[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Inertisierung der Bestrahlungszone bei
sauerstoffempfindlichen UV-Härtungs- und -Oberflächenstrukturierungsprozessen, die
im Durchlaufbetrieb erfolgen.
[0002] Sauerstoffempfindliche chemische und physikalische Oberflächenprozesse, wie zum Beispiel
die photochemische Polymerisation von acrylatbasierenden Lacken und deren Oberflächenstrukturierung
mittels kurzwelliger UV-Strahlung, müssen in möglichst sauerstoffarmer Atmosphäre
durchgeführt werden, um solche Effekte wie Peroxyradikal- und Ozonbildung sowie Energieverluste
zu vermeiden.
[0003] Dazu werden bekanntermaßen sogenannte Inertisierungstechnologien angewendet.
[0004] Dabei wird ein Reaktionsraum mit einem Inertgas wie Stickstoff, Argon oder CO
2, vorzugsweise aber Reinststickstoff, zur Verdrängung von Luftsauerstoff gespült.
[0005] So wurde bereits vor etwa einem Vierteljahrhundert die Inertisierung in der UV-Technik
bei der äußerst sauerstoffempfindlichen Polymerisation von Silikonacrylaten, der sogenannten
Silikonisierung von Trennbeschichtungen, eingeführt (
DE 3416502 A1 und
EP 0161540 A1).
[0006] Inzwischen ist die Inertisierungstechnologie im Bereich der UV-Härtung Stand der
Technik, um Beschichtungen mit hoher Qualität zu erhalten.
[0007] Als weitere Vorteile der Inertisierung stellten sich die Möglichkeit der Reduzierung
des Photoinitiatorgehaltes um mehr als 80% und eine Energieeinsparung durch geringere
elektrische UV-Lampenleistung um 50% oder alternativ eine mögliche Erhöhung der Produktdurchlaufgeschwindigkeit
heraus.
[0008] Allen dazu bisher erfundenen und entwickelten Vorrichtungen gemeinsam ist die Einspeisung
des Inertgases durch Einströmöffnungen wie z.B. Düsen in die Reaktionskammer bzw.
den Kanal und, da es sich bei Anlagen mit kontinuierlichem Produktdurchlauf um offene
Systeme handelt, die Ausstattung mit produktein- und -auslaufseitigen Gasbarrieren
zur Minimierung des Inertgasverbrauches.
[0009] In den meisten Anwendungsfällen der inertisierten UV-Härtung und Excimer-VUV-Mattierung
wird inzwischen auch der Restsauerstoffgehalt im Inertgas des Kanals gemessen und
damit die Inertgaseinspeisung geregelt.
[0010] Da es sich bei der Inertgasspülung des Bestrahlungskanals aber um ein metastabiles
aerodynamisches System handelt und nicht nur ein möglichst niedriger Restsauerstoffgehalt,
sondern eine weitgehend homogene InertgasAtmosphäre erforderlich ist, sind außer zur
Rückhaltung des Luftsauerstoffeintrages in den Kanal konstruktive Maßnahmen für eine
gleichmäßige Inertgasverteilung und für die Vermeidung von Strömungsprofilstörungen
im Kanal zu treffen.
[0011] Dazu gibt es bereits eine Reihe von Erfindungen und Entwicklungen, die dem Erkenntnisfortschritt
entsprechend sukzessive verbessert wurden, wobei sich aber auch vermeintliche Problemlösungen
nicht bewährt haben.
[0012] So wurde bereits bei der Einführung der UV-Silikonisierung (s.a.
DE 3416502 A1 und
EP 0161540 A1) zur Abschottung der Inertatmosphäre im Bestrahlungskanal gegen die Kühlluft der
unten offenen Quecksilber-Mitteldrucklampe eine UV-transparente Quarzscheibe eingesetzt,
die heute noch als effektive Lösung Verwendung findet.
[0013] Der Versuch eines UV-lampeninternen Stickstoffkreislaufes unter Einsparung der Quarzscheibe
zur Vermeidung eines UV-Transmissionsverlustes erwies sich als nicht tragfähig, weil
zu aufwändig und keineswegs inertgassparend (
DE 000019916474 A1 und
WO 002000061999 A1).
[0014] Bewährt hat sich dagegen offensichtlich die gleichmäßige Inertgaseinspeisung über
die Kanalbreite unter Verwendung von porösen Gasverteilerelementen, vorzugsweise von
Sintermetall, mit definiertem Druckverlust, die eine Strahlwirkung vermeiden, unterstützt
durch eine Vorverteilungseinheit (
DE 20 2005 021 576 U1).
[0015] Diese Gasverteilung wird bei 172 nm Excimerstrahlern, die zur Mikrostrukturierung
von Acrylatlackoberflächen (physikalische Mattierung durch photochemische Mikrofaltung)
eingesetzt werden, in der Lampendecke installiert. Damit wird mit dem kalten Reinststickstoff
der Strahler über die gesamte Strahlerlänge gleichmäßig gekühlt, und da die Excimerlampe
keine Quarzscheibe erfordert, strömt der Stickstoff aus der unteren Lampenöffnung
zur Inertisierung in den Bestrahlungskanal. Vorgeschlagen wird sogar eine automatische
Differenzdruckanpassung durch Variation der Wirkfläche des porösen Gasverteilerelementes.
[0016] Im Fall einer klassischen UV-Härtung mit einer Quarzscheibe unter der Quecksilber-UV-Mitteldrucklampe
wird das Inertgas durch eine sogenannte Volumenbefülldüse, die ebenfalls auf der Basis
eines porösen Gasverteilerelementes arbeiten kann, über die gesamte Kanalbreite eingespeist.
Produkteinlaufseitig verwendet man zur besseren Rückhaltung des Luftsauerstoffes und
zum "Abschälen" des Sauerstoffs von der Lackoberfläche eine sogenannte "Rakel-" oder
"Schäldüse". Die darüber eingespeiste Inertgasmenge muss allerdings auf die Durchlaufgeschwindigkeit
des Produktes abgestimmt sein - bei veränderbarer Geschwindigkeit am besten geregelt
- um eine produktauslaufseitige Lufteinströmung zu vermeiden.
[0017] Als produkteinlaufseitige Gasbarriere werden in der Regel eine einfache höhenverstellbare
Blende über die gesamte Kanalbreite oder auch ein Labyrinth (
WO 2005 075111 A1) verwendet und produktauslaufseitig eine Gummidichtlippe, ein Bürstenelement oder
ebenfalls ein Labyrinth für eine berührungsfreie Ausführung, wobei an den Labyrinthen
eine Inertgaseinspeisung und Restsauerstoffmessung erfolgen kann (
WO 2005 075111 A1).
[0018] Eine große Bedeutung hat die Restsauerstoffmessung im Inertgas der Bestrahlungszone.
Dazu hat sich die Verwendung eines Zirkonoxid-Festelektrolyt-Sensors etabliert, der
sich aufgrund seines großen Messbereichs (1 ppm bis > 21 % O
2) und seiner kurzen Ansprechzeit sogar zur Inertgasmengenregelung eignet. Zur Messung
im Bypassbetrieb wird mittels einer kleinen Gaspumpe über eine Rohrsonde in der Kanaldecke
- meist in der Kanalmitte angeordnet - das Gas kontinuierlich durch die Messzelle
gesaugt.
[0019] Von großem Einfluss auf die Restsauerstoffkonzentration ist auch die Produktart und
-form und die damit verbundene Fördertechnik sowie die bestmögliche Anpassung der
Ein- und Auslaufgasbarrieren.
[0020] Die beste Lösung wird bei Bahnbeschichtung von Rolle zu Rolle mit einer Bahnführung
über eine Kühlwalze und darüber angeordneter inertisierter UV-Technik erreicht. Problematischer
ist die UV-Härtung einer Plattenbeschichtung unter Inertbedingungen, da jedes Stückgut
Luftsauerstoff in Form einer "Bugwelle" in den Bestrahlungskanal einschleppt und auch
das Transportsystem dazu einen nicht unerheblichen Beitrag leistet. Hier kommt es
vor allem auf die Art der Inertgaseinspeisungsdüsen und deren Anordnung an.
[0021] Obwohl die am Markt befindlichen UV-Inertisierungssysteme prinzipiell funktionieren,
sind sie doch bezüglich Stabilität des Inertregimes - lateral gleichmäßige Restsauerstoffkonzentration
und geringe zeitliche Schwankungen im Durchlauf - sowie hinsichtlich Inertgaskonsum
anfällig und unzureichend.
[0022] Außerdem ist für eine gute Qualität einer UV-Lackbeschichtung nicht nur die Entfernung
des Sauerstoffs von der Oberfläche, sondern auch aus der flüssigen oder pastösen Lackschicht
wichtig. Im Zusammenhang mit den viskositätsabhängigen Sauerstoffdiffusionskoeffizienten
(sa. Fig. 1) und den von der Relativgeschwindigkeit zwischen Lackoberfläche und Inertgas
abhängigen Stoffübergangskoeffizienten spielt die Verweilzeit der flüssigen/pastösen
UV-Farb- oder -Lackschicht in der sauerstoffarmen Inergasatmosphäre vor dem Erreichen
der Bestrahlungszone eine wesentliche Rolle.
[0023] Die produkt- und durchlaufgeschwindigkeitsangepasste Inertgasmengeneinspeisung allein
löst das Stabilitätsproblem nicht, denn hier gilt nicht "viel hilft viel", da es durch
Turbulenzen im Kanal aufgrund lokal unterschiedlicher Gasgeschwindigkeiten zum ein-
und auslaufseitigen Einsaugen von Luft kommen kann.
[0024] Es ist die Erkenntnis als dem Stand der Technik zuzurechnen, dass nur mit einer an
das jeweilige Produkt und an das damit verbundene Transportsystem angepassten Gestaltung
des Kanals, der Gasbarrieren und der Düsenanzahl und -anordnung und deren Handling
eine stabiles Inertisierungsregime und eine optimale Produktqualität erreicht werden
kann. Das gilt insbesondere für Prozesse mit hohem Anspruch an das Restsauerstoffniveau
und die Homogenität der lateralen Restsauerstoffverteilung, wie die Excimer-VUV-Mattierungstechnologie
(O
2 < 100 ppm), die Silikonisierung mit Silikonacrylaten (O
2 < 50 ppm) und die photoinitiatorfreie UV-Härtung mit VUV/UVC-Photonen (O
2 < 10 ppm) (
DE 10 2008 061 244 A1).
[0025] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine Vorrichtung zur Inertisierung
der Bestrahlungszone vorzuschlagen, mit der bei geringstem Inertgasverbrauch eine
stabile und homogene Inertisierung der Bestrahlungszone erreicht wird, so dass UV-Härtung
und photochemische Oberflächenstrukturierung unter technisch vorteilhaften Bedingungen
erfolgen können.
[0026] Wesentliche erfinderische Merkmale sind dabei, dass der Bestrahlungskanal in einer
möglichst flachen Ausführung verwendet wird, und somit eine hohe Relativgeschwindigkeit
zwischen beschichteter Produktoberfläche und Inertgasstrom entsteht, die aber die
Gleichmäßigkeit der Beschichtung nicht beeinträchtigt, um damit eine positive Wirkung
auf den O
2-Stoffübergangskoeffizienten und eine schnelle Abführung des ausgetauschten Sauerstoffs
zu erreichen und gleichzeitig für eine gerichtete Inertgasströmung zu sorgen, wodurch
vertikale und horizontale Turbulenzen, die zu Lufteinströmung führen können, weitgehend
ausgeschlossen werden.
[0027] Des Weiteren weist die erfindungsgemäße Vorrichtung eine inertisierte Einlaufstrecke
vor der UV-Lampe mit einer solchen Länge auf, dass für die Sauerstoffentfernung von
und aus der Beschichtung die erforderliche Verweilzeit in der Inertgasatmosphäre zur
Verfügung steht, wobei sich eine solche Vorlaufzone auch positiv auf das Strömungsprofil
und damit auf die Gleichmäßigkeit der Restsauerstoffverteilung auswirkt.
[0028] Gemäß des Erfindungsgedankens ist die produktein- und -auslaufseitige Spalteinstellung
widerstandsmäßig dergestalt abgestimmt, dass auslaufseitig die größere Gasbarriere
entsteht und somit das Inertgas im Gegenstrom zur Produktförderrichtung produkteinlaufseitig
austreten muss. Das bedeutet, dass produkteinlaufseitig ein Labyrinth, wie in
WO 2005 075111 A1 vorgeschlagen, nicht zweckmäßig ist. Außerdem ergibt sich bezüglich der Einstellung
des Restsauerstoffniveaus und des Inertgasbedarfs eine geschwindigkeitsabhängige Spalthöhe
der Einlaufblende, was eine geschwindigkeitsabhängige Regelung der Spalthöhe analog
der Inertgasmenge über die Restsauerstoffmessung empfiehlt.
[0029] Die erfindungsgemäße Vorrichtung weist eine diffusorartig abgeschrägte Einlaufblende
auf, mittels welcher Abreißturbulenzen und Todzonen reduziert werden,
[0030] Weiterhin weist die Vorrichtung eine Segmentierung der Einlaufblende und der Auslaufbarriere
(Dichtlippe oder Labyrinth) auf, um durch Anpassung an die Produktbreite seitliche
Zonen geringeren Widerstandes als über der Produktoberfläche auszuschließen und damit
einer negative Beeinflussung der Gasströmung im Kanal und Lufteinsaugerscheinungen
entgegen zu wirken.
[0031] Die Spaltseite der Einlaufblendensegmente einer Bahnanlage ist mit einem weichen
Dichtmaterial wie zum Beispiel Filz oder einer speziellen geschlossenporigen Gummilippe
ausgestattet, um eine bessere Abdichtwirkung auf einer Kühlwalze zu erhalten, aber
bei seitlichem Verlaufen der Bahn einen Bahnriss durch das Segment zu vermeiden.
[0032] Ein weiteres Merkmal zum Lösen der Aufgabe besteht in der Wahl eines geeigneten Transportsystems
für Stückgutdurchlaufanlagen und eine darauf abgestimmte wirksame Anzahl und Anordnung
der Inertgaseinspeisungsdüsen. Wird z.B. für flache Bleche ein geschlossenes Transportband
gewählt, dann sollte das Band eine möglichst geringe Oberflächenrauheit besitzen.
Für dickere Platten, die eine relativ große Luftmenge einschleppen können, empfiehlt
sich, bei in der Regel geringeren Fördergeschwindigkeiten als 20 m/min, eine Rollenbahn
oder ein Stab- oder Netzband und eine Unterflurdüse im Einlaufbereich einzusetzen.
[0033] Nachfolgend soll die erfindungsgemäße Vorrichtung anhand der Abbildungen näher erläutert
werden.
[0034] Dabei zeigen:
Fig. 2 schematisch den seitlichen Schnitt durch einen inertisierten flachen Bestrahlungskanal
für die Kombination von Excimer-VUV-Mattierung und UV-Härtung beschichteter Platten
mit langer Vorlaufzone (1), perforiertem Transportband (2), abgeschrägter Einlaufblende
(3), Beschleierungsdüse (4), Unterflurdüse (5), Volumenbefülldüse (6), Excimerlampe
mit Stickstoffeinspeisung (7) durch die Lampendecke, Quecksilber-UV-Mitteldrucklampe
(8) mit Quarzscheibe oder UV-LED-Einheit (9), Restsauerstoffmesssonde mit Sensor (10)
und auslaufseitiger Dichtlippe (11),
Fig. 3 schematisch die Vorderansicht der Produkteinlaufseite mit segmentierter Einlaufblende
(12) der Plattenanlage,
Fig. 4 schematisch den seitlichen Schnitt durch eine Inertisierung für die UV-Härtung
beschichteter Bahnware (13) in Anordnung um eine Kühlwalze (14) mit abgeschrägter
verstellbarer Einlaufblende (3), Beschleierungsdüse (4), Volumenbefülldüse (6), Quecksilber-UV-Mitteldrucklampe
(8) mit Quarzscheibe oder alternativ UV-LED-Einheit, Restsauerstoffmesssonde mit Sensor
(10) und auslaufseitigem Labyrinth (15),
Fig. 5 schematisch die Vorderansicht der Produkteinlaufseite mit segmentierter Einlaufblende
der Bahnanlage (16).
[0035] Die Wirkung und Vorteile der Elemente der erfindungsgemäßen Vorrichtung soll anhand
von prozesstechnischen Beispielen verdeutlicht werden.
Beispiel 1:
[0036] Eine Inertisierungsvorrichtung gemäß Fig. 2 wird zur reinen UV-Lackhärtung auf einer
Folienbahn mit nur einer Quecksilber-Mitteldrucklampe einer spezifischen elektrischen
Leistung von 200 W/cm verwendet. Die lichte Kanalhöhe beträgt 10 mm und die lichte
Kanalbreite 600 mm. Die 500 mm breite Bahn durchläuft die Vorrichtung mit 100 m/min.
Bei einer Einlaufspalthöhe von 1 mm und einer Spalthöhe eines auslaufseitig verwendeten
Labyrinths von 1 mm werden bei einem Stickstofffluss von 9 Nm
3/h 300 ppm Restsauerstoffgehalt registriert. Die Beschichtung mit einem UV-Lack auf
Urethanacrylatbasis mittlerer Viskosität, dessen Härtungskinetik bei 200 ppm aus Fig.
6 ersichtlich ist, hat eine Dicke von ca. 10 µm. Nach Fig. 1 wäre für eine Sauerstoffentfernung
aus der Schicht bei einem Sauerstoffpartialdruck gegen 5 ppm im Inertgas eine Mindestverweilzeit
von 250 ms erforderlich.
[0037] Es wurde nun zunächst eine Inertkanallänge von 300 mm zwischen Einlaufblende und
UV-Lampe realisiert. Bei einer Verweilzeit von 180 ms unter 300 ppm O
2 und einer UV-Dosis von 125 mJ/cm
2 wird, wie nach der Kinetik in Fig. 6 zu erwarten, nur ein C=C-Doppelbindungsumsatz
von 41 % mittels Infrarotspektroskopie (ATR) ermittelt. Anwendungstechnisch drückt
sich das in einer schlechten Mikrohärte von nur 165 N/mm
2 und einem Glanzgrad (60°- Geometrie) von 67 GP (Glanzpunkten) aus.
[0038] Eine Einlaufkanalverlängerung auf 1500 mm führte bei gleichem Stickstofffluss und
einer Reduzierung des Restsauerstoffgehaltes auf 200 ppm mit einer Verweilzeit von
900 ms zu einer ganz deutlichen Eigenschaftsverbesserung. Wie nach der Härtungskinetik
in Fig. 6 bei 200 ppm O
2 und 900 ms Verweilzeit zu erwarten, konnte nach einer Härtung mit 125 mJ/cm
2 ein C=C-Doppelbindungsumsatz von 86 % mittels Infrarotspektroskopie (ATR) nachgewiesen
werde. Dementsprechend konnten eine Mikrohärte von 212 N/mm
2 und ein Glanzgrad von 84 GP (Glanzpunkten) gemessen werden.
Beispiel 2:
[0039] Anhand einer UV-Härtung beschichteter Bahnware über einer Kühlwalze gemäß Fig. 4
wird der Einfluss der Einlaufspalthöhe demonstriert.
[0040] Aus Fig. 7 wird deutlich, dass überraschenderweise zunächst mit zunehmender Bahngeschwindigkeit
der Stickstoffbedarf zum Erreichen von 50 ppm Restsauerstoff in der Bestrahlungszone
mit Erhöhung des Einlaufspaltes sinkt, wobei es aber ein Optimum in der Einstellung
von Einlaufspalt und Stickstofffluss für jede Bahngeschwindigkeit gibt.
Beispiel 3:
[0041] Eine Anlage gemäß Fig. 2 wird zur physikalischen Mattierung von mit UV-Lack beschichteten
MDF-Platten mittels 172 nm Excimerphotonen und anschließender Durchhärtung mit langwelligem
UV-Licht einer 160 W/cm Quecksilber-Mitteldrucklampe verwendet. Die lichte Inertkanalhöhe
beträgt 30 mm und die lichte Kanalbreite 1400 mm. Die Platten mit Abmessungen (LxBxH)
2000x1200x22 werden mit einer Geschwindigkeit von 10 m/min auf einem Metallgitterband
durch die VUV/UV-Anlage bewegt.
[0042] Die Mikrostrukturierung der Lackoberfläche durch photochemische Mikrofaltung reagiert
sehr empfindlich auf einen inhomogenen Restsauerstoffgehalt in der Bestrahlungszone,
da die 172 nm Photonen unter Ozonbildung vom Sauerstoff absorbiert werden und in den
Problemzonen eine VUV-Dosisminderung eintritt, die zur Strukturbeeinflussung und damit
zu sichtbaren lokalen Glanzunterschieden führt.
[0043] Der Stückguttransport wird immer durch eine sogenannte "Bugwelle" an Sauerstoff vor
dem Produkt begleitet, die jedes Mal einen kurzzeitigen Anstieg der Sauerstoffkonzentration
und bei zu hohen Spitzenwerten Strukturstörungen hervorruft.
[0044] Der Inertisierungsstickstoff wird über die Excimerlampe (7), eine Beschleierungsdüse
(4) und wahlweise eine Unterflurdüse (5) eingespeist. Dazu werden die Wirkung einer
unterschiedlich langen Einlaufzone und der Einlaufspalteinsteilung gemäß Fig. 3 demonstriert.
Auslaufseitig bildet eine Dichtlippe die Stickstoffbarriere. Die Sauerstoffmessstelle
befindet sich kurz vor der Excimerlampe.
[0045] Die Parametervariation ist der Tabelle 1 zu entnehmen und die Wirkung auf den Restsauerstoffanstieg
und den wellenförmigen Verlauf ist in Fig. 8 dargestellt.
[0046] Daraus ist ersichtlich, dass eine verlängerte Einlaufzone ebenso wie ein Absenken
der seitlichen diffusorartig abgeschrägten Segmente der Einlaufblende gemäß Fig. 3
einen niedrigeren Restsauerstoffwert und eine bessere Gleichverteilung über den Kanalquerschnitt
führen. Der durch die "Bugwelle" verursachte Schwellwert wird durch den Einsatz der
Unterflurdüse deutlich verringert.
1. Vorrichtung zur Inertisierung der Bestrahlungszone bei der UV-Vernetzung und der photochemischen
Oberflächenstrukturierung von acrylat- und methacrylatbasierenden Beschichtungen auf
bahn- oder plattenförmigen Substraten insbesondere mit hoher Anforderung an ein geringes
und in der lateralen Verteilung gleichmäßiges Restsauerstoffniveau, je nach Anwendungsfall
< 100 ppm, < 50 ppm und < 10 ppm, in einem Bestrahlungskanal mit Inertgaseinspeisung,
vorzugsweise Reinststickstoff, gebildet aus Bestrahlungskanal für die UV-Härtung oder
für eine Kombination von Excimer-VUV-Mattierung und UV-Härtung mit einer Vorlaufzone
(1), Transportvorrichtung (2) oder Bahnware (13), Einlaufblende (3), Beschleierungsdüse
(4), Volumenbefülldüse (6), Excimerlampe mit Stickstoffeinspeisung (7) durch die Lampendecke,
Quecksilber-UV-Mitteldrucklampe (8) mit Quarzscheibe oder UV-LED-Einheit (9), Restsauerstoffmesssonde
mit Sensor (10) und bei Beschichtung plattenförmiger Substrate auslaufseitiger Gasbarriere,
ausgeführt als Dichtlippe oder Bürste oder Ähnlichem (11) oder bei Bestrahlung beschichteter
Bahnware ausgeführt als Labyrinth (15), dadurch gekennzeichnet, dass der Bestrahlungskanal (1) durch eine flache Bauweise so ausgeführt ist, dass eine
hohe Relativgeschwindigkeit zwischen Inertgas und Produktoberfläche ohne Störung der
flüssigen Beschichtung erzeugt wird und dass die Einlaufblende (3) und die auslaufseitige
Gasbarriere (11 oder 15) aus höhenverstellbaren Segmenten (12) gebildet ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass bei Einsatz in einer Stückgutdurchlaufanlage die Transportvorrichtung (2) ein Transportband
oder eine Rollenbahn ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Transportband perforiert ausgeführt ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass bei Einsatz in einer Stückgutdurchlaufanlage eine Unterflurdüse (5) in der Vorlaufzone
(1) angeordnet ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, dass die für die Inertisierung wichtige Vorlaufzone (1) so ausgestaltet ist, dass eine
Mindestverweilzeit gewährleistet ist, welche bei Stückgutdurchlaufanlage 1 s und bei
Bahnanlagen 0,3 s beträgt.
6. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass alle Düsen (4, 5, 6 und 7) zur gleichmäßigen Gasverteilung mit porösen oder perforierten
Verteilerelementen definierten Differenzdruckes und einer Vorverteilungskammer ausgerüstet
sind.
7. Vorrichtung nach Anspruch 1 und 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschleierungsdüse (4) so angeordnet ist, dass sie im Winkel von 25° bis 60°
zur Vertikalen gegen die Bahnlaufrichtung wirkt.
8. Vorrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, dass die die Einlaufblende (3) bildenden Segmente in Gasflussrichtung und entgegen der
Produktlaufrichtung diffusorartig abgeschrägt sind.
9. Vorrichtung nach Anspruch 1 und 8, dadurch gekennzeichnet, dass die aus höhenverstellbaren Segmenten (12) gebildete Einlaufblende (3) mittels separarter
Höhenverstellung der Segmente (12) an die Produktbreite anpassbar ist.
10. Vorrichtung nach 1, dadurch gekennzeichnet, dass der die Höhe des Einlaufspaltes mittels der aus höhenverstellbaren Segmenten (12)
gebildeten Einlaufblende (3) geschwindigkeitsabhängig und an den Inertgasdurchsatz
angepasst nach dem Restsauerstoffgehalt geregelt wird.
11. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die aus höhenverstellbaren Segmenten (12) gebildete Auslaufbarriere (11 oder 15)
mittels separater Höhenverstellung der Segmente (12) an die Produktbreite anpassbar
ist.
12. Vorrichtung nach den vorhergehenden Ansprüchen, dadurch gekennzeichnet, dass bei Bahnanlagen der Bestrahlungskanal sowohl für reine UV-Härtung mit einer Quecksilber-Mitteldrucklampe
oder einer LED-Einheit als auch für die Excimer-VUV-Mattierung in einer Kombination
von Excimerlampe und Quecksilber-Mitteldrucklampe oder einer LED-Einheit um eine zylindrische
Walze (14), vorzugsweise um eine Kühlwalze, angeordnet ist, wobei die Walzenoberfläche
den Kanalboden und damit unter den UV-Lampen die Gegenblende bildet und der Kanal
gegen die Walze (14) dynamisch abgedichtet ist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Unterseiten der Einlaufblendensegmente mit einem weichen Dichtmaterial belegt
sind.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass das Dichtmaterial aus Filz oder einer speziellen geschlossenporigen Gummilippe. gebildet
wird.