von 30 bis 80 Gew.-% enthält, wobei sich alle Anteile
des Bindemittels zu 100 % addieren.
5. Bindemittel gemäß Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass latent hydraulische Materialien und/oder Puzzolane in einem Bereich von 5 bis 80
Gew.-%, vorzugsweise von 20 bis 60 Gew.-% enthalten sind.
6. Bindemittel gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die latent hydraulischen Materialien und/oder Puzzolane ausgewählt sind unter getemperten
Tonen (z.B. Metakaolin), Schiefer, Flugaschen, Hüttensanden sowie künstlichen, z.B.
puzzolanischen und latent hydraulischen, Gläsern.
7. Bindemittel gemäß mindestens einem der Ansprüche 3 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass es zusätzlich weitere hydraulisch reaktive Materialien, wie Portlandzement und/oder
nicht hydraulisch reaktive Materialien, wie gemahlenen Kalkstein / Dolomit, gefälltes
CaCO3, Ca(OH)2, Mg(OH)2, Silica fume in einem Bereich von 1 bis 30 Gew.-%, vorzugsweise von 5 bis 20 Gew.-%
enthält.
8. Bindemittel gemäß mindestens einem der Ansprüche 3 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass es als Zusatzmittel einen oder mehrere Abbinde- und / oder Erhärtungsbeschleuniger,
vorzugsweise ausgewählt unter Komponenten mit verfügbarem Aluminium, die in Kontakt
mit Wasser Aluminium, zum Beispiel in der Form von Al(OH)4- oder amorphes Al(OH)3-Gel, freisetzen, wie lösliche Alkali-Aluminate [z.B. Na2Al2O4, K2Al2O4, etc.], Aluminiumhydroxid (z.B. amorphes Al(OH)3), Calciumaluminatzement und / oder Geopolymer Binder in einer Menge im Bereich von
0,1 bis 15 Gew.-%, vorzugsweise von 1 bis 8 Gew.-% enthält.
9. Bindemittel gemäß mindestens einem der Ansprüche 3 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass es als Zusatzmittel Lithiumsalze und -hydroxide und/oder andere Alkalisalze und -hydroxide
und Alkalisilikate enthält, wobei Zusatzmittel, wie zum Beispiel Alkalisalze, -silikate
und -hydroxide, welche den pH-Wert der Lösung und damit einhergehend die Reaktivität
von C5S2$ erhöhen, besonders bevorzugt sind.
10. Bindemittel gemäß einem der Ansprüche 3 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Ternesit-Klinker und der Calciumsulfoaluminat-Klinker gemeinsam oder getrennt,
mit oder ohne Sulfatträger in Form von Alkali- und / oder Erdalkalisulfaten, vorzugsweise
in Form von Gips und / oder Halbhydrat und / oder Anhydrit und / oder Magnesiumsulfat,
auf Feinheiten (nach Blaine) im Bereich von 2000 bis 10000 cm2/g, vorzugsweise im Bereich von 3000 bis 6000 cm2/g und besonders bevorzugt von 4000 bis 5000 cm2/g gemahlen werden.
11. Bindemittel gemäß einem der Ansprüche 3 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Ternesit-Calciumsulfoaluminat-Klinker mit oder ohne Sulfatträger in Form von
Alkali- und / oder Erdalkalisulfaten, vorzugsweise in Form von Gips und / oder Halbhydrat
und / oder Anhydrit und / oder Magnesiumsulfat, auf Feinheiten (nach Blaine) im Bereich
von 2000 bis 10000 cm2/g, vorzugsweise im Bereich von 3000 bis 6000 cm2/g und besonders bevorzugt von 4000 bis 5000 cm2/g gemahlen wird.
12. Bindemittel gemäß Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass der Ternesit-Zement eine Partikelgrößenverteilung mit einem d50 kleiner 20 µm und d90 kleiner 100 µm, oder einem d50 kleiner 5 µm und einem d90 kleiner 20 µm oder mit einem d50 kleiner 0,1 µm und einem d90 kleiner 2 µm aufweist.
13. Verwendung eines Bindemittels gemäß einem der Ansprüche 3 bis 12 in Kombination mit
Gesteinskörnungen zur Herstellung von Beton und Mörtel, wobei ein Wasser/Bindemittelwert
von 0,2 bis 2 eingestellt wird.
14. Verwendung eines Bindemittels gemäß einem der Ansprüche 3 bis 12 zur Immobilisierung
von Schadstoffen oder als Dichtwandmasse, wobei vorzugsweise adsorptiv wirksame Zusätze
wie Zeolithe und/oder lonenaustauscherharze, zugefügt werden.
15. Verwendung eines Ternesit-Klinkers mit einem Gehalt an C
5S
2$ im Bereich von 20 bis 100 Gew.-% und einem Gehalt an C
4(A
xF
(1-x))
3$ unter 15 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht des Klinkers, und den weiteren
Klinkerphasen (α; β) C
2S, C
4(A
xF
(1-x))
3$ mit x von 0,1 bis 1,0, C
2(A
yF
(1-y)) mit y von 0,2 bis 0,8, reaktive Aluminate, Periklas (M) und Nebenphasen in folgenden
Anteilen:
• (α, β) C2S 0 bis 80 Gew.-%
• C4(AxF(1-x))3$ 0 bis < 15 Gew.-%
• C2(AyF(1-y)) 0 bis 30 Gew.-%
• Reaktive Aluminate 0 bis 20 Gew.-%
• Periklas (M) 0 bis 25 Gew.-%
• Nebenphasen 0 bis 30 Gew.-%
wobei sich die Anteile der Klinkerphasen zu 100 % addieren als Additiv zu Calciumsulfoaluminatbindemittel,
dadurch gekennzeichnet, dass der Ternesit-Klinker mit dem Calciumsulfoaluminat-Klinker gemischt und beide gemeinsam,
ggfs. unter Zusatz weiterer Komponenten, zu Zement gemahlen werden oder der gemahlene
Ternesit-Klinker mit Calciumsulfoaluminatzement, ggfs. unter Zusatz weiterer Komponenten,
zu dem Bindemittel vermischt werden.
1. A ternesite calcium sulfoaluminate clinker or cement obtainable by sintering a raw
meal mixture, which contains sources for CaO, Al
2O
3(Fe
2O
3), SiO
2 and SO
3,
characterized in that
the raw meal mixture is sintered in a temperature range of > 1200°C to 1350°C over
a period of time sufficient to convert the raw meal mixture into a clinker intermediate
product, typically 10 to 240 minutes
the clinker intermediate product is tempered in a temperature range of from 1200°C
to a lower limit of 750°C over a period of time sufficient to obtain the desired amount
of C
5S
2$ and to convert aluminate and ferrate phases and residues of the crystalline high-temperature
phases of the raw materials with remaining C$ into additional C
4(A
xF
1-x)
3$ and C
5S
2$, typically 15 to 300 minutes, and the clinker comprising the main components C
4(A
xF
1-x)
3$, (α; β) C
2S and C
5S
2$ in the following proportions
• C5S2$ 5 to 75 wt %
• C2S 1 to 80 wt %
• C4(AXF1-x)3$ 5 to 70 wt %
• secondary phases 0 to 30 wt %,
wherein x is a number from 0.1 to 1, is cooled.
2. The ternesite calcium sulfoaluminate clinker or cement according to claim 1, characterized in that the clinker intermediate product is tempered in the temperature range of from 1200°C
to a lower limit of 750°C over a period of time sufficient to obtain at least 10 %
by weight, preferably at least 20 % by weight of C5S2$.
3. A binder containing a ground ternesite calcium sulfoaluminate clinker according to
claim 1 or 2 or a ground ternesite clinker with a content of C
5S
2$ in the range of 20 to 100 % by weight and a content of C
4(A
xF
1-x)
3$ below 15 % by weight, in each case based on the total weight of the clinker, and
the further clinker phases (α; β) C
2S, C
4(A
xF
(1-x))
3$, where x is from 0.1 to 1.0, C
2(A
yF
(1-y)), where y is from 0.2 to 0.8, reactive aluminates, periclase (M) and secondary phases
in the following proportions:
• (α, β) C2S 0 to 80 % by weight
• C4(AxF(1-x))3$ 0 to < 15 % by weight
• C2(AyF(1-y)) 0 to 30 % by weight
• reactive aluminates 0 to 20 % by weight
• periclase (M) 0 to 25 % by weight
• secondary phases 0 to 30 % by weight,
wherein the proportions of the clinker phases add up to 100 %, and a ground calcium
sulfoaluminate clinker
4. The binder according to claim 3, characterized in that it contains the calcium sulfoaluminate clinker in an amount in the range of 10 to
90 % by weight, preferably 20 to 70 % by weight and the ternesite clinker in an amount
in the range of 10 to 90 % by weight, preferably 30 to 80 % by weight, wherein all
components of the binder add up to 100 %.
5. The binder according to claim 3 or 4, characterized in that latent hydraulic materials and/or pozzolanes are contained in a range of 5 to 80
% by weight, preferably of 20 to 60 % by weight.
6. The binder according to claim 5, characterized in that the latent hydraulic materials and/or pozzolanes are selected from tempered clays
(for example metakaolin), shale, fly ashes, ground granulated blast furnace slags,
as well as synthetic, for example pozzolanic and latent hydraulic, glasses.
7. The binder according to at least one of claims 3 to 6, characterized in that it additionally contains further hydraulically reactive materials, such as Portland
cement and/or not hydraulically reactive materials, such as ground limestone / dolomite,
precipitated CaCO3, Ca(OH)2, Mg(OH)2, silica fume in a range from 1 to 30 % by weight, preferably from 5 to 20 % by weight.
8. The binder according to at least one of claims 3 to 7, characterized in that it contains one or more setting and/or hardening accelerators as an admixture, preferably
selected among components having available aluminum, which in contact with water liberate
aluminum, for example in the form of Al(OH)4- or amorphous Al(OH)3 gel, such as soluble alkali aluminates [for example Na2Al2O4, K2Al2O4, and the like], amorphous aluminum hydroxide (for example Al(OH)3), calcium aluminate cement and/or geopolymer binder in an amount in the range of
0.1 to 15 % by weight, preferably of 1 to 8 % by weight.
9. The binder according to at least one of claims 3 to 8, characterized in that it contains lithium salts and lithium hydroxides and/or other alkali salts and alkali
hydroxides and alkali silicates as an admixture, wherein admixtures such as alkali
salts, alkali silicates and alkali hydroxides, which increase the pH value of the
solution and therefore also the reactivity of C5S2$, are particularly preferred.
10. The binder according to at least one of claims 3 to 9, characterized in that the ternesite clinker and the calcium sulfoaluminate clinker are ground together
or separately to degrees of fineness (according to Blaine) in the range of 2000 to
10000 cm2/g, preferably in the range of 3000 to 6000 cm2/g and more preferably of 4000 to 5000 cm2/g, either with or without sulfate carriers in the form of alkaline and/or alkaline
earth sulfates, preferably in the form of gypsum and/or hemihydrate and/or anhydrite
and/or magnesium sulfate.
11. The binder according to at least one of claims 3 to 9, characterized in that the ternesite calcium sulfoaluminate clinker is ground to degrees of fineness (according
to Blaine) in the range of 2000 to 10000 cm2/g, preferably in the range of 3000 to 6000 cm2/g and more preferably of 4000 to 5000 cm2/g, either with or without sulfate carriers in the form of alkaline and/or alkaline
earth sulfates, preferably in the form of gypsum and/or hemihydrate and/or anhydrite
and/or magnesium sulfate.
12. The binder according to claim 11 or 12, characterized in that the ternesite cement has a particle size distribution with a d50 of less than 20 µm and d90 less than 100 µm, or d50 less than 5 µm and d90 less than 20 µm, or d50 less than 0.1 µm and d90 less than 2 µm.
13. The use of a binder according to one of claims 3 to 12 in combination with mineral
aggregates to produce concrete and mortar, wherein a water/binder value of 0.2 to
2 is set.
14. The use of a binder according to one of claims 3 to 12 for immobilizing pollutants
or as a sealing wall mass, wherein adsorptively effective additives such as zeolites
and/or ion-exchange resins are preferably added.
15. The use of a ternesite clinker with a content of C
5S
2$ in the range of 20 to 100 % by weight and a content of C
4(A
xF
1-x)
3$ below 15 % by weight, in each case based on the total weight of the clinker, and
the further clinker phases (α; β) C
2S, C
4(A
xF
(1-x))
3$, where x is from 0.1 to 1.0, C
2(A
yF
(1-y)), where y is from 0.2 to 0.8, reactive aluminates, periclase (M) and secondary phases
in the following proportions:
• (α, β) C2S 0 to 80 % by weight
• C4(AxF(1-x))3$ 0 to < 15 % by weight
• C2(AyF(1-y)) 0 to 30 % by weight
• reactive aluminates 0 to 20 % by weight
• periclase (M) 0 to 25 % by weight
• secondary phases 0 to 30 % by weight,
wherein the proportions of the clinker phases add up to 100 % as an additive to calcium
sulfoaluminate binders,
characterized in that the ternesite clinker is mixed with the calcium sulfoaluminate clinker, and the two
together, possibly with the addition of other components, are ground to form a cement,
or the ground ternesite clinker with calcium sulfoaluminate cement, possibly with
the addition of other components, are mixed to form the binder.
1. Clinker ou ciment à base de ternésite/sulfoaluminate de calcium, pouvant être obtenu
par frittage d'un mélange cru pulvérulent contenant des source de CaO, Al
2O
3(Fe
2O
3), SiO
2 et de SO
3,
caractérisé en ce que
le mélange cru pulvérulent est soumis à un frittage dans une fourchette de températures
allant de > 1200°C à 1350°C, durant une période suffisamment longue, typiquement durant
10 à 240 min, pour transformer le mélange cru pulvérulent en un produit intermédiaire
clinkérisé.
le produit intermédiaire clinkérisé est soumis à un traitement thermique dans une
fourchette de températures commençant à 1200°C pour atteindre une limite inférieure
de 750°C durant une période suffisamment longue, typiquement durant 15 à 300 min,
pour obtenir la quantité souhaitée de C
5S
2$ ainsi que pour faire réagir des phases d'aluminate et de ferrate, et des phases
cristallines résiduelles, que les matières premières présentent à haute température,
au moins partiellement avec du C$ disponible et obtenir ainsi du C
4(A
xF
1-x)
3$ et du C
5S
2$ supplémentaires, et
le clinker ayant comme constituants principaux le C
4(A
xF
1-x)
3$, le (α; β) C
2S et le C
5S
2$ dans les proportions suivantes
• C5S2$ 5 à 75 % en poids
• C2S 1 à 80 % en poids
• C4(AxF1-x)3$ 5 à 70 % en poids
• phases secondaires 0 à 30 % en poids
x étant un nombre compris entre 0,1 et 1, est soumis a un refroidissement.
2. Clinker ou ciment à base de ternésite / sulfoaluminate de calcium selon la revendication
1, caractérisé en ce que le produit intermédiaire clinkérisé est soumis à un traitement thermique dans la
fourchette de températures commençant à 1200°C pour atteindre une limite inférieure
de 750°C durant une période suffisamment longue pour obtenir au moins 10 % en poids,
de préférence au moins 20 % en poids, de C5S2$.
3. Liant contenant un clinker pulvérulent à base de ternésite / sulfoaluminate de calcium
selon les revendications 1 ou 2 ou un clinker pulvérulent à base de ternésite ayant
une teneur en C
5S
2$ comprise entre 20 et 100 % en poids et une teneur en C
4(A
xF
1-x)
3$ inférieure à 15 % en poids, toujours par rapport au poids total dudit clinker, les
proportions des autres phases de clinker, à savoir le (α; β) C
2S, le C
4(A
xF
(1-x))
3$ avec x compris entre 0,1 et 1,0, le C
2(A
yF
(1-y)) avec y compris entre 0,2 et 0,8, les aluminates réactifs, la périclase (M) et les
phases secondaires, étant comme suit :
• (α, β) C2S 0 à 80 % en poids
• C4(AxF(1-x))3$ 0 à < 15 % en poids
• C2(AyF(1-y)) 0 à 30 % en poids
• aluminates réactifs 0 à 20 % en poids
• périclase (M) 0 à 25 % en poids
• phases secondaires 0 à 30 % en poids
la somme des proportions des phases de clinker étant égale à 100 %, et un clinker
pulvérulent à base de sulfoaluminate de calcium.
4. Liant selon la revendication 3, caractérisé en ce qu'il contient le clinker à base de sulfoaluminate de calcium dans une quantité comprise
entre 10 et 90 % en poids, de préférence entre 20 et 70 % en poids, et le clinker
à base de ternésite dans une quantité comprise entre 10 et 90 % en poids, de préférence
entre 30 et 80 % en poids, la somme de l'ensemble des proportions dudit liant étant
égale à 100%.
5. Liant selon les revendications 3 ou 4, caractérisé en ce qu'il contient des matériaux à action hydraulique latente et/ou des pouzzolanes, de l'ordre
de 5 à 80 % en poids, préférentiellement de 20 à 60 % en poids.
6. Liant selon la revendication 5, caractérisé en ce que les matériaux à action hydraulique latente et/ou les pouzzolanes sont choisis parmi
les argiles ayant subi un traitement thermique (par exemple, le métakaolin), le schiste,
les cendres volantes, les laitiers granulés de haut-fourneau ainsi que les verres
artificiels, par exemple de type pouzzolane ou ayant une action hydraulique latente.
7. Liant selon au moins une des revendications 3 à 6, caractérisé en ce qu'il contient, en outre, d'autres matériaux à réaction hydraulique, comme le ciment
Portland, et/ou des matériaux dépourvus de réaction hydraulique, comme le calcaire
/ la dolomite pulvérulent(e), le CaCO3 précipité, le Ca(OH)2, le Mg(OH)2, la fumée de silice, de l'ordre de 1 à 30 % en poids, préférentiellement de 5 à 20
% en poids.
8. Liant selon au moins une des revendications 3 à 7, caractérisé en ce qu'il contient, en tant qu'adjuvants, un ou plusieurs agents accélérateurs de prise et/ou
de durcissement qui sont préférentiellement choisis parmi les constituants comportant
de l'aluminium disponible et libérant, au contact avec l'eau, de l'aluminium par exemple
sous forme de Al(OH)4- ou de gel amorphe de Al(OH)3, comme les aluminates alcalins solubles [par exemple, le Na2Al2O4, le K2Al2O4, etc.], l'hydroxyde d'aluminium (par exemple, le Al(OH)3 amorphe), le ciment d'aluminate de calcium et/ou le liant géopolymère, dans une quantité
comprise entre 0,1 et 15 % en poids, de préférence entre 1 et 8 % en poids.
9. Liant selon au moins une des revendications 3 à 8, caractérisé en ce qu'il contient, en tant qu'adjuvants, des sels et hydroxydes de lithium et/ou d'autres
sels et hydroxydes alcalins et des silicates alcalins, les adjuvants capables d'augmenter
le pH de la solution et ainsi la réactivité de C5S2$ étant particulièrement préférés, s'agissant par exemple de sels, silicates et hydroxydes
alcalins.
10. Liant selon l'une des revendications 3 à 9, caractérisé en ce que le clinker à base de ternésite et le clinker à base de sulfoaluminate de calcium
sont transformés en poudre ensemble ou séparément, avec ou sans support sulfaté se
présentant sous forme de sulfates alcalins et/ou alcalino-terreux, de préférence sous
forme de gypse et/ou d'hémi-hydrate et / ou d'anhydrite et / ou de sulfate de magnésium,
de manière à atteindre une finesse (selon Blaine) qui est comprise entre 2000 et 10000
cm2/g, préférentiellement comprise entre 3000 et 6000 cm2/g et, avec une préférence particulière, entre 4000 et 5000 cm2/g.
11. Liant selon l'une des revendications 3 à 9, caractérisé en ce que le clinker à base de ternésite / sulfoaluminate de calcium est transformé en poudre,
avec ou sans support sulfaté se présentant sous forme de sulfates alcalins et/ou alcalino-terreux,
de préférence sous forme de gypse et/ou d'hémi-hydrate et / ou d'anhydrite et / ou
de sulfate de magnésium, de manière à atteindre une finesse (selon Blaine) qui est
comprise entre 2000 et 10000 cm2/g, préférentiellement comprise entre 3000 et 6000 cm2/g et, avec une préférence particulière, entre 4000 et 5000 cm2/g.
12. Liant selon les revendications 11 ou 12, caractérisé en ce que le ciment à base de ternésite présente une granulométrie telle que le d50 est inférieur à 20 µm et le d90 est inférieur à 100 µm, ou bien que le d50 est inférieur à 5 µm et le d90 est inférieur à 20 µm ou bien que le d50 est inférieur à 0,1 µm et le d90 est inférieur à 2 µm.
13. Utilisation d'un liant selon l'une des revendications 3 à 12, en association avec
des granulats, pour fabriquer du béton et du mortier, le rapport eau/liant étant ajusté
à une valeur comprise entre 0,2 et 2.
14. Utilisation d'un liant selon l'une des revendications 3 à 12 pour immobiliser des
polluants, ou en tant que masse pour parois d'étanchéité, en y ajoutant préférentiellement
des additifs à action adsorbante tels que les zéolithes et/ou les résines d'échangeuses
d'ions.
15. Utilisation du clinker à base de ternésite ayant une teneur en C
5S
2$ comprise entre 20 et 100 % en poids et une teneur en C
4(A
xF
1-x)
3$ inférieure à 15 % en poids, toujours par rapport au poids total dudit clinker, les
proportions des autres phases de clinker, à savoir le (α; β) C
2S, le C
4(A
xF
(1-x))
3$ avec x compris entre 0,1 et 1,0, le C
2(A
yF
(1-y)) avec y compris entre 0,2 et 0,8, les aluminates réactifs, la périclase (M) et les
phases secondaires, étant comme suit :
• (α, β) C2S 0 à 80 % en poids
• C4(AxF(1-x))3$ 0 à < 15 % en poids
• C2(AyF(1-y)) 0 à 30 % en poids
• aluminates réactifs 0 à 20 % en poids
• périclase (M) 0 à 25 % en poids
• phases secondaires 0 à 30 % en poids
la somme des proportions des phases de clinker étant égale à 100 % consistant à l'ajouter
à un liant à base de sulfoaluminate de calcium,
caractérisée en ce que l'on mélange le clinker à base de ternésite avec le clinker à base de sulfoaluminate
de calcium pour les transformer ensemble, le cas échéant après l'ajout d'autres constituants,
en ciment pulvérulent ou l'on mélange le clinker pulvérulent à base de ternésite avec
le ciment à base de sulfoaluminate de calcium, le cas échéant après l'ajout d'autres
constituants, pour ainsi obtenir ledit liant.