[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum kontinuierlichen Trocknen,
Schrumpfen und Krumpfen von textiler Ware gemäss dem Oberbegriff der unabhängigen
Patentansprüche. Die Erfindung dient zur Behandlung von insbesondere geöffneter Maschenware,
bei der man die zu behandelnde Ware in lockerem Zustand wenigstens einer Trocknungseinheit
und anschliessend in flachem Zustand einer Glätt- und Schrumpfeinheit zuführt.
[0002] Auf dem Gebiet der Ausrüstung von Textilien ist es zur Einstellung von Restschrumpfwerten
bekannt, beispielsweise aus der
EP 0 148 113, die zu behandelnde Ware zunächst einer Trocknung zu unterziehen, bei welcher die
Ware durch die thermische und mechanische Einwirkung gezielt geschrumpft wird. Die
damit geschrumpfte Ware wird dann in der Regel abgetafelt und zwischengelagert, bis
sie einer Glätt- und Schrumpfeinheit zugeführt wird, bei welcher eine kompressive
Schrumpfung (Krumpfung) stattfindet. Solche Glätt- und Schrumpfeinheiten sind wiederum
allgemein beispielsweise aus den
EP 0 295 354 und
EP 0 351 482 bekannt.
[0003] Nachteilig ist, dass die bekannten Anordnungen keine kontinuierliche Behandlung der
Ware ermöglichen. Die Ware durchläuft zunächst die Trocknungseinheit mit einer Geschwindigkeit
von ca. 60 m/min, ehe diese abgetafelt wird. Die abgetafelt zwischengelagerte Ware
wird anschliessend breit und/oder lang gestreckt und befeuchtet, meist mittels Wasserdampf,
bevor diese der eigentlichen Glätt- und Schrumpfeinheit zugeführt wird, wobei, um
eine optimale Befeuchtung und Krumpfung zu erreichen, die Ware vergleichsweise langsam
mit etwa 20 m/min die Glätt- und Schrumpfeinheit durchlaufen kann. Es kommen somit
nach dem Stand der Technik auf eine Trocknungseinheit drei Glätt- und Schrumpfeinheiten
mit einem Filzband zur Anwendung.
[0004] Ferner werden, wenn die Ware als geöffnete Maschenware vorliegt, die Kanten der geöffneten
Ware am Einlauf der Glätt- und Schrumpfeinheit beleimt, um einem Zusammenrollen der
Warenkante entgegenzuwirken. Der dafür verwendete Kleber muss dabei vollständig trocknen,
bevor die geöffnete Ware mit dem Krumpfband der Glätt- und Schrumpfeinheit in Berührung
kommt, um eine Verschmutzung desselben zu vermeiden. Die geöffnete Ware kann somit
nur vergleichsweise langsam der Glätt- und Schrumpfeinheit zugeführt werden.
[0005] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, die Nachteile des Bekannten zu vermeiden und
insbesondere ein Verfahren und eine Vorrichtung der eingangs genannten Art anzugeben,
die eine Arbeitsweise mit sehr hoher Kapazität ermöglichen. Ferner sollte damit der
zum Durchführen eines solchen Verfahrens bzw. zum Betreiben einer solchen Anordnung
notwendige Energieeintrag reduziert werden.
[0006] Die Aufgabe wird mit den Merkmalen des kennzeichnenden Teils der unabhängigen Patentansprüche
gelöst. Bei dem Verfahren wird die zu behandelnde Ware in lockerem Zustand wenigstens
einer Trocknungseinheit und anschliessend in flachem Zustand einer Glätt- und Schrumpfeinheit
zugeführt. Erfindungsgemäss wird die Ware vor dem Auslauf der Trocknungseinheit (6)
oder unmittelbar danach mittels eines Breithalters in der Breite gestreckt.
[0007] Somit kann die Ware kontinuierlich der Glätt- und Schrumpfeinheit zugeführt werden.
Eine Abtafelung der getrockneten und geschrumpften Ware entfällt. Auch ist es nicht
mehr notwendig, die abgetafelte Ware für den nachfolgenden Arbeitsschritt erneut zu
befeuchten, da die Feuchte beim Austritt aus der Trocknungseinheit auf den gewünschten
Anfangswert für den nachfolgenden Arbeitschritt eingestellt werden kann. Die Ware
kann somit ohne Unterbrechung mit hohem Durchsatz getrocknet, geschrumpft und gekrumpft
werden. Das Entfallen einer erneuten Befeuchtung der Ware erlaubt ausserdem hohe Energieeinsparungen,
insbesondere wenn dies mit Wasserdampf erfolgt. Ferner ist eine der Trocknungseinheit
nachgeordnete Abtafeleinheit nicht mehr notwenig.
[0008] Mit dem erfindungsgemässen Verfahren werden die besten Resultate erzielt, wenn die
Ware vor der Breithaltereinheit vorzugsweise eine Feuchte von ca. 80 Gew.-% (typischerweise
75 bis 85%) aufweist.
[0009] Weiter bevorzugt weist die Ware nach Verlassen der Trocknungseinheit eine Restfeuchte
von 5 bis 15 Gew.-% auf. Es hat sich gezeigt, dass eine solche Restfeuchte für die
nachfolgende Krumpfung am besten geeignet ist.
[0010] Das Verfahren wird ferner bevorzugt geregelt indem die Restfeuchte der Ware, vorzugsweise
aufgrund einer Messung der Oberflächentemperatur mittels einer Infrarotkamera, gemessen
wird. Alternativ ist auch die Verwendung herkömmlicher Feuchtmessgeräte denkbar. Die
Regelung der Restfeuchte der Ware erfolgt beispielsweise durch eine Änderung der Feuchte
der Ware vor dem Einzug in die Trocknungseinheit, der Geschwindigkeit der Ware in
der Trocknungseinheit, der Temperatur oder des Temperaturgradients innerhalb der Trocknungseinheit
oder der für die Trocknung verwendeten Warmluftmenge.
[0011] Bei einer bevorzugten Ausführungsform wird die Ware ferner vor der Trocknungseinheit
einer im Einlaufbereich der Trocknungseinheit vorgesehenen Kantenverleimungseinheit
zugeführt. Der bei der Kantenverleimung verwendete Kleber kann demnach beim Durchlaufen
der Trocknungseinheit trocknen und kann folglich das Krumpfband der nachgeschalteten
Glätt- und Schrumpfeinheit nicht verschmutzen. Ein höherer Durchsatz der Ware kann
erfindungsgemäss erreicht werden, weil die Trocknung des Klebers gleichzeitig mit
der Trocknung der Ware erfolgt. Ein der Glätt- und Schrumpfeinheit vorgeschalteter
Trocknungsschritt des Klebers bzw. das Durchlaufen einer Strecke, um den Kleber vor
der Glätt- und Schrumpfeinheit vollständig zu trocknen, ist nicht notwendig.
[0012] Die Vorrichtung umfasst eine Trocknungseinheit und eine nachgeschaltete Glätt- und
Schrumpfeinheit. Erfindungsgemäss ist vor dem Auslauf der Trocknungseinheit oder unmittelbar
danach ein Breithalter zum Breitstrecken der Ware angeordnet.
[0013] Bevorzugt ist zwischen Trocknungseinheit und Glätt- und Schrumpfeinheit eine Anordnung
zum Messen der Restfeuchte im Auslaufbereich, insbesondere eine Infrarotkamera angeordnet.
[0014] Die erfindungsgemässe Vorrichtung ist ferner bevorzugt mit einem Breithalter umfassend
eine Nadelkette ausgebildet. Andere Breithaltesysteme wie z.B. Kluppenketten wären
denkbar. Die Nadelkette hat sich als besonders robuste und zuverlässige Lösung zum
Breitstrecken der Ware in der Breite und/oder Länge erwiesen.
[0015] Noch bevorzugter ist vor der Trocknungseinheit eine Kantenverleimungseinheit angeordnet.
[0016] Die Erfindung wird nachstehend anhand der Zeichnungen und einer bevorzugten Ausführungsform
näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine Seitenansicht einer bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemässen Vorrichtung;
und
- Figur 2
- eine Draufsicht der in der Figur 1 dargestellten Vorrichtung.
[0017] In den Figuren 1 und 2 ist eine erfindungsgemässe Vorrichtung 1 zum kontinuierlichen
Trocknen, Schrumpfen und Krumpfen von geöffneter Maschenware 2 gezeigt. Die zu behandelnde
Ware 2 wird einem Transportwagen 3 entnommen und gelangt zunächst zu einem der Vorrichtung
1 vorgeschalteten Einlaufabschnitt, welcher schematisch mit dem Bezugszeichen 4 dargestellt
ist. In der Regel besteht jedoch ein solcher Einlaufabschnitt bei geöffneter Maschenware
aus wenigstens einem Netztrog mit einer Entwässerungsquetsche zum Einstellen des für
die nachfolgende Trocknung und Schrumpfung optimalen Feuchtigkeitswertes und ggf.
einem Imprägnierfoulard zum Vorbehandeln der Ware 2, beispielsweise mit einem Weichmacher.
[0018] Danach erfolgt eine Aufnadelung auf eine Nadelkette einer Kantenverleimungseinheit
5. Gleichzeitig kann zur Vorbereitung des Prozesses die Ware 2 durch Voreilung der
Nadelkette in der Länge und durch die bezüglich der Förderrichtung WB der Ware 2 divergente
Anordnung beider Nadelketten in der Breite gestreckt werden.
[0019] Unmittelbar vor dem Einlauf in eine Trocknungseinheit 6 wird die Ware 2 abgenadelt
und über eine Walzenanordnung auf ein Transportband 7 der Trocknungseinheit 6 zur
weiteren Behandlung gelegt.
[0020] Die Behandlung in der Trocknungseinheit 6 erfolgt auf drei Behandlungsebenen, welche
jeweils von einem Transportband 7, einem weiteren Transportband 8 und einem Paar von
Nadelketten 9 gebildet werden, wo die feuchte Ware Heissluft ausgesetzt wird und demzufolge
eine Schrumpfung und Trocknung erfährt. Es ist aber auch denkbar weniger oder mehr
Behandlungsebenen vorzusehen (z.B. 1, 2, 4 oder 5 Ebenen). Die Ware 2 durchläuft die
erste Behandlungsebene (Transportband 7) und beim Verlassen dieser wird mittels Umlenkrollen
zu einer darunter liegenden, zweiten Behandlungsebene (Transportband 8) gelenkt. Nach
Verlassen der vorletzten Behandlungsebene wird die Ware 2 mittels Umlenkrollen und
Zentriereinheit zu einer darunter angeordneten, letzten Behandlungsebene (Nadelkette
9) gelenkt.
[0021] Insbesondere ist nur in der letzten Behandlungsebene ein Breithalter vorgesehen.
[0022] Der Darstellungsform halber ist in der Figur 1 jedoch nur eine Nadelkette 9 sichtbar.
Optional kann vorgesehen werden, dass nur in den Behandlungsebenen über der Nadelkette
eine Trocknung- und Schrumpfung stattfindet, während in der dritten Behandlungsebene
die Ware 2 nur gestreckt wird.
[0023] Die Nadelkette 9 dient nicht nur dem Transport der Ware 2 aus der Trocknungseinheit
6 heraus sondern übernimmt auch eine Streckfunktion, indem die Ware 2 in der Breite
durch eine - wie in der Kantenverleimungseinheit 5 - bezüglich der Förderrichtung
WB der Ware divergente Anordnung der Nadelketten 9 und/oder in der Länge durch Voreilung
beider Nadelketten 9 gestreckt wird.
[0024] Die Ware 2 verlässt dann die Trocknungseinheit 6, wird unmittelbar vor dem Einlauf
in die Glätt- und Schrumpfeinheit 10, welche beispielsweise wie in der
EP 0 295 354 oder
EP 0 351 482 beschrieben ausgebildet sein kann, kontinuierlich abgenadelt und dieser zur weiteren
Behandlung zugeführt, wo eine Krumpfung und Glättung der Ware 2 erfolgt. Die Glätt-
und Schrumpfeinheit kann in bekannter Weise mit einem Filz- oder Gummiband versehen
sein. Ebenso sind andere bekannte Kompaktiereinheiten denkbar.
[0025] Zur Erzielung von optimalen Resultaten bei der Krumpfung wird die Restfeuchte der
Ware 2 beim Verlassen der Trocknungseinheit 6 mittels einer Infrarotkamera 11 gemessen
und einer nicht dargestellten Steuer- und Regeleinrichtung übermittelt, wo, ggf. unter
Heranziehung weiterer Parameter, die Regelung der Trocknungseinheit erfolgt.
[0026] Nach der Krumpfung wird die behandelte Ware 2 mit einer Abtafeleinrichtung 12 in
einen Transportwagen 3' abgetafelt oder gewickelt.
1. Verfahren zum kontinuierlichen Trocknen, Schrumpfen und Krumpfen von textiler Ware
(2), insbesondere von geöffneter Maschenware, bei dem man die zu behandelnde Ware
in lockerem Zustand wenigstens einer Trocknungseinheit (6) und anschliessend in flachem
Zustand einer Glätt- und Schrumpfeinheit (10) zuführt, dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Auslauf der Trocknungseinheit (6) oder unmittelbar danach die Ware (2) mittels
eines Breithalters (9) in der Breite gestreckt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Ware vor der Trocknungseinheit (6) eine Feuchte von ca. 80 Gew.-% aufweist.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Ware nach Verlassen der Trocknungseinheit (6) eine Restfeuchte von 5 bis 15 Gew.-%
aufweist.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Restfeuchte gemessen wird, insbesondere mittels einer Infrarotkamera (11).
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Ware vor der Trocknungseinheit (6) einer Kantenverleimungseinheit (5) zugeführt
wird.
6. Vorrichtung (1), insbesondere zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, zum kontinuierlichen Trocknen, Schrumpfen und Krumpfen von textiler Ware
(2), insbesondere von geöffneter Maschenware, umfassend eine Trocknungseinheit (6)
und eine nachgeschaltete Glätt- und Schrumpfeinheit (10), dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Auslauf der Trocknungseinheit (6) oder unmittelbar danach ein Breithalter
(9) zum Breitstrecken der Ware angeordnet ist.
7. Vorrichtung (1) nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Trocknungseinheit (6) und Glätt- und Schrumpfeinheit (10) eine Anordnung
zum Messen der Restfeuchte im Auslaufbereich (11), insbesondere eine Infrarotkamera,
angeordnet ist.
8. Vorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Breithalter (9) eine Nadelkette umfasst.
9. Vorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass vor der Trocknungseinheit (6) eine Kantenverleimungseinheit (5) angeordnet ist.