[0001] Die Erfindung betrifft einen Geber für eine Heizungsanlage zur Steuerung deren Betriebsverhaltens.
[0002] Aus dem Stand der Technik ist es bekannt, Heizungsanlagen von Gebäuden mit Außentemperaturfühlern
zu versehen, mittels derer eine anliegende Außentemperatur erfasst und ein entsprechendes
Außentemperatursignal an die Heizungsanlage übermittelt wird. In Abhängigkeit des
Außentemperatursignals wird dann die Heizungsanlage zu- oder abgeschaltet oder in
deren Leistung geregelt, wobei die bereitzustellende Vorlauftemperatur der Heizungsanlage
in Abhängigkeit der gemessenen Außentemperatur bestimmt wird.
[0003] Der Nachteil solcher außentemperaturgeführter Heizungsanlagen liegt insbesondere
darin, dass hierbei stets nur eine Reaktion der Heizungsanlage auf das eingehende
Außentemperatursignal der aktuellen Außentemperatur erfolgen kann. Aufgrund der jeweiligen
thermischen Trägheit der Heizungsanlage, des angeschlossenen Wärmeabgabesystems oder
des zu beheizenden Gebäudes, kann somit eine zu beeinflussende Innentemperatur lediglich
nachgeregelt werden.
[0004] Speziell bei großen und schnellen Temperaturunterschieden oder unter dem Einfluss
weiterer Umweltfaktoren stellt sich somit unter Umständen die Situation ein, dass
die Heizungsanlage in einem unpassenden Betriebszustand arbeitet, insbesondere nicht
ausreichend frühzeitig zu- beziehungsweise abgeschaltet wird, sodass es zu Wirtschaftlichkeits-
oder Komfortverlusten im Betrieb der Heizungsanlage kommen kann.
[0005] Um das Betriebsverhalten zu optimieren ist es nach dem Stand der Technik bekannt,
weitere Umweltfaktoren, wie beispielsweise Sonneneinstrahlung, Niederschlag oder Wind
sowie Prognosedaten, in die Steuerung der Heizungsanlage ein¬zubeziehen. Um dies umzusetzen
ist es nach dem Stand der Technik bekannt, Heizungsanlagen mit aufwändigen Steuerungseinrichtungen
zu versehen, welche eine Vielzahl von Sensorschnittstellen für unterschiedliche Umweltfaktoren
sowie Dateneingänge für Prognosedaten aufweisen und Controller zur Verarbeitung der
Vielzahl von Sensorinformationen aufweisen
[0006] Die Aufgabe der Erfindung besteht somit darin, eine Lösung zur Verbesserung des Betriebsverhaltens
von Heizungsanlagen aufzuzeigen, welche für eine bestehende Heizungsanlage einsetzbar
ist, welche einen besonders wirtschaftlichen Betrieb der Heizungsanlage ermöglicht
und welcher darüber hinaus kostengünstig bereitstell¬bar und mit geringem Installationsaufwand
bereitstellbar ist.
[0007] Die Aufgabe wird durch die im Patentanspruch 1 aufgeführten Merkmale gelöst. Bevorzugte
Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0008] Ein erfindungsgemäßer Geber für eine Heizungsanlage weist eine Messeinheit, eine
Empfangseinheit, eine Auswertungseinheit und ein Stellelement auf.
[0009] Die Auswertungseinheit ist hierbei mit der Messeinheit, der Empfangseinheit und dem
Stellelement verbunden, wobei das Stellelement darüber hinaus mit einem Außentemperatureingang
einer Heizungsanlage verbunden ist.
[0010] Die Verbindungen zwischen den jeweiligen Komponenten können vorliegend sowohl drahtgebunden
als auch drahtlos ausgebildet sein.
[0011] Die Messeinheit ist erfindungsgemäß dazu in der Lage, lokale Umweltfaktoren wie insbesondere
eine Außentemperatur sowie optional einen Luftfeuchtegehalt, eine Windgeschwindigkeit
und eine solare Einstrahlung zu erfassen.
[0012] Die entsprechend erfassten, lokalen Umweltfaktoren werden durch die Messeinheit als
Messdaten an die Auswertungseinheit übertragbar bereitgestellt.
[0013] Die Bezeichnung lokale Umweltfaktoren beinhaltet im Sinne der Erfindung, dass sowohl
mehrere, als auch nur ein einziger lokaler Umweltfaktor erfasst und an die Auswertungseinheit
übertragbar bereitgestellt werden können bzw. kann.
[0014] Zur Erfassung der lokalen Umweltfaktoren weist die Messeinheit vorzugsweise entsprechende
Einzelkomponenten wie etwa einen Temperatursensor, einen Luftfeuchtemesser oder einen
Windmesser auf, wobei die Einzelkomponenten der Messeinheit auch räumlich getrennt
voneinander und insbesondere an verschiedenen Positionen des Gebäudes angeordnet sein
können.
[0015] Die Messdaten werden durch die Messeinheit beispielsweise als digitale oder analoge
elektrische Werte bereitgestellt.
[0016] Die Empfangseinheit ist erfindungsgemäß dazu in der Lage, fernübertragene Prognosedaten
zu empfangen und diese an die Auswertungseinheit übertragbar bereitzustellen.
[0017] Bei den fernübertragenen Prognosedaten handelt es sich insbesondere um lokale Wetterprognosen,
welche durch Wetterdienste bereitgestellt und beispielsweise über Funk, beispielsweise
über Langwellensender oder via Internet übertragen werden.
[0018] Derartige Prognosedaten können auch von lokalen Wetterstationen bereitgestellt werden.
[0019] Die Bezeichnung fernübertragene Prognosedaten beinhaltet im Sinne der Erfindung,
dass sowohl mehrere, als auch nur ein einziger Prognosewert empfangen, beziehungsweise
an die Auswertungseinheit übertragbar bereitgestellt werden können bzw. kann.
[0020] Die Auswertungseinheit ist erfindungsgemäß dazu in der Lage, die von der Messeinheit
übertragenen Messdaten und die von der Empfangseinheit übertragenen Prognosedaten
in einem Auswertungsvorgang auszuwerten.
[0021] In dem Auswertungsvorgang werden die Messdaten und die Prognosedaten zusammengeführt
und beispielsweise mittel eines geeigneten Algorithmus bewertet.
[0022] Das Ergebnis des Auswertungsvorgangs wird durch die Auswertungseinheit als Steuersignal
bereitgestellt und an das Stellelement übertragen.
[0023] Das Stellelement ist vorliegend dazu in der Lage, das durch die Auswertungseinheit
übertragene Steuersignal in ein, von der Heizungsanlage verarbeitbares, modifiziertes
Außentemperatursignal umzuwandeln und dieses Außentemperatursignal an die Heizungsanlage
übertragbar bereitzustellen.
[0024] Das bereitgestellte, modifizierte Außentemperatursignal wird durch die tatsächliche
Außentemperatur lediglich mitbestimmt. Das modifizierte Außentemperatursignal ist
Ausdruck der Auswertung möglicher weiterer aktueller lokaler Umweltfaktoren, wie Windgeschwindigkeiten,
solare Einstrahlungen und so weiter, von Vorhersagewerten sowie optional von Daten
zum spezifischen thermischen Verhalten eines Gebäudes wie beispielsweise Speichermassen,
Wärmedämmverhalten, Größe der Oberflächen und so weiter.
[0025] Das modifizierte Außentemperatursignal wird daher von der tatsächlichen Außentemperatur
im Regelfall mehr oder weniger abweichen.
[0026] Das modifizierte Außentemperatursignal kann daher auch als ein prädiktives Äquivalenzaußentemperatursignal
bezeichnet werden.
[0027] Der erfindungsgemäße Geber wird einer außentemperaturgeführten Heizungsanlage anstelle
eines konventionellen Temperaturfühlers zugeordnet. Das modifizierte Außentemperatursignal
des Gebers steuert damit das Betriebsverhalten der Heizungsanlage.
[0028] Das modifizierte Außentemperatursignal wird durch das Stellelement mittels des Steuersignals,
welches das Ergebnis des Auswertungsvorgangs darstellt, so eingestellt, dass die Heizungsanlage
ein solches modifiziertes Außentemperatursignal erhält, bei welchem die Heizleistung
dem Wert entspricht, der durch den Auswertungsvorgang als optimal errechnet wurde.
Das modifizierte Außentemperatursignal ist als Mittel zur Steuerung der Heizungsanlage
zu verstehen, wobei die Steuerungsvorgaben außerhalb der Steuerungseinheit der Heizungsanlage,
nämlich durch die Auswertungseinheit berechnet werden.
[0029] Beispielsweise kann durch Ausgabe eines höheren modifizierten Außentemperatursignals
als es der tatsächlichen Außentemperatur entspricht die Heizungsanlage in der Heizleistung
gedrosselt werden, wie dies zum Beispiel bei geringer Luftfeuchtigkeit, geringem Wind,
hoher solarer Einstrahlung oder prognostiziertem Temperaturanstieg sinnvoll sein kann.
[0030] Der Geber ermöglicht als besonderen Vorteil, dass die Heizungsanlage in deren Betriebsverhalten
nicht mehr ausschließlich in Abhängigkeit von Außentemperaturen steuerbar ist, sondern
vielmehr auf der Basis weiterer aktueller lokaler Umweltfaktoren, von Prognosedaten
und optional des spezifischen thermischen Verhaltens des Gebäudes.
[0031] Auf diese Weise können insbesondere die thermische Trägheit der Heizungsanlage, des
angeschlossenen Wärmeabgabesystems und gegebenenfalls des zu beheizenden Gebäudes
überwunden und gegenüber herkömmlichen, außentempera¬turgeführten Heizungsanlagen
ein besonders effektiver und wirtschaftlicher Betrieb der Heizungsanlage gewährleistet
werden.
[0032] Aufgrund der bereitstellbaren Vermeidung unnötiger Betriebszeiten kann zudem ein
besonders ressourcenschonender Betrieb der Heizungsanlage ermöglicht werden.
[0033] Ein besonders wichtiger technologischer Vorteil besteht darin, dass weder ein hardware-
noch ein softwareseitiger Eingriff in die Steuerungseinheit der Heizungsanlage erforderlich
ist. Die optimierte Steuerungsintelligenz des erfindungsgemäßen Gebers verbleibt außerhalb
der Steuerungseinheit der Heizungsanlage und kann trotzdem uneingeschränkt für das
Betriebsverhalten der Heizungsanlage nutzbar gemacht werden.
[0034] Ein damit im Zusammenhang stehender Vorteil des erfindungsgemäßen Gebers besteht
darin, dass dieser im Plug-and-Play Verfahren gegen einen vorhandenen, konventionellen
Temperaturgeber der Heizungsanlage ausgetauscht werden kann, sodass der notwendige
Installationsaufwand für den Geber selbst sehr gering gehalten werden kann.
[0035] Insbesondere eine bestehende, außentemperaturgeführte Heizungsanlage kann auf diese
Weise mit äußerst geringem Aufwand in deren Wirtschaftlichkeit, Effektivität und Umweltverträglichkeit
deutlich verbessert werden.
[0036] Eine besonders vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass der Geber
eine Betriebszustandserfassungseinheit aufweist, welche ebenfalls mit der Auswertungseinheit
verbunden ist.
[0037] Die Betriebszustandserfassungseinheit dient erfindungsgemäß dazu, aktuelle Be-triebszustände
zu erfassen und diese als Zusatzdaten an die Auswertungseinheit übertragbar bereitzustellen.
[0038] Die Bezeichnung Betriebszustände beinhaltet, dass sowohl ein einziger als auch mehrere
Betriebszustände erfasst und übertragbar bereitgestellt werden kann bzw. können.
[0039] Als Betriebszustände werden im vorliegenden Zusammenhang insbesondere Betriebszustände
des Gebäudes wie Innentemperaturen, aktuelle Raumnutzung, offenstehende Fenster oder
auch Betriebszustände der Heizungsanlage wie Voroder Rücklauftemperaturen, Pumpenschaltzustände
und so weiter verstanden.
[0040] Die Zusatzdaten sind erfindungsgemäß in den Auswertevorgang einbeziehbar, so dass
diese in dem Steuersignal der Auswertungseinheit berücksichtigt werden können.
[0041] Beispielsweise kann auf diesem Weg die Betriebszustandserfassungseinheit erfassen,
ob das zu beheizende Gebäude aktuell genutzt ist, sodass die Auswertungseinheit ein
entsprechendes Steuersignal ausgeben kann, durch welches die Heizungsanlage mittels
des modifizierten Außentemperatursignals entweder hoch- oder heruntergeregelt wird.
[0042] Im Ergebnis dieser Weiterbildung kann das modifizierte Außentemperatursignal als
Ergebnis einer komplexen Auswertung dergestalt realisiert werden, dass die von der
Heizungsanlage abgerufene Wärmemenge bei gleichbleibendem Temperierungskomfort reduziert
wird.
[0043] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung handelt es sich bei einem Betriebszustand
um eine Innentemperatur des zu beheizenden Gebäudes. Hierzu weist die Betriebszustandserfassungseinheit
vorzugsweise einen Innenraumtemperaturfühler auf, welcher die Innentemperatur in einem
repräsentativen Bereich oder Raum des Gebäudes erfasst.
[0044] Das Einbeziehen der Innentemperatur in den Auswertungsvorgang bietet hierbei insbesondere
den Vorteil, dass das, durch die Auswertungseinheit ausgegebene, Steuersignal die
aktuell vorhandene Innentemperatur des Gebäudes berücksichtigt und so der wirtschaftliche
Betrieb der Heizungsanlage zusätzlich optimiert werden kann.
[0045] Beispielsweise kann auf diesem Weg das, durch den Geber bereitgestellte, Außentemperatursignal
so angepasst werden, dass bei einer vergleichsweise hohen Innentemperatur des Gebäudes
die Vorlauftemperatur der Heizungsanlage niedrig gehalten oder die Heizungsanlage
generell in einen deaktivierten Betriebszustand belassen, beziehungsweise in diesen
versetzt wird.
[0046] Darüber hinaus sieht eine weitere besonders vorteilhafte Ausbildung der Erfindung
vor, dass die Empfangseinheit dazu in der Lage ist, Energietarifdaten beispielsweise
eines lokalen Energieversorgers zu empfangen und an die Auswertungseinheit übertragbar
bereitzustellen.
[0047] Die Energietarifdaten sind erfindungsgemäß ebenfalls in den Auswertungsvorgang einbeziehbar,
sodass das ausgegebene Steuersignal zusätzlich auf Basis der Energietarifdaten modifiziert
werden kann.
[0048] Die empfangenen Energietarifdaten enthalten beispielsweise einen konkreten zeitlichen
Verlauf unterschiedlicher Energietarife, wie etwa Nachtstrom, sodass durch den Geber
als besonderer technologischer Vorteil eine kostenoptimierte Betriebsführung der Heizungsanlage
realisierbar ist.
[0049] In einer alternativen Ausführung der hier aufgeführten Ausbildung weist die Empfangseinheit
eine weitere Empfangsbaugruppe auf, deren Funktion allein darin besteht, die Energietarifdaten
des lokalen Energieversorgers zu empfangen und an die Auswertungseinheit übertragbar
bereitzustellen.
[0050] In einer bevorzugten Weiterbildung ist die Empfangseinheit dazu in der Lage, Steuerbefehle,
insbesondere von externen Eingabegeräten, zu empfangen und diese als Befehlsdaten
an die Auswertungseinheit übertragbar bereitzustellen. Die Befehlsdaten sind ebenfalls
in den Auswertungsvorgang einbeziehbar, sodass ein entsprechendes Steuersignal in
Abhängigkeit der Befehlsdaten bereitgestellt wird.
[0051] Durch die Empfangbarkeit der Steuerbefehle wird es besonders vorteilhaft bewirkt,
dass die Ausgabe des Steuersignals, beziehungsweise des modifizierten Außentemperatursignals
extern gesteuert und somit der Betriebszustand der Heizungsanlage ferngesteuert geändert
werden kann.
[0052] Als externes Eingabegerät kommt in diesem Zusammenhang vorzugsweise ein Smartphone
zum Einsatz, welches es ermöglicht, den entsprechenden Steuerbefehl mittels einer
App auszuwählen und diesen beispielsweise über das GSM-Netz an die Empfangseinheit
zu senden.
[0053] Wird beispielsweise über ein Smartphone der Befehl zum Ausschalten gegeben, kann
dies in einfacher Weise so realisiert werden, dass die Auswerteeinheit mittels des
Steuersignals ein modifiziertes Außentemperatursignal ausgibt, dass einer sehr hohen
Außentemperatur entspricht, so dass die Steuerungseinheit der Heizungsanlage die Heizungsanlage
abschaltet.
[0054] Als weiterer Vorteil der hier genannten Empfangbarkeit von Steuerbefehlen liegt in
einer Weiterbildung darin, dass mittels des externen Eingabegeräts drahtlos auf die
Empfangseinheit zugegriffen werden und auf diese Weise eine Parametrisierung des Gebers,
beziehungsweise der Auswertungseinheit, durchgeführt werden kann.
[0055] Beispielsweise können durch eine solche Parametrisierung der, dem Auswertungsvorgang
zugrunde liegende, mathematische Algorithmus oder eine Empfindlichkeit der Messeinheit
angepasst werden.
[0056] In dieser Weiterbildung sind durch die Empfangseinheit beispielsweise auch Steuerbefehle
eines zuständigen Versorgungsnetzbetreibers, nachfolgend als Netzbetreiber bezeichnet,
empfangbar und als Befehlsdaten übertragbar bereitstellbar. Als besonderer Vorteil
wird damit ein Zugriff des Netzbetreibers ermöglicht. Ein solcher Zugriff ermöglicht
es dem Netzbetreiber über den Steuerbefehl, die Befehldaten, die Auswertungeinheit,
das Steuersignal und letztlich das Stellelement ein solches modifiziertes Außentemperatursignal
zu erzeugen, durch welches die angeschlossene Heizungsanlage deaktiviert oder aktiviert
werden kann.
[0057] Auf diese Weise wird es als besonderer Vorteil ermöglicht, dass der Netzbetreiber
bei einem Notfall, insbesondere bei einer drohenden Netzüberlastung, mittels des modifizierten
Außentemperatursignals in der Lage ist, die zugehörige Heizungsan¬lage abzuschalten
und so die Netzüberlastung zu verhindern.
[0058] Eine solche Möglichkeit der Notabschaltung der Heizungsanlage ist insbesondere bei
Wärmepumpensystemen mit vergleichsweise elektrischen Leistungsaufnahmen vorteilhaft.
[0059] Zudem kann ein derartiger Zugriff auf die Auswertungseinheit eines erfindungsgemäßen
Gebers auch innerhalb eines gruppierten Zugriffs, also auf mehrere, erfindungsgemäße
Geber gleichzeitig erfolgen, wodurch eine entsprechend größere Anzahl angeschlossener
Heizungsanlagen im Notfall durch den Netzbetreiber per Fernzugriff deaktiviert werden
kann. Die Empfangseinheit ist vorzugsweise so ausgebildet, dass sie unmittelbar die
Signalformate der Netzbetreiber verarbeiten kann; alternativ kann auch ein Signalwandler
vorgesehen werden. Damit ermöglicht die Erfindung wirksames technisches Mittel zur
Erhöhung der Netzstabilität.
[0060] Die Erfindung wird in Ausführungsbeispielen anhand von
- Fig. 1
- Prinzipdarstellung ohne Betriebszustandserfassungseinheit
- Fig. 2
- Prinzipdarstellung mit Betriebszustandserfassungseinheit
näher erläutert.
[0061] Fig. 1 zeigt einen erfindungsgemäßen Geber 1 für eine Heizungsanlage 2 eines Gebäudes
sowie einen Sender 9.
[0062] An dieser Stelle wird angemerkt, dass die Heizungsanlage 2 des Gebäudes und der Sender
9 keine Bestandteile der vorliegenden Erfindung darstellen, sondern diese lediglich
zur Erläuterung der Funktionsweise des Gebers 1 dienen.
[0063] Der Geber 1 weist vorliegend eine Messeinheit 3, eine Empfangseinheit 4 sowie eine
Auswertungseinheit 5 und ein Stellelement 6 auf, wobei die Auswertungseinheit 5 mit
der Messeinheit 3, der Empfangseinheit 4 und dem Stellelement 6 verbunden ist. Die
Energieversorgung (nicht dargestellt) erfolgt im Ausführungsbeispiel über ein separates
Netzteil.
[0064] Im hier gezeigten Ausführungsbeispiel sind die Messeinheit 3 und die Empfangseinheit
4 zur Veranschaulichung außerhalb des Gebäudes angeordnet.
[0065] Das Stellelement 6 ist vorliegend als integraler Bestandteil der Auswertungseinheit
5 ausgebildet und mit einem Außentemperatureingang 7 der Heizungsanlage 2 verbunden.
[0066] Alternativ könnte das Stellelement 6 auch als separates Bauteil innerhalb des Ge-bers
1 angeordnet sein.
[0067] Die Messeinheit 3 ist erfindungsgemäß dazu in der Lage, lokale Umweltfaktoren wie
beispielsweise eine Außentemperatur, eine Windgeschwindigkeit, eine Luftfeuchte oder
eine solare Einstrahlung zu erfassen.
[0068] Als wesentlicher Umweltfaktor wird in diesem Zusammenhang die Außentempera-tur durch
die Messeinheit 3 erfasst.
[0069] Darüber hinaus ist die Messeinheit 3 dazu in der Lage, die erfassten Umweltfaktoren
als Messdaten an die Auswertungseinheit 5 übertragbar bereitzustellen.
[0070] Demgegenüber ist die Empfangseinheit 4 erfindungsgemäß dazu in der Lage, fernübertragene
Prognosedaten, nachfolgend verkürzt als Prognosedaten bezeichnet, zu empfangen und
diese an die Auswertungseinheit 5 übertragbar bereitzustellen.
[0071] Die Prognosedaten werden im vorliegenden Ausführungsbeispiel per Funk, mit Hilfe
eines Senders 9 fernübertragen, wobei die Prognosedaten insbesondere Wettervorhersagen
darstellen, welche durch einen gewählten Wetterdienst bereitgestellt und beispielsweise
als Langwellensignal fernübertragen werden.
[0072] Die Mess- und Prognosedaten werden vorliegend durch die Messeinheit 3, beziehungsweise
durch die Empfangseinheit 4, als digitale Werte übertragbar zur Verfügung gestellt.
[0073] Die Auswertungseinheit 5 wiederum ist erfindungsgemäß dazu in der Lage, die übertragenen
Mess- und Prognosedaten in einem Auswertungsvorgang auszuwerten. Hierbei werden die
Mess- und Prognosedaten zusammengeführt und anhand eines mathematischen Algorithmus
bewertet.
[0074] In einer vorteilhaften Variante der Erfindung werden in den Algorithmus und damit
in die Bewertung zusätzliche Gebäudedaten, wie etwa Speichermassen, Flächen und Wärmedurchgangswerte
von Außenwänden, Oberflächen-VolumenVerhältnisse und ähnliches.
[0075] Am Ende des Auswertungsvorgangs wird ein entsprechendes Auswertungsergebnis bereitgestellt
und zur weiteren Verarbeitung von der Auswertungseinheit 5 als Steuersignal an das
Stellelement 6 übertragen.
[0076] Das Stellelement 6 ist erfindungsgemäß dazu in der Lage, das Steuersignal in ein,
von der Heizungsanlage 2 verarbeitbares, modifiziertes Außentemperatursignal umzuwandeln
und dieses an den Außentemperatureingang der Heizungsanlage 2 zu übertragen. Im vorliegenden
Ausführungsbeispiel tritt der Geber (1) an die Stelle eines vorher vorhandenen Außentemperatursensors,
welcher als thermisch veränderlicher Widerstand ausgebildet war. Das Stellelement
6 ist in gleicher Weise an die Heizungsanlage 2 angeschlossen wie der frühere Außentemperatursensor;
es verändert seinen Widerstand entsprechend dem Steuersignal und simuliert somit gegenüber
der Heizungsanlage eine bestimmte Außentemperatur.
[0077] Der erfindungsgemäße Geber 1 stellt somit auf besonders vorteilhafte Art und Weise
ein modifiziertes Außentemperatursignal für die Heizungsanlage 2 bereit, welches sowohl
die aktuell vorherrschenden, lokalen Umwelteinflüsse als auch die Prognosedaten und
somit die Wettervorhersagen berücksichtigt.
[0078] Fig. 2 zeigt eine erweiterte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gebers 1, wobei
dieser zusätzlich eine Betriebszustandserfassungseinheit 8 aufweist.
[0079] Die Betriebszustandserfassungseinheit 8 ist insbesondere dazu in der Lage, Betriebszustände
des Gebäudes und des Wärmeabgabesystems zu erfassen und die Betriebszustände als Zusatzdaten
an die Auswertungseinheit 5 übertragbar bereit-zustellen.
[0080] Einen zu erfassenden Betriebszustand stellt vorliegend die Innentemperatur des Gebäudes
dar, wobei die Betriebszustandserfassungseinheit 8 für diesen Zweck einen Innentemperaturfühler
(nicht dargestellt) aufweist.
[0081] Die durch die Betriebszustandserfassungseinheit 8 übertragenen Zusatzdaten werden
von der Auswertungseinheit 5 in den Auswertungsvorgang mit einbezogen und hierbei
durch den mathematischen Algorithmus berücksichtigt.
[0082] Das anschließend als Steuersignal ausgegebene Auswertungsergebnis ergibt sich somit
aus den lokalen Umweltfaktoren, den Prognosedaten und den Zusatzdaten, insbesondere
der Innentemperatur.
[0083] Auf diese Weise können Effektivität und Wirtschaftlichkeit der Heizungsanlage 2,
bei gleichbleibender Komfortfunktion, nochmals verbessert werden. Beispielsweise wird
es in diesem Zusammenhang ermöglicht, dass das, durch den Geber 1 ausgegebene, modifizierte
Außentemperatursignal bei einer ausreichenden hohen Innenraumtemperatur in dem Gebäude
so angepasst ist, dass nur eine niedrige Vorlauftemperatur durch die Heizungsanlage
2 bereitgestellt oder die Heizungsanlage 2 deaktiviert wird, beziehungsweise in einem
deaktivierten Zustand verbleibt. Das durch den Geber 1 ausgegebene, modifizierte Außentemperatursignal
simuliert in diesem Fall eine höhere Außentemperatur, als die real vorherrschende
Außentemperatur.
[0084] In einer bevorzugten Weiterbildung ist die Empfangseinheit 4 zusätzlich dazu in der
Lage, Energietarifdaten eines lokalen Energieversorgers zu empfangen.
[0085] Die Energietarifdaten werden hierbei vorzugsweise ebenfalls über den Sender 9 ausgesendet
und beinhalten insbesondere konkrete Energiebereitstellungszeiträume und die zugehörigen
Energiekosten.
[0086] Von der Empfangseinheit 4 werden die Energietarifdaten an die Auswertungseinheit
5 übertragbar bereitgestellt und durch die Auswertungseinheit 5 ferner in den Auswertungsvorgang
einbezogen.
[0087] Auf diese Weise berücksichtigt das durch den Geber 1 ausgegebene, modifizierte Außentemperatursignal
zusätzlich vorhandene, unterschiedliche Energietarife, wie beispielsweise Nachtstrom,
sodass ein notwendiger Betrieb der Heizungsanlage 2 vorzugsweise in Zeiträumen mit
niedrigen Energiekosten durch den Geber 1 initialisiert sowie soweit möglich in Zeiträumen
mit hohen Energiekosten vermieden wird.
[0088] Insbesondere die Wirtschaftlichkeit des Betriebs der Heizungsanlage 2 kann hierdurch
nochmals verbessert werden, ohne dass deren Komfortfunktion beeinträchtigt wird.
[0089] Eine spezielle Ausführungsform der Erfindung sieht vor, dass die Empfangseinheit
4 dazu in der Lage ist, Steuerbefehle eines zuständigen Netzbetreibers zu empfangen.
[0090] Mittels derartiger Steuerbefehle wird es dem Netzbetreiber ermöglicht ein entsprechendes
modifiziertes Außentemperatursignal zu generieren, durch welches die angeschlossene
Heizungsanlage 2 deaktiviert wird. Der Netzbetreiber kann so im Notfall eine Deaktivierung
sowie nach Entfall des Notfalls wieder eine Aktivierung durchführen.
[0091] Ein solcher Notfall kann zum Beispiel durch eine drohende Netzüberlastung eintreten.
[0092] Auf diese Weise wird es, insbesondere bei einer Ausbildung der Heizungsanlage als
Wärmepumpensystem mit vergleichsweise hohem Energiebedarf, ermöglicht, mittels Ferneingriff
zentral gesteuert größere Lasten vom Netz zu trennen, wobei als besonderer Vorteil
keine separaten Schaltvorrichtungen vorgehalten werden müssen, sondern vielmehr die
Steuerung der angeschlossenen Heizungsanlage 2 die Abschaltung ausführt.
[0093] Durch den erfindungsgemäßen Geber 1 wird es somit als besonderer technologischer
Vorteil bewirkt, dass eine angeschlossene Heizungsanlage 2 sowohl auf Basis der ermittelten
und empfangenen Daten wirtschaftlich betrieben, als auch in einem Notfall durch einen
Netzbetreiber per Fernzugriff deaktiviert werden kann.
Verwendete Bezugszeichen
[0094]
- 1
- Geber
- 2
- Heizungsanlage
- 3
- Messeinheit
- 4
- Empfangseinheit
- 5
- Auswertungseinheit
- 6
- Stellelement
- 7
- Außentemperatureingang Heizungsanlage
- 8
- Betriebszustandserfassungseinheit
- 9
- Sender