I. Anwendungsgebiet
[0001] Die Erfindung betrifft alle Arten von Gebrauchsgegenständen, die aus mehreren flächigen
Materialteilen wie etwa Leder, Filz, Textilien zusammengesetzt sind, deren einander
berührende Randbereiche miteinander verbunden werden müssen, um den gewünschten Gebrauchsgegenstand
zu ergeben.
II. Technischer Hintergrund
[0002] Solche Gebrauchsgegenstände können Bekleidungsstücke, Taschen Bezüge für Polstermöbel,
Lenkradbezüge und insbesondere auch Schuhe sein.
[0003] Deren Einzelteile, also die flächigen Materialteile, werden häufig zwecks Verbindung
miteinander vernäht. Es kommen jedoch auch andere Verbindungsarten wie Vernieten,
Verkleben, Verbinden mittels Druckknöpfen oder mittels Klettverschlüssen etc. infrage.
[0004] Im einfachsten Fall werden die Randbereiche der einander berührenden flächigen Materialteile
im Randbereich überlappend aufeinander gelegt, und in diesem Zustand miteinander verbunden,
z. B. vernäht. Dann befindet sich der Randbereich des einen Materialteiles immer auf
der Außenseite und der Randbereich des anderen Materialteiles immer auf der Innenseite
des Gebrauchsgegenstandes.
[0005] Der Verbindungsbereich kann jedoch auch so gestaltet werden, dass die Randbereiche
der beiden Materialteile gegeneinander gelegt gemeinsam aus der Hauptebene, wie sie
von den beiden aneinander grenzenden Hauptteilen der beiden Materialteile besteht,
wegstehen, beispielsweise zur Außenseite oder zur Innenseite.
[0006] Dies hat entweder den Zweck, auf der vorstehenden Seite den dadurch entstehenden
optischen Effekt zu bewirken oder auf der gegenüber liegenden Seite eine besonders
glatte, stufenlose Fläche zu bieten.
[0007] Gerade bei dickeren Materialteilen aus Leder oder Filz spielt die Schichtdicke und
der durch übereinander liegende Schichten gebildete Absatz eine große Rolle, was Komfort
und Bequemlichkeit angeht.
III. Darstellung der Erfindung
a) Technische Aufgabe
[0008] Es ist daher die Aufgabe gemäß der Erfindung, eine Nahtgestaltung zur Verfügung zu
stellen, die sich von den bisherigen Nahtgestaltungen unterscheidet und insbesondere
deren Nachteile vermeidet.
b) Lösung der Aufgabe
[0009] Diese Aufgabe wird gelöst durch die Merkmale des Anspruchs
1. Vorteilhafte Ausführungen ergeben sich aus den Unteransprüchen. Zunächst werden die
Randbereiche der miteinander zu verbindenden Materialteile gezinkt gestaltet werden,
also in Verlaufsrichtung ihrer Kante abwechselnd Vorsprünge und Einbuchtungen aufweisen.
[0010] Diese Vorsprünge und Einbuchtungen der beiden Randbereiche müssen zueinander passen,
sodass diese beiden gezinkten Randbereiche anschließend ineinander verschränkt werden
können, also die beiden Randbereiche so ineinander geschoben werden, dass jeweils
eine Einbuchtung mit ihrem tiefsten Bereich, dem Boden, an dem Übergang zwischen dem
Vorsprung und dem übrigen Materialteil des anderen Randbereiches anliegt. Im Bereich
der Vorsprünge ergibt dies eine doppellagige Ausbildung, da ja die Vorsprünge sichtbar,
insbesondere vollständig und/oder flächig, auf dem anderen Materialteil aufliegen
und mit diesem verbunden werden können.
[0011] Auf der Gegenseite, in der Regel der Innenseite, ergibt sich dadurch jedoch eine
besonders glatte, ebene Innenfläche ohne Absatz und ohne Vorsprung, die einen hohen
Tragekomfort bietet.
[0012] Dennoch stehen die Randbereiche auch auf der Seite, auf der sich die Vorsprünge befinden,
nicht allzu weit über die Hauptebene der flächigen Materialteile vor, im Gegensatz
zu anderen Verbindungsarten.
[0013] Um eine gleichmäßige Beschaffenheit des Verbindungsbereiches zu erzielen, werden
die Vorsprünge und Einbuchtungen - gemessen in Verlaufsrichtung der Kante des Randbereiches
- in der Regel jeweils gleich lang sein.
[0014] Abhängig vom Anwendungsfall können jedoch auch unterschiedlich lange Vorsprünge und
Einbuchtungen vorgesehen sein, beispielsweise wenn in einem bestimmten Bereich auf
einer bestimmten Seite der Hauptebene der Randbereich des einen Materialteiles sichtbar
oder fühlbar sein soll.
[0015] Jedes Materialteil soll in Verlaufsrichtung hintereinander eine Vielzahl, mindestens
jedoch zwei, besser mindestens drei, Vorsprünge und/oder Einbuchtungen aufweisen.
[0016] Wie die beiden gegeneinander verschränkten Materialteile miteinander verbunden werden,
kann im Wesentlichen frei gewählt werden:
Es kann ein Vernähen sein, beispielsweise durch vorgestanzte Löcher in den Materialteilen
hindurch. Dies ermöglicht eine Handvernähung, und dabei kann das Nahtmaterial auch
abwechselnd durch Löcher einmal auf der einen und einmal auf der anderen Seite von
der Längsmitte des Nahtbereiches aus erfolgen, wodurch die beiden Materialteile, insbesondere
in ihrer Hauptebene, gegeneinander gezogen werden können.
[0017] Vor allem wenn die Randbereiche über die Einbuchtungen hinaus zusätzliche Einschnitte
aufweisen - was nicht zwingend notwendig ist und vom Material der beiden Materialteile
und/oder der Größe der Vorsprünge abhängt - , die sich insbesondere von den Innenecken
der Einbuchtungen aus weiter nach innen in das Materialteil hinein erstrecken, beispielsweise
in Verlängerung der Seitenkante des benachbarten Vorsprunges, ergibt dieses Gegeneinander-Ziehen
eine Aufwölbung auf der Außenseite, also derjenigen Seite, auf der die Vorsprünge
auf dem Rest des anderen Materialteiles aufliegen.
[0018] Ein Vernähen kann jedoch auch mittels einer nicht die Seite bezüglich der Längsmitte
wechselnden, durchgängig auf einer Seite verlaufenden Maschinennaht und/oder ohne
vorgestanzte Löcher erfolgen.
[0019] Ebenso ist ein Verbinden mittels Nieten oder mittels Druckknöpfen oder auch mittels
Klettverschluss möglich.
[0020] Falls vorgefertigte Löcher für das Vernähen in den Randbereichen der Materialteile
hergestellt werden, so verläuft von den Einbuchtungen zurück versetzt und parallel
zur Kante des Materialteiles eine Lochreihe im Materialteil, und im Bereich der freien
Enden der Vorsprünge befindet sich ebenfalls jeweils mindestens ein Loch, je nach
Länge des Vorsprunges in Verlaufsrichtung der Kante gemessen auch mehrere Löcher,
die aber mit den Löchern der Lochreihe in dem anderen Materialteil fluchten bei verschränktem
übereinander Liegen der beiden Materialteile.
[0021] Die Vorsprünge und auch die Vertiefungen können im einfachsten Fall rechteckig ausgebildet
sein, jedoch können sich die Vorsprünge auch zu ihrem freien Ende hin verbreitern
oder auch schmaler werden, wobei dann die Einbuchtungen die jeweils umgekehrte Form
aufweisen sollten.
[0022] Vorzugsweise sind die Außenecken der Vorsprünge abgerundet.
[0023] Insbesondere kann neben der Handnaht, die die beiden Materialteile gegeneinander
zieht, außerhalb der Handnaht noch jeweils eine in Längsrichtung durchgehende Maschinennaht
angeordnet sein, welche vor allem eine zusätzliche Festigkeit der Verbindung gewährleistet.
c) Ausführungsbeispiele
[0024] Ausführungsformen gemäß der Erfindung sind im Folgenden beispielhaft näher beschrieben.
Es zeigen:
- Fig. 1a, b, e, f:
- flächige Materialteile einzeln sowie verschränkt ineinander gelegt,
- Fig. 1c, d
- einen Querschnitt durch die verschränkt ineinander gelegten und miteinander vernähten
Materialteile der Figuren 1a, b,
- Fig. 2a - f:
- zwei Materialteile in Form von Schaftoberteil und Schaftunterteil eines Schuhs einzeln
sowie im vernähten Zustand,
- Fig. 3a - g:
- einen jeweils meist fertigen Schuh mit Schaftunterteil und Schaftoberteil in einer
Ausführung gemäß der Erfindung,
- Fig. 4a - c:
- Materialteile mit trapezförmigen Vorsprüngen und Einbuchtungen und unterschiedlicher
Vernähung,
- Fig. 5a - f:
- Materialteile mit unterschiedlich geformten Vorsprüngen und Einbuchtungen und
- Fig. 6:
- vernähte Materialteile gemäß der Erfindung.
[0025] Anhand der Figuren
1a - d soll das Grundprinzip gemäß der Erfindung beschrieben werden:
Die beiden miteinander zu verbindenden Materialteile 3a, b, die in Fig. 1a separat nebeneinander dargestellt sind, besitzen eine besondere Gestaltung an den
einander zugewandten Randbereichen 4a, b, die miteinander verbunden, in den folgenden Ausführungsbeispielen vernäht, werden
sollen:
[0026] In Verlaufsrichtung der Kante, also der Randbereiche
4a, b, sind abwechselnd bei beiden Materialteilen
3a, b jeweils Vorsprünge
5 und Einbuchtungen
6 vorhanden, die so gestaltet und dimensioniert sind, dass die beiden Materialteile
3a, b mit diesen Randbereichen
4a, b ineinander verschränkt und damit quer zur Verlaufsrichtung
10 teilweise übereinandergelegt werden können. Dies bedeutet, dass die Vorsprünge
5 jedes der beiden Materialteile
3a, b immer auf die Außenseite hinter eine entsprechende Einbuchtung
6, vorzugsweise immer die gleiche Außenseite, des anderen Materialteils,
3b, a aufgelegt werden, wie in Fig.
1b dargestellt.
[0027] Die beiden Materialteile werden dabei quer zur Verlaufsrichtung
10 ihrer Randbereiche
4a, b soweit gegeneinander angenähert, dass ein Vorsprung
5 nicht nur in der gegenüberliegenden Einbuchtung
6 des anderen Materialteils - der die gleiche Erstreckung in Verlaufsrichtung
10 hat wie der Vorsprung
5 - aufgenommen ist, sondern über den Grund der Einbuchtung
6 hinweg über das andere Materialteil hinwegragt und auf dessen Außenfläche aufliegt.
[0028] Die Vorsprünge
5 und Einbuchtungen
6 sind also gegeneinander verschränkt wie die Finger zweier verschränkter Hände.
Damit die beiden Materialteile in dem verschränkten Zustand gemäß Fig.
1b durch Nähen miteinander verbunden werden können, sind vorzugsweise vorgelochte Löcher
11 in Form von Lochreihen
12 in den Materialteilen
3a, b vorhanden, die dann auch bei stärkerem Material wie etwa Leder ein Handvernähen
im verschränkten Zustand zulassen.
[0029] Zu diesem Zweck erstreckt sich bei Fig.
1a an jedem der beiden Materialteile eine Lochreihe
12 in Verlaufsrichtung
10 in den Vorsprüngen
5 nahe deren freien Enden, und eine zweite Lochreihe
12 zurückversetzt hinter den Einbuchtungen
6 in dem durchgehenden Bereich des Materialteils. Der Abstand der beiden Lochreihen
12 quer zur Verlaufsrichtung
10 ist bei beiden Materialteilen
3a, b der gleiche, und auch der Abstand der Löcher
11 innerhalb der Lochreihe
12, auch mit Bezug auf ihren Abstand zu den Seitenkanten der Vorsprünge
5 und Einbuchtungen
6.
[0030] Bei der verschränkten Übereinanderlage gemäß Fig.
1b kommen somit diese beiden Paare von Lochreihen aufeinander zu liegen, so dass mittels
Hindurchführen eines Nahtmaterials
15, welches von einer in Verlaufsrichtung
10 sich erstreckenden Längsmitte
7 des Verbindungsbereichs
16 der beiden Materialteile
3a, b hin und her wechselt, durch Festziehen des Nahtmaterials
15 die beiden Materialteile
3a, b gegeneinander gezogen werden können.
[0031] Die Figuren
1e und f zeigen eine Lösung, bei der die Vorsprünge
5 der beiden Materialteile quer zur Verlaufsrichtung
10 unterschiedlich lang ausgebildet sind. Da die Länge der Vorsprünge
5 bei dem einen Materialteil
3b relativ gross ist, ist eine weitere Lochreihe
12 vorhanden, die einerseits Löcher
11 in den freien Enden der langen Vorsprünge
5 einbringt und andererseits bei dem anderen Materialteil
3a in einem entsprechenden, relativ großen Abstand zum Randbereich
4a angeordnet ist.
[0032] Natürlich können die Vorsprünge
5 auch an beiden Materialteilen
3a, b lang ausgebildet sein.
[0033] Die Erstreckung der Vorsprünge
5 quer zur Verlaufsrichtung
10 muss bei beiden Materialteilen
3a, b nicht unbedingt gleich groß sein, in aller Regel wird sie jedoch gleich groß
sein.
[0034] In den Figuren
1a, b sind im linken und rechten Teil unterschiedliche Gestaltungen dargestellt:
Im linken Bildteil sind die Einbuchtungen 6 rechteckig, und jede Einbuchtung 6 wird lediglich von den drei begrenzenden Kanten begrenzt und gebildet, während in
der rechten Bildhälfte die Flanken der Einbuchtungen 6 in Form eines Einschnittes 14 über den Grund der Einbuchtung 6 hinaus etwas verlängert ist und in das Materialteil 3a, b weiter hineinschneidet.
[0035] Fig.
1c zeigt in Schnittdarstellung den vernähten Zustand der ineinander verschränkten Materialteile
3a, b gemäß dem linken Teil der Figuren
1a, b:
Die Materialteile 3a, b können dabei soweit ineinander geschoben und gezogen werden, bis sie wechselseitig
mit dem Grund ihrer Einbuchtungen 6 an dem jeweils anderen Materialteil anliegen. Dadurch ergibt sich im Verbindungsbereich
16 im Querschnitt eine etwa X-förmige Lage der beiden Materialteile 3a, b zueinander.
[0036] Sind bei der Gestaltung der Randbereiche
4a, b jedoch zusätzlich die Schnitte
14 gemäß der rechten Hälfte der Figuren
1a, b vorhanden, so können die beiden Materialteile
3a, b noch stärker gegeneinander gezogen werden, so dass die beiden Materialteile
3a, b im vernähten Zustand im Verbindungsbereich
16 eine Art Wulst wie in Fig.
1d dargestellt bilden, während der Verbindungsbereich
16 bei der Lösung gemäß Fig.
1c zwar doppelte Materialdicke besitzt, aber ansonsten keine wulstförmige Aufwölbung.
[0037] Diese Vernähung, die bei jedem Stich von der einen auf die andere Seite der Längsmitte
7 des Verbindungsbereichs
16 wechselt, wird in aller Regel von Hand durchgeführt, da eine entsprechende maschinelle
Ausführung - auch wenn keine vorgelochten Löcher
11 vorhanden sind - maschinell sehr schwierig durchzuführen ist.
[0038] Die Fig.
2a zeigt, wie auf diese Art und Weise ein Schaftunterteil
1 und ein Schaftoberteil
2 als Materialteile
3a, b miteinander verbunden werden können, wobei auch hier die Vorsprünge
5 und Einbuchtungen
6 jeweils rechteckig ausgebildet sind und jeweils eine gleich lange Erstreckung in
Verlaufsrichtung
10 besitzen, mit in diesem Fall je zwei nebeneinanderliegenden Löchern
11 in jedem der Vorsprünge
5.
[0039] Beim fertiggestellten Schuh gemäß Fig.
2b ergibt dies eine sichtbare Verschränkung von Schaftunterteil
1 und Schaftoberteil
2 gegeneinander mit der entsprechenden Vernähung von Hand, wobei die beiden jeweils
durch die freien Endbereiche der Vorsprünge
5 verlaufenden Nähte
18 in diesem Fall jeweils in Verlaufsrichtung
10 durchgehend ausgebildet sind.
[0040] Fig.
2c, d zeigen dagegen eine Version, bei der zwar die Nähte
18 durchgehen, die Vorsprünge
5 und Einbuchtungen
6 aber nur in einem Teilbereich der Kante der beiden Materialteile
3a, b ausgebildet sind und verschränkend ineinandergreifen. Im restlichen Bereich sind
die Ränder der beiden Materialteile
3a, b nach außen gebogen und können über eine beabstandet zu den Rändern angeordnete
Lochreihe
12 gegeneinander vernäht werden.
[0041] Dabei kann das Materialteil
3b, in dem sich die Vorsprünge
5 und Einbuchtungen
6 befinden, ein separates Teil sein, während die in Verlaufsrichtung angrenzenden Teile
ohne Vorsprünge
5 und Einbuchtungen
6 ebenfalls separate Teile sind.
[0042] Fig.
2d zeigt ferner, dass die Länge der Vorsprünge
5 an den beiden Materialteilen
3a, b unterschiedlich sein kann. Im vorliegenden Fall sind die Vorsprünge
5 am unteren Materialteil
3b wesentlich länger als die am oberen Materialteil
3a, so dass sich von unten nach oben erstreckende Streifen in Form der langen Vorsprünge
5 ergeben.
[0043] Diese Figur zeigt auch, dass die Vorsprünge
5, die von den beiden Materialteilen
3a, b abstehen, auch nicht die gleiche Form haben müssen, sondern es müssen lediglich
die Abmessungen der Vorsprünge
5 des einen Materialteiles
3a - insbesondere an deren Übergang zu dem Materialteil
3a - mit der Form der Einbuchtungen
6 des anderen Materialteiles
3b - insbesondere am Grunde der Einbuchtungen
6 - aufeinander abgestimmt sein, insbesondere hinsichtlich ihrer Länge in Verlaufsrichtung
der Naht
[0044] Fig.
2e, f zeigen dagegen eine Lösung in Einzelteilen und im vernähten Zustand, bei der
der Randbereiche
4a, b der beiden Materialteile
3a, b und damit auch die Lochreihen
12 in ihrem Verlauf in Verlaufsrichtung
10 einen Versatz
20 quer zur Verlaufsrichtung
10 aufweist. Die Richtung des Versatzes
20 ist bei den beiden Materialteilen
3a, b gleich, aber in entgegengesetzte Richtungen gerichtet.
[0045] Fig.
3a zeigt einen fertig vernähten Schuh ähnlich der Fig.
2b, der sich dadurch unterscheidet, dass hier die Länge der Vorsprünge
5 in Verlaufsrichtung
10 größer ist, also bei einem Schuh gleichbleibender Größe eine geringere Anzahl von
Vorsprüngen
5 vorhanden ist.
[0046] Der fertig vernähte Schuh gemäß Fig.
3b unterscheidet sich von demjenigen der Fig.
3a dadurch, dass die Nähte
18 in Verlaufsrichtung
10 nicht über den gesamten Bereich, in dem sich Einbuchtungen
6 und Vorsprünge
5 verschränkt ineinandergreifend abwechseln, durchgehen, sondern - zumindest von der
Außenseite sichtbar - die Naht
18 jeweils nur im Bereich des jeweiligen Vorsprunges
5 verläuft und geringfügig, insbesondere nur mit einem einzigen Durchstich, in Verlaufsrichtung
10 darüber hinausgeht, um jeden Vorsprung
5 sicher mit dem darunterliegenden Materialteil zu vernähen.
[0047] Zusätzlich sind die Vorsprünge
5 gemäß Fig.
3b nicht rechteckig, sondern trapezförmig gestaltet, wie dies bei einzelnen Materialteilen
und im vernähten Zustand in den Fig.
4a - c dargestellt ist:
Dabei sind die Einbuchtungen 6 dergestalt trapezförmig, dass ihre Öffnung von dem kürzeren der beiden parallelen
Kanten des Parallelogramms gebildet wird, während umgekehrt die Vorsprünge 5 die gleiche Form besitzen, jedoch die längere der beiden parallelen Kanten des Parallelogramms
das freie Ende der Vorsprunges 5 bildet.
[0048] In Fig.
4b sind diese trapezförmigen Verzinkungen der beiden Materialteile ineinandergelegt
und mit über die gesamte Länge des Verbindungsbereichs durchgehenden Nähten
18 vernäht, die jeweils vorzugsweise als Handnaht erstellt wurden.
[0049] Die Figuren
3c bis e zeigen dagegen einen Schuh - zunächst in Einzelteilen mit Schaftoberteil
2 und Schaftunterteil
1 -, bei dem im Gegensatz dazu die Vorsprünge
5 nicht integraler einstückiger Bestandteil eines der beiden Materialteile
3a, b sind, sondern als separate Zusatzteile
22 so auf dem jeweiligen Materialteil aufgenäht - vorzugsweise mittels einer einfach
herzustellenden Maschinennaht
19 - sind, dass sie mit ihrem vorderen Ende nach Art eines Vorsprunges
5 über die ansonsten keine Vorsprünge und Einbuchtungen aufweisende, wenn auch in diesem
Fall gebogene, Kante hinweg vorstehen.
[0050] Wie Figur
3d oben zeigt, kann dies dazu benutzt werden, dass das Materialteil, beispielsweise
das Schaftunterteil
1 oder das Schaftoberteil
2, unter dem aufgenähten Zusatzteil
22 geteilt ist und damit kleinere und kostengünstigere Materialteile
3a1,
3a2 usw. Verwendet werden können.
[0051] In Figur
3f sind dagegen nur einige der Vorsprünge
5 des Schuhoberteiles
2 als solche separate Zusatzteile
22 ausgebildet und auf dem Schuhoberteil
2 aufgenäht, während die übrigen Vorsprünge
5 integraler Bestandteil des Schuhoberteiles
2 sind.
[0052] Ferner zeigt die Figur
3f eine Lösung, bei der sich die erfindungsgemäße Verbindung nur über den vorderen
Bereich des Schuhs erstreckt, jedoch nicht im Fersenbereich.
[0053] Bei der Lösung gemäß Figur
3g erstreckt sich die erfindungsgemäße Art der Verbindung der beiden Materialteile,
also von Schuhoberteil
2 mit Schuhunterteil
1, ebenfalls nur über den vorderen Bereich des Schuhs, jedoch sind hier die Vorsprünge
5 zum einen in Verlaufsrichtung des Randbereiches länger ausgebildet als in Figur
3f und zum anderen die Vorsprünge
5 jeweils integraler Bestandteil des Schuhoberteiles
2 bzw. Schuhunterteiles
1.
[0054] Während in den Figuren
4a, b - was der häufigste Fall ist - in jedem Vorsprung
5 jeweils in Verlaufsrichtung
10 hintereinander zwei Löcher
11 vorhanden sind, zeigt das Beispiel der Fig.
4c trapezförmige Vorsprünge
5 und Einbuchtungen
6, die in Verlaufsrichtung
10 länger ausgebildet sind und jeweils vier Löcher
11 in jedem Vorsprung
5 aufweisen.
[0055] In Fig.
4c ist darüber hinaus eine Lösung mit solchen relativ langen Vorsprüngen
5 und Einbuchtungen
6 dargestellt, bei der die Lochreihe, die sich zurückversetzt hinter den Einbuchtungen
6 befindet, in Verlaufsrichtung
10 nicht durchgehend ausgebildet ist, sondern im Bereich der Vorsprünge unterbrochen
ist.
[0056] Dies ist ausreichend, wenn die in Fig.
4c oben dargestellten unterbrochenen Nähte 18 erstellt werden sollen, die sich immer
nur jeweils über einen Vorsprung 5 hinweg erstrecken.
[0057] Dagegen zeigt Fig. 6 eine fertiggestellte genähte Verbindung zwischen den beiden
Materialteilen 3a, b, bei denen die Einbuchtungen 6 und Vorsprünge 5 ebenfalls trapezförmig
ausgebildet sind, und die Vernähung zwischen den beiden verschränkt ineinander gelegten
Materialteilen mittels in Verlaufsrichtung
10 durchgehender Nähte
18, insbesondere Handnähte, hergestellt ist, wie in Fig.
4b dargestellt.
[0058] Allerdings liegen in diesem Fall die Lochreihen
12 für das Herstellen der Nähte
18 von Hand vom freien Ende der Vorsprünge
5 weiter zurückversetzt, so dass zusätzlich zu diesen beiden Nähten
18 in Längsrichtung
10 jeweils durchgehend mittels einer Maschinennaht
19, die keinen Versatz innerhalb der Naht in Querrichtung zur Verlaufsrichtung
10 aufweist, die freien Enden der Vorsprünge
5 auf dem darunterliegenden Materialteil vernäht sind.
[0059] Da für eine Handnaht in der Regel dickeres Nahtmaterial
15 benutzt wird als für eine Maschinennaht, bewirkt dies ein Nahtbild, bei dem die beiden
weiter innen liegenden von Hand erstellten Nähte
18 mit dickerem Nahtmaterial deutlich sichtbar sind und in der Regel auch eine wulstförmige
Aufwölbung in der Mitte des Verbindungsbereiches, also zwischen sich, bewirken, während
die weiter außen liegenden Maschinennähte
19 - abhängig davon, wie dick das verwendete Nahtmaterial ist und ob es in einer Kontrastfarbe
zum Materialteil verwendet wird oder nicht - deutlich weniger auffallen können.
[0060] Die Figuren
5a - f zeigen einerseits jeweils separate, zusammengehörige Materialteile
3a, b, bei denen die Einbuchtungen
6 und Vorsprünge
5 jeweils eine unterschiedliche Form haben, andererseits diese im bereits verbundenen
Zustand:
In Fig. 5a haben die Vorsprünge 5 die Gestalt eines Quadrates mit einer abgeschnittenen Ecke, die die Verbindung zum
angrenzenden Materialteil darstellt. Die Einbuchtungen 6 besitzen dementsprechend eine X-förmige Kontur. In jedem der Vorsprünge 5 befinden sich dabei nebeneinander je zwei Löcher 11.
[0061] In Fig.
5b besitzen die Vorsprünge
5 die Form einer Ellipse, bei der eines der beiden Enden gekappt ist, und dort der
Übergang in das angrenzende Materialteil vorhanden ist. Die Einbuchtungen
6 besitzen dementsprechend gebogene Flanken und sind an ihrem Grund breiter als an
ihrer engsten Stelle. In jedem der Vorsprünge
5 befinden sich dabei nebeneinander je zwei Löcher
11.
[0062] Gemäß Fig.
5c besitzen die Vorsprünge
5 die Form einer abgerundeten Spitze, also eines abgerundeten V, während die Einbuchtungen
6 dazwischen etwa trapezförmig sind mit der langen der beiden parallelen Seiten des
Trapezes als offene Seite. In jedem der Vorsprünge
5 befindet sich dabei nur je ein Loch
11. Figur
5f zeigt den verbundenen Zustand dieser beiden Materialteile, verbunden durch eine
Handnaht.
[0063] Bei Fig.
5d besitzen die Vorsprünge 5 die gleiche Form wie bei Figur
5b, jedoch befinden sich in den freien Enden der Vorsprünge
5 je ein größeres Niet-Loch
24 zum Einsetzen von Nieten, die somit eine Lochreihe
12 bilden, und eine analoge Lochreihe
12 mit solchen Nietlöchern
24 auch im anderen Materialteil zurückversetzt vom Randbereich
4a, b.
[0064] Fig.
5e zeigt die fertig gestellte Verbindung mit den Reihen von Nieten
23 durch die Vorsprünge
5 und den beiden von Hand erstellten Nähten
18 innerhalb der beiden Reihen von Nieten
23 durch den hinteren Teil der Vorsprünge
5.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0065]
- 1
- Schaftunterteil
- 2
- Schaftoberteil
- 3a, b
- Materialteil
- 4a, b
- Randbereich
- 5
- Vorsprung
- 6
- Einbuchtung
- 7
- Längsmitte
- 8
- Außenseite
- 9
- Innenseite
- 10
- Verlaufsrichtung
- 11
- Loch
- 12
- Lochreihe
- 13
- Abstand
- 14
- Schnitt
- 15
- Nahtmaterial
- 16
- Verbindungsbereich
- 17
- Wulst
- 18
- Naht
- 19
- Maschinennaht
- 20
- Versatz
- 21
- Hauptteil
- 22
- Zusatzteil
- 23
- Niete
- 24
- Niet-Loch
1. Gebrauchsgegenstand, der aus mehreren flächigen Materialteilen (
3 a, b) besteht,
- die zum Großteil in einer gemeinsamen Hauptebene nebeneinanderliegen und an ihren
einander berührenden Randbereichen (4 a, b) miteinander verbunden, insbesondere vernäht, sind, wobei
- die Randbereiche (4 a, b) in ihrer Verlaufsrichtung (10) abwechselnd Vorsprünge (5) und Einbuchtungen (6) aufweisen, die so gestaltet und dimensioniert sind, dass sie mit den Einbuchtungen
(6) und den Vorsprüngen (5) des Randbereiches (4 b, a) des benachbarten Materialteiles (3 b, a) ineinander greifen,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Vorsprünge (5) des einen Materialteils (3 a) auf der Außenseite (8) des Randbereichs (4 b) im Bereich dessen Einbuchtungen (6) des anderen Materialteils (3b) aufliegen und mit diesem verbunden sind.
2. Gebrauchsgegenstand nach Anspruch
1,
dadurch gekennzeichnet, dass
am Anfang und Ende der Einbuchtung (
6) - in Verlaufsrichtung (
10) gesehen
- das Materialteil (3a, b) jeweils mit einem Schnitt (14) eingeschnitten ist, der insbesondere in Verlängerung der Flanke des angrenzenden
Vorsprunges (5) verläuft.
3. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
jedes Materialteil (3) in Verlaufsrichtung (10) hintereinander mindestens zwei, besser mindestens drei Vorsprünge (5) und/oder hintereinander mindestens zwei, besser mindestens drei Einbuchtungen (6) aufweist.
4. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Randbereich (4 b, a) der Materialteile (3 b, a) in seiner Verlaufsrichtung (10) einen Versatz (20) quer zur Verlaufsrichtung (10) aufweist.
5. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Form und/oder Abmessungen der Vorsprünge (5) und Einbuchtungen (6), insbesondere die Längen der Vorsprünge (5) und Einbuchtungen (6) quer zur Verlaufsrichtung (10), bei dem einen Materialteil (3 a) eine andere ist als bei dem anderen Materialteilen (3 b)und auch innerhalb eines Materialteiles (3a oder 3b) die Form und/oder Abmessungen der Vorsprünge (5) oder der Einbuchtungen (6) unterschiedlich sein kann,.
6. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Breite der Vorsprünge (5) und Einbuchtungen (6) bei einem Materialteil (3 a, b) in Verlaufsrichtung (10) unterschiedlich ist.
7. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Vorsprünge (5) eines Materialteiles (3 a, b) separate, insbesondere auf dem Hauptteil (21) des Materialteiles (3 a, b) aufgenähte Zusatzteile (22) sind.
8. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Vorsprünge (5) zum freien Ende hin schmaler werden, gleich breit bleiben oder breiter werden und
die Einbuchtungen (6) die dazu passende umgekehrte Form aufweisen.
9. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Vorsprünge (5) an ihren Außenecken abgerundet oder angespitzt sind.
10. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Verbinden der beiden Materialteile (3a, b) gegeneinander mittels Vernähen, insbesondere durch Vernähen von Hand, insbesondere
durch vorgestanzte Löcher (11) hindurch, erfolgt oder durch Nieten oder mittels Druckknöpfen oder mittels Klettverschlüssen.
11. Gebrauchsgegenstand nach Anspruch
10,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Löcher (
11) in - durchgehenden oder unterbrochenen - Lochreihen (
12) parallel zur Verlaufsrichtung (
10) der Randbereiche angeordnet sind,
- einerseits in einer ersten, durch die Vorsprünge (5) eines Randbereiches verlaufenden Lochreihe (12) mit wenigstens je einem Loch (11) in jedem Vorsprung (5) und
- andererseits in einer zweiten Lochreihe (12) im Randbereich von den Einbuchtung (6) zurückversetzt, und
- insbesondere der Abstand (13) der Löcher (11) in der ersten Lochreihe (12) des einen Materialteiles (3a) gleich dem Abstand (13) der Löcher (11) im entsprechenden Abschnitt in der zweiten Lochreihe (12) des anderen Materialteiles (3b) ist.
12. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
insbesondere bei einem Vernähen von Hand das Nahtmaterial (15) abwechselnd Löcher (11) auf den beiden Seiten der Längsmitte (7) des Verbindungsbereiches (16) durchdringt und insbesondere auf der Innenseite (9)der Wechsel von der einen Seite auf die andere erfolgt.
13. Gebrauchsgegenstand nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, dass
zusätzlich zu dem die Seite wechselnden Nahtmaterial (15) bezüglich der Längsmitte (7) weiter außen liegend wenigstens eine die Seite nicht wechselnde Maschinennaht (19) oder Nieten (23) die freien Enden der Vorsprünge (5) mit dem anderen Materialteil (3a, b) verbinden.
14. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Vorsprünge (5) in Verlaufsrichtung (10 unterschiedlich lang ausgeführt sind und insbesondere die Länge der Vorsprünge gemessenen
in Verlaufsrichtung (10) umso geringer ist, je stärker die Krümmung des Schaftoberteils (2) in diesem Bereich entlang der Verlaufsrichtung (10) ist.
15. Gebrauchsgegenstand nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Vorsprünge (5) an ihrem Übergang zum Hauptteil (21) des Materialteiles in Verlaufsrichtung (10) gemessen genauso breit sind wie die den Vorsprung (5) aufnehmende Vertiefung (6) an ihrer tiefsten Stelle, dem Boden der Vertiefung (6)
und/oder
der Gebrauchsgegenstand ein Schuh ist, bestehend aus Schaftunterteil (1) und Schaftoberteil (2), wobei das Schaftoberteil (2) aus den mehreren flächigen Materialteilen (3a, b) besteht.