[0001] Die Erfindung betrifft ein Revolverbauteil für ein Reagenzgefäß. Ebenso betrifft
die Erfindung ein Reagenzgefäß. Des Weiteren betrifft die Erfindung ein Verfahren
zum Zentrifugieren eines Materials und ein Verfahren zum Druckbehandeln eines Materials.
Stand der Technik
[0002] In der
DE 10 2010 003 223 A1 ist eine Vorrichtung zum Einsetzen in einen Rotor einer Zentrifuge beschrieben. Die
im Format eines Standard-Zentrifugenröhrchens ausgebildete Vorrichtung kann verschiedene
Revolver umfassen, welche axial übereinander angeordnet sind. Die Revolver können
Kanäle, Kavitäten, Reaktionskammern und weitere Strukturen für die Durchführung von
fluidischen Einheitsoperationen aufweisen. Über eine integrierte Kugelschreibermechanik
können die Revolver bezüglich ihrer Positionen zueinander rotiert werden, wodurch
sich die Strukturen der Revolver zueinander schalten lassen. Eine Aktualisierung der
Kugelschreibermechanik ist nach dem Einsetzen der Vorrichtung in eine Zentrifuge mittels
einer durch den Betrieb der Zentrifuge bewirkten Zentrifugalkraft auslösbar. Gleichzeitig
können Flüssigkeiten entlang dem Kraftvektor der bewirkten Zentrifugalkraft transferiert
werden.
[0003] Außerdem ist in der
WO 90/15321 A2 eine Rotoranordnung mit einer rotierbaren Platte beschrieben. In der rotierbaren
Platte sind Probenkammern ausgebildet, welche über Kanäle miteinander verbunden sind.
Mittels eines erzeugten Magnetfelds soll ein Transfermechanismus bewirkbar sein, mittels
welchem eine Probe, wie z.B. eine Blutprobe, und mindestens eine damit reagierende
Chemikalie zwischen den verschiedenen Probenkammern transferierbar sein sollen.
[0004] Des Weiteren ist in der
GB2 268 911 A ein Kapillarsystem zur Kontrolle eines Tintenflusses in einer Tintenpatrone eines
Druckers beschrieben. Die Tintenpatrone weist zwei miteinander verbundene Kammern
auf, von denen eine erste Kammer mit der flüssigen Tinte und eine zweite Kammer mit
einem Tinte-aufsaugenden Material gefüllt sind.
Offenbarung der Erfindung
[0005] Die Erfindung schafft ein Revolverbauteil für ein Reagenzgefäß mit den Merkmalen
des Anspruchs 1, ein Reagenzgefäß für eine Zentrifuge und/oder für eine Druckvariiervorrichtung
mit den Merkmalen des Anspruchs 8, ein Verfahren zum Zentrifugieren eines Materials
mit den Merkmalen des Anspruchs 9 und ein Verfahren zum Druckbehandeln eines Materials
mit den Merkmalen des Anspruchs 11.
Vorteile der Erfindung
[0006] Die von der mindestens einen Kapillarstruktur bewirkte Kapillarkraft kann dazu genutzt
werden, die mindestens eine Flüssigkeit innerhalb der mindestens einen Gefäßstruktur,
aus der mindestens einen Gefäßstruktur heraus und/oder in die mindestens eine Gefäßstruktur
des Revolverbauteils zu transferieren. Wie unten genauer ausgeführt wird, ist mittels
der Kapillarkraft auch ein Flüssigkeitstransport entgegen einer mittels eines Betriebs
einer Zentrifuge bewirkten Zentrifugalkraft und/oder entgegen einer mittels eines
Betriebs einer Druckvariiervorrichtung bewirkten Druckkraft realisierbar. Außerdem
kann die Kapillarkraft der mindestens einen Kapillarstruktur auch vorteilhaft dazu
genutzt werden, die mindestens eine Flüssigkeit zwischenzuspeichern. Die mindestens
eine Kapillarstruktur in und/oder an dem Revolverbauteil ist somit eine vorteilhafte
Steuerkomponente zum Steuern eines Flüssigkeitstransports der mindestens einen Flüssigkeit
und/oder Speichern der mindestens einen Flüssigkeit.
[0007] Wie nachfolgend genauer beschrieben wird, ist die mindestens eine Kapillarstruktur
auch als passive Ventilstruktur und/oder passive Mischkomponente zum Mischen von Flüssigkeiten
einsetzbar. Die mindestens eine Kapillarstruktur an und/oder in dem Revolverbauteil
kann somit für eine Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten eingesetzt werden.
[0008] In einer vorteilhaften Ausführungsform weist die mindestens eine Kapillarstruktur
einen mittleren Durchmesser in einem Bereich zwischen 0,1 µm bis 1 mm auf. Der mindestens
eine mittlere Durchmesser kann insbesondere in einem Bereich zwischen 1 µm bis 100
µm liegen. Dies gewährleistet eine ausreichend hohe Kapillarkraft der mindestens einen
Kapillarstruktur, mittels welcher die mindestens eine Flüssigkeit (wahlweise) in das
Innenvolumen der mindestens einen Kapillarstruktur einsaugbar ist.
[0009] Beispielsweise kann die mindestens eine Kapillarstruktur aus Glas, Silica, einem
Polymer, einem Gewebestoff und/oder einem Gel gebildet sein. Die mindestens eine Kapillarstruktur
ist somit vergleichsweise einfach und kostengünstig ausführbar.
[0010] In einer vorteilhaften Weiterbildung ist die mindestens eine Kapillarstruktur an
ihrer mindestens einen Innenwand mit Proteinen, Antigenen, Antikörpern, Enzymen, DNA-Teilsträngen,
RNA-Teilsträngen und/oder Epoxidharz beschichtet. Während eines Transferierens der
mindestens einen Flüssigkeit durch die mindestens eine Kapillarstruktur und/oder eines
Zwischenspeicherns der mindestens einen Flüssigkeit in der mindestens einen Kapillarstruktur
können biochemische/molekularbiologische Reaktionen zielgerichtet ausgeführt werden.
Die mindestens eine Kapillarstruktur ist somit vielseitig einsetzbar.
[0011] In einer vorteilhaften Ausführungsform ist die mittels der mindestens einen Kapillarstruktur
ausübbare Kapillarkraft größer als eine Gewichtskraft der mindestens einen in die
mindestens eine Gefäßstruktur einfüllbaren oder eingefüllten Flüssigkeit. Die mindestens
eine Kapillarstruktur kann somit dazu genutzt werden, die mindestens eine Flüssigkeit
entgegen der Gewichtskraft zu transferieren und/oder trotz der Gewichtskraft zwischenzuspeichern.
[0012] Beispielsweise weist das Revolverbauteil eine Revolveraußenwand auf, welche so ausgebildet
ist, dass das Revolverbauteil in einem Reagenzgefäß für eine Zentrifuge und/oder für
eine Druckvariiervorrichtung einsetzbar ist. Als Ergänzung oder als Alternative dazu
kann das Revolverbauteil in einem Einsetzteilgehäuse eines Reagenzgefäß-Einsetzteils
einsetzbar sein, welches so ausgebildet ist, dass das Reagenzgefäß-Einsetzteil in
einem Reagenzgefäß für eine Zentrifuge und/oder für eine Druckvariiervorrichtung einsetzbar
ist. Das Revolverbauteil kann somit während eines Zentrifugierens, eines Anlegens
eines Überdrucks und/oder eines Anlegens eines Unterdrucks vorteilhaft eingesetzt
werden.
[0013] Bevorzugter Weise ist die mindestens eine zumindest teilweise in die mindestens eine
Kapillarstruktur eingesaugte Flüssigkeit mittels einer bei einem Betrieb der Zentrifuge,
in deren Rotoreinrichtung das Reagenzgefäß mit dem darin eingesetzten Revolverbauteil
angeordnet ist, bewirkbaren Zentrifugalkraft und/oder mittels bei einem Betrieb der
Druckvariiervorrichtung, in welcher das Reagenzgefäß mit dem darin eingesetzten Revolverbauteil
angeordnet ist, bewirkbaren Druckkraft aus der mindestens einen Kapillarstruktur heraus
transferierbar. Somit kann die mittels der Kapillarkraft in die mindestens eine Kapillarstruktur
eingesaugte mindestens eine Flüssigkeit auf einfache Weise wieder aus der Kapillarstruktur
herausgepresst werden. Da das Herauspressen der mindestens einen Flüssigkeit mittels
der Zentrifugalkraft und/oder mittels der Druckkraft ausführbar ist, ohne dass die
mindestens eine Kapillarstruktur in ihrer Form (wesentlich) verändert wird, kann der
Einsaugvorgang und/oder der Auspressvorgang beliebig oft (reversibel) wiederholt werden.
Wie unten genauer ausgeführt wird, ist deshalb die mindestens eine Kapillarstruktur
sowohl als passive Ventilstruktur zum Schalten von Flüssigkeiten, als auch als passive
Mischkomponente zum Mischen von Flüssigkeiten einsetzbar.
[0014] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung umfasst die mindestens eine Gefäßstruktur
jeweils mindestens eine erste Kammer mit einer Befüll- und/oder Druckausgleichöffnung
und eine zweite Kammer, welche bis auf eine Flüssigkeitsaustauschöffnung zu der ersten
Kammer luft- und/oder flüssigkeitsdicht abgeschlossen ist, wobei die mindestens eine
Kapillarstruktur in einem als schwammartige Masse ausgebildeten Kapillarsystem ausgeformt
ist, welche in der zweiten Kammer angeordnet ist. Dies gewährleistet eine kostengünstige
Ausführung der mindestens einen Kapillarstruktur, welche für eine Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten
einsetzbar ist.
[0015] Die in den oberen Absätzen beschriebenen Vorteile sind auch mittels eines Reagenzgefäß-Einsetzteils
realisierbar, welches ein Einsetzteilgehäuse aufweist, welches so ausgebildet ist,
dass das Reagenzgefäß-Einsetzteil in einem Reagenzgefäß für eine Zentrifuge und/oder
für eine Druckvariiervorrichtung einsetzbar ist, und welches mindestens ein in dem
Einsetzteilgehäuse angeordnetes Revolverbauteil entsprechend der erfindungsgemäßen
Technologie aufweist.
[0016] Außerdem sind diese Vorteile gewährleistbar durch ein Reagenzgefäß für eine Zentrifuge
und/oder für eine Druckvariiervorrichtung mit mindestens einem in dem Reagenzgefäß
angeordneten Revolverbauteil entsprechend der erfindungsgemäßen Technologie.
[0017] Die Vorteile sind auch bewirkbar durch Ausführen des Verfahrens zum Zentrifugieren
eines Materials. In einer vorteilhaften Weiterbildung weist das Verfahren die zusätzlichen
Schritte auf: Zumindest einmaliges zwischenzeitliches Reduzieren der aktuellen Drehgeschwindigkeit
auf eine zweite Soll-Drehgeschwindigkeit, welche eine zweite Zentrifugalkraft kleiner
als die Kapillarkraft der mindestens einen Kapillarstruktur bewirkt, wodurch das zu
zentrifugierende Material und/oder die andere Flüssigkeit zumindest teilweise in die
mindestens eine Kapillarstruktur eingesaugt werden, und Erhöhen der aktuellen Drehgeschwindigkeit
auf eine dritte Soll-Drehgeschwindigkeit, welche eine dritte Zentrifugalkraft größer
als die Kapillarkraft der mindestens einen Kapillarstruktur bewirkt.
[0018] Außerdem sind die Vorteile bewirkbar durch das Ausführen des Verfahrens zum Druckbehandeln
eines Materials. In einer vorteilhaften Weiterbildung kann das Verfahren die zusätzlichen
Schritte aufweisen: Zumindest einmaliges Angleichen des Unter- oder Überdrucks in
Richtung des Atmosphärendrucks auf einen zweiten Soll-Druck, welcher eine zweite Druckkraft
kleiner als die Kapillarkraft der mindestens einen Kapillarstruktur bewirkt, wodurch
das Material und/oder die andere Flüssigkeit zumindest teilweise in die mindestens
eine Kapillarstruktur eingesaugt werden, und Verstärken des Unter- oder Überdrucks
weg von dem Atmosphärendruck auf einen dritten Soll-Druck, welcher eine dritte Druckkraft
größer als die Kapillarkraft der mindestens einen Kapillarstruktur bewirkt.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0019] Weitere Merkmale und Vorteile der vorliegenden Erfindung werden nachfolgend anhand
der Figuren erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1a und 1b
- schematische Darstellungen einer ersten Ausführungsform des Revolverbauteils;
- Fig. 2a bis 2c
- schematische Darstellungen einer zweiten Ausführungsform des Revolverbauteils;
- Fig. 3a und 3b
- schematische Darstellungen einer dritten Ausführungsform des Revolverbauteils;
- Fig. 4a bis 4c
- schematische Darstellungen einer vierten Ausführungsform des Revolverbauteils;
- Fig. 5a bis 5c
- schematische Darstellungen einer fünften Ausführungsform des Revolverbauteils;
- Fig. 6
- eine schematische Darstellung einer Ausführungsform des Reagenzgefäß-Einsetzteils;
- Fig. 7
- ein Flussdiagramm zum Erläutern einer Ausführungsform des Verfahrens zum Zentrifugieren
eines Materials; und
- Fig. 8
- ein Flussdiagramm zum Erläutern einer Ausführungsform des Verfahrens zum Druckbehandeln
eines Materials.
Ausführungsformen der Erfindung
[0020] Fig. 1a und 1b zeigen schematische Darstellungen einer ersten Ausführungsform des
Revolverbauteils.
[0021] Das in Fig. 1a und 1b (zumindest teilweise) schematisch dargestellte Revolverbauteil
10 ist in einem Reagenzgefäß verwendbar. Beispielsweise kann das Revolverbauteil 10
eine Revolveraußenwand 12 aufweisen, welche so ausgebildet ist, dass das Revolverbauteil
10 in einem Reagenzgefäß für eine Zentrifuge und/oder für eine Druckvariiervorrichtung
einsetzbar ist. Als Alternative oder als Ergänzung dazu kann das Revolverbauteil 10
aufgrund seiner Revolveraußenwand 12 in einem Einsetzteilgehäuse eines Reagenzgefäß-Einsetzteils
einsetzbar sein, welches so ausgebildet ist, dass das Reagenzgefäß-Einsetzteil in
einem Reagenzgefäß für eine Zentrifuge und/oder für eine Druckvariiervorrichtung einsetzbar
ist. Die Einsetzbarkeit des Revolverbauteils 10/des Reagenzgefäß-Einsetzteils in das
betreffende Reagenzgefäß für eine Zentrifuge und/oder eine Druckvariiervorrichtung
kann so interpretiert werden, dass die Revolveraußenwand 12/eine Außenwand des Einsetzteilgehäuses
zu einer Innenwand des Reagenzgefäßes korrespondiert. Vorzugsweise kontaktiert die
Revolveraußenwand 12/die Außenwand des Einsetzteilgehäuses die Innenwand des Reagenzgefäßes
derart, dass auch während eines Betriebs der Zentrifuge und/oder der Druckvariiervorrichtung
ein verlässlicher Halt des Revolverbauteils 10/des Reagenzgefäß-Einsetzteils in dem
betreffenden Reagenzgefäß gewährleistet ist.
[0022] Unter dem Reagenzgefäß kann beispielsweise ein (Standard)-Reagenzglas/Reagenzröhrchen
verstanden werden. Weitere Ausführungsbeispiele sind Zentrifungenröhrchen, 1,5 ml
Eppendorf-Röhrchen, 2 mL Eppendorf-Röhrchen, 5 mL Eppendorf-Röhrchen und Mikrotiterplatten,
wie z.B. 20 µL Mikrotiterplatten (pro Kavität). Ebenso kann das Reagenzgefäß ein Testträger
oder eine Einwegkartusche sein, welche als Lab-on-a-Chip-system auf einem plastikartengroßen
Kunststoffsubstrat ausgebildet sind. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Ausbildbarkeit
des Reagenzgefäßes nicht auf die hier aufgezählten Beispiele limitiert ist. Außerdem
sind die Maße des Reagenzgefäßes lediglich aufgrund einer erwünschten Einsetzbarkeit
des Reagenzgefäßes in der Zentrifuge und/oder in der Druckvariiervorrichtung vorgegeben.
Die Ausführbarkeit der im Weiteren beschriebenen erfindungsgemäßen Technologien schreibt
jedoch keine äußere Form des Reagenzgefäßes vor. Außerdem kann das Reagenzgefäß zur
Aufnahme von Proben in einer Menge ausgelegt sein, welche wahlweise aus einem Bereich
von wenigen µL bis zu 1L gewählt werden kann.
[0023] Es wird darauf hingewiesen, dass unter der im Weiteren erwähnten Zentrifuge und Druckvariiervorrichtung
keine bestimmten Gerätetypen zu verstehen sind. Stattdessen ist die erfindungsgemäße
Technologie mittels jeder Zentrifuge nutzbar, mittels welcher eine (Mindest-)Zentrifugalkraft
ab 20 g ausübbar ist. Ebenso kann die erfindungsgemäße Technologie für jede Druckvariiervorrichtung
genutzt werden, mittels welcher ein Unter- und/oder Überdruck anlegbar ist.
[0024] Unter dem Revolverbauteil 10 kann insbesondere ein Revolver für ein Reagenzgefäß
verstanden werden. Das Revolverbauteil 10 kann z.B. derart ausgelegt sein, dass es
mittels einer geeigneten Mechanik, welche an dem Revolverbauteil 10 oder getrennt
von dem Revolverbauteil 10 angeordnet sein kann, um eine Drehachse 11 drehbar ist.
Die Drehachse 11 kann insbesondere mittig durch das Revolverbauteil 10 verlaufen und/oder
senkrecht zu dem mindestens einen Gefäßboden ausgerichtet sein. Insbesondere können
das Revolverbauteil 10/das Reagenzgefäß-Einsetzteil auch für ein Zusammenwirken mit
einer Kugelschreibermechanik ausgebildet sein, bzw. eine Kugelschreibermechanik umfassen.
Das Revolverbauteil 10/das Reagenzgefäß-Einsetzteil kann ein Volumen kleiner als 5
Milliliter fassen. Das Revolverbauteil 10 kann so insbesondere so ausgelegt sein,
dass es in einem Stapel weiterer Revolver und/oder Reaktionskammern integrierbar ist.
Mittels einer Kugelschreibermechanik können (axial übereinander gestapelte) Revolver,
Reaktionskammern und/oder Kavitäten axial wie auch azimutal zueinander positioniert
werden. Bezüglich einer möglichen Ausführung der Kugelschreibermechanik wird auf die
DE 2010 003 223 A1 verwiesen.
[0025] An dem Revolverbauteil 10 ist mindestens eine Gefäßstruktur 14 ausgebildet, in welche
mindestens eine Flüssigkeit 16 einfüllbar oder eingefüllt ist. Die mindestens eine
Flüssigkeit 16 kann beispielsweise ein zu untersuchendes Material/Probenmaterial und/oder
mindestens eine Chemikalie sein. Es wird darauf hingewiesen, dass das im Weiteren
beschriebene Revolverbauteil 10 nicht auf die Verwendung bestimmter Flüssigkeiten
limitiert ist. Außerdem können an dem Revolverbauteil 10 mehrere Gefäßstrukturen 14
ausgebildet sein, welche sich von der Drehachse 11 radial zu der Revolveraußenwand
12 erstrecken. Die Ausbildbarkeit des Revolverbauteils 10 ist nicht auf eine bestimmte
Form der mindestens einen Gefäßstruktur 14 und/oder eine bestimmte Anzahl von Gefäßstrukturen
14 des Revolverbauteils 10 limitiert.
[0026] Außerdem weist das Revolverbauteil 10 mindestens eine an und/oder in der mindestens
einen Gefäßstruktur 14 angeordnete Kapillarstruktur 18 auf, mittels welcher eine Kapillarkraft
auf die mindestens eine Flüssigkeit 16 ausübbar ist. Mittels der Kapillarkraft der
mindestens einen Kapillarstruktur 18 ist die mindestens eine Flüssigkeit 16 zumindest
teilweise in ein Innenvolumen 20 der mindestens einen Kapillarstruktur 18 einsaugbar.
Außerdem ermöglicht die mindestens eine Kapillarstruktur 18 zumindest ein zeitweises
Zwischenspeichern der mindestens einen darin eingesaugten Flüssigkeit 16. Die mindestens
eine Kapillarstruktur 18 kann somit zu einem Flüssigkeitstransport der mindestens
einen Flüssigkeit 16 innerhalb der mindestens einen Gefäßstruktur 14, aus der mindestens
einen Gefäßstruktur 14 heraus, und/oder in die mindestens eine Gefäßstruktur 14 hinein
genutzt werden. Des Weiteren ist die mindestens eine Kapillarstruktur 18 eine vorteilhafte
Speicherkomponente zum Speichern/Zwischenspeichern von der mindestens einen Flüssigkeit
16, auch ohne dass die mindestens eine Kapillarstruktur 18 ein mechanisches/verstellbares
Element aufweist.
[0027] Vorzugsweise weist die mindestens eine Kapillarstruktur 18 einen mittleren Durchmesser
auf, welcher in einem Bereich zwischen 0,1 µm bis 1 mm liegt. Insbesondere kann der
mittlere Durchmesser der mindestens einen Kapillarstruktur 18 in einem Bereich zwischen
1 µm bis 500 µm, vorzugsweise zwischen 1 µm und 100 µm, liegen. Man kann dies auch
so umschreiben, dass die mindestens eine Kapillarstruktur 18 eine Porengröße in einem
Bereich zwischen 0,1 µm bis 1 mm aufweist.
[0028] Die mindestens eine Kapillarstruktur 18 kann beispielsweise aus Glas, Silica, einem
Polymer, wie beispielsweise Polyester, Polypropylen, Polytetrafluorethylen, Nylon
und/oder Polyvinylidenfluorid, einem Gewebestoff und/oder einem Gel gebildet sein.
Die mindestens eine Kapillarstruktur 18 kann insbesondere als Glasfilter ausgebildet
sein. Die Ausbildbarkeit der mindestens einen Kapillarstruktur 18 ist jedoch nicht
auf die hier aufgezählten Materialien limitiert. Beispielsweise kann die mindestens
eine Kapillarstruktur 18 auch aus einem Revolvermaterial des Revolverbauteils 10 ausgebildet
sein. Obwohl es aufgrund der einfachen Ausstattung des Revolverbauteils 10 mit der
mindestens einen Kapillarstruktur 18 vorteilhaft ist, das Revolvermaterial auch als
Kapillarmaterial zu verwenden, ist die Herstellbarkeit der mindestens einen Kapillarstruktur
jedoch nicht auf das einstückige Ausbilden der mindestens einen Kapillarstruktur 18
mit dem Revolverbauteil 10 mittels eines Gussverfahrens oder eines Spritzgussverfahrens
beschränkt. Anstelle einer einstückigen Ausbildung der mindestens einen Kapillarstruktur
18 mit dem Revolverbauteil 10 kann das Revolverbauteil 10 auch zuerst ohne die mindestens
eine Kapillarstruktur 18 geformt werden und anschließend mit der mindestens einen
Kapillarstruktur 18 bestückt werden.
[0029] Des Weiteren kann die mindestens eine Kapillarstruktur 18 auch eine kontinuierliche,
diskontinuierliche und/oder definierte Geometrie aufweisen. Somit kann die mindestens
eine Kapillarstruktur 18 beispielsweise einen runden Kanalquerschnitt, einen viereckigen
Kanalquerschnitt und/oder einen mehreckigen Kanalquerschnitt aufweisen. Die mindestens
eine Kapillarstruktur 18 kann einzeln oder als Bündel eingesetzt werden. Anstelle
einer einzelnen Kapillarstruktur 18 oder einer definierten Anzahl von Kapillarstrukturen
18 kann das Revolverbauteil auch ein Kapillarsystem aus flies-, filter-, säulen- und
schwammartigen Kapillarstrukturen 18 haben.
[0030] Das Revolverbauteil 10 kann trotz seiner vorteilhaften Einsetzbarkeit mittels eines
Gussverfahrens oder eines Spritzgussverfahrens einstückig hergestellt sein. Das Revolverbauteil
10 ist somit kostengünstig herstellbar. Das Innenvolumen des Revolverbauteils 10/des
Reagenzgefäß-Einsetzteils kann zumindest teilweise aus einem Polymer, z.B. aus COP,
COC, PC, PA, PU, PP, PET und/oder PMMA, sein. Auch weitere Materialien sind zum Bilden
des Innenvolumens des Revolverbauteils 10/des Reagenzgefäß-Einsetzteils geeignet.
[0031] In einer vorteilhaften Weiterbildung ist die mindestens eine Kapillarstruktur 18
an ihrer mindestens einen Innenwand 22 mit Proteinen, Antigenen, Antikörpern, Enzymen,
DNA-Teilsträngen, RNA-Teilsträngen und/oder Epoxidharz beschichtet. Man kann dies
auch als eine Immobilisierung der mindestens einen Innenwand 22 der mindestens einen
Kapillarstruktur 18 mit biologischen Sonden umschreiben. Somit können während eines
Einsetzens der mindestens einen Kapillarstruktur 18 zum Transferieren/Transportieren,
Zwischenspeichern, Speichern, Zurückhalten und/oder Mischen der mindestens einen Flüssigkeit
16 biochemische/molekularbiologische Reaktionen, wie insbesondere spezifische Protein-
und/oder DNA-Bindungen, enzymatische Umsetzungen und/oder DNA-Hybridisierungen durchgeführt
werden. Außerdem können während der hier beschriebenen Vorgänge unspezifische Bindungen
unterbunden werden. Dies erweitert die Einsetzbarkeit der mindestens einen Kapillarstruktur
18.
[0032] Des Weiteren kann die mindestens eine Innenwand 22 der mindestens einen Kapillarstruktur
18 auch so beschichtet/modifiziert sein, dass ihre Benetzungseigenschaften und/oder
ihr Kontaktwinkel eine besonders hohe Kapillarkraft auf die mindestens eine Flüssigkeit
16 bewirken. Beispielsweise kann die mindestens eine Innenwand 22 der mindestens einen
Kapillarstruktur 18 aufgrund ihrer Beschichtung/Modifizierung stark hydrophil sein.
Insbesondere kann dazu die mindestens eine Innenwand 22 der mindestens einen Kapillarstruktur
18 eine vergleichsweise hohe Rauigkeit aufweisen.
[0033] Vorzugsweise ist die mittels der mindestens einen Kapillarstruktur 18 (auf die mindestens
eine Flüssigkeit 16) ausübbare Kapillarkraft größer als eine Gewichtskraft der mindestens
einen in die mindestens eine Gefäßstruktur 14 einfüllbaren oder eingefüllten Flüssigkeit
16. Die mindestens eine zumindest teilweise in die mindestens eine Kapillarstruktur
18 eingesaugte Flüssigkeit 16 kann mittels einer bei einem Betrieb der Zentrifuge,
in deren Rotoreinrichtung das Reagenzgefäß mit dem darin eingesetzten Revolverbauteil
10 angeordnet ist, bewirkbaren Zentrifugalkraft und/oder mittels einer bei einem Betrieb
der Druckvariiervorrichtung in welcher das Reagenzgefäß mit dem darin eingesetzten
Revolverbauteil 10 angeordnet ist, bewirkbaren Druckkraft aus der mindestens einen
Kapillarstruktur 18 heraus transferierbar sein. Beispielsweise kann die Kapillarkraft,
welche mittels der mindestens einen Kapillarstruktur 18 auf die mindestens eine Flüssigkeit
16 ausübbar ist, einer Zentrifugalbeschleunigung von höchstens 1000 g, höchstens 500
g, insbesondere höchstens 200 g, entsprechen. Somit kann mittels eines Zentrifugierens
des Revolverbauteils 10 mit einer Beschleunigung von 1000 g, 500 g, insbesondere 200
g, die in die mindestens eine Kapillarstruktur 18 eingesaugte mindestens eine Flüssigkeit
16 auf einfache Weise wieder herausgepresst werden. Damit kann die in der mindestens
einen Kapillarstruktur 18 zwischengespeicherte mindestens eine Flüssigkeit 16 auf
einfache Weise wieder aus dieser heraustransferiert werden.
[0034] Bei der Ausführungsform der Fig. 1a und 1b ist die mindestens eine Kapillarstruktur
18 als gebogene Kapillare ausgebildet. Die mindestens eine Kapillarstruktur 18 weist
eine Ansaugöffnung 24 und eine Austrittsöffnung 26 auf, wobei die Austrittsöffnung
26 in Bezug zu einer Wirkrichtung 28 einer mittels einer Zentrifuge bewirkbaren Zentrifugalkraft
und/oder einer mittels einer Druckvariiervorrichtung bewirkbaren Druckkraft zurückversetzt
ist. Sofern keine Zentrifugalkraft und/oder keine Druckkraft größer als der Kapillarkraft
auf die in die mindestens eine Kapillarstruktur 18 eingesaugte Flüssigkeit 16 ausgeübt
wird, ist das Innenvolumen 20 der mindestens einen Kapillarstruktur 18 mit der mindestens
einen Flüssigkeit 16 befüllt. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die mindestens
eine Kapillarstruktur 18 ein Ansaugen der mindestens einen Flüssigkeit 16 entgegen
einer Wirkrichtung 28 der mittels einer Zentrifuge bewirkbaren Zentrifugalkraft und/oder
der mittels einer Druckvariiervorrichtung bewirkbaren Druckkraft ermöglicht. So lange
die als Zentrifugalkraft und/oder Druckkraft bewirkbare Aktuationskraft kleiner als
die Kapillarkraft ist, ist die mindestens eine Flüssigkeit 16 verlässlich in die mindestens
eine Kapillarstruktur 18 einsaugbar. Übersteigt die auf die in dem Innenvolumen 20
eingefüllte Flüssigkeit 16 ausgeübte Zentrifugalkraft und/oder Druckkraft hingegen
die Kapillarkraft der mindestens einen Kapillarstruktur 18, so bewirkt die vorteilhafte
Form der mindestens einen Kapillarstruktur 18 einen ersten Flüssigkeitsfluss 30 einer
ersten Flüssigkeitsmenge, welche aus der jeweiligen Ansaugöffnung 24 der mindestens
einen Kapillarstruktur 18 herausgepresst wird, und einen zweiten Flüssigkeitsfluss
32 einer zweiten Flüssigkeitsmenge, welche die mindestens eine Kapillarstruktur 18
durch die jeweilige Austrittsöffnung 26 verlässt. Die erste Flüssigkeitsmenge entspricht
dabei einem ersten Teilvolumen der mindestens einen Kapillarstruktur 18, welches sich
von der jeweiligen Ansaugöffnung 24 zu einer (virtuellen) Trennebene 34 erstreckt.
Die jeweilige Trennebene 34 schneidet die zugehörige Kapillarstruktur 18 an einem
der Wirkrichtung 28 am weitesten entgegen gerichteten Punkt 36, welcher auch als ein
Hochpunkt der jeweiligen Kapillarstruktur 18 umschreibbar ist. Die zweite Flüssigkeitsmenge
ist definiert durch ein zweites Teilvolumen der mindestens einen Kapillarstruktur
18, welches sich von der jeweiligen Austrittsöffnung 26 zu der Trennebene 34 erstreckt.
Das erste Teilvolumen und das zweite Teilvolumen können gemeinsam das Innenvolumen
20 der mindestens einen Kapillarstruktur 18 ergeben.
[0035] Wie anhand von Fig. 1b erkennbar ist, kann die hier beschriebene Ausführungsform
der mindestens einen Kapillarstruktur 18, sofern die aus der Austrittsöffnung 26 fließende
zweite Flüssigkeitsmenge wieder in ein gemeinsames Gefäß mit der aus der Ansaugöffnung
24 austretenden ersten Flüssigkeitsmenge eingeleitet wird, als Mischer genutzt werden.
Es wird insbesondere darauf hingewiesen, dass die mindestens eine vorteilhafte Kapillarstruktur
18 ein passives Mischen der mindestens einen Flüssigkeit 16 auch ohne ein mechanisches/verstellbares
Element, bzw. ohne ein bewegliches Teil, ermöglicht.
[0036] Sofern die aus der Ansaugöffnung 24 austretende erste Flüssigkeit in ein (nicht skizziertes)
erstes Teilgefäß geleitet wird, während die aus der Austrittsöffnung 26 austretende
zweite Flüssigkeitsmenge in ein (nichtdargestelltes) zweites Teilgefäß fließt, kann
die mindestens eine Kapillarstruktur 18 auch zum Abmessen einer definierten Flüssigkeitsmenge
und zum Transportieren der definierten Flüssigkeitsmenge in ein gewünschtes Zielvolumen
genutzt werden. Da sich das Volumen und/oder die Form der mindestens einen Kapillarstruktur
die erste Flüssigkeitsmenge und die zweite Flüssigkeitsmenge genau festlegen lassen,
können somit mittels der anhand der Fig. 1a und 1b dargestellten Ausführungsform Flüssigkeitsvolumina
(genau) abgemessen und falls gewünscht in separate Kammern geleitet werden. In einer
Weiterbildung kann die als Steigkapillare ausgebildete mindestens eine Kapillarstruktur
18 auch mehrere Auslässe aufweisen, um parallel mehrere Teilvolumina abzumessen. (Mittels
einer derartigen Steigkapillare kann auch eine Mischeffizienz gesteigert werden).
[0037] In dem Revolverbauteil 10/einem damit ausgestatteten Reagenzgefäß-Einsetzteil können
zusätzlich noch mindestens ein Kanal, mindestens eine Kavität und/oder mindestens
eine Reaktionskammer ausgebildet sein. In dem Innenvolumen des Revolverbauteils 10/des
Reagenzgefäß-Einsetzteils können Prozessschritte und Strukturen integriert sein, wie
beispielsweise Sedimentationsstrukturen, Kanalstrukturen oder Siphonstrukturen zum
Weiterleiten und Schalten von mindestens einer in dem Revolverbauteil 10/dem Reagenzgefäß-Einsetzteil
enthaltenen Flüssigkeit. Insbesondere kann mindestens eine weitere Untereinheit des
Innenvolumens des Revolverbauteils 10/des Reagenzgefäß-Einsetzteils als "Vorratsbehälter"
mit mindestens einer Flüssigkeit gefüllt sein, welche mit einem nachträglich eingefüllten,
zu verarbeitenden und/oder zu untersuchenden Material/Probenmaterial mindestens eine
chemische Reaktion und/oder einen biochemischen/molekularbiologischen Prozess ausführt.
Der mindestens eine "Vorratsbehälter" kann z.B. mit Chemikalien (z.B. Puffern), Enzymen,
Lyphilisaten, Beads, Farbstoffen, Antikörpern, Antigenen, Rezeptoren, Proteinen, DNA-Strängen
und/oder RNA-Strängen gefüllt sein. Das Revolverbauteil 10/das Reagenzgefäß-Einsetzteil
können auch mit zusätzlichen Komponenten, wie beispielsweise Ventilen und/oder Pumpen,
ausgestattet sein. Außerdem kann die erfindungsgemäße Technologie auch mit einer Vielzahl
von herkömmlichen Aktuations-, Detektions- und/oder Steuereinheiten zusammenwirken.
[0038] Fig. 2a bis 2c zeigen schematische Darstellungen einer zweiten Ausführungsform des
Revolverbauteils.
[0039] Das in den Fig. 2a bis 2c (zumindest teilweise) schematisch dargestellte Revolverbauteil
10 weist anstelle einer begrenzten Anzahl von Kapillarstrukturen ein Kapillarsystem
40 auf, in welchem eine Vielzahl von Kapillarstrukturen ausgebildet ist. Das Kapillarsystem
40 kann beispielsweise als Filter ausgebildet sein. Fig. 2a zeigt das Revolverbauteil
10 unmittelbar nach einem Einfüllen der mindestens einen Flüssigkeit 16 durch eine
Einfüllöffnung 42 der mindestens einen Gefäßstruktur 14 des Revolverbauteils 10. Dabei
kontaktiert die mindestens eine Flüssigkeit 16 das Kapillarsystem 40, welches eine
in der jeweiligen Gefäßstruktur 14 ausgebildete Kammer 44 von der Einfüllöffnung 42
abgrenzt. Die mindestens eine Flüssigkeit 16 wird anschließend in das Kapillarsystem
40 eingesaugt, wobei die Kapillarkraft ein Austreten der mindestens einen Flüssigkeit
16 in die Kammer 44 (trotz einer Gewichtskraft der mindestens einen Flüssigkeit 16)
unterbindet (siehe Fig. 2b). Die mindestens eine Flüssigkeit 16 ist somit inkubierbar,
wobei das Kapillarsystem 40 als Inkubationskammer/Reaktionskammer nutzbar ist. Es
wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die mittels des Kapillarsystems 40 ausübbare
Kapillarkraft größer als die Gewichtskraft der mindestens einen eingesaugten Flüssigkeit
16 sein kann. Außerdem kann die bewirkbare Kapillarkraft größer als eine Zentrifugalkraft
und/oder Druckkraft unter einem vorgegebenen Schwellwert sein. Somit können mittels
des Kapillarsystems 40 Inkubationszeiten eingehalten werden, welche wahlweise eine
Dauer von wenigen Millisekunden bis Minuten oder Stunden haben können. Erst eine Aktuationskraft
Fa, welche größer als die mittels des Kapillarsystems 40 auf die mindestens eine eingesaugte
Flüssigkeit 16 bewirkbare Kapillarkraft ist, führt zu einem Austreten der mindestens
einen Flüssigkeit 16 aus dem Kapillarsystem 40, wodurch die mindestens eine Flüssigkeit
16 in die Kammer 44 transferiert wird (Fig. 2c).
[0040] Das Kapillarsystem 40 ermöglicht somit ein sequenziellen (wahlweises) Schalten eines
Flüssigkeitsstroms, welcher von der Einfüllöffnung 42 in die Kammer 44 gerichtet ist.
Dabei kann die mindestens eine Flüssigkeit für eine festlegbare/definierte Haltezeit,
welche in einem Bereich von wenigen Millisekunden bis Stunden liegen kann, in dem
Kapillarsystem 40 zwischengespeichert werden. Der Speichermechanismus des Kapillarsystems
ist ohne einen mechanischen Öffnungs- oder Verschlussmechanismus nutzbar. Deshalb
ist das Kapillarsystem 40 aufgrund seiner kostengünstigen Herstellbarkeit eine vorteilhafte
Alternative zu einem mechanischen Öffnungs- oder Verschlussmechanismus. Des Weiteren
kann das Kapillarsystem 40 auch als Druck- und/oder Flussdrossel mit erhöhtem fluidischenen
Widerstand eingesetzt werden.
[0041] Fig. 3a und 3b zeigen schematische Darstellungen einer dritten Ausführungsform des
Revolverbauteils.
[0042] Das in Fig. 3a und 3b (zumindest teilweise) schematisch wiedergegebene Revolverbauteil
10 wird nach einem Einsaugen der mindestens einen ersten Flüssigkeit 16 in das Kapillarsystem
40 durch die mindestens eine Befüllöffnung 42 mit mindestens einer zweiten Flüssigkeit
46 befüllt. Durch den erhöhten hydrostatischen Druck, welcher mittels der mindestens
einen zweiten Flüssigkeit 46 auf die mindestens eine erste Flüssigkeit 16 ausgeübt
wird, kann die mindestens eine erste Flüssigkeit 16 aus dem Kapillarsystem 40 verdrängt
werden, welches mit der mindestens einen zweiten Flüssigkeit 46 befüllt wird. Wahlweise
kann zum Verdrängen der mindestens einen ersten Flüssigkeit 16 aus dem Kapillarsystem
40 eine (vergleichsweise kleine) Zentrifugalkraft/Druckkraft unterstützend eingesetzt
werden.
[0043] Bevorzugter Weise wird die mindestens eine zweite Flüssigkeit 46 so gewählt, dass
die mittels des Kapillarsystems 40 darauf ausübbare Kapillarkraft größer als die vergleichsweise
kleine Zentrifugalkraft/Druckkraft ist. Somit kann ein Eindringen der mindestens einen
zweiten Flüssigkeit 46 in die Kammer 44, in welche die mindestens eine erste Flüssigkeit
16 eingefüllt ist, verhindert werden.
[0044] Fig. 4a bis 4c zeigen schematische Darstellungen einer vierten Ausführungsform des
Revolverbauteils.
[0045] Das in Fig. 4a bis 4c (zumindest teilweise) schematisch dargestellte Revolverbauteil
10 weist zumindest eine Gefäßstruktur 14 auf, welche jeweils mindestens eine erste
Kammer 50 mit einer Befüll- und/oder Druckausgleichöffnung 52 und eine zweite Kammer
54 umfasst, wobei die zweite Kammer 54 bis auf eine Flüssigkeitsaustauschöffnung 56,
über welche sie mit der ersten Kammer 50 hydraulisch verbunden ist, luft- und/oder
flüssigkeitsdicht abgeschlossen ist. Die mindestens eine Kapillarstruktur 18 ist in
einem als schwammartige Masse ausgebildeten Kapillarsystem 40 ausgeformt, welches
in der zweiten Kammer 54 angeordnet ist. Fig. 4a zeigt das Revolverbauteil 10 unmittelbar
nach einem Einfüllen der mindestens einen Flüssigkeit 16, beispielsweise durch die
Füll- und/oder Druckausgleichöffnung 52. Die mindestens eine Flüssigkeit 16 wird nach
ihrem Einfüllen relativ schnell von dem Kapillarsystem 40 aufgesaugt. Dies kann zu
einem (nahezu) vollständigen Befüllen der zweiten Kammer 54 führen. Beispielsweise
kann auf diese Weise die erste Kammer 50 (nahezu) vollständig entleert werden.
[0046] Bevorzugter Weise ist das Revolverbauteil 10 so (in einem Reaktionsgefäß) einsetzbar,
dass die Flüssigkeitsaustauschöffnung 56 während eines Betriebs der Zentrifuge/der
Druckvariiervorrichtung einen in Richtung der Aktuationskraft Fa ausgerichteten Teilbereich
der ersten Kammer 50 mit einem in Richtung der Aktuationskraft Fa ausgerichteten Teilbereich
der zweiten Kammer 54 verbindet. Der im Weiteren beschriebene Vorteil ist auch gewährleistet,
sofern die erste Kammer 50 gegenüber der zweiten Kammer 55 in Richtung der Aktuationskraft
Fa ausgerichtet ist. (Unter einer Ausrichtung eines Teilbereichs in Richtung der Aktuationskraft
Fa kann verstanden werden, dass der Teilbereich gegenüber einem Restbereich der zugehörigen
Kammer 50 oder 54 zu der Spitze eines die Aktuationskraft Fa wiedergebenden Vektors
ausgerichtet ist. Bei einer Ausrichtung der ersten Kammer 50 gegenüber der zweiten
Kammer 54 in Richtung der Aktuationskraft Fa verläuft der die Aktuationskraft Fa wiedergebende
Vektor von der zweiten Kammer 54 zu der ersten Kammer 50.) Sofern die Flüssigkeitsaustauschöffnung
56 während eines Betriebs der Zentrifuge/der Druckvariiervorrichtung einen in Richtung
der Aktuationskraft Fa ausgerichteten Teilbereich der ersten Kammer 50 mit einem in
Richtung der Aktuationskraft Fa ausgerichteten Teilbereich der zweiten Kammer 54 verbindet,
kann das Befüllen des Kapillarsystems 40, so lange eine Flüssigkeitssäule in der ersten
Kammer 50 höher als eine Flüssigkeitssäule in der zweiten Kammer 54 ist, mittels der
Aktuationskraft Fa aktiv unterstützt werden. Nach dem Befüllen des Kapillarsystems
40/der zweiten Kammer 54, bewirkt jedoch eine anliegende Aktuationskraft Fa kleiner
als eine Kapillarkraft Fk keine Störung der Zwischenspeicherung der in dem Kapillarsystem
40 aufgenommen Flüssigkeit 16. Wie anhand von Fig. 4b zu erkennen ist, bewirkt auch
eine Aktuationskraft Fa kleiner als der Kapillarkraft Fk des Kapillarsystems 40, welche
mittels eines Betriebs einer Zentrifuge und/oder einer Druckvariiervorrichtung auf
die in das Kapillarsystem 40 eingesaugte mindestens eine Flüssigkeit 16 ausübbar ist,
kein Entleeren des Kapillarsystems 40. Erst ab einer Aktuationskraft Fa größer als
der Kapillarkraft Fk wird die zuvor von dem Kapillarsystem 40 eingesaugte mindestens
eine Flüssigkeit 16 herausgeschleudert (siehe Fig. 4c). Auf diese Weise können mittels
der Wechselwirkung der Kräfte Fa und Fk fluidische Einheitsoperationen realisiert
werden.
[0047] So lange die Aktuationskraft Fa kleiner als die Kapillarkraft Fk des Kapillarsystems
40 ist, kann das Kapillarsystem 40 als ein in einen geschlossenen Zustand gesteuertes
Ventil eingesetzt werden. Mittels eines Einstellens einer Aktuationskraft Fa größer
als der Kapillarkraft Fk kann das Ventil in seinen offenen Zustand gesteuert werden.
Ein erneutes Reduzieren der Aktuationskraft Fa unter die Kapillarkraft Fk kann zu
einem (reversiblen) Steuern/Schalten des Ventils in seinen geschlossenen Zustand führen.
[0048] Es wird darauf hingewiesen, dass der Schwellwert, ab welchem das Ventil von einem
geschlossenen Zustand in einen offenen Zustand steuerbar ist, wahlweise vergleichsweise
niedrig oder vergleichsweise hoch einstellbar ist. Beispielsweise kann mittels eines
schwammartigen Kapillarsystems 40 ein Schwellwert von 20 g eingestellt werden. Durch
ein Aufbringen einer Beschichtung/Modifizierung auf den Innenwänden des Kapillarsystems
40 kann dieser Schwellwert bis auf 5000 g gesteigert werden.
[0049] Fig. 5a bis 5c zeigen schematische Darstellungen einer fünften Ausführungsform des
Revolverbauteils.
[0050] Das in Fig. 5a bis 5c (zumindest) teilweise schematisch dargestellte Revolverbauteil
10 weist als Weiterbildung gegenüber der vorhergehenden Ausführungsform eine zusätzliche
dritte Kammer 58 auf, welche bis auf eine Flüssigkeitsaustauschöffnung 60, über welche
die dritte Kammer 58 mit der ersten Kammer 50 hydraulisch verbunden ist, luft- und/oder
flüssigkeitsdicht abgeschlossen ist. In der dritten Kammer 58 ist außerdem ein weiteres
Kapillarsystem 40, welches gemäß dem oben beschriebenen Ausführungsbeispielen ausgebildet
sein kann, angeordnet. Als weitere Ergänzung weist das hier beschriebene Revolverbauteil
10 eine Hindernisstruktur 62 auf, welche zwischen der Befüll- und/oder Druckausgleichöffnung
52 und den beiden Flüssigkeitsaustauschöffnungen 56 und 60 angeordnet ist. Die Hindernisstruktur
62 kann beispielsweise als Sieb ausgebildet sein.
[0051] Nach einem Einfüllen mindestens einer Flüssigkeit 16 in die erste Kammer 50 durch
die Befüll- und Druckausgleichöffnung 52 (siehe Fig. 5a) wird die mindestens eine
Flüssigkeit 16 in die beiden Kapillarsysteme 40 eingesaugt. Sofern keine Aktuationskraft
Fa auf die mindestens eine Flüssigkeit 16 ausgeübt wird, welche größer als die Kapillarkraft
Fk der Kapillarsysteme 40 ist, wird der in Fig. 5b schematisch wiedergegebene Ansaugvorgang
64 ununterbrochen ausgeführt und die mindestens eine eingesaugte Flüssigkeit 16 bleibt
in den beiden Kapillarsystemen 40 gespeichert. Übersteigt die auf die mindestens eine
eingesaugte Flüssigkeit 16 ausgeübte Aktuationskraft Fa jedoch die Kapillarkraft Fk
der beiden Kapillarsysteme, so wird die mindestens eine Flüssigkeit 16 aus den Kapillarsystemen
40 in die erste Kammer 50 herausgeschleudert. Der auf diese Weise bewirkte Flüssigkeitsstrom
66 umströmt die Hindernisstruktur 62. Dies steigert eine Mischeffizienz des anhand
der Fig. 5c dargestellten Vorgangs. Das anhand der Fig. 5b und 5c dargestellte Variieren
der Aktuationskraft Fa um die Kapillarkraft Fk kann periodisch wiederholt werden.
Auf diese Weise ist ein verlässliches Mischen der mindestens einen Flüssigkeit 16
auf einfache Weise ausführbar.
[0052] Da das mindestens eine Kapillarsystem 40 in einer Kammer 54 und 58 angeordnet ist,
bei welcher eine entgegen der Aktuationskraft Fa ausgerichtete/radial außen liegende
Kammerwand keine Öffnung aufweist, kann das Kapillarsystem 40 verlässlich als Langzeitspeicher
der mindestens einen Flüssigkeit 16 genutzt werden. Dies kann beispielsweise bei einem
Beladen des Revolverbauteils 10 mit unterschiedlichen Flüssigkeiten genutzt werden.
Beispielsweise kann eine Probe in der zweiten Kammer 54 eingesaugt werden, während
die restliche Prozessflüssigkeit als eine Abfallflüssigkeit in der dritten Kammer
58 eingelagert wird. Da Prozessflüssigkeiten in der Regel hochbenetzend sind, kann
eine Kontamination der Probe verlässlich vermieden werden, indem ein Rückfluss der
Abfallflüssigkeit aus der Kammer 58 durch das Ansaugen der Abfallflüssigkeit in das
darin angeordnete Kapillarsystem 40 verhindert wird. Das Kapillarsystem 40 der Kammer
58 fungiert deshalb ähnlich eines Saugschwammes oder eines Superabsorbers.
[0053] In einer weiteren Ausführungsform kann das Kapillarsystem 40 elastisch ausgelegt
werden. Beispielsweise kann das Kapillarsystem 40 komprimierbar sein. In diesem Fall
kann mittels einer Aktuationskraft Fa über einem Schwellwert die mindestens eine angesaugte
Flüssigkeit 16 mittels eines Deformierens/Komprimierens des mindestens einen Kapillarsystems
40 nicht nur aus diesem herausgeschleudert werden, sondern auch aktiv ausgepresst
werden. Dieser Effekt ist verstärkbar, indem an einem der Richtung der Aktuationskraft
Fa entgegenliegenden Ende/radial innen liegenden Ende des Kapillarsystems 40 mindestens
eine zusätzliche Masse angebracht wird. Als Alternative oder als Ergänzung dazu kann
das Auspressen der von dem mindestens einen Kapillarsystem 40 angesaugten Flüssigkeit
16 auch aktiv durch eine zusätzliche Integration weiterer Aktuatoren oder Aktuationsmechanismen
erfolgen, welche beispielsweise magnetisch, elektromagnetisch, elektrostatisch, piezoelektrisch,
pneumatisch und/oder hydraulisch ausgelegt sind. Bei einer derartigen Ausstattung
des Kapillarsystems 40 mit einer zusätzlichen Masse, einem zusätzlichen Aktuator und/oder
einem weiteren Aktuationsmechanismus kann die mindestens eine Flüssigkeit 16 auch
bei einer Aktuationskraft Fa kleiner als der Kapillarkraft Fk aus dem mindestens einem
Kapillarsystem 40 heraus transferiert werden.
[0054] Durch das periodische Beladen und Ausschleudern und/oder Auspressen des Kapillarsystems
40 und dem daraus resultierenden Flüssigkeitsstrom 66 können mindestens zwei Flüssigkeiten
16 gemischt werden. Durch die mindestens eine Hindernisstruktur 62 kann die Mischeffizienz
zusätzlich gesteigert werden. Es wird darauf hingewiesen, dass die mindestens eine
Hindernisstruktur 62 sowohl ortsfest im Revolverbauteil 14 als auch beweglich ausgelegt
sein kann.
[0055] Fig. 6 zeigt eine schematische Darstellung einer Ausführungsform des Reagenzgefäß-Einsetzteils.
[0056] Das in Fig. 6 schematisch dargestellte Reagenzgefäß-Einsetzteil 70 weist ein Einsetzteilgehäuse
72 auf, welches so ausgebildet ist, dass das Reagenzgefäß-Einsetzteil 70 in einem
Reagenzgefäß für eine Zentrifuge und/oder für eine Druckvariiervorrichtung einsetzbar
ist. Die Einsetzbarkeit des Reagenzgefäß-Einsetzteils 70 in das betreffende Reagenzgefäß
für eine Zentrifuge und/oder eine Druckvariiervorrichtung kann so interpretiert werden,
dass eine Außenwand 74 des Einsetzteilgehäuses 72 zu einer Innenwand des Reagenzgefäßes
korrespondiert. Vorzugsweise kontaktiert die Außenwand 74 des Einsetzteilgehäuses
72 die Innenwand des Reagenzgefäßes derart, dass auch während eines Betriebs der Zentrifuge
und/oder der Druckvariiervorrichtung ein verlässlicher Halt des Reagenzgefäß-Einsetzteils
70 in dem betreffenden Reagenzgefäß gewährleistet ist. Bezüglich des Reagenzgefäßes,
in welches das Reagenzgefäß-Einsetzteil 70 einsetzbar ist, wird auf die oben aufgezählten
Ausführungsbeispiele verwiesen. Das mit dem Reagenzgefäß-Einsetzteil 70 zusammenwirkende
Reagenzgefäß ist jedoch nicht auf diese limitiert.
[0057] Außerdem umfasst das Reagenzgefäß-Einsetzteil 70 mindestens ein in dem Einsetzteilgehäuse
72 angeordnetes Revolverbauteil 10a, 10b und 10c. Das mindestens eine Revolverbauteil
10a, 10b und 10c ist so ausgelegt dass es um die Drehachse 11 verdrehbar ist. Außerdem
ist mindestens eine Revolverbauteil 10a, 10b und 10c auch entlang der Drehachse 11
(lateral) verstellbar. Auf diese Weise kann ein Abstand zwischen benachbarten Revolverbauteilen
10a, 10b und 10c variiert werden. Bezüglich der weiteren Ausführbarkeit des mindestens
einen Revolverbauteils 10a, 10b und 10c wird auf die oberen Beschreibungen verwiesen.
[0058] Die laterale Verstellbarkeit des mindestens einen Revolverbauteils 10a, 10b und 10c
ist beispielsweise mittels einer Kugelschreibermechanik 76, welche in Fig. 6 lediglich
schematisch dargestellt ist, bewirkbar. (Komponenten der Kugelschreibermechanik können
beispielsweise als Bestandteil des ersten Revolverbauteils 10a und/oder des zweiten
Revolverbauteils 10b ausgebildet sein.) Anstelle der Kugelschreibermechanik 76 kann
auch ein deformierbarer Polymer/Elastomer dazu genutzt werden, eine Rückstellkraft
bereit zu stellen, welche ein Zurückkehren des mindestens einen Revolverbauteils 10a,
10b und 10c in eine vorgegebene Ausgangsstellung/Ausgangsstellung bewirkt. Ebenso
kann ein komprimierbares Material, wie beispielsweise ein Polymer, zu diesem Zweck
genutzt werden. Anstelle eines komprimierbaren Materials kann auch ein dehnbares Material
eingesetzt werden, welches eine Zugkraft erzeugt, die als Rückstellkraft ein Zurückverstellen
des mindestens einen Revolverbauteils 10a, 10b und 10c in eine Ausgangsstellung/Ausgangsposition
bewirkt.
[0059] Die in den oberen Absätzen beschriebenen Ausführungsformen können auch verschieden
untereinander kombiniert werden.
[0060] Außerdem gelten die in den oberen Absätzen gemachten Ausführungen zu einem Reagenzgefäß-Einsetzteil
gemäß der erfindungsgemäßen Technologie auch für ein Reagenzgefäß für eine Zentrifuge
und/oder eine Druckvariiervorrichtung, welches entsprechend den erläuterten Reagenzgefäß-Einsetzteilen
ausgebildet ist. Das vorteilhafte Reagenzgefäß weist eine Außenwand auf, welche so
ausgebildet ist, dass das Reagenzgefäß in einer Zentrifuge und/oder in einer Druckvariiervorrichtung
einsetzbar ist. Insbesondere ist das Reagenzgefäß so ausgebildet, dass ein verlässlicher
Halt des Reagenzgefäßes in der betriebenen Zentrifuge und/oder in der betriebenen
Druckvariiervorrichtung gewährleistet ist. Unter einem Reagenzgefäß für eine Zentrifuge
und/oder eine Druckvariiervorrichtung kann somit ein Reagenzgefäß verstanden werden,
welches sich aufgrund seiner (äußeren) Form gut für einen Betrieb der Zentrifuge mit
einer vergleichsweise großen Drehzahl und/oder für ein Anlegen eines stark von dem
Atmosphärendruck abweichenden Über- und/oder Unterdrucks mittels der Druckvariiervorrichtung
eignet. Das vorteilhafte Reagenzgefäß kann Gefäßstrukturen, wie beispielsweise Kanäle,
Reaktionskammern, Speicherkammern und/oder aktive Komponenten, wie z.B. Ventile und/oder
Pumpen aufweisen. Außerdem kann das Reaktionsgefäß Aktuations-, Detektions- und Steuereinheiten
umfassen. In dem Reagenzgefäß können somit chemische Reaktionen und/oder biochemische/molekularbiologische
Prozesse voll automatisiert ablaufen.
[0061] Fig. 7 zeigt ein Flussdiagramm zum Erläutern einer Ausführungsform des Verfahrens
zum Zentrifugieren eines Materials.
[0062] In einem Verfahrensschritt S1 wird das zu zentrifugierenden Material in ein Reagenzgefäß
mit einem darin eingesetzten Revolverbauteil eingefüllt. Das Revolverbauteil, welches
auch nach dem Einfüllen des Materials in das Reagenzgefäß eingebracht werden kann,
ist mit der vorteilhaften Technologie ausgestattet. Insbesondere die oben beschriebenen
Revolverbauteile können zum Ausführen des Verfahrens verwendet werden. Die Ausführbarkeit
des hier beschriebenen Verfahrens ist jedoch nicht auf das Einsetzen dieser Revolverbauteile
limitiert.
[0063] In einem Verfahrensschritt S2 wird eine Zentrifuge mit einer aktuellen Drehgeschwindigkeit
entsprechend einer ersten Soll-Drehgeschwindigkeit betrieben, welche eine erste Zentrifugalkraft
auf das zu zentrifugierende Material und/oder eine andere in das Reagenzgefäß eingefüllte
Flüssigkeit bewirkt, welche größer als die Kapillarkraft der mindestens einen Kapillarstruktur
ist. Dadurch werden das zu zentrifugierende Material und/oder die andere Flüssigkeit
zumindest teilweise aus der mindestens einen Kapillarstruktur heraus transferiert.
[0064] Bevorzugter Weise umfasst das Verfahren auch noch die Verfahrensschritte S2 und S3,
welche jeweils mindestens einmal ausgeführt werden. In dem Verfahrensschritt S2 erfolgt
ein zwischenzeitliches Reduzieren der aktuellen Drehgeschwindigkeit auf eine zweite
Soll-Drehgeschwindigkeit, welche eine zweite Zentrifugalkraft kleiner als die Kapillarkraft
der mindestens einen Kapillarstruktur bewirkt, wodurch das zu zentrifugierende Material
und/oder die andere Flüssigkeit zumindest teilweise in die mindestens eine Kapillarstruktur
eingesaugt werden. In dem anschließenden Verfahrensschritt S3 wird die aktuelle Drehgeschwindigkeit
auf eine dritte Soll-Drehgeschwindigkeit, welche eine dritte Zentrifugalkraft größer
als die Kapillarkraft der mindestens einen Kapillarstruktur bewirkt, erhöht.
[0065] Insbesondere ein wiederholten Ausführen der Verfahrensschritte S2 und S3 kann zum
Mischen mehrerer Flüssigkeiten und/oder zum Pumpen von Flüssigkeit entgegen der Zentrifugalkraft
genutzt werden.
[0066] Fig. 8 zeigt ein Flussdiagramm zum Erläutern einer Ausführungsform des Verfahrens
zum Druckbehandeln eines Materials.
[0067] Das mittels eines Unter- oder eines Überdrucks zu behandelnde Material, beispielsweise
ein Probenmaterial, wird in ein Reagenzgefäß mit einem darin eingesetzten Revolverbauteil
eingefüllt (Verfahrensschritt S10). Beispielsweise können die oben beschriebenen Revolverbauteile
zum Ausführen des Verfahrens verwendet werden. Die Ausführbarkeit des hier beschriebenen
Verfahrens ist jedoch nicht auf das Einsetzen dieser Revolverbauteile limitiert.
[0068] In einem Verfahrensschritt S11 wird ein Unter- oder Überdruck entsprechend einem
ersten Soll-Druck angelegt, welcher eine erste Druckkraft auf das Material und/oder
eine andere in das Reagenzgefäß eingefüllte Flüssigkeit bewirkt, die größer als die
Kapillarkraft der mindestens einen Kapillarstruktur ist. Auf diese Weise werden das
Material und/oder die andere Flüssigkeit zumindest teilweise aus der mindestens einen
Kapillarstruktur heraus transferiert.
[0069] In einer vorteilhaften Weiterbildung weist das Verfahren auch die Verfahrensschritte
S12 und S13 auf, welche beliebig oft wiederholbar sind. In dem Verfahrensschritt S12
erfolgt ein Angleichen des Unter- oder Überdrucks in Richtung des Atmosphärendrucks
auf einen zweiten Soll-Druck, welcher eine zweite Druckkraft kleiner als die Kapillarkraft
der mindestens einen Kapillarstruktur bewirkt, weshalb das Material und/oder die andere
Flüssigkeit zumindest teilweise in die mindestens eine Kapillarstruktur eingesaugt
werden. Anschließend kann in dem Verfahrensschritt S13 der Unter- oder Überdruck weg
von dem Atmosphärendruck auf einen dritten Soll-Druck, welcher eine dritte Druckkraft
größer als die Kapillarkraft der mindestens einen Kapillarstruktur bewirkt, verstärkt
werden. Danach können die Verfahrensschritte S12 und S13 mindestens einmal wiederholt
werden.
[0070] Mittels der oben beschriebenen Verfahren ist eine vollständige mechanische und/oder
fluidische Funktionalität ausbildbar, welche zur Automatisierung komplexer chemischer
Verfahren und/oder biochemischer/molekularbiologischer Prozesse nutzbar ist. Die Automatisierung
kann auch zur Detektion von Stoffen eingesetzt werden. Zusätzlich zu einem Zwischenspeichern/Speichern
und einem Transport von Flüssigkeiten können mittels der Verfahren auch Ventilfunktionen
und/oder Mischvorgänge ausgeführt werden. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die
Verfahren auch dazu genutzt werden können, mindestens eine Flüssigkeit ohne ein mechanisches
Element und/oder ein bewegliches Teil entgegen einer Aktuationskraft Fa, wie beispielsweise
einer Zentrifugalkraft und/oder einer Druckkraft, zu transportieren.
1. Revolverbauteil (10, 10a,10b, 10c) für ein Reagenzgefäß,
welches eine Revolveraußenwand (12) aufweist, welche so ausgebildet ist, dass die
Revolveraußenwand (12) zu einer Innenwand eines Reagenzgefäßes für eine Zentrifuge
und/oder für eine Druckvariiervorrichtung korrespondiert und das Revolverbauteil (10,
10a, 10b, 10c) in dem Reagenzgefäß einsetzbar ist;
wobei das in dem Reagenzgefäß eingesetzte Revolverbauteil (10, 10a, 10b, 10c) um eine
Drehachse (11) verdrehbar ist und entlang der Drehachse (11) mittels einer Kugelschreibermechanik
(76) verstellbar ist;
und wobei an dem Revolverbauteil (10, 10a, 10b, 10c) mindestens eine Gefäßstruktur
(14) ausgebildet ist, in welche mindestens eine Flüssigkeit (16) einfüllbar oder eingefüllt
ist;
gekennzeichnet durch
mindestens eine an und/oder in der mindestens einen Gefäßstruktur (14) angeordnete
Kapillarstruktur (18, 40), mittels welcher eine Kapillarkraft (Fk) auf die mindestens
eine Flüssigkeit (16) ausübbar ist, wodurch die mindestens eine Flüssigkeit (16) zumindest
teilweise in ein Innenvolumen (20) der mindestens einen Kapillarstruktur (18, 40)
einsaugbar ist.
2. Revolverbauteil (10, 10a, 10b, 10c) nach Anspruch 1, wobei die mindestens eine Kapillarstruktur
(18, 40) einen mittleren Durchmesser in einem Bereich zwischen 0,1µm bis 1mm aufweist.
3. Revolverbauteil (10, 10a, 10b, 10c) nach Anspruch 1 oder 2, wobei die mindestens eine
Kapillarstruktur (18, 40) aus Glas, Silica, einem Polymer, einem Gewebestoff und/oder
einem Gel gebildet ist.
4. Revolverbauteil (10, 10a, 10b, 10c) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
die mindestens eine Kapillarstruktur (18, 40) an ihrer mindesten einen Innenwand (22)
mit Proteinen, Antigenen, Antikörpern, Enzymen, DNA-Teilsträngen, RNA-Teilsträngen
und/oder Epoxidharz beschichtet ist.
5. Revolverbauteil (10, 10a,10b, 10c) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
die mittels der mindestens einen Kapillarstruktur (18, 40) ausübbare Kapillarkraft
(Fk) größer als eine Gewichtskraft der mindestens einen in die mindestens eine Gefäßstruktur
(14) einfüllbaren oder eingefüllten Flüssigkeit (16) ist.
6. Revolverbauteil (10, 10a,10b, 10c) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
die mindestens eine zumindest teilweise in die mindestens eine Kapillarstruktur (18,
40) eingesaugte Flüssigkeit (16) mittels einer bei einem Betrieb der Zentrifuge, in
deren Rotoreinrichtung das Reagenzgefäß mit dem darin eingesetzten Revolverbauteil
(10, 10a,10b, 10c) angeordnet ist, bewirkbaren Zentrifugalkraft und/oder mittels einer
bei einem Betrieb der Druckvariiervorrichtung, in welcher das Reagenzgefäß mit dem
darin eingesetzten Revolverbauteil (10, 10a,10b, 10c) angeordnet ist, bewirkbaren
Druckkraft aus der mindestens einen Kapillarstruktur (18, 40) heraus transferierbar
ist.
7. Revolverbauteil (10, 10a,10b, 10c) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
die mindestens eine Gefäßstruktur (14) jeweils mindestens eine erste Kammer (50) mit
einer Befüll- und/oder Druckausgleichöffnung (52) und eine zweite Kammer (54), welche
bis auf eine Flüssigkeitsaustauschöffnung (56) zu der ersten Kammer (50) luft- und/oder
flüssigkeitsdicht abgeschlossen ist, umfasst, und wobei die mindestens eine Kapillarstruktur
(40) in einem als schwammartige Masse ausgebildeten Kapillarsystem (40) ausgeformt
ist, welches in der zweite Kammer (54) angeordnet ist.
8. Reagenzgefäß für eine Zentrifuge und/oder für eine Druckvariiervorrichtung mit:
mindestens einem in dem Reagenzgefäß angeordneten Revolverbauteil (10, 10a,10b, 10c)
nach einem der Ansprüche 1 bis 7.
9. Verfahren zum Zentrifugieren eines Materials mit den Schritten:
Einfüllen des zu zentrifugierenden Materials in ein Reagenzgefäß mit einem darin eingesetzten
Revolverbauteil (10, 10a,10b, 10c) nach einem der Ansprüche 1 bis 7 oder in ein Reagenzgefäß
nach Anspruch 8 (S1); und Zumindest Betreiben einer Zentrifuge mit einer aktuellen
Drehgeschwindigkeit entsprechend einer ersten Soll-Drehgeschwindigkeit, welche eine
erste Zentrifugalkraft auf das zu zentrifugierende Material und/oder eine andere in
das Reagenzgefäß eingefüllte Flüssigkeit (16) bewirkt, welche größer als die Kapillarkraft
(Fk) der mindestens einen Kapillarstruktur (18, 40) ist, wodurch das zu zentrifugierende
Material und/oder die andere Flüssigkeit (16) zumindest teilweise aus der mindestens
einen Kapillarstruktur (18, 40) heraus transferiert wird (S2).
10. Verfahren nach Anspruch 9, mit den zusätzlichen Schritten:
Zumindest einmaliges zwischenzeitliches Reduzieren der aktuellen Drehgeschwindigkeit
auf eine zweite Soll-Drehgeschwindigkeit, welche eine zweite Zentrifugalkraft kleiner
als die Kapillarkraft (Fk) der mindestens einen Kapillarstruktur (18, 40) bewirkt,
wodurch das zu zentrifugierende Material und/oder die andere Flüssigkeit (16) zumindest
teilweise in die mindestens eine Kapillarstruktur (18, 40) eingesaugt werden (S3),
und Erhöhen der aktuellen Drehgeschwindigkeit auf eine dritte Soll-Drehgeschwindigkeit,
welche eine dritte Zentrifugalkraft größer als die Kapillarkraft (Fk) der mindestens
einen Kapillarstruktur (18, 40) bewirkt (S4).
11. Verfahren zum Druckbehandeln eines Materials mit den Schritten:
Einfüllen des zu behandelnden Materials in ein Reagenzgefäß mit einem darin eingesetzten
Revolverbauteil (10, 10a,10b, 10c) nach einem der Ansprüche 1 bis 7oder in ein Reagenzgefäß
nach Anspruch 8 (S10); und
Zumindest einmaliges Anlegen eines Unter- oder Überdrucks entsprechend einem ersten
Soll-Druck, welcher eine erste Druckkraft auf das Material und/oder eine andere in
das Reagenzgefäß eingefüllte Flüssigkeit (16) bewirkt, welche größer als die Kapillarkraft
(Fk) der mindestens einen Kapillarstruktur (18, 40)ist, wodurch das Material und/oder
die andere Flüssigkeit (16) zumindest teilweise aus der mindestens einen Kapillarstruktur
(18, 40) heraus transferiert wird (S11).
12. Verfahren nach Anspruch 11, mit den zusätzlichen Schritten:
Zumindest einmaliges Angleichen des Unter- oder Überdrucks in Richtung des Atmosphärendrucks
auf einen zweiten Soll-Druck, welcher eine zweite Druckkraft kleiner als die Kapillarkraft
(Fk) der mindestens einen Kapillarstruktur (18, 40) bewirkt, wodurch das Material
und/oder die andere Flüssigkeit (16) zumindest teilweise in die mindestens eine Kapillarstruktur
(18, 40) eingesaugt werden (S12), und Verstärken des Unter- oder Überdrucks weg von
dem Atmosphärendruck auf einen dritten Soll-Druck, welcher eine dritte Druckkraft
größer als die Kapillarkraft (Fk) der mindestens einen Kapillarstruktur (18, 40) bewirkt
(S13).
1. Revolver component (10, 10a, 10b, 10c) for a reagent container,
which has a revolver outer wall (12) formed such that the revolver outer wall (12)
corresponds to an inner wall of a reagent container for a centrifuge and/or for a
pressure varying device, and the revolver component (10, 10a, 10b, 10c) can be inserted
into the reagent container;
the revolver component (10, 10a, 10b, 10c) inserted into the reagent container being
rotatable about an axis of rotation (11) and adjustable along the axis of rotation
(11) by means of a ball-point pen mechanism (76);
and at least one container structure (40), into which at least one liquid (16) can
be or has been put, being formed on the revolver component (10, 10a, 10b, 10c);
characterized by
at least one capillary structure (18, 40) arranged on and/or in the at least one container
structure (40), by means of which a capillary force (Fk) can be exerted on the at
least one liquid (16), by means of which the at least one liquid (16) can be sucked
at least partly into an internal volume (20) of the at least one capillary structure
(18, 40).
2. Revolver component (10, 10a, 10b, 10c) according to Claim 1, wherein the at least
one capillary structure (18, 40) has an average diameter in a range between 0.1 µm
and 1 mm.
3. Revolver component (10, 10a, 10b, 10c) according to Claim 1 or 2, wherein the at least
one capillary structure (18, 40) is formed from glass, silica, a polymer, a woven
fabric and/or a gel.
4. Revolver component (10, 10a, 10b, 10c) according to one of the preceding claims, wherein
the at least one capillary structure (18, 40) is coated on its at least one inner
wall (22) with proteins, antigens, antibodies, enzymes, partial DNA strands, partial
RNA strands and/or epoxy resin.
5. Revolver component (10, 10a, 10b, 10c) according to one of the preceding claims, wherein
the capillary force (Fk) that can be exerted by means of the at least one capillary
structure (18, 40) is greater than the weight of the at least one liquid (16) that
can be or has been put into the at least one container structure (40).
6. Revolver component(10, 10a, 10b, 10c) according to one of the preceding claims, wherein
the at least one liquid (16) at least partly sucked into the at least one capillary
structure (18, 40) can be transferred out of the at least one capillary structure
(18, 40) by means of a centrifugal force that can be effected during operation of
the centrifuge, in the rotor device of which the reagent container with the revolver
component (10, 10a, 10b, 10c) inserted therein is arranged, and/or by means of a compressive
force that can be effected during operation of the pressure-varying device, in which
the reagent container with the revolver component (10, 10a, 10b, 10c) inserted therein
is arranged.
7. Revolver component (10, 10a, 10b, 10c) according to one of the preceding claims, wherein
the at least one container structure (40) comprises respectively at least one first
chamber (50) with a filling and/or pressure equalizing opening (52), and a second
chamber (54), which, apart from a liquid exchange opening (56) with the first chamber
(50), is sealed off in an airtight and/or liquid-tight manner, and wherein the at
least one capillary structure (40) is formed in a capillary system (40) formed as
a foam-like compound, which is arranged in the second chamber (54).
8. Reagent container for a centrifuge and/or for a pressure-varying device, comprising:
at least one revolver component (10, 10a, 10b, 10c) according to one of Claims 1 to
7 arranged in the reagent container.
9. Method for centrifuging a material, comprising the steps:
putting the material to be centrifuged into a reagent container having a revolver
component (10, 10a, 10b, 10c) according to one of Claims 1 to 7 inserted therein or
into a reagent container according to Claim 8 (S1); and
at least operating a centrifuge with a current rotational speed corresponding to a
first target rotational speed which effects a first centrifugal force on the material
to be centrifuged and/or another liquid (16) put into the reagent container which
is greater than the capillary force (Fk) of the at least one capillary structure (18,
40), by which means the material to be centrifuged and/or the other liquid (16) is
at least partly transferred out of the at least one capillary structure (18, 40) (S2).
10. Method according to Claim 9, comprising the additional steps:
at least once intermediately reducing the current rotational speed to a second target
rotational speed, which affects a second centrifugal force smaller than the capillary
force (Fk) of the at least one capillary structure (18, 40) (S3), by which means the
material to be centrifuged and/or the other liquid (16) is at least partly sucked
into the at least one capillary structure (18, 40), and increasing the current rotational
speed to a third target rotational speed, which effects a third centrifugal force
greater than the capillary force (Fk) of the at least one capillary structure (18,
40) (S4).
11. Method for the pressure treatment of a material, comprising the steps:
putting the material to be treated into a reaction container having a revolver component
(10, 10a, 10b, 10c) according to one of Claims 1 to 7 inserted therein or into a reagent
container according to Claim 8 (S10); and
at least once applying a negative or positive pressure corresponding to a first target
pressure, which effects a first compressive force on the material and/or another liquid
(16) put into the reagent container which is greater than the capillary force (Fk)
of the at least one capillary structure (18, 40), by which means the material and/or
the other liquid (16) is at least partly transferred out of the at least one capillary
structure (18, 40) (S11).
12. Method according to Claim 11, comprising the additional steps:
at least once equalizing the negative or positive pressure in the direction of atmospheric
pressure to a second target pressure, which effects a second compressive force smaller
the capillary force (Fk) of the at least one capillary structure (18, 40), by which
means the material and/or the other liquid (16) is at least partly sucked into the
at least one capillary structure (18, 40) (S12), and intensifying the negative or
positive pressure away from the atmospheric pressure to a third target pressure, which
effects a third compressive force greater than the capillary force (Fk) of the at
least one capillary structure (18, 40) (S13).
1. Composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) pour un récipient pour réactifs, qui présente
une paroi extérieure de revolver (12) qui est réalisée de telle sorte que la paroi
extérieure de revolver (12) corresponde à une paroi intérieure d'un récipient pour
réactifs pour une centrifugeuse et/ou pour un dispositif de variation de pression
et que le composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) puisse être inséré dans le récipient
pour réactifs ;
le composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) inséré dans le récipient pour réactifs
pouvant tourner autour d'un axe de rotation (11) et pouvant être réglé le long de
l'axe de rotation (11) au moyen d'un mécanisme à stylo (76) ;
et au moins une structure de récipient (14) étant réalisée sur le composant de revolver
(10, 10a, 10b, 10c), dans laquelle est introduit ou peut être introduit au moins un
liquide (16) ; caractérisé par
au moins une structure capillaire (18, 40) disposée sur et/ou dans l'au moins une
structure de récipient (14), au moyen de laquelle une force capillaire (Fk) peut être
exercée sur l'au moins un liquide (16), de sorte que l'au moins un liquide (16) puisse
être aspiré au moins en partie dans un volume intérieur (20) de l'au moins une structure
capillaire (18, 40).
2. Composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) selon la revendication 1, dans lequel l'au
moins une structure capillaire (18, 40) présente un diamètre moyen compris dans une
plage de 0,1 µm à 1 mm.
3. Composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) selon la revendication 1 ou 2, dans lequel
l'au moins une structure capillaire (18, 40) est formée de verre, de silice, d'un
polymère, d'un matériau tissé et/ou d'un gel.
4. Composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) selon l'une quelconque des revendications
précédentes, dans lequel l'au moins une structure capillaire (18, 40) est revêtue
au niveau de son au moins une paroi intérieure (22) de protéines, d'antigènes, d'anticorps,
d'enzymes, de brins partiels d'ADN, de brins partiels d'ARN et/ou de résine époxy.
5. Composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) selon l'une quelconque des revendications
précédentes, dans lequel la force capillaire (Fk) pouvant être exercée au moyen de
l'au moins une structure capillaire (18, 40) est supérieure à une force de pesanteur
de l'au moins un liquide (16) pouvant être introduit ou étant introduit dans l'au
moins une structure de récipient (14).
6. Composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) selon l'une quelconque des revendications
précédentes, dans lequel l'au moins un liquide (16) aspiré au moins en partie dans
l'au moins une structure capillaire (18, 40) peut être transféré hors de l'au moins
une structure capillaire (18, 40) au moyen d'une force centrifuge pouvant être provoquée
lors d'un fonctionnement de la centrifugeuse, dans le dispositif de rotor de laquelle
est disposé le récipient pour réactifs avec le composant de revolver (10, 10a, 10b,
10c) introduit dans celui-ci, et/ou au moyen d'une force de pression pouvant être
provoquée dans le cas d'un fonctionnement du dispositif de variation de pression dans
lequel le récipient pour réactifs est disposé avec le composant de revolver (10, 10a,
10b, 10c) inséré dans celui-ci.
7. Composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) selon l'une quelconque des revendications
précédentes, dans lequel l'au moins une structure de récipient (14) comprend à chaque
fois au moins une première chambre (50) avec une ouverture de remplissage et/ou d'équilibrage
de la pression (52) et une deuxième chambre (54), qui est fermée de manière étanche
à l'air et/ou aux liquides à l'exception d'une ouverture d'échange de liquide (56)
vers la première chambre (50), et l'au moins une structure capillaire (40) étant formée
dans un système capillaire (40) réalisé sous forme de masse spongieuse, qui est disposé
dans la deuxième chambre (54).
8. Récipient pour réactifs pour une centrifugeuse et/ou pour un dispositif de variation
de pression, comprenant :
au moins un composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) selon l'une quelconque des revendications
1 à 7 disposé dans le récipient pour réactifs.
9. Procédé de centrifugation d'une substance, comprenant les étapes suivantes :
introduction de la substance à centrifuger dans un récipient pour réactifs avec un
composant de revolver (10, 10a, 10b, 10c) selon l'une quelconque des revendications
1 à 7, introduit dans celui-ci, ou dans un récipient pour réactifs selon la revendication
8 (S1) ; et
au moins entraînement d'une centrifugeuse avec une vitesse de rotation effective correspondant
à une première vitesse de rotation de consigne qui applique une première force centrifuge
sur la substance à centrifuger et/ou sur un autre liquide (16) introduit dans le récipient
pour réactifs, qui est supérieure à la force capillaire (Fk) de l'au moins une structure
capillaire (18, 40), de sorte que la substance à centrifuger et/ou l'autre liquide
(16) soit transféré(e) au moins en partie hors de l'au moins une structure capillaire
(18, 40) (S2).
10. Procédé selon la revendication 9, comprenant les étapes supplémentaires suivantes
:
une fois au moins réduction temporaire de la vitesse de rotation effective à une deuxième
vitesse de rotation de consigne qui provoque une deuxième force centrifuge inférieure
à la force capillaire (Fk) de l'au moins une structure capillaire (18, 40), de sorte
que la substance à centrifuger et/ou l'autre liquide (16) soient aspirés au moins
en partie dans l'au moins une structure capillaire (18, 40) (S3), et augmentation
de la vitesse de rotation effective à une troisième vitesse de rotation de consigne
qui provoque une troisième force centrifuge supérieure à la force capillaire (Fk)
de l'au moins une structure capillaire (18, 40) (S4).
11. Procédé de traitement par pression d'une substance, comprenant les étapes suivantes
:
introduction de la substance à traiter dans un récipient pour réactifs avec un composant
de revolver (10, 10a, 10b, 10c) selon l'une quelconque des revendications 1 à 7, introduit
dans celui-ci, ou dans un récipient pour réactifs selon la revendication 8 (S10) ;
et
une fois au moins application d'une dépression ou d'une surpression correspondant
à une première pression de consigne, qui applique une première force de pression à
la substance et/ou à un autre liquide (16) introduit dans le récipient pour réactifs,
qui est supérieure à la force capillaire (Fk) de l'au moins une structure capillaire
(18, 40), de sorte que la substance et/ou l'autre liquide (16) soient au moins en
partie transférés hors de l'au moins une structure capillaire (18, 40) (S11).
12. Procédé selon la revendication 11, comprenant les étapes supplémentaires suivantes
:
une fois au moins, équilibrage de la dépression ou de la surpression dans le sens
de la pression atmosphérique à une deuxième pression de consigne, qui provoque une
deuxième force de pression inférieure à la force capillaire (Fk) de l'au moins une
structure capillaire (18, 40), de sorte que la substance et/ou l'autre liquide (16)
soient aspirés au moins en partie dans l'au moins une structure capillaire (18, 40)
(S12), et amplification de la dépression ou de la surpression depuis la pression atmosphérique
à une troisième pression de consigne qui provoque une troisième force de pression
supérieure à la force capillaire (Fk) de l'au moins une structure capillaire (18,
40) (S13).