Gebiet der Erfindung
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Garen eines Garguts, insbesondere mittels
Dampf, sowie ein entsprechend ausgestaltetes Gargerät.
Hintergrund
[0002] EP 723115 A2 beschreibt ein Verfahren zum Garen von Fleisch, bei welchem in einer Garguttemperatur-Regelphase
der Garraum mit Heissluft derart erwärmt wird, dass die Garguttemperatur einem zeitabhängigen
Garguttemeperatur-Sollwertverlauf folgt. Auf diese Weise kann zu einem gewünschten
Zeitpunkt eine bestimmte Garguttempera-, tur (Kerntemperatur) erreicht werden. Es
zeigt sich jedoch, dass es relativ lange braucht, bis Gargut auf diese Weise gegart
ist, da zur Vermeidung von lokalen Überhitzungen an der Fleischoberfläche die Rampe
des Garguttemeperatur-Sollwertverlaufs nicht zu steil gewählt werden darf.
[0003] EP 2537418 A1 beschreibt ein Verfahren, um Gargut, wie z.B. Fleisch, in einem Gargerät unter Dampf
zu garen, wobei das Gargut in einem Beutel eingeschlossen wird. Der Garraum wird mit
Dampf geheizt, wobei eine Garguttemperatur mit einer Garguttemperatur-Messsonde gemessen
und über einen Regelkreis auf einer ansteigenden Rampe geregelt wird, bis sie eine
End-Garguttemperatur erreicht. Gleichzeitig wird überwacht, dass die Garraumtemperatur
eine Grenze nicht überschreitet. Anschliessend erfolgt eine optionale Hochtemperaturphase
bei erhöhter Temperatur. Durch dieses Verfahren kann das Gargut schnell und schonend
gegart werden.
[0004] Obwohl das Garen mittels Dampf als schonend anerkannt ist, bedeutet die Verwendung
eines Beutels zum Einschluss des Garguts eine Einschränkung in der Benutzerfreundlichkeit
des Ofens. Es besteht daher eine Aufgabe, schonende Dampfgarverfahren zu entwickeln,
die nicht auf das Einschliessen des Garguts in einem Beutel angewiesen sind und dennoch
eine schonende Garung des Garguts erlauben.
Darstellung der Erfindung
[0005] Gemäss der vorliegenden Erfindung wird in einem Verfahren zum Betreiben eines Ofens
das Gargut in den Garraum eingebracht und die Garraumtemperatur im Garraum derart
gesteuert, dass die Garguttemperatur einem zeitabhängigen Garguttemperatur-Sollwertverlauf
folgt, wobei der Garguttemperatur-Sollwertverlauf mindestens einen ersten und einen
zweiten, dem ersten Bereich folgenden Bereich aufweist und im ersten Bereich eine
grössere Steigung aufweist als im zweiten Bereich.
[0006] Dabei wird der Garraum bevorzugterweise durch das dosierte Einbringen von Dampf erwärmt
(gegebenenfalls unter Zuhilfenahme weiterer Heizmittel), wodurch ein effizienter Wärmeeintrag
in das Gargut ermöglicht wird, ohne dass die Garraumtemperatur sehr hoch sein muss.
[0007] In einer weiteren bevorzugten Variante des Verfahrens wird das Gargut ohne eine dampfisolierende
Hülle im Garraum erhitzt.
[0008] Vorzugsweise wird der Garguttemperatur-Sollwertverlauf derart ausgelegt, dass er
über die Zeit bis zu der End-Garguttemperatur ansteigt, so dass am Schluss der Garguttemperatur-Regelphase
die gewünschte Kerntemperatur erreicht wird. In einer bevorzugten Variante der Erfindung
ist der Sollwertverlauf daher eine Annäherung an einen exponentiellen Verlauf der
Garguttemperatur mit einem steilen Temperaturanstieg im ersten Bereich und einer flachen
Anschmiegung an die End-Garguttemperatur im zweiten Bereich. In einer besonders bevorzugten
Variante der Erfindung ist der Garguttemperatur-Sollwertverlauf daher im ersten und
zweiten Bereich monoton steigend, insbesondere streng monoton steigend, beispielsweise
linear steigend, wobei sich der zweite Bereich zeitlich unmittelbar an den ersten
Bereich anschliesst. Ein Übergang zwischen dem ersten und dem zweiten Bereich kann
dabei in einem Garguttemperaturbereich zwischen 10°C und 30°C unterhalb der End-Garguttemperatur
liegen.
[0009] Die Gardauer oder die Endzeit, zu welcher die Speisen fertig sein sollen, kann vorgegeben
werden. Vorzugsweise liegt die maximale Gardauer bei unter 3h, was einer deutlich
kürzeren Dauer als beim üblichen Zartgaren mit Dampf entspricht.
[0010] Bevorzugterweise geht dem ersten und zweiten Bereich mit dem zeitabhängigen Garguttemperatur-Sollwertverlauf
eine Vorheizphase voraus. Die Vorheizphase bringt das Gargut von einer beliebigen
Anfangstemperatur auf eine vorprogrammierte Garguttemperatur. Diese liegt bevorzugt
in einem Bereich von 20°C bis 30°C, besonders bevorzugt in einem Bereich von 23°C
bis 27°C. Somit wird das Gargut trotz beliebiger Anfangstemperatur, welche beispielsweise
zwischen Kühltemperaturen und Zimmertemperaturen schwanken kann, auf eine genau bestimmte
Temperatur gebracht, bevor der ersten Bereich des zeitabhängigen Garguttemperatur-Sollwertverlauf
beginnt.
[0011] Vorteilhaft sollte dabei darauf geachtet werden, dass die Garraumtemperatur nie allzu
hoch ansteigt. Dies kann in einer bevorzugten Ausführung erreicht werden, indem die
Garraumtemperatur derart gesteuert wird, dass sie die End-Garguttemperatur um höchstens
30°, insbesondere höchstens 15°, oder sogar insbesondere höchstens 10°, übersteigt.
Alternativ oder zusätzlich kann die Garraumtemperatur so gesteuert werden, dass sie
eine vorgegebene feste Grenztemperatur nicht übersteigt, wobei die feste Grenztemperatur
ein Wert kleiner 105°C ist. Während der Vorheizphase ist die Garraumtemperatur bevorzugterweise
auf einen Bereich zwischen 60°C und 80°C begrenzt.
[0012] Wird die entsprechende Grenztemperatur erreicht, so wird gegebenenfalls vom Garguttemperatur-Sollwertverlauf
nach unten abgewichen, um sicherzustellen, dass die Garraumtemperatur nicht weiter
ansteigt.
[0013] Die Erfindung ist besonders geeignet zum Garen von Fleisch (wobei Fisch in diesem
Zusammenhang auch unter den Begriff Fleisch fallen soll), da dort der Garprozess nach
Erreichen der gewünschten Kerntemperatur abgeschlossen werden kann. In diesem Fall
wird die End-Garguttemperatur entsprechend der allgemein bekannten vorteilhaften Kerntemperatur
der jeweiligen Fleischsorte gewählt. Das Verfahren kann jedoch auch für anderes Gargut,
z.B. Gemüse, eingesetzt werden.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0014] Weitere Ausgestaltungen, Vorteile und Anwendungen der Erfindung ergeben sich aus
den abhängigen Ansprüchen und aus der nun folgenden Beschreibung anhand der Figuren.
Dabei zeigen:
Fig. 1 die wichtigsten Komponenten eines Gargeräts und
Fig. 2 den qualitativen Verlauf der Garguttemperatur TGG, der Garraumtemperatur TGR
und des Garguttemperatur-Sollwerts TGGS.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0015] Das Gargerät gemäss Fig. 1 besitzt einen Garraum 1 zur Aufnahme des Garguts 2, z.B.
auf einem Blech oder Gitter 3. Das Gerät besitzt weiter eine Steuerung 4 und einen
Dampfgenerator 5. Der Dampfgenerator 5 dient zum Erhitzen des Garraums 1 mit Dampf.
Der Dampfgenerator 5 kann beispielsweise mittels zusätzlich Heissluft überhitzten
Dampf bei einer Temperatur oberhalb 100°C erzeugen.
[0016] Es können noch andere Mittel zum Heizen des Garraums vorhanden sein, z.B. resistive
Heizungen. Beim Gargerät handelt es sich vorzugsweise um einen Backofen mit Dampfgarfunktion,
es kann sich aber z.B. auch um ein reines Dampfgargerät handeln.
[0017] Die Steuerung 4 umfasst u.a. Mittel 6 zum Erzeugen eines Garguttemperatur-Sollwertverlaufs,
d.h. eines zeitabhängigen Sollwerts TGGS der Garguttemperatur TGG. Dabei kann es sich
z.B. um einen Speicher und Rechenmittel handeln, die in bekannter Weise einen solchen
Verlauf erzeugen. Vorzugsweise ist das Mittel 6 so ausgelegt, dass der Garguttemperatur-Sollwertverlauf
TGGS einen ersten Bereich und einen darauf folgenden zweiten Bereich aufweist, wobei
in einer Garguttemperatur-Regelphase des Geräts von einem Startwert zunächst ansteigt
und monoton, insbesondere streng monoton, bis zu einer Zwischentemperatur, die beispielsweise
25°C unter einer End-Garguttemperatur TGGE liegt, ansteigt und dann mit einer flacheren
Steigung, jedoch immer noch monoton, insbesondere streng monoton, ansteigend bis zu
der End-Garguttemperatur TGGE verläuft. Die Steigungen des ersten und zweiten Bereichs
sind dabei so eingestellt, dass die End-Garguttemperatur TGGE innerhalb einer Zeit
erreicht wird, die vom Benutzer über eine Eingabeeinheit(nicht dargestellt) des Ofens
eingestellt wird. Diese Zeit kann 3h oder weniger betragen.
[0018] Weiter umfasst die Steuerung 4 einen ersten Regler 7 und einen zweiten Regler 8,
welche jeweils einen Istwert mit einem Sollwert vergleichen und eine Steuergrösse
so erzeugen, dass sich der Istwert dem Sollwert angleicht.
[0019] Der erste Regler 7 ist mit einer Garguttemperatur-Messsonde 9 verbunden. Diese misst
die Garguttemperatur TGG ungefähr im Zentrum des Garguts 2, d.h. die sogenannte Kerntemperatur.
Als Sollwert wird dem ersten Regler 7 der Sollwert TGGS der Garguttemperatur vom Mittel
6 zugeführt. Der Regler 7 vergleicht die Garguttemperatur TGG und deren Sollwert TGGS
und erzeugt daraus einen Garraumtemperatur-Sollwert TGRS, welcher so gewählt wird,
dass die Garguttemperatur TGG sich zu deren Sollwert TGGS hin entwickelt.
[0020] Der zweite Regler 8 ist mit einer Garraumtemperatur-Messonde 10 verbunden. Diese
misst die Garraumtemperatur TGR. Der zweite Regler empfängt den Sollwert TGGS vom
ersten Regler, vergleicht diesen mit der aktuellen Garraumtemperatur TGR und erzeugt
daraus ein Steuersignal für den Dampfgenerator 5. Dieses Steuersignal steuert die
Dampferzeugung und ist so gewählt, dass die Garraumtemperatur TGR sich zu deren Sollwert
TGRS hin entwickelt. Wird das Gerät aufgrund einer vorgegebenen Garraumtemperatur
TGR gesteuert, z.B. während der in weiteren beschriebenen Vorheizphasen, so bedarf
es nur dieses Teils der Steuerung.
[0021] Die Regler 7 und/oder 8 oder generell die Steuerung 4 sind dabei vorteilhaft so ausgestaltet,
dass die Garraumtemperatur TGR eine Grenztemperatur TLIM von 105°C nicht überschreitet.
Auf diese Weise kann eine thermische Beeinträchtigung der Gargutoberfläche vermieden
werden.
[0022] Im Folgenden wird das mit dem soweit beschriebenen Gargerät durchführbare Garverfahren
beschrieben. Dabei ist zu betonen, dass das beschriebene Garverfahren nur einem von
mehreren möglichen Betriebsmodi des Gargeräts entspricht. In der Regel wird das Gargerät
in der Lage sein, Speisen auch mit anderen, konventionellen Verfahren zu garen.
[0023] In dem hier beschriebenen Betriebsmodus wird zunächst die Garguttemperatur-Messsonde
9 in das Gargut 2 eingeführt. In der in Fig. 1 gezeigten Ausführung wurde die Messsonde
9 direkt in das Gargut 2 gestochen. Eine dampfisolierende Hülle, welche das Gargut
vor dem Heizdampf im Garraum schützt und wie sie beispielsweise in
EP 2537418 A1 beschrieben ist, wird dabei nicht gebraucht.
[0024] Das mit der Messsonde 9 versehene Gargut 2 wird sodann in den Garraum 1 eingebracht
und das Garprogramm wird gestartet. Die folgenden Schritte dieses Garprogramms laufen
automatisch unter Kontrolle der Steuerung 4 ab. Der Verlauf der Garguttemperatur TGG,
des Garguttemperatur-Sollwerts TGGS und der Garraumtemperatur TGR im Verlauf des Garprogramms
sind in Fig. 2 dargestellt. Dabei ist die Garguttemperatur TGG als gepunktete Line
der durchgehend gezeichneten Linie des Garguttemperatur-Sollwerts TGGS überlagert
dargestellt. Die oberen Linien in FIG. 2 stellen die Garraumtemperatur unter zwei
unterschiedlichen Verläufen TGR(1), TGR(2) dar.
[0025] Zunächst wird der Dampfgenerator 5 aktiviert, so dass die Garraumtemperatur TGR anzusteigen
beginnt. (Optional kann der Garraum zusätzlich auch noch z.B. über eine Widerstandsheizung
oder ein anderes geeignetes Heizmittel erwärmt werden.) Das in FIG. 2 dargestellte
Garprogramm startet zu einer Zeit t0, bei der die Garraumtemperatur 60°C beträgt.
[0026] In einer optionalen ersten (Vor-)Heizphase, die dazu dient, das Gargut sanft zu temperieren
und Unterschiede in Anfangstemperaturen auszugleichen, wird das Gargut unter Messung
der Garguttemperatur angewärmt. Diese Phase endet zu einer Zeit t1, wenn das Gargut
eine wählbare, vorprogrammierte Garguttemperatur, beispielsweise 20°C, aufweist.
[0027] In einer weiteren zweiten optionalen Phase, die sich an die erste Phase anschliesst,
wird das Garen für grössere Gargutstücke beschleunigt. Der Grad der Beschleunigung
kann dabei aus dem Verlauf der Garguttemperatur TGG in der ersten Phase gewonnen werden.
[0028] So kann zum Beispiel die Garraumtemperatur in der zweiten Phase aus der Dauer der
ersten Phase abgeleitet werden, indem bei einer Dauer nicht länger als eine vorgegebene
Dauer t1 ist, eine erste Garrraumtemperatur TGR(1) gewählt werden. In dem Beispiel
ist diese Temperatur die Anfangstemperatur von 60°C. Ist die Dauer länger als die
vorgegebene Dauer t1, so kann eine zweite Garrraumtemperatur TGR(2)gewählt werden.
In dem Beispiel beträgt diese Temperatur wie in FIG. 2 gezeigt (nach dem Aufheizen)
konstant 70°C, um die Aufheizung des Garguts zu beschleunigen.
[0029] Ist nach dem Erreichen einer vorgewählten maximalen Dauer tmax der ersten Phase die
gewünschte Garguttemperatur noch immer nicht erreicht, kann die erste Phase abgebrochen
werden, und die sich anschliessende zweite Phase mit einer vorgegebenen Temperatur,
welche noch höher ist, beispielsweise 80°C, eingeleitet werden. Dieser Verkauf ist
in FIG. 2 nicht dargestellt.
[0030] In einem alternativen Ausführungsbeispiel können die drei Temperatureinstellungen
von 60°C, 70°C bzw. 80°C für die zweite Phase auch aus der Steigung der Garguttemperatur
während der ersten Heizphase abgeleitet werden.
[0031] In der optionalen zweiten Heizphase wird das Gargut also mit der gewählten Garraumtemperatur
von 60°C, 70°C oder 80°C bis auf eine (zweite) wählbare Garguttemperatur, beispielsweise
25°C, aufgeheizt. Wenn diese Temperatur nach einer vorgegebenen Zeit t2 nicht erreicht
wird, kann der Garvorgang mit Ausgabe einer Fehlermeldung an den Benutzer abgebrochen
werden.
[0032] Während dieser ersten zwei Heizphasen ist der Temperaturanstieg durch die Garraumtemperatur
bestimmt. Die sich an diese beiden optionalen Vorheizphasen anschliessende Heizphase
wird durch die Vorgabe eines Garguttemperatur-Sollwertverlaufs TGGS, d.h. eines zeitabhängigen
Sollwerts TGGS der Garguttemperatur TGG, gesteuert. Im Prinzip können einzelne Vorheizphasen
durch einen vorgegeben TGGS-Verlauf gesteuert werden, jedoch kann eine solche Steuerung
die Garraumtemperatur TGR höher als erwünscht ansteigen.
[0033] Der Sollwert TGGS beschreibt in der Heizphase wie in FIG. 2 gezeigt zunächst einen
Bereich mit steil ansteigenden Sollwerten, gefolgt von einem flacheren Bereich, der
mit dem Erreichen der End-Garguttemperatur TGGE endet. Der in FIG. 2 gezeigte Garguttemperatur-Sollwertverlaufs
kann als exponentialler Verlauf der Art TGGE*(1-exp(-kt)) mit k als einer Zeitkonstanten,
die von der gewünschten Garzeit abhängt, betrachtet werden, welche mittels zweier
linearer Teilstücke angenähert ist. Dadurch das die Kurve zunächst stärker ansteigt,
lässt sich zum einen vermeiden, dass die Garraumtemperatur TGR zum Ende der Heizphase
einen zu hohen Wert annimmt. Zum anderen lässt sich ein Überschwingen der Garguttemperatur,
insbesondere bei kleinen Gargutstücken, besser vermeiden als bei einem einfachen linearen
Verlauf, wie er beispielsweise in
EP 2537418 A1 beschrieben ist.
[0034] Die Steigung im ersten, steileren Bereich der Garguttemperatur-Sollwertverlaufs kann
so gewählt werden, dass es den maximalen Wärmeeintrag in den Kern des Garguts zulässt,
ohne die Qualität des Endproduktes des Garvorgangs zu beinträchtigen. Für Fleisch
ist diese Steigung im Bereich von etwa 0.7°C/min bis 1.5°C/min, insbesondere zwischen
1.1°C/min bis 1.3°C/min.
[0035] Der zweite Abschnitt beginnt zu einer Zeit t3a, wenn die Garguttemperatur bis auf
eine definierte Temperaturdifferenz ΔT an die End-Garguttemperatur TGGE gestiegen
ist. Diese Differenz ΔT kann z.B. aus einem Bereich zwischen 10°C und 30°C oder 15°C
und 30°C unterhalb der End-Garguttemperatur gewählt werden, vorzugsweise aus einem
Bereich zwischen 23°C und 27°C unterhalb der End-Garguttemperatur.
[0036] Die Steigung des zweiten Abschnittes kann dann durch das Verhältnis aus der Temperatur
ΔT und der verbleibenden Garzeit t3b - t3a bestimmt werden.
[0037] Während dieses zweiten Bereichs wird das Gargut möglichst ohne Überschwingen der
Garguttemperatur und in der Nähe der End-Garguttemperatur TGGE möglichst flach an
diese herangeführt. Damit wird das Nachgaren des Garguts nach Beendigung des Garvorgangs
begrenzt.
[0038] Wie in FIG. 2 gezeigt, sorgt eine Schutzbedingung während der gesamten Phase dafür,
dass die Temperatur des Garraums auf eine maximale Temperatur TLIM von 105 °C begrenzt
bleibt. Diese Temperatur kann durch den Gebrauch von überhitztem Dampf erreicht und
sogar überschritten werden.
[0039] Das beschriebene Verfahren eignet sich, wie eingangs erwähnt, besonders für Fleisch.
Das Verfahren kann jedoch z.B. auch für Gemüse eingesetzt werden. In diesem Falle
sollte die Garguttemperatur am Schluss der Garguttemperatur-Regelphase eine gewisse
Zeit auf der gewünschten End-Garguttemperatur TGGE gehalten werden.
[0040] Das Gargut kann vom Benutzer noch scharf angebraten werden, beispielsweise in einer
Pfanne, wenn eine deutliche Krustenbildung gewünscht ist.
[0041] Während in der vorliegenden Anmeldung bevorzugte Ausführungen der Erfindung beschrieben
sind, ist klar darauf hinzuweisen, dass die Erfindung nicht auf diese beschränkt ist
und in auch anderer Weise innerhalb des Umfangs der folgenden Ansprüche ausgeführt
werden kann.
1. Verfahren zum Garen eines Garguts (2) in einem Gargerät mit einem Garraum (1) während
einer Gardauer, bei welchem eine Garguttemperatur (TGG) gemessen wird und wobei mindestens
während einer Garguttemperatur-Regelphase der Gardauer eine Garraumtemperatur (TGR)
im Garraum ausserhalb des Garguts (2) derart gesteuert wird, dass die Garguttemperatur
(TGG) einem zeitabhängigen Garguttemperatur-Sollwertverlauf (TGGS) folgt, dadurch gekennzeichnet, dass das Gargut (2) in den Garraum (1) eingebracht wird und der Garguttemperatur-Sollwertverlauf
(TGGS) mindestens zwei Bereiche mit unterschiedlicher Steigung aufweist, wobei der
zweite, auf den ersten folgende Bereich eine geringere Steigung aufweist als der erste
Bereich.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Garraum (1) zumindest teilweise durch Heizdampf erwärmt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Gargut (2) ohne dampfisolierende Hülle im Garraum erwärmt wird.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüchen, wobei der Garguttemperatur-Sollwertverlauf
(TGGS) derart ausgelegt wird, dass die Temperaturen des ersten und des zweiten Bereichs
monoton bis zu einer End-Garguttemperatur (TGGE) ansteigen.
5. Verfahren nach Anspruch 4, wobei der erste und der zweiten Bereich linear verlaufen
und der erste Bereich bei einer Temperatur, welche aus einem Bereich zwischen 10°C
und 30°C unterhalb der End-Garguttemperatur (TGGE) gewählt ist, in den zweiten Bereich
übergeht.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Steigung während des ersten
Bereichs zumindest im Mittel zwischen 0.7°C/min und 1.5°C/min beträgt.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Steigung während des zweiten
Bereichs aus der Temperaturdifferenz zwischen der Garguttemperatur am Ende des ersten
Bereichs und der End-Garguttemperatur (TGGE)und einer Restgardauer am Ende des ersten
Bereichs bestimmt wird.
8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei dem Garguttemperatur-Sollwertverlauf
(TGGS) mit den mindestens zwei Bereichen eine Vorheizphase vorangeht, die das Gargut
(2) auf eine festgelegte Temperatur zu Beginn des ersten Bereichs bringt.
9. Verfahren nach Anspruch 8, wobei die Garraumtemperatur (TGR) während der Vorheizphase
auf einen Bereich von 60°C bis 80°C begrenzt ist.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, wobei während der Vorheizphase die Garguttemperatur
(TGG) gemessen wird und aus dem Verlauf der Garguttemperatur Parameter zum Einstellen
nachfolgender Garraumtemperaturen (TGR(1), TGR(2))abgeleitet werden.
11. Gargerät geeignet zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der vorangehenden Ansprüche
mit einem Garraum (1) zur Aufnahme des Garguts (2),
einer Garguttemperatur-Messsonde (9) zum Messen der Garguttemperatur (TGG) des Garguts
(2), und
einer Steuerung (4), welche dazu ausgestaltet ist, in der Garguttemperatur-Regelphase
die Garraumtemperatur (TGR) in den Garraum (1) derart zu steuern, dass die Garguttemperatur
(TGG) des Garguts (2) einem zeitabhängigen Garguttemperatur-Sollwertverlauf (TGGS)
folgt und dass der Garguttemperatur-Sollwertverlauf (TGGS) mindestens zwei Bereiche
mit unterschiedlicher Steigung aufweist, wobei der zweite, auf den ersten folgende
Bereich eine geringere Steigung aufweist als der erste Bereich.
12. Gargerät nach Anspruch 11 mit einem Dampfgenerator (5) zum Heizen des Garraums (1)
mit Dampf.
13. Gargerät nach Anspruch 11 oder 12, wobei die Garguttemperatur-Messsonde (9) zum Messen
der Garguttemperatur (TGG) des Garguts (2) ohne dampfisolierende Hülle ausgebildet
ist.
14. Gargerät nach einem der Ansprüche 11 bis 13, wobei die Steuerung so ausgestaltet ist,
dass die Steigung des Garguttemperatur-Sollwertverlauf (TGGS) während des ersten Bereiches
zumindest im Mittel zwischen 0.7°C/min und 1.5°C/min beträgt.
15. Gargerät nach einem der Ansprüche 11 bis 14, wobei die Steuerung (4) dazu ausgestaltet
ist, die Steigung während des zweiten Bereichs aus der Temperaturdifferenz zwischen
der Garguttemperatur am Ende des ersten Bereichs und der End-Garguttemperatur (TGGE)und
einer Restgardauer am Ende des ersten Bereichs zu bestimmen.
16. Gargerät nach einem der Ansprüche 11 bis 15, wobei die Steuerung (4) dazu ausgestaltet
ist, während einer Heizphase, die der Garguttemperatur-Regelphase mit dem mindestens
ersten und zweiten Bereich vorangeht, die Garguttemperatur (TGG) zu messen und aus
dem Verlauf der Garguttemperatur Parameter zum Einstellen nachfolgender Garraumtemperaturen
(TGR) zu bestimmen.