[0001] Die Erfindung betrifft ein System zur Beeinflussung von in Abgasanlagen von verbrennungsmotorisch
betriebenen Fahrzeugen geführten Schallwellen (Abgasgeräuschen). Genauer gesagt betrifft
die vorliegende Erfindung ein System zur Beeinflussung von in mehrflutigen Abgasanlagen
geführten Schallwellen.
[0002] Mehrflutige Abgasanlagen werden verwendet, um hohe Volumenströme an Abgas bei geringem
Widerstand sicher abzuführen. Hohe Volumenströme an Abgas treten insbesondere bei
leistungsstarken Verbrennungsmotoren auf. Typisch für mehrflutige Abgasanlagen ist,
dass das vom Verbrennungsmotor kommende Abgas und in der Abgasanlage geführte Abgas
über wenigstens zwei Endrohre der Abgasanlage an die Umgebung ausgegeben wird.
[0003] Unabhängig von der Bauform eines Verbrennungsmotors (beispielsweise Hubkolbenmotor,
Rotationskolbenmotor oder Freikolbenmotor) werden infolge der hintereinander ablaufenden
Arbeitstakte (insbesondere Ansaugen und Verdichten eines Kraftstoff-Luftgemischs,
Arbeiten und Ausstoßen des verbrannten Kraftstoff-Luftgemischs) Geräusche erzeugt.
Diese durchlaufen zum einen als Körperschall den Verbrennungsmotor und werden außen
am Verbrennungsmotor als Luftschall abgestrahlt. Zum anderen durchlaufen die Geräusche
als Luftschall zusammen mit dem verbrannten Kraftstoff-Luftgemisch eine mit dem Verbrennungsmotor
in Fluidverbindung stehende Abgasanlage.
[0004] Diese Geräusche werden häufig als nachteilig empfunden. Zum einen gibt es gesetzliche
Vorgaben zum Lärmschutz, die von Herstellern von verbrennungsmotorisch betriebenen
Fahrzeugen einzuhalten sind. Diese gesetzlichen Vorgaben geben in der Regel einen
im Betrieb des Fahrzeugs maximal zulässigen Schalldruck vor. Zum anderen versuchen
Hersteller, den von ihnen erzeugten verbrennungsmotorisch betriebenen Fahrzeugen eine
charakteristische Geräuschentwicklung aufzuprägen, welche zum Image des jeweiligen
Herstellers passen und die Kunden ansprechen soll. Diese charakteristische Geräuschentwicklung
lässt sich bei modernen Motoren mit geringem Hubraumvolumen häufig nicht mehr auf
natürlichem Wege sicherstellen.
[0005] Die den Verbrennungsmotor als Körperschall durchlaufenden Geräusche lassen sich gut
dämmen und stellen daher in der Regel kein Problem hinsichtlich des Lärmschutzes dar.
Aufgrund der zunehmenden Verwendung von Verbrennungsmotoren mit kleinen Hubräumen
oder gar von Elektromotoren stellt sich jedoch das Problem, dass das Geräusch des
Motors für einen Benutzer häufig nicht ansprechend ist und/oder nicht zum Image eines
Herstellers des Fahrzeuges passt.
[0006] Die eine Abgasanlage des Verbrennungsmotors zusammen mit dem verbrannten Kraftstoff-Luftgemisch
als Luftschall durchlaufenden Geräusche werden durch vor der Mündung der Abgasanlage
angeordnete Schalldämpfer reduziert, welche ggf. vorhandenen Katalysatoren nachgeschaltet
sind. Derartige Schalldämpfer können beispielsweise nach dem Absorptions- und/oder
Reflexionsprinzip arbeiten. Beiden Arbeitsweisen ist der Nachteil gemeinsam, dass
sie ein vergleichsweise großes Volumen beanspruchen und dem verbrannten Kraftstoff-Luftgemisch
einen relativ hohen Widerstand entgegen setzen, wodurch der Gesamtwirkungsgrad des
Fahrzeuges sinkt und der Kraftstoffverbrauch steigt.
[0007] Als Alternative oder zur Ergänzung von Schalldämpfern werden seit einiger Zeit sogenannte
Antischall-Systeme entwickelt, die dem vom Verbrennungsmotor erzeugten und in der
Abgasanlage geführten Luftschall elektroakustisch erzeugten Anti-Schall überlagern.
Derartige Systeme sind beispielsweise aus den Dokumenten
US 4,177,874,
US 5,229,556,
US 5,233,137,
US 5,343,533,
US 5,336,856,
US 5,432,857,
US 5,600,106,
US 5,619,020,
EP 0 373 188,
EP 0 674 097,
EP 0 755 045,
EP 0 916 817,
EP 1 055 804,
EP 1 627 996,
DE 197 51 596,
DE 10 2006 042 224,
DE 10 2008 018 085 und
DE 10 2009 031 848 bekannt.
[0008] Derartige Antischall-Systeme verwenden üblicherweise einen sogenannten Filtered-x
Least mean squares (FxLMS) Algorithmus, der versucht, ein mittels eines Fehlermikrofons
gemessenes Fehlersignal durch Ausgabe von Schall über wenigstens einen mit der Abgasanlage
in Fluidverbindung stehenden Lautsprecher auf Null (im Falle der Schallauslöschung)
oder einen vorgegebenen Schwellwert (im Falle der Schallbeeinflussung) zu regeln.
Zum Erzielen einer vollständigen destruktiven Interferenz der Schallwellen des in
der Abgasanlage geführten Luftschalls und des vom Lautsprecher erzeugten Anti-Schalls
müssen die vom Lautsprecher herrührenden Schallwellen nach Amplitude und Frequenz
den in der Abgasanlage geführten Schallwellen entsprechen, relativ zu diesen jedoch
eine Phasenverschiebung von 180 Grad aufweisen. Entsprechen sich die in der Abgasanlage
geführten Schallwellen des Luftschalls und die vom Lautsprecher erzeugten Schallwellen
des Anti-Schalls zwar in der Frequenz, und weisen sie relativ zueinander eine Phasenverschiebung
von 180 Grad auf, entsprechen sich die Schallwellen aber nicht in der Amplitude, kommt
es nur zu einer Abschwächung der in der Abgasanlage geführten Schallwellen des Luftschalls.
Für jedes Frequenzband des im Abgasrohr geführten Luftschalls wird der Anti-Schall
mittels des FxLMS-Algorithmus gesondert berechnet, indem eine geeignete Frequenz und
Phasenlage von zwei zueinander um 90 Grad verschobenen Sinusschwingungen bestimmt
wird, und die erforderlichen Amplituden für diese Sinusschwingungen berechnet werden.
Ziel von Antischall-Systemen ist, dass die Schallauslöschung bzw. Schallbeeinflussung
zumindest außerhalb, ggf. aber auch innerhalb der Abgasanlage hörbar und messbar ist.
Die Bezeichnung Anti-Schall dient in diesem Dokument zur Unterscheidung zu dem in
der Abgasanlage geführten Luftschall. Für sich alleine betrachtet handelt es sich
bei Anti-Schall um gewöhnlichen Luftschall. Es wird betont, dass das vorliegende Dokument
nicht auf die Verwendung eines FxLMS-Algorithmus beschränkt ist.
[0009] Eine Abgasanlage mit einem Antischall-System aus dem Stand der Technik wird nachfolgend
unter Bezugnahme auf die Figuren 1 und 2 beschrieben:
Eine Abgasanlage mit einem Antischall-System 1 weist einen Schallerzeuger 2 in Form
eines schallisolierten Gehäuses auf, welches einen Lautsprecher 3 enthält und im Bereich
eines Endrohrs 4 an eine Abgasanlage 6 angebunden ist.
[0010] Das Endrohr 4 weist eine Mündung 5 auf, um in der Abgasanlage 4 geführtes Abgas nach
außen abzugeben.
[0011] An dem Endrohr 4 ist ein Fehlermikrofon 7 in Form eines Drucksensors vorgesehen.
Das Fehlermikrofon 7 misst Druckschwankungen und damit Schall im Inneren des Endrohrs
4 in einem Abschnitt stromabwärts eines Bereichs, in dem die fluide Anbindung zwischen
Abgasanlage 6 und Schallerzeuger 2 bereitgestellt wird. Dabei ist der Begriff "stromabwärts"
auf die Strömungsrichtung des Abgases bezogen. Die Strömungsrichtung des Abgases ist
in Figur 2 durch Pfeile gekennzeichnet.
[0012] Der Lautsprecher 3 und das Fehlermikrofon 7 sind elektrisch mit einer (Antischall-)Steuerung
8 verbunden. Weiter ist die Steuerung 8 über einen CAN-Bus mit einer Motorsteuerung
9 eines Verbrennungsmotors 10 verbunden.
[0013] Anhand von durch das Fehlermikrofon 7 gemessenem Schall und von über den CAN-Bus
empfangenen Betriebsparametern des Verbrennungsmotors 10 berechnet die Antischall-Steuerung
8 unter Verwendung eines
Filtered-x Least mean squares (FxLMS) Algorithmus für den Lautsprecher 3 ein digitales Steuersignal, welches eine
weitgehende Auslöschung des im Inneren der Abgasanlage 6 geführten Schalls durch Beaufschlagung
mit Anti-Schall erlaubt, und gibt dieses an den Lautsprecher 3 aus.
[0014] Bei der Verwendung vorbekannter Systeme zur Beeinflussung von Abgasgeräuschen ist
es nachteilig, dass diese nicht für mehrflutige Abgasanlagen ausgebildet sind.
[0015] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Antischall-System zur Beeinflussung
von in mehrflutigen Abgasanlagen geführten Abgasgeräuschen bereitzustellen, welches
eine niedrige Komplexität und damit niedrige Kosten aufweist.
[0016] Die vorstehende Aufgabe wird durch die Kombination der Merkmale der unabhängigen
Ansprüche gelöst. Bevorzugte Weiterbildungen finden sich in den Unteransprüchen.
[0017] Ausführungsformen betreffen ein Antischall-System zur Beeinflussung von in einer
mehrflutigen Abgasanlage eines Fahrzeugs geführten Abgasgeräuschen, welches eine Steuerung
und wenigstens einen Aktor aufweist. Der Aktor ist ausgebildet, ein Steuersignal zu
empfangen und in Abhängigkeit von dem Steuersignal Schall zu erzeugen. Bei dem Aktor
kann es sich insbesondere um einen Lautsprecher und weiter insbesondere um einen Tauchspulenlautsprecher
handeln. Der wenigstens eine Aktor ist ein einem Schallerzeuger angeordnet. Es können
mehrere Schallerzeuger vorgesehen sein, in denen jeweils wenigstens ein Aktor angeordnet
ist. Der wenigstens eine Aktor ist beispielsweise über optische oder elektrische Leitungen
zum Empfang von Steuersignalen mit der Steuerung verbunden und zum Erzeugen eines
Schalls in dem Schallerzeuger ausgebildet. Somit wird in dem Schallerzeuger in Abhängigkeit
von dem von der Steuerung empfangenen Steuersignal Schall erzeugt. Der Schallerzeuger
ist gleichzeitig mit wenigstens zwei Abgassträngen der mehrflutigen Abgasanlage des
Fahrzeugs verbindbar. Die Steuerung ist ausgebildet und damit programmtechnisch eingerichtet,
ein Steuersignal zu erzeugen, welches den wenigstens einen in dem Schallerzeuger angeordneten
Aktor veranlasst, Schall im Inneren der wenigstens zwei Abgasstränge der mehrflutigen
Abgasanlage des Fahrzeugs dem Betrage nach zumindest teilweise und bevorzugt vollständig
auszulöschen.
[0018] Somit ist der Schallerzeuger gleichzeitig wenigstens zwei Abgassträngen der mehrflutigen
Abgasanlage zugeordnet und beaufschlagt diese über eine fluide Anbindung mit Schall.
Es ist bei einer mehrflutigen Abgasanlage somit nicht erforderlich, für jeden Abgasstrang
einen eigenen Schallerzeuger mit wenigstens einem Aktor vorzusehen. Entsprechend ist
nur eine Steuerung erforderlich. Hierdurch werden Bauraum und Kosten gespart und wird
die Komplexität des Aufbaus gesenkt.
[0019] Dabei wird in diesem Dokument unter einer mehrflutigen Abgasanlage eine Abgasanlage
verstanden, welche wenigstens zwei Endrohre aufweist, welche mit Brennkammern eines
Verbrennungsmotors in Fluidverbindung stehen oder gebracht werden können. Beispielsweise
kann die Abgasanlage genau zwei Endrohre aufweisen, oder wenigstens ein Paar von Endrohren
aufweisen, welche mit Brennkammern eines Verbrennungsmotors in Fluidverbindung stehen
oder gebracht werden können.
[0020] Gemäß einer Ausführungsform weist das Antischall-System weiter wenigstens ein Fehlermikrofon
auf, welches mit der Steuerung verbunden ist. Das Fehlermikrofon ist ausgebildet,
Schall im Inneren der Abgasanlage zu messen und beispielsweise über optische oder
elektrische Leitungen ein entsprechendes Messsignal an die Steuerung auszugeben. Die
Steuerung ist ausgebildet, von dem Fehlermikrofon erhaltene Messsignale durch Ausgabe
des Steuersignals an den wenigstens einen Aktor zumindest teilweise und bevorzugt
vollständig auszulöschen. Dies erfolgt mittelbar dadurch, dass der von dem Fehlermikrofon
gemessene, in der Abgasanlage geführte Schall dem Betrag nach ganz oder teilweise
ausgelöscht wird.
[0021] Gemäß einer Ausführungsform ist das wenigstens eine Fehlermikrofon an einer bezüglich
der Abgasströmung im Bereich einer fluiden Anbindung zwischen Schallerzeuger und Abgasanlage
gelegenen Stelle der Abgasanlage über eine zusätzliche Rohrleitung gleichzeitig mit
wenigstens zwei Abgassträngen der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbindbar.
[0022] Somit ist das Fehlermikrofon gleichzeitig wenigstens zwei Abgassträngen der mehrflutigen
Abgasanlage zugeordnet, so dass für beide Abgasstränge nur ein Regelkreis erforderlich
ist. Hierdurch wird die Komplexität des Aufbaus weiter gesenkt.
[0023] Gemäß einer Ausführungsform erfolgt die fluide Anbindung des Fehlermikrofons über
zwei insbesondere flexible Schläuche von insbesondere gleicher Länge, welche über
ein T-Stück oder Y-Stück miteinander verbunden sind, und deren freies Ende jeweils
mit einem Abgasstrang verbunden ist. Das Fehlermikrofon ist dann am verbleibenden
Schenkel des T-Stücks bzw. Y-Stücks angeordnet.
[0024] Gemäß einer alternativen Ausführungsform ist für jeden Abgasstrang der Abgasanlage
wenigstens ein Fehlermikrofon vorgesehen, welches an einer bezüglich der Abgasströmung
im Bereich einer fluiden Anbindung zwischen Schallerzeuger und Abgasanlage gelegenen
Stelle der Abgasanlage mit nur dem zugehörigen Abgasstrang der mehrflutigen Abgasanlage
des Fahrzeugs verbindbar ist.
[0025] Somit kann für jeden Abgasstrang ein separates Fehlermikrofon vorgesehen sein. Gemäß
einer Ausführungsform werden die Messwerte dieser Fehlermikrofone gemittelt und ein
dem Mittelwert entsprechendes Messsignal an die Steuerung ausgegeben. Auf diese Weise
kann auch bei Vorhandensein von mehreren Fehlermikrofonen nur ein Regelkreis vorgesehen
sein.
[0026] Gemäß einer Ausführungsform ist die Steuerung mit einer Motorsteuerung eines Verbrennungsmotor
des Fahrzeugs verbindbar und ausgebildet (und damit programmtechnisch eingerichtet),
das digitale Steuersignal in Abhängigkeit von Signalen zu erzeugen, welche von der
Motorsteuerung empfangen werden. Bei diesen von der Motorsteuerung empfangenen Signalen
kann es sich beispielsweise um eine Drehzahl und/oder ein Drehmoment des Verbrennungsmotors
handeln.
[0027] Gemäß einer Ausführungsform weist das System genau einen Aktor und entsprechend genau
einen Schallerzeuger auf.
[0028] Gemäß einer Ausführungsform weist das System genau ein Fehlermikrofon auf.
[0029] Gemäß einer Ausführungsform weist das System genau eine Steuerung auf.
[0030] Gemäß einer Ausführungsform weist der Schallerzeuger ein Doppel-D-Rohr auf, wobei
beide D-Rohre des Doppel-D-Rohrs gleichzeitig mit einem gemeinsamen Innenvolumen des
Schallerzeugers in Fluidverbindung stehen, und jeweils ein D-Rohr des Doppel-D-Rohrs
mit genau einem Abgasstrang der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbindbar
ist. Bei Doppel-D-Rohren handelt es sich um zwei Rohre mit jeweils halbkreisförmigem
Querschnitt, die mit ihren flachen Seiten aufeinandergelegt sind und an den Längskanten
beispielsweise mittels einer Schweißnaht miteinander verbunden sind.
[0031] Gemäß einer alternativen Ausführungsform weist der Schallerzeuger ein Y-Stück auf,
wobei ein Arm des Y-Stücks mit einem Innenvolumen des Schallerzeugers in Fluidverbindung
steht und jeweils ein Arm des Y-Stücks mit genau einem Abgasstrang der mehrflutigen
Abgasanlage des Fahrzeugs verbindbar ist.
[0032] Gemäß einer weiteren alternativen Ausführungsform weist der Schallerzeuger ein Vorvolumen
auf, in welches gleichzeitig mehrere Anschlussrohre münden, wobei jeweils eines dieser
Anschlussrohre mit genau einem zugehörigen Abgasstrang der mehrflutigen Abgasanlage
des Fahrzeugs verbindbar ist.
[0033] Gemäß einer Ausführungsform ist der Schallerzeuger ein Lautsprechergehäuse, welches
wenigstens einen Lautsprecher aufnimmt. Gemäß einer alternativen Ausführungsform ist
der Schallerzeuger ein Lautsprecher.
[0034] Gemäß einer Ausführungsform weist der Schallerzeuger ein Innenvolumen auf, welches
gleichzeitig mit wenigstens zwei Abgassträngen der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs
in Fluidverbindung bringbar ist.
[0035] Ausführungsformen einer mehrflutigen Abgasanlage für ein Fahrzeug weisen wenigstens
zwei Abgasstränge und insbesondere wenigstens ein Paar von Abgassträngen und weiter
insbesondere genau zwei Abgasstränge und ein Antischall-System wie vorstehend beschrieben
auf. Die wenigstens zwei Abgasstränge sind mit einem Verbrennungsmotor des Fahrzeugs
verbindbar und ausgebildet, vom Verbrennungsmotor des Fahrzeugs ausgegebenes Abgas
zu führen. Die wenigstens zwei Abgasstränge weisen jeweils ein Endrohr auf, über welches
in dem jeweiligen Abgasstrang geführtes Abgas nach außerhalb der Abgasanlage ausgegeben
wird. Der Schallerzeuger ist gleichzeitig mit den wenigstens zwei Abgassträngen der
mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbunden.
[0036] Gemäß einer Ausführungsform weist das Antischall-System der mehrflutigen Abgasanlage
wenigstens eine Fehlermikrofon auf, welches an einer bezüglich der Abgasströmung im
Bereich einer fluiden Anbindung zwischen Schallerzeuger und Abgasanlage gelegenen
Stelle der Abgasanlage über eine zusätzliche Rohrleitung gleichzeitig mit wenigstens
zwei Abgassträngen der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbunden ist.
[0037] Gemäß einer Ausführungsform weist das Antischall-System der mehrflutigen Abgasanlage
für jeden Abgasstrang der Abgasanlage wenigstens ein Fehlermikrofon vorgesehen auf,
welches an einer bezüglich der Abgasströmung im Bereich einer fluiden Anbindung zwischen
Schallerzeuger und Abgasanlage gelegenen Stelle der Abgasanlage mit nur dem einen
zugehörigen Abgasstrang der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbunden ist.
[0038] Gemäß einer Ausführungsform ist die Länge eines jeden der wenigstens zwei Abgasstränge
der mehrflutigen Abgasanlage zwischen dem Verbrennungsmotor und der Stelle entlang
des jeweiligen Abgasstranges, an welcher der Schallerzeuger mit dem jeweiligen Abgasstrang
verbunden ist, gleich groß. Alternativ sind Längenabweichungen von kleiner 10 % und
insbesondere kleiner 5 % und weiter insbesondere kleiner 3 % zugelassen. Weiter ist
auch die Länge einer jeweiligen Verbindungsleitung zwischen dem jeweiligen Abgasstrang
und dem Schallerzeuger gleich groß. Vielmehr sind Längenabweichungen von kleiner 10
% und insbesondere kleiner 5 % und weiter insbesondere kleiner 3 % zugelassen. Hierdurch
wird verhindert, dass es aufgrund unterschiedlicher Leitungslängen zu Laufzeitunterschieden
des in den Abgassträngen geführten Schalls kommt.
[0039] Gemäß einer Ausführungsform weisen die wenigstens zwei Abgasstränge der mehrflutigen
Abgasanlage bezüglich der Strömungsrichtung des in den Abgassträngen geführten Abgases
stromaufwärts des Bereichs der fluiden Anbindung zwischen Schallerzeuger und Abgasanlage
aber stromabwärts des Verbrennungsmotors ein gemeinsames Volumen auf. Dieses gemeinsame
Volumen stellt sicher, dass die Phase der in den wenigstens zwei Abgassträngen geführten
Schallwellen im Wesentlichen gleich sind. Beispielsweise kann dieses gemeinsame Volumen
im Bereich eines Turboladers vorgesehen sein.
[0040] Gemäß einer Ausführungsform weisen die wenigstens zwei Abgasstränge bezüglich der
Strömungsrichtung des in den Abgassträngen geführten Abgases stromaufwärts der Endrohre
aber stromabwärts des Verbrennungsmotors ein gemeinsames Volumen aufweisen, und ist
der Schallerzeuger im Bereich des gemeinsamen Volumens angeordnet und so gleichzeitig
mit den wenigstens zwei Abgassträngen der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbunden.
Beispielsweise kann dieses gemeinsame Volumen im Bereich eines Turboladers vorgesehen
sein. Dabei muss der Schallerzeuger nicht in dem gemeinsamen Volumen angeordnet sein.
Vielmehr ist es ausreichend, wenn der Schallerzeuger mit diesem gemeinsamen Volumen
in fluider Anbindung/Fluidverbindung steht.
[0041] Gemäß einer Ausführungsform weist jeder der wenigstens zwei Abgasstränge der mehrflutigen
Abgasanlage zwischen dem Verbrennungsmotor und/oder dem (stromaufwärts des Bereichs
der fluiden Anbindung zwischen Schallerzeuger und Abgasanlage aber stromabwärts des
Verbrennungsmotors liegenden) gemeinsamen Volumen und der Stelle entlang des jeweiligen
Abgasstranges, an welcher der Schallerzeuger mit dem jeweiligen Abgasstrang verbunden
ist, einen eigenen Schalldämpfer (beispielsweise Vorschalldämpfer und/oder Mittelschalldämpfer)
und/oder eine eigene Abgasreinigungsanlage (beispielsweise einen Katalysator) auf.
Der Vorschalldämpfer bzw. die Abgasreinigungsanlage wird nur von in dem zugehörigen
Abgasstrang geführten Abgas durchströmt.
[0042] Ausführungsformen eines Kraftfahrzeugs weisen einen Verbrennungsmotor mit einer Motorsteuerung
und eine mehrflutige Abgasanlage wie vorstehend beschrieben auf. Die mehrflutige Abgasanlage
steht die mit dem Verbrennungsmotor und insbesondere mit Brennkammern des Verbrennungsmotors
in Fluidverbindung. Die Steuerung des Antischall-Systems der mehrflutigen Abgasanlage
ist mit der Motorsteuerung des Verbrennungsmotors des Fahrzeugs verbunden.
[0043] Ausführungsformen eines Verfahrens zum Steuern eines Antischall-Systems zur Beeinflussung
von in einer mehrflutigen Abgasanlage eines Fahrzeugs geführten Abgasgeräuschen weisen
die folgenden Schritte auf: Empfangen eines Betriebsparameters (wie beispielsweise
einer Drehzahl und/oder eines Drehmoments) von einer Motorsteuerung des Fahrzeugs.
Zusätzlich oder alternativ kann Schall im Inneren der Abgasanlage gemessen werden.
Anschließend wird anhand des Betriebsparameters und/oder des gemessenen Schalls ein
Steuersignal berechnet, welches Steuersignal geeignet ist, in wenigstens zwei Abgassträngen
der mehrflutigen Abgasanlage geführten von einem Verbrennungsmotor erzeugten Luftschall
dem Betrage nach zumindest teilweise und bevorzugt vollständig auszulöschen. Anschließend
wird durch Betreiben wenigstens einen Aktors mit dem Steuersignal ein Anti-Luftschall
erzeugt und werden wenigstens zwei Abgasstränge der mehrflutigen Abgasanlage gleichzeitig
mit dem erzeugten Anti-Luftschall beaufschlagt, um in den wenigstens zwei Abgassträngen
geführten, von einem Verbrennungsmotor erzeugten Luftschall zumindest teilweise und
bevorzugt vollständig dem Betrag nach auszulöschen. Bei dem Antischall-System kann
es sich beispielsweise um das vorstehend beschriebene Antischall-System handeln.
[0044] Ausführungsformen einer Verwendung eines Antischall-Systems zur Beeinflussung von
in einer mehrflutigen Abgasanlage eines Fahrzeugs geführten Abgasgeräuschen weisen
die folgenden Schritte auf: Bereitstellen eines Antischall-Systems wie vorstehend
beschrieben; und Verbinden des Schallerzeugers mit wenigstens zwei Abgassträngen der
mehrflutigen Abgasanlage eines Fahrzeugs. Somit wird der Schallerzeuger so verwendet,
dass er mit wenigstens zwei Abgassträngen gleichzeitig in fluider Anbindung steht.
[0045] In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass die in dieser Beschreibung und
den Ansprüchen zur Aufzählung von Merkmalen verwendeten Begriffe "umfassen", "aufweisen",
"beinhalten", "enthalten" und "mit", sowie deren grammatikalische Abwandlungen, generell
als nichtabschließende Aufzählung von Merkmalen, wie z.B. Verfahrensschritten, Einrichtungen,
Bereichen, Größen und dergleichen aufzufassen sind, und in keiner Weise das Vorhandensein
anderer oder zusätzlicher Merkmale oder Gruppierungen von anderen oder zusätzlichen
Merkmalen ausschließen.
[0046] Weitere Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung von
Ausführungsbeispielen in Verbindung mit den Ansprüchen sowie den Figuren. In den Figuren
werden gleiche bzw. ähnliche Elemente mit gleichen bzw. ähnlichen Bezugszeichen bezeichnet.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Erfindung nicht auf die Ausführungsformen der
beschriebenen Ausführungsbeispiele beschränkt, sondern durch den Umfang der beiliegenden
Patentansprüche bestimmt ist. Insbesondere können die einzelnen Merkmale bei erfindungsgemäßen
Ausführungsformen in anderer Anzahl und Kombination als bei den untenstehend angeführten
Beispielen verwirklicht sein. Bei der nachfolgenden Erläuterung eines Ausführungsbeispiels
der Erfindung wird auf die beiliegenden Figuren Bezug genommen, von denen
- Figur 1
- schematisch eine perspektivische Ansicht eines Abschnitts einer Abgasanlage zeigt,
welcher einen Schallerzeuger eines Antischall-Systems aufweist,
- Figur 2
- schematisch ein Blockdiagramm eines Antischall-Systems im Zusammenwirken mit einer
Abgasanlage eines Verbrennungsmotors nach dem Stand der Technik zeigt, wobei der Schallerzeuger
aus Figur 1 verwendet werden kann,
- Figuren 3A, 3B, 3C
- schematisch Blockdiagramme eines Antischall-Systems im Zusammenwirken mit einer Abgasanlage
eines Verbrennungsmotors gemäß dreier Ausführungsformen der Erfindung zeigt;
- Figuren 4A, 4B, 4C, 4D, 4E
- schematisch die Anbindung des Schallerzeugers des Antischall-Systems aus Figuren 3A,
3B, 3C an die Abgasanlage eines Verbrennungsmotors gemäß vier Ausführungsformen der
Erfindung zeigt; und
- Figur 5
- schematisch ein Kraftfahrzeug zeigt, welches eine Abgasanlage mit einem Antischall-System
gemäß der Erfindung aufweist.
[0047] Im Folgenden werden unter Bezugnahme auf die Figuren mehrere Ausführungsformen der
Erfindung erläutert.
[0048] Wie aus Figuren 3A, 3B und 3C ersichtlich, wird das von einer Verbrennungskraftmaschine
100 erzeugte Abgas zunächst gesammelt und treibt einen Turbolader 110 an. Anschließend
wird das Abgas getrennt entlang zweier Abgasstränge 60, 61 durch zwei Katalysatoren
62, 63 und zwei Vorschalldämpfer 64, 65 geführt, und schließlich über Mündungen 50,
51 von Endrohren 40, 41 an die Umgebung ausgegeben. Die Strömungsrichtung des Abgases
ist durch Pfeile gekennzeichnet.
[0049] Es wird betont, dass der Turbolader 110, die Katalysatoren 62, 63 und die Vorschalldämpfer
64, 65 nur optional sind. Alternativ oder zusätzlich können auch andere Elemente zur
Abgasreinigung und Schalldämpfung vorgesehen sein. Weiter wird betont, dass auch mehr
als ein Paar Abgasstränge vorhanden sein kann.
[0050] Gemäß der Ausführungsformen aller Figuren 3A, 3B und 3C weist das Antischall-System
einen Schallerzeuger 20 auf, in welchem ein Lautsprecher angeordnet ist. Der Schallerzeuger
20 steht über Verbindungsleitungen 21 mit beiden Abgasstränge 60, 61 in der Nähe der
Endrohre 50, 51 in fluider Anbindung.
[0051] Dabei ist die Länge der beiden Abgasstränge 60, 61 zwischen dem Verbrennungsmotor
100 und der Stelle des jeweiligen Abgasstranges 60, 61, an welcher der Schallerzeuger
20 mit dem jeweiligen Abgasstrang 60, 61 verbunden ist, gleich groß. Dies ist jedoch
nicht zwingend.
[0052] Zwischen dem Bereich der fluiden Anbindung des Schallerzeugers 20 und den Endrohren
50, 51 ist gemäß der Ausführungsformen aller Figuren 3A, 3B und 3C wenigstens ein
Fehlermikrofon 70, 71, 72 in Form eines Drucksensors angeordnet.
[0053] Gemäß der Ausführungsform aus Figur 3A ist nur ein Fehlermikrofon 70 vorgesehen,
welches Druckschwankungen und damit Schall im Inneren des Abgasstrangs 60 misst.
[0054] Gemäß der Ausführungsform aus Figur 3B weist jeder Abgasstrang 60, 61 ein Fehlermikrofon
70, 71 auf, welches Druckschwankungen und damit Schall im Inneren des zugehörigen
Abgasstrangs 60, 61 misst.
[0055] Gemäß der Ausführungsform aus Figur 3C ist nur ein Fehlermikrofon 72 vorgesehen,
welches über eine T-förmige Schlauchverbindung 73 mit beiden Abgassträngen 60, 61
gleichzeitig in fluider Anbindung steht und Druckschwankungen und damit Schall im
Inneren beider Abgasstränge 60, 61 misst.
[0056] Die Lautsprecher der Schallerzeuger 20 und die Fehlermikrofone 70, 71, 72 sind über
Steuerleitungen mit einer Antischall-Steuerung 80 verbunden.
[0057] Die Antischall-Steuerung 80 ist weiter über einen CAN-Bus mit einer Motorsteuerung
90 des Verbrennungsmotors 100 verbunden, und empfängt von der Motorsteuerung 90 aktuelle
Betriebsparameter des Verbrennungsmotors 100, insbesondere die Drehzahl und das Drehmoment.
Es wird betont, dass anstelle des CAN-Bus auch ein anderer Fahrzeugbus, insbesondere
ein LIN-Bus, MOST-Bus oder Flexray-Bus verwendet werden kann.
[0058] Die Antischall-Steuerung 80, bei welcher es sich vorliegend um einen programmtechnisch
eingerichteten Mikroprozessor handelt, ist ausgebildet, anhand der von der Motorsteuerung
90 empfangenen Betriebsparameter des Verbrennungsmotors und eines von den Fehlermikrofonen
70, 71, 72 empfangenen Fehlersignals (Messsignals) unter Verwendung eines
Filtered-x Least mean squares (FxLMS)-Algorithmus ein Steuersignal zu erzeugen, welches geeignet ist, den Lautsprecher
des Schallerzeugers 20 so zu betreiben, dass der in den Abgassträngen 60, 61 geführte
Schall dem Betrage nach zumindest teilweise ausgelöscht wird. Der Erfolg der Schallauslöschung
kann mittels der Fehlermikrofone 70, 71, 72 überprüft werden.
[0059] Wie aus Figuren 4A, 4B, 4C, 4D und 4E ersichtlich, kann die Anbindung des Schallerzeugers
20 an die beiden Abgasstränge 60, 61 in jeder der vorstehend beschriebenen Ausführungsformen
auf unterschiedliche Weise erfolgen.
[0060] Gemäß der Ausführungsformen aller Figuren 4A, 4B und 4C sind die Endrohre 50, 51
über Y-förmige Sammelstücke 66, 67 an die jeweils zugehörigen Abgasstränge 60, 61
angebunden. Dabei ist die Basis bzw. der Fuß eines jeden Y-förmigen Sammelstücks 66,
67 mit einem zugehörigen Endrohr 50, 51 und ein Arm des Y-förmigen Sammelstücks mit
einer Leitung des jeweiligen Abgasstranges 60, 61 verbunden. Der verbleibende Arm
des Y-förmigen Sammelstücks 66, 67 steht mit dem jeweiligen Schallerzeuger 21, 23,
25 in fluider Anbindung. Da die Arme des Y-förmigen Sammelstücks 66, 67 miteinander
einen spitzen Winkel einschließen, wird so verhindert, dass der Druck des in den Abgassträngen
60, 61 geführten Abgases auf den Lautsprecher des zugehörigen Schallerzeugers 21,
23, 25 wirkt.
[0061] Gemäß der Ausführungsform aus Figur 4A erfolgt die fluide Anbindung des Schallerzeugers
21 über ein T-förmiges Anschlussstück 22, dessen beide Arme mit den Armen der Y-förmigen
Sammelstücke 66, 67 verbunden sind und dessen Basis mit dem Schallerzeuger 21 verbunden
ist.
[0062] Gemäß der Ausführungsform aus Figur 4B erfolgt die fluide Anbindung des Schallerzeugers
23 über ein Y-förmiges Anschlusstück 24, dessen beide Arme mit den Armen der Y-förmigen
Sammelstücke 66, 67 verbunden sind und dessen Basis mit dem Schallerzeuger 23 verbunden
ist.
[0063] Gemäß der Ausführungsform aus Figur 4C weist der Schallerzeuger 25 ein Vorvolumen
auf, in welches die beiden Arme der Y-förmigen Sammelstücke 66, 67 münden.
[0064] Auch bei der Ausführungsform aus Figur 4D sind die Endrohre 50, 51 über Y-förmige
Sammelstücke 68, 69 an die jeweils zugehörigen Abgasstränge 60, 61 angebunden und
ist die Basis bzw. der Fuß eines jeden Y-förmigen Sammelstücks 68, 69 mit einem zugehörigen
Endrohr 50, 51 und ein Arm des Y-förmigen Sammelstücks 68, 69 mit einer Leitung des
jeweiligen Abgasstranges 60, 61 verbunden. Die verbleibenden Arme der Y-förmigen Sammelstücke
68, 69 sind im Bereich eines Anschlusses des Schallerzeugers 27 als Doppel-D-Rohr
ausgebildet. Somit weisen die verbleibenden Arme der Y-förmigen Sammelstücke 68, 69
im Bereich des Anschlusses des Schallerzeugers 27 jeweils einen halbkreisförmigen
Querschnitt auf, wobei die flachen Seiten aufeinandergelegt und mittels einer Schweißnaht
miteinander verbunden sind.
[0065] Gemäß der Ausführungsformen aller Figuren 4A, 4B, 4C und 4D ist die Länge der jeweiligen
Verbindungsleitung zwischen dem jeweiligen Abgasstrang 60, 61 und dem Schallerzeuger
21, 23, 25, 27 gleich groß.
[0066] Das bzw. die verwendeten Fehlermikrofone sind in den Figuren 4A bis 4D nicht eigens
gezeigt. Wie in den Figuren 3A bis 3C gezeigt, kann wahlweise
ein Fehlermikrofon vorgesehen sein, welches entlang der Abgasströmung stromabwärts
des Bereichs angeordnet ist, in welchem die fluide Anbindung des jeweiligen Schallerzeugers
21, 23, 25, 27 an die Abgasstränge 60, 61 erfolgt, und welches einem der beiden Abgasstränge
60, 61 zugeordnet ist, oder
es können zwei Fehlermikrofone vorgesehen sein, welche jeweils einem der beiden Abgasstränge
60, 61 zugeordnet und entlang der Abgasströmung stromabwärts des Bereichs angeordnet
sind, in welchem die fluide Anbindung des jeweiligen Schallerzeugers 21, 23, 25, 27
an die Abgasstränge 60, 61 erfolgt,
oder
es kann ein Fehlermikrofon vorgesehen sein, welches beiden Abgassträngen 60, 61 gleichzeitig
zugeordnet ist, und mit diesen über eine fluide Anbindung verbunden ist, welche entlang
der Abgasströmung stromabwärts des Bereichs angeordnet ist, in welchem die fluide
Anbindung des jeweiligen Schallerzeugers 21, 23, 25, 27 an die Abgasstränge 60, 61
erfolgt.
[0067] Gemäß der Ausführungsform aus Figur 4E steht der Schallerzeuger 29 über eine Verbindungsleitung
28 mit einem Volumen 110' in fluider Anbindung, welches Volumen 110' beiden Abgassträngen
60, 61 gemeinsam ist. Dieses Volumen 110' ist entlang des in den Abgassträngen 60,
61 geführten Abgases stromabwärts des Verbrennungsmotors 100 und stromaufwärts der
Endrohre 50, 51 angeordnet. In der gezeigten Ausführungsform befindet sich das Volumen
110' stromabwärts eines nicht gezeigten Turboladers. Weiter ist ein Fehlermikrofon
74 vorgesehen, welches bezüglich der Abgasströmung stromabwärts des Bereichs der fluiden
Anbindung des Schallerzeugers 29 an das Volumen 110' mit dem Volumen 110' in fluider
Anbindung steht und mit der Steuerung 80 verbunden ist.
[0068] In der Figur 5 ist schematisch ein Kraftfahrzeug gezeigt, welches neben einem Verbrennungsmotor
100 das vorstehend beschriebene Antischall-System mit der mehrflutigen Abgasanlage
(von welcher in Figur 5 nur der Abgasstrang 60 gezeigt ist) und der Antischall-Steuerung
80 aufnimmt. Der Schallerzeuger mit dem Lautsprecher ist in Figur 5 nicht eigens gezeigt.
1. Antischall-System zur Beeinflussung von in einer mehrflutigen Abgasanlage eines Fahrzeugs
geführten Abgasgeräuschen, aufweisend:
eine Steuerung (80); und
wenigstens einen Aktor, welcher in einem Schallerzeuger (20; 21; 23; 25; 27; 29) angeordnet
ist;
wobei der wenigstens eine Aktor zum Empfang von Steuersignalen mit der Steuerung (80)
verbunden und zum Erzeugen eines Schalls in dem Schallerzeuger (20; 21; 23; 25; 27;
29) ausgebildet ist;
wobei der Schallerzeuger (20; 21; 23; 25; 27; 29) gleichzeitig mit wenigstens zwei
Abgassträngen (60, 61) der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbindbar ist;
und
wobei die Steuerung (80) ausgebildet ist, ein Steuersignal zu erzeugen, welches den
wenigstens einen in dem Schallerzeuger (20; 21; 23; 25; 27; 29) angeordneten Aktor
veranlasst, Schall im Inneren der wenigstens zwei Abgasstränge (60, 61) der mehrflutigen
Abgasanlage des Fahrzeugs zumindest teilweise und bevorzugt vollständig auszulöschen.
2. Antischall-System nach Anspruch 1,
weiter aufweisend wenigstens ein Fehlermikrofon (70, 71; 72; 74), welches mit der
Steuerung (80) verbunden ist;
wobei das Fehlermikrofon (70, 71; 72; 74) ausgebildet ist, Schall im Inneren der Abgasanlage
zu messen und ein entsprechendes Messsignal an die Steuerung (80) auszugeben; und
wobei die Steuerung (80) ausgebildet ist, von dem Fehlermikrofon (70, 71; 72; 74)
erhaltene Messsignale durch Ausgabe des Steuersignals an den wenigstens einen Aktor
zumindest teilweise und bevorzugt vollständig auszulöschen.
3. Antischall-System nach Anspruch 2, wobei das wenigstens eine Fehlermikrofon (72) an
einer bezüglich der Abgasströmung im Bereich einer fluiden Anbindung zwischen Schallerzeuger
(20; 21; 23; 25; 27; 29) und Abgasanlage gelegenen Stelle der Abgasanlage über eine
zusätzliche Rohrleitung (73) gleichzeitig mit wenigstens zwei Abgassträngen (60, 61)
der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbindbar ist.
4. System nach Anspruch 2, wobei für jeden Abgasstrang (60, 61) der mehrflutigen Abgasanlage
wenigstens ein Fehlermikrofon (70, 71) vorgesehen ist, welches an einer bezüglich
der Abgasströmung im Bereich einer fluiden Anbindung zwischen Schallerzeuger (20;
21; 23; 25; 27; 29) und Abgasanlage gelegenen Stelle der Abgasanlage mit nur dem zugehörigen
Abgasstrang (60, 61) der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbindbar ist.
5. Antischall-System nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei die Steuerung (80) mit einer
Motorsteuerung (90) eines Verbrennungsmotor (100) des Fahrzeugs verbindbar ist; und
wobei die Steuerung (80) ausgebildet ist, das digitale Steuersignal in Abhängigkeit
von Signalen zu erzeugen, welche von der Motorsteuerung (90) empfangen werden.
6. Antischall-System nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei wenigstens eine der folgenden
Bedingungen erfüllt ist:
- das System weist genau einen Aktor auf;
- das System weist genau ein Fehlermikrofon (70; 72; 74) auf;
- das System weist genau eine Steuerung (80) auf.
7. Antischall-System nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei der Schallerzeuger (27)
ein Doppel-D-Rohr (26) aufweist, wobei beide D-Rohre des Doppel-D-Rohrs (26) mit einem
Innenvolumen des Schallerzeugers (27) in Fluidverbindung stehen, und jeweils ein D-Rohr
des Doppel-D-Rohrs mit genau einem Abgasstrang (60, 61) der mehrflutigen Abgasanlage
des Fahrzeugs verbindbar ist; oder wobei der Schallerzeuger (23) ein Y-Stück (24)
aufweist, wobei ein Arm des Y-Stücks (24) mit einem Innenvolumen des Schallerzeugers
(23) in Fluidverbindung steht und jeweils ein Arm des Y-Stücks (24) mit genau einem
Abgasstrang (60, 61) der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbindbar ist;
oder wobei der Schallerzeuger (25) ein Vorvolumen aufweist, in welches mehrere Anschlussrohre
(66, 67) münden, wobei jeweils ein Anschlussrohr (66, 67) mit genau einem Abgasstrang
(60, 61) der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbindbar ist.
8. Mehrflutige Abgasanlage für ein Fahrzeug, aufweisend:
wenigstens zwei Abgasstränge (60, 61), welche mit einem Verbrennungsmotor (100) des
Fahrzeugs verbindbar und ausgebildet sind, vom Verbrennungsmotor (100) des Fahrzeugs
ausgegebenes Abgas zu führen, wobei die Abgasstränge (60, 61) jeweils ein Endrohr
(50, 51) aufweisen, über welches in dem jeweiligen Abgasstrang (60, 61) geführtes
Abgas nach außerhalb der Abgasanlage ausgegeben wird; und
ein Antischall-System zur Beeinflussung von in der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs
geführten Abgasgeräuschen nach einem der Ansprüche 1 bis 7;
wobei der Schallerzeuger (20; 21; 23; 25; 27; 29) gleichzeitig mit den wenigstens
zwei Abgassträngen (60, 61) der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbunden ist.
9. Mehrflutige Abgasanlage für ein Fahrzeug, aufweisend:
wenigstens zwei Abgasstränge (60, 61), welche mit einem Verbrennungsmotor (100) des
Fahrzeugs verbindbar und ausgebildet sind, vom Verbrennungsmotor (100) des Fahrzeugs
ausgegebenes Abgas zu führen, wobei die Abgasstränge jeweils ein Endrohr (50, 51)
aufweisen, über welches in dem jeweiligen Abgasstrang (60, 61) geführtes Abgas nach
außerhalb der Abgasanlage ausgegeben wird; und
ein Antischall-System zur Beeinflussung von in der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs
geführten Abgasgeräuschen nach Anspruch 3;
wobei der Schallerzeuger (20; 21; 23; 25; 27; 29) gleichzeitig mit den wenigstens
zwei Abgassträngen (60, 61) der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbunden ist;
und
wobei das wenigstens eine Fehlermikrofon (72) an einer bezüglich der Abgasströmung
im Bereich einer fluiden Anbindung zwischen Schallerzeuger (20; 21; 23; 25; 27; 29)
und Abgasanlage gelegenen Stelle der Abgasanlage über eine zusätzliche Rohrleitung
(73) gleichzeitig mit den wenigstens zwei Abgassträngen (60, 61) der mehrflutigen
Abgasanlage des Fahrzeugs verbunden ist.
10. Mehrflutige Abgasanlage für ein Fahrzeug, aufweisend:
wenigstens zwei Abgasstränge (60, 61), welche mit einem Verbrennungsmotor (100) des
Fahrzeugs verbindbar und ausgebildet sind, vom Verbrennungsmotor (100) des Fahrzeugs
ausgegebenes Abgas zu führen, wobei die Abgasstränge jeweils ein Endrohr (50, 51)
aufweisen, über welches in dem jeweiligen Abgasstrang geführtes Abgas nach außerhalb
der Abgasanlage ausgegeben wird; und
ein Antischall-System zur Beeinflussung von in der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs
geführten Abgasgeräuschen nach Anspruch 4;
wobei der Schallerzeuger (20; 21; 23; 25; 27; 29) gleichzeitig mit den wenigstens
zwei Abgassträngen (60, 61) der mehrflutigen Abgasanlage des Fahrzeugs verbunden ist;
und
wobei für jeden Abgasstrang der Abgasanlage wenigstens ein Fehlermikrofon (70, 71)
vorgesehen ist, welches an einer bezüglich der Abgasströmung im Bereich einer fluiden
Anbindung zwischen Schallerzeuger (20; 21; 23; 25; 27; 29) und Abgasanlage gelegenen
Stelle der Abgasanlage mit nur dem einen zugehörigen Abgasstrang der mehrflutigen
Abgasanlage des Fahrzeugs verbunden ist.
11. Mehrflutige Abgasanlage nach einem der Ansprüche 8, 9 oder 10, wobei die Länge eines
jeden der wenigstens zwei Abgasstränge (60, 61) zwischen dem Verbrennungsmotor (100)
und der Stelle des jeweiligen Abgasstranges (60, 61), an welcher der Schallerzeuger
(20; 21; 23; 25; 27; 29) mit dem jeweiligen Abgasstrang (60, 61) verbunden ist, gleich
groß ist, und die Länge einer jeweiligen Verbindungsleitung zwischen dem jeweiligen
Abgasstrang (60, 61) und dem Schallerzeuger (20; 21; 23; 25; 27; 29) gleich groß ist.
12. Mehrflutige Abgasanlage nach einem der Ansprüche 8 bis 11, wobei die wenigstens zwei
Abgasstränge (60, 61) bezüglich der Strömungsrichtung des in den Abgassträngen geführten
Abgases stromaufwärts des Bereichs der fluiden Anbindung zwischen Schallerzeuger (20;
21; 23; 25; 27; 29) und Abgasanlage aber stromabwärts des Verbrennungsmotors (100)
ein gemeinsames Volumen (110) aufweisen.
13. Mehrflutige Abgasanlage nach einem der Ansprüche 8 bis 11,
wobei die wenigstens zwei Abgasstränge (60, 61) bezüglich der Strömungsrichtung des
in den Abgassträngen geführten Abgases stromaufwärts der Endrohre (50, 51) aber stromabwärts
des Verbrennungsmotors (100) ein gemeinsames Volumen (110') aufweisen; und
wobei der Schallerzeuger (29) im Bereich des gemeinsamen Volumens (110') angeordnet
und so gleichzeitig mit den wenigstens zwei Abgassträngen (60, 61) der mehrflutigen
Abgasanlage des Fahrzeugs verbunden ist.
14. Kraftfahrzeug (12) aufweisend:
einen Verbrennungsmotor (100) mit einer Motorsteuerung (90);
eine mehrflutige Abgasanlage nach einem der Ansprüche 8 bis 13, die mit dem Verbrennungsmotor
(100) in Fluidverbindung steht;
wobei die Steuerung (80) des Antischall-Systems mit der Motorsteuerung (90) des Verbrennungsmotors
(100) des Fahrzeugs verbunden ist.
15. Verfahren zum Steuern eines Antischall-Systems zur Beeinflussung von in einer mehrflutigen
Abgasanlage eines Fahrzeugs geführten Abgasgeräuschen, insbesondere nach einem der
Ansprüche 1 bis 7, aufweisend die folgenden Schritte:
- Empfangen eines Betriebsparameters von einer Motorsteuerung des Fahrzeugs; und/oder
- Messen von Schall im Inneren der Abgasanlage;
- Berechnen eines Steuersignals anhand des Betriebsparameters und/oder des gemessenen
Schalls, welches Steuersignal geeignet ist, in wenigstens zwei Abgassträngen der mehrflutigen
Abgasanlage geführten Luftschall zumindest teilweise und bevorzugt vollständig auszulöschen;
- Erzeugen von Anti-Luftschall durch Betreiben wenigstens einen Aktors mit dem Steuersignal;
und
- gleichzeitiges Beaufschlagen von wenigstens zwei Abgassträngen einer mehrflutigen
Abgasanlage mit dem erzeugten Anti-Luftschall.
16. Verwendung eines Antischall-Systems zur Beeinflussung von in einer mehrflutigen Abgasanlage
eines Fahrzeugs geführten Abgasgeräuschen, aufweisend die folgenden Schritte:
- Bereitstellen eines Antischall-Systems nach einem der Ansprüche 1 bis 7; und
- Verbinden des Schallerzeugers mit wenigstens zwei Abgassträngen der mehrflutigen
Abgasanlage eines Fahrzeugs.