[0001] Die Erfindung betrifft eine Bohrvorrichtung mit einem drehend antreibbaren Bohrgestänge
mit einer Innenleitung, einem Tragseil, einem zwischen dem Bohrgestänge und dem Tragseil
angeordnetem Drehgelenk, welches ein mit dem Tragseil in Verbindung stehendes Halteglied
und ein mit dem drehbaren Bohrgestänge in Verbindung stehendes Drehglied aufweist,
einer Leitung und einer Drehdurchführung, welche zum Durchleiten von Fluid und/oder
Daten zwischen der Leitung und der Innenleitung des Bohrgestänges ausgebildet ist,
wobei die Drehdurchführung einen mit dem Bohrgestänge verbundenen Rotor und einen
nicht-drehenden Stator aufweist, an welchem die Fluidleitung angeschlossen ist, gemäß
dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Die Erfindung betrifft weiterhin ein Bohrverfahren, bei dem ein Bohrgestänge mit
einem inneren Hohlraum drehend angetrieben wird, das Bohrgestänge an einem Tragseil
aufgehängt und daran über ein Drehgelenk drehend gelagert wird und mittels einer Drehdurchführung
Fluid und/oder Daten zwischen der Innenleitung des Bohrgestänges und einer Leitung
durchgeleitet wird, wobei die Drehdurchführung einen mit dem Bohrgestänge verbundenen
Rotor und einen mit der Leitung verbundenen Stator aufweist.
[0003] Für bestimmte Bohrverfahren ist es erforderlich, über einen inneren Hohlraum des
rohrförmigen Bohrgestänges Fluid in das Bohrloch einzuleiten oder aus dem Bohrloch
abzuführen. Zur Zu- oder Ableitung eines Fluides ist am oberen Ende des Bohrgestänges
eine Drehdurchführung für ein Fluid, auch Spülkopf genannt, angeordnet. Die Drehdurchführung
weist einen mit dem drehenden Bohrgestänge fest verbundenen Rotor auf, welcher üblicherweise
in einer Hülse als Stator gelagert ist. An dem Stator ist die Außenleitung angeschlossen,
um etwa Spülflüssigkeit von außen in das Bohrloch zuzuführen oder Spülflüssigkeit
mit Bohrklein aus dem Bohrgestänge nach außen abzuleiten. Um ein Verdrehen der Außenleitung
durch das rotierende Bohrgestänge zu verhindern, ist eine Drehmomentstützte für den
Stator vorgesehen. Die Drehmomentstützte stellt sicher, dass der Stator relativ zum
drehenden Rotor stillsteht.
[0004] Üblicherweise verbindet die Drehmomentstützte den Stator drehfest mit dem Bohrgerät.
Aus der
EP 0 645 519 A1 ist es bekannt, den Stator der Drehdurchführung über eine hülsenförmige Drehsicherung
und eine stangenförmige Drehmomentstütze fest mit dem Bohrgeräteschlitten zu koppeln
und so eine Drehmomentabstützung zu gewährleisten. Eine derartige Drehmomentabstützung
benötigt jedoch entsprechenden Bauraum oberhalb des Bohrgestänges und kann so Arbeiten
in diesem Bereich behindern. Auch ist eine synchrone Bewegung mit dem Bohrgeräteschlitten
möglich.
[0005] Weiter ist es aus der
EP 2 295 645 A1 bekannt, eine Verdrehung des Stators einer Drehdurchführung durch einen separaten
Drehantrieb auszugleichen. Hierzu ist eine Steuerung notwendig, welche eine Verdrehung
der Position feststellt und eine entsprechende Gegendrehung steuert. Hierdurch kann
die Drehmomentstütze entfallen. Diese Lösung ist mit einem zusätzlichen Aufwand für
den Drehantrieb und die Steuerung verbunden.
[0006] Weiterhin ist es bekannt, von einer außenliegenden Leitung Daten oder elektrischen
Strom an das rotierende Bohrgestänge mittels einer Drehdurchführung mit Schleifkontakten
zu übertragen.
[0007] Der Erfindung liegt die
Aufgabe zugrunde, eine Bohrvorrichtung anzugeben bei welcher eine effiziente und zuverlässige
Drehmomentabstützung der Drehdurchführung sichergestellt ist.
[0008] Die Aufgabe wird durch eine Bohrvorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 1 und
ein Bohrverfahren nach Anspruch 11 gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung
sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0009] Die erfindungsgemäße Bohrvorrichtung ist
dadurch gekennzeichnet, dass das Tragseil drehsteif ausgebildet ist und dass ein starres Verbindungselement als
Drehmomentstütze zwischen dem Stator der Drehdurchführung und dem drehsteifen Tragseil
angeordnet ist.
[0010] Ein Grundgedanke der Erfindung besteht darin, das Drehmoment am Stator der Drehdurchführung
nicht gegenüber einem starren Bauteil der Bohrvorrichtung, etwa dem Mast, dem Bohrgeräteschlitten
oder dem Bohrgerät abzustützen, sondern an dem flexiblen Tragseil. Dabei beruht die
Erfindung auf der Erkenntnis, dass das Tragseil zum Auf- und Abspulen von einer Windentrommel
nur in der axialen Seillängsrichtung flexibel sein muss. Erfindungsgemäß ist das Tragseil
aber bezogen auf die Seillängsachse in einer Umfangsrichtung drehsteif ausgebildet.
Auf diese Weise kann das Drehmoment am Stator unmittelbar gegenüber dem Tragseil abgestützt
und von diesem aufgenommen werden. Dabei ist die Drehdurchführung mit dem Stator räumlich
nah zum Tragseil an dessen unterem Ende angeordnet. Somit kann ein starres Verbindungselement
als Drehmomentstütze relativ klein ausgebildet werden. Zudem folgt die Drehdurchführung
der Hubbewegung des Tragseiles, sodass durch diese Drehmomentstütze keine wesentliche
Behinderung beim Betrieb der Bohrvorrichtung oder bei der Durchführung des Bohrverfahrens
auftritt. Die Drehmomentstütze kann direkt am Tragseil oder einem daran drehfest angehängtem
Teil angeschlossen sein.
[0011] Das Tragseil ist vorzugsweise ein Stahlseil, welches dreh- oder verwindungssteif
ausgebildet ist. Im Sinne der Erfindung kann Tragseil auch eine Kette aus Kettengliedern
sein, welche so miteinander verbunden sind, dass diese zwar aufwickelbar aber dreh-
oder verwindungssteif sind.
[0012] Der Stator und der Rotor können zur Bildung einer Drehdurchführung beliebig ausgebildet
sein. Eine besonders robuste Anordnung wird nach der Erfindung dadurch erzielt, dass
der Stator der Drehdurchführung hülsenförmig ausgebildet ist und dass an der Außenseite
des hülsenförmigen Stators die Leitung angeschlossen ist. Die Außenleitung verläuft
vorzugsweise parallel zum Tragseil nach oben über einen Mastkopf und ist auf einer
drehbaren Leitungstrommel angeordnet. An diese ist dann entsprechend etwa ein Fluidreservoir
angeschlossen. Bei dem Fluid im Sinne der Erfindung kann es sich allgemein um ein
Medium, insbesondere um Spülflüssigkeit, aushärtbare Suspension, Hydraulikflüssigkeit
oder Druckluft, aber auch elektrischen Strom handeln, welches von außen über die Leitung
in das Bohrloch zugeführt werden. Die Fluidleitung kann aber auch als Abführleitung
dienen, um etwa Spülflüssigkeit mit Bohrklein über das Innere des Bohrgestänges und
die Drehdurchführung nach außen zu einem Auffangbehälter abzuleiten. Die Drehdurchführung
kann zur Übertragung von Daten oder Strom auch einen Kontaktring aufweisen, an dem
als Gegenstück Schleifkontakte anliegen.
[0013] Weiterhin besteht eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung darin, dass der Rotor
der Drehdurchführung schaftförmig mit einem Mittelkanal ausgebildet ist, welche über
zumindest einen Radialkanal mit der Leitung verbunden ist. Der schaftförmige Rotor
ist dabei vorzugsweise in dem hülsenförmig ausgebildeten Stator drehbar gelagert,
wobei zwischen Rotor und Stator ein in Umfangsrichtung verlaufender ringförmiger Kanal
ausgebildet ist. Über einen radialen Zutrittskanal kann Flüssigkeit etwa von der Fluidleitung
in diesen Ringkanal geleitet werden. Über den Ringkanal kann über einen oder mehrere
Radialkanäle das Fluid zu dem zentrischen Mittenkanal des Rotors geleitet werden.
Der Mittenkanal steht dabei in Leitungsverbindung mit dem inneren kanalartigen Hohlraum
des Bohrgestänges, welcher die Innenleitung bildet. So kann Fluid von außen über das
Bohrgestänge zu einem bodenabtragenden Bohrwerkzeug am unteren Ende des Bohrgestänges
geleitet werden, um dieses zu kühlen und abgearbeitetes Bodenmaterials auszuspülen.
Grundsätzlich kann auch eine aushärtbare Suspension zum Erstellen eines Gründungselementes
in das Bohrloch eingeleitet werden. Statt oder in den Kanälen können Daten-/Stromkabel
vorgesehen sein.
[0014] Nach einer Ausführungsvariante der Erfindung ist es vorteilhaft, dass der Rotor einen
Anschlussabschnitt zum drehfesten Befestigen des Bohrgestänges aufweist. Der Anschlussabschnitt
kann insbesondere ein Flansch sein, über welchen das Bohrgestänge lösbar mit dem Rotor
verbunden werden kann.
[0015] Grundsätzlich ist es möglich, dass der Rotor einstückig mit dem Drehglied des Drehgelenkes
ausgebildet ist. Zur Verwendung von Standardteilen ist es jedoch bevorzugt, dass der
Rotor in seinem oberen Bereich einen Verbindungsabschnitt zum Verbinden mit dem Drehgelenk
aufweist. Es können so ein Standarddrehgelenk und eine Standarddrehdurchführung verwendet
werden, wobei der Rotor mit dem Drehgelenk über eine Verbindungseinrichtung lösbar
verbunden wird. Der Verbindungsabschnitt kann dabei insbesondere einen oder mehrere
Verriegelungsbolzen oder Befestigungsschrauben aufweisen.
[0016] Eine weitere Ausführungsform der Erfindung besteht darin, dass das Halteglied des
Drehgelenkes bolzenförmig ausgebildet ist und einen Anschlussabschnitt zur drehfesten
Verbindung mit dem Tragseil aufweist. So kann am Ende des Tragseiles eine Verbindungslasche
oder ein Auge angeordnet sein. Über einen quergerichteten Verbindungsbolzen kann so
das Tragseil über einen Verbindungsbock mit zwei Bolzenöffnungen am Halteglied verbunden
werden. Es können aber auch andere Verbindungseinrichtungen vorgesehen sein, wobei
eine drehsteife Verbindung zwischen dem Halteglied und dem Tragseil gewährleistet
sein soll. Dies gilt insbesondere dann, wenn die erfindungsgemäße Drehmomentstütze
nicht unmittelbar am Tragseil sondern in einem unteren Bereich mit dem Halteglied
verbunden ist.
[0017] Eine bevorzugte Ausführungsvariante besteht nach Erfindung weiter darin, dass das
Drehglied des Drehgelenkes einen hülsenförmigen Aufnahmeabschnitt aufweist, in welchem
das bolzenförmige Halteglied drehbar gelagert ist. Hierdurch wird ein besonders robustes
Drehgelenk erreicht. Grundsätzlich kann aber auch das Halteglied hülsenförmig und
das Drehglied bolzenförmig ausgebildet sein. Das Halteglied weist vorzugsweise einen
Abschnitt auf, an welchem die starre Drehmomentstütze befestigt werden kann.
[0018] Eine besonders zweckmäßige Anordnung ergibt sich nach der Erfindung dadurch, dass
sich die Leitung etwa parallel zur Bohrachse und zum Tragseil nach Oben erstreckt
und dass die Leitung über zumindest eine Verbindungsschelle mit dem Tragseil verbunden
ist. Grundsätzlich ist es dabei möglich, dass die Leitung zwischen der Drehdurchführung
und der Verbindungsschelle als ein starres Rohr oder eine drehsteife Leitung ausgebildet
ist und so selbst die Drehmomentstütze zwischen der Drehdurchführung und dem Tragseil
bildet. Die sich dann von der Verbindungsschelle weiter nach Oben erstreckende Fluidleitung
kann dann in üblicher Weise als herkömmliche Schlauchleitung oder Daten-/Stromkabel
ausgebildet sein.
[0019] Im Sinne der Erfindung kann unter Bohrvorrichtung allein das Bohrgestänge und die
Bohrgestängeaufhängung verstanden werden. In einer bevorzugten Ausbauvariante ist
vorgesehen, dass ein Bohrantrieb zum drehenden Antreiben des Bohrgestänges vorgesehen
ist und dass der Bohrantrieb ein ringförmiges Antriebsrad aufweist, durch welches
sich das Bohrgestänge hindurch erstreckt und mit Antriebselementen an der Außenseite
des Bohrgestänges in drehmomentübertragender Verbindung steht. Das Bohrgestänge kann
dabei insbesondere als ein einfaches oder teleskopierbares Kelly-Bohrgestänge ausgebildet
sein, an dessen Außenseiten stegartige Mitnehmerleisten vorgesehen sind. Der Bohrantrieb
ist dabei so angeordnet, dass dieser unterhalb der Drehdurchführung am oberen Ende
des Bohrgestänges liegt.
[0020] Weiterhin ist nach der Erfindung ein Bohrgerät mit einem Mast vorgesehen, über welchen
ein Tragseil einer Bohrvorrichtung geführt ist und entlang welchem ein Bohrgestänge
der Bohrvorrichtung drehbar angetrieben und vertikal verschiebbar ist. Dieses Bohrgerät
ist erfindungsgemäß
dadurch gekennzeichnet, dass die zuvor beschriebene Bohrvorrichtung angeordnet ist. Das Bohrgerät kann als Mast
einen Mäkler oder Starrmäkler aufweisen oder einen schwenkbaren Auslegerarm. Derartige
Bohrgeräte können insbesondere zum Erd- oder Gesteinsbohren und insbesondere zur Erstellung
von pfahlförmigen Gründungselementen eingesetzt werden.
[0021] Hinsichtlich des Verfahrens wird die eingangs genannte Aufgabe erfindungsgemäß dadurch
gelöst, dass das Tragseil drehsteif ausgebildet ist und dass ein Drehmoment an dem
Stator der Drehdurchführung mittels eines starren Verbindungselementes gegenüber dem
drehsteifen Tragseil abgestützt wird. Das erfindungsgemäße Bohrverfahren wird vorzugsweise
mit der vorbeschriebenen Bohrvorrichtung durchgeführt, wobei sich die vorausgehend
beschriebenen Vorteile ergeben. Mit dem erfindungsgemäßen Bohrverfahren können Bohrlöcher
für Gründungselemente erstellt werden.
[0022] Nachfolgend wir die Erfindung anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispieles weiter
beschrieben, welches schematisch in der beigefügten Zeichnung dargestellt ist.
[0023] Die dargestellte erfindungsgemäße Bohrvorrichtung 10 umfasst ein stangenförmiges
Bohrgestänge 12, an dessen unteren Ende ein schematisch angedeuteter Werkzeuganschluss
18 angeordnet ist, an welchem ein Bohrwerkzeug zum Abtragen von Bodenmaterial angebracht
werden kann. Das Bohrgestänge 12 weist einen mittigen kanalartigen Hohlraum als Innenleitung
14 auf. Dieser ist im dargestellten Ausführungsbeispiel zur Zuleitung eines Fluides
gemäß Pfeil P1 durch die äußere Leitung 16 zum unteren Ende des Bohrgestänges 12 ausgebildet.
Das Fluid tritt dort entsprechend dem Pfeil P2 aus.
[0024] Das Bohrgestänge 12 ist in bekannter Weise über einen nicht dargestellten Bohrantrieb
drehend angetrieben. Hierzu ragt das Bohrgestänge 12 durch den ringförmigen Bohrantrieb
hindurch, wobei über ein ringförmiges Antriebsrad ein Drehmoment von dem Bohrantrieb
an nicht dargestellte Mitnehmerleisten an der Außenseite des Bohrgestänges 12 übertragbar
ist.
[0025] Weiterhin ist das Bohrgestänge 12 in bekannter Weise mittels eines Tragseiles 30
an einem nicht dargestellten Mast aufgehängt. Um eine Rotationsbewegung des drehend
angetriebenen Bohrgestänges 12 nicht auf die Leitung 16, auch Außenleitung genannt,
und das Tragseil 30 zu übertragen, sind erfindungsgemäß eine Drehdurchführung 50 sowie
ein Drehgelenk 20 oberhalb des Bohrgestänges 12 angeordnet.
[0026] Das Tragseil 30 weist in bekannter Weise an seinem unteren Ende eine augenförmige
Verbindungslasche auf. Die Verbindungslasche des Tragseiles 30 ragt in eine Aufnahmeöffnung
eines schaftförmigen Haltegliedes 22 des Drehgelenkes 20 hinein. Über einen quergerichteten
Verschlussbolzen 23 ist das Tragseil 30 drehfest bezogen auf die Bohrachse mit dem
schaftförmigen Halteglied 22 des Drehgelenkes 20 verbunden. Das schaftförmige Halteglied
22 ist in einem hülsenförmigen Aufnahmeabschnitt 26 eines Drehgliedes 24 des Drehgelenkes
20 drehend, aber in Achsrichtung fest, gelagert. Auf diese Weise kann das Drehglied
24 relativ zum still stehenden Halteglied 22 gedreht werden, so dass das Drehgelenk
20 eine Drehmomentübertragung vom Bohrgestänge 12 auf das Halteglied 22 verhindert.
[0027] Am unteren Ende des Haltegliedes 22 ist mittels eines Riegelbolzens 66 drehfest ein
Rotor 52 der Drehdurchführung 50 lösbar angeschlossen. Der schaftförmige Rotor 52
weist an seinem gegenüberliegenden unteren Ende einen flanschförmigen Anschlussabschnitt
60 auf, an welchem lösbar das Bohrgestänge 12 angebracht ist.
[0028] Der Rotor 52 weist in seiner unteren Hälfte einen Mittenkanal 56 auf, welcher in
Fluidverbindung mit der kanalartigen Innenleitung 14 des Bohrgestänges 12 steht. An
seinem oberen Ende mündet der Mittenkanal 56 in zwei nach außen gerichtete Radialkanäle
58, welche wiederum in einen am Außenumfang angeordneten Ringkanal 53 münden. Der
Ringkanal 53 ist zwischen dem Rotor 52 und einem umgebenden hülsenförmigen Stator
54 gebildet. Am Außenumfang des hülsenförmigen Stators 54 der Drehdurchführung 50
ist über einen Anschlussstutzen die Leitung 16 angeschlossen. Über eine Durchgangsöffnung
55 kann Fluid aus der Leitung 16 in den Ringkanal 53 und damit über die Radialkanäle
58 und den Mittenkanal 56 in den kanalartigen Hohlraum im Bohrgestänge 12 strömen.
[0029] Der schaftförmige Rotor 52 ist drehbar in dem hülsenförmigen Stator 54 gelagert,
wobei der Zwischenraum zwischen den beiden Teilen axial über Dichtringe 57 abgedichtet
ist. Um ein Mitdrehen der äußeren Leitung 16 mit dem Bohrgestänge 12 zu verhindern,
ist es erforderlich, den hülsenförmigen Stator 54 gegenüber einem drehfesten Teil
abzustützen. Hierzu ist als Drehmomentstütze ein stangenförmiges Verbindungselement
40 vorgesehen, welche einerseits fest an der Außenseite des Stators 54 und andererseits
fest am unteren Ende des Tragseiles 30, und zwar im dargestellten Ausführungsbeispiel
am drehfest mit dem Tragseil 30 verbundenen Halteglied 22 angebracht ist.
[0030] Gemäß der Erfindung ist das Tragseil 30 in Umfangsrichtung der Bohrachse und damit
der Bohrdrehbewegung hinreichend drehsteif oder verwindungssteif ausgebildet. Somit
kann über das stangenförmige Verbindungselement 40 das auf den Stator 54 wirkende
Drehmoment gegenüber dem drehfesten Tragseil 30 und dem damit verbundenen Halteglied
22 abgestützt werden. Das torsionssteife Tragseil 30 kann das übertragene Drehmoment
über den Mastkopf dann auf den Mast und das Bohrgerät übertragen. Somit ist der Stator
54 relativ zum drehenden Bohrgestänge 12 und dem drehenden Rotor 52 sowie dem drehenden
Drehglied 24 des Drehgelenkes 20 fest stehend. Damit wird ein Mitdrehen und Verwinden
der Leitung 16 zuverlässig verhindert, ohne dass eine unmittelbare sperrige Verbindung
zwischen der Drehdurchführung 50 und dem Bohrgerät vorgesehen sein muss.
1. Bohrvorrichtung mit
- einem drehend antreibbaren Bohrgestänge (12) mit einer Innenleitung (14),
- einem Tragseil (30),
- einem zwischen dem Bohrgestänge (12) und dem Tragseil (30) angeordneten Drehgelenk
(20), welches ein mit dem Tragseil (30) in Verbindung stehendes Halteglied (22) und
ein mit dem drehbaren Bohrgestänge (12) in Verbindung stehendes Drehglied (24) aufweist,
- einer Leitung (16) für ein Fluid und/oder Daten, und
- einer Drehdurchführung (50), welche zum Durchleiten von Fluid und/oder Daten zwischen
der Leitung (16) und der Innenleitung (14) des Bohrgestänges (12) ausgebildet ist,
wobei die Drehdurchführung (50) einen mit dem Bohrgestänge (12) verbundenen Rotor
(52) und einen nicht-drehenden Stator (54) aufweist, an welchem die Fluidleitung (16)
angeschlossen ist,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das Tragseil (30) drehsteif ausgebildet ist und
- dass ein starres Verbindungselement (40) als Drehmomentstütze zwischen dem Stator (52)
der Drehdurchführung (50) und dem drehsteifen Tragseil (30) angeordnet ist.
2. Bohrvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Stator (54) der Drehdurchführung (50) hülsenförmig ausgebildet ist und
dass an der Außenseite des hülsenförmigen Stators (54) die Leitung (16) angeschlossen
ist.
3. Bohrvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rotor (52) der Drehdurchführung (50) schaftförmig mit einem Mittenkanal (56)
ausgebildet ist, welcher über zumindest einen Radialkanal (58) mit der Leitung (16)
verbunden ist.
4. Bohrvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rotor (52) einen Anschlussabschnitt (60) zum drehfesten Befestigen des Bohrgestänges
(12) aufweist.
5. Bohrvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rotor (52) in seinem oberen Bereich einen Verbindungsabschnitt (62) zum Verbinden
mit dem Drehgelenk (20) aufweist.
6. Bohrvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Halteglied (22) des Drehgelenkes (20) bolzenförmig ausgebildet ist und einen
Befestigungsabschnitt (64) zur drehfesten Verbindung mit dem Tragseil (30) aufweist.
7. Bohrvorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Drehglied (24) des Drehgelenkes (20) einen hülsenförmigen Aufnahmeabschnitt (26)
aufweist, in welchem das bolzenförmige Halteglied (22) drehbar gelagert ist.
8. Bohrvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass sich die Leitung (16) etwa parallel zur Bohrachse und zum Tragseil (30) nach oben
erstreckt und
dass die Leitung (16) über zumindest eine Verbindungsschelle (32) mit dem Tragseil (30)
verbunden ist.
9. Bohrvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Bohrantrieb zum drehenden Antreiben des Bohrgestänges (12) vorgesehen ist und
dass der Bohrantrieb ein ringförmiges Antriebsrad aufweist, durch welches sich das Bohrgestänge
(12) hindurch erstreckt und mit Antriebselementen an der Außenseite des Bohrgestänges
(12) in drehmomentübertragender Verbindung steht.
10. Bohrgerät mit einem Mast, über welchen ein Tragseil einer Bohrvorrichtung (10) geführt
ist und entlang welchem ein Bohrgestänge (12) der Bohrvorrichtung (10) drehbar angetrieben
und vertikal verschiebbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Bohrvorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 9 angeordnet ist.
11. Bohrverfahren, bei dem
- ein Bohrgestänge (12) mit einer Innenleitung (14) drehend angetrieben wird,
- das Bohrgestänge (12) an einem Tragseil (30) aufgehängt und daran über ein Drehgelenk
(20) drehend gelagert wird und
- mittels einer Drehdurchführung (50) Fluid und/oder Daten zwischen der Innenleitung
(14) des Bohrgestänges (12) und einer Leitung (16) durchgeleitet wird, wobei die Drehdurchführung
(50) einen mit dem Bohrgestänge (12) verbundenen Rotor (52) und einen mit der Leitung
(16) verbundenen Stator (54) aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das Tragseil (30) drehsteif ausgebildet ist und
- dass ein Drehmoment an dem Stator (54) der Drehdurchführung (50) mittels eines starren
Verbindungselementes (40) gegenüber dem drehsteifen Tragseil (30) abgestützt wird.