[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen CV-Bodenbelag, welcher ein Faservlies als
Strukturschicht umfasst. Sie betrifft des Weiteren ein Faservlies.
[0002] CV (Cushioned Vinyl)-Bodenbeläge sind bekannt. In diesen - und auch anderen - Bodenbelägen
werden Faservliese als Trägermaterial verwendet. Die hier verwendeten Faservliese
bestehen typischerweise aus Glasfasern, wobei auch die Verwendung spezifischer Mischungen
unterschiedlicher Glasfasern zur Herstellung entsprechender Träger-Glasfaservliese
bekannt ist (vgl.
DE 102011011056 A1, deren Offenbarungsgehalt zum Inhalt der vorliegenden Anmeldung gemacht wird). Zur
Herstellung von Glasfaservliesen aus Glasfasern und Bindemittel existieren unterschiedliche
Verfahren.
[0003] Die vorliegende Erfindung ist darauf gerichtet, ein kostengünstig herstellbares Faservlies
bereitzustellen, das sich aufgrund insoweit besonders günstiger Eigenschaften insbesondere
für die Verwendung als Trägermaterial in Bodenbelägen eignet und in dieser Verwendung
die Eigenschaften des fertigen Bodenbelags günstig beeinflusst. Weiterhin ist es Aufgabe
der vorliegenden Erfindung, einen dementsprechend günstige Eigenschaften aufweisenden
CV-Bodenbelag mit einem Faservlies als Trägermaterial bereitzustellen.
[0004] Gelöst wird diese Aufgabenstellung gemäß der vorliegenden Erfindung, wie im Anspruch
1 angegeben, durch ein Faservlies, welches als Hybrid-Faservlies ausgeführt ist, indem
es Glasfasern, Polymerfasern und Bindemittel umfasst, wobei die Glasfasern einen mittleren
Durchmesser zwischen 6 und 13□m und eine mittlere Länge zwischen 6 und 15mm aufweisen,
es sich bei den Polymer-fasern um Stapelfasern mit einer mittleren Feinheit zwischen
0,2 und 0,6dtex und einer mittleren Länge zwischen 2 und 4mm handelt und der Gewichtsanteil
der Polymerfasern zwischen 5 und 20% des trockenen Faservlieses beträgt.
[0005] Für das erfindungsgemäße Faservlies ist somit, mit anderen Worten, eine spezifische
Kombination synergetisch zusammenwirkender Merkmale dergestalt charakteristisch, dass
es aus sowohl hinsichtlich des Materials als auch hinsichtlich der typischen Längen-
und Dickenabmessungen verschiedenen, mittels eines Bindemittels miteinander verbundenen
Fasern besteht, nämlich relativ kurzen und - bei den hier vornehmlich für die Polymerfasern
in Betracht kommenden Polymeren mit Dichten zwischen etwa 1,2 und 1,6g/cm
3 - eher dünneren Polymerfasern einerseits und relativ langen und eher dickeren Glasfasern
andererseits, wobei der Gewichtsanteil der Polymerfasern wesentlich geringer ist als
der Gewichtsanteil der Glasfasern, indem die Polymerfasern nur zwischen 5 und 20,
bevorzugt zwischen 10 und 15 Gewichtsprozent des trockenen Faservlieses ausmachen.
Das Verhältnis zwischen dem Gewichtsanteil der Glasfasern und dem der Polymerfasern
an dem Faservlies beträgt typischerweise zwischen 5 und 8, beispielsweise - bei einem
Gewichtsanteil des Bindemittels von etwa zwischen 20 und 30% - etwa 6,5.
[0006] In durchaus überraschender Weise zeichnet sich das erfindungsgemäße Hybrid-Faservlies
durch eine Reihe von für die Anwendung als Trägermaterial in CV-Bodenbelägen sehr
vorteilhaften Eigenschaften aus. So ergeben sich aufgrund der verwendeten spezifischen
Mischung bestimmter Glasfasern und bestimmter Polymerfasern solche physikalischen
Eigenschaften (mechanische Festigkeit, Dichte, Porenvolumen, Hohlraumstruktur, etc.),
dass bereits besonders dünne erfindungsgemäße Hybrid-Faservliese die für Strukturmaterialen
von Bodenbelägen geltenden Anforderungen erfüllen. Dies ist namentlich deshalb ein
nicht zu unterschätzender Vorteil, weil auf diese weise (bereits aufgrund der verringerten
Dicke des Faservlieses) die Menge an Imprägniermittel, mit welchem das Faservlies
zu behandeln ist, reduziert werden kann. Dies führt zu entsprechenden wirtschaftlichen
Vorteilen gegenüber dem Stand der Technik, und zwar ohne Einbuße an Leistungsfähigkeit.
Im Gegenteil, das erfindungsgemäße Faservlies weist sogar eine Oberflächenstruktur
von besonderer Güte und Homogenität auf, so dass sich auch ein unter seiner Verwendung
hergestellter Bodenbelag durch eine besondere Oberflächengüte auszeichnet. Dies ist
ein unschätzbarer Vorteil für ein Oberflächenfinish, namentlich durch Bedrucken.
[0007] Die vorliegende Erfindung stellt, mit anderen Worten, hinsichtlich ihrer Eigenschaften
hervorragende Faservliese bereit, und zwar - indem beispielsweise eine hinsichtlich
Material- und Verfahrensaufwand nachteilige zusätzliche Beschichtung der Fasern vermieden
werden kann - mit minimalem Aufwand sowie ohne die Verwendung gesundheitlich bedenklicher
lungengängiger Mikro-Glasfasern.
[0008] In herstellungstechnischer Hinsicht ist es günstig, wenn die Polymerfasern aus einem
Polymer mit einer Dichte zwischen etwa 1,2 und 1,6g/cm
3 bestehen. Besonders günstig ist, wenn die Polymerfasern ganz oder zumindest überwiegend
aus PET (Polyethylenterephthalat) bestehen. Denn bei Verwendung eines solchen Materials
für die Herstellung der Polymerfasern weisen letztere solche Eigenschaften auf, dass
für die Vliesherstellung Verfahren geeignet sind, zu denen aus der Herstellung reiner
Glasfaservliese Erfahrungswerte vorliegen. In diesem Sinne wird, gemäß einem bevorzugten
Aspekt der vorliegenden Erfindung, das erfindungsgemäße Hybrid-Faservlies hergestellt,
indem die Glasfasern und die Polymerfasern enthaltendes Wasser im Kreislauf durch
ein Bandsieb geführt, die Fasermischung dabei in Form einer Faserschicht mit einer
vorgegebenen Schichtstärke auf dem Bandsieb abgelegt, überschüssiges Kreislaufwasser
aus der Faserschicht abgezogen, die Faserschicht mit Bindemittel versetzt und die
mit Bindemittel versetzte Faserschicht getrocknet wird.
[0009] Die vorstehend dargelegten besonderen Vorteile des erfindungsgemäßen Glasfaservlieses
sind besonders ausgeprägt, wenn die mittlere Feinheit der Polymerfasern zwischen 0,3
und 0,4dtex liegt. Hervorragende Ergebnisse lassen sich beispielsweise bei Verwendung
von PET-Fasern mit einer Feinheit von 0,33dtex und einer mittleren Länge zwischen
2,5 und 3,5mm erzielen.
[0010] Weiterhin ist gemäß einer anderen bevorzugten Weiterbildung der vorliegenden Erfindung
besonders günstig, wenn der mittlere Faserdurchmesser der Glasfasern zwischen 7 und
10µm und/oder die mittlere Länge der Glasfasern zwischen 7 und 9mm beträgt. Namentlich
in Kombination mit der vorstehend angegebenen bevorzugten Dimensionierung der Polymerfasern
ergeben sich besonders hervorragende Materialeigenschaften, die das entsprechende
Hybrid-Faservlies für die vorstehend dargelegte Anwendung als Trägermaterial von CV-Bodenbelägen
besonders attraktiv machen. Dabei ist es günstig, wenn die Glasfasern nicht länger
als 15mm und nicht dicker als 10µm sind; weil sich bei oberhalb dieser Werte liegenden
Dimensionen die Oberflächeneigenschaften des Hybrid-Faservlieses verschlechtern. Besonders
bevorzugt bestehen die Glasfasern aus C-Glas und/oder E-Glas.
[0011] Gemäß einer abermals anderen bevorzugten Weiterbildung der vorliegenden Erfindung
beträgt das Flächengewicht des Glasfaservlieses zwischen 25 und 80g/m
2, besonders bevorzugt zwischen 40 und 60g/m
2. Wiederum ergeben sich in diesem Falle ganz besonders vorteilhafte Eigenschaften
des erfindungsgemäßen Hybrid-Faservlieses im Hinblick auf dessen Verwendung als Trägermaterial
in CV-Bodenbelägen mit hervorragenden Eigenschaften.
[0012] Was das Bindemittel des erfindungsgemäßen Hybrid-Faservlieses betrifft, so besteht
hier ein erheblicher Spielraum. Besonders vorteilhafte Bindemittel sind Harnstoffharze
und Polyacrylsäure-Binder. Das Bindemittel kann aber auch Polyacrylsäure umfassen.
Hervorragende Eigenschaften ergeben sich dann, wenn das Bindemittel eine Mischung
aus Harnstoffharz und Polymerdispersion oder eine Mischung Polyacrylsäure-Binder und
Polymerdispersion umfasst.
[0013] Ebenfalls ein erheblicher Spielraum besteht dahingehend, was den Gewichtsanteil des
Bindemittels an dem Hybrid-Faservlies angeht, wobei insoweit auch das jeweils verwendete
spezifische Bindemittel sowie die Verwendung des Hybrid-Faservlieses eine Rolle spielen
können. Für die Verwendung als Trägermaterial eines CV-Bodenbelags ist ein Gewichtsanteil
des Bindemittels zwischen 15 % und 35 %, bevorzugt zwischen 20 % und 30 % des Gesamtgewichts
des Hybrid-Faservlieses von Vorteil.
[0014] Das Bindemittel kann ein Additiv (oder mehrere Additive) enthalten, das (die) bis
zu 50% des Gesamtgewichts des Bindemittels ausmachen kann (können). Das Additiv (bzw.
die Additive) kann (können) dabei die Eigenschaften des Bindemittels im Hinblick auf
die individuelle Bestimmung des Hybrid-Faservlieses spezifisch modifizieren bzw. optimieren.
Typische Additive sind beispielsweise Kaolin und TiO
2. Allerdings kann durch Additive nicht nur das Bindemittel technisch optimiert werden,
sondern Additive eignen sich auch dazu, Kosten zu senken, indem sie den Bedarf an
teurem Bindemittel reduzieren können.
[0015] Die vorliegende Erfindung bezieht sich nach den vorstehenden Ausführungen gleichermaßen
auf das unbehandelte Hybrid-Faservlies, auf ein zur Weiterverarbeitung zu einem CV-Bodenbelag
vorbehandeltes, insbesondere mit einer zusätzlichen Imprägnierung versehenes Hybrid-Faservlies,
wobei es sich bei dem Imprägniermittel insbesondere um Plastisol oder ein sonstiges
PVC-basiertes Mittel handeln kann, sowie auf den fertigen, unter Verwendung des erfindungsgemäßen
Hybrid-Faservlieses hergestellten CV-Bodenbelag, der eine Nutzschicht und eine Strukturschicht
umfasst, wobei die Strukturschicht ein mit einer Imprägnierung versehenes erfindungsgemäßes
Hybrid-Faservlies (s.o.) umfasst. Wenngleich die Verwendung des erfindungsgemäßen
Hybrid-Faservlieses bei der Herstellung von CV-Bodenbelägen im Vordergrund steht,
was die besondere Eignung des erfindungsgemäßen Hybrid-Faservlieses betrifft, so machen
diverse der vorstehend dargelegten, das erfindungsgemäße Hybrid-Faservlies auszeichnenden
Aspekte dieses ggf. auch für anderer Anwendungen mit besonderem Vorteil einsetzbar.
1. Faservlies, nämlich Hybrid-Faservlies umfassend Glasfasern, Polymerfasern und Bindemittel,
mit den folgenden Merkmalen:
die Glasfasern weisen einen mittleren Durchmesser zwischen 6 und 13µm und eine mittlere
Länge zwischen 6 und 15mm auf;
bei den Polymerfasern handelt es sich um Stapelfasern mit einer mittleren Feinheit
zwischen 0,2 und 0,6dtex und einer mittleren Länge zwischen 2 und 4mm;
der Gewichtsanteil der Polymerfasern beträgt zwischen 5 und 20% des trockenen Faservlieses.
2. Hybrid-Faservlies nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Polymerfasern aus PET bestehen.
3. Hybrid-Faservlies nach Anspruch 1 oder Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass der Gewichtsanteil des Bindemittels zwischen 15 und 35%, bevorzugt zwischen 20 und
30% des trockenen Faservlieses beträgt.
4. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass die Polymerfasern eine mittlere Feinheit zwischen 0,3 und 0,4dtex aufweisen.
5. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass die Polymerfasern eine mittleren Länge zwischen 2,5 und 3,5mm aufweisen.
6. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass die Glasfasern einen mittleren Durchmesser zwischen 7 und 10µm aufweisen.
7. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass der Durchmesser der Glasfasern maximal 10µm und dass die Länge der Glasfasern maximal
15mm beträgt.
8. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass die Glasfasern eine mittlere Länge zwischen 7 und 9mm aufweisen.
9. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittel Harnstoffharz, bevorzugt eine Mischung aus Harnstoffharz und einer
Polymerdispersion umfasst.
10. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittel Polyacrylsäurebinder, bevorzugt eine Mischung aus Polyacrylsäurebinder
und einer Polymerdispersion umfasst.
11. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet, dass die Glasfasern aus C-Glas und/oder E-Glas bestehen.
12. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet, dass es ein Flächengewicht von zwischen 25g/m2 und 80g/m2, bevorzugt von zwischen 40g/m2 und 60g/m2 aufweist.
13. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 12,
dadurch gekennzeichnet, dass der Gewichtsanteil der Polymerfasern zwischen 10 und 15% des trockenen Faservlieses
beträgt.
14. Hybrid-Faservlies nach einem der Ansprüche 1 bis 13,
dadurch gekennzeichnet, dass es mit einer zusätzlichen Imprägnierung versehen ist.
15. Hybrid-Faservlies nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Imprägniermittel um Plastisol handelt.
16. CV-Bodenbelag mit einer Nutzschicht und einer Strukturschicht, wobei die Strukturschicht
ein mit einer Imprägnierung versehenes Hybrid-Faservlies nach Anspruch 14 oder Anspruch
15 umfasst.
17. Verfahren der Herstellung des Hybrid-Faservlieses nach Anspruch 1, indem
- Wasser, welches die Glasfasern und die Polymerfasern enthält, im Kreislauf durch
ein Bandsieb geführt,
- die Fasermischung dabei in Form einer Faserschicht mit einer vorgegebenen Schichtstärke
auf dem Bandsieb abgelegt,
- überschüssiges Kreislaufwasser aus der Faserschicht abgezogen,
- die Faserschicht mit Bindemittel versetzt und
- die mit Bindemittel versetzte Faserschicht getrocknet wird.