[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Trocknen von einer auf einer
Seite einer Trägerplatte aufgetragenen wässrigen Beschichtung gemäß dem Oberbegriff
des Anspruchs 1 und eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens gemäß Anspruch
14.
Beschreibung
[0002] Holzwerkstoffplatten als Trägerplatten bzw. Trägermaterialien werden in den verschiedensten
Bereichen des täglichen Lebens eingesetzt. So werden Holzwerkstoffplatten unter anderem
als Fußbodenpaneele, zum Beispiel in Form von Laminatböden, als Dämmstoffplatten für
den Innen- und Außenbereich oder auch als Wandpaneele verwendet. Derartige Holzwerkstoffplatten
werden üblicherweise aus Holzfasern, Holzspänen oder Strands hergestellt. Im Falle
von Laminatböden werden zum Beispiel aus Holzfasern hergestellte HDF-Platten (HDF
= Faserplatte mit erhöhter Rohdichte) mit vielfältigen Dekoren und darauf aufgetragenen
Schutzschichten verwendet.
[0003] Die Schutzschichten können, je nach Verwendungszweck und Beanspruchung in der Nutzung,
in den verschiedensten Formen aufgebracht werden. Die Schutzschicht kann im einfachsten
Fall aus dem Harzüberstand eines duroplastischen Harzes bestehen, der bei der Herstellung
von imprägnierten Papieren, die später auf Holzwerkstoffe aufgepresst werden, auf
das Papier aufgebracht wird. Damit können Nutzungen im Möbelbereich (horizontale oder
vertikale Anwendungen) abgedeckt werden. Falls eine höhere Verschleißfestigkeit benötigt
wird kann der Harzüberstand erhöht und dem duroplastischen Harz verschleißhemmende
Mineralien (Korund, Glaskugeln usw.) zu gemischt werden. Eine solche flüssige Harzschicht
wird auch als Flüssigoverlay bezeichnet (
WO 2011/076305 A1).
[0004] Bei besonders hohen Beanspruchungen können auf der Oberseite des Dekors auch mehrere
Harzschichten mit verschleißhemmenden Materialien aufgebracht werden. Eine weitere
Steigerung der Verschleißfestigkeit ist durch die Verwendung von sogenannten Overlays
möglich. Diese bestehen aus beharzten, transparenten Papieren in denen sich ebenfalls
verschleißhemmende Partikel befinden. Diese können auch mit Dekoren in denen im Harzüberstand
verschleißhemmende Partikel enthalten sind kombiniert werden.
[0005] Ein weiteres Beispiel in der Verwendung von wässrigen Harzlösungen ist zum Beispiel
die Imprägnierung und anschließende Trocknung von Papieren, insbesondere von Dekor-,
Overlay-, Kraft- und Gegenzugpapieren für Anwendungen in der Holzwerkstoffindustrie.
Diese Papiere werden mit wässrigen Melamin-, Harnstoff- und Phenolharzen bzw. deren
Gemischen imprägniert und anschließend in Schwebetrocknern auf definierte Restfeuchten
getrocknet. Dabei dient heiße Luft nicht nur als Trockenmedium, sondern trägt auch
das imprägnierte Papier durch den Trockenkanal. Die derart vorgetrockneten imprägnierten
Papiere werden alleine oder in Kombination mit anderen imprägnierten Papieren in unterschiedlichen
Prozessen zu den verschiedensten Produkten, wie zum Beispiel direkt beschichteten
Holzwerkstoffen, Schichtstoffen und Kompaktplatten, verarbeitet.
[0006] Wesentlich ist hierbei, dass die Imprägnierung und Trocknung zu imprägnierten Papieren
mit definierten Harzaufträgen und so genannten Restfeuchten führt. Die Restfeuchten
sind im finalen Verpressungsprozess für das Fließen der Harze vor der Endvernetzung
verantwortlich. Der Wassergehalt bzw. die Restfeuchte muss sich in einem relativ engen
Rahmen bewegen, da ansonsten Qualitätsprobleme bei der Verarbeitung auftreten bzw.
sich im fertigen Produkt zeigen können. Typischerweise liegt der Bereich für die zu
erreichende optimale Restfeuchte von Imprägnaten oder imprägnierten Papieren bei maximal
ca. 6+/- 1 %. Die Restfeuchte in der Harzbeschichtung stammt zum einen aus der wässrigen
Harzlösung und zum anderen entsteht durch die Aushärtung des Harzes aufgrund von Kondensationsreaktionen
zusätzliches Wasser. Entsprechend setzt sich die Restfeuchte in der Harzbeschichtung
aus freiem und gebundenem Wasser zusammen.
[0007] Die oben beschriebenen Verfahren zum Trocknen von mit wässrigen Harzschichten versehenen
Trägermaterialien betreffen jeweils Verfahren, bei denen Papiere oder Papierkarton
mit Harzen imprägniert wurden und die Trocknung gleichmäßig von beiden Seiten der
Warenbahn in einem entsprechenden Trockner erfolgen kann. Die als Trägermaterialien
verwendeten Papiere sind dabei relativ dünn und weisen einen Flächengewichtsbereich
zwischen 25 und 250 g/m
2 auf. Damit ist eine gleichmäßige Erwärmung im ganzen Querschnitt des Papierträgermaterials
problemlos möglich. Auch liegen die Aufträge der wässrigen Harzlösungen in den meisten
Fällen unterhalb von 100 %. Lediglich bei einigen wenigen, aber sehr dünnen Papieren,
wie dem Overlaypapier, liegt der Harzauftrag bei bis zu 300-400 %. Die verwendeten
wässrigen Harzlösungen (auch Harzflotten genannt) weisen üblicherweise einen Wassergehalt
zwischen 40 und 60 % auf.
[0008] Neben den beschriebenen Heißlufttrockenverfahren sind auch andere Trockenverfahren
bekannt. Hier sei auf die Verwendung von Infrarot (IR) - Strahlung, Mikrowellenstrahlung
und/oder NIR (Nahinfrarot)-Strahlung hingewiesen. Der Einsatz von Strahlung in einem
Trocknungsprozess stellt allerdings hohe technische Anforderungen oder ist wegen der
ausgereiften Warmluftverfahren nicht nötig, und wird deshalb häufig lediglich zur
Steigerung der Produktivität oder für Spezialanwendungen gebraucht.
[0009] Beispielhaft sei hier auf die Verwendung von NIR-Strahlung zum Trocknen von harzimprägnierten
Papieren hingewiesen, die in der
WO 2007/065222 A1 beschrieben ist. In dem hier beschriebenen Verfahren wird ein dünnes Dekorpapier
mit einem wässrigen Melamin-Formaldehyd-Harz beidseitig in einem Harzbad imprägniert
(Vollimprägnierung) und anschließend von beiden Seiten mit NIR-Strahlung für einen
kurzen Zeitraum, zum Beispiel zwischen 0,2 bis 1,5 s bestrahlt. Diese Bestrahlung
bewirkt eine zu mindestens teilweise Entfernung des wässrigen Lösemittels, und eine
zumindest teilweise Vernetzung des Harzes. Aufgrund der beidseitigen Imprägnierung
des dünnen Dekorpapieres und dessen geringe Dicke erfolgt die Fahrweise mit großen
Vorschub z.B. bei 60 bis 70 m/min.
[0010] Das direkte Aufbringen einer wässrigen Harzbeschichtung auf eine Trägerplatte, wie
zum Beispiel eine Holzwerkstoffplatte, stellt jedoch andere Anforderungen an einen
Trocknungsprozess. So ergeben sich bei der Trocknung in einem Trockner mit Warmluft
als Trockenmedium eine Reihe von Nachteilen. Im Falle von Holzwerkstoffplatten als
Trägerplatte ist zum Beispiel eine beidseitige Trocknung nicht möglich, da die Trägerplatte
isolierend wirkt. Eine Trocknung von der Oberseite führt dazu, dass die Feuchte in
den im unteren Bereich lokalisierten Harzschichten zur Trägerplatte hin verschoben
wird, wodurch ein Feuchtegradient zur Platte hin entsteht, der wiederum zu einer ungleichmäßige
Trocknung des aufgetragenen Harzes führt. So ist die Harzschicht an der Oberseite
bereits trocken, während es auf der Oberfläche der Trägerplatte noch relativ feucht
sein kann. Dies führt zu einer Beeinflussung der Oberflächenqualität der beschichteten
Trägerplatte wie z.B. Verlaufsstörungen in der Harzbeschichtung, die als störend empfunden
werden. Mit den herkömmlichen Methoden ist demnach keine definierte Trocknung einer
einseitig auf die Werkstoffplatte aufgetragenen Harzschicht möglich.
[0011] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die technische Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
zur Trocknung von wässrigen Harzaufträgen, insbesondere wässrigen Harzlösungen, auf
Trägerplatten bereitzustellen, die eine gleichmäßige und kostengünstige Trocknung
der wässrigen Beschichtung bzw. Harzauftrages auf einen vorbestimmten Endpunkt ermöglicht
und somit die oben genannten Mängel behebt.
[0012] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst.
[0013] Demnach wird ein Verfahren zum Trocknen von mindestens einem auf mindestens einer
Seite einer Trägerplatte aufgetragenen wässrigen Harzauftrages oder auch einer wässrigen
Druckschicht bereitgestellt. Bei der zu trocknenden Schicht handelt es sich typischerweise
um eine dekorative Oberfläche.
[0014] Das vorliegende Verfahren umfasst die folgenden Schritte:
- i) eine mindestens einmalige Bestrahlung des mindestens einen wässrigen Harzauftrages
mit NIR-Strahlung, und
- ii) eine anschließende mindestens einmalige thermische Behandlung des mit NIR-Strahlung
bestrahlten wässrigen Harzauftrages.
[0015] Entsprechend wird ein Verfahren zum Trocknen von Beschichtungen in Form von wässrigen
Harzauftragen auf Trägerplatten bereitgestellt, welches eine Kombination der zwei
Trockenmethoden NIR-Bestrahlung und thermische Behandlung vereint. Die vorliegende
kombinierte Trockenmethode trägt den geänderten Ansprüchen einer Trocknung von wässrigen
Harzaufträgen wie z. B. wässrigen Harzsystemen auf Trägerplatten Rechnung.
[0016] Von besonderem Vorteil ist, dass durch die vorliegende Kombination von NIR/Temperatur-Trocknung
eine gleichzeitige Trocknung über die gesamte Beschichtung bzw. den gesamten Beschichtungsquerschnitt
erfolgt, d. h. die Bildung eines Feuchtegradientens innerhalb der Beschichtung wird
vermieden. Die im Schritt der thermischen Behandlung verwendete Warmluft ermöglicht
einen effektiven Abtransport der Feuchte, die aus den unteren Beschichtungslagen durch
die NIR-Trocknung nach oben transportiert wird. Auch ist aufgrund der zusätzlichen
Trocknerkapazität eine Steigerung der Produktivität möglich.
[0017] Das vorliegende Verfahren ermöglicht entsprechend eine erhebliche Reduzierung des
Restwassergehaltes in der Harzbeschichtung. So beträgt die Restfeuchte in einer Harzschicht
auf einer Werkstoffplatte nach einem konventionellen Trocknungsverfahren (d.h. ohne
NIR-Trocknung) 9 bis 11%, während mit dem vorliegenden Verfahren mit NIR-Trocknung
die Restfeuchte um 2 bis 3% reduziert werden konnte. Eine solch definiert einstellbare
Restfeuchte ermöglicht einen optimalen Fluss des Harzauftrages, so dass keine optisch
unangenehm empfundenen Flussstörungen auftreten. Eine Restfeuchte von 3 bis 10%, bevorzugt
5 bis 10%, insbesondere bevorzugt 6 bis 9% stellt somit ein Optimum hinsichtlich der
Qualität der Harzbeschichtung dar.
[0018] Es ist vorgesehen, dass das vorliegende Verfahren insbesondere zur Trocknung von
wässrigen Harzaufträgen bzw. Beschichtungen verwendet wird, wobei der mindestens eine
wässrige Harzauftrag auf einer Seite der Trägerplatte (bevorzugt auf der Oberseite
der Trägerplatte) aufgetragen ist. Es ist aber auch vorstellbar, eine Trocknung der
Unterseite bzw. Gegenseite der Trägerplatte oder auch der Ober-und Unterseite der
Trägerplatte mit dem vorliegenden Verfahren durchzuführen.
[0019] Die Gegenseite der Trägerplatte kann entsprechend mit einer Gegenzugbeschichtung,
Kraftpapier, schalldämmenden Schichten, wie z. B. vernetzten PE-Matten, geschäumten
PE-oder PU-Folien etc. versehen sein.
[0020] Entsprechend ist auch vorgesehen, dass ausschließlich die mindestens eine mit der
wässrigen Beschichtung versehene Seite der Trägerplatte, d.h. insbesondere die Oberseite
der Trägerplatte, mit NIR-Strahlung bestrahlt und getrocknet wird. Es erfolgt demnach
bevorzugt keine NIR-Bestrahlung von beiden Seiten der Trägerplatte.
[0021] In einer Ausführungsform des vorliegenden Verfahrens liegt der mindestens eine wässrige
Harzauftrag als wässrige Harzlösung und/oder als wässrige Druckfarbe vor. Dabei kann
die zum Einsatz kommende wässrige Harzlösung bzw. Harzbeschichtung aus mindestens
einem formaldehydhaltigen Harz, insbesondere einem Melamin-Formaldehyd-Harz, einem
Harnstoff-Formaldehyd-Harz oder Gemischen aus beiden bestehen. Weiterhin ist auch
die Verwendung von wässrigen Polyurethan (PU)- oder Acrylat-Systemen möglich.
[0022] In einer bevorzugten Ausführungsform beträgt die Auftragsmenge der mindestens einen
wässrigen Beschichtung zwischen 20 und 200 g/m
2, bevorzugt zwischen 50 und 180 g/m
2, insbesondere bevorzugt zwischen 80 und 160 g/m
2. Demnach werden Auftragsmengen verwendet, die in relativ dicken Beschichtungen münden.
So kann die Harzbeschichtung eine Dicke zwischen 50 und 200 µm, bevorzugt zwischen
50 und 150 µ, insbesondere bevorzugt zwischen 50 und 100 µm aufweisen.
[0023] Der Feststoffgehalt des mindestens einen wässrigen Harzauftrages, insbesondere bei
Verwendung von wässrigen Harzbeschichtungen bzw. -Lösungen kann in einem Bereich zwischen
20 und 90 %, bevorzugt 30 und 70 %, insbesondere bevorzugt 50 und 60 % liegen. Ganz
besonders bevorzugt ist ein Feststoffgehalt von 55 bis 60 %.
[0024] Die Dicke der verwendeten Trägerplatte kann zwischen 5 und 30 mm, bevorzugt zwischen
5 und 15 mm, insbesondere bevorzugt zwischen 5 und 12 mm, ganz besonders bevorzugt
zwischen 5 und 10 mm. Die Rohdichte der Trägerplatte kann zwischen 20 und 2000 kg/m
3, bevorzugt zwischen 150 und 1500 kg/m
3, insbesondere bevorzugt zwischen 500 und 1200 kg/m
3, ganz besonders bevorzugt zwischen 700 und 1000 kg/m
3 liegen.
[0025] Vorliegend wird bevorzugt NIR-Strahlung in einem Wellenlängenbereich zwischen 500
und 2500 nm, bevorzugt 700 und 2000 nm, insbesondere bevorzugt 900 und 1700 nm eingesetzt.
[0026] Die in dem vorliegenden Verfahren zum Trocknen eines wässrigen Harzauftrages auf
einer Trägerplatte zum Einsatz kommende NIR-Bestrahlung des mindestens einen wässrigen
Harzauftrages kann für einen Zeitraum von 0,1 bis 5 sec, bevorzugt 0,1 bis 2 sec,
insbesondere bevorzugt 0,2 bis 1 sec erfolgen.
[0027] Die mit dem wässrigen Harzauftrag versehene Trägerplatte wird mit einer Vorschub
von 10 bis 50 m/min, bevorzugt 15 bis 30 m/min, insbesondere bevorzugt 20 bis 25 m/min
durch Trocknungsanlage aus NIR-Trockner und Konvektionstrockner geführt.
[0028] Es ist ebenfalls möglich und vorgesehen, dass der Schritt der NIR-Bestrahlung des
wässrigen Harzauftrages wiederholt wird, wobei die Intensität der NIR-Bestrahlung
jeweils gleich oder unterschiedlich sein kann. So können mehrere NIR-Trockner bzw.
NIR-Strahler, z. B. zwei NIR-Strahler mit gleicher oder unterschiedlicher Leistung
hintereinander geschaltet sein. Im Falle der Verwendung von zwei hintereinander geschalteten
NIR-Strahler können beide Strahler die gleiche Strahlungsleistung z. B. von 100 %,
75 % oder eine jeweilige unterschiedliche Strahlungsleistung z. B. von 100 % und 75
%, 100 % und 50 %, 100 % und 125 % oder 100 % und 0 % aufweisen. Jegliche andere Kombination
an Strahlungsleistung ist ebenfalls möglich und vorstellbar.
[0029] Die im vorliegenden Trocknungsverfahren zum Einsatz kommenden Trägerplatten können
aus unterschiedlichen Materialien hergestellt sein. So sind neben Holzwerkstoffplatten
auch andere Trägerplatten aus anderen Materialien geeignet. All diese können als Träger
für dekorative Veredelungen in den unterschiedlichsten Anwendungen verwendet werden.
Im Einzelnen können dies Spanplatten, Faserplatten, OSB-Platten, Sperrholz, Magnesiumoxid-Platten,
Wood-Plastic-Composites, Kunststoffplatten, Zementspanplatten, Faserplatten und Gipsfaserplatten
sein. Diese Liste lässt sich beliebig verlängern und besitzt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
[0030] Entsprechend kann als Trägerplatte eine Holzwerkstoffplatte, bevorzugt eine mitteldichte
Faser (MDF)-, hochdichte Faser (HDS)- oder Grobspan (OSB)- oder Sperrholzplatte, eine
Zementfaserplatte und/oder Gipsfaserplatte, eine Magnesiumoxid-Platte, eine Holzkunststoffplatte
und/oder eine Kunststoffplatte verwendet werden.
[0031] Es ist ebenfalls möglich, dass der zu trocknende wässrige Harzauftrag abriebfeste
Partikel, natürliche und/oder synthetische Fasern und weitere Additive aufweist. Der
zu trocknende wässrige Harzauftrag wird typischerweise in Form einer Lösung, im Falle
von wässrigen Druckfarben als wässrige Suspension aus den oben angeführten Harzen
oder Druckfarben mit den entsprechenden Zusätzen auf die Oberfläche der Trägerplatte
aufgebracht.
[0032] Die in dem Harzauftrag, z. B. einer Harzschicht als Flüssigoverlay verwendeten natürlichen
oder synthetischen Fasern sind bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe enthaltend Holzfasern,
Zellulosefasern, partiell gebleichte Zellulosefasern, Wollfasern, Hanffasern und organische
oder anorganische Polymerfasern.
[0033] Die abriebfesten Partikel der Beschichtung sind bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe
enthaltend Aluminiumoxide, Korund, Borcabide, Siliziumdioxyde, Siliziumcarbide und
Glaskugeln, wobei Korundpartikel, Glas-/Hohlkugeln bzw. Glaspartikel besonders bevorzugt
sind.
[0034] Wie bereits oben erwähnt, kann der Beschichtung mindestens ein Additiv zugesetzt
werden, das ausgewählt sein kann aus der Gruppe enthaltend leitfähige Substanzen,
Flammschutzmittel oder lumineszierende Stoffe. Die leitfähigen Substanzen können ausgewählt
sein aus der Gruppe enthaltend Ruß, Kohlefasern, Metallpulver und Nanopartikel, insbesondere
Kohlenstoffnanoröhren. Es können auch Kombinationen dieser Substanzen zum Einsatz
kommen. Als Flammschutzmittel können zum Beispiel Phosphate, Borate, insbesondere
Ammoniumpolyphosphat, Tris(tri-Bromneopentyl) phosphat, Zinkborat oder Borsäurekomplexe
von mehrwertigen Alkoholen der Harzschicht zugesetzt werden. Die Verwendung von Flammschutzmitteln
führt zu einer Verringerung der Entflammbarkeit und ist daher insbesondere bei Laminatböden
von Bedeutung, die in geschlossenen Räumen mit besonderen Anforderungen an den Brandschutz
oder in Fluchtwegen eingesetzt werden. Zur Verbesserung der Schwerentflammbarkeit
können natürlich auch den Trägerplatten, insbesondere den Holzwerkstoffplatten entsprechende
Flammschutzmitteln zugefügt werden.
[0035] Als lumineszierende Stoffe werden bevorzugt fluoreszierende und/oder phosphoreszierende
Stoffe auf anorganischer oder organischer Basis, insbesondere Zinksulfid und Erdalkalialuminate,
verwendet. Die lumineszierenden Stoffe können in geometrischen Formen durch Schablonen
auf die Oberfläche aufgetragen werden. Durch das Einarbeiten dieser Farbstoffe in
die Oberfläche von Werkstoffplatten, die als Fußboden- oder Wandpaneele zum Beispiel
in geschlossenen Räumen eingesetzt werden können, ist somit bei Ausfall der Beleuchtung
ein Hinweis über Fluchtwege und Fluchtrichtung möglich.
[0036] In einer Ausführungsform umfasst der wässrige Harzauftrag mehr als eine Lage, mindestens
zwei Lagen, bevorzugt drei Lagen.
[0037] In einer Ausführungsform besteht bzw. umfasst die Beschichtung z.B. aus drei Harzlagen,
wobei in einer der drei Harzlagen abriebfeste Partikel, zum Beispiel Korundpartikel,
enthalten sind, in einer zweiten Harzlage der drei Harzlagen natürliche und/oder synthetische
Fasern, wie zum Beispiel Zellulosefasern, enthalten sind und in einer dritten Harzlage
der insgesamt drei Harzlagen wiederum abriebfeste Partikel, wie zum Beispiel Glaspartikel,
vorhanden sein können.
[0038] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird die Lage der Harzschicht enthaltend
Korundpartikel auf die Werkstoffplatte als erste Lage aufgetragen, anschließend folgt
der Auftrag der die Zellulosefasern enthaltenden zweiten Harzlage und abschließend
wird die dritte Harzlage enthaltend Glaspartikel als oberste Lage der Harzschicht
aufgebracht. Die erste Harzlage kann 15 bis 25 Gew.%, bevorzugt 20 Gew.% Korundpartikel,
die zweite Harzlage 3 bis 7 Gew.%, bevorzugt 5 Gew.% Zellulosefasern und die dritte
Harzlage 15 bis 25 Gew.%, bevorzugt 20 Gew.% Glaspartikel enthalten.
[0039] Der sich im vorliegenden Verfahren an die NIR-Bestrahlung der wässrigen Beschichtung
anschließende Schritt der thermischen Behandlung kann bei Temperaturen zwischen 150
und 220 °C, bevorzugt bei 200 °C durchgeführt werden. Bevorzugterweise wird die thermische
Behandlung mittels Umluft z. B. in einem Konvektionstrockner durchgeführt.
[0040] Die Dauer der thermischen Behandlung beträgt insbesondere in Abhängigkeit vom Vorschub
und Dimensionen des Trockners zwischen 2 bis 20 sec, bevorzugt zwischen 4 bis 15 sec,
insbesondere bevorzugt zwischen 7 und 15 sec.
[0041] Wie im Falle der NIR-Trockner ist es auch möglich, dass mehrere Trockner z.B. Konvektionstrockner
verwendet werden. So können z.B. 2 oder 3 Trockner verwendet werden, wobei die Dauer
der thermischen Behandlung in den verschiedenen Trocknern variieren kann und zwischen
7 und 15 sec oder auch zwischen 4 und 8 sec betragen kann.
[0042] Ein Verfahren zur Herstellung einer Werkstoffplatte mit einer Flüssigoverlayschicht
ist unter anderem in der
WO2011/076305 A1 beschrieben. In Anlehnung an das in der
WO 2001/076305 A1 beschriebene Verfahren erfolgt in einer Ausführungsform des vorliegenden Verfahrens
zunächst nach Reinigung der Oberfläche einer Holzwerkstoffplatte als Trägerplatte
das Aufbringen einer ersten oberen Korundpartikel enthaltende Harzschicht auf die
Oberseite der Holzwerkstoffplatte, ein Trocknen dieser ersten Harzschicht mittels
NIR/ thermischer Behandlung, anschließendes Aufbringen einer zweiten Zellulosefasern
enthaltenen Harzschicht auf die Oberseite der Holzwerkstoffplatte, wiederholtes Trocknen
bzw. Antrocknen der zweiten Harzschicht mittels NIR/thermischer Behandlung, Aufbringen
einer mindestens dritten Glaspartikel enthaltenden Harzschicht auf die Oberseite der
Holzwerkstoffplatte mit anschließendem Trocknen der dritten Harzschicht mittels NIR/thermischer
Behandlung und ein finales Verpressen des Schichtaufbaus unter Druck-und Temperatureinfluss.
Durch die Verwendung eines Flüssigoverlays kann auf das sonst typischerweise vorgesehene
Overlaypapier verzichtet werden.
[0043] Es ist aber auch möglich und vorstellbar, dass das vorliegende Trocknungsverfahren
aus NIR/thermischer Trocknung lediglich nach Auftrag der ersten Harzschicht erfolgt
und die weiteren Harzschichten nur thermisch getrocknet werden. Jede andere Kombination
des vorliegenden Trocknungsverfahrens mit konventionellen Trocknungsverfahren ist
allerdings auch möglich.
[0044] Wie bereits angemerkt, kann In einer weiteren Ausführungsform des vorliegenden Verfahrens
im Anschluss an den Schritt der thermischen Behandlung die mit der nunmehr zumindest
teilweise getrockneten Beschichtung versehene Trägerplatte verpresst werden. Hierzu
ist im Anschluss an den Trockner zur thermischen Behandlung in Verarbeitungsrichtung
bevorzugt eine Kurztaktpresse angeordnet, in der die Beschichtung z. B. Harzschicht
oder Harzschichten unter Druck und Temperatur ausgehärtet werden. Bei diesem abschließenden
Verpressen unter Druck- und Temperatureinfluss schmelzen die Harzschichten wieder
auf und der Vernetzungsprozess setzt sich fort. Dadurch ist gewährleistet, dass die
einzelnen Harzschichten nicht nur in sich, sondern auch untereinander vernetzt werden
und so zu einem Laminat verpresst werden können. Üblicherweise arbeiten Kurztaktpressen
beispielsweise bei einem Druck von 30 bis 60 Bar und einer Temperatur von 150 - 220
°C, bevorzugt 180 - 200 °C. Die Presszeit beträgt typischerweise 5 bis 15 s, bevorzugt
6 - 12 s. Auch können in der Kurztaktpresse strukturierte Pressfläche verwendet werden,
mittels derer zusätzlich Strukturen in die Beschichtungen eingeprägt werden können.
[0045] Das vorliegende Verfahren zum Trocknen eines wässrigen Harzauftrages auf einer Trägerplatte
wird in einer Vorrichtung bzw. Fertigungslinie zur Herstellung von Werkstoffplatten
durchgeführt, die mindestens eine Auftragsvorrichtung zum Auftragen der mindestens
einen wässrigen Beschichtung bzw. des wässrigen Harzauftrages, mindestens ein NIR-Trocknersegment
und mindestens einen in Verarbeitungsrichtung hinter dem mindestens einen NIR-Trocknersegment
angeordneten Konvektionstrockner umfasst. NIR-Trocknersegment und Konvektionstrockner
bilden bevorzugt eine Trocknereinheit aus. Der mindestens eine NIR-Trockner bzw. NIR-Trocknersegment
ist demnach in einer Fertigungslinie der mindestens einen Werkstoffplatte umfassend
mindestens eine Auftragsvorrichtung für die wässrige Beschichtung, wie z. B. eine
Walze, Sprühvorrichtung oder Gießvorrichtung, und mindestens einer Trocknungsvorrichtung
zur thermischen Behandlung bzw. Trocknung, wie z. B. in Form eines Konvektionstrockners
angeordnet.
[0046] In einer Ausführungsform umfasst die Vorrichtung bzw. Fertigungslinie zur Herstellung
der Werkstoffplatten mehr als eine Auftragsvorrichtung, insbesondere drei Auftragsvorrichtungen.
Werden drei Auftragsvorrichtungen zum Auftragen des wässrigen Harzauftrages verwendet,
können die Auftragsmengen aufgeteilt werden. So ist es z. B. vorstellbar, dass die
Verteilung der Auftragsmengen des wässrigen Harzauftrages bei der Verwendung von drei
Auftragsvorrichtungen bzw. Auftragswerken in einem Verhältnis von 40 - 65 % : 20 -
30 % : 15 - 30 % erfolgt. Jegliche andere Verteilung der Auftragsmengen ist jedoch
auch generell vorstellbar und möglich.
[0047] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfasst die Vorrichtung zur Herstellung
der Werkstoffplatten auch mehr als einen NIR-Trockner. So können z. B. zwei hintereinander
geschaltete NIR-Trockner (NIR-Strahler) verwendet werden, wobei die Strahler entweder
eine gleiche Strahlungsleistung oder eine unterschiedliche Strahlungsleistung aufweisen
können. So ist es z. B. möglich, dass der erste NIR-Strahler und der zweite NIR-Strahler
jeweils mit einer Leistung in einem Bereich zwischen 50 und 100 %, bevorzugt 75 und
100 % gefahren werden. Es ist aber auch möglich und vorstellbar, dass ein NIR-Strahler
mit einer Strahlungsleistung in einem Bereich zwischen 50 und 100 % verwendet wird,
während ein zweiter NIR-Strahler in einem Leistungsbereich zwischen 0 und 75 %, bevorzugt
25 und 50 % eingesetzt wird.
[0048] Die Wirkung der (kombinierten) Trocknung wird durch die Messung der Restfeuchte in
dem Harzüberstand mit Hilfe eines Feuchtedetektors (z. B. auf NIR-Basis) ermittelt.
Diese Messung kann auch zur Steuerung der Trockner (Umluft und NIR) genutzt werden.
Entsprechend umfasst die Vorrichtung bzw. Fertigungslinie ebenfalls mindestens einen
Feuchtedetektor, bevorzugt einen NIR-Feuchtedetektor, der bevorzugt in Verarbeitungsrichtung
hinter bzw. nach dem kombinierten NIR-Trocknersegment/Konvektionstrockner angeordnet
ist. Der NIR-Feuchtdetektor steht bevorzugt in Wechselwirkung mit der Trocknereinheit
aus NIR-Trocknersegment und Konvektionstrockner.
[0049] In einer bevorzugten Ausführungsform sieht der Aufbau einer Fertigungslinie wie folgt
aus:
- a) eine erste Auftragsvorrichtung zum Auftragen einer ersten wässrigen Schicht z.B.
einer ersten Harzschicht auf die Oberseite der Trägerplatte, wobei die erste Schicht
zum Beispiel abriebfeste Partikel in Form von Korundpartikeln enthalten kann,
- b) einen in Verarbeitungsrichtung hinter der ersten Auftragsvorrichtung angeordnete
ersten NIR-Trockner zum zumindest teilweisen Trocknen der ersten wässrigen Schicht,
wobei ein teilweises Trocknen und eine teilweise Aushärtung stattfindet;
- c) eine in Verarbeitungsrichtung hinter dem ersten NIR-Trockner angeordnete erste
Trocknungsvorrichtung zum thermischen Trocknen der ersten Schicht;
- d) eine in Verarbeitungsrichtung hinter der ersten Trocknungsvorrichtung angeordnete
zweite Auftragsvorrichtung zum Auftragen einer zweiten wässrigen Schicht z.B. einer
zweiten Harzschicht, die zum Beispiel Zellulosefasern enthalten kann, auf die Oberseite
der Trägerplatte,
- e) einen in Verarbeitungsrichtung hinter der zweiten Auftragsvorrichtung angeordneten
zweiten NIR-Trockner zum zumindest teilweisen Trocknen der zweiten wässrigen Schicht,
- f) eine in Verarbeitungsrichtung hinter dem zweiten NIR-Trockner angeordnete zweite
Trocknungsvorrichtung zum thermischen Trocknen der zweiten Schicht;
- g) eine in Verarbeitungsrichtung hinter der zweiten Trocknungsvorrichtung angeordnete
dritte Auftragsvorrichtung zum Auftragen einer dritten wässrigen Schicht z.B. einer
dritten Harzschicht, die zum Beispiel Glaspartikel als abriebfeste Partikel enthalten
kann, auf die Oberseite der Trägerplatte,
- h) einen in Verarbeitungsrichtung hinter der dritten Auftragsvorrichtung angeordneten
dritten NIR-Trockner zum zumindest teilweisen Trocknen der dritten wässrigen Schicht,
- i) eine in Verarbeitungsrichtung hinter dem dritten NIR-Trockner angeordnete dritte
Trocknungsvorrichtung zum thermischen Trocknen der dritten Schicht;
- j) ggf. einen in Verarbeitungsrichtung hinter NIR-Trockner und Konvektionstrockner
angeordneten NIR-Feuchtdetektor zur Steuerung der NIR-Trocknersegmente und Konvektionstrockner,
und
- k) eine in Verarbeitungsrichtung hinter der dritten Trocknungsvorrichtung angeordnete
Kurztaktpresse.
[0050] Die Erfindung wird nachfolgend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert.
Ausführungsbeispiel
[0051] In einer Produktionslinie zur Beschichtung von bedruckten Holzwerkstoffplatten mit
wässrigen Kunstharzen (Melamin- und/oder Harnstoffharzen) nach einem oder mehreren
Harzauftragswerken wird vor dem eigentlichen Umlufttrockner (Umluft, 200°C) ein NIR-Trocknersegment
installiert. Das NIR-Trocknersegment besteht aus zwei NIR-Strahlern mit unterschiedlicher
Leistung, die sowohl unabhängig als auch gemeinsam mit variabler Leistung zur Trocknung
genutzt werden.
[0052] Auf die bedruckten Holzwerkstoffplatten werden die wässrigen Kunstharze aufgetragen.
Die Harzauftragsmengen liegen bei insgesamt 80 bis 160 g flüssigem Harz / m
2 mit einem Feststoffgehalt von 55 bis 60 %. Der Harzauftrag erfolgt dabei in mindestens
drei Auftragswerken. Die Verteilung der Auftragsmengen des wässrigen Kunstharzes in
den drei Auftragswerken liegt in einem Verhältnis von 40-65 %: 20-30 %: 15-30 %. Der
Vorschub der gesamten Anlage liegt in Abhängigkeit von den Harzauftragsmengen bei
25 bis 50 m/min.
[0053] Die mit der wässrigen Kunstharzschicht versehenen Holzwerkstoffplatten werden anschließend
durch das NIR-Trocknersegment geführt, wobei die in dem NIR-Trocknersegment vorhandenen
zwei NIR-Strahler mit jeweils unterschiedlicher Leistung gefahren werden. So beträgt
die Bestrahlungsleistung der beiden NIR-Strahler in einer Variante jeweils 100 % (Variante
2) oder jeweils 75 % (Variante 3). In einer weiteren Variante (Variante 4) wird der
erste Strahler mit einer Leistung von 100 % verwendet, während der zweite Strahler
ausgeschaltet bleibt und somit dessen Leistung bei 0 % liegt.
[0054] Nach Durchlaufen des NIR-Trocknersegments mit den zwei NIR-Strahlern werden die beschichteten
Holzwerkstoffplatten in einen Düsentrockner zur abschließenden thermischen Behandlung
eingeführt.
[0055] Am Ende des Imprägnier- und Trocknerteils der Fertigungslinie wird mit Hilfe eines
NIR-Messgerätes die Feuchte der Beschichtung bestimmt.
[0056] Die getrockneten Holzwerkstoffplatten werden abschließend in einer Kurztaktpresse
unter hohem Druck und hoher Temperatur (50 bar, 180 °C) in Anwesenheit eines strukturierten
und verchromten Stahlblechs als Strukturgeber auf der Oberseite verpresst. Auf der
Rückseite der Holzwerkstoffplatte ist entweder eine ebenfalls vorgetrocknete Kunstharzschicht
aus einem Melamin- und/oder Harnstoffharz oder ein imprägniertes Gegenzugpapier angeordnet,
das nach der Verpressung die Spannungssymmetrie gewährleisten soll.
[0057] Zur Prüfung des Effektes der geänderten Trocknung erfolgt dann eine visuelle Begutachtung
der Güte des Harzflusses an den verpressten Platten. Dabei wird überprüft, ob ein
Kunstharz im Fließprozess in der Presse einen optimalen Fluss zeigt. Liegt ein optimaler
Fluss vor, dann sind keine oder kaum Verlaufsstörungen erkennbar. Fließt ein Kunstharz
zu wenig, weil es zu stark getrocknet ist oder fließt ein Kunstharz zu stark, weil
es zu wenig vorgetrocknet ist bzw. zu starke Wasserabspaltungen im Kondensationsprozess
auftreten, so sind Flussstörungen in der Harzoberfläche erkennbar. Diese lassen sich
durch das Aufbringen von Farbe auf die Oberfläche der Harzbeschichtung sichtbar machen
und beurteilen.
[0058] Zur Begutachtung des Harzflusses wird zunächst die nach der Verpressung ausgehärtete
Harzoberfläche mit einem Farbstoff, zum Beispiel mittels eines Filzstiftes, eingefärbt
und anschließend mit einer 1%igen Tensidlösung gereinigt. In Bereichen, in denen Flussstörungen
der Harzschicht auftreten, verbleibt ein Teil des Farbstoffes auf bzw. in der Oberfläche
der Harzschicht. Die Harzoberfläche wird dann unter Verwendung einer Lupe oder eines
Mikroskops mit einer 10- bis 20-fachen Vergrößerung im Hinblick auf den Harzfluss
visuell begutachtet. Die Skala kann dabei von keiner erkennbaren Flussstörung bis
zu einer deutlich sichtbaren Flussstörung reichen.
[0059] Zur Qualitätsprüfung des vorliegenden Verfahrens durch Begutachtung des Harzflusses
wurden verschiedene erfindungsgemäße Varianten (Varianten 2-4) mit einer Referenzprobe
(0-Probe) verglichen (siehe folgende Tabelle). Als Referenz- bzw. Nullprobe dient
dabei die eine nur mit Warmluft getrocknete und in der Kurztaktpresse verpresste Platte.
Darüber hinaus wird der beschriebene Effekt der Übertrocknung durch die Anhebung der
Geschwindigkeit der Ventilatoren im Konvektionstrockner simuliert (Variante 1). Die
in der Tabelle angeführten Varianten 2 bis 4 wurden unter den Bedingungen des erfindungsgemäßen
Verfahrens durchgeführt, wobei sich die Verfahrensvarianten hinsichtlich der Strahlungsleistung
der verwendeten Strahler im NIR-Trocknersegment unterscheiden.
[0060] Neben der rein qualitativen Beurteilung wurden auch die Flächen mit der Flussstörung
unter Verwendung eines Softwareprogrammes vermessen (VHX-2000 Communication Software,
Firma Keyence) und die prozentuale Menge mit Flussstörungen zur Gesamtfläche ermittelt
(siehe auch Spalte 5 in der Tabelle). Diese etwas objektivere Beurteilung stützt im
Wesentlichen die Ergebnisse, die über die rein subjektive. Einschätzung durch visuelle
Begutachtung gewonnen worden sind.
Tabelle: Qualitätsprüfung durch Begutachtung des Harzflusses
| Variante |
Düsentrockner |
NIR-Strahler |
Visuelle Begutachtung Harzfluss |
% Flussstörung |
| 1 2 3 4 Umdrehungen |
Strahler 1 (8,3 kW) |
Strahler 2 (5,7 kW) |
| Nullprobe |
3000 3000 2000 2000 |
0% |
0% |
Schlechter Harzfluss, deutl. Kraterbildung |
0,75 |
| Variante 1 Übertrocknung |
3500 3500 3000 1200 |
0% |
0% |
Schlechter Harzfluss, deutl. Kraterbildung |
1,39 |
| Variante 2 |
2000 2000 1200 1200 |
100% |
100% |
Guter Harzfluss, leichte Kraterbildung |
0,56 |
| Variante 3 |
2000 2000 1200 1200 |
75% |
75% |
Guter Harzfluss, leichte Kraterbildung |
0,6 |
| Variante 4 |
2000 2000 1200 1200 |
100% |
0% |
Guter Harzfluss, geringe Kraterbildung |
0,29 |
[0061] Die in der obigen Tabelle angeführten Ergebnisse belegen die Vorteile eines kombinierten
NIR/Temperatur-Verfahrens zum Trocknen von wässrigen Beschichtungen, wie wässrigen
Harzschichten aufgebracht auf Holzwerkstoffplatten. So ist die Flussstörung bei Anwendung
eines NIR/Temperatur-Verfahrens (Varianten 2-4) gegenüber der konventionellen reinen
thermischen Behandlung deutlich reduziert (Nullprobe, Variante 1).
1. Verfahren zum Trocknen von mindestens einem auf mindestens einer Seite einer Trägerplatte
aufgetragenen wässrigen Harzauftrag umfassend die Schritte:
i) eine mindestens einmalige Bestrahlung des mindestens einen wässrigen Harzauftrages
mit NIR-Strahlung, und
ii) eine anschließende mindestens einmalige thermische Behandlung des mit NIR-Strahlung
bestrahlten wässrigen Harzauftrages.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der mindestens eine wässrige Harzauftrag ausschließlich auf einer Seite der Trägerplatte
aufgetragen ist.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ausschließlich die mindestens eine mit dem wässrigen Harzauftrag versehene Seite
der Trägerplatte mit NIR-Strahlung bestrahlt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der mindestens eine wässrige Harzauftrag als wässrige Harzlösung vorliegt.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Auftragsmenge des mindestens einen wässrigen Harzauftrages zwischen 20 und 200
g/m2, bevorzugt zwischen 50 und 180 g/m2, insbesondere bevorzugt zwischen 80 und 160 g/m2 beträgt.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
die mindestens einmalige NIR-Bestrahlung des mindestens einen wässrigen Harzauftrages
auf der Trägerplatte für einen Zeitraum von 0,1 bis 5 sec, bevorzugt 0,1 bis 2 sec,
insbesondere bevorzugt 0,2 bis 1 sec erfolgt.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die der Schritt der NIR-Bestrahlung des wässrigen Harzauftrages wiederholt wird,
wobei die Intensität der NIR-Bestrahlung jeweils gleich oder unterschiedlich sein
kann.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine Trägerplatte eine Holzwerkstoffplatte, bevorzugt eine mitteldichte
Faser (MDF)-, hochdichte Faser (HDF)- oder Grobspan (OSB)- oder Sperrholzplatte, eine
Zementfaserplatte und/oder Gipsfaserplatte, eine Magnesiumoxid-Platte, eine Holz-Kunststoff-Platte
und/oder eine Kunststoffplatte ist.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der wässrige Harzauftrag abriebfeste Partikel, natürliche und/oder synthetische Fasern
und weitere Additive aufweist.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der wässrige Harzauftrag mehr als eine Lage, mindestens zwei Lagen, bevorzugt drei
Lagen umfasst.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der wässrige Harzauftrag drei Lagen umfasst, wobei in einer der drei Lagen des Harzauftrages
abriebfeste Partikel enthalten sind, in einer zweiten der drei Lagen natürliche und/oder
synthetische Fasern enthalten sind und in einer dritten der drei Lagen wiederum abriebfeste
Partikel enthalten sind.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der sich an die NIR-Bestrahlung anschließende Schritt der thermischen Behandlung
bei Temperaturen zwischen 150 und 220°C, bevorzugt 200°C durchgeführt wird.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass im Anschluss an den Schritt der thermischen Behandlung die mit dem Harzauftrag versehenen
Trägerplatten verpresst werden.
14. Vorrichtung zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche
umfassend mindestens eine Auftragsvorrichtung zum Auftragen des mindestens einen wässrigen
Harzauftrages, mindestens einen NIR-Trockner und mindestens einen in Verarbeitungsrichtung
hinter dem NIR-Trockner angeordneten Konvektionstrockner.
15. Vorrichtung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass in Verarbeitungsrichtung nach dem mindestens einen NIR-Trockner und dem mindestens
einen Konvektionstrockner mindestens ein Feuchtdetektor, insbesondere ein NIR-Feuchtdetektor
angeordnet ist.
1. Method for drying at least one aqueous resin application which has been applied to
at least one side of a carrier board, comprising the following steps:
i) radiating at least once the at least one aqueous resin application, using NIR radiation,
and
ii) subsequently treating the aqueous resin application, which has been radiated with
NIR radiation, at least once thermally.
2. Method according to Claim 1, characterized in that the at least one aqueous resin application is exclusively applied to one side of
the carrier board.
3. Method according to one of the preceding claims, characterized in that exclusively the at least one side of the carrier board which is provided with the
aqueous resin application is radiated using NIR radiation.
4. Method according to one of the preceding claims, characterized in that the at least one aqueous resin application is present as an aqueous resin solution.
5. Method according to one of the preceding claims, characterized in that the applied amount of the at least one aqueous resin application is between 20 and
200 g/m2, preferably between 50 and 180 g/m2, particularly preferably between 80 and 160 g/m2.
6. Method according to one of the preceding claims characterized in that NIR radiating at least once the at least one aqueous resin application on the carrier
board is performed for a temporal duration of 0.1 to 5 seconds, preferably 0.1 to
2 seconds, particularly preferably 0.2 to 1 second.
7. Method according to one of the preceding claims, characterized in that the step of NIR radiating the aqueous resin application is repeated, wherein the
intensity of the NIR radiation in each case may be identical or different.
8. Method according to one of the preceding claims, characterized in that the at least one carrier board is a derived timber material board, preferably a medium-density
fibre board (MDF), a high-density fibre board (HDF), or an oriented strand board (OSB)
board, or a plywood board, a fibre-cement board and/or a plasterboard, a magnesium-oxide
board, a wood-plastics board and/or a plastics board.
9. Method according to one of the preceding claims, characterized in that the aqueous resin application includes abrasion-resistant particles, natural and/or
synthetic fibres, and further additives.
10. Method according to one of the preceding claims, characterized in that the aqueous resin application comprises more than one layer, at least two layers,
preferably three layers.
11. Method according to one of the preceding claims, characterized in that the aqueous resin application comprises three layers, wherein abrasion-resistant
particles are contained in one of the three layers of the resin application, natural
and/or synthetic fibres are contained in a second of the three layers, and abrasion-resistant
particles are in turn contained in a third of the three layers.
12. Method according to one of the preceding claims, characterized in that the step of thermal treatment which is subsequent to NIR radiation is carried out
at temperatures between 150 and 220°C, preferably at 200°C.
13. Method according to one of the preceding claims, characterized in that subsequent to the step of thermal treatment the carrier boards which are provided
with the resin application are compressed.
14. Device for carrying out a method according to one of the preceding claims, comprising
at least one applicator device for applying the at least one aqueous resin application,
at least one NIR dryer, and at least one convection dryer which is located so as to
be downstream of the NIR dryer in the processing direction.
15. Device according to Claim 14, characterized in that at least one moisture detector, in particular an NIR moisture sensor is located downstream
of the at least one NIR dryer and of the at least one convection dryer in the processing
direction.
1. Procédé de séchage d'au moins une application aqueuse de résine appliquée sur au moins
une face d'une plaque de support, le procédé comportant les étapes qui consistent
à :
i) irradier au moins une fois la ou les applications de résine aqueuse par un rayonnement
dans l'infrarouge proche et
ii) traiter ensuite thermiquement au moins une fois l'application aqueuse de résine
irradiée par le rayonnement dans l'infrarouge proche.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que la ou les applications aqueuses de résine sont appliquées exclusivement sur une face
de la plaque de support.
3. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que seule la ou les faces de la plaque de support dotée d'une application aqueuse de
résine est irradiée par un rayonnement dans l'infrarouge proche.
4. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la ou les applications aqueuses de résine présentent la forme d'une solution aqueuse
de résine.
5. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la quantité appliquée de la ou des résines aqueuses est comprise entre 20 et 200
g/m2, de préférence entre 50 et 180 g/m2 et de façon particulièrement préférable entre 80 et 160 g/m2.
6. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'irradiation au moins une fois par un rayonnement dans l'infrarouge proche de la
ou des applications aqueuses de résine sur la plaque de support a lieu pendant une
durée de 0,1 à 5 s, de préférence de 0,1 à 2 s et de façon particulièrement préférable
de 0,2 à 1 s.
7. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'étape d'irradiation dans l'infrarouge proche de l'application aqueuse de résine
est répétée, l'intensité du rayonnement dans l'infrarouge proche pouvant chaque fois
être identique ou être différente.
8. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la ou les plaques de support sont une plaque en matériau à base de bois, de préférence
une plaque de fibres à densité moyenne (MDF), de fibres à haute densité (HDF), de
copeaux grossiers (OSB) ou une plaque de bois massif, une plaque de ciment et/ou une
plaque de plâtre fibreux, une plaque d'oxyde de magnésium, une plaque de bois et de
matière synthétique et/ou une plaque de matière synthétique.
9. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'application aqueuse de résine présente des particules résistant à l'usure, des
fibres naturelles et/ou des fibres synthétiques et d'autres additifs.
10. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'application aqueuse de résine comporte plus d'une couche, au moins deux couches
et de préférence trois couches.
11. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'application aqueuse de résine comporte trois couches, des particules résistant
à l'usure étant incluses dans l'une des trois couches de l'application de résine,
des fibres naturelles et/ou des fibres synthétiques étant incluses dans une deuxième
des trois couches et des particules résistant à l'usure étant de nouveau incluses
dans la troisième des trois couches.
12. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'étape de traitement thermique qui suit l'irradiation par l'infrarouge proche est
réalisée à des températures comprises entre 150 et 220°C et de préférence à 200°C.
13. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'après l'étape de traitement thermique, les plaques de support dotées de l'application
de résine sont comprimées.
14. Dispositif en vue de la mise en oeuvre d'un procédé selon l'une des revendications
précédentes, comprenant au moins un ensemble d'application qui applique la ou les
applications de résine aqueuse, au moins un séchoir dans l'infrarouge proche et au
moins un séchoir à convection disposé en aval du séchoir dans l'infrarouge proche
dans la direction de traitement.
15. Dispositif selon la revendication 14, caractérisé en ce qu'au moins un détecteur d'humidité et en particulier un détecteur d'humidité travaillant
dans l'infrarouge proche est disposé après le ou les séchoirs dans l'infrarouge proche
et le ou les séchoirs à convection dans la direction de traitement.