[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Schiebegerät für Schienenfahrzeuge.
[0002] Schienenfahrzeuge, hierunter sind insbesondere einzelne Wagen bzw. Waggons von Eisenbahnen,
Straßenbahnen, Untergrundbahnen oder dgl. schienengebundenen Fahrzeugen, aber auch
aus solchen Wagen oder Waggons zusammengestellte Züge zu verstehen, müssen wie andere
Fahrzeuge auch regelmäßige gewartet werden. Hierzu sind mit entsprechenden Schienen
für das Heranbringen, Abstellen und erneute Abfahren solcher Schienenfahrzeuge ausgestattete
Wartungsbereiche, häufig überdacht in großen Wartungshallen, gebildet. Neben solchen
Wartungsarbeiten, bei denen das Schienenfahrzeug für die gesamte Dauer der Wartung
in einer einmal eingenommenen Position verbleiben kann, gibt es auch solche Wartungsarbeiten,
im Zuge derer das Schienenfahrzeug entlang der Schienen vor- bzw. zurück bewegt werden
muss. Zu solchen Wartungsarbeiten zählen beispielsweise Wartungen der Radreifen, insbesondere
Arbeiten, in deren Zuge Radreifen ausgetauscht und erneuert werden.
[0003] Selbst wenn solche Schienenfahrzeuge, die im Zuge der Wartung mit einem eigenen Antriebsaggregat
versehen sind (beispielsweise ganze Züge, so z.B. Schnellzüge wie ein ICE, mit einer
Lokomotiveinheit), wird eine solche Vor- und Zurückbewegung bereits aus Sicherheitsgründen
nicht über die eigene Antriebseinheit des Schienenfahrzeuges bewerkstelligt. Solche
Schienenfahrzeuge, die ohne eigene Antriebseinheit zur Wartung gelangen, z.B. Zugwaggons
oder aus mehreren Waggons zusammengesetzte Züge ohne Lokomotive, können ohnehin nicht
aus eigenem Antrieb vor- und zurück bewegt werden.
[0004] Um eine entsprechende Vor- bzw. Zurückbewegung der wartenden Schienenfahrzeuge vornehmen
zu können, sind daher spezielle kompakt gebaute, aber dennoch leistungsstarke Zugfahrzeuge
entwickelt worden, die in den Wartungsbereichen auf die dort verlegten Schienen aufgesetzt,
mit dem zu wartenden Schienenfahrzeug verkuppelt werden und das so angekuppelte Schienenfahrzeug
vor- bzw. zurück bewegen können. Mit solchen speziellen Zugfahrzeugen können die tonnenschweren
Schienenfahrzeuge sehr gut und präzise vor bzw. zurück bewegt werden, um solche Strecken,
wie sie für die jeweilige Wartung erforderlich sind. Allerdings liegt der Nachteil
derartiger Sonderfahrzeuge in ihrem hohen Anschaffungspreis und hohen Wartungskosten.
Bedenkt man, dass in großen Wartungszentren mehrere Schienenfahrzeuge parallel gewartet
werden, dass also für ein solches Bewegen von mehreren Schienenfahrzeugen parallel
mehrere spezielle Zugfahrzeuge bereitzuhalten sind, so können hierbei Anschaffungskosten
entstehen, die im Bereich von einigen € 100.000,00 liegen.
[0005] Als Alternative ist ein Schiebegerät für Schienenfahrzeuge entwickelt worden, welches
mit einer keilförmigen Anordnung an einem Radreifen des zu bewegenden Schienenfahrzeuges
angesetzt wird, wobei ein Friktionsrad mit der Umfangsfläche des Radreifens in Kontakt
gebracht und angetrieben wird, um den Radreifen selbst in Rotation zu versetzen. Ein
solches Schiebegerät, welches verglichen mit den zuvor beschriebenen Spezialfahrzeugen
deutlich kostengünstiger in der Anschaffung und auch im Unterhalt ist, weist aber
den Nachteil auf, dass es ein Verschieben des Schienenfahrzeuges lediglich in einer
Richtung ermöglicht. Muss ein Schienenfahrzeug im Zuge der Wartung vor und zurück
bewegt werden, so ist das bekannte Schiebegerät hierfür jedes Mal aufwendig umzusetzen,
was wertvolle Wartungszeit in Anspruch nimmt und mit nicht unerheblicher körperlicher
Arbeit und Anstrengung für das Wartungspersonal verbunden ist. Dies wirkt sich umso
mehr negativ aus, wenn das zu wartende Schienenfahrzeug mehrfach und alternierend
vor und zurück bewegt werden muss.
[0006] Hier Abhilfe zu schaffen und ein Schiebegerät für Schienenfahrzeuge anzugeben, welches
einerseits kostengünstig in der Herstellung und im Betrieb ist, andererseits ein Bewegen
des Schienenfahrzeuges vor und zurück ermöglicht, ist Aufgabe der Erfindung.
[0007] Die Lösung dieser Aufgabe besteht in einem Schiebegerät für Schienenfahrzeuge mit
den Merkmalen des Anspruches 1. Vorteilhafte Weiterbildungen dieses Schiebegerätes
sind in den abhängigen Ansprüchen 2 bis 7 angegeben.
[0008] Erfindungsgemäß weist das neuartige Schiebegerät für Schienenfahrzeuge folgende Bestandteile
auf:
- a) ein Spanngestell, welches zwei in einer Längsrichtung des Spanngestells einander
entlang eines Spannzwischenraumes gegenüberliegende Rollenlagerabschnitte aufweist
und welches zur Veränderung der in Längsrichtung gesehenen Öffnungsweite des Spannzwischenraumes
einstellbar ist;
- b) jeweils eine in jedem der Rollenlagerabschnitte angeordnete Friktionsrolle zum
Angreifen an einer Umfangsfläche eines Radreifens eines Schienenfahrzeuges;
- c) einen Antriebsmotor;
- d) ein Drehmomentübertragungsmittel zum Übertragen eines von dem Antriebsmotor erzeugten
Drehmomentes auf die Friktionsrollen;
- e) ein Richtungswahlmittel zur Auswahl der Antriebsrichtung der Friktionsrollen;
- f) an dem Spannungsgestell angeordnete Laufrollen zum Aufsetzen auf eine Schiene und
zum Abrollen auf derselben; und
- g) ein Spannmittel zum Spannen des Spannrahmens durch Aufeinanderzuziehen der Rollenlagerabschnitte.
[0009] Das erfindungsgemäße Schiebegerät lässt sich vergleichsweise klein und kompakt realisieren,
kann kostengünstig hergestellt werden und erlaubt dennoch eine Bewegung, also ein
Verschieben eines Schienenfahrzeuges in wechselnde Richtungen, also vor und zurück.
Das Schiebegerät wird dabei wie folgt verwendet, wobei die nachfolgende Beschreibung
somit auch ein im Rahmen der Erfindung liegendes Verfahren zum Verschieben eines Schienenfahrzeuges
beschreibt:
[0010] Das Schiebegerät wird mit dem Spanngestell auf einer Schiene im Bereich eines Radreifens
des zu bewegenden Schienenfahrzeuges so positioniert, dass der Radreifen in dem Spannzwischenraum
liegt mit einem Rollenlagerabschnitt in Schienenverlaufsrichtung vor und einem anderen
Rollenlagerabschnitt gegenüberliegend hinter dem Radreifen. Nun wird das Spannmittel
betätigt, um den Spannrahmen durch Aufeinanderzuziehen der Rollenlagerabschnitte zu
spannen, bis die in jedem der Rollenlagerabschnitte angeordneten Friktionsrollen von
beiden Seiten des Spannzwischenraumes her jeweils an der Umfangsfläche des Radreifens,
an dem das Schiebegerät montiert ist, mit einem ausreichenden Andruck anliegen. Die
Laufrollen des Schiebegerätes liegen dabei auf der Schiene, auf der auch der Radreifen
ruht, auf. Mit den Richtungswahlmitteln wird dann die Drehrichtung der Friktionsrollen
vorgegeben, in der letztere von dem Antriebsmotor bzw. den Drehmomentübertragungsmitteln
angetrieben werden sollen. Sodann wird der Antriebsmotor, sofern dies noch nicht geschehen
ist, eingeschaltet, so dass die Drehmomentübertragungsmittel das mit diesem erzeugte
Drehmoment auf die Friktionsrollen übertragen. Dabei drehen die Friktionsrollen jeweils
in gleichem Rotationssinn, so dass ein entsprechend im entgegengesetzten Drehsinn
wirkendes Drehmoment auf den Radreifen, an dessen Umfangsfläche die Friktionsrollen
angreifen, übertragen wird. So beginnt der Radreifen des Schienenfahrzeuges in dem
Drehsinn der Friktionsrollen entgegengesetzter Richtung zu drehen, was zu einem Verfahren
des Schienenfahrzeuges führt. Da der Radreifen in dem Spannzwischenraum "gefangen"
ist, folgt das Schiebegerät der Bewegung des Schienenfahrzeuges, wobei es auf den
Laufrollen über die Schiene rollt.
[0011] Soll ein Verschieben des Schienenfahrzeuges in die andere Richtung erfolgen, so wird
mit den Richtungsauswahlmitteln für die Friktionsrollen eine entgegengesetzte Drehrichtung
ausgewählt. Ein Umsetzen des Schiebegerätes, wie es im Stand der Technik vorzunehmen
war, ist hier nicht mehr erforderlich. Die Richtungsauswahlmittel können z.B. ein
Schaltmittel zum Ändern der Drehrichtung des Antriebsmotors sein oder aber auch ein
Schaltgetriebe umfassen, mit dem die Übertragung des von dem Antriebsmotor in immer
gleicher Rotationsrichtung erzeugten Drehmoments mit verschiedenem Drehsinn eingestellt
werden kann.
[0012] Mit Vorteil kann bei dem erfindungsgemäßen Schiebegerät das Spanngestell einen ersten
Abschnitt aufweisen, der den ersten Rollenlagerabschnitt und einen mit diesem fest
verbundenen, sich in Längsrichtung des Spanngestells erstreckenden Längsträger umfasst.
Bei dieser Gestaltungsvariante weist das Schiebegerät ferner einen zweiten Abschnitt
auf, der den zweiten Rollenlagerabschnitt und ein an diesem fest angeordnetes auf
dem Längsträger sitzendes und entlang desselben in dessen Längsrichtung verschiebbares
Gleitelement aufweist. Diese Ausgestaltung ermöglicht ein einfaches Einstellen der
Öffnungsweite des Spannzwischenraumes, indem der zweite Abschnitt, der den zweiten
Rollenlagerabschnitt enthält, entlang des Längsträgers verschoben wird zum Vergrößern
bzw. Verringern der Öffnungsweite des Spannzwischenraumes.
[0013] Als besonders einfaches und robust gestaltetes Drehmomentübertragungsmittel können
mit Vorteil eine Übertragungskette und mit dieser zusammenwirkende Kettenräder gewählt
werden. Dabei kann eine Kettenspannvorrichtung vorgesehen sein, die verlagerbare Kettenräder
aufweist und dem Erhalt einer Kettenspannung der Übertragungskette, insbesondere bei
einer Einstellung bzw. Verstellung der Öffnungsweite des Spannzwischenraumes dient.
Diese verlagerbaren Kettenräder können beispielsweise in eine Spannrichtung der Kette
federbelastet sein. Sie können aber auch mit entsprechenden Stellmechanismen, z.B.
Spindelantrieben oder dgl., einstellbar gestaltet sein.
[0014] Mit besonderem Vorteil kann der Spannzwischenraum zu einer Seite quer zu der Längsrichtung
des Spannrahmens hin offen sein. Dies erlaubt ein besonderes einfaches Aufsetzen des
erfindungsgemäßen Schiebegerätes auf die Schiene und Positionieren mit den beiden
Rollenlagerabschnitten vor bzw. hinter dem Radreifen, ohne dass hier ein Zerlegen
des Schiebegerätes vor dem Einbau und Zusammensetzen nach dem Positionieren der beiden
Rollenlagerabschnitte erforderlich wäre. Das Schiebegerät kann bei dieser Ausgestaltung
einfach von einer Seite her seitlich über den Radreifen geschoben und auf der Schiene
positioniert werden, anschließend kann durch Betätigen der Spannmittel die Öffnungsweite
des Spannzwischenraumes verringert und können die Friktionsrollen mit einer gewählten
Andruckkraft in Kontakt mit der Umfangsfläche des Radreifens gebracht werden.
[0015] Um das Schiebegerät insbesondere in der vorstehend genannten Konstruktion mit dem
zu einer Seite hin offenen Spannzwischenraum, aber auch in anderen möglichen Konstruktionen,
sicher am Radreifen zu halten und ein Abkippen des Schiebegeräts zur Seite (als Folge
der bei der Kraft- bzw. Drehmomentübertragung auf den Radreifen auftretenden Reaktionskräfte
bzw. Reaktionsdrehmomente) zu verhindern, können mit Vorteil an verlagerbaren Rollenauslegern
angeordnete Rückhalterollen zur Anlage an einer Stirnfläche des Radreifens, an dessen
Umfangsfläche die Friktionsrollen angreifen, vorgesehen sein. Grundsätzlich kann bereits
ein solcher Rollenausleger mit einer Rückhalterolle genügen, bevorzugt werden aber
zwei derartige Element, die von den einander gegenüber liegenden Seiten her in den
Zwischenraum hineinragen bzw. in diesen hinein verlagerbar sind. Der oder die Rollenausleger
ist bzw. sind dabei insbesondere verschwenkbar, so dass sie zum An- und Absetzen des
Schiebegeräts an den bzw. von dem Radreifen in eine Position geschwenkt werden können,
in der Sie den Radreifen nicht hintergreifen, die Rückhalterollen nicht an der Stirnseite
des Radreifens anliegen, zum Betrieb aber in eine Position geschwenkt werden können,
in dem sie den Radreifen hintergreifen, die Haltrollen an dessen Stirnseite anliegen.
[0016] Mit Vorteil kann der Antriebsmotor des erfindungsgemäßen Schiebegerätes ein Elektromotor
sein. Mit einem solchen Elektromotor ist das Aufbringen eines ausreichenden Drehmomentes
zum Bewegen eines solchen Schienenfahrzeuges, auch eines aus mehreren Waggons gebildeten
Zuges, möglich. Ein solcher Elektromotor kann insbesondere geräuscharm betrieben werden,
was dem Arbeitsschutz zuträglich ist. Dabei ist dem Elektromotor mit Vorteil in Untersetzungsgetriebe
nachgeschaltet, um die hohen Drehzahlen des Elektromotors zu untersetzen und so zugleich
das übertragbare Drehmoment zu erhöhen.
[0017] Besonders stabil verhält sich das erfindungsgemäße Schiebegerät, wenn, wie gemäß
einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung vorgesehen, in den Rollenlagerabschnitten
neben jeweils einer Friktionsrolle auch wenigstens jeweils eine Laufrolle angeordnet
ist. Diese Rollen können dabei auf zwischen zwei Seitenblechen angeordneten Achsen
gelagert sein. Diese Seitenbleche können als Bestandteil eines offenen Lagergehäuses
gebildet sein, z.B. eines im Querschnitt U-förmigen Lagergehäuses mit einem Verbindungsblech
am Grund. Sie dienen der Stabilität und sicheren Lagerung der in den Rollenlagerabschnitten
angeordneten Rollen, wobei zwischen diesen Gehäusen der Spannzwischenraum mit Vorteil
zu einer Seite hin offen gestaltet ist (siehe oben).
[0018] Weitere Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
eines Ausführungsbeispiels anhand der beigefügten Figuren. Dabei zeigen:
- Fig. 1
- eine dreidimensionale Darstellung eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen
Schiebegerätes für Schienenfahrzeuge (in einer Darstellung ohne die Kraftübertragungskette);
- Fig. 2
- in einer Seitenansicht das Schiebegerät für Schienenfahrzeuge aus Fig. 1, auch hier
wiederum ohne Darstellung der Übertragungskette;
- Fig. 3
- eine Aufsicht auf das Schiebegerät für Schienenfahrzeuge gemäß Fig. 1 von oben, wiederum
ohne die Übertragungskette;
- Fig. 4
- vergrößert einen Detailausschnitt des Schiebegerätes für Schienenfahrzeuge gemäß Fig.
1, mit dort aufgezeigtem Verlauf der Übertragungskette; und
- Fig. 5
- das Schiebegerät für Schienenfahrzeuge gemäß Fig. 1 in einer Anordnung an einem Radreifen
eines Schienenfahrzeuges.
[0019] Die beigefügten Figuren sind keinesfalls maßstabsgerecht und auch keine vollständig
detaillierten Konstruktionszeichnungen. Sie dienen lediglich der Erläuterung der grundsätzlichen
Wirkweise und des Aufbaus eines möglichen Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen
Schiebegerätes für Schienenfahrzeuge.
[0020] In den Figuren ist ein Schiebegerät für Schienenfahrzeuge allgemein mit der Bezugsziffer
1 bezeichnet. Es umfasst ein Spanngestell 2 mit daran angeordneten Rollenlagerabschnitten
3 und 4. In jedem der Rollenlagerabschnitte 3 bzw. 4 ist je eine Friktionsrolle 5
bzw. 6 angeordnet. Diese Friktionsrollen 5, 6 sind unter Belassung eines zwischen
diesen gebildeten Spannzwischenraumes 7 mit parallel zueinander angeordneten Drehachsen
8, 9 und einander gegenüberliegenden Umfangsflächen ausgerichtet. Über einen Längsträger
10 sind die beiden Rollenlagerabschnitte 3, 4 miteinander verbunden. Dabei ist ein
nach oben und unten offenes von zwei Seitenwänden 12, 13 begrenztes Gehäuse des ersten
Rollenlagerabschnittes 3 fest mit dem Längsträger 10 verbunden. Ein weiteres nach
oben und unten offenes von zwei Seitenwänden 15, 16 umschlossenes Gehäuse im zweiten
Rollenlagerabschnitt 4 ist an einem Schlitten 17 festgelegt, der auf dem Längsträger
10 gleitend verschiebbar aufgesetzt ist, so dass der Abstand zwischen den beiden Rollenlagerabschnitten
3, 4 und damit die Öffnungsweite des Spannzwischenraumes 7 verstellt bzw. eingestellt
werden kann. An dem Schlitten 17 ist eine Stabilisierungsstrebe 18 fest angeformt,
die in Gleitbuchsen 19, die mit dem Längsträger 10 fest verbunden sind, in Längsrichtung
des Längsträgers 10 verschiebbar gelagert ist.
[0021] In den Rollenlagerabschnitten 3, 4 sind jeweils zwei Laufrollen 20 angeordnet, die
im Gebrauch des Schiebegerätes 1 auf einer Schiene auf deren Lauffläche aufsitzen
und auf dieser abrollen, um so das Schiebegerät 1 entlang der Schiene zu verfahren.
[0022] In dem ersten Rollenlagerabschnitt sitzt ein elektrischer Antriebsmotor 22, der über
einen hier nicht dargestellten, auf Zahnriemenscheiben 21 laufenden Zahnriemen mit
einem Untersetzungsgetriebe 27 gekoppelt ist. Dieser Antriebsmotor 22 erzeugt zusammen
ein für das Verschieben eines Schienenfahrzeuges erforderliches Drehmoment, welches
am Ausgang des Untersetzungetriebes auf eine Kettenantriebsanordnung übertragen wird.
Zwischen der Seitenwand 12 und einer weiteren Begrenzungswand 23 sind im ersten Rollenlagerabschnitt
3 diverse Kettenräder 24 angeordnet, die Teil der Kettenantriebsanordnung sind und
von denen eines durch die Kombination aus Antriebsmotor 22 und Untersetzungsgetriebe
27 direkt angetrieben wird, die weiteren über die umlaufende Übertragungskette mit
eingebunden sind und der Führung der Übertragungskette sowie der Kraftübertragung
dienen. Weitere Kettenräder 24 sind im Bereich des zweiten Rollenlagerabschnittes
4 zwischen der dortigen Seitenwand 15 und einer Begrenzungswand 25 angeordnet. Schließlich
befinden sich in einem dem ersten Rollenlagerabschnitt 3 abgewandten Stirnende des
Längsträgers 10 weitere Kettenräder 24, die der Umlenkung der umlaufenden Übertragungsketten
dienen.
[0023] In dem gezeigten Ausführungsbeispiel sind jeweils parallel zueinander angeordnet
je Achse zwei Kettenräder zu erkennen. Hier läuft eine aus Doppelgliedern zusammengesetzte
Kraftübertragungskette 26 (vgl. Fig. 4) um. Mit dieser Kraftübertragungskette 26 wird
das von dem Antriebsmotor 22 erzeugte und durch das Untersetzungsgetriebe 27 gewandelte
Drehmoment auf das im ersten Rollenlagerabschnitt 3 angeordnete Friktionsrad 5 und
das zweite Friktionsrad 6 im zweiten Rollenlagerabschnitt 4 so übertragen, dass beide
Friktionsräder 5, 6 mit gleichem Drehsinn rotieren. Dabei kann die Richtung, in der
die Friktionsräder rotieren, und somit die Vorschubrichtung für das Schienenfahrzeug
durch Vorgabe der Drehrichtung des Antriebsmotors 22 gewählt werden. Hierfür ist eine
(nicht dargestellt) Fernsteuerung vorhanden.
[0024] Ein hier nicht näher dargestellter Mechanismus ist ferner vorhanden, der ein Spannen
des Spannrahmens 2 ermöglicht zum Verringern der Öffnungsweite des Spannzwischenraumes
7 und mithin Anpressen der Umfangsflächen der Friktionsräder 5 bzw. 6 an einen Radreifen
eines Schienenfahrzeuges.
[0025] Schließlich sind zwei jeweils an einem Schwenkarmen 28 festgelegte Rückhalterollen
29 gezeigt, die frei um die Längsachse des jeweiligen Schwenkarms 28 rotieren können.
Die Schwenkarme können verschwenkt werden zwischen einer in Fig. 3 gezeigten Position
und einer Position, in der Sie die lichte Weite zwischen den Rollenlagerabschnitten
3 und 4 freigeben. In der in Fig. 3 gezeigten Position verriegeln die Schwenkarme
den Spannzwischenraum 7, und die Rückhalterollen liegen dann an einer Stirnfläche
eines Radreifens an, wenn dieser in dem Spannzwischenraum aufgenommen ist und die
Friktionsrollen 5, 6 an seiner Umfangsfläche angreifen. Die Rückhaltrollen rollen
auf der Stirnseite des Radreifens ab und verhindern, dass das Schiebegerät 1 sich
von dem Radreifen löst und in Richtung des Spanngestells 2 von der Schiene kippt,
auf der es aufgesetzt ist.
[0026] In Fig. 4 ist vergrößert dargestellt die Führung der Kraftübertragungskette 26 im
Bereich des ersten Rollenlagerabschnittes 3.
[0027] In Fig. 5 ist veranschaulicht, wie das Schiebegerät 1 an einem Radreifen R eines
Schienenfahrzeuges angesetzt ist mit bereits gespanntem Spannrahmen 2. Dabei kann
das Schiebegerät 1 einfach von der in der Figur vorne befindlichen Seite her mit geöffnetem
Spannrahmen 2 auf die Schien aufgesetzt werden über den Radreifen R, anschließend
wird der Spannrahmen 2 mit Hilfe der hier nicht näher dargestellten Spannmittel gespannt
unter Verringern der Öffnungsweite des Spannzwischenraumes 7, bis, wie in der Figur
5 dargestellt, die Friktionsrollen 5 und 6 beide mit ihren Umfangsflächen am Umfang
des Radreifens R anliegen. Dann werden die (in Fig. 5 nicht dargestellten) Schwenkarme
28 so verschwenkt, dass sie den Spannzwischenraum 7 verriegeln und die Rückhalterollen
29 an der rückseitigen Stirnseite des Radreifens anliegen und auf dieser abrollen
können. Aufgrund der oben geschilderten Wirkweise der Kettenräder und der darüber
laufenden Kraftübertragungsketten werden nun je nach Rotationsrichtung des Antriebsmotors
22 die beiden Friktionsrollen 5, 6 in die eine oder die andere Richtung angetrieben,
um so das Schienenfahrzeug mit dem Radreifen R in eine in der Figur links oder rechts
gelegene Richtung zu bewegen. Das Drehmoment, welches auf den Friktionsrollen 5, 6
liegt, wird über Reibkräfte auf den Radreifen R übertragen, dieser beginnt sich in
Richtung entgegengesetzt der Rotationsrichtung der Friktionsrollen 5, 6 zu drehen;
das Schienenfahrzeug bewegt sich fort. Dabei wird das Schiebegerät 1 mitgenommen und
rollt auf den Laufrollen 20 entlang der Schienenlauffläche. Soll ein Verschieben des
Schienenfahrzeuges in die andere Richtung erfolgen, so wird die Drehrichtung des Antriebsmotors
22 geändert, so dass die Friktionsrollen 5, 6 in die andere Richtung drehen und so
den Radreifen zu einer Drehung in die andere Laufrichtung antreiben, das Schienenfahrzeug
in die entgegengesetzte Richtung verfahren lassen. Auch hier wird das um den Radreifen
R gespannte Schiebegerät 1 mitgeführt und rollt mit seinen Laufrollen 20 über die
Schienenoberfläche. Das Schiebegerät 1 muss also nicht umgesetzt werden, um eine Bewegungsrichtung
des Schienenfahrzeuges ändern zu können.
[0028] Grundsätzlich können, um die Kraftübertragungsketten gespannt zu halten, insbesondere
bei einer Veränderung der Öffnungsweite des Spannzwischenraumes Kettenspanneinrichtungen
vorgesehen sein, insbesondere mit einer Federkraft belastete, in einer Spannrichtung
vorgespannte Kettenräder. Bei den in diesem Ausführungsbeispiel gezeigten Schiebegerät
1 ist dies jedoch nicht erforderlich, da die Kettenspannung aufgrund der Gestaltung
des Schlittens 17 und der darauf vorgesehenen Anordnung der Kettenräder 24 auch bei
einem Verschieben des Schlittens 17 relativ zu dem Längsträger 10 erhalten bleibt.
[0029] Aus der vorstehenden Beschreibung des Ausführungsbeispieles ist noch einmal der erhebliche
Vorteil zu ersehen, den das erfindungsgemäße Schiebegerät für Schienenfahrzeuge mit
sich bringt. Dieser Vorteil liegt insbesondere in einer kompakten und kostengünstig
herzustellenden Bauweise bei gleichzeitiger Möglichkeit des Anschiebens bzw. Verfahrens
eines Schienenfahrzeuges in entgegen gesetzte Richtungen, also sowohl vorwärts als
auch rückwärts, ohne hierfür das Schienenschiebegerät etwa umsetzen zu müssen.
Bezugszeichenliste
[0030]
- 1
- Schiebegerät
- 2
- Spanngestell
- 3
- Rollenlagerabschnitt
- 4
- Rollenlagerabschnitt
- 5
- Friktionsrolle
- 6
- Friktionsrolle
- 7
- Spannzwischenraum
- 8
- Drehachse
- 9
- Drehachse
- 10
- Längsträger
- 12
- Seitenwand
- 13
- Seitenwand
- 15
- Seitenwand
- 16
- Seitenwand
- 17
- Schlitten
- 18
- Stabilisierungsstrebe
- 19
- Gleitbuchse
- 20
- Laufrollen
- 21
- Zahnriemenscheibe
- 22
- Antriebsmotor
- 23
- Begrenzungswand
- 24
- Kettenrad
- 25
- Begrenzungswand
- 26
- Kraftübertragungskette
- 27
- Untersetzungsgetriebe
- 28
- Schwenkarm
- 29
- Rückhalterolle
- R
- Radreifen
1. Schiebegerät für Schienenfahrzeuge mit
a) einem Spanngestell (2), welches zwei in einer Längsrichtung des Spanngestells (2)
einander entlang eines Spannzwischenraumes (7) gegenüberliegende Rollenlagerabschnitte
(3, 4) aufweist und welches zur Veränderung der in Längsrichtung gesehenen Öffnungsweite
des Spannzwischenraumes (7) einstellbar ist,
b) jeweils einer in jedem der Rollenlagerabschnitte (3, 4) angeordneten Friktionsrolle
(5, 6) zum Angreifen an einer Umfangsfläche eines Radreifens eines Schienenfahrzeuges,
c) einem Antriebsmotor (22),
d) einem Drehmomentübertragungsmittel (24, 26) zum Übertragen eines von dem Antriebsmotor
(22) erzeugten Drehmoments auf die Friktionsrollen (5, 6),
e) einem Richtungswahlmittel zur Auswahl der Antriebsrichtung der Friktionsrollen
(5, 6),
f) an dem Spanngestell (2) angeordneten Laufrollen (20) zum Aufsetzen auf eine Schiene
und zum Abrollen auf derselben und
g) einem Spannmittel zum Spannen des Spannrahmens (2) durch aufeinander zu Ziehen
der Rollenlagerabschnitte (3, 4).
2. Schiebegerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Spanngestell (2) einen ersten Abschnitt aufweist, der den ersten Rollenlagerabschnitt
(4) und einen mit diesem fest verbundenen, sich in Längsrichtung des Spanngestells
(2) erstreckenden Längsträger (10) umfasst, und einen zweiten Abschnitt, der den zweiten
Rollenlagerabschnitt (3) und ein an diesem fest angeordnetes, auf dem Längsträger
(10) sitzendes und entlang desselben in dessen Längsrichtung verschiebbares Gleitelement
(19) aufweist.
3. Schiebegerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Drehmomentübertragungsmittel (24, 26) wenigstens eine Übertragungskette und mit
der Übertragungskette zusammenwirkende Kettenräder (24) aufweist.
4. Schiebegerät nach Anspruch 3, gekennzeichnet durch eine verlagerbare Kettenräder (24) aufweisende Kettenspannvorrichtung zum Erhalt
einer Kettenspannung der Übertragungskette (26), insbesondere bei einer Einstellung
der Öffnungsweite des Spannzwischenraumes (7).
5. Schiebegerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Spannzwischenraum (7) zu einer Seite quer zu der Längsrichtung des Spannrahmens
(2) hin offen ist.
6. Schiebegerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche gekennzeichnet durch an verlagerbaren Rollenauslegern (28) angeordnete Rückhalterollen (29) zur Anlage
an einer Stirnfläche des Radreifens, an dessen Umfangsfläche die Friktionsrollen (5,
6) angreifen.
7. Schiebegerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Antriebsmotor (22) ein Elektromotor ist.
8. Schiebegerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in den Rollenlagerabschnitten (3, 4) jeweils eine Friktionsrolle (5, 6) und wenigstens
eine Laufrolle (20) angeordnet sind, wobei diese Rollen (5, 6, 20) auf zwischen zwei
Seitenblechen (12, 13, 15, 16) angeordneten Achsen (8, 9) gelagert sind.