[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Gießen eines mit mindestens einer Durchgangsöffnung
versehenen Gussteils aus einer Metallschmelze. Bei den hier in Rede stehenden Gussteilen
handelt es sich typischerweise um Zylinderkurbelgehäuse für Verbrennungsmotoren mit
hohen Leistungen, die aus Eisengusswerkstoff gegossen werden.
[0002] Moderne Verbrennungsmotoren werden zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs ständig
weiterentwickelt. Eine zentrale Bedeutung hat dabei die Reduzierung des Bauteilvolumens
und -gewichts. Diese Entwicklungsrichtung wird in der Fachwelt mit dem Begriff "Downsizing"
belegt. Ziel des "Downsizings" ist es beispielsweise, mit kleineren Motorgrößen Leistungen
zu erreichen, die bisher größere Bauvolumina erforderten.
[0003] Für ein erfolgreiches Downsizing von Verbrennungsmotoren ist es unter anderem erforderlich,
die technologischen Eigenschaften ihrer Einzelteile permanent zu steigern. So konnte
mit modernen Motorkonstruktionen die erreichbare Leistung bei gleicher Baugröße mehr
als verdreifacht werden.
[0004] Um bei dieser Leistungsdichte eine ausreichende Belastbarkeit von aus Eisenguss bestehenden
Zylinderkurbelgehäusen sicherzustellen, wird heute an Stelle von konventionellem Grauguss
teilweise Gusseisen mit Vermikulargraphit eingesetzt oder es werden höher legierte
Eisengussmaterialien verwendet, um die erforderlichen Festigkeiten zu erreichen.
[0005] Die Gussteile der voranstehend beschriebenen Art werden üblicherweise in Gießformen
abgegossen, die aus mehreren Formteilen und Gießkernen zusammengesetzt sind. Während
die Formteile in der Regel die äußere Form des Gussteils bestimmen, werden die Gießkerne
in die Gießform eingesetzt, um Ausnehmungen, Höhlungen, Durchgangsöffnungen und desgleichen
am herzustellenden Gussteil abzubilden.
[0006] Abhängig von ihrer Lage im oder am Gussteil und der Entformbarkeit nach dem Erstarren
des Gussteils sind die Formteile und Gießkerne als Dauerformteile und Dauergießkerne
oder als verlorene Formteile und Gießkerne ausgelegt. Während Dauerformteile und -gießkerne
aus Materialien bestehen, die den beim Gießen auftretenden Belastungen standhalten,
und daher für eine Vielzahl von Gießvorgängen wiederholt eingesetzt werden können,
bestehen verlorene Formteile und Gießkerne üblicherweise aus Formstoffen, die durch
Kraft- oder Temperatureinwirkung problemlos zerstört werden können. Besteht eine Gießform
vollständig oder zumindest zum wesentlichen Teil aus verlorenen Formteilen und Gießkernen,
spricht man üblicherweise von einer verlorenen Form, wogegen Gießformen, die zum überwiegenden
Teil aus Dauerformteilen bestehen, auch dann als Dauergießformen bezeichnet werden,
wenn in sie verlorene Gießkerne eingesetzt sind. Im Bereich des Eisengusses werden
typischerweise verlorene Formen eingesetzt, während im Bereich des Leichtmetallgusses
häufig Dauergießformen oder Kombinationen aus Dauergießformteilen und verlorenen Formteilen
zum Einsatz kommen.
[0007] Typischerweise handelt es sich bei den Formstoffen, aus denen die verlorenen Formteile
und Gießkerne bestehen, um mit einem geeigneten Binder vermischte Sande, die bei Herstellung
der jeweiligen Formteile oder Gießkerne durch eine chemische Reaktion soweit verfestigt
werden, dass sie bis zum Erstarren der in die Gießform eingegossenen Schmelze eine
ausreichende Formhaltigkeit besitzen. Die Bestandteile des Formstoffs können dabei
so aufeinander abgestimmt sein, dass der jeweilige Gießkern oder das jeweilige Formteil
bereits im Zuge der Abkühlung des Gussteils in Folge der dabei auftretenden Spannungen
selbsttätig zerbrechen. Alternativ oder zusätzlich kann der Zerfall der verlorenen
Formteile und Gießkerne durch das Aufbringen mechanisch wirkender Kräfte bewirkt werden.
So können beispielsweise Gießkerne durch Rütteln des jeweiligen Gussteils zu so kleinen
Teilen zerstört werden, dass ihr Formstoff selbsttätig aus dem Gussteil herausrieselt,
oder die Zerstörung der Gießkerne durch Aufbohren, Ausdrücken oder Ausspülen beschleunigt
wird. Voraussetzung dazu ist jedoch jeweils, dass das Gussteil im Wesentlichen vollständig
abgekühlt ist, damit die bei der mechanischen oder thermischen Zerstörung der verlorenen
Gießkerne und Formteile auftretenden Belastungen zu keiner Beschädigung des Gussteils
führen.
[0008] Der Vorgang des Abkühlens des Gussteils hat entscheidenden Einfluss auf seine mechanischen
Eigenschaften. Probleme können bei der Abkühlung eines Gussteils dadurch auftreten,
dass das Gussteil in Folge von ungleichförmiger Materialverteilung oder ungleichförmiger
Wärmeabfuhr bereichsweise unterschiedlich schnell abkühlt. In Folge einer solchen
ungleichförmigen Abkühlung kann es zu Eigenspannungen des Gussteils kommen, die zu
einer drastischen Verschlechterung seiner mechanischen Belastbarkeit führen können.
[0009] Um die Entstehung solcher Spannungen zu minimieren, wird beim Gießen von Gussteilen
mit stark variierenden Wanddicken die Abkühlung von der Gießtemperatur bis zu einer
in der Regel unter 600 °C liegenden Temperatur gezielt langsam durchgeführt. Hierzu
sind die in der Praxis eingesetzten Gießanlagen mit Kühlstrecken einer bestimmten
Länge ausgestattet, wobei diese Kühlstrecken zusätzlich so genannte "Kühlbahnhöfe"
umfassen können, an denen die Gießformen mit den in ihnen abzukühlenden Gussteilen
über eine bestimmte Dauer verweilen können, um die Abkühlung weiter zu verzögern.
Stehen keine Mittel zur Verfügung, um eine ausreichend langsame Abkühlung zu garantieren,
oder sind selbst nach einer derart langsamen Abkühlung noch zu hohe Eigenspannungen
am Gussteil vorhanden, müssen die Gussteile einer zusätzlichen Glühung unterzogen
werden, um die betreffenden Spannungen abzubauen.
[0010] Als alternative Möglichkeit, die Zugspannungen im inneren Bereich eines Zylinderkurbelgehäuses
zu minimieren, ist in der
DE 10 2008 048 761 A1 vorgeschlagen worden, die Gussschmelze nach dem Abgießen in die Gießform gerichtet
in der Weise abzukühlen, dass die Erstarrung der Schmelze zuerst im Inneren des Gusskörpers
herbeigeführt wird oder die Erstarrung von einem Bereich des Gusskörpers gerichtet
zu einem Speiser erfolgt. Dies soll dadurch erreicht werden können, dass die Erstarrung
des jeweiligen Gussteils mittels unterschiedlicher Kühlleistung von zumindest zwei
unabhängigen, an der jeweiligen Gießform vorgesehenen Kühlkreisläufen beeinflusst
wird. Dies lässt sich allerdings nur dann bewerkstelligen, wenn die jeweilige Gießform
zumindest in den Bereichen, in denen die Kühlleistung gezielt aufgebracht werden soll,
als Dauergießform ausgelegt ist. So sind für die Abformung der Zylinderöffnungen des
jeweiligen Zylinderkurbelgehäuses speziell geformte Pinolen vorgesehen, die nach dem
Erstarren zerstörungsfrei aus dem Gussteil gezogen werden. Dabei erweist es sich für
das Entfernen der Pinolen nach der Erstarrung als vorteilhaft, wenn mit der Kühlung
des Rands der Zylinderöffnungen zu einem anderen Zeitpunkt begonnen wird als mit der
Kühlung der Zylinderfläche und die Kühlung des Zylinderrands mit einer anderen Intensität
durchgeführt wird als die Kühlung der Zylinderfläche. Auf diese Weise soll die Erstarrung
des gegossenen Zylinderkurbelgehäuses im Bereich der Zylinderöffnungen so vorgenommen
werden können, dass das Zylinderkurbelgehäuse zu einem Zeitpunkt ausgeformt werden
kann, zu dem es zwar erstarrt ist, aber noch eine hohe Temperatur aufweist.
[0011] Eine andere Möglichkeit einer gezielten beschleunigten Abkühlung von Gussteilbereichen,
die im Innern des jeweiligen Bauteils angeordnet sind, ist in der
DE 11 2006 000 627 T5 beschrieben. Die aus dieser Veröffentlichung bekannte Sandgussform für die Herstellung
eines Gussteils aus einer Aluminiumlegierung umfasst einen Abschnitt, der mittels
eines Lösungsmittels, insbesondere Wasser, löslichen Binders hergestellt ist, und
einen weiteren Abschnitt, der mittels eines Binders hergestellt ist, der mit dem betreffenden
Lösungsmittel nicht gelöst werden kann. Diese Aufteilung der Abschnitte der Sandform
erlaubt es, den jeweils basierend auf dem löslichen Binder hergestellten Kern durch
Beaufschlagung mit dem Lösungsmittel, also beispielsweise durch Beaufschlagung durch
einen Wasserstrahl, zu beseitigen, so dass die der Wirkung des Lösungsmittels ausgesetzten
inneren Bereiche des Gussteils schneller abkühlen als der Rest des Gussteils. Jedoch
bezieht sich diese Lösung nur auf Kavitäten, die im Gussteil vorhanden sind, und setzt
eine komplexe Gestaltung der Sandform aus unterschiedlichen Formstoffen voraus.
[0012] Einen anderen für einen speziellen Anwendungsfall bestimmten und für den Leichtmetallguss
geeigneten Vorschlag zur beschleunigten Abkühlung der eine Durchgangsöffnung umgebenden
Bereiche eines Gussteils ist in der
DE 10 2010 003 346 A1 gemacht worden. Bei dem dort beschriebenen Verfahren zum Gießen eines Kolbens für
einen Verbrennungsmotor werden nach der Randschichterstarrung im Bereich der Kolbenbolzenbohrungen
die zum Abformen dieser Bohrungen vorgesehenen Pinolen zurückgezogen und der Bereich
der jeweiligen Bohrung durch ein Kühlmittel gekühlt, das durch mindestens eine der
Pinolen zugeführt wird.
[0013] Dokument
JPH03138068 A beschreibt ein Verfahren zur Herstellung eines Zylinderblocks, bei dem Kühlgas durch
eine Entlüftungsöffnung von unten in den noch in der Zylinderbüchse vorhandenen Sandkern
eingeblasen wird, sobald die Temperatur der Zylinderbüchse die A1-Umwandlungspunkt
erreicht hat.
[0014] Vor dem Hintergrund des voranstehend erläuterten Standes der Technik bestand die
Aufgabe der Erfindung darin, ein Verfahren anzugeben, welches es mit geringem apparativem
Aufwand ermöglicht, Durchgangsöffnungen aufweisende Gussteile mit optimierten mechanischen
Eigenschaften herzustellen.
[0015] Erfindungsgemäß ist diese Aufgabe durch das in Anspruch 1 angegebene Verfahren gelöst
worden.
[0016] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben
und werden nachfolgend wie der allgemeine Erfindungsgedanke im Einzelnen erläutert.
[0017] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Gießen eines mit mindestens einer Durchgangsöffnung
versehenen Gussteils aus einer Metallschmelze umfasst demnach folgende Arbeitsschritte:
- a) Bereitstellen einer Gießform, in der mindestens ein Gießkern zum Abbilden der Durchgangsöffnung
vorhanden ist, wobei der Gießkern aus einem einen Binder umfassenden Formstoff besteht,
der unter Kraft- oder Temperatureinwirkung zerfällt,
- b) Abgießen der Metallschmelze in die Gießform zu dem Gussteil,
- c) Abkühlen des Gussteils in der Gießform auf eine Temperatur, die unterhalb der Liquidus-Temperatur
der Metallschmelze, jedoch oberhalb einer Mindesttemperatur liegt, bis zu der es bei
einer beschleunigten Abkühlung zur Ausbildung von höherfestem Gefüge kommt,
- d) Herstellen eines durch die Durchgangsöffnung des Gussteils führenden Durchgangskanals,
der jeweils an einer Außenseite der Gießform mündet, indem der Binder des Formstoffs,
aus dem der die Durchgangsöffnung abbildende Gießkern durch die beim Eingießen der
Metallschmelze in die Gießform in sie eingetragene Wärme verbrennt, oder indem zur
Herstellung des Durchgangskanals der die jeweilige Durchgangsöffnung abbildende Gießkern
und die in seiner Verlängerung angeordneten Bereiche der Gießform zumindest teilweise
mechanisch zerstört werden,
- e) Abkühlen des Gussteils in der Gießform unter Durchströmung des Durchgangskanals
mit einem Kühlmedium.
[0018] Der Erfindung liegt der Gedanke zu Grunde, schon während der auf das Abgießen der
Metallschmelze folgenden Abkühlung des Gussteils durch einen Eingriff in die Gießform
einen Zustand herzustellen, durch den das Gussteil in einem innenliegenden Bereich,
der für seine zukünftige Belastbarkeit entscheidend ist, mit einer Geschwindigkeit
abkühlt, die deutlich höher ist als die Geschwindigkeit, mit der das Gussteil in diesem
Bereich abkühlen würde, wenn die Gießform in konventioneller Weise bis zur Abkühlung
auf Raumtemperatur in dem Zustand verbliebe, in dem der Abguss vorgenommen worden
ist.
[0019] Hierzu wird erfindungsgemäß zu einem Zeitpunkt, an dem das Gussteil zwar noch nicht
vollkommen abgekühlt, jedoch bereits formfest geworden ist, in die Gießform ein die
Gießform durchziehender, durch die mindestens eine Durchgangsöffnung des Gussteils
führender Durchgangskanal eingebracht.
[0020] Durch diesen Durchgangskanal strömt anschließend ein Kühlmedium. Die Durchströmung
mit dem Kühlmedium bewirkt, dass das die Durchgangsöffnung umgebende Material des
Gussteils deutlich schneller abkühlt als dies der Fall wäre, wenn die Gießform in
konventioneller Weise verschlossen bliebe, bis das Gussteil die vorgeschriebene Endtemperatur
der Abkühlung erreicht hat. Abhängig vom jeweils verwendeten Kühlmedium, vom Durchsatz
an Kühlmedium, von der Art und Weise, wie der erfindungsgemäß in die Gießform eingebrachte
Kanal ausgebildet und geführt ist, können dabei Abkühlraten erreicht werden, die höher
sind als die Abkühlraten, die an der Außenseite der Gussform erzielt werden.
[0021] Durch das erfindungsgemäße Verfahren kann so der Temperaturgradient zwischen Innen-
und Außenbereichen drastisch reduziert werden und gleichzeitig die Abkühlrate des
Gussteils allgemein vergrößert werden. Auf diese Weise werden einerseits thermisch
bedingte Spannungen im Gussteil auf ein Minimum reduziert. Andererseits werden bei
den in erfindungsgemäßer Weise hergestellten Gussteilen Festigkeiten erreicht, die
deutlich über den Festigkeiten liegen, die in konventioneller Weise gegossene und
in der Gießform ohne zusätzliche Maßnahmen abgekühlte Gussteile aufweisen.
[0022] Besonders effektiv erweist sich das erfindungsgemäße Verfahren bei der Erzeugung
von Gussteilen aus einer Eisengussschmelze. In diesem Fall wird die Mindesttemperatur,
auf die das Gussteil bis zur Herstellung des erfindungsgemäß in die Gießform einzubringenden
Durchgangskanals maximal abgekühlt wird (Arbeitsschritt c)), so eingestellt, dass
sie oberhalb der A
1-Temperatur liegt, bei der es zur Umwandlung des Austenits kommt. Durch die erfindungsgemäß
ermöglichte beschleunigte Abkühlung im Innern des Gussteils lässt sich auf diese Weise
ein höherer Anteil an Härtegefüge erzeugen, das zu einer deutlichen Festigkeitssteigerung
beiträgt. Bei insbesondere im Bereich des Gusses von Zylinderkurbelgehäusen verwendeten
Eisengusslegierungen liegt die Mindesttemperatur, die bei der Abkühlung im Arbeitsschritt
c) nicht unterschritten wird, typischerweise im Bereich von 1153 - 600 °C.
[0023] Bei dem Kühlmedium kann es sich beispielsweise um Luft oder ein anderes gasförmiges
Medium handeln. Beispielsweise ist es in Fällen, in denen eine bestimmte erhöhte Mindestabkühlrate
gefordert wird, denkbar, Wasserdampf oder ein Luft-Wasserdampf-Gemisch als Kühlmedium
zu verwenden.
[0024] Die Durchströmung des Durchgangskanals mit einem in der Umgebung der erfindungsgemäß
behandelten Gießform anstehenden gasförmigen Kühlmedium setzt bereits in Folge des
Kamineffekts ein, der durch die Abgabe von Wärmeenergie des Gussteils an das in den
Durchgangskanal jeweils eintretende gasförmige Kühlmedium in Folge von Konvektion
eintritt. Gefördert werden kann dieser Effekt dadurch, dass das Gussteil mit der Gießform
so ausgerichtet oder der in die Gießform eingebrachte Durchgangskanal so ausgeführt
wird, dass die Hauptrichtung des Durchgangskanals vertikal ausgerichtet ist. In diesem
Fall kann die im Durchgangskanal vorhandene oder in ihn jeweils nachströmende und
erwärmte Luft ungehindert im Durchgangskanal aufsteigen.
[0025] Sind höhere Durchströmungsraten erforderlich, kann das Kühlmedium auch in einer erzwungenen
Strömung durch den Durchgangskanal geleitet werden. Hierzu kann die Strömung des Kühlmediums
mittels einer Förderreinrichtung, bei der es sich beispielsweise um einen Ventilator
oder eine Pumpe handeln kann, erzwungen werden. Die betreffende Fördereinrichtung
kann dazu beispielsweise vor einer der an einer der äußeren Seitenflächen angeordneten
Mündungen des Durchgangskanals positioniert oder erforderlichenfalls nach dem Einbringen
des Durchgangskanals in ihn eingeschoben werden.
[0026] Selbstverständlich lässt sich die erfindungsgemäße Vorgehensweise auch bei Gussteilen
anwenden, die mehrere Durchgangsöffnungen aufweisen. In diesem Fall wird erforderlichenfalls
im Bereich jeder der Durchgangsöffnungen ein Durchgangskanal erzeugt, der anschließend
vom Kühlmedium durchströmt wird, um die erfindungsgemäß beschleunigte Kühlung in der
jeweiligen Durchgangsöffnung zu bewirken.
[0027] Besonders große Erfolge lassen sich mit der erfindungsgemäßen Vorgehensweise erzielen,
wenn es sich bei dem erfindungsgemäß behandelten Gussteil um ein Zylinderkurbelgehäuse
für einen Verbrennungsmotor handelt und die Durchgangsöffnung mindestens eine in dem
Zylinderkurbelgehäuse vorgesehene Zylinderöffnung ist. In diesem Fall werden beispielsweise
vor der vollständigen Abkühlung des Gussteils die die jeweiligen Zylinderöffnungen
abbildenden Gießkerne vollständig sowie der den Kurbelraum abbildende Gießkern und
die Teile der Gießform, die in Verlängerung der Zylinderöffnung angeordnet sind, zumindest
soweit entfernt, dass Luft oder ein anderes gasförmiges Abkühlmedium durch die Zylinderöffnung
strömen kann, während die anderen Teile des Gussstücks noch von der Gießform umgeben
sind. Dadurch, dass durch die Erfindung eine beschleunigte Abkühlung im Innern des
Gussteils ermöglicht wird, werden allgemein höhere Festigkeiten erreicht als dies
bei konventionellen Gießverfahren möglich ist, bei denen die Gussteile in der geschlossenen
Form alleine aufgrund der über die Außenseiten der Gießform erfolgende Wärmeabfuhr
abkühlen. Dabei ist es denkbar, durch eine lokal beschleunigte Abkühlung im unmittelbar
an die jeweilige Zylinderöffnung angrenzenden Bereich gezielt eine höhere Festigkeit
zu erreichen als im weiter entfernt liegenden, umgebenden Bereich des Zylinderkurbelgehäuses,
das dort langsamer abkühlt als im in erfindungsgemäßer Weise vom Kühlmedium direkt
überstrichenen Bereich und so seine hohe Zähigkeit beibehält.
[0028] Besonders einfach und gleichzeitig kostengünstig und flexibel lässt sich die erfindungsgemäße
Vorgehensweise in der Praxis dadurch realisieren, dass die Gießform vollständig oder
zumindest im Bereich der Durchgangsöffnung als Kernpaket ausgebildet ist, dessen Formteile
und Gießkerne, die im Bereich der Durchgangsöffnung und der Verlängerung des die Durchgangsöffnung
abbildenden Gießkerns angeordnet sind, aus einem Formstoff bestehen, der unter Kraft-
oder Temperatureinwirkung zerfällt.
[0029] Als unter den praktischen Produktionsbedingungen besonders günstig hat es sich dabei
erwiesen, wenn bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens vollständig auf
eine formkastengebundene Gießtechnik verzichtet wird und die Gießform insgesamt als
Kernpaket ausgeführt wird.
[0030] Da die Gießform erfindungsgemäß zumindest im Bereich der mit dem Durchgangskanal
zu versehenden Durchgangsöffnung des Gussteils aus verlorenen Gießkernen oder Formteilen
besteht, sind die betreffenden Gießkerne und Formteile aus konventionellen Formstoffen
hergestellt, die, wie eingangs erläutert, üblicherweise aus einem Sand, einem organischen
oder anorganischen Binder bestehen, wobei dem Formstoff selbstverständlich ergänzend
bestimmte Additive zugesetzt sein können, um seine Eigenschaften zu optimieren. Der
Binder des Formstoffs kann dabei in an sich bekannter Weise so ausgelegt sein, dass
der die Formhaltigkeit der Formteile und Gießkerne gewährleistende Binder durch die
beim Eingießen der Metallschmelze in die Gießform in sie eingetragene Wärme verbrennt.
In diesem Fall zerfallen die betroffenen Gießkerne und Formteile selbsttätig zu kleinen
Teilstücken, die anschließend ebenso selbsttätig unter Freilegung des Durchgangskanals
aus der Gießform bzw. dem Gussteil rieseln.
[0031] Alternativ oder ergänzend kann es insbesondere im Hinblick auf eine Steigerung der
Effektivität und Zielgerichtetheit des erfindungsgemäßen Verfahrens auch vorteilhaft
sein, die für die Bildung des Durchgangskanals der Gießform erforderliche Zerstörung
der dem betreffenden Durchgangskanal zugeordneten Formteile und Gießkerne gezielt
durch eine mechanische Bearbeitung herbeizuführen. Hierzu können die der jeweiligen
Durchgangsöffnung des Gussteils zugeordneten Gießkerne oder Formteile beispielsweise
mittels eines Stempels ausgedrückt oder der Durchgangskanal kann mittels eines Bohrers
in die Gießform eingebracht werden.
[0032] Um eine möglichst intensive, schnelle Abkühlung des die jeweilige Durchgangsöffnung
umgebenden Materialbereichs des Gussteils zu ermöglichen, werden bei der Herstellung
des Durchgangskanals der mindestens eine die Durchgangsöffnung abbildende Gießkern
und die in seiner Verlängerung angeordneten Bereiche der Gießform in der Praxis regelmäßig
vollständig entfernt werden.
[0033] Soll jedoch im Bereich der jeweiligen Durchgangsöffnung des Gussteils zwar eine beschleunigte
Abkühlung bewirkt werden, dabei das Kühlmedium aber die die jeweilige Durchgangsöffnung
begrenzenden Flächen des Gussteils nicht direkt überstreichen, so kann insbesondere
mittels mechanischer Bearbeitung der Durchgangskanal so durch die jeweilige Durchgangsöffnung
des Gussteils geführt werden, dass der die Durchgangsöffnung des Gussteils bildende
Gießkern nur teilweise entfernt wird. Zwischen dem Durchgangskanal und der Innenfläche
der Durchgangsöffnung bleibt dann noch Sand des Gießkerns vorhanden, der nach wie
vor eine gewisse isolierende Wirkung hat. Dementsprechend erfolgt die Abkühlung des
an die Durchgangsöffnung angrenzenden Bereichs abhängig von der Dicke des verbliebenen
Gießkernmaterials nicht so schnell, wie dies bei einer vollständigen Entfernung des
die Durchgangsöffnung abbildenden Gießkerns und einer direkten Überstreichung der
Innenflächen der Durchgangsöffnung mit dem Kühlmedium der Fall wäre.
[0034] Die Wirtschaftlichkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens kann dadurch noch weiter
gesteigert werden, dass die Gießform mindestens zwei Formholräume zum gleichzeitigen
Gießen von mindestens zwei Gussteilen aufweist und die Metallschmelze über einen gemeinsamen
Eingusskanal in die Formhohlräume der Gießform geleitet wird.
[0035] Nachfolgend wird die Erfindung anhand einer ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung näher erläutert. Es zeigen jeweils vereinfacht, schematisch und nicht maßstabsgerecht:
- Fig. 1
- eine Vorrichtung zum Gießen von zwei Gussteilen im Längsschnitt;
- Fig. 2
- die Vorrichtung gemäß Fig. 1 während des Abgießens einer Eisengussschmelze in einer
der Fig. 1 entsprechenden Schnittansicht;
- Fig. 3
- die Vorrichtung gemäß Fig. 1 nach dem Erstarren der Eisengussschmelze in einer der
Fig. 1 entsprechenden Schnittansicht;
- Fig. 4
- die Vorrichtung gemäß Fig. 1 während des Einbringens von Durchgangskanälen in einer
der Fig. 1 entsprechenden Schnittansicht;
- Fig. 5
- die Vorrichtung gemäß Fig. 1 während des Durchströmens der Durchgangskanäle mit einem
Kühlmedium in einer der Fig. 1 entsprechenden Schnittansicht.
[0036] Die Vorrichtung 1 zum simultanen Gießen von zwei Gussteilen Z1,Z2 umfasst eine Gießform
2, die auf einem Gestell 3 abgestützt ist. Bei den Gussteilen Z1,Z2 handelt es sich
um konventionell gestaltete Zylinderkurbelgehäuse, die jeweils für den Bau jeweils
eines Reihen-Vierzylinder-Verbrennungsmotors bestimmt sind.
[0037] Die Gießform 2 ist als Kernpaket aus äußeren Formteilen 4,5,6,7 und im Inneren der
Gießform 2 angeordneten Gießkernen 8 - 19 zusammengesetzt. Während die äußeren Formteile
4 - 7 die äußere Form der zu gießenden Gussteile Z1,Z2 bestimmen, bilden die Gießkerne
8,9 die innere Form der Kurbelgehäuse K1,K2 mit den Kurbelwellenlagern L1,L2 und die
Gießkerne 10 - 17 die als Durchgangsöffnung 01,02 ausgebildeten Zylinderöffnungen
der Gussteile Z1,Z2 ab. Die jeweils seitlich angeordneten Gießformteile 5,7 formen
dabei jeweils die eine Stirnseite des jeweiligen Gussteils Z1,Z2, während die gegenüberliegend
zum jeweils zugeordneten äußeren Formteil 5,7 angeordneten jeweiligen Gießkerne 18
die hier im Innern der Gießform 2 angeordnete Stirnseite des jeweiligen Gussteils
Z1,Z2 abbilden. Die weiteren Gießkerne 19 dienen beispielsweise zur Erzeugung von
Wasser- oder Ölkanälen in den Gussteilen Z1,Z2. Die Gießform 2 ist dabei so ausgerichtet,
dass die Hauptrichtung H der Durchgangsöffnungen 01,02 in vertikaler Richtung V ausgerichtet
sind.
[0038] Die bei ungefüllter Gießform 2 von den Formteilen 4 - 7 und Gießkernen 8 - 19 umgrenzten
Formhohlräume 20,21 der Gießform 2 sind über hier weiter nicht gezeigte Anschnitte
mit einem gemeinsamen, zentral in der Gießform 2 angeordneten und vertikal ausgerichteten
Anschnitt 22 verbunden. Der zentrale Anschnitt 22 ist wiederum an einen ebenso zentral
an der Oberseite der Gießform 2 ausgebildeten Eingusskanal 23 angeschlossen, über
den die Befüllung der Gießform 2 mit Eisengussschmelze S erfolgt. Der Anschnitt 22
und die anderen hier nicht gezeigten Anschnitte der Gießform 2 sind dabei so gelegt,
dass die Befüllung der Formhohlräume 20,21 entgegen der Wirkrichtung R der Schwerkraft
erfolgt.
[0039] Die Gießform 2 sitzt auf einem von Stützen 24 getragenen Gitterrost 25 des Gestells
3.
[0040] Die äußeren Formteile 4,5,6,7 und Gießkerne 8 - 19 sind aus einem handelsüblichen,
aus einem anorganischen Binder und einem Sand gemischten Formstoff geformt, der durch
Wärmezufuhr und Feuchtigkeitsentzug soweit verfestigt ist, dass er für den Halt der
Gießform 2 und die während des Abgießvorgangs auftretenden Kräfte ausreichende Formhaltigkeit
besitzt. Durch die mit dem Eingießen der Eisengussschmelze S einhergehende Temperaturerhöhung
setzt jedoch bereits ein Zerfall insbesondere derjenigen Formteile 4,5,6,7 und Gießkerne
8 - 19 ein, die unmittelbar der Gießhitze der Eisengussschmelze S ausgesetzt sind.
[0041] Nach dem Befüllen der Gießform 2 mit der Eisengussschmelze S (Fig. 2) kühlen die
Gussteile Z1,Z2 auf eine im Bereich von 850 - 650 °C liegende Mindesttemperatur ab,
bei der einerseits das Eisengussmaterial erstarrt, andererseits jedoch die Temperatur
der Gussteile Z1,Z2 noch so hoch ist, dass durch eine beschleunigte Abkühlung Härtegefüge
erzeugt werden kann. Optimalerweise liegt dabei die Temperatur so hoch, dass das Gefüge
der Gussteile Z1,Z2 noch vollständig austenitisch ist.
[0042] Ist dieser Zustand erreicht (Fig. 3), werden Durchgangskanäle G1,G2 in die Gießform
2 eingebracht (Fig. 4), von denen jeweils einer den Durchgangsöffnungen 01,02 des
Gussteils Z1,Z2 zugeordnet ist. Dazu werden mit Hilfe von Ausstoßern 26,27, von denen
ebenfalls jeweils einer einer der Durchgangsöffnungen 01,02 der Gussteile Z1,Z2 zugeordnet
ist, die zu diesem Zeitpunkt bereits teilweise zu kleineren Bruchstücken zerfallenen,
die Durchgangsöffnungen 01,02 der Gussteile Z1,Z2 abbildenden Gießkerne 10 - 17 sowie
die in ihrer gedachten Verlängerung V1,V2 darüber liegenden Abschnitte des den Deckel
der Gießform 2 bildenden äußeren Formteils 4 und die in ihrer gedachten Verlängerung
V1,V2 darunter liegenden, die Kurbelgehäuse K1,K2 mit den Kurbelwellenlagern L1,L2
abbildenden Gießkerne 8,9 sowie die ebenfalls in der Verlängerung V1,V2 unterhalb
der Gießkerne 8,9 liegenden Abschnitte des den Boden der Gießform 2 bildenden unteren
Formteils 6 aus der Gießform 2 gestoßen. Die so gebildeten, durch die Durchgangsöffnungen
01,02 führenden Durchgangskanäle G1,G2 münden dementsprechend mit ihrem oberen Ende
jeweils an der oberen, durch die obere Außenfläche des Deckel-Formteils 4 gebildeten
Außenseite und mit ihrem unteren Ende an der unteren, durch die untere Außenfläche
des Boden-Formteils 6 gebildeten Außenseite der Gießform 2.
[0043] Die ausgestoßenen Formteil-Abschnitte und Gießkerne-Bruchstücke zerfallen dabei zu
rieselfähigem, kleinteiligen Material M, das durch das Gestell-Rost fällt und sich
am Boden unterhalb der Gießform 2 sammelt. Das Ausrieseln des Formstoff-Materials
M aus der Gießform 2 kann erforderlichenfalls in an sich bekannter Weise durch Rütteln,
Klopfen oder andere mechanische Behandlungen unterstützt werden. Das von der Gießform
2 herab fallende Material M kann durch eine hier nicht gezeigte Fördereinrichtung
abtransportiert werden.
[0044] Nachdem die Durchgangskanäle G1,G2 freigelegt sind und so eine Durchströmung der
Gussteile Z1-Z2 in vertikaler Richtung V ermöglicht ist, wird unterhalb der Gießform
2 eine Düseneinrichtung 28 platziert, über die ein mittels eines hier nicht dargestellten
Ventilators beschleunigter Kühlmediumstrom M1,M2 von unten her in vertikaler Richtung
R in die Gießform 2 geblasen wird (Fig. 5). Beim hier erläuterten Ausführungsbeispiel
handelt es sich bei dem Kühlmedium um Luft.
[0045] Der jeweilige Kühlmediumstrom M1,M2 strömt durch die durch die Durchgangsöffnungen
01,02 der Gussteile Z1,Z2 führenden Durchgangskanäle G1-G2 und bewirkt eine beschleunigte
Abkühlung der von ihm überstrichenen Wandabschnitte der Gussteile Z1,Z2. So entsteht
insbesondere im Bereich der Durchgangsöffnungen 01,02, der Kurbelwellenlager L1,L2
und der die Kurbelwellenlager L1,L2 jeweils stützenden Zuganker A1,A2 ein durch feinstreifigen
Perlit bei gleichzeitig feiner Körnung gekennzeichnetes Gefüge, das eine höhere Festigkeit
aufweist, als die Festigkeit, die bei Gussteilen erreicht wird, die in konventioneller
Weise in einer geschlossenen Gießform alleine durch natürlichen Wärmeverlust über
deren Außenformteile abkühlen. Dementsprechend ist der Temperaturunterschied zwischen
den im Innern der Gussteile Z1,Z2 angeordneten, an die Durchgangsöffnungen 01,02,
an die Kurbelwellenlager L1,L2 und an die die Kurbelwellenlager L1,L2 jeweils stützenden
Zuganker A1,A2 angrenzenden Bereiche und den weiter entfernt liegenden, äußeren Bereichen
der Gussteile Z1,Z2 minimiert, die aufgrund der dort gegebenen geringeren Wandstärken
mit vergleichbaren Abkühlraten abkühlen.
[0046] Insgesamt wird auf diese Weise erreicht, dass die Temperaturgradienten zwischen dem
Außen- und dem Innenbereich der Gussteile Z1,Z2 klein bleibt. Der geringe Temperaturgradient
reduziert die Zugeigenspannungen im Innenbereich. Gleichzeitig bewirkt die höhere
Abkühlrate eine höhere Zugfestigkeit des Eisengusswerkstoffs, so dass durch die erfindungsgemäße
Vorgehensweise im Ergebnis bei den Gussteilen Z1,Z2 Belastbarkeiten erreicht werden,
die um 50 % höher sind als die Belastbarkeit von konventionell erzeugten, langsam
in der Gießform abgekühlten Zylinderkurbelgehäusen.
BEZUGSZEICHEN
[0047]
- 1
- Vorrichtung zum simultanen Gießen von zwei Gussteilen Z1,Z2
- 2
- Gießform
- 3
- Gestell
- 4-7
- äußere Formteile der Gießform 2
- 8-19
- Gießkerne
- 20,21
- Formhohlräume der Gießform 2
- 22
- zentraler Anschnitt der Gießform 2
- 23
- Eingusskanal der Gießform 2
- 24
- Stützen des Gestells 3
- 25
- Gitterrost des Gestells 3
- 26,27
- Ausstoßer
- 28
- Düseneinrichtung
- A1,A2
- Zuganker der Gussteile Z1,Z2
- G1-G2
- Durchgangskanäle der Gießform 2
- H
- Hauptrichtung der Durchgangsöffnungen 01,02
- K1,K2
- Kurbelgehäuse der Gussteile Z1,Z2
- L1,L2
- Kurbelwellenlager der Gussteile Z1,Z2
- M
- Formstoff-Material
- M1,M2
- Kühlmediumströme
- 01,02
- Durchgangsöffnungen (Zylinderöffnungen) der Gussteile Z1,Z2
- R
- Wirkrichtung der Schwerkraft
- S
- Eisengussschmelze
- V
- vertikale Richtung
- V1,V2
- gedachte Verlängerung der Durchgangsöffnungen 01,02 der Gießform 2
- Z1,Z2
- Gussteile (Zylinderkurbelgehäuse)
1. Verfahren zum Gießen eines mit mindestens einer Durchgangsöffnung versehenen Gussteils
(Z1,Z2) aus einer Metallschmelze (S), umfassend folgende Arbeitsschritte:
a) Bereitstellen einer Gießform (2), in der mindestens ein Gießkern (8-19) zum Abbilden
der Durchgangsöffnung (01,02) vorhanden ist, wobei der Gießkern (8-19) aus einem einen
Binder umfassenden Formstoff besteht, der unter Kraft- oder Temperatureinwirkung zerfällt,
b) Abgießen der Metallschmelze (S) in die Gießform (2) zu dem Gussteil (Z1,Z2),
c) Abkühlen des Gussteils (Z1,Z2) in der Gießform (2) auf eine Temperatur, die unterhalb
der Liquidus-Temperatur der Metallschmelze (S), jedoch oberhalb einer Mindesttemperatur
liegt, bis zu der es bei einer beschleunigten Abkühlung zur Ausbildung von höherfestem
Gefüge kommt,
d) Herstellen eines durch die Durchgangsöffnung (01,02) des Gussteils (Z1,Z2) führenden
Durchgangskanals (G1,G2), der jeweils an einer Außenseite der Gießform (2) mündet,
indem der Binder des Formstoffs, aus dem der die Durchgangsöffnung (01,02) abbildende
Gießkern (8-19) durch die beim Eingießen der Metallschmelze in die Gießform in sie
eingetragene Wärme verbrennt, oder indem zur Herstellung des Durchgangskanals (G1,G2)
der die jeweilige Durchgangsöffnung (01,02) abbildende Gießkern (8-19) und die in
seiner Verlängerung (V1,V2) angeordneten Bereiche der Gießform (2) zumindest teilweise
mechanisch zerstört werden,
e) Abkühlen des Gussteils (Z1,Z2) in der Gießform (2) unter Durchströmung des Durchgangskanals
(G1,G2) mit einem Kühlmedium (M1,M2).
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallschmelze eine Eisengussschmelze ist und die Mindesttemperatur, oberhalb
der im Arbeitsschritt c) die Abkühlung beendet wird, der A1-Temperatur der Metallschmelze entspricht.
3. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallschmelze (S) eine Eisengussschmelze ist und die Temperatur, auf die das
Gussteil (Z1,Z2) im Arbeitsschritt c) in der Gießform (2) abgekühlt wird, im Bereich
von 1153 - 600 °C liegt.
4. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Gussteil (Z1,Z2) ein Zylinderkurbelgehäuse für einen Verbrennungsmotor und die
Durchgangsöffnung (01,02) eine in dem Gussteil (Z1,Z2) vorgesehene Zylinderöffnung
ist.
5. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Gießform (2) als Kernpaket ausgebildet ist, dessen Formteile (4-7) und Gießkerne
(8-19), die im Bereich der Durchgangsöffnung (01,02) und der Verlängerung (V1,V2)
des die Durchgangsöffnung (01,02) abbildenden Gießkerns (8-19) angeordnet sind, aus
einem Formstoff bestehen, der unter Kraftoder Temperatureinwirkung zerfällt.
6. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Hauptrichtung (H) des Durchgangskanals (G1,G2) vertikal ausgerichtet ist.
7. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zur Herstellung des Durchgangskanals (G1,G2) der die Durchgangsöffnung (01,02) abbildende
Gießkern (8-19) und die in seiner Verlängerung (V1,V2) angeordneten Bereiche der Gießform
(2) vollständig entfernt werden.
8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Kühlmedium (M1,M2) in einer erzwungenen Strömung beschleunigt durch den Durchgangskanal
(G1,G2) geleitet wird.
9. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Kühlmedium gasförmig ist.
10. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Gießform (2) mindestens zwei Formholräume (20,21) zum gleichzeitigen Gießen von
mindestens zwei Gussteilen (Z1,Z2) aufweist und dass die Metallschmelze (S) über einen gemeinsamen Speiser (23) oder Anschnitt (22) in
die Formhohlräume (20,21) geleitet wird.
1. Method for casting a cast piece (Z1, Z2) made of molten metal (S) provided with at
least one through-opening, comprising the following steps:
a) Provision of a casting mould (2) in which at least one casting core (8-19) is present
to represent the through opening (01, 02), wherein the casting core (8-19) consists
of a moulding material comprising a binder which material disintegrates under the
effect of force or temperature,
b) Pouring of the molten metal (S) into the casting mould (2) to form the cast piece
(Z1, Z2),
c) Cooling of the cast piece (Z1, Z2) in the casting mould (2) to a temperature, which
is below the liquidus temperature of the molten metal (S), but above a minimum temperature,
from which minimum temperature accelerated cooling effects the formation of a high-tensile
structure,
d) Formation of a through-channel (G1, G2) leading through the through-opening (01,02)
of the cast piece (Z1, Z2), which in each case opens on to an external side of the
casting mould (2), by burning the binder in the moulding material out of the casting
core (8-19) representing the through-opening (01, 02) by means of the heat input into
the casting mould (2) when pouring the molten metal into said casting mould, or by
mechanically destroying, at least in part, the respective casting core (8-19) representing
the through-opening (01, 02) and the regions of the casting mould (2) arranged in
the extension (V1, V2) of said core,
e) Cooling of the cast piece (Z1, Z2) in the casting mould (2) whilst a cooling medium
(M1, M2) flows through the through-channel (G1, G2).
2. Method according to claim 1, characterised in that the molten metal is molten cast iron and the minimum temperature, above which cooling
ends in step c), corresponds to the A1 temperature of the molten metal.
3. Method according to either of the preceding claims characterised in that the molten metal (S) is molten cast iron and the temperature to which the cast piece
(Z1, Z2) is cooled in the casting mould (2) in step c) is between 1153 and 600 °C.
4. Method according to any one of the preceding claims characterised in that the cast piece (Z1, Z2) is a cylinder crankcase for a combustion engine and the through-opening
(01, 02) is a cylinder opening provided in the cast piece (Z1, Z2).
5. Method according to any one of the preceding claims characterised in that the casting mould (2) is configured as a core package, the moulded parts (4-7) and
casting cores (8-19) of which, which are arranged in the region of the through-opening
(01, 02) and the extension (V1, V2) of the casting core (8-19) representing the through-opening
(01, 02), consist of a moulding material which disintegrates under the effect of force
or temperature.
6. Method according to any one of the preceding claims characterised in that the main direction (H) of the through-channel (G1, G2) is vertical.
7. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the casting core (8-19) representing the through opening (01, 02) and the regions
of the casting mould (2) arranged in the extension (V1, V2) of said core are removed
completely.
8. Method according to any one of the preceding claims characterised in that the cooling medium (M1,M2) being led through the through-channel (G1, G2) at an accelerated
rate within a forced stream.
9. Method according to any one of the preceding claims characterised in that the cooling medium is gaseous.
10. Method according to any one of the preceding claims characterised in that the casting mould (2) has at least two cavities (20, 21) for simultaneous casting
of at least two cast pieces (Z1, Z2) and that the molten metal (S) is guided into
the cavities (20, 21) by means of a common feeder (23) or gate (22).
1. Procédé de coulée d'une pièce moulée (Z1, Z2) munie d'au moins une ouverture de passage
à partir d'une masse de métal fondu (S), comprenant les étapes suivantes:
a. préparation d'un moule de coulée (2) contenant au moins un noyau de coulée (8-19)
servant à former l'ouverture de passage (01, 02) et dans lequel le noyau de coulée
(8-19) constitué d'une matière à mouler comprenant un liant qui se désagrège sous
l'effet de la force ou de la température,
b. coulée de la masse de métal fondu (S) dans le moule de coulée (2) pour obtenir
la pièce coulée (Z1, Z2),
c. refroidissement de la pièce coulée (Z1, Z2) dans le moule de coulée (2) jusqu'à
une température qui est inférieure à la température de liquide de la masse de métal
fondu (S), mais supérieure à une température minimale, jusqu'à former par un refroidissement
accéléré une structure à haute résistance,
d. réalisation d'un conduit de passage (G1, G2) traversant l'ouverture de passage
(01, 02) de la pièce moulée (Z1, Z2) et débouchant respectivement au niveau d'un côté
extérieur de la pièce moulée (2), en chassant le liant de la matière à mouler hors
du noyau de coulée (8-19) formant l'ouverture de passage (01, 02) par combustion sous
l'effet de la chaleur générée lors de la coulée de la masse de métal fondu dans le
moule de coulée, ou en détruisant mécaniquement le noyau de coulée (8-19) formant
l'ouverture de passage (01, 02) correspondante ainsi que les zones du moule de coulée
(2) qui se trouvent dans son prolongement (V1, V2) au moins partiellement pour réaliser
le conduit de passage (G1, G2),
e. refroidissement de la pièce moulée (Z1, Z2) dans le moule de coulée (2) en faisant
traverser un fluide de refroidissement (M1, M2) dans le conduit de passage (G1, G2).
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que la masse de métal fondu est une masse de fonte de fer fondue et que la température
minimale, supérieure à celle à laquelle se produit le refroidissement décrit dans
l'étape c), correspond à la température A1 de la masse de métal fondu.
3. Procédé selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la masse de métal fondu (S) est une masse de fonte de fer fondue et que la température
au niveau de laquelle la pièce coulée (Z1, Z2) dans l'étape c) est refroidie dans
le moule de coulée (2) se situe dans une plage gisant entre 1153 - 600° C.
4. Procédé selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la pièce coulée (Z1, Z2) est un carter de vilebrequin pour un moteur à combustion
interne et que l'ouverture de passage (01, 02) est une ouverture de cylindre prévue
dans la pièce moulée (Z1, Z2).
5. Procédé selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le moule de coulée (2) est formé en tant que paquet de noyaux, dont les éléments
moulés (4-7) et le noyau de coulée (8-19) qui sont agencées dans le secteur de l'ouverture
de passage (01, 02) et dans le prolongement (V1, V2) du noyau de coulée (8-19) formant
l'ouverture de passage (01, 02) se composent d'une matière à mouler qui se désagrège
sous l'effet de la force ou de la température.
6. Procédé selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la direction principale (H) du conduit de passage (G1, G2) est orientée verticalement.
7. Procédé selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que pour la réalisation du conduit de passage (G1, G2) le noyau de coulée (8-19) formant
l'ouverture de passage (01, 02) et les secteurs du moule de coulée (2) agencés dans
son prolongement (V1, V2) sont intégralement enlevés.
8. Procédé selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le fluide de refroidissement (M1, M2) est conduit en accélération dans un écoulement
forcé à travers le conduit de passage (G1, G2).
9. Procédé selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le fluide de refroidissement est gazeux.
10. Procédé selon une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le moule de coulée (2) présente au moins deux cavités de moule (20, 21) pour la coulée
simultanée d'au moins deux pièces de coulée (Z1, Z2) et que la masse de métal fondu
(S) est conduite par l'intermédiaire d'une masselotte commune (23) ou d'un canal (22)
dans les cavités du moule (20, 21).