[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung eines Schubbodens sowie eine industrielle Zerkleinerungsmaschine
unter Verwendung des Schubbodens.
[0002] Der Begriff "industrielle Zerkleinerungsmaschine" betrifft Anlagen, die im industriellen
Bereich eingesetzt werden, um Stückgut zu zerkleinern. Hierzu gehören beispielsweise
Hammerbrecher zur Aufbereitung (Zerkleinerung) von AutoKarosserien, Schrott und/oder
anderen metallischen und/oder nichtmetallischen recyclebaren Wertstoffen.
[0003] Eine solche Zerkleinerungsanlage (Schredderanlage) beschreibt die
EP 0 969 932 B1.
[0004] Das zu zerkleinernde Material wie Schrott oder Kraftfahrzeugkarosserien, ist relativ
inhomogen, und zwar sowohl hinsichtlich der Größe als auch hinsichtlich der physikalischen
Eigenschaften der Materialien.
[0005] Das Funktionieren der Zerkleinerungsanlage hängt deshalb unter anderem auch davon
ab, wie das Material in die Zerkleinerungsmaschine geführt wird.
[0006] Aus der
EP 0 963 252 B1 ist es bekannt, dass zu zerkleinernde Alt-Gut über eine Ladeschurre der Zerkleinerungsanlage
zuzuführen, wobei oberhalb der Ladeschurre eine angetriebene Walze angeordnet ist,
die einen regelbaren Druck auf das zugeführte Material ausübt.
[0007] Diese Anlage hat sich grundsätzlich bewährt. Ein gewisser Nachteil besteht jedoch
darin, dass die Ladeschurre eine relativ große Neigung aufweisen muss, damit das Material
bis zur Walze und von dort in die Zerkleinerungsanlage gelangt.
[0008] Das bedeutet umgekehrt, dass die Wertstoffe in relativ großer Höhe über dem Boden
auf die Ladeschurre aufgelegt werden müssen. Diese "Ladehöhe" erschwert das Chargieren.
Man hat versucht, das Problem dadurch zu lösen, indem das Material über ein Transportband
zum aufgabeseitigen Ende der Ladeschurre transportiert wird. Dies erhöht jedoch die
Investitions- und Wartungskosten erheblich.
[0009] Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, eine Möglichkeit anzubieten, die Beschickung
einer industriellen Zerkleinerungsanlage der genannten Art zu vereinfachen.
[0010] Die Erfindung beruht auf folgendem Grundgedanken: Es muss vermieden werden, das zu
zerkleinernde Material zuerst auf eine gewisse Höhe zu transportieren, um es dann
entlang einer Rutsche wieder nach unten in die Zerkleinerungsmaschine zu transportieren.
[0011] Dies lässt sich relativ einfach dadurch erreichen, indem die Ladeschurre (Materialrutsche)
mit geringerer Neigung (kleinerem Winkel zur Horizontalen) aufgebaut wird. Das hat
dann aber zur Konsequenz, dass das Material nicht mehr frei in die Zufuhröffnung der
Zerkleinerungsmaschine rutschen kann, weil die Haftreibung größer als die Gleitreibung
wird.
[0012] Vor diesem Hintergrund liegt der Erfindung die weitere Erkenntnis zu Grunde, anstelle
einer statischen Zuführeinrichtung eine dynamische Zuführeinrichtung auszuwählen.
Der Begriff "dynamische Zuführeinrichtung" inkludiert den Gedanken, dass das Material,
das auf der Zuführeinrichtung liegt, nicht nur durch Gravitation auf der Zuführeinrichtung
in die Zerkleinerungsmaschine rutscht, sondern durch externe Bewegungskräfte beaufschlagt
wird und insoweit mittels zusätzlicher Energie von außen in die gewünschte Position
transportiert wird.
[0013] In diesem Zusammenhang sind sogenannte Stahlplattenbänder und Schubböden bekannt.
Ein Schubboden, auch als Schiebeboden bezeichnet (englisch: push floor/sliding bottom)
charakterisiert einen Boden, der extern, meist hydraulisch angetrieben und damit bewegt
wird, um ein Material, das auf dem Boden aufliegt, in einer bestimmten Richtung zu
transportieren.
[0014] Dieser Boden besteht aus einzelnen Streifen (Lamellen) die relativ zueinander bewegbar
sind. Die nebeneinander liegenden Streifen/Lamellen greifen meistens ohne Zwischenräume
ineinander ein, das heißt, sie sind gleitend/verschiebbar zueinander geführt. Jede
dieser Zonen/Lamellen wird separat angetrieben und verschiebt die einzelne Zone/Lamelle
individuell in einer vorbestimmbaren Richtung.
[0015] Für einen Schubboden mit beispielsweise drei nebeneinander liegenden Lamellen ergibt
sich beispielsweise folgender Ablauf:
- Eine erste Lamelle wird nach vorne verschoben, wobei das auf dem Schubboden aufliegende
Material nicht oder nur minimal mitgenommen wird.
- Die zweite Lamelle wird analog nach vorne geschoben, wiederum wird kein oder nur wenig
Material und allenfalls über eine Teilstrecke mitgenommen.
- Die dritte Lamelle wird ebenso nachgeführt.
- Alle drei Lamellen werden anschließend in umgekehrter Richtung bewegt und nehmen dabei
das Transportgut mit.
- Diese Sequenzen werden so lange wiederholt, bis das Material in der gewünschten Position
ist.
[0016] Für den erfindungsgemäßen Anwendungsbereich kann der Schubboden kontinuierlich betrieben
werden, das heißt, an einem Ende des Schubbodens wird kontinuierlich Material aufgegeben,
am anderen Ende des Schubbodens wird kontinuierlich dieses Material in die Zerkleinerungsmaschine
übergeben.
[0017] Aus Funktion und Aufbau des beschriebenen Schubbodens ergibt sich, dass diese Beschickungsanlage
in jeder beliebigen Ausrichtung funktioniert. So kann das Aufgabeende - wie im Stand
der Technik - höher als das Übergabeende (in die Zerkleinerungsmaschine) sein; der
Schubboden kann ebenso horizontal ausgerichtet sein, es kann sogar umgekehrt das Aufgabeende
geringfügig unter dem Übergabeende (jeweils vertikal betrachtet) liegen.
[0018] Damit betrifft die Erfindung in ihrer allgemeinsten Ausführungsform die Verwendung
eines Schubbodens zum Beschicken einer industriellen Zerkleinerungsanlage mit einem
zu zerkleinernden Stückgut.
[0019] Die Verwendung des Schubbodens erlaubt gegenüber der mechanischen Ladeschurre gemäß
Stand der Technik weitere Vorteile:
Der Transport des zu zerkleinernden Gutes auf einer Ladeschurre hängt maßgeblich von
der Steigung der Ladeschurre, von der Art des Materials, von der Geometrie des Materials,
von der Feuchtigkeit des Materials und anderen Umständen ab. Mit anderen Worten: Die
Transportgeschwindigkeit des Aufgabegutes auf der Ladeschurre kann nur willkürlich
geregelt werden.
[0020] Demgegenüber lässt sich die Transportgeschwindigkeit des Materials auf einem Schubboden
durch den Hub, die Frequenz und die Geschwindigkeit der Bewegung der einzelnen Lamellen
des Schubbodens in weiten Bereichen regeln.
[0021] Auf diese Weise kann die Materialzufuhr in die Zerkleinerungsanlage sehr viel gleichmäßiger
und homogener als beim Stand der Technik erfolgen.
[0022] Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass das zu zerkleinernde Material nicht mehr
auf relativ große Höhen transportiert werden muss, um es auf die Beschickungseinrichtung
zu übergeben. Dies vereinfacht die gesamte Anlage, spart Kosten für Zuführbänder etc..
[0023] Der Schubboden kann mit einem einfachen Kran oder Radlager beschickt werden.
[0024] Nachstehend werden Weiterbildungen der Erfindung dargestellt, die einzeln und in
Kombination verwirklicht werden können, sofern diese Kombinationen nicht tautologisch
sind oder ausdrücklich ausgeschlossen werden.
[0025] Die industrielle Zerkleinerungsanlage kann ein Hammerbrecher sein, beispielsweise
ein Hammerbrecher gemäß
EP 0 969 932 B1.
[0026] Der Schubboden kann in seiner Funktionsposition unter einem Winkel zwischen 3 und
25° zur Horizontalen ausgerichtet werden.
[0027] Der Schubboden kann in seiner Funktionsposition so ausgerichtet sein, dass sein vertikal
tiefer liegendes Ende in eine Zuführöffnung der Zerkleinerungsanlage mündet. Diese
Zuführöffnung ist häufig durch einen sogenannten Amboss gekennzeichnet. Im Stand der
Technik besteht zum Teil ein relativ großer Abstand zwischen der Zuführeinrichtung
und der Ambosskante. Dieser Abstand kann durch die Verwendung eines erfindungsgemäßen
Schubbodens deutlich verringert werden. Die Orientierung des Schubbodens kann an die
Orientierung des Ambosses angeglichen werden, das heißt beide können mehr oder weniger
fluchtend zueinander ausgerichtet sein, so dass die Materialübergabe vereinfacht wird.
[0028] Zu diesem Zweck kann die Zerkleinerungsanlage, wie sie beispielsweise aus der
EP 0 963 252 B1 bekannt ist, leicht in Richtung auf den Schubboden gekippt werden, wie dies auch
in der folgenden Figurenbeschreibung dargestellt ist. Auf diese Weise kann analog
der Neigungswinkel des Schubbodens zusätzlich verringert werden. Damit wird die Zuführung
des Materials auf den Schubboden erleichtert.
[0029] Der Schubboden kann in seiner Funktionsposition so ausgerichtet werden, dass sein
vertikal tiefer liegendes Ende an einen verschleißoptimierten Übergabebereich für
das Stückgut in die Zerkleinerungsanlage anschließt. Das bedeutet, dass zwischen Schubboden
und Ambosskante (bei einer Hammermühle) im Bereich der Zerkleinerungsanlage zusätzliche
Verschleißplatten angeordnet werden, die durch an sich bekannte Maßnahmen, wie eine
Vergütung der Oberfläche, besonders verschleißresistent sind.
[0030] Einige Zerkleinerungsanlagen der genannten Art, insbesondere Hammermühlen, insbesondere
Hammermühlen, die zur Schrottaufbereitung eingesetzt werden, werden mit einem sogenannten
Vorzerkleinerer (pre-shredder) kombiniert. In diesem Fall kann die Verwendung des
Schubbodens so erfolgen, dass der Schubboden zwischen der industriellen Zerkleinerungsanlage
und der Vorzerkleinerungsmaschine angeordnet wird und mit beiden in funktionaler Verbindung
steht.
[0031] Auch in diesem Fall ergibt sich für den pre-shredder der Vorteil, dass die Maschine
auf einem sehr viel geringeren Niveau (einer geringeren Höhe) über dem Boden angeordnet
werden kann und dadurch die Beschickungshöhe verringert wird. Außerdem ist der Vorzerkleinerer
für das Bedienungspersonal dann besser und einfacher zu sehen, um im Fall von Störungen
eingreifen zu können.
[0032] Ähnlich wie bei der Ladeschurre gemäß Stand der Technik kann auch der Schubboden
mit mindestens einer Treibwalze kombiniert werden, die oberhalb des Schubbodens angeordnet
wird und auf das zu zerkleinernde Stückgut wirkt.
[0033] In dieser Kombination hat die Treibwalze jedoch vorrangig die Aufgabe, das Material
auf dem Schubboden zu halten und weniger eine aktive Transportaufgabe. Insoweit ist
die Situation umgekehrt zu der Situation bei einer rein mechanischen Ladeschurre mit
Treibwalze.
[0034] Die Zerkleinerungsanlage ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
- Eine Zuführöffnung für ein zu zerkleinerndes Stückgut in einen Zerkleinerungsraum,
- einen von der Zuführöffnung nach außen verlaufenden Schubboden.
[0035] Der Zerkleinerungsraum kann konventionell, also beispielsweise mit einem Rotor und
daran schwingend befestigten Hämmern, ausgebildet werden. Einzelheiten ergeben sich
beispielsweise aus der
EP 0 969 932 B1.
[0036] Wie ausgeführt, kann der Schubboden seine vertikal tiefste Stelle an seinem der Zuführöffnung
der Zerkleinerungsanlage zugewandten Ende aufweisen. Außerdem kann die Zerkleinerungsanlage
mit einer Vorzerkleinerungsmaschine kombiniert werden, die dann in funktionaler Verbindung
mit dem gegenüberliegenden Ende des Schubbodens steht.
[0037] Für die konkrete Ausbildung des Schubbodens ergeben sich keine Einschränkungen, so
lange das Grundprinzip des Bodens realisiert wird. Eine Schubboden-Fördereinrichtung
ergibt sich beispielsweise aus
DE 10 2010 060 759 B4. Ein geeignetes Trägerprofil offenbart die
DE 10 2009 056 821 A1.
[0038] Weitere Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den Merkmalen der Unteransprüche
sowie den sonstigen Anmeldungsunterlagen.
[0039] Die Erfindung wird nachstehend anhand eines Ausführungsbeispieles näher erläutert.
[0040] Dieses zeigt - in einer schematisierten Seitenansicht - einen Hammerbrecher mit zugehörigem
Schubboden in Kombination mit einem Vorzerkleinerer.
[0041] Mit dem Bezugszeichen 10 ist eine industrielle Zerkleinerungsanlage, nämlich eine
Hammermühle (ein Schredder) zur Aufbereitung von Metallschrott dargestellt. Die Anlage
10 entspricht im Wesentlichen der Anlage gemäß 0 969 932 B1 und wird deshalb hier
nicht näher dargestellt. Sie umfasst insbesondere einen Rotor 12, an dem schwingend
Hämmer 14 befestigt sind, einen zugehörigen Unterrost 16 und einen Oberrost 18.
[0042] Eine Zuführöffnung ist mit 20 gekennzeichnet. Am unteren Ende der Zuführöffnung 20
ist ein Amboss 22 schematisch dargestellt. Der Schredder 10 ist - entgegen der üblichen
Praxis - um einen Winkel α von circa 20° (in der Figur nach rechts) gekippt angeordnet,
wodurch die Zuführöffnung 20, einschließlich des Bereiches um den Amboss 22 nicht
nur etwas näher an einen Boden B geführt wird, sondern auch die Zuführöffnung 20 in
der Figur nach rechts zusätzlich geöffnet wird.
[0043] Auf diese Weise kann ein Schubboden 30 unter einem Winkel β von nur circa 10° zwischen
der Zuführöffnung 20 und einem Auswurfbereich 42 eines Vorschredders 40 angeordnet
werden.
[0044] Die Ausrichtung des Schubbodens 30 ist so, dass sich am tiefer liegenden (linken)
Ende 32 eine nahezu fluchtende durchlaufende Transportebene mit dem anschließenden
Amboss 22 und dem (in der Figur links) dahinter angeordneten ersten Abschnitt des
Unterrostes 16 ergibt.
[0045] Auf diese Weise lässt sich ein schematisch mit S dargestelltes Zerkleinerungsgut
(beispielsweise eine PKW-Karosserie) kontinuierlich auf dem Schubboden 30 in einer
Ebene vom oberen Abschnitt 34 beim Vorzerkleinerer 40 über die Zuführöffnung 20 in
den Schredder 10 transportieren (Pfeilrichtung T).
[0046] Der Schubboden 30 ist prinzipiell gemäß Stand der Technik ausgebildet. Er weist hier
oberhalb des tieferen Endes 32 noch eine drehbar gelagerte Treibrolle 24 auf, die
auf das Stückgut S wirkt.
[0047] Auf Grund der Verwendung eines Schubbodens lässt sich die Höhe H am aufgabeseitigen
Ende der Beschickungsanlage (Schubboden 30) auf ein Minimum reduzieren und insbesondere
gegenüber konventionellen Ladeschurren gemäß Stand der Technik deutlich reduzieren,
beispielsweise von 10 auf 2 m.
1. Verwendung eines Schubbodens (30) zum Beschicken einer industriellen Zerkleinerungsanlage
(10) mit einem zu zerkleinernden Stückgut (S).
2. Verwendung nach Anspruch 1 mit der Maßgabe, dass die industrielle Zerkleinerungsanlage
(10) ein Hammerbrecher ist.
3. Verwendung nach Anspruch 1 mit der Maßgabe, dass der Schubboden (30) in seiner Funktionsposition
unter einem Winkel zwischen 3 und 25° zur Horizontalen ausgerichtet ist.
4. Verwendung nach Anspruch 1 mit der Maßgabe, dass der Schubboden (30), in seiner Funktionsposition
so ausgerichtet ist, dass sein vertikal tiefer liegendes Ende (32) in eine Zuführöffnung
(20) der Zerkleinerungsanlage (10) mündet.
5. Verwendung nach Anspruch 1 mit der Maßgabe, dass der Schubboden (30), in seiner Funktionsposition
so ausgerichtet ist, dass sein vertikal tiefer liegendes Ende (32) an einen verschleißoptimierten
Übergabebereich (22) für das Stückgut (S) in die Zerkleinerungsanlage (10) anschließt.
6. Verwendung nach Anspruch 1 mit der Maßgabe, dass der Schubboden (30) zwischen der
industriellen Zerkleinerungsanlage (10) und einer Vorzerkleinerungsmaschine (40) angeordnet
wird und mit beiden (10, 40) in funktionaler Verbindung steht.
7. Verwendung nach Anspruch 1 mit der Maßgabe, dass oberhalb des Schubbodens (30) mindestens
eine Treibwalze (24) so angeordnet ist, dass sie auf das zu zerkleinernde Stückgut
(S) wirkt.
8. Industrielle Zerkleinerungsanlage (10) mit einer Zuführöffnung (20) für ein zu zerkleinerndes
Stückgut (S) in einen Zerkleinerungsraum (26) und einem von der Zuführöffnung (20)
nach außen verlaufenden Schubboden (30).
9. Industrielle Zerkleinerungsanlage (10) nach Anspruch 8, bei der der Schubboden (30)
seine vertikal tiefste Stelle an seinem der Zuführöffnung (20) der Zerkleinerungsanlage
(10) zugewandten Ende (32) aufweist.
10. Industrielle Zerkleinerungsanlage (10) nach Anspruch 8, bei der ein der
Zerkleinerungsanlage (10) abgewandtes Ende (34) des Schubbodens (30) in funktionaler
Verbindung mit einer Vorzerkleinerungsmaschine (40) steht.