[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren insbesondere zur Bestimmung des Zustandes des
Abstichs eines metallurgischen Gefässes nach dem Oberbegriff des Anspruches 1.
[0002] Es existieren Berechnungsmethoden für die Auslegung der feuerfesten Auskleidung des
Abstichs sowie des Gefässes insbesondere von metallurgischen Schmelzgefässen, bei
denen ermittelte Daten bzw. Erfahrungswerte in mathematische Modelle überführt werden.
Da mit diesen mathematischen Modellen die effektiven Verschleissmechanismen bei den
Einsätzen der metallurgischen Gefässen nicht hinreichend genau erfasst bzw. berücksichtigt
werden können, sind die Möglichkeiten für ein rechnerisches Bestimmen des Zustandes
der Feuerfestzustellungen und des Abstichs sowie der Pflegearbeiten der Auskleidung
sehr beschränkt, d.h. dass die Entscheidungen über die Einsatzdauer der Feuerfestauskleidung
eines Gefässes bzw. dessen Abstich, zum Beispiel eines Konverters, nach wie vor manuell
getroffen werden müssen.
[0003] Bei einem Verfahren gemäss der Druckschrift
WO-A-03/081157 zum Messen der Reststärke der feuerfesten Auskleidung im Wand-und/oder Bodenbereich
eines metallurgischen Gefässes, z. B. eines Lichtbogenofens, werden die ermittelten
Messdaten für das nachfolgende Sanieren der festgestellten Verschleissbereiche verwendet.
Die Messeinheit wird dabei an einem zum Sanieren der Auskleidung dienenden Manipulator
in eine Messposition über oder innerhalb des metallurgischen Gefässes gebracht und
es wird dann die Reststärke der Auskleidung in deren Wand- und/oder Bodenbereich gemessen.
Aus einem Vergleich mit einem am Anfang der Ofenreise gemessenen Istprofil der Auskleidung
wird deren Verschleiss ermittelt, aus denen dann die feuerfeste Auskleidung saniert
werden kann. Mit diesem Verfahren ist aber auch keine umfassende Ermittlung der Gefässauskleidung
möglich.
[0004] Gemäss der Druckschrift
WO-A-2007/107242 ist ein Verfahren zur Bestimmung der Wandstärke oder des Verschleisses der Auskleidung
eines metallurgischen Schmelzgefässes mit einem Scannersystem zur berührungslosen
Erfassung der Auskleidungsfläche mit Ermittlung der Position und Orientierung des
Scannersystems und Zuordnung zu der Position des Schmelzgefässes durch die Erfassung
von raumfesten Referenzpunkten geoffenbart. Es wird dabei ein lotrechtes Bezugssystem
verwendet und die Neigungen von zwei Achsen bezüglich einer waagrechten Ebene werden
mittels Neigungssensoren gemessen. Die Messdaten des Scanners können in ein lotrechtes
Koordinatensystem transformiert und es ist damit ein automatisiertes Messen des jeweiligen
Istzustandes der Auskleidung des Schmelzgefässes möglich.
[0005] Ausgehend von diesen bekannten Berechnungsmethoden bzw. Messverfahren liegt der vorliegenden
Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren nach der eingangs erwähnten Gattung
zu schaffen, mittels welchem die Haltbarkeit der Feuerfestauskleidung des Abstichs
eines metallurgischen Gefässes und der Prozess an sich optimiert werden kann und manuelle
Entscheidungen dafür reduziert bzw. praktisch eliminiert werden.
[0006] Erfindungsgemäss ist diese Aufgabe nach den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
[0007] Das Verfahren nach der Erfindung sieht vor, dass Daten eines jeweiligen Gefässes
gesammelt und in einer Datenstruktur gespeichert werden, und aus all den gemessenen
und ermittelten Daten bzw. Parametern insbesondere der Feuerfestauskleidung des Abstichs
ein Rechenmodell erstellt wird, mittels dem diese Daten bzw. Parameter durch Berechnungen
und daraus folgenden Analysen ausgewertet werden.
[0008] Mit diesem erfindungsgemässen Verfahren können bei einem metallurgischen Gefäss nicht
nur Messungen für die Feststellung des Istzustandes der Feuerfestauskleidung des Abstichs
des Gefässes nach dessen Gebrauch ermittelt werden, sondern es können zusammenhängende
bzw. ganzheitliche Ermittlungen und daraus Analysen erfolgen, aus denen Optimierungen
sowohl in Bezug auf diese Feuerfestauskleidung des Abstichs als auch gegebenenfalls
auf den gesamten Prozessablauf der in das Gefäss eingefüllten und darin behandelten
Schmelze erzielt werden.
[0009] Weitere vorteilhafte Einzelheiten dieses Verfahrens im Rahmen der Erfindung sind
in den abhängigen Ansprüchen definiert.
[0010] Ausführungsbeispiele sowie weitere Vorteile der Erfindung sind nachfolgend anhand
einer Zeichnung näher erläutert. Es zeigt:
- Fig. 1
- einen schematischen Längsschnitt eines metallurgischen Gefässes mit einem Abstich.
[0011] Das Verfahren bezieht sich insbesondere auf metallurgische Gefässe, wie ein solches
Gefäss 10 als Ausführungsbeispiel in Fig. 1 geschnitten dargestellt ist. Bei dem Gefäss
handelt es sich vorliegend um einen an sich bekannten Konverter 10 für die Stahlerzeugung.
Dieser Konverter 10 besteht im Wesentlichen aus einem Metallgehäuse 15, einer feuerfesten
Auskleidung 12, einem Abstich 20 und Gasspülsteinen 17, 18, welche mit einer nicht
näher gezeigten Gasversorgung koppelbar sind.
[0012] Die im Betrieb in dieses Konverters 10 eingefüllte Metallschmelze wird beispielsweise
durch ein Blasverfahren metallurgisch behandelt, was nicht näher erläutert ist. Üblicherweise
sind in einem Stahlwerk zur Stahlerzeugung gleichzeitig mehrere solcher Konverter
10 im Einsatz und es sind für jeden dieser Konverter die Daten zu erfassen.
[0013] Dem oberen seitlichen Bereich des Konverters 10 ist dieser Abstich 20 zugeordnet,
welcher zur Entleerung der Metallschmelze nach ihrer Behandlung dient. Dieser Abstich
20 setzt sich aus einem Abstichkanal 21, aus letzteren bildende hülsenförmige Abstichsteine
22 sowie aus einem metallenen Auslaufstutzen 24 zusammen. Selbstverständlich kann
dieser Abstich auch anders als dargestellt ausgestaltet sein.
[0014] Das Verfahren kann im Prinzip für verschiedene metallurgische Gefässe angewendet
werden, wie zum Beispiel für Elektroofen, Hochofen, Stahlpfannen, Gefässe im Bereich
von Nichteisenmetallen, wie Aluminium-Schmelzofen, Kupfer-Anodenofen oder dergleichen.
[0015] Das Verfahren zeichnet sich noch dadurch aus, dass es gleichsam für verschiedene
unterschiedliche Gefässe angewendet werden kann. So können beispielsweise die Feuerfestauskleidungen
der Abstiche aller im Betrieb stehenden Konverter und gegebenenfalls Pfannen bestimmt
werden, bei denen die gleiche Schmelze zuerst in einem Konverter behandelt und nachfolgend
in Stahlpfannen umgegossen werden.
[0016] Es werden als Erstes die in Gruppen unterteilten Daten eines jeweiligen Abstichs
20 des Konverters 10 umfassend gesammelt und in einer Datenstruktur gespeichert.
[0017] Um den Verschleiss als eine Gruppe zu messen, erfolgt dies vorerst bei der neuen
Feuerfestzustellung, bei welcher die vorgegebenen Abmessungen der Abstichsteine 22
bekannt sind. Zudem werden die Materialien und Materialeigenschaften der verwendeten
der Abstichsteine 22 und der allfällig verwendeten Mörtel oder dergleichen erfasst.
[0018] Bei der weiteren als Produktionsdaten bezeichneten Gruppe erfolgt eine Aufzeichnung
während der Einsatzdauer des jeweiligen Konverters 10, wie Schmelzmenge, Temperatur,
Zusammensetzung der Schmelze bzw. der Schlacke und deren Dicke, Abstichzeiten, Temperaturverlauf,
Behandlungszeit und/oder metallurgische Parameter; wie besondere Zusätze in der Schmelze.
Je nach Art des Konverters werden nur ein Teil oder alle genannten Produktionsdaten
aufgezeichnet.
[0019] Die Erfindung zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass primär auf die Abstichzeit
für die wiederkehrenden Berechnungen bzw. Analysen durch das Rechenmodell abgestellt
wird. Mit den Messungen der Abstichzeiten können sehr zuverlässige Rückschlüsse auf
den Verschleiss und weitere Faktoren, wie Änderungen mit zunehmender Gebrauchszeit
der feuerfesten Abstichsteine, gezogen werden.
[0020] Nach dem Einsatz des Konverters 10 erfolgt vorteilhaft eine Messung der Innendurchmesser
der Feuerfestauskleidung im Abstich 20 vorteilhaft abschnittweise. Es genügt dabei,
wenn die Messung der Wandstärken der Auskleidung 12 nach einer Anzahl von Abstichen
durchgeführt wird. Es können dann noch weitere Prozessparameter, wie Einfüll- bzw.
Abstichart der Metallschmelze in bzw. aus dem Schmelzgefäss ermittelt werden.
[0021] Erfindungsgemäss wird aus zumindest einem Teil der gemessenen und ermittelten Daten
bzw. Parametern ein Rechenmodell erstellt, mittels dem diese Daten bzw. Parameter
durch Berechnungen und daraus folgenden Analysen ausgewertet werden.
[0022] Durch dieses erfindungsgemässe erstellte Rechenmodell können die maximale Einsatzdauer,
die Wandstärken, die Materialien und/oder die Pflegedaten der Feuerfestauskleidung
des Abstichs 20 oder umgekehrt die Prozessabläufe bei der Behandlung der Schmelze
optimiert werden. Dabei kann aus diesen Analysen mitunter über die weitere Verwendung
ohne oder mit Reparaturen der Feuerfestauskleidung des Abstichs 20 werden. Es bedarf
nicht mehr oder nur beschränkt einer manuellen erfahrungsmässigen Auslegung der Einsatzdauer
der der Feuerfestauskleidung des Abstichs 20 und der andern festzulegenden Grössen,
wie Wandstärken, Materialauswahl etc..
[0023] Zweckmässigerweise wird der Abstich 20 in mehrere Abschnitte unterteilt, zum Beispiel
in einen Einlass im Behälterinnern, in mehrere Abschnitte im Abstichkanal 21 und in
einen Auslass beim Auslaufstutzen 24.
[0024] Mit dem Rechenmodell werden die Abschnitte im Abstich 20 einzeln bzw. unabhängig
voneinander ausgewertet. Dies hat den Vorteil, dass die unterschiedlichen Belastungen
der Auskleidung entsprechend berücksichtigt werden können.
[0025] Vor oder während dem Erstellen des Rechenmodells werden die Daten nach der Erfassung
hinsichtlich ihrer Plausibilität geprüft und bei Vorliegen eines Fehlens oder Ausreissens
eines oder mehrere Werte werden diese jeweils korrigiert oder gelöscht. Nach dem vorzugsweise
einzelnen Prüfen der Daten werden diese zu einem zusammengefügten gültigen Datensatz
gespeichert.
[0026] Vorteilhaft werden eine reduzierte Anzahl aus den gemessenen bzw. ermittelten Daten
bzw. Parametern für die wiederkehrenden Berechnungen bzw. Analysen ausgewählt, wobei
dies in Abhängigkeit von Erfahrungswerten oder durch Rechenmethoden erfolgt. Diese
Auswahl der gemessenen bzw. ermittelten Daten bzw. Parametern für die wiederkehrenden
Berechnungen bzw. Analysen erfolgt mittels Algorithmen, beispielsweise einer Random
Feature Selection.
[0027] Die Daten werden zu statistischen Zwecken oder für eine spätere Aufzeichnung für
das Rekonstruieren von Produktionsfehlern oder ähnlichem verwendet.
[0028] Aus den Messungen der Feuerfestauskleidung des Abstichs 20 nach einer Anzahl von
Abstichen mittels einer Analyse, zum Beispiel einer Regressionsanalyse, wird als weiterer
Vorteil der Erfindung das Rechenmodell adaptiert, durch welches der Verschleiss unter
Berücksichtigung der gesammelten und strukturierten Daten berechnet oder simuliert
werden kann. Dieses adaptierte Rechenmodell eignet sich speziell auch zur Verwendung
von Testzwecken, um daraus Prozessabläufe auszutesten bzw. zu simulieren und gezielte
Veränderungen vorzunehmen.
[0029] Die Erfindung ist mit dem oben erläuterten Ausführungsbeispiel ausreichend dargetan.
Selbstverständlich könnte sie noch durch andere Varianten realisiert sein.
1. Verfahren insbesondere zur Bestimmung des Zustandes des Abstichs eines metallurgischen
Gefässes, bei dem Daten der Feuerfestauskleidung des Abstichs (20), wie Materialien,
Wanddicke, Einbauart und weitere erfasst bzw. gemessen und ausgewertet werden,
dadurch gekennzeichnet, dass
die nachfolgenden gemessenen bzw. ermittelten Daten eines jeweiligen Gefässes (10)
gesammelt und in einer Datenstruktur gespeichert werden, nämlich
➢ die anfängliche Feuerfestzustellung zumindest der Feuerfestauskleidung des Abstichs
(20), wie Materialien, Materialeigenschaften, Wandstärken der Abstichsteine (22) und/oder
Einspritzmaterialien als Pflegedaten;
➢ Produktionsdaten während dem Einsatz, wie Schmelzmenge, Temperatur, Zusammensetzung
der Schmelze bzw. der Schlacke und deren Dicke, Abstichzeiten, Temperaturverläufe,
Behandlungszeiten und/oder metallurgische Parameter;
➢ weitere Prozessparameter, wie Einfüll- bzw. Abstichart der Metallschmelze in bzw.
aus dem Gefäss;
dass aus zumindest einem Teil der gemessenen bzw. ermittelten Daten bzw. Parametern
ein Rechenmodell erstellt wird, mittels dem diese Daten bzw. Parameter durch Berechnungen
und daraus folgenden Analysen ausgewertet werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass primär die Abstichzeit für die wiederkehrenden Berechnungen bzw. Analysen durch das
Rechenmodell berücksichtigt wird, wobei dies in Abhängigkeit von Erfahrungswerten
oder durch Rechenmethoden erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Daten nach der Erfassung hinsichtlich ihrer Plausibilität geprüft und bei Vorliegen
eines Fehlens, Ausreissens eines oder mehrere Werte diese jeweils korrigiert oder
gelöscht werden.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Daten nach dem vorzugsweise einzelnen Prüfen zu einem zusammengefügten gültigen
Datensatz gespeichert werden.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass eine reduzierte Anzahl aus den gemessenen bzw. ermittelten Daten bzw. Parametern
für die wiederkehrenden Berechnungen bzw. Analysen ausgewählt werden, wobei dies in
Abhängigkeit von Erfahrungswerten oder durch Rechenmethoden erfolgt.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass diese Auswahl der gemessenen bzw. ermittelten Daten bzw. Parametern für die wiederkehrenden
Berechnungen bzw. Analysen mittels Algorithmen, beispielsweise einer Random Feature
Selection, erfolgt.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Daten zu statistischen Zwecken oder für eine spätere Aufzeichnung von Daten verwendet
wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass durch dieses erstellte Rechenmodell über die weitere Verwendung ohne oder mit Reparaturen
der Feuerfestauskleidung des Abstichs (20) entschieden wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass aus den Messungen der Abstichzeiten der Schmelze aus dem Gefäss mittels einer Analyse,
zum Beispiel einer Regressionsanalyse, das Rechenmodell adaptiert wird, durch welches
der Verschleiss unter Berücksichtigung der gesammelten und strukturierten Daten berechnet
werden kann.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Modell zu Testzwecken verwendet wird, um daraus Prozessabläufe auszutesten bzw.
zu simulieren, um daraus gezielte Veränderungen im realen Betrieb vorzunehmen.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass sich dieser Abstich (20) aus einem Abstichkanal (21) sowie aus letzteren bildende
hülsenförmige Abstichsteinen (22) aus Feuerfestmaterial zusammensetzt.