[0001] Die Erfindung betrifft Feinstfaservliese und papierähnliche Produkte, die flächig
abgelegte, faserige Flockengebilde aus glasartig erstarrten, reaktiven und zur Polymerbildung
befähigten niedermolekularen Harzschmelzen umfassen. Eine durchgängige Polymerbildung
und / oder Funktionalisierung wird mittels gezielter, nachträglicher äußerer Einwirkung
von flüssigen oder gasförmigen Reaktanten oder Katalysatoren ausgelöst. Die Erfindung
betrifft daneben ein Verfahren zur Herstellung der Feinstfaservliese und papierähnlichen
Produkte.
[0002] Üblicherweise werden bei der Herstellung von Feinstfaservliesen aus Polymerschmelzen
bei Faserdurchmessern unter 10 µm sogenannte Meltblown-Verfahren verwendet. Dabei
wird der aus der Düse austretende Schmelzestrahl durch einen Gasstrom zu feinen Fasern
verzogen. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Ausführungen. Charakteristisch ist
eine parallele oder versetzte Anordnung von Spinndüsen und die Verwendung von heißer
Luft hoher Geschwindigkeit zum Verzug der einzelnen Filamente. Bei ausreichend hohem
Massenstrom an Blasgas wird der Einzelfaden stark verzogen und bei Erreichen der Bruchgrenze
abgerissen. Es entsteht eine stochastische Faserlängenverteilung. In der Patentschrift
WO 2006 / 037371 ist ein Verfahren beschrieben, in dem Endlosfasern sehr fein verzogen werden. Dabei
ist der zur Anwendung kommende Gasstrom durch einen maximalen Vordruck stark begrenzt
und die Lufttemperaturen liegen im Bereich von 15 bis 120 °C bei Temperaturen des
geschmolzenen Polymers von 300 bis 400 °C. Zielstellung des Verfahrens ist es, endlose
Filamente ohne Fadenbrüche und ohne Verklebungen der Feinfasern untereinander zu erzeugen.
Dabei ist der Massenstrom an Blasluft durch die angegebenen Druckverhältnisse begrenzt,
es kommen thermoplastische Polymere zum Einsatz.
[0003] Neben den heißen Gasströmen ist auch eine spezielle technische Konstruktion der Düse
zur Erzeugung von Feinstfasern unter Verwendung von Lufttemperaturen von 140 bis 230
°C bei Schmelztemperaturen von 240 bis 330 °C im Patent
DE 33 41 590 beschrieben. Es ergeben sich feine Fasern mit unterschiedlicher Länge. Auch hier
ist es zwar möglich, sehr feine Fasern < 5 µm zu erzeugen, die Fasereinkürzung nimmt
dabei aber deutlich zu.
[0004] In der
US 7,585,454 B2 sind ein Schmelzblasverfahren und eine Vorrichtung beschrieben zur Herstellung von
Faservliesen aus orientierbaren Polymeren, insbesondere aus Polyethylenterephthalat.
In dem Verfahren wird eine Polymerschmelze in Form von Fasern extrudiert, die von
einem umgebenden Heißluftstrom hoher Geschwindigkeit verstreckt werden. Der Heißluftstrom
ist jedoch nicht so intensiv, dass die Fasern dabei aufsplitten. Durch eine kontrollierte
Temperaturführung in mehreren Stufen wird eine Verschlingung bzw. Verklebung erreicht.
Die Fasern werden in mehreren Schichten übereinander abgelegt und geschnitten.
[0005] Gegenstand der
WO 92/16361 ist ein Blasformverfahren zur Herstellung von Vliesen mit mindestens zwei Schichten
aus verschiedenen Fasertypen. Die Fasern werden nach der Extrusion in jeweils einem
Hochgeschwindigkeits-Gasstrom, beispielsweise in einem Luftstrom, turbulent vermischt.
In den Bereichen, in denen die Gasströme überlappen, verbinden und/oder verschlingen
sich die verschiedenen Fasertypen miteinander.
[0006] In der
DE 199 29 709 ist ein Verfahren zur Herstellung feiner endloser Vliesfasern beschrieben. Hier werden
die Faserstränge durch einen Gasstrom gesplittet. Erreicht wird dieser Effekt durch
den Einsatz einer Lavaldüse und das Einstellen überkritischer Strömungsverhältnisse
mit Luftgeschwindigkeiten im sogenannten Supersonic-Bereich. Dabei werden Gasgeschwindigkeiten
größer als die Schallgeschwindigkeit erzeugt. Nachteilig an diesem Verfahren ist,
dass eine spezielle Düsenkonstruktion und Mach-Zahlen Ma > 1 oder ein Verhältnis der
Gasdrücke p(a)/p(i) > 0,525, d.h. ein sogenanntes kritisches Druckverhältnis, eingehalten
werden müssen, um ein Zerplatzen des Faserstranges in viele endlose bzw. quasi endlose
Feinstfilamente zu erreichen.
[0007] Reaktive, zur Polymerbildung geeignete niedermolekulare Harzschmelzen sind auf Grund
der physikalisch-chemischen Eigenschaften nicht grundsätzlich geeignet Faservliese
zu bilden. Dennoch ist ein solches Verfahren in der Patentschrift
WO 2006/100041 beschrieben. Die Fasern werden über eine spezielle Düsenkonstruktion im Gasstrom
verzogen, sie reißen mit stochastischer Verteilung ab und ergeben Feinstfasern in
einer Wirrlage mit unterschiedlichen Faserlängen. Anschließend werden die Fasern mit
einem eine dreidimensionale molekulare Vernetzung auslösenden Medium behandelt und
in einer nachfolgenden thermischen Härtung im Vlies eigenverklebt und/oder ausgehärtet.
[0008] Aufgrund der hohen Klebkraft der reaktiven Harzschmelzen kommt es jedoch bei wirtschaftlich
vertretbaren Blasluftdurchsätzen durch anhaftendes und sich rasch verfestigendes Harz
zu unkontrollierten, den Spinnprozess extrem störenden Krustenbildungen im Düsenbereich.
Verstärkt wird dieser negative Effekt durch den beim Standardverfahren üblichen geringen
Schmelzedurchsatz pro Düsenbohrung. Diese Nachteile stehen einer wirtschaftlich vertretbaren
Spinnleistung und Anlagenstandzeit, bei gleichzeitiger Realisierung der für eine spätere
durchgängige Polymerbildung und ggf. Funktionalisierung der reaktiven Harzvliese erforderlichen
Feinstfaserbildung entgegen.
[0009] Eine Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein kostengünstiges Verfahren zur Herstellung
von Feinstfaservliesen und papierähnlichen Produkten zu entwickeln, das mit Machzahlen
Ma < 1 arbeitet, d.h. unterhalb der Schallgeschwindigkeit, und die Eigenverklebung
der niedermolekularen Harzschmelzen in vorteilhafter Weise ausnutzt. Überraschenderweise
wurde nun gefunden, dass in der Kombination von niedermolekularen Harzen mit für das
Meltblown-Verfahren üblichen Spinndüsen, Gasgeschwindigkeiten bevorzugt im Bereich
kompressibler Gasströmungen mit 0,2 < Ma < 1 und Gastemperaturen oberhalb der Schmelztemperatur
der Harze ein Zerplatzen der Faserstränge erfolgt. Damit sind Faserfeinheiten deutlich
unter 5 µm gesichert erreichbar ohne dass eine zu starke Einkürzung der Faserlänge
zu verzeichnen ist. Gleichzeitig wird ausgenutzt, dass bei geeigneter Gasführung,
Gas- und Schmelzegeschwindigkeit, Temperatur von Gas und Schmelze und einem geeigneten
Verhältnis von Länge zum Durchmesser der Düse diese Fasern nicht nur eindimensional
absplitten, sondern sich unmittelbar nach der Düse aufweiten und durch Verästelungen
und Verklebungen vorzugsweise 2-dimensionale Gebilde bilden, die nur durch feinstfaserige
Stege zusammen gehalten werden. Diese werden im Nachfolgenden als Flocken bezeichnet.
Erklärt wird dies dadurch, dass zusätzlich zu einer entsprechenden Prozessführung
ein Spinnbalken verwendet wird, das heißt, die Düsen sind in Reihe angeordnet und
schließen mit der Oberfläche des Spinnbalkens ab. Das Gas strömt zunächst laminar
und gleichgerichtet mit der austretenden Harz-Schmelze, unmittelbar danach verwirbelt
der Gasstrom. Das hat zur Folge, dass der anblasende Gasstrom ein inhomogenes Strömungsfeld
aufbaut, der Gasdruck ist nicht über den ganzen Umfang des austretenden Schmelzestrahls
gleich und es können Querschläge und Turbulenzen auftreten, was zu Aufweitungen, teilweise
mit Verklebungen, der abgespaltenen Fibride bereits nach dem Austritt aus der Düse
führt. Zusätzlich werden diese Aufweitungen verursacht durch die hohen Gastemperaturen,
die dazu führen, dass bei den niedermolekularen Verbindungen Vernetzungsreaktionen
unter Gasbildung starten. Ebenso wird die Flockenbildung gefördert durch eventuell
in der Schmelze enthaltene Gasbläschen. Nach dem Verlassen der Düse und dem damit
verbundenen Druckabfall tritt Phasentrennung ein und die Gasbläschen vergrößern sich,
was zusätzlich die Kohäsionskräfte in der Schmelze verringert und ein Zerfasern der
Schmelze und somit die Flockenbildung unterstützt (s. Fig. 1).
[0010] Dieses Ergebnis ist überraschend, da nach dem bisherigen Verständnis zur Meltblown-Technologie
zwar grundsätzlich eine Verstreckung der Einzelfilamente und ein stochastisches Abreißen
dieser Filamente in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit des Gasstromes beobachtet
werden konnte. Eine Fasersplittung unter Bildung von feinen Endlosfasern war bisher
nur mit einer speziellen Düsenkonstruktion (Laval-Düse) unter überkritischen Strömungsbedingungen
beobachtet worden, bei Verwendung von niedermolekularen Verbindungen bildeten sich
Feinstfasern (Fibride) durch laminare Gasströme um den austretenden Schmelzestrahl,
eine Flockenbildung ist bisher nicht berichtet worden. Weiterhin ist überraschend,
dass trotz der Flockenbildung, also des Auftretens von Eigenverklebungen und Verästelungen
vor der Vliesablage, ein gleichmäßiger Vliesstoff abgelegt wird, der ein gleichmäßiges
Flächengewicht und eine ebenmäßige Oberfläche aufweist.
[0011] Für dieses Verfahren sind die Düsen bevorzugt nicht an der Spitze von Düsenkegeln
angeordnet, wie in der
WO 2006/100041 A1, sondern auf einem Spinnbalken nebeneinander. Bevorzugte Prozessbedingungen sind:
ein Schmelzedurchsatz je Düse zwischen 1,0 und 1,8 g/min, besonders bevorzugt etwa
1,44 g/min, eine Temperatur der Schmelze zwischen 120 und 130 °C, besonders bevorzugt
130°C, eine Temperatur des Gasstroms zwischen 190 und 230 °C, besonders bevorzugt
220 °C, und Geschwindigkeiten des Gasstroms von 300 m/s. Der Gasstrom ist vorzugsweise
ein Heißluftstrom.
[0012] Gegenstand der Erfindung ist demgemäß ein Verfahren zur Herstellung von Feinstfaservliesen
und papierähnlichen Produkten aus reaktionsfähigen, thermoplastischen, niedermolekularen
Harzschmelzen, das dadurch gekennzeichnet ist, dass die Harzschmelzen in Gasmedien
mit einer Gasgeschwindigkeit im Bereich von 0,2 < Ma < 1,0 bei einer Temperatur des
Gasmediums oberhalb der Schmelztemperatur des verwendeten niedermolekularen Harzes
hergestellt werden, wobei die aus der Düse austretenden Harzschmelzen zunächst zu
feinstfaserigen Gebilden verzogen und aufgesplittet werden und eine Flockenbildung
erfolgt, die Flocken zu einem Feinstfaservlies oder zu papierähnlichen Produkten abgelegt
und die thermoplastischen, niedermolekularen Harze durch Kondensation in duroplastische
Harze umgewandelt werden.
[0013] Der Einzelfaserdurchmesser in den erfindungsgemäßen Feinstfaservliesen oder papierähnlichen
Produkten beträgt weniger als 5 µm. Da es sich um flockenartige Gebilde handelt, ist
nicht der Durchmesser von Einzelfasern im engeren Sinn gemeint. Gemeint ist vielmehr
der Durchmesser der faserigen Verästelungen und Stege in den Flocken, die immer auch
eine Faserdurchmesserverteilung aufweisen. Diese Faserdurchmesser liegen in einem
Bereich von 0,5 bis 5 µm. Die Fasern bestehen aus glasartig erstarrten, reaktiven
und zur Polymerbildung befähigten Harzschmelzen und liegen in Form von Faserflocken
vor. Die Flocken weisen zunächst noch thermoplastische Eigenschaften auf. Das Erreichen
einer durchgängigen Polymerbildung, gegebenenfalls mit einer gekoppelten Funktionalisierung,
wird mittels gezielter, nachträglicher Einwirkung von flüssigen oder gasförmigen Katalysatoren
oder anderen Reaktanten hervorgerufen. Erst dann liegen duroplastische Eigenschaften
vor.
[0014] Beschreibung der Figuren:
Fig. 1 zeigt schematisch eine Spinndüse (1), aus der ein Schmelzestrahl (2) austritt.
Durch den damit verbundenen Druckabfall tritt ein Wachstum der Gasblasen (3) ein.
Fig. 2 zeigt die Anordnung der Molekülketten in üblichen Thermoplasten. Die Molekülketten
sind ineinander verschlungen.
Fig. 3 zeigt die Anordnung der thermoplastischen Oligomere in der niedermolekularen
Harzschmelze, wie sie in der vorliegenden Erfindung verwendet wird. Die Harzschmelzen
sind durch eine globuläre Struktur mit einer reaktiven Gleitebene an der Oberfläche
gekennzeichnet. Die Harzschmelze zeigt daher kein ausgeprägtes strukturviskoses Verhalten,
im Unterschied zu Thermoplasten mit linearen Molekülketten.
Fig. 4 zeigt die Temperaturverteilung im Schmelzestrahl (2). Durch den heißen Gasstrom
(4) weist die Schmelze in der Randzone (6) eine gegenüber der Kernzone (5) verminderte
Viskosität auf, was die Zerfaserung des Schmelzestrahls und die Flockenbildung ermöglicht.
[0015] Die Harzschmelzen können zusätzlich weitere, die Eigenschaften beeinflussende Additive
enthalten, beispielsweise Ruß (carbon black) als Antistatikum oder Pigmente zur Farbgebung.
Auch Flammschutzmittel zur Optimierung der Flammschutzwirkung oder viskositätsändernde
Mittel, z.B. bis zu 1 Gew.-% Wasser oder Butandiole, sind denkbar, neben anderen Additiven.
[0016] Die nach dem Verfahren erhältlichen Feinstfaservliese und papierähnlichen Produkte
selbst sind ebenfalls Teil der vorliegenden Erfindung. Der Durchmesser der einzelnen
Fasern darin liegt im Bereich von 1 bis 5 µm. Die Einzelfasern sind damit deutlich
dünner als die nach dem Verfahren gemäß der
WO 2006/100041 A1 erhaltenen.
[0017] Geeignete Harze für diese Art der Vliesbildung sind z.B.
- mono-, di- und oligomere Hexoseanhydride, insbesondere 1.2-Glucoseanhydrid. 1.2-Glucoseanhydrid
ist durch Dehydratisation von α-Glucose im Vakuum bei ca. 140°C erhältlich.
- mit Methanol verätherte Melamin-Formaldehyd-Harze (MER), insbesondere solche gemäß
WO 2006/100041.
[0018] Die reaktionsfähigen niedermolekularen Harzschmelzen sind zur Polymerbildung befähigt.
Sie unterscheiden sich in ihrem Aufbau grundsätzlich von den klassischen, zur Herstellung
von textilen Fasern benutzten Polymerschmelzen.
[0019] Sie
- bestehen aus Monomeren und /oder Oligomeren mit 1 bis 8 Basisbausteinen (Monomer-Einheiten),
- enthalten pro Harzmolekül mindestens eine zur Polymerbildung befähigte Gruppe, zuzüglich
einer großen Anzahl von zur Wasserstoffbrückenbildung befähigten Gruppen,
- besitzen aufgrund ihrer großen Anzahl von reaktiven, zur Wasserstoffbrückenbildung
befähigten Gruppen eine hohe Klebefähigkeit (Adhäsionskraft),
- können nur mit selbstanspinnenden Verfahren zu faserigen Gebilden (Flocken) umgeformt
werden
- neigen zur thermisch ausgelösten Oligomer-/ Polymerbildung,
- erstarren bei T > Raumtemperatur zu glasartigen Körpern,
- vernetzen, insbesondere bei Einwirkung katalytischer Verbindungen und Reaktanten (z.B.
Diisocyanaten, organischen oder anorganischen Säuren).
[0020] Überraschenderweise wurde gefunden, dass solche reaktionsfähigen Harzschmelzen auf
Grund ihres spezifischen Fließ- und Fadenziehverhaltens auch in unterkritischen Strömungsverhältnissen
p(a)/p(i) < 0,528 aufspleißen. Der dafür erforderliche Geschwindigkeitsbereich der
Gasströmung umfasst den Bereich kompressibler Gasmedien im Bereich 0,2 < Ma < 1.0.
Die Temperatur des Gasmediums ist dabei oberhalb der Schmelztemperatur des verwendeten
niedermolekularen Harzes zu wählen. Das Verhältnis der Gas- und der Schmelztemperatur,
gemessen in °C, liegt bei T(g)/T(s) > 1.0 bis 3,0.
[0021] Die für den Effekt der Faserspleißung erforderliche Randbedingung der höheren Temperatur
der Gasströmung im Verhältnis zur Schmelztemperatur des Harzes wirkt hier zusätzlich
positiv und gestattet ein störungsfreies Erspinnen unter Flockenbildung in hoher Qualität
und Produktivität.
[0022] Weitere Einflussmöglichkeiten liegen in der Beeinflussung von Turbulenzen bei Austritt
des Schmelzestrahls aus den Düsen durch Variation der Geschwindigkeitsdifferenz zwischen
Schmelzestrom und Gasstrom, in der Beeinflussung der Gleichmäßigkeit der Gasströmung
über den Umfang des Schmelzestrahls (Reihendüse, Kegeldüse) und in der Düsengeometrie
(air gap, end gap, set back).
[0023] Bei den beschriebenen Kombination der reaktiven niedermolekularen Harzschmelzen,
der Gasgeschwindigkeiten im Bereich der kompressiblen Medien mit 0,2 < Ma < 1.0 und
Temperaturen des Gasstromes, die im Verhältnis 1.0 bis 3.0 höher liegen als die Schmelztemperatur
des Harzes, ergibt sich, dass bereits ein ausreichend großer Formwiderstand F

zum Aufspleißen des Schmelzestromes mit anschließender Flockenbildung ausreicht.
Die Geschwindigkeit des Gasstromes ist kleiner als

mit

wobei
k = Formwiderstandsfaktor,
ρ = Dichte des Gases,
w = Geschwindigkeit des Gasstroms,
A(St) = Anströmquerschnitt,
T(a) = Gastemperatur außen,
T(i) = Gastemperatur innen (innerhalb des Druckbehälters),
p(a) = Gasdruck außen,
p(i) = Gasdruck innen (innerhalb des Druckbehälters)
K = Isentropenexponent und
R(k) = Gaskonstante)
[0024] Die reaktiven niedermolekularen Harzschmelzen können in einem Extruder aufgeschmolzen
werden oder über einen Dünnschichtverdampfer direkt dem Spinnbalken einer Meltblown-Anlage
zugeführt werden. Bei Einhalten der Randbedingungen im Düsenbereich werden sehr feine
Fasern im Durchmesser kleiner 5 µm erhalten, die dann durch Eigenverklebung und Verästelungen
in Flockenform den Spinnbalken verlassen. Diese Flocken werden auf ein Transportband
abgelegt. Die Temperatur- und Abstandsbedingungen zwischen der Düse und dem Ablage-
und Transportband sind variabel, so dass die Größe der Flocken wie auch die Ablagedichte
eingestellt werden können. Es können lockere, aber auch sehr dichte Vlies- und papierähnliche
Strukturen entstehen.
[0025] In einer besonderen Ausführungsform kann das abgelegte Vlies auch ohne die für die
Papierherstellung notwendigen Schritte des Aufschlämmens und Verwirbelns der Einzelfasern
direkt zu papierähnlichen Produkten verarbeitet werden. Dazu muss nur das abgelegte
Vlies befeuchtet und anschließend heiß verpresst werden. Dabei wirkt die zugesetzte
Flüssigkeit als Gleitmittel und bewirkt eine Neuorganisation der faserigen Flocken.
In einer besonderen Ausführungsform kann Wasser als Gleitmittel eingesetzt werden.
Es entsteht ein papierähnliches flächiges Material mit glatter Oberfläche. Dabei resultieren
die Haltekräfte zwischen den Einzelfasern nicht wie bei "klassischen" Papieren aus
chemischen Bindungen und Wasserstoffbrückenbindungen, oder wie bei kalandrierten thermoplastischen
Wirrlagen aus den Verschmelzungen der Fasern untereinander, sondern aus den Verschlingungen
und Verhakungen der feinstfaserigen Aminoplastflocken und deren hoher Biegesteifigkeit.
Auch kann der Zusatz von Bindefasern oder Bindemitteln zur besseren Festigkeit der
Papiere entfallen.
[0026] Die entstehenden Papiere zeichnen sich durch hohe Flamm- und Hitzebeständigkeit aus
und können als elektrischer Isolator eingesetzt werden. Sie besitzen eine hohe Durchschlagsfestigkeit,
hohe Formbeständigkeit nach der Verarbeitung und weisen nur eine geringe elastische
Rückverformung auf. Die Papiere aus duroplastischen Materialien werden über eine thermoplastische
Vorstufe der oligomeren Vorkondensate in einem Direktverfahren hergestellt. Der Gewichtsanteil
Aminoplast im Papier beträgt 95 % oder mehr. Er kann auch 100 Gew.-% betragen. Durch
den Schritt der Heißverpressung können die Dicke des Papiers und die Bindefestigkeit
eingestellt werden. Zur Erhöhung von Festigkeit, Flexibilität und Faserbindung können
vor dem Heißkalandrieren bis zu 5 Gew.% duromeres Vorkondensat (Dispersion, Lösung,
Pulver) oder thermoplastische Anteile, wie PVC, PA oder PEEK, in Form von Dispersion,
Lösung oder Pulver zugesetzt werden.
[0027] Das so entstandene Vlies oder papierähnliche Produkt wird einer weiteren Verfahrensstufe
zugeführt, in der ein flüssiger oder gasförmiger Reaktant oder Katalysator mit dem
flächigen Produkt in Kontakt gebracht. Damit wird eine Polymerbildung oder Funktionalisierung
der Harzschmelze erreicht. Wenn erforderlich, können weitere Behandlungsstufen, z.B.
zur Neutralisation der Reaktanten oder Katalysatoren, eingebunden werden.
[0028] In einem weiteren Behandlungsschritt werden die flächigen Produkte einer thermischen
Behandlung unterzogen. Die erforderlichen Behandlungstemperaturen sind im Verhältnis
von 1.0 bis 4.0, bezogen auf die Schmelztemperatur (in °C) des Harzes einzustellen.
[0029] Die so entstandenen Vliese oder papierähnlichen Produkte sind für textile und technische
Anwendungen einsetzbar. Besondere Eigenschaften der Produkte des Verfahrens sind Flammfestigkeit,
hohe Dauergebrauchstemperatur, Schallabsorptionsvermögen und spezifische elektrische
Eigenschaften.
1. Verfahren zur Herstellung von Feinstfaservliesen oder papierähnlichen Produkten aus
reaktionsfähigen, thermoplastischen, niedermolekularen Harzschmelzen, dadurch gekennzeichnet, dass die Harzschmelzen in Gasmedien mit einer Gasgeschwindigkeit im Bereich von 0,2 <
Ma < 1,0 bei einer Temperatur des Gasmediums oberhalb der Schmelztemperatur des verwendeten
niedermolekularen Harzes hergestellt werden, wobei ein Spinnbalken verwendet wird
und wobei der anblasende Gasstrom ein inhomogenes Strömungsfeld aufbaut, so dass die
aus der Düse austretenden Harzschmelzen zunächst zu feinstfaserigen Gebilden verzogen
und aufgesplittet werden und eine Flockenbildung erfolgt, die Flocken zu einem Feinstfaservlies
oder zu papierähnlichen Produkten abgelegt werden und die thermoplastischen, niedermolekularen
Harze durch Kondensation in duroplastische Harze umgewandelt werden.
2. Verfahren zur Herstellung von Feinstfaservliesen oder papierähnlichen Produkten nach
Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Durchmesser der Faserstege in den feinstfaserigen Flocken kleiner 10 µm, insbesondere
kleiner 5 µm, sind.
3. Verfahren zur Herstellung von Feinstfaservliesen oder papierähnlichen Produkten nach
Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis der Temperatur des Gasstromes zu der Schmelztemperatur des Harzes,
gemessen in °C, im Bereich von größer 1,0 bis 3,0 liegt.
4. Verfahren zur Herstellung von Feinstfaservliesen oder papierähnlichen Produkten nach
Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die faserigen Feinstfaserflocken auf einem Transportband zu einem Vlies abgelegt
und vom Gasstrom getrennt werden.
5. Verfahren zur Herstellung von papierähnlichen Produkten nach Anspruch 1 und 4, dadurch gekennzeichnet, dass dem auf einem Transportband abgelegten Vlies ein flüssiges Gleitmittel zugesetzt
wird und das Vlies anschließend heiß verpresst wird.
6. Verfahren zur Herstellung von papierähnlichen Produkten nach einem der Ansprüche 1,
4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass das papierähnliche Produkt aus mindestens 95 Gew. % eines Aminoplasts besteht.
7. Verfahren zur Herstellung von Feinstfaservliesen oder papierähnlichen Produkten nach
Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Feinstfaservlies oder papierähnliche Produkt einer weiteren Behandlungsstufe
zugeführt wird, in der ein flüssiger oder gasförmiger Reaktant oder Katalysator mit
den flächigen Produkt in Kontakt gebracht und damit eine Polymerbildung oder Funktionalisierung
der Harzschmelze ermöglicht wird.
8. Verfahren zur Herstellung von Feinstfaservliesen oder papierähnlichen Produkten nach
Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Feinstfaservlies oder papierähnliche Produkt in einem weiteren Behandlungsschritt
einer thermischen Behandlung unterzogen wird, wobei die Behandlungstemperaturen im
Verhältnis von 1.0 bis 4.0, bezogen auf die Schmelztemperatur des Harzes, eingestellt
werden.
9. Feinstfaservliese oder papierähnliche Produkte, herstellbar nach einem Verfahren gemäß
einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8.
1. Process for preparation of microfibre webs or papery products from reactive thermoplastic
low molecular weight resin melts, characterized in that the resin melts are formed in gas media having a gas velocity in the range from 0.2
< Ma < 1.0 at a gas medium temperature above the melting temperature of the low molecular
weight resin used, wherein a spinning beam is used and wherein the blowing stream
of gas builds up an inhomogeneous field of flow whereby the resin melts emerging from
the nozzle are initially attenuated into microfibrous structures which split into
flocs, the flocs are laid down as a microfibre web or as papery products and the thermoplastic
low molecular weight resins are converted into thermoset resins by curing.
2. Process for preparation of microfibre webs or papery products according to Claim 1,
characterized in that the diameters of the fibrous struts in the microfibrous flocs are below 10 µm, in
particular below 5 µm.
3. Process for preparation of microfibre webs or papery products according to Claim 1,
characterized in that the ratio of the temperature of the stream of gas to the melting temperature of the
resin, measured in °C, is in the range from above 1.0 to 3.0.
4. Process for preparation of microfibre webs or papery products according to Claim 1,
characterized in that the fibrous flocs of microfibre are laid down as a web on a moving belt and separated
from the stream of gas.
5. Process for preparation of papery products according to Claims 1 and 4, characterized in that a liquid lubricant is added to the web laid down on a moving belt and the web is
subsequently hot-pressed.
6. Process for preparation of papery products according to any one of Claims 1, 4 and
5, characterized in that the papery product consists of an amino resin to an extent of not less than 95 wt%.
7. Process for preparation of microfibre webs or papery products according to Claim 1,
characterized in that the microfibre web or papery product is sent to a further treating stage where a
liquid or gaseous reactant or catalyst is brought into contact with the sheetlike
product to thereby enable a polymerization or functionalization of the resin melt.
8. Process for preparation of microfibre webs or papery products according to Claim 1,
characterized in that the microfibre web or papery product is subjected to a thermal treatment in a further
treating step wherein the treatment temperatures are established in a ratio of from
1.0 to 4.0, based on the melting temperature of the resin.
9. Microfibre webs or papery products obtainable by a process according to one or more
of Claims 1 to 8.
1. Procédé de fabrication de nappes à fibres fines ou de produits analogues au papier
à partir de masses fondues réactives de résine thermoplastique de faible poids moléculaire,
caractérisé en ce que les masses fondues de résine sont fabriquées dans un milieu gazeux à une vitesse
des gaz dans la plage de 0,2 < Ma < 1,0 à une température du milieu gazeux au-dessus
de la température de fusion de la résine de faible poids moléculaire utilisée, dans
lequel on utilise une barre de filage et dans lequel le courant de gaz insufflé instaure
un champ d'écoulement non homogène de sorte que les masses fondues de résine sortant
de la filière soient d'abord laminées en produits de fines fibres et dispersées et
qu'il se forme des flocons, que les flocons se déposent en nappe à fines fibres ou
en produits analogues au papier et que les résines thermoplastiques de faibles poids
moléculaires se convertissent en résines thermodurcissables.
2. Procédé de fabrication de nappes à fibres fines ou de produits analogues au papier
selon la revendication 1, caractérisé en ce que les diamètres des joncs de fibres dans les flocons de fibres fines sont plus petits
que 10 µm, en particulier plus petits que 5 µm.
3. Procédé de fabrication de nappes à fibres fines ou de produits analogues au papier
selon la revendication 1, caractérisé en ce que le rapport de la température du courant de gaz à la température de fusion de la résine,
mesurées en °C, se situe dans la plage de plus de 1,0 à 3,0.
4. Procédé de fabrication de nappes à fibres fines ou de produits analogues au papier
selon la revendication 1, caractérisé en ce que les flocons fibreux à fines fibres sont déposés sur une bande transporteuse en forme
de nappe et séparées du courant de gaz.
5. Procédé de fabrication de produits analogues au papier selon les revendications 1
et 4, caractérisé en ce que l'on ajoute à la nappe déposée sur une bande transporteuse un agent lubrifiant liquide
et la nappe est ensuite comprimée à chaud.
6. Procédé de fabrication de produits analogues au papier selon l'une quelconque des
revendication 1, 4 ou 5, caractérisé en ce que le produit analogue au papier est constitué d'au moins 95 % en poids d'un aminoplaste.
7. Procédé de fabrication de nappes à fibres fines ou de produits analogues au papier
selon la revendication 1, caractérisé en ce que la nappe à fines fibres ou le produit analogue au papier est acheminé(e) à une autre
étape de traitement, dans laquelle un réactif ou un catalyseur liquide ou gazeux est
amené en contact avec le produit plat et permet donc une formation de polymère ou
une fonctionnalisation de la masse fondue de résine.
8. Procédé de fabrication de nappes à fibres fines ou de produits analogues au papier
selon la revendication 1, caractérisé en ce que la nappe à fibres fines ou le produit analogue au papier est soumis(e) dans une autre
étape de traitement à un traitement thermique, dans lequel les températures de traitement
sont réglées dans le rapport de 1,0 à 4,0 par rapport à la température de fusion de
la résine.
9. Nappes à fines fibres ou produits analogues au papier qui peuvent être fabriqué(e)s
par un procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 8.