[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Diffusoranordnung für ein Abdampfgehäuse
einer Dampfturbine nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1, sowie eine mit einer derartigen
Diffusoranordnung ausgestattete Dampfturbine.
[0002] Eine derartige Diffusoranordnung, also umfassend einen Diffusor mit einem Einlassende
zur Aufnahme von Abdampf in Strömungsrichtung betrachtet hinter einem mit einem Deckband
versehenen Laufschaufelkranz einer Endstufe der Dampfturbine, und mit einer in Strömungsrichtung
betrachtet divergierenden Ringwand, die einen in das Abdampfgehäuse mündenden Diffusorströmungspfad
begrenzt, ist aus dem allgemeinen Stand der Technik betreffend Dampfturbinenanlagen
bekannt.
[0003] Insbesondere der Endstufe von Kondensationsdampfturbinen ist in der Regel ein Diffusor
nachgeschaltet, um damit kinetische Energie des Abdampfes in potenzielle Energie umzuwandeln,
bevor der Abdampf dem Kondensator des betreffenden Wasser-Dampf-Kreislaufes zugeführt
wird. Der statische Druck des Abdampfes wird hierbei vorteilhaft angehoben (auf einen
"Kondensatoreingangsdruck"), weswegen man in diesem Zusammenhang auch von einem Druckrückgewinn
spricht.
[0004] Infolge des in Strömungsrichtung betrachtet positiven Druckgradienten im Bereich
des Diffusors neigt die Strömung im Diffusor insbesondere gehäuseseitig zum Ablösen.
Ein solches Abreißen der Grenzschichtströmung reduziert die Wirksamkeit des Diffusors
und verringert damit den Turbinenwirkungsgrad.
[0005] Diese Problematik der Grenzschichtablösung im Diffusor ergibt sich vor allem dann,
wenn der betreffende Laufschaufelkranz der Endstufe mit einem so genannten Deckband
ausgeführt ist, d. h. mit einer am Außenumfang des Laufschaufelkranzes umlaufend ausgebildeten
Stabilisierungsstruktur. In diesem Fall entfällt die ansonsten vorhandene strömungsstabilisierende
Wirkung einer dort vorhandenen Spaltströmung (Energetisierung der Grenzschicht).
[0006] Durch den Einsatz freistehender Laufschaufeln, also einem Laufschaufelkranz ohne
Deckband, wird dieses Problem zwar vermieden. In diesem Fall ergeben sich jedoch höhere
Dampfleckagemengen über dem Laufschaufelkranz, was zu einer entsprechenden Reduzierung
des Wirkungsgrades der Endstufe führt.
[0007] Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, bei einer Diffusoranordnung der eingangs
genannten Art eine geringe Neigung zur Grenzschichtablösung bei gleichzeitig niedriger
Dampfleckagerate über dem Laufschaufelkranz zu erzielen.
[0008] Gemäß der Erfindung wird diese Aufgabe gelöst durch eine Diffusoranordnung nach Anspruch
1 bzw. eine damit ausgestattete Dampfturbine (Anspruch 5).
[0009] Die erfindungsgemäße Diffusoranordnung ist gekennzeichnet durch:
- eine mit Dampf, welcher aus dem Abdampfgehäuse und/oder aus einer höheren Druckstufe
der Dampfturbine abgezapft wurde, versorgbare Ringnut in der Ringwand, welche in Strömungsrichtung
betrachtet an der Stelle des Laufschaufelkranzes angeordnet ist, zur Einleitung des
abgezapften Dampfes in einen Ringspalt zwischen der Ringwand und dem Laufschaufelkranz,
und
- eine am Einlassende des Diffusors in Umfangsrichtung umlaufend ausgebildete und in
Axialrichtung entgegen der Strömungsrichtung in den Ringspalt hineinragende Strömungsführungslippe
zur Aufteilung des eingeleiteten Dampfes einerseits in eine Sperrdampfströmung am
Außenumfang des Laufschaufelkranzes und andererseits in eine Grenzschichtströmung
entlang der Ringwand.
[0010] Mit anderen Worten ist beim Einsatz der Erfindung vorgesehen, Dampf aus dem Abdampfgehäuse
bzw. einer höheren Druckstufe (bezogen auf die "Endstufe" bzw. dessen besagten Laufschaufelkranz,
d. h. insbesondere z. B. so genannte Hochdruckstufe oder Mitteldruckstufe) zu entnehmen
und einen Teil dieses abgezapften Dampfes als "Sperrdampf" (mit abdichtender Wirkung
für den Ringspalt zwischen Diffusor-Ringwand und Turbinen-Laufschaufelkranz) über
dem Endstufenlaufschaufelkranz wiedereinzuleiten, wobei ein anderer Teil des abgezapften
Dampfes stromab des Laufschaufelkranzes entlang der Ringwand gewissermaßen in die
Grenzschicht eingeblasen wird. Die erfindungsgemäß vorgesehene Strömungsführungslippe
bewirkt hierbei in einfacher Weise die gewünschte Aufteilung des Dampfes einerseits
in die Sperrdampfströmung und andererseits in die Grenzschichtströmung.
[0011] Vorteilhaft bewirkt die eingeblasene Grenzschichtströmung entlang der Ringwand eine
Verringerung des Risikos der Grenzschichtablösung, wobei durch die Sperrdampfströmung
gleichzeitig vorteilhaft die Dampfleckagemenge über dem Laufschaufelkranz verringert
wird.
[0012] In einer Ausführungsform ist vorgesehen, dass die axiale Ausdehnung der Stromführungslippe
größer als 50% der axialen Ausdehnung des Deckbandes ist und/oder die axiale Ausdehnung
der Strömungsführungslippe kleiner als 200% der axialen Ausdehnung des Deckbandes
ist.
[0013] In einer Ausführungsform ragt die Strömungsführungslippe über eine axiale Ausdehnung
von 10% des Deckbandes in den Ringspalt hinein und/oder ragt die Strömungsführungslippe
über eine axiale Erstreckung von weniger als 60% der axialen Ausdehnung des Deckbandes
in den Ringspalt hinein.
[0014] In einer Ausführungsform ist die axiale Erstreckung der Ringnut kleiner als 50% der
axialen Erstreckung des Deckbandes und/oder größer als 5% der axialen Erstreckung
des Deckbandes.
[0015] In Axialrichtung betrachtet ist die Ringnut bevorzugt wenigstens annähernd in der
Mitte zwischen den axialen Enden des Deckbandes angeordnet.
[0016] In einer Ausführungsform ragt die Strömungsführungslippe in Axialrichtung betrachtet
bis in den Bereich der Ringnut in den Ringspalt hinein.
[0017] Was denjenigen Abschnitt der Strömungsführungslippe anbelangt, welcher dem Ringspalt
abgewandt ist und im Bereich des Einlassendes des Diffusors in den Diffusorströmungspfad
hineinragt, so ist dieser Lippenabschnitt bevorzugt in Anpassung an einen gekrümmten
Verlauf der Ringwand ebenfalls gekrümmt ausgebildet, etwa zur Schaffung eines in Durchströmungsrichtung
im Wesentlichen konstanten Querschnittsfläche zwischen Lippe und Ringwand.
[0018] In einer Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Strömungsführungslippe in Axialrichtung
betrachtet an der Stelle des hinteren Endes des Außenumfangs des Laufschaufelkranzes
eine nach radial innen gerichtete Schulter aufweist.
[0019] Mit einer derartigen Schulter kann vorteilhaft ein die Wirkung der Sperrdampfströmung
verbessernder axialer Spalt (verengte Stelle) zwischen dieser Schulter und dem Außenumfang
des Laufschaufelkranzes vorgesehen werden.
[0020] Die Strömungsführungslippe kann z. B. so ausgestaltet und angeordnet sein, dass der
in den Ringspalt zwischen der Ringwand und dem Laufschaufelkranz eingeleitete abgezapfte
Dampf zu mehr als 20% in die Sperrdampfströmung und/oder zu mehr als 20% in die Grenzschichtströmung
aufgeteilt wird.
[0021] In einer Ausführungsform ist vorgesehen, dass eine Versorgung der Ringnut mit dem
abgezapften Dampf durch wenigstens eine in Radialrichtung durch den Diffusor sich
erstreckende Passage erfolgt.
[0022] Wenn diese Passage den Diffusor in Radialrichtung vollständig durchsetzt und das
radial äußere Ende der Passage in das Abdampfgehäuse mündet, so kann damit in einfacher
Weise Dampf aus dem Abdampfgehäuse abgezapft und über die Passage zur Ringnut geführt
werden.
[0023] Alternativ oder zusätzlich zu einer derartigen Dampfabzweigung aus dem Abdampfgehäuse
kann durch geeignete Abzapfpassagen auch Dampf aus einer höheren Druckstufe (in Turbinenströmungsrichtung
betrachtet vor dem genannten Laufschaufelkranz der Endstufe bzw. vor dieser Endstufe)
abgezweigt und zur Ringnut geführt werden. Eine oder mehrere derartige Abzapfpassagen
können hierbei jeweils direkt zur Ringnut führen, oder, falls vorhanden, in die erwähnte
Radialpassage im Diffusor einmünden. Von derartigen Radialpassagen im Diffusor können
mehrere vorgesehen sein, z. B. in gleichen Winkelabständen über den Umfang des Diffusors
verteilt.
[0024] In einer Ausführungsform ist vorgesehen, dass eine zur Versorgung der Ringnut mit
dem abgezapften Dampf vorgesehene Passage mit einem Rückschlagventil versehen ist.
Bei dieser Passage kann es sich insbesondere z. B. um die erwähnte Radialpassage im
Diffusor handeln. Mit dem Rückschlagventil kann vorteilhaft eine Rückströmung vermieden
werden. Der Begriff "Rückschlagventilen" ist im Sinne der Erfindung breit auszulegen
und soll daher nicht nur ein solches Rückschlagventil im engeren Sinne sondern auch
andere zur Vermeidung einer Rückströmung geeignete Armaturen umfassen.
[0025] Gemäß eines weiteren Aspekts der Erfindung wird die eingangs gestellte Aufgabe durch
eine Dampfturbine gelöst, welche mit einer Diffusoranordnung der beschriebenen Art
ausgestattet ist.
[0026] Die Dampfturbine kann hierbei z. B. in an sich bekannter Art als Kondensationsdampfturbine
in einem Wasser-Dampf-Kreislauf (Kondensationsdampfturbinenanlage) verwendet werden.
[0027] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen mit Bezug auf die
beigefügten Zeichnungen weiter beschrieben. Es stellen dar:
- Fig. 1
- eine schematische Längsschnittansicht einer Dampfturbine von herkömmlicher Bauart,
und
- Fig. 2
- ein Detail aus Fig. 1, jedoch in modifizierter Ausgestaltung, zur Veranschaulichung
eines Ausführungsbeispiels der Erfindung.
[0028] Fig. 1 zeigt eine Dampfturbine 10, welche über eine Turbinenläuferwelle 12 mit einer
drehangetriebenen Arbeitsmaschine 14 (z. B. elektrischer Generator) gekoppelt ist.
[0029] Die Turbine 10 umfasst ein Turbinengehäuse 16 mit einem darin um eine axiale Achse
A drehbar gelagerten Turbinenläufer 18. Am Umfang des Turbinenläufers 18 sind in Radialrichtung
davon abstehend Laufschaufeln 20 befestigt, welche mit stationär im Turbinengehäuse
16 befestigten Leitschaufeln 22 im Turbinenbetrieb zusammenwirken, um bei einer Dampfdurchströmung
Energie von zugeführtem Dampf in mechanische Drehenergie der Turbinenläuferwelle 12
umzuwandeln.
[0030] Die in Fig. 1 eingezeichneten Pfeile veranschaulichen diese Dampfdurchströmung ausgehend
von einem Frischdampfeinlass 24 zu einem Abdampfauslass 26.
[0031] Die Drehlagerung der Turbinenläuferwelle 12 ist im dargestellten Ausführungsbeispiel
mittels einer ersten Lagereinrichtung 28 und einer zweiten Lagereinrichtung 30 bewerkstelligt.
[0032] Derjenige Abschnitt des Turbinengehäuses 16, welcher im Turbinenbetrieb zuletzt vom
Dampf durchströmt wird und in den Abdampfauslass 26 mündet, wird als Abdampfgehäuse
32 bezeichnet.
[0033] Im dargestellten Ausführungsbeispiel umfasst die Turbine 10 entsprechend dem Druckniveau
des die Turbine 10 durchströmenden Dampfes eine Hochdruckstufe 40, eine Mitteldruckstufe
42 und eine Niederdruckstufe bzw. Endstufe 44, welche wie dargestellt nacheinander
von dem Dampf durchströmt werden, und jeweils aus baulich zusammengefassten Lauf-
und Leitschaufelkränzen gebildet sind. Die Befestigung der Leitschaufeln 22 in den
einzelnen Turbinenstufen 40, 42 und 44 ist mit jeweiligen Leitschaufelträgern 46,
48 bzw. 50 realisiert.
[0034] Die bis hierher beschriebene grundsätzliche Konstruktion der Dampfturbine 10 ist
aus dem Stand der Technik bekannt (vgl. z. B.
WO 2012/175328 A1).
[0035] Bei der üblichen Verwendung einer Dampfturbine der in Fig. 1 dargestellten Art als
Kondensationsdampfturbine in einem Wasser-Dampf-Kreislauf (Kondensationsdampfturbinenanlage)
ist es des Weiteren aus dem allgemeinen Stand der Technik bekannt, der Endstufe, hier
also der Niederdruckstufe 44, einen so genannten Diffusor nachzuordnen bzw. den Ausgang
der betreffenden Turbinenstufe mit einer derartigen Diffusorfunktionalität auszugestalten.
Mit dem Diffusor wird kinetische Energie des Abdampfes in potenzielle Energie umgewandelt
und somit vorteilhaft der statische Druck des Abdampfes auf den üblicherweise höheren
Kondensatordruck angehoben.
[0036] Im dargestellten Beispiel gemäß Fig. 1 ist hierzu im axialen Bereich des bei II gezeigten
Details oder diesem Bereich nachgeordnet eine so genannte Diffusoranordnung im Abdampfgehäuse
32 vorzusehen.
[0037] Fig. 2 veranschaulicht am Beispiel einer Modifikation des in Fig. 1 bei II dargestellten
Details am Ausgang der Endstufe 44 der Turbine 10 eine erfindungsgemäße Diffusoranordnung
60. Durch eine entsprechende Modifikation der Dampfturbine 10 von Fig. 1 in diesem
Bereich wird somit eine erfindungsgemäße Dampfturbine bereitgestellt.
[0038] Die mit Fig. 2 veranschaulichte Diffusoranordnung 60 sei im Folgenden zur Verwendung
bei der Dampfturbine 10 von Fig. 1 erläutert.
[0039] Die Diffusoranordnung 60 (Fig. 2) ist in diesem Fall im Abdampfgehäuse 32 (Fig. 1)
angeordnet und umfasst einen Diffusor (Diffusorgehäuse 62) mit einem Einlassende 64
zur Aufnahme von Abdampf in Strömungsrichtung betrachtet hinter dem gemäß dieser Modifikation
mit einem Deckband 66 versehenen letzten Laufschaufelkranz 68 der Endstufe 44, und
mit einer in Strömungsrichtung betrachtet divergierenden Ringwand 70, die einen in
das Abdampfgehäuse 32 mündenden Diffusorströmungspfad (vgl. Pfeil in Fig. 2) begrenzt.
[0040] Fig. 2 zeigt hierbei lediglich den in Fig. 1 oberen Teil (Detail II in Fig. 1) der
insgesamt ringartig um die axiale Achse A herum sich erstreckenden Diffusoranordnung
60.
[0041] Der Laufschaufelkranz 68 wird durch eine Vielzahl von im dargestellten Bereich radial
von dem Turbinenläufer 18 abstehenden Laufschaufeln 20 gebildet, deren distale (radial
äußeren) Enden durch das in Umfangsrichtung umlaufende, stabilisierende Deckband 66
verbunden sind.
[0042] Durch die divergierende Gestaltung des Diffusors 62 bzw. von dessen Ringwand 70 erfolgt
in der Abdampfströmung entlang des Diffusorströmungspfades (vgl. Pfeil) die gewünschte
Druckerhöhung (Druckrückgewinn) auf einen Druck p3, der im dargestellten Beispiel
z. B. dem Eingangsdruck eines am Ausgang des Abdampfauslasses 26 der Dampfturbine
10 angeschlossenen (nicht dargestellten) Kondensators der betreffenden Dampfturbinenanlage
entspricht. Beim Eintritt des Abdampfes in den Diffusor 62, d. h. am Einlassende 64
des Diffusors 62 herrscht ein Druck p2 (p2 < p3). Der Druck unmittelbar vor dem dargestellten
Laufschaufelkranz 68 ist mit p1 bezeichnet und je nach Ausgestaltung des Laufschaufelkranzes
68 üblicherweise größer als p2, so dass gilt: p1 < p2 < p3.
[0043] Aufgrund der relativ großen Mündungsquerschnittsfläche vom Ausgang des Diffusors
62 (in Fig. 2 rechts) in das Abdampfgehäuse 32 entspricht ein Druck pA im Abdampfgehäuse
im Wesentlichen dem Diffusorausgangsdruck p3.
[0044] Eine Besonderheit der Diffusoranordnung 60 (bzw. der damit ausgestatteten Dampfturbine)
besteht nun darin, dass die Diffusoranordnung 60 ferner umfasst:
- eine mit Dampf, welcher aus dem Abdampfgehäuse 32 und/oder aus einer höheren Druckstufe,
z. B. einem weiter stromaufwärts gelegenen Teil der Endstufe 44, oder der Mitteldruckstufe
42, oder der Hochdruckstufe 40, abgezapft wurde, versorgbare Ringnut 72 in der Ringwand
70, welche in Strömungsrichtung (vgl. Pfeil) betrachtet an der Stelle des Laufschaufelkranzes
68 angeordnet ist, zur Einleitung des abgezapften Dampfes in einen Ringspalt 74 zwischen
der Ringwand 70 und dem (an seinem Außenumfang mit dem Deckband 66 versehenen) Laufschaufelkranz
68, und
- eine am Einlassende 64 des Diffusors 62 in Umfangsrichtung umlaufend ausgebildete
und in Axialrichtung (vgl. Achse A) entgegen der Strömungsrichtung (vgl. Pfeil) in
den Ringspalt 74 hineinragende Strömungsführungslippe 76 zur Aufteilung des eingeleiteten
Dampfes (vgl. kleine Pfeile in Fig. 2) einerseits in eine Sperrdampfströmung am Außenumfang
des Laufschaufelkranzes 68 bzw. Deckbandes 66 und andererseits in eine Grenzschichtströmung
entlang der Ringwand 70.
[0045] Die Strömungsführungslippe 76 wird somit zur Führung und Aufteilung der abgezapften
und über die Ringnut 72 wieder rückgeführten Dampfströmung eingesetzt und ist z. B.
als ein separates (z. B. ringförmig rotationssymmetrisches) Bauteil ausgeführt und
kann hierbei z. B. mittels geeigneten Abstandshaltern am Diffusor 62 befestigt sein.
[0046] Vorteilhaft wird mit dieser Gestaltung einerseits durch die Sperrdampfströmung die
Leckagerate von über dem Laufschaufelkranz 68 (im Ringspalt 74) strömenden Abdampfes
vorteilhaft verringert und andererseits durch die Grenzschichtströmung das Risiko
einer die Diffusoreffizienz verringernden Grenzschichtablösung vorteilhaft verringert.
[0047] Zum Betrieb der Diffusoranordnung 60 muss die Ringnut 74 mit Dampf eines ausreichend
hohen Druckes (hier: größer als p2) versorgt werden, damit dieser Dampf in die beiden
erwähnten Teilströmungen aufgeteilt werden kann.
[0048] Im dargestellten Beispiel ist diese Dampfversorgung in einfacher Weise dadurch realisiert,
dass über den Umfang des Diffusors 62 verteilt einige Radialpassagen (z. B. Bohrungen)
angeordnet sind, von denen in Fig. 2 eine ersichtlich und mit 78 bezeichnet ist.
[0049] Durch diese Radialpassage(n) 78 hindurch erfolgt eine Dampfüberleitung aus dem Abdampfgehäuse
32 zum Ringspalt 74.
[0050] Die Radialpassage 78 durchsetzt hierfür den Diffusor 62 in radialer Richtung.
[0051] Zur Vermeidung einer Rückströmung können derartige Versorgungspassagen mit geeigneten
Regelarmaturen wie z. B. dem in Fig. 2 bei 80 symbolisierten Rückschlagventil versehen
sein.
[0052] Der Vorteil der dargestellten Diffusoranordnung 60 besteht in der Vermeidung bzw.
Abminderung der in diesem Bereich bei bekannten Dampfturbinen oftmals auftretenden
Strömungsverluste. Zum einen kann durch die Sperrbedampfung die Leckagemenge über
dem entsprechenden Laufkranz reduziert werden. Zum anderen wird durch die Einleitung
eines Teils des abgezweigten Dampfes in den Diffusor die Grenzschicht (an der Ringwand
70) stabilisiert. Beide Effekte führen zu einer vorteilhaften Erhöhung des Turbinenwirkungsgrades.
[0053] Im dargestellten Beispiel weist die Strömungsführungslippe 76 in Axialrichtung betrachtet
an der Stelle des hinteren Endes des Außenumfangs des Laufschaufelkranzes 68 eine
nach radial innen gerichtete Schulter 82 auf, so dass die Sperrdampfströmung in diesem
Bereich zwangsweise auch ein Stück weit in Radialrichtung in einem Ringspalt zwischen
dem Deckband 66 und dieser Schulter 82 strömen muss, was die Leckageverminderung weiter
verbessert. Eine solche Schulter erstreckt sich in radialer Richtung bevorzugt wie
dargestellt bis zum Innenumfang des betreffenden Deckbandes.
[0054] Im Hinblick auf eine möglichst hohe Wirksamkeit der Strömungsführungslippe 76 kann
deren Ausgestaltung bzw. Anordnung im Diffusor- bzw. Diffusoreinlassbereich 64 dem
jeweiligen Anwendungsfall angepasst optimiert werden. Unter diesem Aspekt können ganz
allgemein z. B. folgende Gestaltungsdetails, einzeln oder kombinuert, von Vorteil
sein:
- Die axiale Ausdehnung der Lippe (76) beträgt mehr als 50% der axialen Ausdehnung des
Deckbandes (66) und/oder weniger als 200% der axialen Ausdehnung des Deckbandes (66).
- Die Lippe (76) ragt um mehr als 10% der axialen Ausdehnung des Deckbandes (66) und/oder
um weniger als 60% der axialen Ausdehnung des Deckbandes (66) in den Ringspalt (74)
hinein.
- Die Lippe (76) endet im Ringspalt (74) an einer axialen Stelle, an welcher auch die
Ringnut (72) vorgesehen ist. Im dargestellten Beispiel endet die Lippe 76 z. B. am
axial betrachtet stromabwärtigen Ende der Ringnut 72.
- Die Lippe (76) besitzt einen an den gekrümmten (divergierenden) Verlauf der Ringwand
(70) angepasst ebenfalls gekrümmten Verlauf. Im dargestellten Beispiel ist eine derartige
Krümmung der Lippe 76 sowohl auf ihrer radial äußeren als auch auf ihrer radial inneren
Seite vorgesehen. Die Krümmung an der radial äußeren Seite ist bevorzugt zur Schaffung
eines ringförmigen Grenzströmungspfades mit im Pfadverlauf einheitlichem Strömungsquerschnitt
vorgesehen.
- Die Lippe (76) besitzt eine Wandungsstärke, die sich in Richtung des Diffusorströmungspfades
kontinuierlich verjüngt.
1. Diffusoranordnung (60) für ein Abdampfgehäuse (32) einer Dampfturbine (10), umfassend
einen Diffusor (62) mit einem Einlassende (64) zur Aufnahme von Abdampf in Strömungsrichtung
betrachtet hinter einem mit einem Deckband (60) versehenen Laufschaufelkranz (68)
einer Endstufe (44) der Dampfturbine (10), und mit einer in Strömungsrichtung betrachtet
divergierenden Ringwand (70), die einen in das Abdampfgehäuse (32) mündenden Diffusorströmungspfad
begrenzt,
dadurch gekennzeichnet, dass die Diffusoranordnung (60) ferner umfasst:
- eine mit Dampf, welcher aus dem Abdampfgehäuse (32) und/oder aus einer höheren Druckstufe
(44, 42, 40) der Dampfturbine (10) abgezapft wurde, versorgbare Ringnut (72) in der
Ringwand (70), welche in Strömungsrichtung betrachtet an der Stelle des Laufschaufelkranzes
(68) angeordnet ist, zur Einleitung des abgezapften Dampfes in einen Ringspalt (74)
zwischen der Ringwand (70) und dem Laufschaufelkranz (68), und
- eine am Einlassende (64) des Diffusors (62) in Umfangsrichtung umlaufend ausgebildete
und in Axialrichtung entgegen der Strömungsrichtung in den Ringspalt (74) hineinragende
Strömungsführungslippe (76) zur Aufteilung des eingeleiteten Dampfes einerseits in
eine Sperrdampfströmung am Außenumfang des Laufschaufelkranzes (68) und andererseits
in eine Grenzschichtströmung entlang der Ringwand (70).
2. Diffusoranordnung (60) nach Anspruch 1, wobei die Strömungsführungslippe (76) in Axialrichtung
betrachtet an der Stelle des hinteren Endes des Außenumfangs des Laufschaufelkranzes
(68) eine nach radial innen gerichtete Schulter (82) aufweist.
3. Diffusoranordnung (60) nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei eine Versorgung
der Ringnut (72) mit dem abgezapften Dampf durch wenigstens eine in Radialrichtung
durch den Diffusor (62) sich erstreckende Passage (78) erfolgt.
4. Diffusoranordnung (60) nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei eine zur Versorgung
der Ringnut mit dem abgezapften Dampf vorgesehene Passage (78) mit einem Rückschlagventil
(80) versehen ist.
5. Dampfturbine (10), ausgestattet mit einer Diffusoranordnung (60) nach einem der vorangehenden
Ansprüche.