[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Gestrickstücks auf einer
Flachstrickmaschine mit autark angetriebenen Fadenführern und mindestens zwei Stricksystemen
gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1.
[0002] Die
EP 1 724 385 A1 offenbart ein Verfahren zur Herstellung von Intarsiagestricken, wobei ein Fadenführer
nach Beenden seines Strickbereichs und bei einem Systemwechsel in sein Farbfeld zurück
in eine Außertätigkeitsposition gebracht werden soll. So wird vermieden, dass er den
Fadenführer, welcher das anschließende Farbfeld bildet, behindert oder der von ihm
zugeführte Faden von im folgenden System ausgetriebenen Nadeln erfasst wird.
[0003] Die
EP 1 203 837 A1 offenbart ein Verfahren zur Herstellung von großen und kleinen Maschen in einer Strickreihe.
Es wird zunächst in einer ersten Stricksektion mit zwei Fadenführern jeder zweiten
Nadel Faden zugeführt. Anschließend werden mittels Schlittenumkehr oder Kickback-Einrichtungen
die beiden Fadenführer in eine Position innerhalb der ersten Stricksektion verschoben.
Danach werden in der zweiten Stricksektion zwei Maschenreihen gebildet, derart, dass
ein erstes Stricksystem mit dem ersten Fadenführer auf jeder Nadel Maschen bildet
und ein zweites oder weiteres Stricksystem die zweite Maschenreihe auf jeder Nadel
bildet.
[0006] Flachstrickmaschinen mit autark angetriebenen Fadenführern sind bekannt. In diesen
Flachstrickmaschinen weist jeder Fadenführer einen eigenen Antrieb auf. Dies hat den
Vorteil, dass die Fadenführer an jedem beliebigen Bereich einer Strickreihe exakt
angehalten werden können. Insbesondere sind autark angetriebene Fadenführer unabhängig
von einem Stricksystem und unabhängig voneinander antreibbar und bewegbar.
[0007] Bislang werden Flachstrickmaschinen mit autark angetriebenen Fadenführern im Wesentlichen
zum Herstellen von Intarsiagestricken eingesetzt, bei denen die Grenzen der Farbfeldmaschen
genau eingehalten werden. Möglichkeiten, Flachstrickmaschinen mit autark angetriebenen
Fadenführern auch für andere komplizierte Gestricke einzusetzen, wurden bislang nicht
aufgezeigt.
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, diesbezüglich Abhilfe zu schaffen.
[0009] Gelöst wird diese Aufgabe erfindungsgemäß durch ein Verfahren zur Herstellung eines
Gestricks auf einer Flachstrickmaschine mit autark angetriebenen Fadenführern und
mindestens zwei Stricksystemen mit den Merkmalen des Anspruchs 1.
[0010] Mit einem solchen Verfahren kann ein Filigranimitat hergestellt werden. Insbesondere
kann ein Durchbruchmuster hergestellt werden, indem zumindest mit einem der Stricksysteme
eine Flottung gebildet wird. Es ist auch denkbar, dass mit beiden Stricksystemen eine
Flottung gebildet wird. Somit kann sowohl mit dem ersten als auch mit dem zweiten
Faden eine Durchbruchoptik erzeugt werden. Das erste und das zweite Stricksystem umfassen
dabei vorzugsweise jeweils zwei Strickschlösser, welche durch einen, insbesondere
denselben, Schlitten angetrieben werden. Die Schlittenbewegungsrichtung entspricht
dabei der Strickrichtung.
[0011] In einem in Strickrichtung gesehen hinter einem ersten Nadelbettbereich gelegenen
zweiten Nadelbettbereich können beide Fadenführer mit einem dritten Stricksystem stricken.
In diesem Bereich werden die Nadeln plattiert, wobei ausgewählt werden kann, welcher
Faden oben und welcher unten strickt. Somit wird im zweiten Nadelbettbereich sowohl
der Musterfaden als auch ein Filigranfaden mit denselben Nadeln gestrickt. Im vorhergehenden
ersten Nadelbettbereich werden der Musterfaden und der Filigranfaden jedoch mit unterschiedlichen
Stricksystemen gestrickt. Alternativ kann vorgesehen sein, dass in einem in Strickrichtung
gesehen hinter dem ersten Nadelbettbereich gelegenen zweiten Nadelbettbereich beide
Fadenführer mit dem zweiten Stricksystem stricken. In diesem Fall ist es möglich,
das Gestrick ausschließlich mit zwei Stricksystem herzustellen, während in der vorhergehenden
Variante drei Stricksysteme benötigt werden.
[0012] In einem in Strickrichtung gesehen vor dem ersten Nadelbettbereich gelegenen dritten
Nadelbettbereich stricken beide Fadenführer mit dem ersten Stricksystem. Somit werden
sowohl vor als auch nach dem ersten Nadelbettbereich Nadeln plattiert. Um die vorgenannten
Verfahrensschritte durchführen zu können, kann vorgesehen sein, dass zumindest ein
Fadenführer zwischen zumindest zwei Stricksystemen im Strickschloss bewegt wird. Alternativ
oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass zumindest ein Fadenführer im System relativ
zum Schloss bewegt wird.
[0013] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden detaillierten
Beschreibung, anhand der Figuren der Zeichnung, sowie aus den Ansprüchen. Die dort
gezeigten Merkmale sind derart dargestellt, dass die erfindungsgemäßen Besonderheiten
deutlich sichtbar gemacht werden können.
[0014] Es zeigen:
- Fig. 1a - 1c
- einen erfindungsgemäßen Strickablauf, bei dem Fadenführer sowohl im System als auch
zwischen den Systemen relativ zum Schloss bewegt werden;
- fig. 2a - 2d
- einen nicht erfindungsgemäßen Strickablauf zur Herstellung eines Devoregestricks;
- Fig. 3a - 3b
- einen erfindungsgemäßen Strickablauf zur Herstellung eines Devoregestricks mit nur
zwei Stricksystemen;
[0015] Im Folgenden werden das vordere Nadelbett mit V, das hintere Nadelbett mit H, die
Nadeln des vorderen Nadelbetts mit Großbuchstaben und die Nadeln des hinteren Nadelbetts
mit Kleinbuchstaben gekennzeichnet.
[0016] Ausweislich der Fig. 1a wird bei einer Schlittenrichtung nach links mit den Fäden
1 und 2 eines ersten und eines zweiten autark angetriebenen Fadenführers in einem
Strickbereich 3, der durch die Nadeln P - L bestimmt ist, mit einem ersten Stricksystem
gestrickt. Da mit zwei Fäden 1, 2 gestrickt wird, bedeutet dies, dass ein Plattieren
durchgeführt wird. Anschließend wird der Fadenführer des Fadens 2 zurückgesetzt und
erfolgt eine Maschenbildung auf den Nadeln K - E in einem Nadelbettbereich 4 mit dem
ersten Fadenführer und dem ersten Faden 1 mit dem ersten Stricksystem.
[0017] Ausweislich der Fig. 1b wird ebenfalls im Nadelbettbereich 4 anschließend mit einem
zweiten Stricksystem und dem Faden 2 des zweiten Fadenführers auf den Nadeln K - E
gestrickt oder geflottet. Insbesondere wird im gezeigten Ausführungsbeispiel mit den
Nadeln K, I, G, E eine Masche oder Fang gebildet und werden die Nadeln J, H, F geflottet.
Dadurch, dass auf den Nadeln J, H, F geflottet wird, entsteht ein Durchbruchmuster.
[0018] Weiterhin in derselben Strickrichtung, d. h. einer Strickrichtung nach links, in
der der Schlitten und somit die Stricksysteme bewegt werden, erfolgt gemäß Fig. 1c
ein Stricken im Nadelbettbereich 5 auf den Nadeln D - A mit beiden Fäden 1, 2 sowohl
des ersten als auch des zweiten Fadenführers. Im Nadelbettbereich 5 wird mit einem
dritten Stricksystem gestrickt. Es erfolgt wiederum ein Plattieren.
[0019] Im gezeigten Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 1a bis 1c werden die autark angetriebenen
Fadenführer sowohl im System als auch zwischen den Systemen relativ zum Schloss bewegt.
Es werden drei Systeme zum Stricken verwendet.
[0020] Der in den Fig. 1a bis 1c dargestellte Strickablauf setzt sich umgekehrt in der anderen
Schlittenrichtung fort.
[0021] Bei dem nicht erfindungsgemäßen Verfahren gemäß der Fig. 2a bis 2d wird auf dem vorderen
Nadelbett V in einem Nadelbettbereich 13 mit einem ersten autark angetriebenen Fadenführer
und einem ersten Faden 11 und einem zweiten autark angetriebenen Fadenführer mit einem
zweiten Faden 12 auf den Nadeln P bis L gestrickt, d. h. es wird plattiert. Das Stricken
im ersten Nadelbettbereich 13 erfolgt mit einem ersten Stricksystem. Anschließend
wird, wie dies in der Fig.2b gezeigt ist, mit einem zweiten Stricksystem in einem
Nadelbettbereich 14 gestrickt, Fang gebildet oder geflottet. Die Strickrichtung ist
dabei die gleiche wie in der Fig. 2a, d. h. von rechts nach links. Insbesondere wird
auf den Nadeln K, J, G, F, E entweder eine Masche oder ein Fang gebildet. Die Nadeln
I, H werden im Ausführungsbeispiel geflottet. Dadurch entsteht im Bereich der Nadeln
I, H ein Durchbruch. Das Stricken im Nadelbettbereich 14 erfolgt mit dem ersten Faden
11 und entsprechend dem ersten autark angetriebenen Fadenführer.
[0022] Ebenfalls in dem gleichen Nadelbettbereich 14 wird gemäß der Fig. 2c mit dem Faden
12 und entsprechendem zweiten Fadenführer gestrickt, Fang gebildet oder geflottet.
Insbesondere wird auf den Nadeln K, I, H, G, E eine Masche gebildet oder ein Fang
gebildet. Die Nadeln J, F werden geflottet. Für den Vorgang, der in Fig. 2c gezeigt
ist, wird ein drittes Stricksystem verwendet. Anschließend wird im Nadelbettbereich
15 mit einem vierten Stricksystem und sowohl dem ersten Faden 11 als auch dem zweiten
Faden 12, die jeweils durch den ersten und zweiten Fadenführer geführt werden, gestrickt.
Dies bedeutet, dass in einer Strickrichtung von rechts nach links Maschen gebildet
werden. Dabei werden Maschen plattiert. Beispielsweise kann es sich bei dem ersten
Faden 11 um einen Monofil handeln. Dieser wird im Verfahrensschritt gemäß Fig. 2a
auf einer rechten Masche plattiert. Bei dem Faden 12 kann es sich um einen Musterfaden
handeln. Dieser wird mit einem dritten Stricksystem gemäß Fig. 2c abgestrickt. Durch
die Vorgehensweise gemäß Fig. 2a bis 2d kann ein Devorégestrick hergestellt werden.
Auch die Verfahrensschritte gemäß Fig. 2a bis 2d können in umgekehrter Reihenfolge
in der anderen Schlittenrichtung fortgesetzt werden.
[0023] In den Fig. 3a, 3b wird gezeigt, wie erfindungsgemäß ein Devoregestrick mit nur zwei
Stricksystemen hergestellt werden kann. Ausweislich der Fig.3a wird in einem Nadelbettbereich
23 auf den Nadeln P bis L plattiert, d. h. es wird mit einem ersten Faden 21 und einem
zweiten Faden 22, die jeweils durch einen eigenen autark angetriebenen Fadenführer
geführt sind, auf den Nadeln P bis L gestrickt, d. h. es werden Maschen gebildet.
Beispielsweise handelt es sich bei dem Faden 21 um einen Monofil, der auf rechte Masche
plattiert wird.
[0024] Im Nadelbettbereich 24 wird mit dem Faden 21 des ersten Fadenführers gestrickt, Fang
gebildet oder geflottet. Insbesondere wird auf den Nadeln K, I, H, F, E eine Masche
oder ein Fang gebildet. Die Nadeln J, G werden geflottet. Im Nadelbettbereich 24 wird
das gleiche Stricksystem verwendet wie im Nadelbettbereich 23. Am Übergang zur Nadel
K wird der Fadenführer, der den Faden 22 führt, aus der Strickkurve abgezogen.
[0025] Ausweislich der Fig. 3b wird im Strickbereich 24 mit dem zweiten Faden 22 des zweiten
autark angetriebenen Fadenführers und einem zweiten Stricksystem gestrickt, Fang gebildet
oder geflottet. Insbesondere wird auf den Nadeln J, G eine Masche oder ein Fang gebildet
und die Nadeln K, I, H, F, E werden geflottet. Im Nadelbettbereich 25 wird mit dem
zweiten Stricksystem, mit dem mit dem zweiten Faden 22 bereits im Nadelbettbereich
24 gestrickt wurde, auf den Nadeln D bis A in Strickrichtung von rechts nach links
mit beiden Fäden 21, 22 und entsprechend beiden autark angetriebenen Fadenführern
gestrickt, d. h. es werden auf den Maschen D bis A Maschen gebildet. Da mit beiden
Fäden 21, 22 gestrickt wird, erfolgt ein Plattieren. Beim Verfahrensablauf gemäß der
Fig. 3a, 3b werden die autark angetriebenen Fadenführer im System relativ zum Schloss
bewegt. Es werden lediglich zwei Systeme zum Stricken benötigt.
1. Verfahren zur Herstellung eines Gestricks auf einer Flachstrickmaschine mit autark
angetriebenen Fadenführern und mindestens zwei Stricksystemen, bei dem in einem ersten
Nadelbettbereich (4, 24) mit einem ersten Fadenführer mit einem ersten Faden (1, 21)
und einem ersten Stricksystem Masche, Fang oder Flottung gebildet wird und in derselben
Strickrichtung in demselben Nadelbettbereich (4, 24) mit einem zweiten Fadenführer
mit einem zweiten Faden (2, 22) und einem zweiten Stricksystem Masche, Fang oder Flottung
gebildet wird, wobei in einem in Strickrichtung gesehen hinter dem ersten Nadelbettbereich
(4, 24) gelegenen zweiten Nadelbettbereich (5, 25) beide Fadenführer mit dem zweiten
oder einem dritten Stricksystem stricken, dadurch gekennzeichnet, dass in einem in Strickrichtung gesehen vor dem ersten Nadelbettbereich (4, 24) gelegenen
dritten Nadelbettbereich (3, 23) beide Fadenführer mit dem ersten Stricksystem stricken.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein Durchbruchmuster hergestellt wird, indem zumindest mit einem der Stricksysteme
eine Flottung gebildet wird.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein Fadenführer zwischen zumindest zwei Stricksystemen eines Strickschlosses
bewegt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein Fadenführer innerhalb eines Systems relativ zum Strickschloss bewegt
wird.
1. Method for producing a knitted fabric on a flat knitting machine with independently
driven thread guides and at least two knitting systems, where a stitch, capture or
float is formed with a first thread guide with a first thread (1, 21) and a first
knitting system in a first needle bed area (4, 24), and a stitch, capture or float
is formed in the same knitting direction in the same needle bed area (4, 24) with
a second thread guide with a second thread (2, 22) and a second knitting system, wherein
both thread guides knit with the second or a third knitting system in a second needle
bed area (5, 25) located behind the first needle bed area (4, 24) seen in knitting
direction, characterised in that both thread guides knit with the first knitting system in a third needle bed area
(3, 23) located before the first needle bed area (4, 24) seen in knitting direction.
2. Method according to claim 1, characterised in that an openwork pattern is produced in that a float is first formed with one of the knitting systems.
3. Method according to one of the preceding claims, characterised in that at least one thread guide is moved between at least two knitting systems of a cam
assembly.
4. Method according to one of the preceding claims, characterised in that at least one thread guide is moved inside a system relative to the cam assembly.
1. Procédé de fabrication d'un tricot sur une machine à tricoter rectiligne ayant des
guide-fils entraînés de manière autonome et au moins deux systèmes de tricotage, dans
lequel, dans une première partie (4, 24) de fonture, on forme une maille, un cueillage
ou un flottage par un premier guide-fil avec un premier fil (1, 21) et un premier
système de tricotage et, dans le même sens de tricotage, dans la même partie (4, 24)
de fonture, on forme une maille, un cueillage ou un flottage par un deuxième guide-fil,
avec un deuxième fil (2, 22) et un deuxième système de tricotage, dans lequel, dans
une deuxième partie (5, 25) de fonture mise, considéré dans le sens de tricotage,
derrière la première partie (4, 24) de fonture, les deux guide-fils tricotent avec
le deuxième ou un troisième système de tricotage, caractérisé en ce que, dans une troisième partie (3, 23) de fonture mise, considéré dans le sens de tricotage,
avant la première partie (4, 24) de fonture, les deux guide-fils tricotent avec le
premier système de tricotage.
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que l'on produit un motif à ajour en formant au moins un flottage avec l'un des systèmes
de tricotage.
3. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'on déplace au moins un guide-fil entre au moins deux systèmes de tricotage d'une
came de tricotage.
4. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'on déplace au moins un guide-fil dans un système par rapport à la came de tricotage.