(19)
(11) EP 2 821 537 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
07.01.2015  Patentblatt  2015/02

(21) Anmeldenummer: 13174597.8

(22) Anmeldetag:  02.07.2013
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
D06C 7/02(2006.01)
D06C 3/02(2006.01)
D06C 21/00(2006.01)
F26B 13/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME

(71) Anmelder: Santex AG
9555 Tobel (CH)

(72) Erfinder:
  • Süss, Paul
    9553 Bettwiesen (CH)
  • Weltin, Hermann
    78476 Allensbach (DE)

(74) Vertreter: Hepp Wenger Ryffel AG 
Friedtalweg 5
9500 Wil
9500 Wil (CH)

   


(54) Verfahren und Vorrichtung zum kontinuierlichen Trocknen, Schrumpfen / Krumpfen von textiler Ware


(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum kontinuierlichen Trocknen, Schrumpfen und Krumpfen von textiler Ware, insbesondere von geöffneter Maschenware, bei dem man die zu behandelnde Ware in lockerem Zustand wenigstens einer Trocknungseinheit und anschliessend in flachem Zustand einer Glätt- und Schrumpfeinheit zuführt, wobei in der Trocknungseinheit oder unmittelbar danach die Ware mittels eines Breithalters in der Breite gestreckt wird.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum kontinuierlichen Trocknen, Schrumpfen und Krumpfen von textiler Ware gemäss dem Oberbegriff der unabhängigen Patentansprüche. Die Erfindung dient zur Behandlung von insbesondere geöffneter Maschenware, bei der man die zu behandelnde Ware in lockerem Zustand wenigstens einer Trocknungseinheit und anschliessend in flachem Zustand einer Glätt- und Schrumpfeinheit zuführt.

[0002] Auf dem Gebiet der Ausrüstung von Textilien ist es zur Einstellung von Restschrumpfwerten bekannt, beispielsweise aus der EP 0 148 113, die zu behandelnde Ware zunächst einer Trocknung zu unterziehen, bei welcher die Ware durch die thermische und mechanische Einwirkung gezielt geschrumpft wird. Die damit geschrumpfte Ware wird dann in der Regel abgetafelt und zwischengelagert, bis sie einer Glätt- und Schrumpfeinheit zugeführt wird, bei welcher eine kompressive Schrumpfung (Krumpfung) stattfindet. Solche Glätt- und Schrumpfeinheiten sind wiederum allgemein beispielsweise aus den EP 0 295 354 und EP 0 351 482 bekannt.

[0003] Nachteilig ist, dass die bekannten Anordnungen keine kontinuierliche Behandlung der Ware ermöglichen. Die Ware durchläuft zunächst die Trocknungseinheit mit einer Geschwindigkeit von ca. 60 m/min, ehe diese abgetafelt wird. Die abgetafelt zwischengelagerte Ware wird anschliessend breit und/oder lang gestreckt und befeuchtet, meist mittels Wasserdampf, bevor diese der eigentlichen Glätt- und Schrumpfeinheit zugeführt wird, wobei, um eine optimale Befeuchtung und Krumpfung zu erreichen, die Ware vergleichsweise langsam mit etwa 20 m/min die Glätt- und Schrumpfeinheit durchlaufen kann. Es kommen somit nach dem Stand der Technik auf eine Trocknungseinheit drei Glätt- und Schrumpfeinheiten mit einem Filzband zur Anwendung.

[0004] Ferner werden, wenn die Ware als geöffnete Maschenware vorliegt, die Kanten der geöffneten Ware am Einlauf der Glätt- und Schrumpfeinheit beleimt, um einem Zusammenrollen der Warenkante entgegenzuwirken. Der dafür verwendete Kleber muss dabei vollständig trocknen, bevor die geöffnete Ware mit dem Krumpfband der Glätt- und Schrumpfeinheit in Berührung kommt, um eine Verschmutzung desselben zu vermeiden. Die geöffnete Ware kann somit nur vergleichsweise langsam der Glätt- und Schrumpfeinheit zugeführt werden.

[0005] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, die Nachteile des Bekannten zu vermeiden und insbesondere ein Verfahren und eine Vorrichtung der eingangs genannten Art anzugeben, die eine Arbeitsweise mit sehr hoher Kapazität ermöglichen. Ferner sollte damit der zum Durchführen eines solchen Verfahrens bzw. zum Betreiben einer solchen Anordnung notwendige Energieeintrag reduziert werden.

[0006] Die Aufgabe wird mit den Merkmalen des kennzeichnenden Teils der unabhängigen Patentansprüche gelöst. Bei dem Verfahren wird die zu behandelnde Ware in lockerem Zustand wenigstens einer Trocknungseinheit und anschliessend in flachem Zustand einer Glätt- und Schrumpfeinheit zugeführt. Erfindungsgemäss wird die Ware vor dem Auslauf der Trocknungseinheit (6) oder unmittelbar danach mittels eines Breithalters in der Breite gestreckt.

[0007] Somit kann die Ware kontinuierlich der Glätt- und Schrumpfeinheit zugeführt werden. Eine Abtafelung der getrockneten und geschrumpften Ware entfällt. Auch ist es nicht mehr notwendig, die abgetafelte Ware für den nachfolgenden Arbeitsschritt erneut zu befeuchten, da die Feuchte beim Austritt aus der Trocknungseinheit auf den gewünschten Anfangswert für den nachfolgenden Arbeitschritt eingestellt werden kann. Die Ware kann somit ohne Unterbrechung mit hohem Durchsatz getrocknet, geschrumpft und gekrumpft werden. Das Entfallen einer erneuten Befeuchtung der Ware erlaubt ausserdem hohe Energieeinsparungen, insbesondere wenn dies mit Wasserdampf erfolgt. Ferner ist eine der Trocknungseinheit nachgeordnete Abtafeleinheit nicht mehr notwenig.

[0008] Mit dem erfindungsgemässen Verfahren werden die besten Resultate erzielt, wenn die Ware vor der Breithaltereinheit vorzugsweise eine Feuchte von ca. 80 Gew.-% (typischerweise 75 bis 85%) aufweist.

[0009] Weiter bevorzugt weist die Ware nach Verlassen der Trocknungseinheit eine Restfeuchte von 5 bis 15 Gew.-% auf. Es hat sich gezeigt, dass eine solche Restfeuchte für die nachfolgende Krumpfung am besten geeignet ist.

[0010] Das Verfahren wird ferner bevorzugt geregelt indem die Restfeuchte der Ware, vorzugsweise aufgrund einer Messung der Oberflächentemperatur mittels einer Infrarotkamera, gemessen wird. Alternativ ist auch die Verwendung herkömmlicher Feuchtmessgeräte denkbar. Die Regelung der Restfeuchte der Ware erfolgt beispielsweise durch eine Änderung der Feuchte der Ware vor dem Einzug in die Trocknungseinheit, der Geschwindigkeit der Ware in der Trocknungseinheit, der Temperatur oder des Temperaturgradients innerhalb der Trocknungseinheit oder der für die Trocknung verwendeten Warmluftmenge.

[0011] Bei einer bevorzugten Ausführungsform wird die Ware ferner vor der Trocknungseinheit einer im Einlaufbereich der Trocknungseinheit vorgesehenen Kantenverleimungseinheit zugeführt. Der bei der Kantenverleimung verwendete Kleber kann demnach beim Durchlaufen der Trocknungseinheit trocknen und kann folglich das Krumpfband der nachgeschalteten Glätt- und Schrumpfeinheit nicht verschmutzen. Ein höherer Durchsatz der Ware kann erfindungsgemäss erreicht werden, weil die Trocknung des Klebers gleichzeitig mit der Trocknung der Ware erfolgt. Ein der Glätt- und Schrumpfeinheit vorgeschalteter Trocknungsschritt des Klebers bzw. das Durchlaufen einer Strecke, um den Kleber vor der Glätt- und Schrumpfeinheit vollständig zu trocknen, ist nicht notwendig.

[0012] Die Vorrichtung umfasst eine Trocknungseinheit und eine nachgeschaltete Glätt- und Schrumpfeinheit. Erfindungsgemäss ist vor dem Auslauf der Trocknungseinheit oder unmittelbar danach ein Breithalter zum Breitstrecken der Ware angeordnet.

[0013] Bevorzugt ist zwischen Trocknungseinheit und Glätt- und Schrumpfeinheit eine Anordnung zum Messen der Restfeuchte im Auslaufbereich, insbesondere eine Infrarotkamera angeordnet.

[0014] Die erfindungsgemässe Vorrichtung ist ferner bevorzugt mit einem Breithalter umfassend eine Nadelkette ausgebildet. Andere Breithaltesysteme wie z.B. Kluppenketten wären denkbar. Die Nadelkette hat sich als besonders robuste und zuverlässige Lösung zum Breitstrecken der Ware in der Breite und/oder Länge erwiesen.

[0015] Noch bevorzugter ist vor der Trocknungseinheit eine Kantenverleimungseinheit angeordnet.

[0016] Die Erfindung wird nachstehend anhand der Zeichnungen und einer bevorzugten Ausführungsform näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1
eine Seitenansicht einer bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemässen Vorrichtung; und
Figur 2
eine Draufsicht der in der Figur 1 dargestellten Vorrichtung.


[0017] In den Figuren 1 und 2 ist eine erfindungsgemässe Vorrichtung 1 zum kontinuierlichen Trocknen, Schrumpfen und Krumpfen von geöffneter Maschenware 2 gezeigt. Die zu behandelnde Ware 2 wird einem Transportwagen 3 entnommen und gelangt zunächst zu einem der Vorrichtung 1 vorgeschalteten Einlaufabschnitt, welcher schematisch mit dem Bezugszeichen 4 dargestellt ist. In der Regel besteht jedoch ein solcher Einlaufabschnitt bei geöffneter Maschenware aus wenigstens einem Netztrog mit einer Entwässerungsquetsche zum Einstellen des für die nachfolgende Trocknung und Schrumpfung optimalen Feuchtigkeitswertes und ggf. einem Imprägnierfoulard zum Vorbehandeln der Ware 2, beispielsweise mit einem Weichmacher.

[0018] Danach erfolgt eine Aufnadelung auf eine Nadelkette einer Kantenverleimungseinheit 5. Gleichzeitig kann zur Vorbereitung des Prozesses die Ware 2 durch Voreilung der Nadelkette in der Länge und durch die bezüglich der Förderrichtung WB der Ware 2 divergente Anordnung beider Nadelketten in der Breite gestreckt werden.

[0019] Unmittelbar vor dem Einlauf in eine Trocknungseinheit 6 wird die Ware 2 abgenadelt und über eine Walzenanordnung auf ein Transportband 7 der Trocknungseinheit 6 zur weiteren Behandlung gelegt.

[0020] Die Behandlung in der Trocknungseinheit 6 erfolgt auf drei Behandlungsebenen, welche jeweils von einem Transportband 7, einem weiteren Transportband 8 und einem Paar von Nadelketten 9 gebildet werden, wo die feuchte Ware Heissluft ausgesetzt wird und demzufolge eine Schrumpfung und Trocknung erfährt. Es ist aber auch denkbar weniger oder mehr Behandlungsebenen vorzusehen (z.B. 1, 2, 4 oder 5 Ebenen). Die Ware 2 durchläuft die erste Behandlungsebene (Transportband 7) und beim Verlassen dieser wird mittels Umlenkrollen zu einer darunter liegenden, zweiten Behandlungsebene (Transportband 8) gelenkt. Nach Verlassen der vorletzten Behandlungsebene wird die Ware 2 mittels Umlenkrollen und Zentriereinheit zu einer darunter angeordneten, letzten Behandlungsebene (Nadelkette 9) gelenkt.

[0021] Insbesondere ist nur in der letzten Behandlungsebene ein Breithalter vorgesehen.

[0022] Der Darstellungsform halber ist in der Figur 1 jedoch nur eine Nadelkette 9 sichtbar. Optional kann vorgesehen werden, dass nur in den Behandlungsebenen über der Nadelkette eine Trocknung- und Schrumpfung stattfindet, während in der dritten Behandlungsebene die Ware 2 nur gestreckt wird.

[0023] Die Nadelkette 9 dient nicht nur dem Transport der Ware 2 aus der Trocknungseinheit 6 heraus sondern übernimmt auch eine Streckfunktion, indem die Ware 2 in der Breite durch eine - wie in der Kantenverleimungseinheit 5 - bezüglich der Förderrichtung WB der Ware divergente Anordnung der Nadelketten 9 und/oder in der Länge durch Voreilung beider Nadelketten 9 gestreckt wird.

[0024] Die Ware 2 verlässt dann die Trocknungseinheit 6, wird unmittelbar vor dem Einlauf in die Glätt- und Schrumpfeinheit 10, welche beispielsweise wie in der EP 0 295 354 oder EP 0 351 482 beschrieben ausgebildet sein kann, kontinuierlich abgenadelt und dieser zur weiteren Behandlung zugeführt, wo eine Krumpfung und Glättung der Ware 2 erfolgt. Die Glätt- und Schrumpfeinheit kann in bekannter Weise mit einem Filz- oder Gummiband versehen sein. Ebenso sind andere bekannte Kompaktiereinheiten denkbar.

[0025] Zur Erzielung von optimalen Resultaten bei der Krumpfung wird die Restfeuchte der Ware 2 beim Verlassen der Trocknungseinheit 6 mittels einer Infrarotkamera 11 gemessen und einer nicht dargestellten Steuer- und Regeleinrichtung übermittelt, wo, ggf. unter Heranziehung weiterer Parameter, die Regelung der Trocknungseinheit erfolgt.

[0026] Nach der Krumpfung wird die behandelte Ware 2 mit einer Abtafeleinrichtung 12 in einen Transportwagen 3' abgetafelt oder gewickelt.


Ansprüche

1. Verfahren zum kontinuierlichen Trocknen, Schrumpfen und Krumpfen von textiler Ware (2), insbesondere von geöffneter Maschenware, bei dem man die zu behandelnde Ware in lockerem Zustand wenigstens einer Trocknungseinheit (6) und anschliessend in flachem Zustand einer Glätt- und Schrumpfeinheit (10) zuführt, dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Auslauf der Trocknungseinheit (6) oder unmittelbar danach die Ware (2) mittels eines Breithalters (9) in der Breite gestreckt wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Ware vor der Trocknungseinheit (6) eine Feuchte von ca. 80 Gew.-% aufweist.
 
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Ware nach Verlassen der Trocknungseinheit (6) eine Restfeuchte von 5 bis 15 Gew.-% aufweist.
 
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Restfeuchte gemessen wird, insbesondere mittels einer Infrarotkamera (11).
 
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Ware vor der Trocknungseinheit (6) einer Kantenverleimungseinheit (5) zugeführt wird.
 
6. Vorrichtung (1), insbesondere zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche, zum kontinuierlichen Trocknen, Schrumpfen und Krumpfen von textiler Ware (2), insbesondere von geöffneter Maschenware, umfassend eine Trocknungseinheit (6) und eine nachgeschaltete Glätt- und Schrumpfeinheit (10), dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Auslauf der Trocknungseinheit (6) oder unmittelbar danach ein Breithalter (9) zum Breitstrecken der Ware angeordnet ist.
 
7. Vorrichtung (1) nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Trocknungseinheit (6) und Glätt- und Schrumpfeinheit (10) eine Anordnung zum Messen der Restfeuchte im Auslaufbereich (11), insbesondere eine Infrarotkamera, angeordnet ist.
 
8. Vorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Breithalter (9) eine Nadelkette umfasst.
 
9. Vorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass vor der Trocknungseinheit (6) eine Kantenverleimungseinheit (5) angeordnet ist.
 




Zeichnung










Recherchenbericht












Recherchenbericht




Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente