[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Schienenfahrzeug mit einer WC-Vorrichtung, die
mit Druckluft betrieben ist, die über eine Hauptbehälterluftleitung der WC-Vorrichtung
bereitgestellt ist, wobei das Schienenfahrzeug zusätzlich mit einer Hauptluftleitung
zum Betrieb pneumatischer Bremsen ausgestattet ist. Beispiele solcher Art ausgestatteter
Schienenfahrzeuge sind die Hochgeschwindigkeitszüge Velaro E (Spanien, Baureihe 103),
Velaro CN (China, CRH3) und auch Velaro Rus (Russland, Sapsan). Bei diesen Schienenfahrzeugen
sind WC-Systeme vorgesehen, die ständig mit Wasser, Druckluft und Energie versorgt
werden, um ordnungsgemäß zu arbeiten. Falls eine dieser Ressourcen nicht mehr in ausreichender
Menge zur Verfügung steht, kann die WC-Vorrichtung nicht mehr benutzt werden und schaltet
sich aus.
[0002] Bei den in den genannten Fahrzeugen eingesetzten WC-Vorrichtungen wird in einem Zwischenbehälter
ein Unterdruck erzeugt, um vorhandenes Fluid anzusaugen. Anschließend wird ein Überdruck
im gleichen Zwischenbehälter aufgebaut und das Fluid durch vorgesehene Leitungen zu
einem Abwassertank gedrückt. Die dafür erforderliche Druckluft wird über die Hauptbehälterluftleitung
des Schienenfahrzeugs bereitgestellt. Für den Aufbau des angesprochenen Unter- und
Überdrucks sowie zur Betätigung vorhandener Ventile benötigt eine solche WC-Vorrichtung
Druckluft, wobei ein notwendiger Mindestdruck bei ca. 4bar liegt.
[0003] Bei einem solchen Schienenfahrzeug können Betriebszustände eintreten, wie beispielsweise
Oberleitungsausfall, Gleissperrung, Umweltbedingungen, bei denen die Versorgung der
WC-Vorrichtung über einen längeren Zeitraum mit Druckluft erforderlich ist, ohne dass
ein Drucklufterzeuger zur Verfügung steht. Für die Hauptbehälterluftleitung ist dies
typischer Weise ein Hauptluftkompressor, für dessen Betrieb eine Versorgung mit elektrischer
Energie aus der Oberleitung erforderlich ist.
[0004] Es ist bei den oben genannten Fahrzeugen bekannt, die WC-Vorrichtung über ein Überströmventil
an die Hauptbehälterluftleitung anzuschließen, deren Druck in der Regel zwischen 8,5bar
und 10bar liegt. Dabei wurde die über die Hauptbehälterluftleitung zur Verfügung gestellte
Druckluft mit Hilfe des Überströmventils auf einen definierten Wert begrenzt, beispielsweise
6,7bar. Bei nicht zur Verfügung stehendem Hauptluftkompressor werden dann Notspülungen
mit Hilfe der Druckluft oberhalb 6,7bar ermöglicht, d. h. bis zum Erreichen eines
Drucks von 6,7bar in der Hauptbehälterluftleitung sind Notspülungen möglich. Dann
öffnet das Überströmventil nicht mehr. Im Bedarfsfall wurde für die WC-Vorrichtung
hinter dem Überströmventil ein zusätzlicher Druckluftbehälter mit einem Volumen von
beispielsweise 75L bis 100L, ergänzt. Die WC-Vorrichtung kann dann so lange betrieben
werden, bis eine Mindestdruckluftgrenze von ca. 4bar unterschritten wird. Erst dann
wird die WC-Vorrichtung abgeschaltet.
[0005] Die bisherigen Lösungen zum Weiterbetrieb der WC-Vorrichtung auch bei Stromausfall
und damit Ausfall der Hauptluftkompressoren ermöglichen maximal 10 Notspülungen pro
WC-Vorrichtung.
[0006] Ausgehend hiervon liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, das eingangs genannte
Schienenfahrzeug derart weiterzuentwickeln, dass die Anzahl möglicher Notspülungen
pro WC-Vorrichtung erhöht wird.
[0007] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Schienenfahrzeug nach Patentanspruch 1.
[0008] Danach zeichnet sich das Schienenfahrzeug der eingangs genannten Art zusätzlich dadurch
aus, dass der Hilfsluftkreis über ein Bypass-Ventil mit der WC-Vorrichtung strömungstechnisch
verbunden ist. Diese Maßnahme gestattet es, in dem Fall, wenn weder der Hauptluftkompressor
noch der Hilfsluftkompressor mangels Stromversorgung betriebsbereit sind, Notspülungen
für die WC-Vorrichtung mit Hilfe des Druckluftvolumens sowohl aus der Hilfsluftleitung
als auch aus der Hauptbehälterluftleitung bei einem Druck p<6,7bar vorzunehmen. Sobald
das Bypass-Ventil geöffnet wird, ist eine Eingangsseite der WC-Vorrichtung strömungstechnisch
sowohl mit der Hilfsluftleitung als auch mit der Hauptbehälterluftleitung verbunden.
Bei WC-Vorrichtungen, die einen notwendigen Mindestdruck von ca. 4bar benötigen, kann
das Rest-Druckluftvolumen so lange genutzt werden, bis der Druck den Mindestdruck
unterschreitet. Erst dann steht die WC-Vorrichtung nicht mehr zur Benutzung zur Verfügung.
[0009] Im Ergebnis wird die Anzahl möglicher Notspülungen erheblich erhöht, da durch das
Öffnen des Bypass-Ventils auf ein größeres Druckluftvolumen zugegriffen wird.
[0010] Die Hauptbehälterluftleitung kann und ist typischer Weise über ein Überströmventil
mit der WC-Vorrichtung strömungstechnisch verbunden und das Bypass-Ventil kann dann
an eine Druckluft-Verbindungsleitung zwischen dem Überström-Ventil und der WC-Vorrichtung
angeschlossen sein. Dies ist bei Einsatz eines Überströmventils vorteilhaft, da dieses
den Druck typischer Weise auf einen höheren Wert als 4bar, beispielsweise 6,7bar begrenzt,
zum Betrieb der WC-Vorrichtung jedoch niedrigere Drücke, z.B. 4bar, benötigt werden.
[0011] Die Hilfsluftleitung kann über eine Steuerung Hilfsluftkreis mit der Hauptbehälterluftleitung
strömungstechnisch verbunden sein. Dies unterstützt es, dass gesamte Druckluftvolumen
aus der Hilfsluftleitung und der Hauptbehälterluftleitung für Notspülungen der WC-Vorrichtung
zu nutzen.
[0012] Vorzugsweise kann der WC-Vorrichtung ein Druckluftbehälter unmittelbar vorgeschaltet
sein, so dass weitere Notspülungen der WC-Vorrichtung ermöglicht werden.
[0013] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die Zeichnung
noch näher erläutert. Die einzige Figur zeigt eine schematische Darstellung eines
Druckluftsystems zum Betrieb einer WC-Vorrichtung in einem Schienenfahrzeug.
[0014] Die Figur zeigt einen Hilfsluftkompressor K1, der zur Bereitstellung von Druckluft
in einer Hilfsluftleitung HiLL vorgesehen ist. Eine Ausgangsseite der Steuerung Hilfsluftkreis
(S) ist an einer Hauptbehälterluftleitung HBL angeschlossen, die von einem Hauptluftkompressor
K2 mit Druckluft (8,5 bis 10bar) versorgt ist.
[0015] Zum Betrieb einer WC-Vorrichtung W stellt die Hauptbehälterluftleitung HBL Druckluft
bereit, die mit Hilfe eines Überströmventils V auf einen vorgegebenen Wert begrenzt
ist. Beispielsweise beträgt dieser Druckdifferenzwert 6,7bar über dem Überströmventil
V. Mit Hilfe der Druckluft, die auf der WC-Vorrichtung W zugeordneten Seite des Überströmventils
V vorliegt, wird die WC-Vorrichtung W betrieben. Dazu wird in einem nicht dargestellten
Zwischenbehälter ein Unterdruck erzeugt, um Fluid aus einer WC-Schüssel anzusaugen.
Im Anschluss daran wird ein Überdruck in demselben Zwischenbehälter aufgebaut und
das Fluid durch nicht dargestellte Leitungen zu einem Abwassertank gedrückt.
[0016] Beispielsweise im Fall eines Stromausfalls stehen die Kompressoren K1, K2, die mit
Elektromotoren M1, M2 betrieben sind, nicht mehr zur Erzeugung von Druckluft zur Verfügung.
In diesem Fall wird ein Bypass-Ventil BPV geöffnet, das auf seiner einen Seite an
die Hilfsluftleitung HiLL und auf seiner anderen Seite an eine Verbindungsleitung
L zwischen dem Überströmventil V und der WC-Vorrichtung W angeschlossen ist. Damit
ist eine Drucklufteingangsseite der WC-Vorrichtung W über das Bypass-Ventil BPV zunächst
mit der Hilfsluftleitung HiLL und über die Hilfsluftleitung HiLL auch mit der Hauptbehälterluftleitung
HBL verbunden, so dass sämtliches Druckluftvolumen in der Hilfsluftleitung HiLL und
der Hauptbehälterluftleitung HBL für Notspülungen der WC-Vorrichtung W zur Verfügung
gestellt ist.
[0017] Zur weiteren Erhöhung der Anzahl möglicher Notspülungen ist im dargestellten Ausführungsbeispiel
ein Druckluftbehälter D vorgesehen, der unmittelbar der WC-Vorrichtung W vorgeschaltet
ist. Der Druckluftbehälter D kann beispielsweise ein Luftvolumen von 75L bis 100L
aufweisen. Das Bypass-Ventil BPV ist zwischen dem Überströmventil V und dem Druckluftbehälter
D an die Leitung L angeschlossen.
[0018] Sobald elektrische Energie für die Kompressoren K1, K2 wieder zur Verfügung steht,
wird das Bypass-Ventil BPV wieder geschlossen und die WC-Vorrichtung W wird ausschließlich
über die Hauptbehälterluftleitung HBL betrieben.
1. Schienenfahrzeug mit einer WC-Vorrichtung (W), die mit Druckluft betrieben ist, die
über eine Hauptbehälterluftleitung (HBL) der WC-Vorrichtung (W) bereitgestellt ist,
wobei das Schienenfahrzeug zusätzlich mit einer Hilfsluftleitung (HiLL) zum Betrieb
pneumatischer Komponenten ausgestattet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Hilfsluftleitung (HiLL) über ein Bypass-Ventil (BPV) mit der WC-Vorrichtung (W)
strömungstechnisch verbunden ist.
2. Schienenfahrzeug nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Hauptbehälterluftleitung (HBL) über ein Überströmventil (V) mit der WC-Vorrichtung
(W) strömungstechnisch verbunden ist und das Bypass-Ventil BPV) an eine Druckluft-Verbindungsleitung
(L) zwischen dem Überstromventil (V) und der WC-Vorrichtung (W) angeschlossen ist.
3. Schienenfahrzeug nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Hilfsluftleitung (HiLL) über Steuerung Hilfsluftkreis (S) mit der Hauptbehälterluftleitung
(HBL) strömungstechnisch verbunden ist.
4. Schienenfahrzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
der WC-Vorrichtung (W) ein Druckluftbehälter (D) unmittelbar vorgeschaltet ist.