[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Bindemittels
für Baustoffe wie Beton, Mörtel oder Putz und ein gemäß diesem Verfahren hergestelltes
Bindemittel sowie dessen Verwendung.
[0002] Zement als hydraulisches Bindemittel ist ein wichtiges industrielles Erzeugnis, das
zu wesentlichen Anteilen aus Portlandzementklinker besteht. Dieser Klinker wird durch
Sinterung eines Gemisches aus Kalk, Sand, Ton und Korrekturstoffen bei etwa 1450 °C
hergestellt. Nach der Hochtemperaturreaktion liegen die folgenden fremdoxidhaltigen
Phasen vor: Alit (Ca
3SiO
5, wird auch als C
3S bezeichnet), Belit (Ca
2SiO
4, wird auch als C
2S bezeichnet), Aluminat (Ca
3Al
2O
6, wird auch als C
3A bezeichnet) und Ferrit (Ca
2(Al
xFe
1-x)
2O
5, wird auch als C
4AF bezeichnet). Dabei tritt Belit hauptsächlich in der Form des β-Polymorphs auf.
Diese Phase gilt als relativ träge mit einem geringen Beitrag zur Festigkeit im frühen
Alter.
[0003] Die hydraulische Reaktivität beschreibt die Reaktion eines Bindemittels mit Wasser
unter Bildung eines festen Materials. Im Gegensatz zu derjenigen von Alit erfolgt
die Belit-Hydratation langsam über mehrere Monate und Jahre.
[0004] Es ist bekannt, dass die Reaktivität von Belit mit Wasser durch mechanochemische
Aktivierung (
DD 138197 A1), eine schnelle Kühlung nach dem Brennprozess (
DD 138197 A1 und
DE 3414196 A1) sowie den Einbau von Fremdoxiden (
US 5509962 A und
DE 3414196 A1) verbessert werden kann. Außerdem sind neben der β-Variante des Belits andere Polymorphe
bekannt, die eine bessere (α, α'H, α'L und x) oder schlechtere Reaktivität aufweisen
(γ).
[0005] Aus
H. Ishida, S. Yamazaki, K. Sasaki, Y. Okada, T. Mitsuda, [alpha]-Dicalcium Silicate
Hydrate: Preparation, Decomposed Phase, and Its Hydration, J. Am. Ceram. Soc. 76,
S. 1707-1712, 1993 ist ein Verfahren zur Herstellung von α-Dicalcium-Silikat-Hydrat (α-C
2SH) bei 200 °C durch eine zweistündige hydrothermale Behandlung von gebranntem Kalk
(CaO) und Kieselsäure für Laborsynthesen (Reinheitsgrad p.a.) bekannt. Im Temperaturbereich
von 390-490 °C wandelt sich α-C
2SH in verschiedene C
2S-Modifikationen um, die bei weiterer Erhitzung auf 920-960 °C in die α'L-Phase übergehen
und beim Abkühlen β-C
2S bilden. Nachteilig hieran ist der hohe Anteil an reaktionsträgem γ-C
2S.
[0006] In
DE 10 2009 018 632 ist ein Verfahren zur Herstellung eines belithaltigen Bindemittels offenbart, in
dem ein Zwischenprodukt, das bei 120 -250 °C durch hydrothermales Behandeln des Ausgangsmaterials
mit einem molaren Verhältnis Ca/(Si+Al) zwischen 1,5 und 2,5 hergestellt wurde, einer
Reaktionsmahlung bei 100-200°C zwischen 5 min und 30 min unterzogen wird. Nachteilig
ist, dass das Reaktionsmahlen ein energetisch ineffizienter Schritt ist. Weiterhin
kann nur bei Zugabe von Fließmitteln eine ausreichende Druckfestigkeit nach der Erhärtung
erreicht werden.
[0007] DE 10 2005 037 771 offenbart ein Verfahren zur Herstellung von Belit-Zement, in dem α-Dicalcium-Silikat-Hydrat
(α-C
2SH) bei 100-300 °C durch eine hydrothermale Behandlung des Ausgangsmaterials, das
CaO und SiO
2 im molaren Ca/Si-Verhältnis 1,5-2,5 enthält, entsteht. Im Temperaturbereich zwischen
500 und 1000 °C wird α-C
2SH in hydraulisch reaktive C
2S-Modifikationen (Belit-Zement) umgewandelt. Nachteilig hieran ist, dass der Brennprozess
bei vergleichsweise hoher Temperatur (über 500 °C) durchgeführt werden muss. Diese
hohen Temperaturen führen weiterhin zur Senkung der Reaktivität des Bindemittels.
[0009] Die nicht vorveröffentlichte
EP 12004620.6 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung eines Bindemittels, umfassend die Schritte:
- a) Bereitstellen eines Ausgangsmaterials, das ein molares Ca/Si-Verhältnis von 1,5
bis 2,5 aufweist, bei dessen Ermittlung diejenigen Bestandteile unberücksichtigt bleiben,
die sich bei einer hydrothermalen Behandlung im Autoklaven inert verhalten, aus Rohstoffen
- b) Mischen der Rohstoffe,
- c) Hydrothermales Behandeln der in Schritt b) hergestellten Ausgangsmaterialmischung
im Autoklaven bei einer Temperatur von 100 bis 300 °C und einer Verweilzeit von 0,1
bis 24 h, wobei das Wasser/Feststoff-Verhältnis 0,1 bis 100 beträgt,
- d) Tempern des in Schritt c) erhaltenen Zwischenprodukts bei 350 bis 495 °C, mit einer
Aufheizrate von 10-6000 °C/min und einer Verweilzeit von 0,01-600 min,
wobei während des Mischens und/oder in den folgenden Schritten 0,1 bis 30 Gew.-% zusätzliche
Elemente und/oder Oxide zugegeben werden.
[0010] Pimraksa et al., "Synthesis of belite cement from lignite fly ash", Ceram. Int. 35
(2009) 2415-2425 weisen nach, dass Flugasche als Edukt zur Herstellung von Belitzement durch hydrothermale
Behandlung und Kalzinieren geeignet ist. Die hydrothermale Behandlung findet bei 130
°C bevorzugt in Anwesenheit von NaOH zur Schaffung alkalischer Bedingungen statt.
Die Produkte der hydrothermalen Behandlung werden dann bei 750 bis 950 °C 30 Minuten
kalziniert, wobei die Aufheizrate 8 °C/min bis 600 °C und darüber 4 °C/min. beträgt.
Als Produkt werden C
2S (β und α) und C
12A
7 genannt.
[0011] Die meisten dieser Vorschläge gehen von hochwertigen Rohstoffen aus. Außerdem ist
überwiegend ein Kalzinieren bei immer noch sehr hohen Temperaturen und/oder eine Aktivierung
der Rohstoffe/Zwischenprodukte durch ein energieintensives Reaktionsmahlen nötig.
[0012] Es bestand daher die Aufgabe, ein Verfahren zur Herstellung von Bindemitteln vorzuschlagen,
durch das eine hohe Reaktivität des Bindemittels erzielt werden kann, um dadurch leistungsfähige
Zemente herzustellen. Dabei sollte auch eine deutlich geringere Kohlendioxidemission
als bei konventionellen Portlandzementen mit hohem Alitanteil erreicht werden. Außerdem
ist eine Schonung hochwertiger, natürlicher Rohstoffe angestrebt, d.h. diese sollen
zumindest teilweise, bevorzugt weitgehend bis ganz durch Sekundärrohstoffe ersetzbar
sein.
[0013] Überraschend wurde nun gefunden, dass Rohstoffe, welche neben Ca und Si auch Mg und
Al sowie ggfs. Fe enthalten, durch hydrothermales Behandeln und anschließendes Tempern
bei 350 bis maximal 600 °C, idealerweise bei unter 500 °C, sehr reaktive Bindemittel
ergeben.
[0014] Daher wird die Aufgabe durch ein Verfahren zur Herstellung eines Bindemittels gelöst,
umfassend die Schritte:
- a) Bereitstellen eines Ausgangsmaterials aus Rohstoffen, welche CaO, MgO, SiO2, Al2O3 und Fe2O3 oder andere Verbindungen dieser Elemente enthalten und ein molares (Ca+Mg)/(Si+Al+Fe)-Verhältnis
von 1 bis 3.5, ein molares Verhältnis Ca:Mg von 0,1 bis 100 und ein molares Verhältnis
(Al+Fe)/Si von 100 bis 0,1 aufweisen, wobei bei der Ermittlung der Verhältnisse diejenigen
Bestandteile unberücksichtigt bleiben, die sich bei der hydrothermalen Behandlung
im Autoklaven inert verhalten,
- b) Mischen der Rohstoffe,
- c) Hydrothermales Behandeln der in Schritt b) hergestellten Ausgangsmaterialmischung
im Autoklaven bei einer Temperatur von 100 bis 300 °C und einer Verweilzeit von 0,1
bis 24 h, wobei das Wasser/Feststoff-Verhältnis von 0,1 bis 100 beträgt,
- d) Tempern des in Schritt c) erhaltenen Zwischenprodukts bei 350 bis 600 °C, wobei
die Aufheizrate von 10 - 6000 °C/min und die Verweilzeit von 0,01 - 600 min betragen.
Vorzugsweise können während des Mischens b) und/oder in den folgenden Schritten 0,1
bis 30 Gew.-% zusätzliche Elemente und/oder Oxide zugegeben werden.
[0015] Gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren soll das molare Verhältnis der Summe von Calcium
und Magnesium zur Summe von Silizium, Aluminium und Eisen von 1,0 bis 3,5, vorzugsweise
von 1,5 bis 2,5, besonders bevorzugt etwa 2, betragen. Das Verhältnis von Calcium
zu Magnesium beträgt von 0,1 bis 100, vorzugsweise von 0,2 bis 20 vorzugsweise von
0,5 bis 5. Das Verhältnis der Summe von Aluminium und Eisen zu Silizium beträgt von
0,01 bis 100. Für einen hohen Aluminiumgehalt ist ein Verhältnis der Summe von Aluminium
und Eisen zu Silizium von 100 bis 10 bevorzugt, für einen mittleren Aluminiumgehalt
von 1 bis 20 und für einen niedrigen Aluminiumgehalt von 0,01 bis 2. Bei der Ermittlung
dieser Verhältnisse werden diejenigen Verbindungen nicht berücksichtigt, die sich
bei dem Herstellungsverfahren inert verhalten.
[0016] Als Ausgangsmaterial können Primär- und/oder Sekundärrohstoffe eingesetzt werden.
In einer bevorzugten Ausgestaltung werden Quarze, Sande oder Kiese, Altbeton und Flugasche
als Rohstoffe für das Ausgangsmaterial verwendet. Das gewünschte (Ca+Mg)/(Si+Al+Fe)-,
Ca/Mg- bzw. Al/Si-Verhältnis kann je nach Rohstoff bereits vorliegen, wenn nicht,
müssen die Materialien vor der weiteren Behandlung bezüglich der chemischen Zusammensetzung
durch Zugabe weiterer Reaktionspartner wie Ca-, Mg-, Al-, Fe- oder Si- haltiger Feststoffe
zur Einstellung des erforderlichen (Ca+Mg):(Si+Al+Fe)-Verhältnisses von 1 bis 3.5,
des gewünschten Ca:Mg-Verhätlnisses von 0,1 bis 100 bzw. des gewünschten Al+Fe:Si-Verhältnisses
von 100 bis 0,1 eingestellt werden. Zur Erhöhung des Ca-Anteils eignen sich beispielweise,
aber nicht ausschließlich, Portlandit Ca(OH)
2 oder gebrannter Kalk, Aschen mit hohem chemischem CaO- und/oder Freikalkgehalt, Zementklinker
sowie Hüttensand. Zur Erhöhung des Mg-Anteils eignet sich z.B. gebrannter Dolomit
(gebrannt >500°C). Zur Erhöhung des Al-Anteils sind aluminiumreiche Flugaschen aber
auch Tone, beispielsweise calcinierte Tone, Bauxit, Al-haltige Abfallmaterialien und
Rückstände gut geeignet.
[0017] In der Regel werden die Rohstoffe bezüglich Korngröße und Korngrößenverteilung optimiert.
Dazu eignen sich mechanische oder thermische Behandlungen, wobei die thermische Behandlung
auch zu einer Verbesserung/Optimierung der (chemischen) mineralogischen Zusammensetzung
führen kann. Beispiele dafür sind die Verbrennung von Kohlenstoff (z.B. aus Aschen)
oder der Umsetzung von unreaktiven Phasen in reaktivere Verbindungen, wie zum Beispiel
SiO
2 oder C
2AS in C
2S, was wiederum zu einer verbesserten Umsetzung während des Autoklavierens führen
kann.
[0018] In einer bevorzugten Ausgestaltung wird ein Ausgangsmaterial gewählt bzw. durch Vorbehandlung
erzeugt, dessen Größtkorn höchstens 0,1 mm beträgt. Hierfür kommen insbesondere die
feineren Kornfraktionen aus der Wiederaufbereitung von zementhaltigen Bindemitteln
in Baustoffen wie Altbetonen und -zementen zum Einsatz. Ein feineres Ausgangsmaterial
ist sowohl im Hinblick auf die Umsetzungsgeschwindigkeit vorteilhaft, als auch hinsichtlich
des Aufwandes für die Mahlung des fertigen Zementes. Bei entsprechend feinem Ausgangsmaterial
kann eine Mahlung nach der hydrothermalen Behandlung und Temperung entbehrlich sein.
Ein Mahlung des erhaltenen Zementes ist in den meisten Fällen nicht notwendig bzw.
beschränkt sich auf das Erreichen üblicher Zementfeinheiten. Eine "aktivierende" Intensivvermahlung
ist nicht notwendig und findet vorzugsweise nicht statt.
[0019] Während des Mischens der Rohstoffe b) oder der anschließenden Prozessschritte erfolgt
vorzugsweise eine Zugabe von zusätzlichen Elementen oder Oxiden in einer Menge von
0,1 bis 30 Gew.-%. Natrium, Kalium, Bor, Schwefel, Phosphor oder deren Kombination
sind als diese zusätzlichen Elemente/Oxide, die auch zusammenfassend als Fremdoxide
bezeichnet werden, bevorzugt. Hierfür eignen sich Alkali- und/oder Erdalkali-Salze
und/oder Hydroxide, beispielweise, aber nicht ausschließlich, CaSO
4·2H
2O, CaSO
4·½H
2O, CaSO
4, CaHPO
2·2H
2O, Ca
3P
2O
8, NaOH, KOH, Na
2CO
3, NaHCO
3, K
2CO
3, MgCO
3, MgSO
4, Na
2Al
2O
4, Na
3PO
4, K
3PO
4, Na
2[B
4O
5(OH)
4]·8H
2O, CaCl
2, Ca(NO
3)
2, MgCl
2, Mg(NO
3)
2, AlCl
3, Al(NO
3)
3, FeCl
3, Fe(NO
3)
3 Ca(CH
3COO)
2, Mg(CH
3COO)
2, Al(CH
3COO)
3, Ca(HCOO)
2, Mg(HCOO)
2, Al(HCOO)
3, und Mischungen von zwei, drei oder noch mehr davon. In einer bevorzugten Ausführungsform
weist die Ausgangsmaterialmischung ein molares Verhältnis P/Si von etwa 0,05 und/oder
S/Si von etwa 0,05 und/oder Ca/K von etwa 0,05 auf.
[0020] Die, optional wie beschrieben vorbehandelte, Rohstoffmischung kann gegebenenfalls
mit Kristallisationskeimen, die beispielsweise Calciumsilikathydrate, Portlandklinker,
Hüttensand, Magnesiumsilikate, Calciumsulfat-aluminat(belit)zement, Wasserglas, Glaspulver
etc. enthalten, versetzt, also geimpft werden. Die Reaktion kann hierbei durch Impfen
mit von 0,01 - 30 Gew.-% Kristallisationskeimen, insbesondere verschiedener Calciumsilikat-
und Calciumsilikathydrat enthaltender Verbindungen, insbesondere mit α-2CaO·SiO
2·H
2O, Afwillit, Calciochondrodit, α- und β-Ca
2SiO
4 und anderen Verbindungen, beschleunigt werden.
[0021] Die hergestellte Mischung der Rohstoffe, die ggf. wie oben beschrieben geimpft ist,
wird anschließend in Schritt c) einer hydrothermalen Behandlung im Autoklaven bei
einer Temperatur von 100 bis 300 °C, bevorzugt von 150 °C bis 250 °C unterzogen. Hierbei
wird bevorzugt ein Wasser/Feststoff-Verhältnis von 0,1 bis 100, bevorzugt von 2 bis
20 gewählt. Die Verweilzeiten betragen vorzugsweise von 0,1 bis 24 Stunden, bevorzugt
von 1 bis 16 Stunden.
[0022] Die Mischung der Rohstoffe kann in einem vorgeschalteten zusätzlichen Schritt gebrannt
werden. Dieser Schritt ist besonders bevorzugt bei der Verwendung von industriellen
Nebenprodukten oder relativ wenig reaktiven bzw. groben Materialien als Rohstoffe.
Dabei sind Temperaturen von 350 bis 1400 °C, vorzugsweise von 750 bis 1100 °C, geeignet.
Die Brenndauer beträgt 0,1 - 6 Stunden, bevorzugt etwa 1 Stunde. Durch das Brennen
der Rohstoffe können Stoffe gezielt nutzbar gemacht werden, welche ansonsten kaum
/ nicht verwendet werden können (z.B. kristalline Aschen, Kalkstein, Dolomit und Schlacken
usw.). Dabei kann das Rohmehl vor dem Klinkerbrand bezüglich seiner chemischen Zusammensetzung
optimiert werden und es wird eine verbesserte/größere Umsetzbarkeit im Autoklaven
gewährleistet. Des Weiteren bietet sich der Vorteil, dass gezielt reaktive Phasen
(z.B. Calcium- und/oder Magnesiumaluminate, Calcium- und/oder Magnesiumsilikate, Calcium-
und/oder Magnesiumferrite und - oxide) erzeugt werden können, welche Produkte nach
Schritt c) und d) mit besonders hohen Gehalten an x-C
2S, α-C
2S, C
12A
7, Mg-silikaten, MgO und/oder mindestens einer reaktiven, röntgenamorphen Phase und/oder
wenig kristallinen Phase aufweisen. Ein Vorteil der Verwendung von Belit als Rohmaterial
für den Autoklavprozess ist eine verbesserte Phasenzusammensetzung des finalen Bindemittels
gegenüber ungebrannten Rohstoffen.
[0023] Als mindestens eine Rohstoffkomponente für den vorgeschalteten Klinkerbrand oder
bevorzugt direkt für den Autoklavierungsschritt, kann Ofen- oder Heißmehl verwendet
werden. Der Vorteil besteht darin, dass dieses Material zu großen Teilen schon entsäuert
vorliegt und infolgedessen Energie aber auch zusätzliche Ausrüstung eingespart werden
kann. Zusätzlich dazu ermöglicht dies eine "Werk im Werk-Lösung", da Abwärmeströme
bzw. -mengen gezielt für den Autoklavierungs- und Temperungsprozess genutzt werden
können.
[0024] Die durch Mischen und ggfs. Brennen der Rohstoffe erzeugte Ausgangsmaterialmischung
wird entsprechend Schritt c) in das mindestens ein Calciumsilikathydrat oder Calciumaluminathydrat
oder Calciumaluminiumsilikathydrat oder Magnesiumsilikathydrat oder Calciummagnesiumsilikathydrat
oder Magnesium(Aluminium, Eisen)silikathydrat oder Magnesium (Calcium, Aluminium,
Eisen)silikat und ggf. weitere Verbindungen enthaltende Zwischenprodukt durch hydrothermale
Behandlung umgewandelt. Dies erfolgt in einem Autoklaven, bei einer Temperatur von
100 bis 300 °C und einer Verweilzeit von 0,1 bis 24 h, wobei das Wasser/Feststoff-Verhältnis
von 0,1 bis 100 beträgt.
[0025] Das in Schritt c) erhaltene Zwischenprodukt enthält zumindest ein, normalerweise
mehrere, der genannten Calcium- und/oder Magnesiumsilikat- bzw. aluminathydrate, typischerweise:
- 0,01 bis 80 Gew.-% α-C2SH, verschiedene C-S-H Formen einschließlich Dellait und teilweise karbonatisierte
C-S-H Phasen sowie amorphe und wenig kristalline Phasen davon
- 0,01 bis 80 Gew.-% Katoit, Si-Katoit, Fe-Katoit, auch als Mono- und Hemikarbonate
sowie als amorphe und wenig kristalline Phasen
- 0,01 bis 80 Gew.-% Magnesium(Calcium, Aluminium, Eisen)silikate,
- silikathydrate sowie amorphe und wenig kristalline Phasen davon
- 0,01 bis 80 Gew.-% Aluminium- und/oder Eisensilikate und -silikathydrate sowie amorphe
und wenig kristalline Phasen davon
- Spuren- und Nebenbestandteile wie Aluminium- / Eisenoxide und -hydroxide, C2AS, CH, MgCO3, Mg(OH)2, Quarz und Calcit.
[0026] Bei den amorphen und wenig kristallinen Phasen handelt es sich im allgemeinen um
eine Vorstufe zu den kristallinen Phasen, wie zum Beispiel Calciumsilikate (Belit),
Calciumaluminate (Monocalciumaluminate, Mayenit), Magnesium(Aluminium, Eisen)silikate
(Serpentintite, Talk), usw., die keine oder nur eine geringe atomare (Nah)Ordnung
aufweisen. Das spiegelt sich in der fehlenden Ausbildung von Röntgenreflexen bzw.
der Ausbildung sehr stark verbreiteter Reflexe geringerer Intensitäten wieder. Ein
gutes Beispiel hierfür stellt ein Hüttensand mit hohem amorphem Anteil (>95 %) dar.
Typisch sind ein sehr ausgeprägter sogenannter "Glasbuckel" über einem 2Thethabereich
an dem, je nach chem. Zusammensetzung, die Hauptpeak(s) der kristalline Phasen, zum
Beispiel Akermannit oder Gehlenit, liegen. Der Grad der Kristallisation hängt von
diversen Parametern, wie zum Beispiel der der Art des Ausgangsmaterials, der Temperatur,
dem Druck und dem Einbau von Fremdionen ab.
[0027] Im folgenden Schritt d) wird das Zwischenprodukt bei einer Temperatur von 350 °C
bis 600°C getempert. Hierbei betragen die Aufheizrate von 10 - 6000 °C/min, bevorzugt
von 20 - 100 °C/min und besonders bevorzugt etwa 40 °C/min, und die Verweilzeit von
0,01 - 600 min, bevorzugt von 1 - 120 min und besonders bevorzugt von 5 - 60 min.
Zur Senkung des Anteils an reaktionsträgerem γ-C
2S bewährt sich eine zusätzliche Haltezeit während des Aufheizens bei 400 - 440 °C
von 1 - 120 min, bevorzugt von 10 - 60 min. Es findet kein Reaktionsmahlen statt.
Die Temperatur beträgt vorzugsweise 400 bis 550 °C, insbesondere 400 bis 495 °C. Je
höher die Temperatur beim Brennen, desto geringer ist vorzugsweise die Zeitdauer des
Brennens. Brenntemperaturen unter 500 °C führen zu besonders reaktivem Material, höhere
Brenntemperaturen sind jedoch möglich und können je nach Ausgangsmaterial sinnvoll
sein. Die Brenntemperatur und -dauer sollte so hoch gewählt werden, dass möglichst
alles Ausgangsmaterial umgesetzt wird. Andererseits sollte die Temperatur so niedrig
wie möglich sein, da die Reaktivität des Produkts höher ist und dies außerdem die
erforderliche Energie und damit Kosten sowie Umweltbeeinträchtigung begrenzt.
[0028] Nach dem Abkühlen erhält man ein Produkt, welches mindestens ein Calciumsilikat C
2S, mindestens ein Calciumaluminat und mindestens eine röntgenamorphe Phase umfasst.
In der Regel enthält das Produkt die folgenden Komponenten:
- 1 - 95 Gew.-% reaktive Calciumaluminate, vorzugsweise in Form von kristallinem C12A7, oder von wenig kristallinen oder amorphen Aluminatphasen
- 1 - 80 Gew.-% Magnesium(Calcium, Aluminium, Eisen)silikate, als kristalline, wenig
kristalline oder amorphe Phasen, die Fremdionen wie Fe, Al, Ca enthalten können
- 1 - 80 Gew.-% C2S Polymorphe, als kristalline, wenig kristalline oder amorphe Phasen
- 1 - 80 Gew.-% Calciumaluminatsilkate, als kristalline, wenig kristalline oder amorphe
Phasen
- 1 - 80 Gew.-% Calciummagnesiumaluminatsilkate, als kristalline, wenig kristalline
oder amorphe Phasen
- bis zu 30 Gew.-% Spuren- und Nebenbestandteile, insbesondere C5A3, CA, Calciumoxid, γ-Aluminiumoxid und andere Aluminiumoxide, Quarz und/oder Kalkstein,
CaO, Calciumsulfat, MgCO3, Mg(OH)2, Fe3O4, Eisensilikate wie Fe2SiO4, amorphe Eisen-haltige Phasen und
- 0 - 30 Gew.-% Hydrate aus der hydrothermalen Behandlung,
wobei sich alle Anteile des Produkts auf 100 % summieren und die Summe von Calciumsilikaten,
Calciumaluminaten, Calciumaluminiumsilikaten, Magnesiumsilikaten und Calciummagnesiumsilikaten
mindestens 30 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 50 Gew.-%, am meisten bevorzugt mindestens
70 Gew.-% beträgt.
[0029] Sofern die Feinheit des Produkts bereits ausreicht (Einsatz feiner Rohstoffe mit
geeigneter Kornverteilung), ist das Produkt bereits das gewünschte, hydraulisch reaktive
Bindemittel bzw. eine Komponente davon. Reicht die Feinheit nicht oder wird ein Bindemittel
mit besonders hoher Feinheit gewünscht, kann das Produkt in an sich bekannter Weise,
mit oder ohne Zusätze, auf eine gewünschte Feinheit bzw. Kornverteilung vermahlen
werden. Geeignete Feinheiten sind beispielsweise 2000 bis 10.000 cm
2/g (nach Blaine).
[0030] Das Bindemittel kann neben dem erfindungsgemäßen Produkt zusätzlich einen oder mehrere
weitere Bestandteile ausgewählt unter Portlandzement, Flugasche, Metakaolin, Hüttensand
und Kalkstein enthalten. Diese Bestandteile können in der gewünschten Feinheit zugefügt
oder gemeinsam mit dem erfindungsgemäßen Produkt vermahlen werden.
[0031] Die BET-Oberfläche des Bindemittels soll von 1 bis 30 m
2/g betragen. Der Wassergehalt im Bindemittel beträgt in der Regel maximal 20 Gew.-%,
vorzugsweise weniger als 15 Gew.-% und insbesondere weniger als 10 Gew.-%.
[0032] Durch das erfindungsgemäße Verfahren können hydraulisch hochreaktive Bindemittel
auf Basis von C
2S, C
12A
7, Magnesiumsilikaten und amorphen Phasen hergestellt werden. Diese zeichnen sich dadurch
aus, dass sehr reaktive Polymorphe von C
2S, hoch reaktive(n) Magnesium(Calcium, Aluminium, Eisen)silikaten, C
12A
7 und röntgenamorphe sowie wenig kristalline Phasen enthalten sind.
[0033] Weiterhin kann das Bindemittel auch γ-Ca
2SiO
4 enthalten. Die Bildung dieses Polymorphs wird bei der Portlandzementherstellung durch
eine schnelle Klinkerkühlung vermieden, da dieser Polymorph nach bisheriger Ansicht
keinen Beitrag zur Festigkeitsentwicklung leistet. Überraschend wurde gefunden, dass
diese Phase, hergestellt durch das erfindungsgemäße Verfahren bei einer Temperatur
< 500 °C, im Unterschied zu den bisherigen Herstellungsverfahren eine gute Reaktivität
zeigt.
[0035] Im Gegensatz zu bisherigen Vorschlägen mit einer Verwendung von aluminiumhaltigen
Rohstoffen wird die Temperatur beim Tempern auf unter 600 °C, vorzugsweise unter 550
°C und insbesondere unter 500 °C begrenzt, so dass sehr reaktive Polymorphe von Mg-haltigen,
C
2S, und anderen Phasen und eine röntgenamorphe Phase erhalten werden. Dadurch ergibt
sich eine sehr hohe Reaktivität und eine besonders schnelle Hydratation und Festigkeitsentwicklung,
basierend auf den gebildeten Calcium- und Magnesiumsilikathydraten.
[0036] Die Erfindung soll anhand der folgenden Beispiele erläutert werden, ohne jedoch auf
die speziell beschriebenen Ausführungsformen beschränkt zu sein. Soweit nichts anderes
angegeben ist oder es sich aus dem Zusammenhang nicht zwingend anders ergibt, beziehen
sich Prozentangaben auf das Gewicht, im Zweifel auf das Gesamtgewicht der Mischung.
[0037] Die Erfindung bezieht sich auch auf sämtliche Kombinationen von bevorzugten Ausgestaltungen,
soweit diese sich nicht gegenseitig ausschließen. Die Angaben "etwa" oder "ca." in
Verbindung mit einer Zahlenangabe bedeuten, dass zumindest um 10 % höhere oder niedrigere
Werte oder um 5 % höhere oder niedrigere Werte und in jedem Fall um 1 % höhere oder
niedrigere Werte eingeschlossen sind.
Beispiel 1
[0038] Aus den in Tabelle 1 aufgelisteten Rohstoffen wurden Ausgangsmaterialmischungen hergestellt,
eine mit 37,8 % Portlandit, 29 % Brucit und 32,6 % Silikastaub sowie zum Vergleich
eine zweite mit 63,7 % CaO und 36,3 % Silikastaub.
Tabelle 1
| Rohstoff |
Portlandit |
CaO |
Brucit |
Silikastaub |
| Glühverlust 1050°C |
24,33 |
|
31,04 |
2,73 % |
| SiO2 |
|
|
|
94,05 % |
| Al2O3 |
|
|
|
0,61 % |
| TiO2 |
|
|
|
0 |
| MnO |
|
|
|
0 |
| Fe2O3 |
|
|
|
0,40 % |
| CaO |
75,67 % |
100 % |
|
0,31 % |
| MgO |
|
|
68,96 % |
0,59 % |
| K2O |
|
|
|
1,12 % |
| Na2O |
|
|
|
0,21 % |
| SO3 |
|
|
|
0 |
| P2O5 |
|
|
|
0,04 % |
[0039] Die beiden Ausgangsmaterialmischungen wurden jeweils mit Wasser in einem Wasser/Feststoffverhältnis
von 10 vermischt und 16 Stunden bei 185 °C im Autoklaven behandelt. Die Zwischenprodukte
wurden 1 Stunde bei 500 °C getempert. Die erhaltenen Produkte wurden zur Prüfung der
hydraulischen Reaktivität mit einem Wasser-Feststoffverhältnis von 0,5 in einem Kalorimeter
zur Reaktion gebracht. Die erhaltenen Wärmeflüsse und kumulierten Wärmeflüsse sind
in den Figuren 1 und 2 dargestellt. Man erkennt, dass das erfindungsgemäße Produkt
mit dem Magnesiumgehalt mehr reaktive Bestandteile aufweist.
Beispiel 2
[0040] Aus den in Tabelle 2 aufgelisteten Rohstoffen wurde eine Ausgangsmaterialmischung
mit 27,75 % Portlandit und 72,24 % Hüttensand hergestellt und entsprechend Beispiel
1 zu einem Bindemittel umgesetzt. Das Produkt wurde zur Prüfung der hydraulischen
Reaktivität mit einem Wasser-Feststoffverhältnis von 0,5 in einem Kalorimeter zur
Reaktion gebracht. Dieselben Materialien wurden außerdem zum Vergleich ohne die hydrothermale
Behandlung und Temperung mit einem Wasser-Feststoffverhältnis von 0,5 in einem Kalorimeter
zur Reaktion gebracht. Die gemessenen Wärmeflüsse bzw. kumulierten Wärmeflüsse sind
in Figur 3 bzw. 4 dargestellt.
Tabelle 2
| Rohstoff |
Portlandit |
Hüttensand |
| Glühverlust 1050°C |
24,33 |
1,37% |
| SiO2 |
|
35,84% |
| Al2O3 |
|
11,06% |
| TiO2 |
|
0,99% |
| MnO |
|
0,34% |
| Fe2O3 |
|
0,44% |
| CaO |
75,67% |
38,99% |
| MgO |
|
8,19% |
| K2O |
|
0,49% |
| Na2O |
|
0,15% |
| SO3 |
|
3,18% |
| P2O5 |
|
0,00% |
| Amorphe Phasen |
|
92,6% |
[0041] Aus den Beispielen wird deutlich, dass das erfindungsgemäße Verfahren zu Produkten
mit hoher Reaktivität führt, die als solche oder im Gemisch mit weiteren Substanzen
als Bindemittel eingesetzt werden können. Im Vergleich zur Herstellung von Portlandzement
wird der Energieeinsatz vermindert, teilweise sehr stark vermindert. Zudem können
in weit größerem Umfang Nebenprodukte und Abfallstoffe eingesetzt werden.
1. Verfahren zur Herstellung eines Bindemittels, umfassend die Schritte:
a) Bereitstellen eines Ausgangsmaterials aus einem oder mehreren Rohstoffen, die CaO,
MgO, SiO2, Al2O3 und Fe2O3 oder andere Verbindungen dieser Elemente enthalten und wobei das Ausgangsmaterial
ein molares (Ca+Mg)/(Si+AI+Fe)-Verhältnis von 1,0 bis 3,5, ein molares Ca/Mg-Verhätinis
von 0,1 bis 100 und ein molares AI/Si-Verhältnis von 100 bis 0,1 aufweist, bei dessen
Ermittlung diejenigen Bestandteile unberücksichtigt bleiben, die sich bei einer hydrothermalen
Behandlung im Autoklaven inert verhalten,
b) Mischen der Rohstoffe zu einer Ausgangsmaterialmischung,
c) Hydrothermales Behandeln der in Schritt b) hergestellten Ausgangsmaterialmischung
im Autoklaven bei einer Temperatur von 100 bis 300 °C und einer Verweilzeit von 0,1
bis 24 h, wobei das Wasser/Feststoff-Verhältnis 0,1 bis 100 beträgt, und
d) Tempern des in Schritt c) erhaltenen Zwischenprodukts bei 350 bis 600 °C, wobei
die Aufheizrate 10-6000 °C/min und die Verweilzeit 0,01-600 min betragen.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass während des Mischens b) und/oder in den folgenden Schritten 0,1 bis 30 Gew.-% zusätzliche
Elemente und/oder Oxide zugegeben werden.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohstoffe ausgewählt sind aus CaO, Ca(OH)2, Ca- sowie Mg-(Hydroxid)Carbonate(Hydrate), MgO, Mg(OH)2, Schlacken / Hüttensanden, Aschen, Portlandzement-Klinkern, Portlandzement, aufbereiteten
Zementsteinen, CSAB, CAC, Glaspulver, Wasserglas und natürlichen Gesteinsmehlen (z.B.
Basalt, Granit, etc.) in geeigneter Mischung.
4. Verfahren gemäß mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Mischen der Ausgangsstoffe b) und der hydrothermalen Behandlung c) ein
zusätzlicher Brennprozess bei Temperaturen von 350 bis 1400 °, vorzugsweise von 750
bis 1100 °C, durchgeführt wird.
5. Verfahren gemäß mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zur Entwässerung in Schritt d) während des Aufheizens bei einer Temperatur von 350
- 600 °C eine Haltezeit von 1 - 120 min eingestellt wird.
6. Verfahren gemäß mindestens einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass Natrium, Kalium, Bor, Schwefel, Chlor, Stickstoff, Kohlenstoff oder Phosphor oder
Kombinationen davon als zusätzliche Elemente verwendet werden.
7. Verfahren gemäß mindestens einem der Ansprüche 2 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass Alkali- und/oder Erdalkali-Salze und/oder -Hydroxide als Quelle für die zusätzlichen
Elemente und/oder Oxide verwendet werden.
8. Verfahren gemäß Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Alkali- und/oder Erdalkali-Salze und/oder Hydroxide aus der Gruppe bestehend
aus CaSO4·2H2O, CaSO4·½H2O, CaSO4, CaHPO2·2H2O, Ca3P2O8, NaOH, KOH, Na2CO3, NaHCO3, K2CO3, MgCO3, MgSO4 Na2Al2O4, Na3PO4, K3PO4, Na2[B4O5(OH)4]·8H2O, CaCl2, Ca(NO3)2, MgCl2, Mg(NO3)2, AlCl3, Al(NO3)3, FeCl3, Fe(NO3)3 Ca(CH3COO)2, Mg(CH3COO)2, Al(CH3COO)3, Ca(HCOO)2, Mg(HCOO)2, Al(HCOO)3, oder deren Mischungen ausgewählt werden.
9. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass vor der hydrothermalen Behandlung c) dem Gemisch von 0,01 bis 30 Gew.-% Impfkeime
enthaltend Calciumsilikathydrate, Portlandklinker, Hüttensand, Magnesiumsilikate,
Ccalciumsulfataluminat(belit)zement, Wasserglas und/oder Glaspulver zugegeben werden.
10. Bindemittel, erhältlich durch ein Verfahren gemäß mindestens einem der Ansprüche 1
bis 9.
11. Bindemittel gemäß Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittel mindestens ein Calciumsilikat, Calciumaluminat, Calciumaluminiumsilikat,
Magnesium(calcium,aluminium,eisen)silikat oder Calciummagnesiumsilikat und mindestens
eine röntgenamorphe Phase umfasst, wobei die Summe von Calciumsilikaten, Calciumaluminaten,
Calciumaluminiumsilikaten, Magnesium(Calcium, Aluminium, Eisen)silikaten und Calciummagnesiumsilikaten
mindestens 30 Gew.-% beträgt.
12. Bindemittel gemäß Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittel die folgenden Komponenten umfasst:
1 - 95 Gew.-% reaktive Calciumaluminate, vorzugsweise in Form von kristallinem C12A7, oder von wenig kristallinen oder amorphen Aluminatphasen
1 - 80 Gew.-% Magnesium(Calcium, Aluminium, Eisen)silikate, als kristalline, wenig
kristalline oder amorphe Phasen, die Fremdionen wie Ca, Fe, Al enthalten können
1 - 80 Gew.-% C2S Polymorphe, als kristalline, wenig kristalline oder amorphe Phasen
1 - 80 Gew.-% Calciumaluminatsilkate, als kristalline, wenig kristalline oder amorphe
Phasen
1 - 80 Gew.-% Calciummagnesiumaluminatsilkate, als kristalline, wenig kristalline
oder amorphe Phasen und bis zu 30 Gew.-% Spuren- und Nebenbestandteile, insbesondere
C5A3, CA, Calciumoxid, γ-Aluminiumoxid und andere Aluminiumoxide, Quarz und/oder Kalkstein,
CaO, Calciumsulfat, MgCO3, Mg(OH)2, FeO, Fe2O3, Fe3O4, Eisensilikate wie Fe2SiO4, amorphe Eisen-haltige Phasen und
0 - 30 Gew.-% Hydrate aus der hydrothermalen Behandlung.
13. Bindemittel gemäß einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die BET-Oberfläche des Bindemittels im Bereich von 1 bis 30 m2/g liegt.
14. Bindemittel gemäß einem der Ansprüche 10 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass der chemisch gebundene Wassergehalt maximal 20 Gew.-%, vorzugsweise weniger als 15
Gew.-%, besonders bevorzugt weniger als 10 Gew.-% beträgt.
15. Verwendung des Bindemittels gemäß einem der Ansprüche 10 bis 14 zur Herstellung von
Baustoffen, insbesondere von Beton, Mörtel oder Putz.
1. A method for producing a binder comprising the following steps:
a) providing a starting material from one or more raw materials that contain CaO,
MgO, SiO2, Al2O3 and Fe2O3 or other compounds of these elements, wherein the starting material has a molar (Ca+Mg)/(Si+Al+Fe)
ratio from 1 to 3.5, a molar Ca/Mg ratio from 0.1 to 100, and a molar Al/Si ratio
from 100 to 0.1, wherein constituents that are inert during the hydrothermal treatment
in an autoclave are not taken into account for determination of the ratios,
b) mixing the raw materials to form a starting material mixture,
c) hydrothermal treating of the starting material mixture produced in step b) in an
autoclave at a temperature from 100 to 300 °C and a residence time from 0.1 to 24
h, wherein the water/solids ratio is 0.1 to 100, and
d) tempering the intermediate product obtained in step c) at 350 to 600 °C, wherein
the heating rate is 10-6000 °C/min and the residence time is 0.01-600 min.
2. The method according to Claim 1, characterised in that 0.1 to 30 % by weight additional elements and/or oxides are added during the mixing
b) and/or in the following steps.
3. The method according to Claim 1 or 2, characterised in that the raw materials are selected from CaO, Ca(OH)2, Ca and Mg (hydroxide)carbonate(hydrates), MgO, Mg(OH)2, slags/granulated blast furnace slags, ashes, Portland cement clinkers, Portland
cement, processed hardened cement pastes, CSAB, CAC, glass powder, sodium silicate
and natural stone dusts (for example basalt, granite, etc.) in suitable mixture.
4. The method according to at least one of Claims 1 to 3, characterised in that an additional burning process at temperatures from 350 to 1400 °, preferably from
750 to 1100 °C, is performed between the mixing of the starting materials b) and the
hydrothermal treatment c).
5. The method according to at least one of Claims 1 to 4, characterised in that a holding time of 1 - 120 min during heating at a temperature of 350 - 600 °C is
performed for dewatering in step d).
6. The method according to at least one of Claims 2 to 5, characterised in that sodium, potassium, boron, sulphur, chlorine, nitrogen, carbon or phosphorous or combinations
thereof are used as additional elements.
7. The method according to at least one of Claims 2 to 6, characterised in that alkaline and/or earth alkaline salts and/or hydroxides are used as a source for the
additional elements and/or oxides.
8. The method according to Claim 7, characterised in that the alkaline and/or earth alkaline salts and/or hydroxides are selected from the
group consisting of CaSO4·2H2O, CaSO4·½ H2O, CaSO4, CaHPO2·2H2O, Ca3P2O8, NaOH, KOH, Na2CO3, NaHCO3, K2CO3, MgCO3, MgSO4, Na2Al2O4, Na3PO4, K3PO4, Na2[B4O5(OH)4]·8H2O, CaCl2, Ca(NO3)2, MgCl2, Mg(NO3)2, AlCl3, Al(NO3)3, FeCl3, Fe(NO3)3 Ca(CH3COO)2, Mg(CH3COO)2. Al(CH3COO)3, Ca(HCOO)2, Mg(HCOO)2, Al(HCOO)3 or mixtures thereof.
9. The method according to at least one of Claims 1 to 8, characterised in that, before the hydrothermal treatment c), from 0.01 to 30 % by weight seeds containing
calcium silicate hydrates, Portland clinker, granulated blast furnace slag, magnesium
silicates, calcium sulphate aluminate (belite) cement, sodium silicate and/or glass
powder are added to the mixture.
10. A binder obtainable by a method according to at least one of Claims 1 to 9.
11. The binder according to Claim 10, characterised in that the binder comprises at least one calcium silicate, calcium aluminate, calcium aluminium
silicate, magnesium (calcium, aluminium, iron) silicate or calcium magnesium silicate
and at least one X-ray amorphous phase, wherein the sum of calcium silicates, calcium
aluminates, calcium aluminium silicates, magnesium (calcium, aluminium, iron) silicates
and calcium magnesium silicates is at least 30 % by weight.
12. The binder according to Claim 12,
characterised in that the binder comprises the following components:
1 - 95 % by weight reactive calcium aluminates, preferably in the form of crystalline
C12A7, or ill crystalline or amorphous aluminate phases
1 - 80 % by weight magnesium (calcium, aluminium, iron) silicates, in the form of
crystalline, ill crystalline or amorphous phases, which may contain foreign ions such
as Ca, Fe and Al
1 - 80 % by weight C2S polymorphs, in the form of crystalline, ill crystalline or amorphous phases
1 - 80 % by weight calcium aluminate silicates, in the form of crystalline, ill crystalline
or amorphous phases
1 - 80 % by weight calcium magnesium aluminate silicates, in the form of crystalline,
ill crystalline or amorphous phases
and up to 30 % by weight traces and minor components, in particular C5A3, CA, calcium oxide, γ alumina and other aluminas, quartz and/or limestone, CaO, calcium
sulphate, MgCO3, Mg(OH)2, FeO, Fe2O3, Fe3O4, iron silicates such as Fe2SiO4, amorphous iron-containing phases and
0 - 30 % by weight hydrates from the hydrothermal treatment.
13. The binder according to one of Claims 10 to 12, characterised in that the BET surface of the binder ranges from 1 to 30 m2/g.
14. The binder according to at least one of Claims 10 to 13, characterised in that the chemically bonded water content is at most 20 % by weight, preferably less than
15 % by weight, particularly preferably less than 10 % by weight.
15. Use of the binder according to one of Claims 10 to 14 for producing building materials,
in particular concrete, mortar or plaster.
1. Procédé pour la préparation d'un liant, comprenant les étapes de
a) mise à disposition d'un matériau de départ constitué par une ou plusieurs matières
premières qui contiennent du CaO, du MgO, du SiO2, de l'Al2O3 et du Fe2O3 ou d'autres composés de ces éléments et le matériau de départ présentant un rapport
molaire (Ca + Mg)/(Si + Al + Fe) de 1,0 à 3,5, un rapport molaire Ca/Mg de 0,1 à 100
et un rapport molaire Al/Si de 100 à 0,1, les constituants qui se comportent de manière
inerte lors d'un traitement hydrothermique dans une autoclave n'étant pas pris en
considération lors de la détermination de ces rapports,
b) mélange des matières premières en un mélange de matériau de départ,
c) traitement hydrothermique du mélange de matériau de départ préparé dans l'étape
b) dans l'autoclave à une température de 100 à 300°C et un temps de séjour de 0,1
à 24 heures, le rapport eau/solide valant 0,1 à 100, et
d) traitement thermique du produit intermédiaire obtenu dans l'étape c) à 350 jusqu'à
600°C, la vitesse de chauffage étant de 10-6000°C/min et le temps de séjour étant
de 0,01-600 min.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que 0,1 à 30% en poids d'éléments et/ou d'oxydes supplémentaires sont ajoutés pendant
le mélange b) et/ou dans les étapes suivantes.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que les matières premières sont choisies parmi CaO, Ca(OH)2, les (hydrates de) (hydroxyde)carbonates de Ca ainsi que de Mg, MgO, Mg(OH)2, les scories/les sables laitiers, les cendres, les clinkers de ciment Portland, le
ciment Portland, la pâte de ciment durcie préparée, le CSAB, le CAC, la poudre de
verre, le verre soluble et les farines de pierres naturelles (par exemple basalte,
granite, etc.) en mélange approprié.
4. Procédé selon au moins l'une quelconque des revendications 1 à 3, caractérisé en ce qu'on réalise, entre le mélange des substances de départ b) et le traitement hydrothermique
c), un procédé de calcination supplémentaire à des températures de 350 à 1400°C, de
préférence de 750 à 1100°C.
5. Procédé selon au moins l'une quelconque des revendications 1 à 4, caractérisé en ce qu'on règle un temps de maintien de 1-120 minutes pour la déshydratation dans l'étape
d) pendant le chauffage à une température de 350-600°C.
6. Procédé selon au moins l'une quelconque des revendications 2 à 5, caractérisé en ce qu'on utilise du sodium, du potassium, du bore, du soufre, du chlore, de l'azote, du
carbone ou du phosphore ou des combinaisons de ceux-ci comme éléments supplémentaires.
7. Procédé selon au moins l'une quelconque des revendications 2 à 6, caractérisé en ce qu'on utilise des sels et/ou des hydroxydes de métal alcalin et/ou de métal alcalino-terreux
comme source pour les éléments et/ou les oxydes supplémentaires.
8. Procédé selon la revendication 7, caractérisé en ce que les sels et/ou les hydroxydes de métal alcalin et/ou de métal alcalino-terreux sont
choisis dans le groupe constitué par CaSO4·2H2O, CaSO4·1/2H2O, CaSO4, CaHPO2·2H2O, Ca3P2O8, NaOH, KOH, Na2CO3, NaHCO3, K2CO3, MgCO3, MgSO4, Na2Al2O4, Na3PO4, K3PO4, Na2[B4O5(OH)4]·8H2O, CaCl2, Ca(NO3)2, MgCl2, Mg(NO3)2, AlCl3, Al(NO3)3, FeCl3, Fe(NO3)3 Ca(CH3COO)2, Mg(CH3COO)2, Al(CH3COO)3, Ca(HCOO)2, Mg(HCOO)2, Al(HCOO)3 ou leurs mélanges.
9. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 8, caractérisé en ce qu'on ajoute au mélange, avant le traitement hydrothermique c), 0,01 à 30% en poids de
germes d'ensemencement contenant des hydrates de silicate de calcium, du clinker de
Portland, du sable laitier, des silicates de magnésium, du ciment de sulfate-aluminate
de calcium (bélite), du verre soluble et/ou de la poudre de verre.
10. Liant pouvant être obtenu par un procédé selon au moins l'une quelconque des revendications
1 à 9.
11. Liant selon la revendication 10, caractérisé en ce que le liant comprend au moins un silicate de calcium, un aluminate de calcium, un aluminosilicate
de calcium, un silicate de magnésium(calcium, aluminium, fer) ou un silicate de calcium
et de magnésium et au moins une phase amorphe aux rayons X, la somme des silicates
de calcium, des aluminates de calcium, des aluminosilicates de calcium, des silicates
de magnésium(calcium, aluminium, fer) et des silicates de calcium et de magnésium
valant au moins 30% en poids.
12. Liant selon la revendication 12,
caractérisé en ce que le liant contient les composants suivants :
1-95% en poids d'aluminates de calcium réactifs, de préférence sous forme de C12A7 cristallin ou de phases d'aluminate peu cristallines ou amorphes
1-80% en poids de silicates de magnésium(calcium, aluminium, fer), sous forme de phases
cristallines, peu cristallines ou amorphes, qui peuvent contenir des ions étrangers
tels que Ca, Fe, Al
1-80% en poids de C2S polymorphe, sous forme de phases cristallines, peu cristallines ou amorphes
1-80% en poids d'aluminosilicates de calcium, sous forme de phases cristallines, peu
cristallines ou amorphes
1-80% en poids d'aluminosilicates de calcium et de magnésium, sous forme de phases
cristallines, peu cristallines ou amorphes
et jusqu'à 30% en poids de constituants à l'état de traces et secondaires, en particulier
C5A3, CA, oxyde de calcium, γ-oxyde d'aluminium et d'autres oxydes d'aluminium, quartz
et/ou pierre calcaire, CaO, sulfate de calcium, MgCO3, Mg(OH)2, FeO, Fe2O3, Fe3O4, silicates de fer, tels que Fe2SiO4, des phases amorphes contenant du fer et
0-30% en poids d'hydrates provenant du traitement hydrothermique.
13. Liant selon l'une quelconque des revendications 10 à 12, caractérisé en ce que la surface spécifique BET du liant se situe dans la plage de 1 à 30 m2/g.
14. Liant selon l'une quelconque des revendications 10 à 13, caractérisé en ce que la teneur en eau chimiquement liée est d'au maximum 20% en poids, de préférence inférieure
à 15% en poids, de manière particulièrement préférée inférieure à 10% en poids.
15. Utilisation du liant selon l'une quelconque des revendications 10 à 14 pour la fabrication
de matériaux de construction, en particulier de béton, de mortier ou d'enduit.