[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Umschaltung eines Spaltofens zwischen
Produktionsmodus und Entkokungsmodus, umfassend ein erstes, in einer Transferleitung
angeordnetes, mit einem ersten Stellantrieb ausgestattetes Absperrorgan und ein in
einer Entkokungsleitung angeordnetes, mit einem zweiten Stellantrieb ausgestattetes
zweites Absperrorgan sowie eine in der Transferleitung angeordnete Quenchfitting-Einheit,
die dazu dient, das aus dem Spaltofen austretende Spaltgas unter Einsatz von Quenchöl
rasch abzukühlen.
[0002] Spaltöfen sind in der Regel als von außen befeuerte Rohrreaktoren ausgebildet und
dem Fachmann seit vielen Jahren bekannt. Sie werden in der Industrie zu unterschiedlichen
Zwecken eingesetzt. So werden sie beispielsweise dazu verwendet, um aus höher siedenden
Kohlenwasserstoffen und Wasserdampf durch thermische Spaltung Olefine zu erzeugen.
Die Kohlenwasserstoffe werden dabei gemeinsam mit dem Wasserdampf in der Konvektionszone
des Spaltofens bis auf eine Temperatur erhitzt, bei der die Spaltung der Kohlenwasserstoffe
gerade einsetzt. Abhängig von der Art der Kohlenwasserstoffe ist das in einem Temperaturbereich
zwischen 500 und 680°C der Fall. Anschließend werden die Kohlenwasse rstoffe in so
genannten Strahlungsrohren durch die Strahlungszone des Spaltofens geführt, wobei
sie unter kontrollierten Bedingungen, z.B. hinsichtlich der Verweilzeit, des Temperaturprofils
und der Partialdrücke, in kleinere Moleküle gespalten werden.
[0003] Neben den angestrebten Hauptprodukten, wie beispielsweise Ethylen und Propylen, entstehen
hierbei auch andere Kohlenwasserstoff-Verbindungen.
[0004] Um einen Abbau der Reaktionsprodukte in Sekundärreaktionen zu unterbinden, werden
diese im Anschluss an die Strahlungszone, die sie mit Temperaturen zwischen 800 und
850°C verlassen, in der Regel in sogenannte n Spaltgaskühlern rasch, d.h. mit einer
Dauer des Abkühlvorgangs von z.B. nur 0,02-0,1 Sekunden, auf eine Temperatur, die
abhängig ist von der Art der Kohlenwasserstoffe und im Bereich von 370 bis 650°C liegt,
abgekühlt. Dabei wird das Spaltgas auf der einen Seite eines Wärmetauschers (auch
Spaltgaskühler genannt) gegen Kesselspeisewasser abgekühlt. Das Kesselspeisewasser
wird dabei auf der anderen Seite des Wärmetauschers teilweise verdampft.
[0005] Ein weiteres Abkühlen des Spaltgases auf Temperaturen von 200-250°C wird üblicherweise
mit Hilfe einer Quenchfitting-Einheit erzielt. Dabei wird in der Regel flüssiges Quenchöl
in den heißen Gasstrom eingespritzt. Das Quenchöl nimmt Wärme aus dem heißen Gas auf
und verdampft dabei, das Gas (auch Spaltgas genannt) wird durch diesen Vorgang abgekühlt.
[0006] Das auf diese Weise abgekühlte Spaltgas wird über die Transferleitung weitergeführt,
um in komplexen physikalischen und chemischen Zerlegungsschritten in die gewünschten
Produkte aufgespalten zu werden.
[0007] Bei der thermischen Spaltung der Kohlenwasserstoffe wird unvermeidlich Kohlenstoff
erzeugt, der als Koks an den Innenseiten der Strahlungsrohre abgeschieden wird und
dort eine Schicht bildet. Die Koksschicht behindert den Wärmetransport von den Strahlungsrohren
auf das durch sie strömende Prozessgas, erhöht die Rohrwandtemperatur und verkleinert
den freien Strömungsquerschnitt in den Strahlungsrohren, wodurch sich der Druckverlust
über die Rohre erhöht. Als Folge hiervon steigen die Betriebskosten und gleichzeitig
sinkt die Ausbeute an erwünschten Olefinen.
[0008] Von Zeit zu Zeit ist es daher erforderlich, den Produktionsmodus eines derartigen
Spaltofens zu unterbrechen und in einem sogenannten Entkokungsmodus die Koksablagerungen
aus den Strahlungsrohren zu entfernen. Da mechanische Verfahren zur Beseitigung der
Koksschicht nicht angewendet werden können, werden die Strahlungsrohre in der Regel
mit einem Gemisch aus Luft und Wasserdampf durchgespült, wobei der Koks abgebrannt
und so aus dem Spaltofen transportiert wird. In diesem Entkokungsmodus dürfen keine
Kohlenwasserstoffe in Konvektions- und Strahlungszone des Ofens geleitet werden, da
sie dort sofort unter Freisetzung hoher Energiemengen mit der Luft reagieren und zu
einer erheblichen Beschädigung des Ofens führen würden. Es müssen also sowohl die
Kohlenwasserstoffzufuhrleitung (auch Feedleitung genannt) als auch die Quenchölleitung
abgesteckt und der Umstellvorgang von Produktionsmodus auf Entkokungsmodus durchgeführt
werden, bevor die Luftleitung geöffnet werden darf. Mit Hilfe eines Schlüsselverriegelungssystems
wird sichergestellt, dass die Reihenfolge der hierfür erforderlichen Schritte eingehalten
wird.
[0009] Um den Spaltofen vom Produktionsmodus in den Entkokungsmodus umzuschalten, ist es
erforderlich, ein in die Transferleitung eingebautes erstes Absperrorgan (auch Spaltgasschieber
genannt) zu schließen und gleichzeitig ein in die Entkokungsleitung eingebautes zweites
Absperrorgan (auch Entkokungsgasschieber genannt) zu öffnen, um dann ein Wasserdampf/Luft-Gemisch
durch die Strahlungsrohre zu leiten und das dabei entstehende Stoffgemisch über die
Entkokungsleitung abzuführen.
[0010] Der Begriff Transferleitung bezeichnet eine Rohrleitung, über die das während des
Produktionsmodus in einem Spaltofen erzeugte Spaltgas abgeführt und einer Weiterbehandlung,
beispielsweise in einer Gaszerlegungseinrichtung, zugeführt wird. Stromaufwärts von
einem Absperrorgan in der Transferleitung zweigt von der Transferleitung eine als
Entkokungsleitung bezeichnete Rohrleitung ab, über die während des Entkokungsmodus
das im Spaltofen gebildete Entkokungsgas abgeführt wird.
[0011] Während des Produktionsmodus ist die Entkokungsleitung durch ein Absperrorgan in
der Entkokungsleitung abgesperrt, während das Absperrorgan in der Transferleitung
vollständig geöffnet ist. Im Entkokungsmodus ist das Absperrorgan in der Entkokungsleitung
vollständig geöffnet und das Absperrorgan in der Transferleitung vollständig geschlossen.
[0012] Der Druck in der Transferleitung ist höher als der Druck in der Entkokungsleitung.
Bei einer Umschaltung zwischen Produktionsmodus und Entkokungsmodus ist daher darauf
zu achten, dass ein Rückströmen von Kohlenwasserstoffen über das Absperrorgan in der
Transferleitung unterbleibt. Außerdem darf der Druck am Ausgang des Spaltofens einen
Höchstwert nicht überschreiten. Diese Bedingungen werden dadurch eingehalten, dass
die beiden Absperrorgane in der Transfer- und in der Entkokungsleitung aufeinander
abgestimmt gleichzeitig geöffnet bzw. geschlossen werden.
[0013] Nach dem Stand der Technik kann sich bei einer solchen Umschaltung oder allgemeiner
gesprochen bei jeder Unterbrechung des Produktionsmodus Quenchöl an den Absperrorganen
in Transfer- und Entkokungsleitung stauen, falls nicht gleichzeitig die Quenchölzufuhr
zur Quenchfitting-Einheit vollständig unterbrochen wird. Das Quenchöl kann schließlich
sogar in den heißen Spaltofen zurücklaufen, wo sie sich entzündet. Dies muss zur Aufrechterhaltung
der Betriebssicherheit einer solchen Anlage unbedingt vermieden werden.
[0014] Nach dem Stand der Technik kann es auch bei einem Versagen eines oder mehrerer Strahlungsrohre
zu einem Rückströmen von Kohlenwasserstoffen aus der Transferleitung in die Strahlungszone
kommen. Diese Kohlenwasserstoffe würden im Feuerraum der Strahlungszone verbrennen
und dabei große Energiemengen freisetzen, die zu einer erheblichen Beschädigung des
ganzen Ofens führen würden. Daher ist es in solch einem (Not-) Fall möglich, nur den
Spaltgasschieber zu schließen, der Entkokungsgasschieber wird dabei nicht bewegt.
[0015] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine gegenüber dem Stand der Technik verbesserte
Vorrichtung zur Umschaltung eines Spaltofens zwischen Produktionsmodus und Entkokungsmodus
zur Verfügung zu stellen, wobei besonders eine Verbesserung hinsichtlich der Anlagensicherheit
angestrebt wird.
[0016] Die gestellte Aufgabe wird dadurch gelöst, dass die Quenchfitting-Einheit stromabwärts
des in der Transferleitung angeordneten ersten Absperrorgans (auch Spaltgasschieber
genannt) angeordnet ist. Es wurde gefunden, dass sich mit dieser Ausgestaltung der
erfindungsgemäßen Vorrichtung nachströmendes Quenchöl im Falle einer nicht zeitgleich
erfolgten Absperrung der Quenchölversorgung nicht mehr stauen kann. Ebenso ist der
eingangs erwähnte, gefahrenträchtige Rückfluss von Quenchöl in den Spaltofen oder
eine ebenso unerwünschte Anwesenheit von Quenchöl in der Entkokungsleitung bei der
erfindungsgemäßen Anordnung nicht mehr möglich.
[0017] Erfindungsgemäß handelt es sich bei dem Spaltofen um einen beliebigen Spaltofen,
vorzugsweise jedoch um einen Spaltofen, der zur Erzeugung von Olefinen aus Kohlenwasserstoffe
enthaltenden Einsätzen einsetzbar ist.
[0018] Eine vorteilhafte Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung sieht vor, dass der Spaltofen
eine Feedzuführung aufweist, die mit fernsteuerbaren Armaturen ausgestattet ist. Diese
Ausgestaltung wird durch die erhöhte Sicherheit der erfindungsgemäßen Vorrichtung
erst ermöglicht.
[0019] Mit besonderem Vorteil ist zur Umschaltung des Spaltofens zwischen Produktionsmodus
und Entkokungsmodus eine Sequenzsteuerungseinrichtung gemäß einer der in der Druckschrift
DE 10 2008 010 654 A1 offenbarten Vorrichtungen vorgesehen.
[0020] Die Erfindung bietet eine ganze Reihe von weiteren Vorteilen, von denen im Folgenden
nur einige wenige beispielhaft genannt werden:
[0021] Für die Umschaltung zwischen Produktionsmodus und Entkokungsmodus:
Wie eingangs schon beschrieben, müssen nach dem Stand der Technik vor der Umschaltung
vom Produktionsmodus auf den Entkokungsmodus die Feedleitung und die Quenchölleitung
abgesteckt werden. Ist der Spaltgasschieber erfindungsgemäß stromaufwärts der Quenchfitting-Einheit
angeordnet, hat das den Vorteil, dass die Quenchölleitung nicht mehr abgesteckt werden
muss. Eine Schlüsselverriegelung für das Quenchöl ist nicht mehr notwendig.
[0022] Für die Umschaltung zwischen Entkokungsmodus und Produktionsmodus:
Nach erfolgreicher Entkokung müssen nach dem Stand der Technik im Anschluss an die
Umschaltung vom Entkokungsmodus auf den Produktionsmodus die Feedleitung und die Quenchölleitung
geöffnet werden. Ist der Spaltgasschieber erfindungsgemäß stromaufwärts der Quenchfitting-Einheit
angeordnet, ist die Quenchölleitung ständig in Betrieb und braucht nicht erst geöffnet
zu werden. Eine Schlüsselverriegelung für das Quenchöl ist nicht mehr notwendig.
[0023] Für den Entkokungsmodus:
Ist die Quenchölleitung bei einem konventionellen Spaltofen während des Entkokens
nicht sachgemäß abgesteckt worden, kann Quenchöl in die Transferleitung strömen. Das
Quenchöl staut sich dann an dem geschlossenen Spaltgasschieber und kann in den Ofen
zurückströmen, wo es unkontrolliert mit der Luft reagieren würde, was zu einer erheblichen
Wärmefreisetzung und in deren Folge zu einer Ofenbeschädigung führen könnte. Ebenfalls
ist es möglich, dass das Quenchöl in die Entkokungsleitung gelangt und schließlich
zur Atmosphäre ausströmen könnte. Ist der Spaltgasschieber hingegen erfindungsgemäß
stromaufwärts der Quenchfitting-Einheit angeordnet, können die beiden oben beschrieben
Szenarien nicht eintreten.
[0024] Für den Fall, dass der Ofen wegen eines Versagens eines oder mehrerer Strahlungszonenrohre
von der Transferleitung getrennt werden muss:
Kommt es zu einem Versagen eines oder mehrerer Strahlungszonenrohre, wird der Spaltgasschieber
vom Operator geschlossen. Ebenfalls werden die Ventile von Feed und Quenchöl automatisch
geschlossen. Da Quenchöl stets Verunreinigungen enthält kann nicht davon ausgegangen
werden, dass das automatische Ventil dicht schließt.
Wie oben beschrieben, kann sich in diesem Fall nach dem Stand der Technik das Quenchöl
aufstauen, in den Feuerraum gelangen und dort zu erheblichem Schaden führen. Ist der
Spaltgasschieber erfindungsgemäß stromaufwärts der Quenchfitting-Einheit angeordnet,
wird ein solches Szenarium wirkungsvoll verhindert.
[0025] Die Erfindung sowie weitere Ausgestaltungen der Erfindung werden im Folgenden anhand
des in der Figur 2 dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert. Die Figur 1
zeigt den Stand der Technik. Im Einzelnen zeigen die Figuren:
- Fig. 1
- Fließbild zur Verriegelungssequenz beim Umschalten eines Spaltofens zwischen Produktionsmodus
und Entkokungsmodus nach dem Stand der Technik,
- Fig. 2
- Fließbild zur Verriegelungssequenz beim Umschalten eines Spaltofens zwischen Produktionsmodus
und Entkokungsmodus mit erfindungsgemäßer Anordnung des Spaltgasschiebers stromaufwärts
der Quenchfitting-Einheit.
[0026] In der Figur 1 ist ein Fließbild zur Verriegelungssequenz beim Umschalten eines Spaltofens
zwischen Produktionsmodus und Entkokungsmodus nach dem Stand der Technik gezeigt.
Die Quenchfitting-Einheit 3 ist dabei bekanntlich stromaufwärts des in der Transferleitung
1 angeordneten ersten Absperrorgans 1a, des Spaltgasschiebers, angeordnet und weist
eine Quenchölversorgung 4 auf.
[0027] Die Figur 2 zeigt nun ein Fließbild zur Verriegelungssequenz beim Umschalten eines
Spaltofens zwischen Produktionsmodus und Entkokungsmodus mit erfindungsgemäßer Anordnung
der Quenchfitting-Einheit 3 stromabwärts des in der Transferleitung 1 angeordneten
ersten Absperrorgans 1 a (auch Spaltgasschieber 1 a genannt).
1. Vorrichtung zur Umschaltung eines Spaltofens zwischen Produktionsmodus und Entkokungsmodus,
umfassend ein erstes, in einer Transferleitung (1) angeordnetes, mit einem ersten
Stellantrieb ausgestattetes Absperrorgan (1a) und ein in einer Entkokungsleitung (2)
angeordnetes, mit einem zweiten Stellantrieb ausgestattetes zweites Absperrorgan (2a)
sowie eine in der Transferleitung (1) angeordnete Quenchfitting-Einheit (3), die dazu
dient, das aus dem Spaltofen austretende Spaltgas unter Einsatz von Quenchöl rasch
abzukühlen, dadurch gekennzeichnet, dass die Quenchfitting-Einheit (3) stromabwärts des in der Transferleitung (1) angeordneten
ersten Absperrorgans (1a) angeordnet ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Spaltofen eine Feedzuführung aufweist, die mit fernsteuerbaren Armaturen ausgestattet
ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zur Umschaltung des Spaltofens zwischen Produktionsmodus und Entkokungsmodus eine
Sequenzsteuerungseinrichtung gemäß einer der in der Druckschrift DE 10 2008 010 654
A1 offenbarten Vorrichtungen vorgesehen ist.