[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Bearbeiten von Walzgut in einem Walzwerk
mit mindestens einem Walzgerüst.
[0002] Bei der Bearbeitung von Walzgut, zum Beispiel Stahl oder verschiedenen Metallen in
Form von so genannten Brammen oder Knüppeln durchläuft das Walzgut eine Walzstraße
mit einem oder mehreren Walzgerüsten. Die einzelnen Walzgerüste weisen jeweils einen
Antrieb für Walzen auf, mit denen das Walzgut zu Platten oder Drähten mit einer gewünschten
Geometrie, wie beispielsweise Dicke oder Querschnitt gewalzt wird.
[0003] Um dies zu erreichen, können die Walzen mithilfe der Antriebe der einzelnen Walzgerüste
auf eine bestimmte Drehzahl geregelt werden. Dabei ist es auch wichtig, dass während
des gesamten Betriebs der Walzstraße auch das vorbestimmte Verhältnis der Drehzahlen
der Walzen der einzelnen Walzgerüste konstant bleibt, da sonst Zug- und Druckbelastungen
auf das Walzgut auftreten, die wiederum zu einem ungewünschten Walzergebnis oder sogar
zu einem Reißen oder einer Schlingenbildung des Walzgutes führen können.
[0004] Um dies insbesondere bei großen Walzgeschwindigkeiten mechanisch zu gewährleisten,
werden beispielsweise einige in einer Langprodukt-Walzstraße befindlichen Walzen in
einem mehrgerüstigen Drahtblock über ein mechanisches Verteilergetriebe starr miteinander
gekoppelt und mit einem gemeinsamen Motor angetrieben. Ein großer Nachteil ist jedoch,
dass die Teilanlage aufgrund der festen Drehzahlverhältnisse für weitere Produkte
nur eingeschränkt angepasst werden kann und dass beispielsweise bei Verschleiß einzelner
Walzen der komplette Walzensatz nachgeschliffen werden muss, da es sonst zu den oben
genannten Effekten kommen kann.
[0005] Diese Nachteile können dadurch überwunden werden, dass jedes Walzgerüst einen separaten
Antrieb für die Walzen aufweist. Dabei weisen die einzelnen Antriebe jeweils eine
separate Drehzahlregelung auf, so dass diese einzeln geregelt werden können.
[0006] Eine große Herausforderung einer solchen Antriebslösung stellt jedoch die Drehzahlregelung
der Walzen bzw. Antriebe der einzelnen Walzgerüste während der Bearbeitung von Walzgut
dar. Dies gilt insbesondere dann, wenn unterschiedliche Lastmomente auf die einzelnen
Walzgerüste wirken, was beispielsweise beim Anstich, d.h. beim Einfädeln bzw. Auftreffen
des Walzgutes in bzw. auf die Walzen der Fall ist. Bei einem derartigen Einwirken
eines Lastmomentes auf den Antrieb werden die Walzen abgebremst, was somit zu einem
Einbruch der Drehzahl der Walzen bzw. des Antriebs an dem betreffenden Walzgerüst
führt. Die Walzen anderer Walzgerüste hingegen, auf die zum Anstich-Zeitpunkt kein
oder ein abweichendes, zum Beispiel ein kleineres Lastmoment wirkt, weisen eine unveränderte
bzw. nur leicht veränderte Drehzahl auf. Dies hat zur Folge, dass die Drehzahlen der
einzelnen Antriebe bzw. Walzen nicht mehr synchron, also nicht mehr in einem vorgegebenen
Drehzahlverhältnis zueinander arbeiten. Dies führt zu Fehlern der Materialdicke und
kann bei unzulässiger Zug- oder Druckbelastung zu einem Reißen oder zur Schlingenbildung
des Walzgutes zwischen den einzelnen Walzgerüsten führen.
[0007] Ein Verfahren zum Bearbeiten von Walzgut in einem Walzwerk mit mindestens einem Walzgerüst
ist beispielsweise aus der
DE 197 26 586 A1 bekannt, welches sich insbesondere mit Drehzahleinbrüchen beim Einfädeln eines Walzgutes
in einem Walzgerüst beschäftigt. Zur Verringerung bzw. Kompensation der Drehzahleinbrüche
wird dort die Walzendrehzahl anhand eines Reglers mit einem vorgegebenen Zusatzwert
geregelt.
[0008] Mit den bisherigen Drehzahlregelungen mit teilweise überlagerten Korrekturaufschaltungen
war zudem auch das Verhalten des Gesamtsystems, also der einzelnen Antriebe bzw. Walzen
der Walzgerüste und somit deren Auswirkungen auf das Walzergebnis nicht immer vorhersehbar,
so dass die Qualität des Walzgutes nicht immer den Anforderungen entsprach.
[0009] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, bei einem Verfahren zum Bearbeiten von
Walzgut die Qualität des Walzgutes zu verbessern.
[0010] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren zum Bearbeiten von Walzgut in einem Walzwerk
mit mindestens einem Walzgerüst gelöst, wobei das Walzgerüst einen Antrieb und zumindest
eine mittels des Antriebs antreibbare Walze aufweist, wobei die zumindest eine Walze
während eines stationären Arbeitsvorganges mit einer vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl
betrieben wird, wobei eine Drehzahl-Aufschaltung und ein durch eine Drehmoment-Vorsteuerung
des Antriebs erzielter zeitlicher Drehmoment-Verlauf des Antriebs derart gewählt werden,
dass ein zeitliches Integral einer Drehzahl-Differenz zwischen einem durch die Drehzahl-Vorsteuerung
und die Drehmoment-Vorsteuerung erzielten Drehzahl-Verlauf der zumindest einen Walze
und der vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl der zumindest einen Walze einen vorgebbaren
Wert ergibt.
[0011] Der Begriff der Drehmoment-Vorsteuerung ist dabei weit gefasst und schließt jede
Art von geeigneter Drehmomenteinprägung ein. Erfindungsgemäß erfolgt die Drehmoment-Vorsteuerung
bzw. die geeignete Drehmomenteinprägung dabei derart, dass das zeitliche Integral
der Drehzahl-Differenz den vorgebbaren Wert ergibt.
[0012] Während des Walzprozesses, das heißt nach dem Anstich, dreht sich die zumindest eine
Walze mit einer vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl, welche in einer bestimmten
stationären Geschwindigkeit des Walzgutes vor der zumindest einen Walze resultiert.
Dadurch, dass sich das Walzgut vor der Walze mit der bestimmten stationären Geschwindigkeit
bewegt, legt das Walzgut in einer bestimmten Zeitspanne somit einen bestimmten stationären
Weg zurück. Zusätzlich gibt die Drehmoment-Vorsteuerung einen zeitlichen Drehmoment-Verlauf
des Antriebs vor, so dass der tatsächlich erzielte Drehzahl-Verlauf der zumindest
einen Walze in einer bestimmten erzielten Geschwindigkeit des Walzgutes vor der zumindest
einen Walze resultiert und das Walzgut damit in der bestimmten Zeitspanne einen bestimmten
erzielten Weg zurücklegt.
[0013] Das zeitliche Integral der Drehzahl-Differenz zwischen dem erzielten Drehzahl-Verlauf
und der vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl der zumindest einen Walze wird über
eine bestimmte Zeitspanne ermittelt, beispielsweise beim Anstich ab dem Beginn des
Aufbaus eines Lastmomentes. Dabei entspricht das zeitliche Integral einer Wegabweichung
bzw. Wegdifferenz zwischen dem bestimmten stationären Weg und dem bestimmten erzielten
Weg. Durch das erfindungsgemäße Verfahren wird die Drehmoment-Vorsteuerung derart
gewählt, dass das zeitliche Integral einen vorgebbaren Wert ergibt, so dass entsprechend
auch die Wegabweichung bzw. Wegdifferenz wählbar ist.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren kann beispielsweise bei einem Warmwalzwerk mit mehreren
Gerüsten, insbesondere bei der Herstellung von Langprodukten, während des Anstichs
bzw. einem anderweitigen Absinken der Drehzahl einer Walze eingesetzt werden. Bisher
kann es insbesondere beim Anstich zu beträchtlichen, unerwünschten Drehzahlabweichungen
der zumindest einen Walze kommen, welche zu einer unregelmäßigen Bearbeitung des Walzgutes
und somit zu einer verminderten Qualität des Walzgutes führen können. Anhand des erfindungsgemäßen
Verfahrens können durch eine einstellbare Abweichung in Form des zeitlichen Integrals
der Drehzahl-Differenz negative Einflüsse auf die Materialqualität des Walzgutes insbesondere
beim Anstich reduziert werden. Denkbar ist allerdings auch, während des stationären
Walzprozesses, während dem sich die zumindest eine Walze mit der stationären Arbeitsdrehzahl
dreht, eine gegebenenfalls aufkommende Materialschlinge oder einen gegebenenfalls
zu großen Zug auf das Walzgut zu kompensieren, indem eine derartige Drehmoment-Vorsteuerung
gewählt wird, dass das zeitliche Integral einer die Materialschlinge oder den zu großen
Zug kompensierenden Wegabweichung entspricht.
[0015] Die Drehzahl-Differenz kann beispielsweise beim Anstich durch eine Kombination des
durch die Drehmoment-Vorsteuerung erzielten zeitlichen Drehmoment-Verlaufes und eine
Drehzahl-Aufschaltung akkurat eingestellt werden, wobei auftretende Totzeiten eliminiert
werden können. Dabei gewährleistet die Drehzahl-Aufschaltung, dass die zumindest eine
Walze sich bei einem stationären Betrieb mit einer gewünschten Drehzahl dreht, wie
zum Beispiel vor dem Anstich mit einer Leerlaufdrehzahl oder beim stationären Walzbetrieb
mit der stationären Arbeitsdrehzahl. Im Gegensatz zu einem Drehzahl-Regler wird die
Drehzahl-Aufschaltung allerdings nicht nur dazu verwendet, zu erreichen, dass die
zumindest eine Walze beispielsweise beim Anstich möglichst schnell die stationäre
Arbeitsdrehzahl erreicht sondern zusätzlich zu erreichen, dass das erfindungsgemäße
zeitliche Integral den vorgebbaren Wert annimmt und somit eine Abweichung definiert
einstellbar ist.
[0016] Beispielsweise kann eine Materialschlinge kompensiert werden, indem eine Drehzahl-Aufschaltung
in Form einer definierten Drehzahlerhöhung vor dem Durchführen der Drehmoment-Vorsteuerung
durchgeführt wird. Dies kann unabhängig von der Höhe des Walzmomentes erfolgen. Alternativ
wird das Timing des erzielten zeitlichen Drehmoment-Verlaufs derart gewählt, dass
die Drehmoment-Aufschaltung bzw. der erzielte zeitliche Drehmoment-Verlauf zeitlich
nach hinten verlagert wird, wobei eine korrespondierende nach oben korrigierte Drehzahl-Aufschaltung
angewandt wird. Damit nimmt das zeitliche Integral der Drehzahl-Differenz einen gewünschten
positiven Wert an, der einer positiven Wegabweichung bzw. Wegdifferenz entspricht,
wodurch die Materialschlinge verringert wird.
[0017] Beim Auftreten eines bekannten Lastmomentes ab einem bekannten Zeitpunkt kann beispielsweise
vorgesehen sein, dass die Drehzahl-Aufschaltung vor dem bekannten Zeitpunkt eine Drehung
der zumindest einen Walze mit der vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl bewirkt
und die Drehmoment-Vorsteuerung ab dem bekannten Zeitpunkt ein derartiges vom Antrieb
aufgebrachtes und auf die zumindest eine Walze wirkendes Drehmoments bewirkt, welches
das Lastmoment vollständig kompensiert. Entsprechend ist der vorgebbare Wert des zeitlichen
Integrals der Drehzahl-Differenz gleich 0.
[0018] Besonders vorteilhaft ist die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens bei so genannten
"No-Twist Mills" und "Reducing Sizing Mills".
[0019] Bei einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird ein Zug, der von der zumindest
einen Walze auf das Walzgut ausgeübt wird, vorgegeben.
[0020] Über den vorgebbaren Wert des zeitlichen Integrals kann der Zug der zumindest einen
Walze auf das Walzgut voreingestellt werden, beispielsweise wenn Materialeigenschaften,
wie das E-Modul, des Walzgutes bekannt sind. Dies rührt daher, dass das zeitliche
Integral über eine Geschwindigkeit des Walzgutes einer Wegabweichung bzw. Wegdifferenz
entspricht. Diese Wegabweichung bzw. Wegdifferenz geht in Form einer relativen Wegabweichung
bzw. relativen Wegdifferenz als Dehnung in ein entsprechendes, für das Walzgut zum
Zeitpunkt des Walzens charakteristisches Spannungs-Dehnungs-Diagramm ein.
[0021] Denkbar ist auch eine Messung des Zuges durch Sensoren, wobei die Drehmoment-Vorsteuerung
und gegebenenfalls die Drehzahl-Aufschaltung entsprechend variiert werden, um einen
gewünschten Zug auf das Walzgut zu erreichen.
[0022] Durch das erfindungsgemäße Verfahren kann ein auf das Walzgut wirkender Zug erhöht
bzw. erniedrigt werden, indem wiederum eine Drehzahl-Aufschaltung in Form einer definierten
Drehzahlerhöhung bzw. Drehzahlerniedrigung vor dem Durchführen der Drehmoment-Vorsteuerung
durchgeführt wird. Das Timing des erzielten zeitlichen Drehmoment-Verlaufs wird dann
derart gewählt, dass der erzielte zeitliche Drehmoment-Verlauf zeitlich nach hinten
bzw. nach vorne verlagert wird, wobei gegebenenfalls eine nach oben bzw. nach unten
korrigierte Drehzahl-Aufschaltung angewandt wird. Damit nimmt das zeitliche Integral
der Drehzahl-Differenz einen gewünschten positiven bzw. negativen Wert an, der einer
positiven bzw. negativen Wegabweichung bzw. Wegdifferenz entspricht, wodurch der Zug
auf das Walzgut erhöht bzw. erniedrigt wird.
[0023] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung erfolgt die Drehzahl-Aufschaltung
und/oder die Drehmoment-Vorsteuerung des Antriebs derart, dass innerhalb einer vorgebbaren
Zeitdauer die vorgebbare stationäre Arbeitsdrehzahl erreicht wird.
[0024] Damit innerhalb der vorgebbaren Zeitdauer die zumindest eine Walze die vorgebbare
stationäre Arbeitsdrehzahl erreicht, wird als Randbedingung der Wert 0 für die (absolute)
Drehzahl-Differenz nach der bestimmten Zeitspanne vorgegeben. Während der bestimmten
Zeitdauer greift der durch die Drehmoment-Vorsteuerung erzielte zeitliche Drehmoment-Verlauf
an der zumindest einen Walze an. Zusätzlich wird vor der Zeitspanne eine Drehzahl-Aufschaltung
vorgenommen, so dass die zumindest eine Walze sich zu Beginn der vorgegebenen Zeitspanne
mit einer der Drehzahl-Aufschaltung entsprechenden Drehzahl dreht.
[0025] Um zu erreichen, dass die zumindest eine Walze die vorgebbare stationäre Arbeitsdrehzahl
somit spätestens mit Ablauf der bestimmten Zeitspanne erreicht, wird die Drehzahl-Differenz
durch eine entsprechende Vorgabe der Drehzahl-Aufschaltung und/oder der Drehmoment-Vorsteuerung
derart beeinflusst, dass die resultierende Drehzahl-Differenz als zeitliches Integral
des resultierenden Drehmomentes, d.h. der Differenz zwischen einem an der zumindest
einen Walze angreifenden Lastmoment und dem momentanen Drehmoment gemäß dem Drehmoment-Verlauf,
geteilt durch die Trägheit berechnet und dem physikalischen Verhalten der Trägheit
entsprechend kompensiert wird. Dabei wird neben einer Modellabbildung der Mechanik
das tatsächliche physikalische Verhalten der Drehmomenteinprägung der Maschinenregelung
bei der Ermittlung der Drehzahl-Aufschaltung berücksichtigt. Ein überlagerter Drehzahlregler
bliebe somit bei einer idealen kombinierten Aufschaltung inaktiv.
[0026] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die vorgebbare Zeitdauer
dabei kleiner als 20 ms. Besonders bei einer Drehzahl-Aufschaltung mit einer Drehzahl,
welche kleiner als die stationäre Arbeitsdrehzahl ist, und insbesondere bei aufeinanderfolgenden
Produktionsschritten ist diese vergleichsweise kurze vorgebbare Zeitdauer, bei welchen
das Walzgut innerhalb einer Walzstraße durch mehrere hintereinander angeordnete Walzgerüste
hindurch geführt wird, wünschenswert. Denn zum einen bedingt die im Vergleich zur
stationären Arbeitsdrehzahl niedrigere Drehzahl der zumindest einen Walze unmittelbar
vor dem Anstich, dass die Drehzahl der zumindest einen Walze während des Anstichs
weiter absinkt und zum Erreichen der stationären Arbeitsdrehzahl eine schnelle Reaktion
in Form eines schnellen Anstiegs des zeitlichen Drehmoment-Verlaufs erforderlich ist.
Und zum anderen wird durch die aufeinanderfolgenden Walzvorgänge das Walzgut zunehmend
dünner, so dass die Geschwindigkeit des Walzgutes in der Walzstraße in Bearbeitungsrichtung
stark zunimmt und 100 m/s und mehr erreichen kann.
[0027] Bei aufeinanderfolgenden Produktionsschritten kann die Drehzahl-Aufschaltung und/oder
Drehmoment-Vorsteuerung derart variiert werden, dass bei geringfügigen Abweichungen
oder nach einer Produktionsumstellung ein betriebssicheres Einfädeln erzielt wird
und Produktionsausfälle vermieden werden.
[0028] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird die zumindest eine
Walze vor dem Einwirken eines bekannten Lastmomentes auf den Antrieb mit einer Leerlaufdrehzahl
betrieben, welche größer als die vorgebbare stationäre Arbeitsdrehzahl ist.
[0029] Insbesondere beim Anstich wirkt ein bekanntes Lastmoment auf die zumindest eine Walze,
wobei das Lastmoment entweder durch Berechnung oder Simulation oder durch Messungen
bekannt ist. Gemäß dieser Ausgestaltung der Erfindung ist nun vorgesehen, vor dem
Auftreten des Lastmomentes die Drehzahl-Aufschaltung derart auszuführen, dass die
zumindest eine Walze mit einer Leerlaufdrehzahl betrieben wird, welche größer als
die vorgebbare stationäre Arbeitsdrehzahl ist. Wird während des Anstichs kein Drehmoment
vom Antrieb auf die zumindest eine Walze ausgeübt, so bedingt das Lastmoment eine
Erniedrigung der Drehzahl der zumindest einen Walze, so dass sich die Drehzahl der
zumindest einen Walze der stationären Arbeitsdrehzahl annähert. Daher ist neben der
Drehzahl-Aufschaltung gleichzeitig vorgesehen, dass die Drehmoment-Vorsteuerung einen
derartigen zeitlichen Drehmoment-Verlauf bewirkt, dass der Antrieb erst nach Ablauf
einer bestimmten Zeitspanne ein das Lastmoment ausgleichendes Drehmoment auf die zumindest
eine Walze ausübt. Denn während der bestimmten Zeitspanne erniedrigt sich die Drehzahl
der zumindest einen Walze, wobei die bestimmte Zeitspanne derart gewählt werden kann,
dass nach Ablauf der bestimmten Zeitspanne die Drehzahl der zumindest einen Walze
auf die stationäre Arbeitsdrehzahl abgesunken ist.
[0030] Beispielsweise kann der genaue Zeitpunkt des Beginns der bestimmten Zeitspanne bekannt
sein, insbesondere weil die zumindest eine Walze Teil einer größeren Walzstraße ist
und der zumindest einen Walze zumindest eine weitere Walze bzw. ein weiteres Walzgerüst
vorgeschaltet ist und daher der Zeitpunkt des Eintreffens des Walzgutes in der zumindest
einen Walze genau bekannt ist. Alternativ kann eine Sensorik, welche den Beginn des
Walzgutes erfasst, oder ein anderes Hilfsmittel dazu verwendet werden, den genauen
Zeitpunkt des Beginns der bestimmten Zeitspanne zu bestimmen.
[0031] Bei einer Walzstraße, bei der mehrere Walzgerüste hintereinander das Walzgut bearbeiten
und bei welcher eine Materialschlinge bzw. ein zu geringer Zug auf das Walzgut vorliegen,
kann der Betrieb der zumindest einen Walze mit einer Leerlaufdrehzahl, welche größer
als die vorgebbare stationäre Arbeitsdrehzahl ist, auch zur Kompensation einer gegebenenfalls
vorliegenden Materialschlingen bzw. eines gegebenenfalls zu geringen Zuges auf das
Walzgut verwendet werden, wie weiter oben schon ausgeführt.
[0032] Bei einer Walzendrehzahl, welche einer Geschwindigkeit des Walzgutes von etwa 100
m/s entspricht, kann die bestimmte Zeitspanne beispielsweise 1 ms bis 10 ms betragen
und die Leerlaufdrehzahl 0,1 % bis 2 % größer sein als die vorgebbare stationäre Arbeitsdrehzahl.
[0033] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wirkt dabei das bekannte
Lastmoment ab einem zuvor unbekannten Zeitpunkt auf den Antrieb, wobei das Einwirken
des bekannten Lastmomentes auf den Antrieb detektiert wird. Der genaue, aber zunächst
unbekannte Zeitpunkt des Beginns des Einwirkens des bekannten Lastmomentes kann dadurch
ermittelt werden, dass das Lastmoment über die zumindest eine Walze auch am Antrieb
angreift. Die schlagartig veränderte Drehmomentsituation am Antrieb kann über die
Ströme eines entsprechenden Antriebsmotors bzw. die Winkellage oder Drehzahl des Rotors
des Antriebsmotors innerhalb kurzer Zeit erfasst werden.
[0034] Diese Art des Bestimmens des Lastmomentes ist insbesondere für den Einsatz beim ersten
Walzgerüst einer Walzstraße von Vorteil, da dort gegebenenfalls der genaue Zeitpunkt
des Eintreffens des Walzgutes beim Anstich nicht bekannt ist. Folglich können somit
Materialsensoren zur Bestimmung des Auftretens des Lastmomentes eingespart werden.
Sollten dennoch Materialsensoren eingesetzt werden, so kann auf zwei unterschiedliche
und voneinander unabhängige Arten das Auftreten des Lastmomentes bestimmt werden.
[0035] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird die zumindest eine
Walze vor dem Einwirken eines bekannten Lastmomentes auf den Antrieb mit einer Leerlaufdrehzahl
betrieben, welche kleiner als die vorgebbare stationäre Arbeitsdrehzahl ist, wobei
das bekannte Lastmoment ab einem zuvor bekannten Zeitpunkt auf den Antrieb wirkt.
[0036] Durch die Kombination aus der Drehmoment-Vorsteuerung für ein bekanntes Lastmoment
ab einem bekannten Zeitpunkt und einer Drehzahl-Aufschaltung mit einer Leerlaufdrehzahl,
welche kleiner als die vorgebbare stationäre Arbeitsdrehzahl ist, ist eine vollständige
Kompensation der Drehzahlabweichung insbesondere beim Materialeintritt in Verbindung
mit der exakt vorhersehbaren Störgröße und dem vorhersehbaren Drehmomentaufbau möglich.
Das Drehmoment wird derart eingeprägt, dass es zum Zeitpunkt des Auftretens der Last
vollständig aufgebaut ist und gleichzeitig eine Drehzahl-Aufschaltung mit Drehzahl-Differenz
gleich 0 unmittelbar nach dem Lastaufbau erreicht wird. Dabei ist die vorangehende
negative Drehzahlabweichung für das Material nicht relevant, so dass dadurch die Qualität
des Walzgutes nicht negativ beeinflusst wird.
[0037] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird dabei bei wiederholtem
Auftreten des bekannten Lastmomentes die Größe des bekannten Lastmomentes iterativ
korrigiert.
[0038] Das bekannte Lastmoment ist beispielsweise durch Berechnung oder Simulation oder
durch Messungen vor dem Durchführen des Verfahrens zugänglich. Da jedoch bei der Ermittlung
des bekannten Lastmomentes Ungenauigkeiten auftreten können und Toleranzen zu berücksichtigen
sind, kann das ermittelte bekannte Lastmoment von dem tatsächlich auftretenden Lastmoment
abweichen. Durch eine Auswertung der Abweichung des tatsächlichen, während des Verfahrens
gemessenen Lastmomentes von dem vorher ermittelten Lastmoment wird die Größe des bekannten
Lastmomentes während sich wiederholenden Vorgängen iterativ korrigiert bzw. optimiert.
Hierzu wird die stationäre Abweichung des Drehmoment-Verlaufs zum tatsächlichen Lastmoment
bei der nächsten Vorsteuerung berücksichtigt.
[0039] Zusätzlich kann durch eine Analyse der Drehzahlistwerte die Differenz zwischen dem
Beginn des zeitlichen Drehmoment-Verlaufs und dem Beginn des Auftretens des Lastmomentes
ermittelt werden, um den genauen Zeitpunkt des Auftretens des Lastmomentes zu bestimmen
bzw. iterativ zu korrigieren bzw. zu optimieren.
[0040] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung erfolgt die Drehmoment-Vorsteuerung
des Antriebs anhand eines dem Antrieb zugeführten momentenbildenden Stromes, wobei
der momentenbildende Strom zeitlich rampenförmig oder treppenförmig variiert wird.
[0041] Dabei kann die Rampe unterschiedlich steil ausgeführt werden, so dass der momentenbildende
Strom also schneller oder weniger schnell geändert wird und somit die erste zeitliche
Ableitung des momentenbildenden Stromes größer oder kleiner ist.
[0042] Wenn der momentenbildende Strom treppenförmig variiert wird, kann auch die Treppe
Zeitintervalle aufweisen, während denen der momentenbildende Strom schneller oder
weniger schnell geändert wird. Durch die Treppenform kann dabei insbesondere ein Zusatzwert
für die Drehmoment-Vorsteuerung realisiert werden, indem der zeitliche Drehmoment-Verlauf
zunächst ein geringeres Drehmoment aufweist, anschließend mittels eines entsprechenden,
dem Antrieb zugeführten momentenbildenden Stromes ein mit der Zeit ansteigendes Drehmoment
aufweist, dann bei einem bestimmten Drehmoment-Plateau verharrt, um schließlich wiederum
ein bis zu einem Endwert ansteigendes Drehmoment aufzuweisen. Dabei kann eine solche
Treppe durchaus mehrere Treppenstufen aufweisen, welche durch jeweils ein Zeitintervall
mit ansteigendem Drehmoment und ein Zeitintervall mit konstantem Drehmoment charakterisiert
sind.
[0043] Dabei kann sowohl die Rampe als auch die Treppe auch mit zeitlich abnehmendem Drehmoment
oder Mischformen ausgeführt werden.
[0044] Durch die rampenförmige oder treppenförmige Variation des momentenbildenden Stromes
kann eine sehr flexible und anpassungsfähige Drehmoment-Vorsteuerung erreicht werden,
wodurch eine besonders gute Qualität des Walzgutes erreicht werden kann.
[0045] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird dabei der Antrieb
von einem Stromrichter gespeist und ein dem Stromrichter vorgegebener zeitlicher Verlauf
eines Sollwerts der Rampe oder der Treppe des momentenbildenden Stroms weist maximal
jene Steilheit auf, welche dem Antrieb durch den Stromrichter tatsächlich maximal
als Istwert des momentenbildenden Stroms zuführbar ist.
[0046] Die tatsächlich erreichbare Steilheit der Rampe oder der Treppe, also die betragsmäßige
Größe der ersten zeitlichen Ableitung des momentenbildenden Stromes, ist unter anderem
abhängig von den technischen Daten des Stromrichters.
[0047] Somit ermöglicht ein besonders dimensionierter Stromrichter vergleichsweise große
Steilheiten des momentenbildenden Stromes. Im Gegensatz dazu erlauben vergleichsweise
langsam reagierende und möglicherweise leistungsschwächere Stromrichter vergleichsweise
kleine, erreichbare Steilheiten. Gegebenenfalls ist die erreichbare Steilheit auch
vom Betriebszustand des jeweiligen Stromrichters abhängig und durch den Motor des
Antriebs beschränkt.
[0048] Gemäß dieser Ausgestaltung der Erfindung werden folglich die für die Steilheit des
momentenbildenden Stromes maßgeblichen Eigenschaften insbesondere des Stromrichters
und/oder des Antriebs berücksichtigt und maximal jene Steilheit des zeitlichen Verlaufs
des Sollwerts der Rampe oder der Treppe gewählt, welche der Stromrichter dem Antrieb
tatsächlich maximal als Istwert des momentenbildenden Stroms zuführen kann. Dabei
kann eine Variation der Steilheit ebenfalls zum Erreichen des gewünschten Wertes des
zeitlichen Integrals verwendet werden.
[0049] Somit wird eine in hohem Maße oder vollständig reproduzierbare Rampe oder Treppe
des momentenbildenden Stromes und somit auch ein in hohem Maße oder vollständig reproduzierbarer
zeitlicher Drehmoment-Verlauf erreicht, was sich wiederum positiv auf die Qualität
des Walzgutes auswirkt.
[0050] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist das Walzwerk ein
Langprodukt-Walzwerk und weist mehrere Walzgerüste mit separaten oder gemeinsamen
Antrieben auf.
[0051] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist das Walzwerk ein
Langprodukt-Walzwerk und weist mehrere Walzgerüste mit jeweils einem separaten Antrieb
für hohe Walzgeschwindigkeiten auf, wobei jeder Antrieb einzeln vorgesteuert wird.
Dabei werden Geschwindigkeiten von 10 m/s und mehr als hohe Geschwindigkeiten angesehen
mit erreichbaren Auslaufgeschwindigkeiten größer als 100 m/s. Bei derartigen Walzgeschwindigkeiten
ist eine präzise und dynamische Steuerung bzw. Regelung der Geschwindigkeiten der
einzelnen Walzen von herausragender Bedeutung, insbesondere wenn unterschiedliche
Lastmomente an den verschiedenen Walzen angreifen. Insbesondere gegenüber Walzstraßen
mit Walzen, die nur mittels Drehzahlreglern geregelt sind, weist die vorliegende Erfindung
den Vorteil auf, dass die vorgebbare stationäre Arbeitsdrehzahl innerhalb einer Zeitdauer
erreicht werden kann, welche um etwa eine Größenordnung kürzer ist als jene, die bei
Walzstraßen mit konventionellen Drehzahlreglern ohne entsprechende Vorsteuerung erreicht
werden kann.
[0052] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung erfolgt die Drehmoment-Vorsteuerung
und/oder die Drehzahl-Aufschaltung materialbasiert. Eine materialverfolgungsbasierte
Drehmoment-Vorsteuerung und/oder Drehzahl-Aufschaltung zur Kompensation beispielsweise
des oben genannten Lastmoments erlaubt deutlich kleinere Abweichungen von einem idealen
zeitlichen Drehmoment-Verlauf bzw. von einem idealen vorgebbaren Wert des zeitlichen
Integrals, da hierbei nur Fehler durch Abweichungen der Drehmoment-Vorsteuerung bzw.
der Drehzahl-Aufschaltung sowie Torsionsschwingungen entstehen.
[0053] Im Folgenden wird die Erfindung anhand der in den Figuren dargestellten Ausführungsbeispiele
näher beschrieben und erläutert. Es zeigen:
- FIG 1
- einen Ausschnitt einer Walzstraße mit aufeinanderfolgenden Walzgerüsten und mit einem
separaten Antrieb für jedes Walzgerüst
- FIG 2-18
- verschiedene beispielhafte Drehmoment- und Drehzahlverläufe
[0054] Figur 1 zeigt einen Ausschnitt einer Walzstraße 2 mit aufeinanderfolgenden Walzgerüsten
4 zur Bearbeitung eines Walzgutes 6. Beispielhaft sind acht aufeinanderfolgende Walzgerüste
4 dargestellt, die das Walzgut 6, z.B. ein Knüppel, der zu Draht gewalzt wird, durchläuft.
[0055] Jedem Walzgerüst 4 ist ein separater Antrieb 8, umfassend einen Motor 10 und ein
Getriebe 12, zugeordnet, wobei in der Figur zur besseren Übersichtlichkeit nur ein
Antrieb 8 angedeutet ist. Dem Antrieb wird mittels eines Stromrichters 14 mit einer
Steuereinheit 16 ein gewünschter Strom zugeführt. Jedes Walzgerüst 4 umfasst weiterhin
mindestens eine antreibbare Walze 13, die von dem jeweiligen Antrieb 8 mit einer stationären
Arbeitsdrehzahl 22 angetrieben werden kann, welche beispielsweise aus einem Stichplan
entnommen wird.
[0056] Trifft nun Walzgut 6 auf die Walze 13 eines Walzgerüstes 4, so wird auf den Antrieb
8 des entsprechenden Walzgerüstes 4 ein Lastmoment 25 ausgeübt. Dieses Lastmoment
25 führt nun dazu, dass die Drehzahl 20 des betreffenden Antriebs 8 einbricht. In
Walzwerken 2 gemäß dem Stand der Technik, welche üblicherweise mittels Drehzahlreglern
geregelt sind, erfolgt dann eine entsprechende Korrektur der Drehzahl 20 nach oben,
so dass nach einer bestimmten Verzögerungszeit der Antrieb 8 des betreffenden Walzgerüstes
4 wieder die stationäre Arbeitsdrehzahl 22 erreicht. Jedoch ist das Verhalten des
Antriebs 8 insbesondere unmittelbar nach dem Auftreten des Lastmoments 25 nicht immer
reproduzierbar. Aufgrund der daraus entstehenden Drehzahlabweichungen mit verbundenen
Zugschwankungen entspricht die Qualität des Walzergebnisses nicht immer den Anforderungen.
Anders gesagt hängt das dynamische Verhalten der Antriebe somit von dem auftretenden
Lastmoment 25 und dem Verhalten des Reglers ab. Dieses Verhalten ist jedoch nicht
immer exakt genug vorhersehbar und aufgrund der Abhängigkeit vom Betriebspunkt nur
bedingt reproduzierbar.
[0057] Gemäß der vorliegenden Erfindung wird ein durch eine Drehmoment-Vorsteuerung des
Antriebs 8 erzielter zeitlicher Drehmoment-Verlauf 24 des Antriebs 8 derart gewählt,
dass ein zeitliches Integral 26 einer Drehzahl-Differenz 30 zwischen einem durch die
Drehmoment-Vorsteuerung erzielten Drehzahl-Verlauf 21 der zumindest einen Walze 13
und der vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl 22 der zumindest einen Walze 13 einen
vorgebbaren Wert ergibt.
[0058] Für in Figur 1 nicht dargestellte Bezugszeichen siehe die weiteren Figuren.
[0059] Figur 2 zeigt einen ersten beispielhaften Drehmoment- und Drehzahlverlauf bei zeitlich
vorgelagertem Drehmomentaufbau. Dargestellt sind dabei ein Lastmoment 25, ein zeitlicher
Drehmoment-Verlauf 24, ein Drehzahl-Verlauf 21 und eine stationäre Arbeitsdrehzahl
22 in Abhängigkeit von der Zeit t, welche in Millisekunden auf der x-Achse des Schaubildes
aufgetragen ist. Auf der y-Achse bezieht sich die rechte Skala auf das Drehmoment
23, in Prozent und bezogen auf das komplett aufgebaute Lastmoment 25, und die linke
Skala auf die Drehzahl 20, wiederum in Prozent und bezogen auf die stationäre Arbeitsdrehzahl
22.
[0060] Das Lastmoment 25 wird gemäß diesem ersten beispielhaften Verlauf vom Zeitpunkt t
25-0 bis zum Zeitpunkt t
25-1 = 0 komplett aufgebaut und verharrt anschließend auf diesem Wert. Dabei sieht die
Drehzahl-Aufschaltung vor, die zumindest eine Walze 13 für t < t
25-0, d.h. vor dem Beginn des Aufbaus des Lastmomentes 25, und insbesondere für t < t
24-0, d.h. vor dem Beginn des Aufbaus des Drehmoments 23 gemäß dem Drehmoment-Verlauf
24, mit einer Drehzahl 21 zu betreiben, welche geringfügig geringer als die stationäre
Arbeitsdrehzahl 22 ist. Gleichzeitig sieht die Drehmoment-Vorsteuerung den Aufbau
eines Drehmomentes 20 des Antriebs 8 noch vor dem Aufbau des Lastmomentes 25 vor,
nämlich ab dem Zeitpunkt t
24-0 bis zum Zeitpunkt t
24-1. Hierzu muss der genaue Zeitpunkt t
25-0 des Beginns des Aufbaus des Lastmomentes 25 bekannt sein. In der Zeitspanne zwischen
t
24-0 und t
25-1, während der Drehmoment-Verlauf 24 des Antriebs 8 ein größeres Drehmoment 23 als
das zum gleichen Zeitpunkt wirkende Lastmoment 25 aufweist, wirkt somit ein resultierendes
Drehmoment 20 auf die zumindest eine Walze 13, welches die zumindest eine Walze 13
beschleunigt und daher bewirkt, dass der Drehzahl-Verlauf 21 sich der stationären
Arbeitsdrehzahl 22 angleicht.
[0061] Zum Zeitpunkt t = 0 sieht die Drehmoment-Vorsteuerung und die damit kombinierte Drehzahl-Aufschaltung
vor, dass die Walze 13 mit der stationären Arbeitsdrehzahl 22 rotiert und der Antrieb
8 das mittlerweile vollständig aufgebaute Lastmoment 25 aufbringt. Entsprechend ist
ein zeitliches Integral 26, welches ab dem vollständigen Aufbau des Lastmomentes 25
berechnet wird, gleich 0, wobei das zeitliche Integral 26 erfindungsgemäß auf einen
gewünschten, vorgebbaren Wert eingestellt werden kann.
[0062] Die Drehmoment-Vorsteuerung des Antriebs 8 kann dabei beispielsweise durch einen
dem Antrieb 8 zugeführten momentenbildenden Strom erfolgen, der im vorliegenden Beispiel
rampenförmig mit der Zeit erhöht wird, wobei die Rampe eine gewisse Steilheit aufweist.
[0063] Figur 3 zeigt einen zweiten beispielhaften Drehmoment- und Drehzahlverlauf bei zeitlich
verzögertem Drehmomentaufbau, wobei die Darstellung jener der Figur 2 entspricht.
[0064] Wiederum wird das Lastmoment 25 ab dem Zeitpunkt t
25-0 aufgebaut, um ab dem Zeitpunkt t
25-1 = 0 komplett aufgebaut zu sein. Die Drehzahl-Aufschaltung sieht gemäß dem zweiten
beispielhaften Verlauf eine im Vergleich zur stationären Arbeitsdrehzahl 22 leicht
erhöhte Drehzahl 20 für t < t
25-0 vor, das heißt vor dem Beginn des Aufbaus des Lastmomentes 25. Dagegen sieht die
Drehmoment-Vorsteuerung vor, dass das Drehmoment 23 erst nach dem vollständigen Aufbau
des Lastmomentes 25 zum Zeitpunkt t
25-0 erhöht wird, nämlich in der Zeitspanne zwischen t
24-0 und t
24-1. Entsprechend wirkt auf die zumindest eine Walze 13 zwischen t
25-0 und t
24-1, also ab dem Aufbau des Lastmomentes 25 und bis zum vollständigen Aufbau des Drehmoments
23 gemäß dem zeitlichen Drehmoment-Verlauf 24 des Antriebs 8 ein resultierendes Drehmoment,
welches die Drehzahl 20 der zumindest einen Walze 13 erniedrigt und schließlich bewirkt,
dass der Drehzahl-Verlauf 21 sich der stationären Arbeitsdrehzahl 22 angleicht.
[0065] Dabei ergibt das zeitliche Integral 26 der Drehzahl-Differenz 30 einen gewünschten,
vorgebbaren Wert, welcher auch als Wegabweichung bzw. Wegdifferenz verstanden werden
kann. Im vorliegenden Beispiel bedeutet diese Wegabweichung, dass zwischen t
25-0 und t
24-1, also ab dem Aufbau des Lastmomentes 25 und bis zum vollständigen Aufbau des Drehmoments
23 gemäß dem zeitlichen Drehmoment-Verlauf 24 des Antriebs 8, ein erhöhter Zug bzw.
eine erhöhte Zugkraft auf das Walzgut 6 wirkt und somit beispielsweise eine Materialschlinge
reduziert werden kann.
[0066] Beispielsweise wird der Drehmoment-Verlauf 24, den der Antrieb 8 auf die zumindest
eine Walze 13 ausübt, erst mit 3 ms Zeitverzögerung nach dem Aufbau des Lastmomentes
25 aufgebaut, wobei der Drehzahl-Verlauf 21 für t < t
24-0 um 0,3 % gegenüber der stationären Arbeitsdrehzahl 22 erhöht ist und die stationäre
Arbeitsdrehzahl 22 in einer Geschwindigkeit des Walzgutes 6 von 100 m/s resultiert.
Das zeitliche Integral 26 der Drehzahl-Differenz 30 berechnet sich für dieses Beispiel
zu 0,45 mm, was bei bekannten Materialeigenschaften des Walzgutes 6 in eine entsprechende
Zugkraft umgerechnet werden kann.
[0067] Dabei kann der Zeitpunkt t
25-0 des Beginns des Aufbaus des Lastmomentes 25 im Voraus bekannt oder auch unbekannt
sein. Im letzteren Fall kann beispielsweise das Angreifen des Lastmomentes 25 am Antrieb
8 detektiert werden, so dass dadurch auch der bis dahin unbekannte Zeitpunkt t
25-0 erkannt wird, damit anschließend ab dem Zeitpunkt t
24-0 der Antrieb 8 den Aufbau des Drehmoments 23 des zeitlichen Drehmoment-Verlaufs 24
beginnt. Um genügend Zeit für die Detektion des Beginns des Lastmomentes 25 und den
anschließenden Beginn der Drehmoment-Vorsteuerung zur Verfügung zu haben, muss die
Zeitspanne (t
25-0 - t
24-0) ausreichend groß sein.
[0068] Figur 4 zeigt einen dritten beispielhaften Drehmoment- und Drehzahlverlauf bei zeitlich
verzögertem Drehmomentaufbau, wobei die Darstellung jener der Figuren 2 und entspricht.
[0069] Gegenüber dem zweiten beispielhaften Verlauf der Figur 3 findet der Aufbau des zeitlichen
Drehmoment-Verlaufs 24 noch später statt und der Drehzahl-Verlauf 21 ist stärker gegenüber
der stationären Arbeitsdrehzahl 22 erhöht. Damit ergibt sich ein größeres zeitliches
Integral 26 im Vergleich zum zweiten beispielhaften Verlauf.
[0070] Wenn angenommen wird, dass die Zeitverzögerung nunmehr 10 ms beträgt, der Drehzahl-Verlauf
21 für t kleiner 0 um 1 % gegenüber der stationären Arbeitsdrehzahl 22 erhöht ist
und die stationäre Arbeitsdrehzahl 22 immer noch in einer Geschwindigkeit des Walzgut
6 von 100 m/s resultiert, ergibt sich somit eine Wegabweichung von 5 mm.
[0071] Figur 5 zeigt einen ersten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf bei zeitlich
vorgelagertem Drehmomentaufbau. In Abhängigkeit der Zeit t, welche auf der x-Achse
aufgetragen ist, sind das Lastmoment 25, das von der Drehmoment-Vorsteuerung vorgegebene
Drehmoment 34 und der tatsächliche, zeitliche Drehmoment-Verlauf 24 sowie der Betrag
einer Drehmoment-Differenz 35 zwischen dem zeitlichen Drehmoment-Verlauf 24 und dem
Lastmoment 25 gezeigt. Dabei sieht die Drehmoment-Vorsteuerung ab dem Zeitpunkt t
34-0 einen Drehmomentaufbau vor, wohingegen gemäß dem tatsächlichen zeitlichen Drehmoment-Verlauf
24 erst ab dem späteren Zeitpunkt t
24-0 tatsächlich ein Drehmoment 23 vom Antrieb 8 aufgebaut wird. Zwischen beiden Drehmoment-Verläufen
besteht die Diskrepanz darin, dass der zeitliche Drehmoment-Verlauf 24 gegenüber dem
vorgegebenen Drehmoment 34 zeitlich nach hinten versetzt ist. Der Betrag der Drehmoment-Differenz
35 steigt ab dem Zeitpunkt t
24-0 mit dem zeitlichen Drehmoment-Verlauf 24 an und wird ab dem Zeitpunkt t
25-0 des Beginns des Aufbaus des Lastmomentes 25 wieder verringert und nimmt schließlich
den Wert 0 an für t = 0.
[0072] Figur 6 zeigt den zum ersten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf zugehörigen
Drehzahlverlauf. Wiederum in Abhängigkeit von der auf der x-Achse dargestellten Zeit
sind auf der y-Achse in willkürlichen Einheiten das zeitliche Integral 26 und eine
Drehzahl-Differenz 30 zwischen dem durch die Drehmoment-Vorsteuerung erzielten Drehzahl-Verlauf
21 und der vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl 22 der zumindest einen Walze 13
dargestellt.
[0073] Die zur in Figur 5 dargestellten Drehmoment-Vorsteuerung gehörende Drehzahl-Aufschaltung
sieht dabei vor, dass die Walze 13 zunächst mit einer Drehzahl 20 rotiert, welche
um die Drehzahldifferenz 30 geringer als die stationäre Arbeitsdrehzahl 22 ist. Folglich
ist die Drehzahl-Differenz 30 entsprechend Figur 6 negativ, erhöht sich allerdings
entsprechend dem Betrag der Drehmoment-Differenz 35 ab dem Zeitpunkt t
24-0 des Beginns des Aufbaus des Drehmoments 23 durch den Antrieb 8. Schließlich nimmt
die Drehzahl-Differenz 30 ab dem Zeitpunkt t = 0 den Wert 0 an, so dass von nun an
die zumindest eine Walze 13 mit der vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl 22 rotiert.
Entsprechend nimmt das zeitliche Integral 26, welches insbesondere beim Anstich ab
dem Zeitpunkt t = 0 des Eintreffens des Walzgutes 6 berechnet wird, den Wert 0 an.
Dabei kann der Wert des zeitlichen Integrals 26 erfindungsgemäß vorgegeben werden
und die Drehmoment-Vorsteuerung in Kombination mit der Drehzahl-Aufschaltung entsprechend
gewählt werden.
[0074] Figur 7 zeigt einen zweiten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf bei zeitlich
verzögertem Drehmomentaufbau, wobei die Darstellung jener der Figur 5 entspricht.
Im Unterschied zur in der Figur 5 dargestellten Drehmoment-Vorsteuerung beginnt der
Aufbau des Drehmoments 23 des Drehmoments-Verlaufs 24 erst zum Zeitpunkt t
24-0, also nachdem der Aufbau des Lastmomentes 25 begonnen hat.
[0075] Figur 8 zeigt den zum zweiten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf zugehörigen
Drehzahlverlauf, wobei die Darstellung jener der Figur 6 entspricht. Die Drehzahl-Aufschaltung
sieht für die Zeit vor dem Aufbau des Lastmomentes 25 einen Drehzahl-Verlauf 21 mit
einer größeren Drehzahl 20 als die vorgebbare stationäre Arbeitsdrehzahl 22 vor. Entsprechend
ist die Drehzahl-Differenz 30 zunächst positiv und nimmt ab dem Zeitpunkt t
25-0 langsam ab, um bis zur vollständigen Kompensation des Lastmomentes 25 durch den Drehmoment-Verlauf
24 den Wert 0 anzunehmen. Das zeitliche Integral 26 ist zunächst 0 und steigt ab dem
Zeitpunkt t
25-0 stetig an, bis das Lastmoment 25 vollständig durch den Drehmoment-Verlauf 24 kompensiert
wird.
[0076] Figur 9 zeigt einen dritten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf bei zeitlich
verzögertem Drehmomentaufbau, wobei die Darstellung jener der Figur 5 entspricht.
Dabei ist die Zeitverzögerung des Aufbaus Drehmoment-Verlaufs 24 größer als beim in
der Figur 7 dargestellten, zweiten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf, so dass
hier ein sensorloser Betrieb möglich ist, um auch bei einem zuvor unbekannten Beginn
des Aufbaus des Lastmomentes 25 eine Drehmoment-Vorsteuerung durchführen zu können.
[0077] Figur 10 zeigt den zum dritten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf zugehörigen
Drehzahlverlauf, wobei die Darstellung jener der Figur 6 entspricht. Die tatsächliche
Drehzahl-Differenz 30 ist wiederum positiv, so dass der Drehzahl-Verlauf 21 eine höhere
Drehzahl als die stationäre Arbeitsdrehzahl 22 vorsieht. Die Drehzahl-Differenz 30
sinkt ab dem Zeitpunkt t
25-0 des Beginns des Aufbaus des Lastmomentes 25, wobei das Absinken beispielsweise über
elektrische Ströme des Antriebs 8 erst zeitversetzt detektiert wird und die detektierte,
sensorlos gemessene Drehzahl-Differenz 36 der tatsächlichen Drehzahldifferenz 30 zumindest
zu Beginn des Absinkens zeitlich versetzt folgt. Sobald das Absinken detektiert wurde,
kann beim sensorlosen Betrieb die Drehmoment-Vorsteuerung beginnen und das von der
Drehmoment-Vorsteuerung vorgegebene Drehmoment 34 erhöht werden, woraufhin schließlich
auch der Drehmoment-Verlauf 24 erhöht wird und schließlich das Lastmoment 25 ausgleicht.
[0078] Figur 11 zeigt einen vierten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf, wobei die
Darstellung jener der Figur 5 entspricht. Im Unterschied zu den bisher dargestellten,
von der Drehmoment-Vorsteuerung erzielten Drehmoment-Verläufen 24 weist der in der
Figur 11 dargestellte Drehmoment-Verlauf 24 eine geringere Steilheit auf. Das heißt,
dass die erste zeitliche Ableitung des Drehmomentverlaufs einen vergleichsweise geringen
Wert annimmt, was beispielsweise einen weniger dynamischen bzw. leistungsschwächeren
Stromrichter 14 berücksichtigt. Ein solcher Stromrichter 14 kann dem Antrieb 8 bzw.
dem Motor 10 lediglich momentenbildende Ströme zuführen, welche entsprechend eine
geringere zeitliche Ableitung aufweisen. Im dargestellten Beispiel beginnt dabei der
Aufbau des Drehmoment-Verlaufs 21 noch vor dem Aufbau des Lastmomentes 25 und ist
aufgrund der geringen Steilheit erst lange nach dem Aufbau des Lastmomentes 25 abgeschlossen.
Unterschiedliche Steilheiten können auch zum Erreichen des gewünschten Wertes des
zeitlichen Integrals 26 verwendet werden.
[0079] Figur 12 zeigt den zum vierten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf zugehörigen
Drehzahlverlauf, wobei die Darstellung jener der Figur 6 entspricht. Für die Drehzahl-Aufschaltung
wird wiederum ein derartiger Drehzahl-Verlauf 21 gewählt, dass die Drehzahl-Differenz
30 vor dem Auftreten des Lastmomentes 25 positiv ist. In der Zeit zwischen t
24-0 und t
25-0 findet kurzzeitig eine weitere Erhöhung der Drehzahldifferenz 30 statt, welche anschließend
ab dem Zeitpunkt t
25-0 stetig abfällt und schließlich den Wert 0 annimmt. Das zeitliche Integral 26 ist
zunächst 0 und steigt ab dem Zeitpunkt t
25-0 des Aufbaus des Lastmomentes 25 stetig an, um ab der vollständigen Kompensation des
Lastmomentes 25 durch den Drehmomentverlauf 24 schließlich einen konstanten Wert,
der vorher gewählt werden konnte, anzunehmen.
[0080] Figur 13 zeigt einen fünften beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf, wobei die
Darstellung jener der Figur 5 entspricht. Im Unterschied zu den bisher dargestellten,
von der Drehmoment-Vorsteuerung erzielten Drehmoment-Verläufen 24 weist der in der
Figur 13 dargestellte Drehmoment-Verlauf 24 eine größere Steilheit auf. Größere Steilheiten
benötigen besonders dynamische Stromrichter 14 und können beispielsweise dort eingesetzt
werden, wo besonders dynamische Prozesse stattfinden
[0081] Figur 14 zeigt den zum vierten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf zugehörigen
Drehzahlverlauf, wobei die Darstellung jener der Figur 6 entspricht. Zunächst ist
eine negative Drehzahl-Differenz 30 vor dem Auftreten des Lastmomentes 25 vorgesehen.
Ab dem Beginn des Aufbaus des zeitlichen Drehmoment-Verlaufs 24 wird der Betrag der
Drehzahl-Differenz 30 erniedrigt bis sie schließlich den Wert 0 annimmt.
[0082] Figur 15 zeigt einen sechsten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf, wobei die
Darstellung jener der Figur 5 entspricht und Figur 16 zeigt den zum sechsten beispielhaften
weiteren Drehmomentverlauf zugehörigen Drehzahlverlauf, wobei die Darstellung jener
der Figur 6 entspricht. Weil es in diesem Fall zweckmäßig ist, die beiden Figuren
zusammen zu erläutern, wird im Folgenden der Drehmomentverlauf der Figur 15 zusammen
mit Verlauf der Drehzahl-Differenz 30 und des zeitlichen Integrals 26 der Figur 16
diskutiert.
[0083] Zunächst sind wiederum der Aufbau eines Lastmomentes 25 ab dem Zeitpunkt t
25-0 sowie eine darauf angepasste Drehmoment-Vorsteuerung ab dem Zeitpunkt t
34-0 bzw. t
24-0 dargestellt. Weiterhin sind eine vom Aufbau des Lastmomentes 25 unabhängige Drehmoment-Vorsteuerung
und Drehzahl-Aufschaltung ab dem Zeitpunkt t
34-a bzw. t
24-a dargestellt. Obwohl das volle Lastmoment 25 auf den Antrieb 8 wirkt sieht diese Drehmoment-Vorsteuerung
vor, den Drehmoment-Verlauf 24 gezielt zu erniedrigen und anschließend wieder auf
den Betrag des Lastmomentes 25 zu erhöhen. Weiterhin ist dargestellt, dass die Drehmoment-Vorsteuerung
noch vor dem Auftreten des Lastmomentes 25 aktiv wird, indem ab dem Zeitpunkt t
34-A bzw. t
24-A ein positiver Drehmoment-Verlauf 24 erzeugt wird.
[0084] Chronologisch betrachtet verhalten sich die Drehzahl-Differenz 30 und das zeitliche
Integral 26 wie folgt. Vor dem Zeitpunkt t
24-A sind sowohl die Drehzahl-Differenz 30 als auch das zeitliche Integral 26 gleich 0.
In der Zeitspanne von t
24-A bis t
24-B weist der Drehmoment-Verlauf 24 positive Werte auf, wohingegen noch kein Lastmoment
25 anliegt. Folglich erhöht sich die Drehzahl 20 der zumindest einen Walze 13, so
dass sich nunmehr eine positive Drehzahl-Differenz 30 ergibt. Anschließend, während
der Drehmoment-Verlauf 24 den Wert 0 annimmt und noch kein Lastmoment 25 anliegt,
verharrt die Drehzahl-Differenz 30 auf ihrem positiven Wert. Ab dem Zeitpunkt t
24-0 wird entsprechend dem vorgegebenen Drehmoment 34 und der Stromrichtereigenschaften
dann ein positiver Drehmoment-Verlauf 24 erzielt, wobei anschließend ab dem Zeitpunkt
t
25-0 das Lastmoment 25 angreift. In der Zeitspanne zwischen t
24-0 und jenem Zeitpunkt, wo sich das momentane Lastmoment 25 und der momentane Drehmoment-Verlauf
24 zum ersten Mal kurzzeitig kompensieren, steigt die Drehzahl-Differenz 30 weiter
an. Anschließend ist das momentane Lastmoment 25 kleiner als der momentane Drehmoment-Verlauf
24, so dass auch die Drehzahl-Differenz 30 wieder absinkt, um anschließend konstant
zu bleiben. Erst ab dem Zeitpunkt t
24-a, ab dem die Drehmoment-Vorsteuerung eine gezielte Erniedrigung des zeitlichen Drehmoment-Verlaufs
24 bei konstant anliegendem Lastmoment 25 vorsieht, erniedrigt sich die Drehzahl-Differenz
30, bis sie schließlich zum Zeitpunkt t
24-b, ab dem sich der Drehmoment-Verlauf 24 und das Lastmoment 25 wieder kompensieren,
den Wert 0 annimmt.
[0085] Das zeitliche Integral 26 ändert sich dabei wie folgt. Weil das zeitliche Integral
26 im vorliegenden Beispiel erst ab dem Beginn des Aufbaus des Lastmomentes 25 berechnet
wird, nimmt es erst ab dem Zeitpunkt t
25-0 positive Werte an. Dabei steigt der Wert des zeitlichen Integrals 26 bis zum Zeitpunkt
t
24-b stetig an, da bis zu diesem Zeitpunkt eine positive Drehzahl-Differenz 30 vorliegt.
[0086] Entsprechend kann also durch eine Drehmoment-Vorsteuerung, welche noch vor dem Aufbau
des Lastmomentes 25 einen positiven Drehmoment-Verlauf 24 vorsieht, wie zum Beispiel
während der Zeitspanne zwischen t
24-A und t
24-B, eine positive Drehzahl-Differenz 30 erreicht werden, welche selbst bei vollständiger
Kompensation eines auftretenden Lastmomentes 25 durch einen entsprechend gewählten
Drehmoment-Verlauf 24 in einem beständig zunehmenden zeitlichen Integral 26 und damit
einhergehend in einem beständig zunehmenden Zug auf das Walzgut 6 resultiert. Genauso
gut ist es während eines stationären Walzvorganges, bei dem das Walzgut 6 durch die
zumindest eine, sich mit der vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl 22 drehenden
Walze 13, möglich, das zeitliche Integral 26 und damit den Zug zu variieren, den die
zumindest eine Walze 13 auf das Walzgut 6 ausübt. Beispielsweise kann somit ein stetig
zunehmendes zeitliches Integral 26, wie im vorliegenden Fall, bei einem konstanten
Wert stabilisiert werden.
[0087] Bei einem solchen stationären Walzvorgang ist es weiterhin möglich, bei einer Drehzahl-Differenz
26, die den Wert 0 hat, den Zug zu erhöhen oder zu erniedrigen, indem die Drehmoment-Vorsteuerung
einen Drehmoment-Verlauf 24 vorsieht, der ein größeres oder kleineres Drehmoment 23
als das anliegende Lastmoment 25 aufweist. Denn dadurch wird eine positive oder negative
Drehzahl-Differenz 30 erzeugt, welche in einem positiven oder negativen zeitlichen
Integral 26 resultiert. Dabei ist durch ein positives zeitliches Integral 26 weiterhin
der Abbau einer Materialschlinge möglich.
[0088] Figur 17 zeigt einen siebenten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf, wobei die
Darstellung jener der Figur 5 entspricht. Wiederum wird ein Lastmoment 25 innerhalb
der Zeitspanne zwischen t
25-0 und t
25-1 aufgebaut, wobei die Drehmoment-Vorsteuerung einen zeitlich vorgelagerten Aufbau
des Drehmoment-Verlaufes 24 vorsieht, beginnend ab dem Zeitpunkt t
34-0 bzw. t
24-0. Charakteristisch für diesen beispielhaften Drehmomentverlauf ist allerdings ein
zeitlich treppenförmiger Verlauf, der dadurch dargestellt wird, dass der Drehmoment-Verlauf
24 bis zum Zeitpunkt t
34-I bzw. t
24-I erhöht wird, danach auf einem konstanten Plateau-Wert verharrt, um anschließend in
der Zeitspanne zwischen t
34-II bzw. t
24-II und t
34-1 bzw.
24-1 weiter anzusteigen und schließlich jenen Wert annimmt, der benötigt wird um das komplett
aufgebaute Lastmoment 25 zu kompensieren.
[0089] Dabei können sowohl die Anzahl der Stufen der Treppe, der jeweilige Plateau-Wert
sowie die jeweilige Steilheit der zeitlichen Abschnitte der Treppe variiert werden,
um den gewünschten Wertes des zeitlichen Integrals 26 zu erreichen. Dabei kann die
Drehmoment-Vorsteuerung des Antriebs 8 insbesondere durch einen dem Antrieb 8 zugeführten
momentenbildenden Strom erfolgen, der im vorliegenden Beispiel treppenförmig mit der
Zeit erhöht wird.
[0090] Figur 18 zeigt den zum siebenten beispielhaften weiteren Drehmomentverlauf zugehörigen
Drehzahlverlauf, wobei die Darstellung jener der Figur 6 entspricht. Vor dem Beginn
des Aufbaus des Lastmomentes 25 zum Zeitpunkt t
25-0 sieht die Drehzahl-Aufschaltung eine positive Drehzahl-Differenz 30 vor, wobei sich
die Drehzahl-Differenz 30 ab dem Aufbau des Drehmoment-Verlaufs 24 zum Zeitpunkt t
24-0 leicht erhöht, um sich anschließend ab jenem Zeitpunkt, bei welchem der momentane
wirkende Drehmoment-Verlauf 24 gleich dem momentan anliegenden Lastmoment 25 ist,
wieder zu verringern bis schließlich das Plateau und der erneute Anstieg im Drehmoment-Verlauf
24 durchlaufen ist und zum Zeitpunkt t
24-1. das komplett anliegende Lastmoment 25 durch den Drehmoment-Verlauf 24 kompensiert
wird.
[0091] Zusammenfassend betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Bearbeiten von Walzgut in
einem Walzwerk mit mindestens einem Walzgerüst. Um bei einem Verfahren zum Bearbeiten
von Walzgut die Qualität des Walzgutes zu verbessern, wird vorgeschlagen, dass das
Walzgerüst einen Antrieb und zumindest eine mittels des Antriebs antreibbare Walze
aufweist, wobei die zumindest eine Walze während eines stationären Arbeitsvorganges
mit einer vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl betrieben wird, wobei eine Drehzahl-Aufschaltung
und ein durch eine Drehmoment-Vorsteuerung des Antriebs erzielter zeitlicher Drehmoment-Verlauf
des Antriebs derart gewählt werden, dass ein zeitliches Integral einer Drehzahl-Differenz
zwischen einem durch die Drehzahl-Vorsteuerung und die Drehmoment-Vorsteuerung erzielten
Drehzahl-Verlauf der zumindest einen Walze und der vorgebbaren stationären Arbeitsdrehzahl
der zumindest einen Walze einen vorgebbaren Wert ergibt.