[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben einer Offenend-Rotorspinnmaschine,
die eine Vielzahl von Arbeitsstellen aufweist, welche jeweils über eine Spinnvorrichtung
mit einem unterdruckbeaufschlagbaren Rotorgehäuse, in dem ein Spinnrotor mit hoher
Drehzahl umläuft, zur Fertigung eines Fadens sowie eine Spulvorrichtung zur Herstellung
einer Kreuzspule verfügen, wobei die Verbindung der Arbeitsstellen zu einer zentralen
Unterdruckversorgung abschaltbar ist.
[0002] Offenend-Rotorspinnmaschinen sind seit langem bekannt und bestehen in der Regel aus
einer Vielzahl von in Reihe nebeneinander angeordneten, gleichartigen Arbeitsstellen.
Zudem besitzen sie eine Zentralsteuereinrichtung sowie ein spinnmaschineneigenes Unterdrucksystem.
Jede dieser Arbeitsstellen verfügt über eine Spinn- und eine Spulvorrichtung, an denen
das in einer Spinnkanne vorgelegte Faserband zu einem Garn versponnen und zu einer
Kreuzspule aufgewickelt wird.
[0003] Das vorgelegte Faserband wird mittels eines Faserbandeinzugzylinders der Auflösewalze
zugeführt, die mit ihrer Garnitur das Faserband in Einzelfasern auflöst und zum Faserleitkanal
der Spinnbox transportiert. Unterstützt wird der Fasertransport durch den im Rotorgehäuse
bestehenden Unterdruck, der im Faserleitkanal einen Luftstrom erzeugt, die Fasern
aus der Auflösegarnitur löst und über den so genannten Kanalplattenadapter gezielt
in den Spinnrotor befördert. Durch die Zentrifugalbeschleunigung rutschen die Fasern
in die Sammelnut des Spinnrotors, werden dort gesammelt, axial durch die Abzugsdüse
in der Drehachse abgezogen und so zu einem Garn verdreht, das auf eine Kreuzspule
aufgewickelt wird.
[0004] Nach einem Stillstand der Rotorspinnmaschine oder nach einem Fadenbruch muss der
Spinnvorgang erneut aufgenommen werden. Zum so genannten Anspinnen wird das Fadenende
entgegen der Garnabzugsrichtung in das Fadenabzugsröhrchen der Spinnkammer geführt
und durch den Unterdruck im Rotorgehäuse eingesaugt. Die Kreuzspule wird herabschwenkt,
das heißt, wieder in Kontakt zur Spulenantriebswalze gebracht und sobald das Fadenende
die Sammelnut des Spinnrotors respektive den darin liegenden Faserring erreicht, bricht
das Fadenende den Faserring auf und der Spinnvorgang kann fortgesetzt werden.
[0005] Durch die
EP 0 529 312 B1 ist eine Offenend-Rotorspinnmaschine offenbart, die in der Saugleitung zur Erzeugung
des Spinnunterdrucks im Rotorgehäuse über ein Ventil mit Schnellentlüftung verfügt.
Mittels des Ventils wird vor dem Anspinnen die Besaugung des Rotorgehäuses unterbrochen.
Dadurch werden die Fasern nicht, wie während des Spinnvorganges üblich, durch den
Faserleitkanal, sondern durch die Absaugöffnung der Auflösewalze gesaugt. Mit dem
Einführen des Fadenendes in den Spinnrotor und durch Öffnen des Ventils wird das Rotorgehäuse
wieder mit Unterdruck beaufschlagt. Zeitlich darauf abgestimmt wird die Besaugung
durch die Absaugöffnung der Auflösewalze beendet. Durch diese Umlenkung des Faserstroms
während des Anspinnvorganges soll ein gleichmäßiger Anspinner entstehen.
[0006] Die
DE 10 2006 037 849 A1 offenbart eine Offenend-Spinnmaschine und ein Verfahren zur Steuerung einer Offenend-Spinnmaschine
während eines Ansetzvorgangs beim Neuanspinnen eines Fadens oder nach einem Fadenbruch.
Ausgehend von der Tatsache, dass beim Neuanspinnen nach dem Schließen des Gehäuses
mittels so genannter Spülluft der Rotorinnenraum von nachträglich eingebrachten und
dort angelagerten Verunreinigungen gesäubert wird, dass dazu jede Spinnstelle eine
eigene Spülluftführung benötigt und dass die Anspinnautomaten/Wartungseinrichtungen
zusätzlich entsprechende Anschlüsse zum Einbringen der Spülluft aufweisen müssen,
soll ein Neuanspinnen des Garnes bei verringertem vorrichtungs- und verfahrenstechnischen
Aufwand ermöglicht werden.
[0007] Dazu wird gemäß der
DE 10 2006 037 849 A1 sofort bei einem Stopp der Faserbandspeisung oder nach einer vorgegebenen Zeitdauer
der im Gehäuse anliegende Unterdruck unterbrochen. Das hat zur Folge, dass verhindert
wird, dass das Faserbandende durch die weiterhin einströmende Luft zur Auflöseeinrichtung
hingezogen wird sowie dass ein unerwünschtes Einsaugen von Verunreinigungen vor dem
Schließen des Gehäuses der Spinnstelle auftritt. Zusätzlich kann auf diese Weise Energie
eingespart werden, da bei anliegendem Unterdruck durch das geöffnete Gehäuse eine
erhebliche Menge Falschluft in die Maschine eingesaugt wird, was wiederum zu einem
Druckanstieg innerhalb des Drucksystems führen würde.
[0008] Nachteilig an den Verfahren und Vorrichtungen gemäß dem Stand der Technik ist allerdings,
dass die Rotorgehäuse der einzelnen Arbeitsstellen bis auf den Anspinnvorgang respektive
dem damit verbundenen Säuberungsprozess permanent mit Unterdruck beaufschlagt werden.
[0009] Dies wirkt sich ganz besonders nach einem Maschinenneustart oder Hochlauf nach einem
Stromausfall negativ aus. Da alle Arbeitsstellen mit Unterdruck beaufschlagt werden
und zum Anspinnen zusätzliche Einrichtungen wie zum Beispiel die Saugdüse zur Ergreifung
des Oberfadens oder ein pneumatischer Fadenspeicher zum Einsatz kommen, die ebenfalls
Unterdruck benötigen, reduziert sich der insgesamt zur Verfügung stehende Unterdruck.
Deswegen können bei einer Rotorspinnmaschine mit autark anspinnenden Spinnstellen
nur zum Beispiel 12 Spinnstellen gleichzeitig neu anspinnen, da der Unterdruck für
weitere Arbeitsstellen zum Anspinnen inklusive der dazu notwendigen Zusatzeinrichtungen
nicht ausreicht.
[0010] Ausgehend vom vorgenannten Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
ein Verfahren zu entwickeln, das den Unterdruckverbrauch an einer Offenend-Rotorspinnmaschine
optimiert.
[0011] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruches
1 gelöst.
[0012] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0013] Zur Lösung der Aufgabe ist gemäß Anspruch 1 vorgesehen, dass das Beaufschlagen des
Rotorgehäuses mit Unterdruck auf die Spinnvorrichtungen, die Garn produzieren sowie
die Spinnvorrichtungen, die neu anspinnen, beschränkt wird.
[0014] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, dass der zum
Spinnen notwendige Unterdruck nur dann den Spinnvorrichtungen der einzelnen Arbeitsstellen
zur Verfügung gestellt wird, wenn die jeweilige Arbeitsstelle Garn produziert oder
einen Faden neu anspinnt.
[0015] Bisher wird in der Praxis so verfahren, dass der Unterdruck konstant allen Spinnvorrichtungen
zugeführt wird, unabhängig von der Tatsache, ob die Spinnvorrichtung Garn produziert.
Da aber oft ein Teil der Spinnvorrichtungen nicht produziert, beispielsweise aufgrund
von Fadenunterbrechungen, Kreuzspulenwechsel oder weil nicht alle Arbeitsstellen belegt
sind, ist die Unterdruckzufuhr nach dem Stand der Technik ineffektiv.
[0016] Insbesondere nach einem Maschinenstart oder Hochlauf nach einem Stromausfall, wird
der Unterdruck zum Spinnen ausschließlich für die anzuspinnenden und die bereits produzierenden
Arbeitsstellen benötigt.
[0017] Bei Anwendung vorliegender Erfindung kann die Maschine schneller hochgefahren werden.
Da ausschließlich die Spinnstellen mit Unterdruck beaufschlagt werden, die auch tatsächlich
anspinnen, können erfindungsgemäß nun mehr Spinnstellen gleichzeitig anspinnen. Während
bisher bei einem Maschinenhochlauf circa 12 Spinnstellen gleichzeitig anspinnen konnten,
sind es mit dem erfindungsgemäßen Verfahren mehr als 20 Spinnstellen. Auf diese Weise
wird der Nutzeffekt der Offenend-Rotorspinnmaschine schneller erreicht.
[0018] Des Weiteren ergibt sich ein optimierter, bedarfsangepasster Unterdruckverbrauch
für eine Offenend-Rotorspinnmaschine. Durch die Optimierung der Saugleistung können
der Energieverbrauch und die damit verbundenen Kosten reduziert werden, ohne die Produktivität
der Maschine oder die Garnqualität zu beeinträchtigen. Besonders gegenwärtig, wo die
Energiekosten einen nicht unerheblichen Anteil der Betriebskosten ausmachen, ist Verbrauchsreduzierung
ein wichtiges Instrument, um wirtschaftlicher produzieren zu können. Zudem wird durch
den geringeren Energieverbrauch die Umwelt geschont.
[0019] Gemäß Anspruch 2 ist in vorteilhafter Ausführungsform vorgesehen, dass in Abhängigkeit
von der Anzahl Arbeitsstellen die mit Unterdruck versorgt werden, die Regelung des
gesamten Maschinenunterdrucks erfolgt.
[0020] Durch das Ventil in der Saugleitung zur Erzeugung des Spinnunterdrucks im Rotorgehäuse
wird der insgesamt ansaugende Querschnitt der lufttechnischen Anlage auf das notwendige
Maß beschränkt, was wiederum zu einer Erhöhung des Systemunterdrucks führt. Mit entsprechender
Regelung kann dieser erhöhte Unterdruck durch die Reduzierung der Gebläsedrehzahl
wieder auf einen vorher eingestellten Druckwert reduziert werden. Die Drehzahlreduzierung
führt zu einer insgesamt reduzierten Leistungsaufnahme.
[0021] Wie insbesondere in den Ansprüchen 3 und 4 beschrieben, erfolgt das Beaufschlagen
mit Unterdruck auf das Rotorgehäuse individuell für jede einzelne Arbeitsstelle oder
gruppenweise für mehrere Arbeitsstellen.
[0022] Aufgrund dieser flexiblen Möglichkeiten kann beispielsweise eine einzelne stillstehende
Arbeitsstelle von der Unterdruckbeaufschlagung auf das Rotorgehäuse ausgenommen sein,
obwohl sie von Garn produzierenden Arbeitsstellen umgeben ist. Es kann aber auch sinnvoll
sein, nicht produzierende Gruppen von Arbeitsstellen zu schalten. Je nach Bedarf können
das Sektionen oder auch Sektionsseiten sein. Produziert die Offenend-Rotorspinnmaschine
beispielsweise temporär nur auf den Arbeitsstellen einer Maschinenseite, so kann die
gesamte Seite, deren Arbeitsstellen stillstehen, von der Unterdruckversorgung ausgeschlossen
werden. Möglich wäre dies zum Beispiel durch eine zusätzliche Abzweigung des Unterdruckkanalsystems,
das die Sektionen oder Maschinenseiten mit Unterdruck beaufschlagt.
[0023] Gemäß den Ansprüchen 5 und 6 ist vorteilhafterweise außerdem vorgesehen, dass ein
direktes oder ein abgeleitetes Signal die Beaufschlagung mit Unterdruck auf das Rotorgehäuse
initiiert.
[0024] Um das Ventil zum Abschalten des Unterdrucks auf das Rotorgehäuse anzusteuern, können
entweder direkte Signale, wie die Meldung eines "Fadenbruchs" oder "Maschinenhochlauf"
oder abgeleitete Signale wie beispielsweise "Spulenabhebung" verarbeitet werden. Bei
Eingang eines solchen Signals wird das Ventil betätigt und der Unterdruck nicht mehr
dem Rotorgehäuse zugestellt.
[0025] Die Erfindung ist nachfolgend anhand eines in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert.
[0026] Es zeigt:
- Figur 1
- eine Offenend-Rotorspinnmaschine;
- Figur 2
- schematisch, in Seitenansicht, eine Offenend-Spinnvorrichtung mit einem in einem unterdruckbeaufschlagbaren
Rotorgehäuse umlaufenden Spinnrotor und einer Faserband-Auflöseeinrichtung, die über
einen Faserleitkanal mit dem Rotorgehäuse verbunden ist.
[0027] Die Figur 1 zeigt schematisch in Vorderansicht eine Offenend-Rotorspinnmaschine 1.
Die Offenend-Rotorspinnmaschine 1 weist eine Vielzahl zwischen zwei Endgestellen 2
und 3 angeordneten, weitestgehend autarken Arbeitsstellen 4 auf. Die Endgestelle 2,
3 dieser Offenend-Rotorspinnmaschine 1 sind, wie bekannt und daher nicht näher dargestellt,
über durchgehende Ver- und Entsorgungskanäle verbunden, beispielsweise einen Unterdruckkanal
zur Versorgung der im Bereich der Arbeitsstellen 4 angeordneten Spinnvorrichtungen
5 mit Spinnunterdruck, einen Elektronikkanal für ein Bussystem 13 sowie einen Kabelkanal
zur Versorgung der Arbeitsstellen 4 mit elektrischer Energie. An diesen Ver- und Entsorgungskanälen,
die quasi das "Rückgrad" der Offenend-Rotorspinnmaschine 1 darstellen, sind über Arbeitsstellengehäuse
6 die Garnbildungs- und Wickeleinrichtungen der Arbeitsstellen 4 festgelegt.
[0028] Die lösbar an den Ver- und Entsorgungskanälen angeordneten Arbeitsstellengehäuse
6 weisen beispielsweise jeweils eine Spinnvorrichtung 5, eine Spulvorrichtung 7 sowie
eine arbeitsstelleneigene Steuereinrichtung 8 auf.
[0029] Im Endgestell 3 ist eine textilmaschineneigene Unterdruckquelle 9 angeordnet, während
in das Endgestell 2 eine (nicht dargestellte) elektrische Energieversorgung sowie
eine Zentralsteuereinheit 10 der Offenend-Rotorspinnmaschine 1 integriert ist.
[0030] Die Zentralsteuereinheit 10, die über eine Rechnereinrichtung 12 mit einem Speicher
20 verfügt, ist mit den Steuereinrichtungen 8 der einzelnen Arbeitsstellen 4 über
ein Bussystem 13 oder dergleichen verbunden. Die Zentralsteuereinheit 10 weist weiter
eine Bedieneinheit 17 auf. Mittels der Bedieneinheit 17 ist es möglich, Parameter,
die zur Steuerung der Offenend-Rotorspinnmaschine 1 und der Arbeitsstellen 4 erforderlich
sind, einzugeben und anzuzeigen. Dazu weist die Bedieneinheit 17 eine als Tastatur
ausgebildete Einrichtung 11 zur Eingabe der Parameter auf und ein als Bildschirm ausgebildetes
Anzeigemittel 19. Der Bildschirm 19 kann auch als Touchscreen ausgebildet sein und
damit zusätzlich Eingabefunktion übernehmen. Ein solcher Touchscreen bietet sich vor
allem an, um eine Auswahl innerhalb eines Menüs vorzunehmen. Die eingegebenen Parameter
werden im Speicher 20 der Rechnereinrichtung 12 hinterlegt. Weiter enthält der Speicher
20 Informationen, welche Parameter bei einer bestimmten Art der Änderung der Arbeitsweise
der Offenend-Rotorspinnmaschine 1 einzustellen sind. Dazu werden Gruppen von Parametern
den Arten der Änderung der Arbeitsweise zugeordnet.
[0031] Wie aus Figur 1 ersichtlich, wird auf den zahlreichen Arbeitsstellen 4 jeweils mittels
der Spinnvorrichtung 5 ein Vorlagefaserband 14, das in Spinnkannen 15 bevorratet ist,
die in Reihe nebeneinander unterhalb der Arbeitsstellen 4 positioniert sind, zu einem
Faden 16 gesponnen, der anschließend auf der Spulvorrichtung 7 zu einer Kreuzspule
18 aufgewickelt wird.
[0032] Die in Figur 2 dargestellte Spinnvorrichtung einer Offenend-Rotorspinnmaschine 1
trägt insgesamt die Bezugszahl 5.
[0033] Derartige Spinnvorrichtungen 5 verfügen, wie bekannt, über ein Rotorgehäuse 21, in
dem die Spinntasse 22 eines Spinnrotors 23 mit hoher Drehzahl umläuft.
[0034] Bei der Spinnvorrichtung 5 gemäß vorliegendem Ausführungsbeispiel ist der Spinnrotor
23 mit seinem Rotorschaft 24 im Lagerzwickel einer vorzugsweise axialschubfreien Stützscheibenlagerung
25 abgestützt.
[0035] Der Spinnrotor 23 wird dabei durch einen maschinenlangen Tangentialriemen 26, der
durch eine Andrückrolle 27 an den Rotorschaft 24 angestellt wird, angetrieben.
[0036] Die axiale Positionierung des Rotorschaftes 24 im Lagerzwickel der Stützscheibenlagerung
25 erfolgt vorzugsweise über ein permanentmagnetisches Axiallager 28.
[0037] In alternativer Ausführungsform könnte der Spinnrotor 23 selbstverständlich auch
einzelmotorisch angetrieben werden und zum Beispiel in einer Permanentmagnetlagerung
berührungslos abgestützt sein.
[0038] Das nach vorne hin an sich offene Rotorgehäuse 21 ist während des Spinnbetriebes
durch ein schwenkbar gelagertes Deckelelement 29 verschlossen und über einen Saugkanal
30 an eine Unterdruckquelle 9 angeschlossen, die den im Rotorgehäuse 21 während des
Spinnprozesses notwendigen Spinnunterdruck erzeugt.
[0039] Das Deckelelement 29 weist eine Kanalplatte 31 mit einer vorzugsweise in einer Ringnut
positionierten Dichtung 32 auf.
[0040] In einer zentralen Lageraufnahme 33 der Kanalplatte 31 ist außerdem, wie bekannt,
auswechselbar ein Kanalplattenadapter 34 angeordnet, der den Mündungsbereich eines
Faserleitkanals 35 aufweist.
[0041] Des Weiteren ist der Kanalplattenadapter 34 mit einer Fadenabzugsdüse 36 und ausgangsseitig
mit einem Fadenabzugsröhrchen 37 ausgestattet.
[0042] Wie in Figur 2 weiter dargestellt, ist am Deckelelement 29, das um eine Schwenkachse
38 begrenzt drehbar gelagert ist, ein Auflösewalzengehäuse 39 festgelegt bzw. das
Auflösewalzengehäuse 39 ist in das Deckelelement 29 integriert, das des Weiteren rückwärtige
Lagerkonsolen 40, 41 zur Lagerung einer Auflösewalze 42 beziehungsweise eines Faserbandeinzugszylinders
43 aufweist.
[0043] Die Auflösewalze 42 wird dabei im Bereich ihres Wirtels 44 durch einen umlaufenden,
maschinenlangen Tangentialriemen 45 angetrieben, während der (nicht dargestellte)
Antrieb des Faserbandeinzugszylinders 43 vorzugsweise über eine Schneckengetriebeanordnung
erfolgt, die auf eine maschinenlange Antriebswelle 46 geschaltet ist.
[0044] In alternativer Ausführungsform können selbstverständlich auch hier einzelmotorische
Antriebe für die Auflösewalze 42 und/oder den Faserbandeinzugszylinder 43 vorgesehen
werden.
[0045] Während des regulären Spinnprozesses wird der in der unterdruckbeaufschlagten Spinnvorrichtung
5 hergestellte Faden 16 durch die Fadenabzugseinrichtung abgezogen und anschließend
auf der Spulvorrichtung 7 zu einer Kreuzspule 18 aufgewickelt.
[0046] Gleichzeitig wird der auf die Spule auflaufende Faden 16 mittels der (nicht dargestellten)
Fadenchangiereinrichtung so verlegt, dass er in kreuzenden Lagen auf die Mantelfläche
der Kreuzspule 18 aufläuft.
[0047] Tritt an einer der Arbeitsstellen 4 der Offenend-Rotorspinnmaschine 1 beispielsweise
ein Fadenbruch auf, wird dies durch den Fadenwächter erfasst, der Spinnvorgang unterbrochen
und die betreffende Arbeitsstelle 4 stillgesetzt.
[0048] Genauer gesagt wird der Antrieb des Faserbandeinzugszylinders 43, um die Fasereinspeisung
zur Auflösewalze 42 und damit letztlich in den Spinnrotor 23 zu unterbrechen, ausgeschaltet
und das Abheben der Kreuzspule 18 von der Spulenantriebswalze initiiert, damit sich
das Fadenende 16 nicht in die Kreuzspulenoberfläche 18 einwalken kann.
[0049] Gleichzeitig erhält das Magnetventil 50 ein entsprechendes Signal. Daraufhin schaltet
das Magnetventil 50 und der Durchgang zwischen der Druckleitung 48 und der Druckleitung
49, die mit einer Ringleitung 51 verbunden ist, ist geöffnet. Die Ringleitung 51 beaufschlagt
eine Vielzahl von Arbeitsstellen 4 mit Überdruck. Die Druckluft aus der Ringleitung
51 strömt durch die Druckleitungen 48 und 49 in das Quetschventil 47 und verschließt
die Druckleitung 30. Das Rotorgehäuse 21 wird nun nicht mehr mit Unterdruck beaufschlagt.
[0050] Da das Fadenende 16 in der Regel aufgrund der hohen Wickelgeschwindigkeit nach dem
Fadenbruch aus der Spinnbox herausgezogen wird, muss das Fadenende 16 auf der von
der Spulenantriebswalze abgehobenen Kreuzspule 18 aufgefunden und einige Lagen davon
abgewickelt werden.
[0051] Nachdem das Fadenende 16 auf das nachfolgende Anspinnen vorbereitet und ein anspinnfähiger
Faserbart am Fadenende 16 erzeugt worden ist, muss das Fadenende 16 entgegen der normalen
Abzugsrichtung durch das Fadenabzugsröhrchen 37 und die Abzugsdüse 36 hindurch in
Richtung des Spinnrotors 23 eingeführt werden. Nachdem über ein nicht dargestelltes
Schaltelement die Steuereinrichtung der Arbeitsstelle 4 aktiviert wurde, erhält das
Magnetventil 50 das Signal zum Schließen. Daraufhin öffnet sich das Quetschventil
47 und der Druck in der Druckleitung 48 nimmt ab. Das Rotorgehäuse wird wieder mit
dem nötigen Unterdruck zum Spinnen beaufschlagt.
[0052] Gleichzeitig wird der Faserbandeinzugszylinder 43 angetrieben und das Faserband 14
wieder der Auflösewalze 42 und somit dem Spinnrotor 23 zugeführt, in dessen Sammelnut
sich aufgrund der hohen Zentrifugalbeschleunigung erneut ein Faserring bildet. Das
vorbereitete Fadenende 16 gleitet in die Rotorrille.
[0053] In dem Spinnrotor 23 herrscht wieder Unterdruck, der das Fadenende 16 in den Spinnrotor
23 einsaugt, so dass das vorbereitete Fadenende 16 sich mit dem Faserring in der Sammelnut
des Spinnrotors 23 verbindet. Zeitgleich senkt der Spulenrahmen ab, bis die Kreuzspule
18 wieder auf der Spulenantriebswalze liegt und der neu entstehende Faden 16 wird
auf die Kreuzspule 18 aufgewickelt.
[0054] Erfolgt ein Maschinenneustart oder ein Hochlauf nach einem Stromausfall, werden über
nicht dargestellte Schaltelemente die Steuereinrichtungen der ersten zwanzig Arbeitsstellen
4 aktiviert. Daraufhin schließen an diesen zwanzig Arbeitsstellen 4 die entsprechenden
Magnetventile 50 und die Quetschventile 47 öffnen sich. Der Druck in den Druckleitungen
48 der jeweiligen Arbeitsstellen 4 nimmt infolgedessen ab und die ausgewählten Arbeitsstellen
4 werden mit ausreichendem Unterdruck beaufschlagt, so dass neue Fäden angesponnen
werden können. Nachdem die ersten zwanzig Arbeitsstellen 4 den Anspinnprozess beendet
haben, können die nächsten zwanzig Arbeitsstellen 4 zum Anspinnen mit Unterdruck beaufschlagt
werden.
1. Verfahren zum Betreiben einer Offenend-Rotorspinnmaschine (1), die eine Vielzahl von
Arbeitsstellen (4) aufweist, welche jeweils über eine Spinnvorrichtung (5) mit einem
unterdruckbeaufschlagbaren Rotorgehäuse (21), in dem ein Spinnrotor (23) mit hoher
Drehzahl umläuft, zur Fertigung eines Fadens (16) sowie eine Spulvorrichtung 7() zur
Herstellung einer Kreuzspule (18) verfügen, wobei die Verbindung der Arbeitsstellen
(4) zu einer zentralen Unterdruckversorgung abschaltbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Beaufschlagen des Rotorgehäuses mit Unterdruck auf die Spinnvorrichtungen, die
Garn produzieren sowie die Spinnvorrichtungen, die neu anspinnen, beschränkt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in Abhängigkeit von der Anzahl Arbeitsstellen (4), die mit Unterdruck versorgt werden,
die Regelung des gesamten Maschinenunterdrucks erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Beaufschlagen mit Unterdruck auf das Rotorgehäuse (21) individuell für jede einzelne
Arbeitsstelle (4) erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Beaufschlagen mit Unterdruck auf das Rotorgehäuse (21) gruppenweise für mehrere
Arbeitsstellen (4) erfolgt.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein direktes Signal die Beaufschlagung mit Unterdruck auf das Rotorgehäuse (21) initiiert.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein abgeleitetes Signal die Beaufschlagung mit Unterdruck auf das Rotorgehäuse (21)
initiiert.