(19)
(11) EP 2 792 780 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
22.10.2014  Patentblatt  2014/43

(21) Anmeldenummer: 14165055.6

(22) Anmeldetag:  17.04.2014
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
D06F 35/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME

(30) Priorität: 19.04.2013 DE 102013103963

(71) Anmelder: Miele & Cie. KG
33332 Gütersloh (DE)

(72) Erfinder:
  • Sieding, Dirk
    44534 Lünen (DE)
  • Zielke, Marcel
    59320 Ennigerloh (DE)
  • Schmitjans, Ingo
    33334 Gütersloh (DE)

   


(54) Verfahren zum Waschen von Wäsche in einer Waschmaschine


(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Waschen von Wäsche in einer Waschmaschine mit einem Laugenbehälter und einer Steuerungseinheit und mit zumindest einer Waschphase, in der die Wäsche über eine vorgegebene Wassermenge auf eine extern vorgegebene Wäsche-Solltemperatur (T1) erwärmt werden soll, welche über ein Bedienelement vorgebbar ist. Die Wassermenge wird auf eine oberhalb der Wäsche-Solltemperatur (T1) liegende Wasser-Solltemperatur (T2) erwärmt, welche von der Steuerungseinheit basierend auf der Wäsche-Solltemperatur (T1) berechnet wird.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Waschen von Wäsche in einer Waschmaschine nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

[0002] Bislang werden Verfahren zum Waschen von Wäsche in einer Waschmaschine sehr stark in Richtung Energiesparsamkeit optimiert, was zu relativ langen Laufzeiten der Waschprogramme führt. Seitens der Kunden besteht jedoch ein großer Bedarf an Waschverfahren, die einerseits kurze Laufzeiten haben andererseits aber trotzdem gute Waschergebnisse liefern. Diese Kunden nehmen damit gemäß Sinnerschem Kreis einhergehende Nachteile bzgl. des Energieverbrauchs in Kauf.

[0003] Bisher sind zwar Kurzwaschprogramme mit beispielsweise 15 bis 55 Minuten Laufzeit bekannt, welche allerdings wegen ihrer schlechteren Waschwirkung lediglich zum Auffrischen der Wäsche geeignet sind und nicht zum Waschen der Wäsche mit mindestens Waschwirkungsklasse A mit einer Laufzeit von unter einer Stunde.

[0004] Der Erfindung stellt sich somit das Problem die obigen Nachteile zu vermeiden und ein Verfahren zum Waschen von Wäsche in einer Waschmaschine vorzuschlagen, welches in relativ kurzer Zeit gute Waschergebnisse liefert.

[0005] Erfindungsgemäß wird dieses Problem durch ein Verfahren zum Waschen von Wäsche in einer Waschmaschine mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den nachfolgenden Unteransprüchen.

[0006] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Waschen von Wäsche in einer Waschmaschine mit einem Laugenbehälter und einer Steuerungseinheit umfasst zumindest eine Waschphase, in der die Wäsche über eine vorgegebene Wassermenge auf eine extern vorgegebene WäscheSolltemperatur (T1) erwärmt werden soll, welche über ein Bedienelement vorgebbar ist. Die Wassermenge wird auf eine oberhalb der Wäsche-Solltemperatur (T1) liegende WasserSolltemperatur (T2) erwärmt, welche von der Steuerungseinheit basierend auf der WäscheSolltemperatur (T1) berechnet wird.

[0007] Vor dem Start wählt der Benutzer am Bedienelement die Wäsche-Solltemperatur (T1) vor. Auf diese Temperatur soll im Idealfall die Wäsche für ihre Behandlung erwärmt werden. Je schneller die Wäsche auf Temperatur gebracht wurde, desto schneller können sich folgende Waschphasen anschließen und desto kürzer wird die gesamte Laufzeit.

[0008] In der Waschphase wird dann eine vorgegebene Wassermenge in den Laugenbehälter eingelassen und auf eine Wasser-Solltemperatur (T2) erwärmt. Um die mit dem Wasser in Kontakt stehende Wäsche schneller auf Temperatur die Wäsche-Solltemperatur (T1) zu bringen, wird die Wassermenge auf eine oberhalb der Wäsche-Solltemperatur (T1) liegende Wasser-Solltemperatur (T2) erwärmt. Dies hat den Vorteil, dass vermittels des heißeren Wassers, die Wäsche in kürzerer Zeit erwärmt werden kann. T2 wird basierend auf T1 von der Steuerungseinheit berechnet.

[0009] Wenn gemäß einer vorteilhaften Ausführungsform die Berechnung der WasserSolltemperatur (T2) durch Addition eines Offset auf die Wäsche-Solltemperatur (T1) erfolgt, dann kann mittels einfacher Rechenoperation in der Steuereinheit die Sollwertberechnung durchgeführt werden.

[0010] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform ist die Größe des Offsetwertes umgekehrt proportional zur Wäsche-Solltemperatur (T1). Insbesondere kommt also bei einer kleineren Wäsche-Solltemperatur (T1) ein größerer Offsetwert als bei einer größeren Wäsche-Solltemperatur (T1) zum Einsatz. Durch diese Abhängigkeit des Offsets von T1 kann Wäscheschädigungen vorgebeugt werden.

[0011] Unterhalb von 30 Grad, also quasi bei Kaltwäschen, bringt aufgrund der ohnehin schon niedrigen Temperaturen eine Temperaturübersteuerung keine nennenswerte Zeitersparnis mehr. Eine Temperaturübersteuerung ist also erst bei Temperaturen ab 30 Grad sinnvoll.

[0012] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform beträgt bei einer WäscheSolltemperatur (T1) von etwa 35 bis 45 Grad Celsius der Offsetwert etwa 6 bis 10 Kelvin.

[0013] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform beträgt einer Wäsche-Solltemperatur (T1) von etwa 50 bis 70 Grad Celsius der Offsetwert etwa 2 bis 6 Kelvin.

[0014] Bei höheren Waschtemperaturen wie beispielsweise 60 oder 90 Grad besteht jedoch eine zunehmend höhere Gefahr, die Wäsche durch eine Temperaturübersteuerung zu schädigen. Daher wird der gemäß dieser Ausführungsform der umgekehrt proportionale Zusammenhang gewählt.

[0015] Bei Waschtemperaturen von um die 90 Grad bietet es sich beispielsweise an, überhaupt keinen Offset mehr zu addieren, ihn also auf null zu setzen.

[0016] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform ist die Größe des Offsetwertes umgekehrt proportional zur Menge der im Laugenbehälter befindlichen freien Flotte. Insbesondere kommt also bei einer kleineren Menge an freien Flotte ein größerer Offsetwert als bei einer größeren Menge an freien Flotte zum Einsatz.

[0017] Bei großer Menge an freier Flotte befindet sich relativ viel ungebundenes Wasser im Laugenbehälter, in welchem sich die Wäsche bewegt. Dadurch ist eine gute Durchmischung gewährleistet, wodurch sich die Wärme gut vom Wasser auf die Wäsche überträgt. In diesem Fall ist nur wenig bis gar keine Temperaturübersteuerung erforderlich, also ein kleiner oder gar kein Offset zu wählen.

[0018] Bei kleiner Menge an freier Flotte hingegen ist das meiste Wasser in der Wäsche gebunden und es findet wenig Wärmeaustausch bzw. Energieübertrag zwischen Wasser und Wäsche statt. In diesem Fall ist eine moderate bis größere Temperaturübersteuerung erforderlich.

[0019] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform ist die Wasser-Solltemperatur (T2) und/oder der Offsetwert zeitlich veränderlich.

[0020] Die zeitliche Veränderung kann beispielsweise durch die Steuerung realisiert werden und durch eine getaktete Hitzeabgabe des Heizkörpers an das Wasser vorgegeben werden.

[0021] Die zeitliche Veränderung kann beispielsweise aber auch durch die Steuerung realisiert werden, indem die Wasser-Solltemperatur (T2) und/oder der Offsetwert kontinuierlich oder in definierten zeitlichen Abständen aufgrund der aktuellen freien Flotte oder aufgrund Überwachung anderer aktueller Zustandsgrößen nachgeführt wird.

[0022] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform nähert sich die Wasser-Solltemperatur (T2) mit fortschreitender Zeit der Wäsche-Solltemperatur (T1) an; und/oder der Offsetwert nähert sich mit fortschreitender Zeit gegen Null.

[0023] Dadurch ist eine weitere zeitliche Veränderung von Wasser-Solltemperatur (T2) und/oder des Offsetwertes realisiert.

[0024] Anfangs nimmt T2 wie oben beschrieben damit einen größeren Wert als T1 an. Nach dieser Ausführungsform nähert sich nach und nach T1 von oben T2 an, was zur Folge hat, dass die tatsächlich in der Wäsche vorhandene Temperatur zunächst auf einen Wert oberhalb T1 ansteigt, um dann mit der Zeit nach und nach von oben in Richtung auf T1 abzusinken.

[0025] Zwei Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen rein schematisch dargestellt und werden nachfolgend näher beschrieben. Es zeigt
Figur 1
ein erstes Waschverfahren mit dauerhaft übersteuerter Wäschetemperatur
Figur 2
ein zweites Waschverfahren mit temporär übersteuerter Wäschetemperatur


[0026] Figur 1 zeigt ein erstes Waschverfahren mit dauerhaft übersteuerter Wäschetemperatur TWäsche.

[0027] Der gestrichelt dargestellte untere Bereich stellt den Stand der Technik dar. Die Wasser-Solltemperatur T2 war nach SdT gleich der Wäsche-Solltemperatur T1. Bei erstem Erreichen T2=T1 wurde die Heizung getaktet. Die Wassertemperatur TWasser sank etwas ab, es wurde erneut aufgeheizt usw.

[0028] Die tatsächlich in der Wäsche erreichte Temperatur TWäsche läuft physikalisch bedingt der Wassertemperatur TWasser grundsätzlich nach. Im Mittel erreicht die Wäsche beim Verfahren gemäß SdT nie ganz die Wäsche-Solltemperatur T1, was sich nachteilig in der Waschwirkung niederschlägt.

[0029] Gemäß der Erfindung wird die Wasser-Solltemperatur T2 höher gewählt als die Wäsche-Solltemperatur T1. T2 wäre im dargestellten Beispiel im Bereich der durch die getaktete Heizung schwankenden Wassertemperatur TWasser angesiedelt.

[0030] Dies hat zur Folge, dass die tatsächliche Wassertemperatur TWasser schnell auf Werte oberhalb von T1 ansteigt und dann bei Erreichen der tatsächlichen Wassertemperatur TWasser von T2 getaktet wird, um sie annähernd zu halten. Dabei behält die Wäschetemperatur TWäsche in diesem Beispiel Werte oberhalb von T1 - ist also dauerhaft übersteuert.

[0031] Figur 1 deutlich entnehmbar ist, dass der Zeitpunkt des Erreichens von T1 der tatsächlichen Wäschetemperatur TWäsche wesentlich früher ist als beim SdT. Genau genommen wird T1 von der Wäsche gemäß SdT nie erreicht.

[0032] Gemäß der Erfindung wird T1 von der Wäsche bereits zu Beginn des Taktens der Heizung erreicht. Die Waschwirkung durch wird die hohe Wäschetemperatur schnell wesentlich verbessert und es kann wesentlich schneller mit weiteren Waschphasen begonnen werden, was zu wesentlich kürzeren Laufzeiten führt.

[0033] Figur 2 zeigt ein zweites Waschverfahren mit nur temporär übersteuerter Wäschetemperatur.

[0034] Im unteren Bereich ist wieder gestrichelt dargestellt der Stand der Technik gezeigt.

[0035] Die Anheizphase gleicht der aus Figur 1. Hier ist aber die Wasser-Solltemperatur T2 zeitlich veränderlich. Anfangs liegt T2 weiter über T1 als zu einem späteren Zeitpunkt. Das hat zur Folge, dass die Wäschetemperatur TWäsche zunächst schnell T1 erreicht und übersteuert wird, sodass wie oben erklärt einerseits schnell eine gute Waschwirkung eintritt und andererseits eine kurze Gesamtlaufzeit erreicht wird.

[0036] Wenn die tatsächliche Wassertemperatur TWasser den ersten weit über T1 liegenden vorgegebenen Wert von T2 erreicht, wird als nächster Sollwert bei der Taktung der Heizung eine etwas geringerere Wasser-Solltemperatur T2 vorgegeben usw. Dies hat zur Folge, dass die Wäschetemperatur TWäsche allmählich wieder in Richtung Wäsche-Solltemperatur T1 absinkt und sich dieser asymptotisch nähert.

[0037] Wenn die Wäschetemperatur TWäsche knapp über T1 liegt, dann wird die Wasser-Solltemperatur T2 beibehalten.

[0038] Durch diese zeitabhängige Festlegung des Wasser-Solltemperaturwertes T2 kann also eine definiertere Steuerung der Wäschetemperatur realisiert werden. Auch ist die Gefahr von Wäscheschädigungen aufgrund überhöhter Temperatur damit etwas verringert.


Ansprüche

1. Verfahren zum Waschen von Wäsche in einer Waschmaschine mit einem Laugenbehälter und einer Steuerungseinheit umfassend:

zumindest eine Waschphase, in der die Wäsche über eine vorgegebene Wassermenge auf eine extern vorgegebene Wäsche-Solltemperatur (T1) erwärmt werden soll, welche über ein Bedienelement vorgebbar ist;
dadurch gekennzeichnet, dass

die Wassermenge auf eine oberhalb der Wäsche-Solltemperatur (T1) liegende Wasser-Solltemperatur (T2) erwärmt wird, welche von der Steuerungseinheit basierend auf der Wäsche-Solltemperatur (T1) berechnet wird.


 
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Berechnung der Wasser-Solltemperatur (T2) durch Addition eines Offset auf die Wäsche-Solltemperatur (T1) erfolgt.
 
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Größe des Offsetwertes umgekehrt proportional ist zur Wäsche-Solltemperatur (T1), insbesondere also bei einer kleineren Wäsche-Solltemperatur (T1) ein größerer Offsetwert als bei einer größeren Wäsche-Solltemperatur (T1) zum Einsatz kommt.
 
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
bei einer Wäsche-Solltemperatur (T1) von etwa 35 bis 45 Grad Celsius der Offsetwert etwa 6 bis 10 Kelvin beträgt.
 
5. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
bei einer Wäsche-Solltemperatur (T1) von etwa 50 bis 70 Grad Celsius der Offsetwert etwa 2 bis 6 Kelvin beträgt.
 
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Größe des Offsetwertes umgekehrt proportional ist zur Menge der im Laugenbehälter befindlichen freien Flotte, insbesondere also bei einer kleineren Menge an freien Flotte ein größerer Offsetwert als bei einer größeren Menge an freien Flotte zum Einsatz kommt.
 
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Wasser-Solltemperatur (T2) und/oder der Offsetwert zeitlich veränderlich ist.
 
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
sich die Wasser-Solltemperatur (T2) mit fortschreitender Zeit der Wäsche-Solltemperatur (T1) annähert; und/oder
sich der Offsetwert mit fortschreitender Zeit gegen Null nähert.
 




Zeichnung










Recherchenbericht









Recherchenbericht