[0001] Die Erfindung betrifft eine Abstreifvorrichtung für eine Rundläufer-Tablettenpresse,
umfassend einen Abstreifer, der dazu ausgebildet ist, auf der Oberseite einer sich
relativ zu dem Abstreifer drehenden Matrizenscheibe der Rundläufer-Tablettenpresse
befindliches und zu verpressendes Material abzustreifen, und umfassend eine Krafterzeugungseinrichtung,
die dazu ausgebildet ist, den Abstreifer mit einer vorgegebenen Anpresskraft auf die
Oberseite der Matrizenscheibe zu drücken. Die Erfindung betrifft außerdem einen Rotor
für eine Rundläufer-Tablettenpresse sowie eine Rundläufer-Tablettenpresse.
[0002] Es ist bekannt, bei Rundläufer-Tablettenpressen den Fülleinrichtungen Abstreifvorrichtungen
nachzuordnen, um überschüssiges zu verpressendes Material von der Matrizenscheibe
abzustreifen. Hierzu weisen bekannte Abstreifvorrichtungen einen Abstreifer, beispielsweise
eine sogenannte Abstreifleiste, auf, die durch eine Krafterzeugungseinrichtung auf
die Oberseite der Matrizenscheibe gedrückt wird. Auf der sich unter der Abstreifleiste
hindurch drehenden Matrizenscheibe befindliches überschüssiges Pressmaterial wird
dann von der Abstreifleiste von der Oberseite der Matrizenscheibe nach innen oder
nach außen abgestreift. Bei dem zu verpressenden Material kann es sich beispielsweise
um ein Pulver oder Pellets oder ähnliches handeln.
[0003] Bei bekannten Abstreifvorrichtungen wird die Abstreifleiste mit Federkraft auf die
Matrizenscheibe gedrückt. Hierzu weist die Krafterzeugungseinrichtung eine geeignete
Feder auf. Nachteilig ist, dass aufgrund der Eigenschaften der Feder, insbesondere
ihrer Federkonstante und ihrer konstruktiven Anordnung, die Federkraft grundsätzlich
festgelegt ist. Eine Anpassung der Federkraft an unterschiedliche Betriebs- und/oder
Einbausituationen ist nur mit erheblichem konstruktivem Aufwand möglich. Hinzu kommt,
dass die Anpresskraft bei Verwendung einer Feder gerade bei Veränderungen der Betriebssituation
nicht eindeutig definiert ist. So kommt es im Betrieb zu einem Verschleiß der Abstreifleiste,
wodurch sich die Anpresskraft auf die Oberseite der Matrizenscheibe verändert. Dies
erfordert ein manuelles Nachstellen der Krafterzeugungseinrichtung. Ein solches manuelles
Nachstellen oder auch eine Veränderung der Einbausituation kann zu undefinierten Veränderungen
der Anpresskraft führen.
[0004] Ausgehend von dem erläuterten Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
eine Abstreifvorrichtung, einen Rotor und eine Rundläufer-Tablettenpresse der eingangs
genannten Art bereitzustellen, mit denen eine jederzeit definierte Anpresskraft der
Abstreifvorrichtung vorliegt, wobei eine flexible Anpassung der Abstreifvorrichtung
an unterschiedliche Betriebssituationen und/oder Einbausituationen in einfacher Weise
möglich ist.
[0005] Die Erfindung löst die Aufgabe durch die Gegenstände der Ansprüche 1, 7 und 8. Vorteilhafte
Ausgestaltungen finden sich in den abhängigen Ansprüchen, der Beschreibung und den
Figuren.
[0006] Für eine Abstreifvorrichtung der eingangs genannten Art löst die Erfindung die Aufgabe
dadurch, dass die Krafterzeugungseinrichtung ein mit einem Fluid befülltes Fluidkissen
umfasst, welches direkt oder über mindestens ein Übertragungselement mit dem Abstreifer
in Kontakt steht, um den Abstreifer mit der vorgegebenen Anpresskraft auf die Oberseite
der Matrizenscheibe zu drücken.
[0007] Der Abstreifer der erfindungsgemäßen Abstreifvorrichtung kann eine Abstreifleiste
sein. Der Abstreifer wird in an sich bekannter Weise stationär in Drehrichtung der
Matrizenscheibe hinter der ebenfalls stationär angeordneten Fülleinrichtung der Rundläufer-Tablettenpresse
angeordnet. Die Fülleinrichtung kann insbesondere einen sogenannten Füllschuh umfassen.
Unter diesem läuft die Matrizenscheibe mit ihren Matrizenbohrungen hindurch, wobei
die Matrizenbohrungen mit dem zu verpressenden Material, beispielsweise einem Pulver
oder Pellets oder ähnlichem, befüllt werden. Der Abstreifer streift in an sich bekannter
Weise in der Fülleinrichtung auf die Oberseite der Matrizenscheibe gelangtes überschüssiges
Material ab, und zwar zumindest aus dem Bereich des Teilkreises, auf dem die Matrizenbohrungen
angeordnet sind. Dazu ist zumindest eine dem überschüssigen Material im Betrieb zugewandte
Abstreifkante des Abstreifers in der Regel unter einem Winkel zur Radialenrichtung
in Bezug auf die Matrizenscheibe angeordnet. Der Abstreifer kann das Material vollständig
von der Matrizenscheibe abstreifen. Es ist aber auch möglich, dass das Material in
einem bei der anschließenden Verpressung nicht aktiven Randbereich der Matrizenscheibe
abgestreift wird. Das Abstreifen des überschüssigen Materials kann in an sich bekannter
Weise nach innen oder nach außen erfolgen.
[0008] Zum Abstreifen wird der Abstreifer durch eine Krafterzeugungseinrichtung auf die
Oberseite der sich drehenden Matrizenscheibe gedrückt. Erfindungsgemäß umfasst die
Krafterzeugungseinrichtung ein Fluidkissen, in welchem sich ein Fluid unter Druck
befindet. Das Fluidkissen drückt direkt oder über mindestens ein Übertragungselement
auf den Abstreifer und drückt diesen so auf die Oberseite der Matrizenscheibe. Die
Anpresskraft wird durch den in dem Fluidkissen herrschenden Fluiddruck erzeugt. Hierzu
besitzt das Fluidkissen insbesondere eine elastische Hülle und dehnt sich entsprechend
dem in dem Fluidkissen herrschenden Fluiddruck aus. Dies wiederum führt zu einem auf
den Abstreifer ausgeübten Druck bzw. einer auf den Abstreifer ausgeübten Anpresskraft.
Dadurch wird der Abstreifer wiederum auf die Matrizenscheibe gedrückt. Dabei wird
unabhängig von einem Verschleißgrad des Abstreifers eine konstante Anpresskraft auf
die Matrizenscheibe erzeugt. Außerdem wird durch geeignete Einstellung des in dem
Fluidkissen herrschenden Fluiddrucks in besonders einfacher Weise eine definierte
Anpresskraft erzeugt, die in flexibler Weise an unterschiedliche Betriebssituationen
und/oder Einbausituationen angepasst werden kann.
[0009] Grundsätzlich ist es möglich, dass das Fluidkissen ein mit einer Flüssigkeit befülltes
Flüssigkeitskissen ist. Nach einer besonders praxisgemäßen Ausgestaltung kann das
Fluidkissen jedoch ein mit einem Gas befülltes Gaskissen sein. In weiter besonders
praxisgemäßer Weise kann das Gaskissen ein Luftkissen sein, in welchem sich also Luft
unter Druck befindet. Es erfolgt also ein pneumatisches Andrücken des Abstreifers
auf die Oberseite der Matrizenscheibe.
[0010] Nach einer Ausgestaltung kann das Fluidkissen in einem Gehäuse angeordnet sein, wobei
das Gehäuse mindestens eine Öffnung besitzt, durch die das Fluidkissen direkt oder
über das mindestens eine Übertragungselement mit dem Abstreifer in Kontakt steht.
Das Gehäuse kann zum Beispiel aus einem Metallwerkstoff oder Kunststoff bestehen.
Über die Öffnung besteht unmittelbar oder mittelbar über ein oder mehrere Übertragungselemente
ein Kontakt zwischen dem Fluidkissen und dem Abstreifer, wodurch der Abstreifer auf
die Matrizenscheibe gedrückt wird. Dabei ist insbesondere eine der mindestens einen
Öffnung gegenüberliegende Seite des Gehäuses geschlossen. Die entsprechende und im
Wesentlichen nicht flexible Gehäusewand bildet ein Gegenlager, an dem sich das Fluidkissen
zum Ausüben der Anpresskraft auf den Abstreifer abstützt. Grundsätzlich sind für das
Gehäuse weitgehend beliebige Formen denkbar. Das Gehäuse kann zum Beispiel topfförmig
ausgebildet sein. Es kann zum Beispiel die Form eines einseitig geschlossenen Hohlquaders
besitzen.
[0011] Nach einer weiteren Ausgestaltung kann die Krafterzeugungseinrichtung weiterhin eine
Fluidbefülleinrichtung zum Befüllen des Fluidkissens mit Fluid, beispielsweise Gas,
umfassen. Die Fluidbefülleinrichtung besitzt insbesondere eine Steuereinrichtung,
durch die der Befüllungsgrad des Fluidkissens mit Fluid gesteuert werden kann. Wie
erwähnt, kann das Fluidkissen ein Gas-oder Luftkissen sein. Entsprechend wird dann
durch die Fluidbefülleinrichtung ein Gas oder Luft in das Fluidkissen gefüllt.
[0012] Nach einer weiteren Ausgestaltung kann die Krafterzeugungseinrichtung weiterhin eine
Druckmesseinrichtung umfassen, die den in dem Fluidkissen herrschenden Fluiddruck,
beispielsweise Gasdruck, unmittelbar oder mittelbar misst. Der in dem Fluidkissen
herrschende Fluiddruck lässt einen direkten Rückschluss auf die durch das Fluidkissen
auf den Abstreifer ausgeübte Anpresskraft und damit auf die Anpresskraft zu, mit der
der Abstreifer auf die Oberseite der Matrizenscheibe gedrückt wird. Es ist also eine
besonders einfache Kontrolle der ordnungsgemäßen Anpresskraft möglich.
[0013] Nach einer weiteren Ausgestaltung kann die Krafterzeugungseinrichtung weiterhin eine
Fluidregeleinrichtung umfassen, die die Fluidbefülleinrichtung abhängig von Messergebnissen
der Druckmesseinrichtung so zum Befüllen des Fluidkissen mit Fluid, beispielsweise
Gas, ansteuert, dass in dem Fluidkissen ein jeweils vorgegebener Fluiddruck herrscht.
Durch die Fluidregeleinrichtung kann einerseits der Fluiddruck in dem Fluidkissen
und damit die Anpresskraft, mit der der Abstreifer auf die Oberseite der Matrizenscheibe
gedrückt wird, auf einen konstanten Wert eingestellt und auf diesem konstanten Wert
gehalten werden. Es wird also sichergestellt, dass der Abstreifer jederzeit mit einer
konstanten Anpresskraft bzw. einem konstanten Druck auf die Oberseite der Matrizenscheibe
drückt. Die Anpresskraft des Abstreifers ist dabei jederzeit eindeutig definiert.
[0014] Gleichzeitig ist es in besonders vorteilhafter Weise möglich, den Fluiddruck in dem
Fluidkissen mittels der Fluidregeleinrichtung auf unterschiedliche Werte zu regeln,
also beispielsweise abhängig von dem Einsatzzweck oder Einsatzort zu variieren. Es
ist also in besonders einfacher Weise eine Anpassung der Abstreifvorrichtung einerseits
an unterschiedliche Betriebssituationen derselben Rundläufer-Tablettenpresse möglich.
Andererseits ist es möglich, die Abstreifvorrichtung in einfacher Weise an unterschiedliche
Einbausituationen in derselben Rundläufer-Tablettenpresse oder an eine Verwendung
in unterschiedlichen Rundläufer-Tablettenpressen mit unterschiedlichen Einbausituationen
anzupassen. Dabei kann sichergestellt werden, dass auch bei unterschiedlichen Betriebs-
oder Einbausituationen, sei dies in derselben oder in unterschiedlichen Rundläufer-Tablettenpressen,
der Abstreifer jederzeit mit der gewünschten Anpresskraft, z.B. jederzeit mit derselben
Anpresskraft, auf die Matrizenscheibe gedrückt wird.
[0015] Wie bereits erwähnt, betrifft die Erfindung auch einen Rotor für eine Rundläufer-Tablettenpresse,
umfassend eine drehend antreibbare Matrizenscheibe mit einer Mehrzahl von Matrizenbohrungen,
sowie eine Oberstempelaufnahme und eine Unterstempelaufnahme für mit der Matrizenscheibe
drehend umlaufende Oberstempel und Unterstempel der Rundläufer-Tablettenpresse, und
umfassend mindestens eine erfindungsgemäße Abstreifvorrichtung.
[0016] Wie ebenfalls bereits erwähnt, betrifft die Erfindung auch eine Rundläufer-Tablettenpresse,
umfassend eine drehend antreibbare Matrizenscheibe mit einer Mehrzahl von Matrizenbohrungen,
sowie eine Oberstempelaufnahme und eine Unterstempelaufnahme, in denen mit der Matrizenscheibe
drehend umlaufende Oberstempel und Unterstempel geführt sind zum Verpressen von in
mindestens einer relativ zu der Matrizenscheibe stationär angeordneten Fülleinrichtung
der Rundläufer-Tablettenpresse in die Matrizenbohrungen gefülltem Material, wobei
einer Matrizenbohrung jeweils ein Oberstempel und ein Unterstempel zugeordnet ist,
weiter umfassend einen Drehantrieb zum Drehen der Matrizenscheibe sowie der Oberstempelaufnahme
und der Unterstempelaufnahme, und weiter umfassend mindestens eine erfindungsgemäße
Abstreifvorrichtung.
[0017] Die erfindungsgemäße Rundläufer-Tablettenpresse umfasst in an sich bekannter Weise
mindestens eine Pressstation mit oberen und/oder unteren Druckrollen, in der die Verpressung
des Materials erfolgt. Weiterhin umfasst die Rundläufer-Tablettenpresse in an sich
bekannter Weise Führungseinrichtungen zum Führen der Bahn der Ober- und Unterstempel,
z.B. so genannte Führungskurven. Darüber hinaus umfasst die Rundläufer-Tablettenpresse
in an sich bekannter Weise eine ebenfalls relativ zu der Matrizenscheibe stationär
angeordnete Auswerfereinrichtung, in der die gepressten Produkte, beispielsweise Tabletten,
ausgeworfen werden.
[0018] Die mindestens eine Fülleinrichtung ist in an sich bekannter Weise in Drehrichtung
der Matrizenscheibe vor dem mindestens einen Abstreifer der mindestens einen Abstreifvorrichtung
angeordnet, so dass in der mindestens einen Fülleinrichtung befülltes Material im
Zuge der Drehung der Matrizenscheibe durch den nachfolgenden Abstreifer abgestreift
werden kann. Entsprechend ist die mindestens eine Pressstation der Rundläufer-Tablettenpresse
in an sich bekannter Weise in Drehrichtung der Matrizenscheibe dem Abstreifer nachgeordnet.
Sind mehrere Fülleinrichtungen vorgesehen, können entsprechend ebenfalls mehrere Abstreifvorrichtungen
vorgesehen sein, wobei jeweils eine Abstreifvorrichtung jeweils einer Fülleinrichtung
zugeordnet ist. Entsprechend können dann auch mehrere den Füll- bzw. Abstreifvorrichtungen
jeweils zugeordnete Pressstationen vorgesehen sein. All dies ist an sich bekannt und
wird daher nicht weiter erläutert.
[0019] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend anhand von Figuren näher erläutert.
Es zeigen schematisch:
- Fig. 1
- einen Teil einer erfindungsgemäßen Rundläufer-Tablettenpresse nach einem ersten Ausführungsbeispiel
in einer Draufsicht,
- Fig. 2
- einen Teil einer erfindungsgemäßen Rundläufer-Tablettenpresse nach einem zweiten Ausführungsbeispiel
in einer Draufsicht, und
- Fig. 3
- eine erfindungsgemäße Abstreifvorrichtung zum Einsatz in der in Fig. 1 oder in Fig.
2 gezeigten Rundläufer-Tablettenpresse in einer Schnittansicht.
[0020] Soweit nichts anderes angegeben ist, bezeichnen in den Figuren gleiche Bezugszeichen
gleiche Gegenstände. Die in Fig. 1 teilweise dargestellte erfindungsgemäße Rundläufertablettenpresse
besitzt eine mittels eines nicht näher gezeigten Drehantriebs drehend angetriebene
kreisringförmige Matrizenscheibe 10 mit einer Vielzahl von auf einem Teilkreis angeordneten
Matrizenbohrungen 12. Die Rundläufer-Tablettenpresse besitzt darüber hinaus eine nicht
gezeigte Oberstempelaufnahme und eine ebenfalls nicht gezeigte Unterstempelaufnahme,
in der nicht gezeigte Ober- und Unterstempel geführt sind. Die Oberstempelaufnahme
und die Unterstempelaufnahme und mit ihnen die Ober- und Unterstempel werden ebenfalls
durch den Drehantrieb angetrieben, so dass sich die Ober- und Unterstempel, die paarweise
jeweils einer Matrizenbohrung 12 zugeordnet sind, mit der Matrizenscheibe drehen.
[0021] In Fig. 1 ist außerdem bei dem Bezugszeichen 14 eine Fülleinrichtung gezeigt, in
der zu verpressendes Material, beispielsweise ein Tablettenpulver 16, in die Matrizenbohrungen
12 gefüllt wird. Die Fülleinrichtung 14 ist stationär angeordnet, so dass sich die
Matrizenscheibe 10 mit ihren Matrizenbohrungen 12 unter der Fülleinrichtung 14 hindurch
dreht, in Fig. 1 entgegen dem Uhrzeigersinn. Die Fülleinrichtung 14 ist als sogenannter
Füllschuh ausgebildet, so dass die Matrizenbohrungen 12 in an sich bekannter Weise
vollständig mit dem zu verpressenden Pulver 16 befüllt werden. In ebenfalls an sich
bekannter Weise ist der Fülleinrichtung 14 eine in Fig. 1 nicht gezeigte Pressstation
mit oberen und unteren Druckrollen nachgeordnet, in der das in die Matrizenbohrungen
12 gefüllte Pulver durch die Ober- und Unterstempel verpresst wird. Die fertigen Tabletten
18 werden in einer Auswerfereinrichtung 20 aus der Rundläufer-Tablettenpresse ausgeworfen.
[0022] In Drehrichtung der Matrizenscheibe 10 hinter der Fülleinrichtung 14 bildet sich
überschüssiges Tablettenpulver 22, welches der Verpressung nicht zugeführt werden
soll. Zu diesem Zweck ist eine Abstreifvorrichtung vorgesehen, von der in Fig. 1 lediglich
ein Abstreifer 24, vorliegend eine Abstreifleiste 24, zu erkennen ist. Die Abstreifleiste
24 wird in unten noch näher erläuterter Weise auf die Oberseite der Matrizenscheibe
10 gedrückt, so dass das auf der Oberseite der sich unter der Abstreifleiste 24 hindurch
drehenden Matrizenscheibe 10 befindliche überschüssige Pulver 22 in Fig. 1 nach innen
in einen Randbereich der Matrizenscheibe 10 abgestreift wird, der im Zuge der Verpressung
nicht aktiv ist. Das überschüssige Tablettenpulver 24 kann auf diese Weise der Fülleinrichtung
14 für eine Wiederverwendung zugeführt werden.
[0023] Die in Fig. 2 ausschnittsweise gezeigte Rundläufer-Tablettenpresse entspricht hinsichtlich
Konstruktion und Funktion weitestgehend der in Fig. 1 gezeigten Rundläufer-Tablettenpresse.
Die Rundläufer-Tablettenpresse der Fig. 2 unterscheidet sich lediglich hinsichtlich
der Anordnung der Abstreifleiste 24 von der Rundläufer- Tablettenpresse der Fig. 1.
Die Abstreifleiste 24 ist in Fig. 2 derart angeordnet und wird derart auf die Oberseite
der Matrizenscheibe 10 gedrückt, dass das überschüssige Pulver 22 in diesem Ausführungsbeispiel
nach außen vollständig von der Matrizenscheibe 10 herunter abgestreift wird.
[0024] Anhand der Fig. 3 soll die erfindungsgemäße Abstreifvorrichtung näher erläutert werden.
Diese kann sowohl bei der Rundläufer-Tablettenpresse der Fig. 1 als auch bei der Rundläufer-Tablettenpresse
der Fig. 2 zum Einsatz kommen. Bei dem Bezugszeichen 10 ist wiederum ausschnittsweise
die Matrizenscheibe zu erkennen. Der Pfeil 26 gibt die Drehrichtung der Matrizenscheibe
an. Bei dem Bezugszeichen 24 ist die im Schnitt trapezförmige Abstreifleiste zu erkennen.
Wie durch den Pfeil 28 veranschaulicht, wird die Abstreifleiste 24 mit einer Anpresskraft
F auf die Oberseite 30 der Matrizenscheibe 10 gedrückt. Die Abstreifleiste 24 bildet
eine Barriere für auf der Matrizenscheibe 10 befindliches überschüssiges Tablettenpulver
22. Aufgrund der beispielsweise in den Figuren 1 und 2 zu erkennenden Ausrichtung
der dem überschüssigen Tablettenpulver 22 zugewandten Abstreifkante 27 der Abstreifleiste
24 unter einem Winkel zur Radialenrichtung wird das überschüssige Tablettenpulver
22 von der sich unterhalb der Abstreifleiste 24 hindurch drehenden Matrizenscheibe
10 abgestreift.
[0025] Die die Anpresskraft 28 für die Abstreifleiste 24 erzeugende erfindungsgemäße Krafterzeugungseinrichtung
umfasst ein Fluidkissen 32, vorliegend ein Gaskissen 32, beispielsweise ein Luftkissen
32, mit einer flexiblen Hülle. Das Gaskissen 32 ist in einem hohlquaderförmigen Gehäuse
34 beispielsweise aus Metall angeordnet, welches an seiner in Fig. 3 unteren Seite
offen ist. Über diese Öffnung steht das Gaskissen 32 in Kontakt mit der Abstreifleiste
24. Das der Öffnung gegenüberliegende Ende des Gehäuses 34 ist hingegen geschlossen.
Es bildet ein Gegenlager für das Gaskissen 32. In dem Gaskissen 32 herrscht ein Gasdruck,
durch den die Abstreifleiste 24 mit der Anpresskraft 28 auf die Oberseite 30 der Matrizenscheibe
10 gedrückt wird. Die erfindungsgemäße Krafterzeugungseinrichtung umfasst weiterhin
eine Fluidregeleinrichtung 36, vorliegend eine Gasregeleinrichtung 36, mit integrierter
Fluidbefülleinrichtung, vorliegend Gasbefülleinrichtung, einschließlich Steuereinrichtung.
Die Gasbefülleinrichtung ist über eine Gasleitung 38 mit dem Innenraum des Gaskissens
32 verbunden. Über die Gasbefülleinrichtung kann das Gaskissen 32 mit Gas befüllt
werden. Die Krafterzeugungseinrichtung umfasst darüber hinaus eine Druckmesseinrichtung
40, die über eine Messung des Gasdrucks in der Gasleitung 38 den in dem Gaskissen
32 herrschenden Gasdruck misst. Die Gasregeleinrichtung 36 steuert die Gasbefülleinrichtung
und insbesondere ihre Steuereinrichtung abhängig von Messergebnissen der Druckmesseinrichtung
40 so zum Befüllen des Gaskissens mit Gas an, dass in dem Gaskissen 32 ein jeweils
vorgegebener konstanter Gasdruck P herrscht. Durch diesen konstanten Gasdruck P wird
sichergestellt, dass die Abstreifleiste 24 jederzeit mit einer konstanten und definierten
Anpresskraft 28 auf die Oberseite 30 der Matrizenscheibe 10 angedrückt wird.
[0026] In einfacher Weise ist eine Anpassung des Gasdrucks 32 und damit der Anpresskraft
24 an unterschiedliche Einbau- und/oder Betriebssituationen der erfindungsgemäßen
Abstreifvorrichtung möglich. Hierzu muss der Gasregeleinrichtung 36 lediglich der
gewünschte Sollwert für den Gasdruck P in dem Gaskissen 32 vorgegeben werden.
1. Abstreifvorrichtung für eine Rundläufer-Tablettenpresse, umfassend einen Abstreifer
(24), der dazu ausgebildet ist, auf der Oberseite (30) einer sich relativ zu dem Abstreifer
(24) drehenden Matrizenscheibe (10) der Rundläufer-Tablettenpresse befindliches und
zu verpressendes Material abzustreifen, und umfassend eine Krafterzeugungseinrichtung,
die dazu ausgebildet ist, den Abstreifer (24) mit einer vorgegebenen Anpresskraft
auf die Oberseite (30) der Matrizenscheibe (10) zu drücken, dadurch gekennzeichnet, dass die Krafterzeugungseinrichtung ein mit einem Fluid befülltes Fluidkissen (32) umfasst,
welches direkt oder über mindestens ein Übertragungselement mit dem Abstreifer (24)
in Kontakt steht, um den Abstreifer (24) mit der vorgegebenen Anpresskraft auf die
Oberseite (30) der Matrizenscheibe (10) zu drücken.
2. Abstreifvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Fluidkissen ein mit einem Gas befülltes Gaskissen (32) ist.
3. Abstreifvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Fluidkissen (32) in einem Gehäuse (34) angeordnet ist, wobei das Gehäuse (34)
mindestens eine Öffnung besitzt, durch die das Fluidkissen (32) direkt oder über das
mindestens eine Übertragungselement mit dem Abstreifer (24) in Kontakt steht.
4. Abstreifvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Krafterzeugungseinrichtung weiterhin eine Fluidbefülleinrichtung zum Befüllen
des Fluidkissens (32) mit Fluid umfasst.
5. Abstreifvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Krafterzeugungseinrichtung weiterhin eine Druckmesseinrichtung (40) umfasst,
die den in dem Fluidkissen (32) herrschenden Fluiddruck unmittelbar oder mittelbar
misst.
6. Abstreifvorrichtung nach den Ansprüchen 4 und 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Krafterzeugungseinrichtung weiterhin eine Fluidregeleinrichtung (36) umfasst,
die die Fluidbefülleinrichtung abhängig von Messergebnissen der Druckmesseinrichtung
(40) so zum Befüllen des Fluidkissens (32) mit Fluid ansteuert, dass in dem Fluidkissen
(32) ein jeweils vorgegebener Fluiddruck herrscht.
7. Rotor für eine Rundläufer-Tablettenpresse, umfassend eine drehend antreibbare Matrizenscheibe
(10) mit einer Mehrzahl von Matrizenbohrungen (12), sowie eine Oberstempelaufnahme
und eine Unterstempelaufnahme für mit der Matrizenscheibe (10) drehend umlaufende
Oberstempel und Unterstempel der Rundläufer-Tablettenpresse, und umfassend mindestens
eine Abstreifvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6.
8. Rundläufer-Tablettenpresse, umfassend eine drehend antreibbare Matrizenscheibe (10)
mit einer Mehrzahl von Matrizenbohrungen (12), sowie eine Oberstempelaufnahme und
eine Unterstempelaufnahme, in denen mit der Matrizenscheibe (10) drehend umlaufende
Oberstempel und Unterstempel geführt sind zum Verpressen von in mindestens einer relativ
zu der Matrizenscheibe (10) stationär angeordneten Fülleinrichtung (14) der Rundläufer-Tablettenpresse
in die Matrizenbohrungen (12) gefülltem Material, wobei einer Matrizenbohrung (12)
jeweils ein Oberstempel und ein Unterstempel zugeordnet ist, weiter umfassend einen
Drehantrieb zum Drehen der Matrizenscheibe (10) sowie der Oberstempelaufnahme und
der Unterstempelaufnahme, und weiter umfassend mindestens eine Abstreifvorrichtung
nach einem der Ansprüche 1 bis 6.