Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Schwungrings und dessen
Verwendung, wobei in einem ersten Verfahrensschritt ein als Rohrabschnitt oder gewalzter
Ring ausgebildeter Rohling hergestellt wird.
Stand der Technik
[0002] Solche Verfahren zur Herstellung eines Schwungrings sind allgemein bekannt, wobei
der im ersten Verfahrensschritt hergestellte Rohling in einem zweiten Verfahrensschritt
spanabhebend auf das Fertigmaß des Schwungrings abgedreht wird.
Der Rohling kann dabei aus Stahl oder aus Gusseisen, beispielsweise Grauguss oder
Sphäroguss bestehen.
Nachteilig bei dem vorbekannten Verfahre ist, dass im zweiten Verfahrensschritt durch
die spanabhebende Verarbeitung des Rohlings eine unerwünscht große Menge an Materialabfall
entsteht.
[0003] Um durch eine spanabhebende Bearbeitung eines Rohlings zu einem Schwungring zu gelangen,
der das vorherbestimmte Gewicht und die vorherbestimmten Dimensionen aufweist, ist
es erforderlich, dass das Gewicht des Rohlings etwa 80 % bis 150 % über dem Fertiggewicht
des gebrauchsfertigen Schwungrings liegt. Das ist darauf zurück zu führen, dass der
Rohling für eine spanabhebende Herstellung des Schwungrings in allen Richtungen ein
Übermaß aufweisen muss, das normalerweise, abhängig von der Größe des Schwungrings,
mindestens 2 mm beträgt; keinesfalls darf der Rohling an irgendeiner Stelle Untermaß
aufweisen.
[0004] Bekannt ist auch das Ziehen des Rohlings aus einer Ronde, wobei auch dieses Verfahren
erheblichen Materialabfall verursacht, da zum Beispiel das Innenteil der Ronde prozessbedingt
ausgestanzt und dadurch Abfall wird.
Darstellung der Erfindung
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung eines Schwungrings
zu zeigen, bei dem zumindest der zweite Verfahrensschritt ohne Materialabfall durchgeführt
werden kann.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren gemäß Anspruch 1 gelöst. Auf
vorteilhafte Weiterbildungen des Verfahrens nehmen die Unteransprüche Bezug.
[0007] Zur Lösung der Aufgabe ist es vorgesehen, dass in einem zweiten Verfahrensschritt
der Rohling auf einer Rolliermaschine in die Endkontur des Schwungrings rolliert wird.
Hierbei ist von Vorteil, dass beim Rollieren des Rohlings in die Endkontur des Schwungrings
kein Materialabfall entsteht. Durch das Rollieren des Rohlings ist es nicht erforderlich,
dass der Rohling, bezogen auf die Endkontur des Schwungrings, allseitig ein Übermaß
aufweist. Beim Rollieren handelt es sich um eine spanlose Umformung, so dass der Rohling
ein Gewicht aufweist, das auch der gebrauchsfertige Schwungring aufweist. Durch das
Rollieren des Rohlings werden praktisch nur noch die Abmessungen des Rohlings verändert,
um die gewünschte Endkontur des Schwungrings zu erreichen. Eine spanabhebende Bearbeitung
des Rohlings im zweiten Verfahrensschritt erfolgt nur noch minimal.
Untermaße an einigen Stellen des Rohlings sind solange unproblematisch, solange Material
aus Bereichen mit Übermaß durch das Rollieren das Untermaß ausgleicht und dadurch
das Sollmaß der Endkontur des Schwungrings erreicht wird. Material aus Bereichen des
Rohlings mit Übermaß werden demnach in Bereiche des Rohlings transportiert, die Untermaß
aufweisen.
Der Materialbedarf zur Herstellung des Schwungrings ist dadurch minimal.
Im Anschluss an den zweiten Verfahrensschritt weist der Schwungring das gebrauchsfertige
Gewicht und die gebrauchsfertige Form auf.
Im ersten Verfahrensschritt wird ein Rohling hergestellt, dessen Gewicht im Wesentlichen
dem gebrauchsfertigen Schwungring entspricht. Unter "im Wesentlichen" sind in diesem
Fall die Gewichtstoleranzen des gebrauchsfertigen Schwungrings zu verstehen.
[0008] Im ersten Verfahrensschritt kann ein Rohling hergestellt werden, dessen Abmessungen
im Wesentlichen dem gebrauchsfertigen Schwungring entsprechen. Unter "im Wesentlichen"
ist hier zu verstehen, dass das Material, aus dem der Rohling besteht, im zweiten
Verfahrensschritt ausschließlich durch rollieren derart spanlos umgeformt wird, dass
der gebrauchsfertige Schwungring entsteht.
[0009] Der Rohling wird im ersten Verfahrensschritt bevorzugt spanlos hergestellt, so dass
auch während der Herstellung des Rohlings im ersten Verfahrensschritt praktisch kein
Materialabfall entsteht.
[0010] Dazu kann der Rohling durch einen Rohabschnitt gebildet sein, der zum Beispiel durch
Laserschneiden von einem Rohr abgelängt wird. Im Gegensatz zu einem Absägen des Rohrabschnitts
vom Rohr, bei dem Sägespäne und damit Materialabfall entstehen, entsteht beim Laserschneiden
nur minimaler Materialabfall.
[0011] Gelangt ein gewalzter Ring für den Rohling zur Anwendung, ist dieser spanlos umgeformt,
so dass auch hier Materialabfall vermieden wird.
[0012] Es ist von hervorzuhebendem Vorteil, dass durch die Vermeidung von Materialabfall
Rohstoffe und damit Kosten eingespart werden können. Der durch das erfindungsgemäße
Verfahren hergestellte Schwungring ist umweltschonend, einfach und kostengünstig herstellbar.
[0013] Im zweiten Verfahrensschritt kann außenumfangsseitig in den Rohling eine Riemenlauffläche
einrolliert werden. Derart gestaltet Schwungringe können beispielsweise als Riemenscheibe
verwendet werden. Die Geometrie der Riemenlauffläche ist an den Riemen, der Verwendungen
finden soll, angepasst. Beispielsweise besteht die Möglichkeit, eine Riemenlauffläche
für die Anwendung eines Poly-V-Riemens zu rollieren.
Im zweiten Verfahrensschritt wird der Rohling spanlos zum gebrauchsfertigen Schwungring
umgeformt, wobei die Riemenlauffläche im gleichen Verfahrensschritt, ebenfalls durch
Rollieren, erzeugt wird.
[0014] Die Riemenlauffläche, die im zweiten Verfahrensschritt aussenumfangsseitig in den
Rohling einrolliert wird, kann aus mehreren umlaufenden und V-förmigen Bahnen bestehen.
[0015] In einem dritten Verfahrensschritt kann ein während des zweiten Verfahrensschritts
herstellungsbedingt am Schwungring entstandener Materialauslauf vom Schwungring entfernt
werden. Ein Materialauslauf kann durch die spanlose Umformung des Rohlings zum Schwungring
entstehen, wobei gegebenenfalls ein solcher Materialauslauf im dritten Verfahrensschritt
entfernt wird, um unerwünschte Unwuchten des Schwungrings während seiner bestimmungsgemäßen
Verwendung zu verhindern.
[0016] Im dritten Verfahrensschritt kann der minimale Materialauslauf gegebenenfalls durch
Laserschneiden vom Schwungring entfernt werden. Wie bereits zuvor ausgeführt, wird
durch die Abtrennung des Materialauslaufs vom Schwungring durch Laserschneiden praktisch
kein Materialabfall erzeugt.
[0017] Davon abweichend kann im dritten Verfahrensschritt statt des Laserschneidens ein
spanabhebendes Verfahren zur Abtrennung des minimalen Materialauslaufs vom Schwungring
zur Anwendung gelangen.
[0018] Das Gewicht des Materialauslaufs, der vom Schwungring entfernt wird, ist bezogen
auf das Gewicht des gebrauchsfertigen Schwungrings vernachlässigbar gering und beträgt
üblicherweise nicht mehr als 5 % bis 10 % des Fertiggewichts des Schwungrings.
[0019] Verwendung finden kann ein Schwungring, hergestellt durch das zuvor beschriebene
Verfahren, in einem Drehschwingungsdämpfer. Drehschwingungsdämpfer gelangen zum Beispiel
zusammen mit Verbrennungskraftmaschinen zur Anwendung, wobei durch die Drehschwingungsdämpfer
Drehungleichförmigkeiten der Kurbelwelle, die durch die Zündfolge der Verbrennungskraftmaschine
entstehen, gedämpft werden können.
Kurzbeschreibung der Zeichnung
[0020] Das erfindungsgemäße Verfahren wird nachfolgend anhand der Figuren 1 bis 3 näher
beschrieben.
Diese zeigen jeweils in schematischer Darstellung:
- Fig. 1
- den ersten Verfahrensschritt zur Herstellung des Rohlings,
- Fig. 2
- den zweiten Verfahrensschritt, bei dem der Rohling in die Endkontur des Schwungrings
rolliert wird und
- Fig. 3
- den dritten Verfahrensschritt, der dann zur Anwendung gelangen kann, wenn während
des zweiten Verfahrensschritts ein Materialauslauf am Schwungring entsteht, der entfernt
werden soll.
Ausführung der Erfindung
[0021] Alle drei Verfahrensschritte können in einer einzigen Maschine nacheinander durchgeführt
werden.
[0022] In Figur 1 ist der zur Durchführung des zweiten Verfahrensschritts erforderliche
Rohling 4 gezeigt. Der Rohling 4 ist als Rohrabschnitt 2 oder gewalzter Ring 3 ausgebildet
und besteht aus einem metallischen Werkstoff.
Ausgehend von einem Rohr, kann der Rohrabschnitt 2 durch Laserschneiden vom Rohr getrennt
werden.
[0023] Das Gewicht des Rohlings 4 entspricht im Wesentlichen dem Gewicht des gebrauchsfertigen
Schwungrings 1, ebenso, wie die Abmessungen des Rohlings 4 im Wesentlichen den Abmessungen
des gebrauchsfertigen Schwungrings 1 entsprechen.
[0024] In Fig. 2 ist der zweite Verfahrensschritt dargestellt.
[0025] Der im ersten Verfahrensschritt hergestellte Rohling 4 wird auf einer Rolliermaschine
5 in die Endkontur des Schwungrings 1 rolliert. Durch das Rollieren wird der Rohling
4 spanlos zum Schwungring 1 umgeformt. Über- oder Untermaße des Rohlings 4, bezogen
auf den gebrauchsfertigen Schwungring 1, werden durch eine entsprechende Verformung
des Rohlings 4 ausgeglichen. Werkstoff aus den Teilbereichen des Rohlings 4, die ein
relatives Übermaß zum gebrauchsfertigen Schwungring 1 aufweisen, werden in die Bereiche
des Rohlings 4 verlagert, die ein relatives Untermaß zum gebrauchsfertigen Schwungring
1 aufweisen.
Durch das Rollieren entsteht im zweiten Verfahrensschritt kein Materialabfall, im
Gegensatz zur Herstellung eines Schwungrings nach dem Stand der Technik, bei dem ein
Schwungring durch das spanabhebende Fertigungsverfahren "Drehen" aus dem Rohrabschnitt
entsteht.
[0026] Der hier dargestellte Schwungring 1 ist außenumfangsseitig mit einer Riemenlauffläche
6 versehen, zur Aufnahme eines Poly "V"-Riemens. Die Riemenlauffläche wird im zweiten
Verfahrensschritt durch Rollieren erzeugt.
[0027] In Fig. 3 ist ein dritter Verfahrensschritt gezeigt, der dann zur Anwendung gelangen
kann, wenn während des zweiten Verfahrensschritts herstellungsbedingt am Schwungring
1 ein Materialauslauf 7 entsteht, der vom Schwungring 1 entfernt werden soll. Die
Entfernung des Materialauslaufs 7 vom Schwungring 1 erfolgt im gezeigten dritten Verfahrensschritt
durch Laserschneiden, ebenfalls also durch ein Verfahren, bei dem kein Materialabfall
entsteht.
[0028] Der Schwungring 1, der durch das zuvor beschriebene Verfahren und die genannten Verfahrensschritte
hergestellt worden ist, kann zum Beispiel in einem Drehschwingungsdämpfer für eine
Verbrennungskraftmaschine in einem Kraftfahrzeug zur Anwendung gelangen.
1. Verfahren zur Herstellung eines Schwungrings (1), wobei in einem ersten Verfahrensschritt
ein als Rohrabschnitt (2) oder gewalzter Ring (3) ausgebildeter Rohling (4) hergestellt
wird, dadurch gekennzeichnet, dass in einem zweiten Verfahrensschritt der Rohling (4) auf einer Rolliermaschine (5)
in die Endkontur des Schwungrings (1) rolliert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im ersten Verfahrensschritt ein Rohling (4) hergestellt wird, dessen Gewicht im Wesentlichen
dem gebrauchsfertigen Schwungring (1) entspricht.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass im ersten Verfahrensschritt ein Rohling (4) hergestellt wird, dessen Abmessungen
im Wesentlichen dem gebrauchsfertigen Schwungring (1) entsprechen.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling (4) im ersten Verfahrensschritt spanlos hergestellt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass im zweiten Verfahrensschritt aussenumfangsseitig in den Rohling (4) eine Riemenlauffläche
(6) einrolliert wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass in einem dritten Verfahrensschritt ein während des zweiten Verfahrensschritts herstellungsbedingt
am Schwungring (1) entstandener Materialauslauf (7) vom Schwungring (1) entfernt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass im dritten Verfahrensschritt der Materialauslauf (7) durch Laserschneiden vom Schwungring
(1) entfernt wird.
8. Verwendung eines Schwungrings (1), hergestellt durch ein Verfahren nach einem der
Ansprüche 1 bis 7, in einem Drehschwingungsdämpfer.