[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Blechteils mit großer
Wandstärke gemäß Anspruch 1.
[0002] Bei einem bekannten Verfahren zur Herstellung eines Blechteils mit großer Wandstärke
kann es sich beispielsweise um ein Verfahren zum Herstellen von in Türschlössern befindlichen
Drehfallen bzw. Sperrklinken handeln. Die Wand- bzw. Materialstärke derartiger Blechteile
beträgt etwa 3,5 bis 5,0 mm, was insofern bereits eine große Wandstärke darstellt,
als es bei derartigen Wandstärkenbereichen bereits erforderlich ist, zur Formgebung
des Blechteils ein "Feinschneidstanzverfahren" anzuwenden. Im Anschluss an das Feinschneiden
werden derartige Blechteile trowalisiert (gleitgeschliffen) und ggf. bandgeschliffen.
Im Anschluss danach erfolgt ein Vergütungsvorgang, um eine erforderliche Festigkeit,
von beispielsweise größer 1000 Nm/mm
2 zu erhalten. Nach dem Vergüten wird ein Gleitbeschichten mit Gleitlack und anschließend
ein abschließendes Kunststoffumspritzen durchgeführt, bevor das Bauteil in Form der
Drehfalle bzw. Sperrklinge im Türschloss verbaut werden kann.
[0003] Der Nachteil dieses bekannten Verfahrens besteht in der Notwendigkeit einer Vielzahl
von Verfahrensschritten, die überdies in aller Regel nicht von einem Hersteller sondern
jeweils von spezialisierten Herstellern durchgeführt werden müssen, sodass zu den
eigentlichen Verfahrensschritten und deren Kosten die Kosten für die entsprechenden
Transportvorgänge zu den jeweiligen Spezialherstellern hinzukommen.
[0004] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Herstellung eines
Blechteils mit großer Wandstärke bereitzustellen, das gegenüber bekannten Verfahren
einen vereinfachten technischen Herstellungsvorgang und damit geringere Herstellungskosten
ermöglicht.
[0005] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt durch die Merkmale des Anspruchs 1.
[0006] Erfindungsgemäß wird im Gegensatz zu bekannten Verfahren, bei denen das Blechteil
aus einem Material mit einer Dicke, die der Wandstärke des herzustellenden Blechteils
entspricht, geformt wird, das herzustellende Blechteil zunächst in eine Mehrzahl von
Blechschichten aufgeteilt bzw. unterteilt, deren Wandstärke jeweils geringer ist als
die Wandstärke des letztendlich herzustellenden Bauteils. Beträgt die Wandstärke des
Blechteils bzw. Bauteils beispielsweise 5,0 mm, wäre es erfindungsgemäß möglich, fünf
Blechschichten mit jeweils einer Wandstärke von 1 mm oder auch vier Blechschichten
mit einer Wandstärke von 1,25 mm in die Form des jeweils herzustellenden Blechteils
zu stanzen, wobei es nicht erforderlich ist, ein Feinstanzen durchzuführen, sondern
ein klassischer Stanzvorgang ausreicht, da die Blechstärken, wie zuvor erläutert,
jeweils eine deutlich verringerte Wandstärke haben, die ein Feinstanzen bzw. Feinschneiden
nicht erfordert.
[0007] Nachdem die Blechschichten ausgestanzt sind, werden so viele Blechschichten anschließend
zusammengefügt, dass die Summe der Wandstärken der Blechschichten gleich der Wandstärke
des herzustellenden Blechteils bzw. Bauteils ist.
[0008] Aufgrund des genannten Aufteilens und Ausschneidens einzelner Blechschichten, die
dann zu dem letztendlich herzustellenden Blech- bzw. Bauteil zusammengefügt werden,
ist es erfindungsgemäß möglich, zumindest die Schritte des Trowalisierens und Bandschleifens
zu eliminieren, was das erfindungsgemäße Verfahren technisch deutlich vereinfacht
und überdies die Herstellungskosten deutlich vermindert. Im Rahmen der Erfindung durchgeführte
Untersuchungen haben diesbezüglich ergeben, dass Kostenreduktion bis zu 25 % gegenüber
bekannten Verfahren erreichbar sind.
[0009] Die Unteransprüche haben vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung zum Inhalt.
[0010] In Anspruch 12 ist ein erfindungsgemäßes Bauteil definiert.
[0011] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus nachfolgender
Beschreibung von Ausführungsbeispielen anhand der Zeichnung. Darin zeigt:
- Fig. 1A
- eine Draufsicht auf eine Ausführungsform einer Blechschicht,
- Fig. 1B
- eine Schnittdarstellung des in Blechschichten aufgeteilten Bauteils entlang der Schnittlinie
I-I in Fig. 1A,
- Fig. 1C
- eine perspektivische Ansicht der Blechschichten gemäß Fig. 1 B,
- Fig. 2A bis 2C
- den Fig. 1 A bis 1C entsprechende Darstellungen der zu einem Blechpaket zusammengefügten
Blechschichten,
- Fig. 3A bis 3C
- den Fig. 2A bis 2C entsprechende Darstellungen laserverschweißter Blechschichten,
und
- Fig. 4A bis 4C
- den Fig. 3A bis 3C entsprechende Darstellungen einer besonders bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Blechteils.
[0012] Fig. 1A bis 1C zeigt in Draufsicht, Schnittdarstellung entlang der Linie I-I und
perspektivischer Ansicht einer Mehrzahl von Blechschichten 2, 3, 4 und 5, die jeweils
eine identische Wandstärke W
S haben und deren Form F derjenigen des herzustellenden Blechteils entspricht. Diese
Art der Aufteilung eines Bauteils in eine Mehrzahl von Blechschichten wird auch als
Paketierung bezeichnet.
[0013] Um die Blechschichten 2 bis 5 herstellen zu können, ist ein einfacher bzw. klassischer
Stanzvorgang ausreichend, da die Wandstärke W
S erheblich geringer ist als die Wandstärke des herzustellenden Blechteiles, die in
Fig. 3C mit der Bezugsziffer W
B verdeutlicht ist.
[0014] Aus der Zusammenschau der Fig. 2A bis 2C wird deutlich, dass die im Beispielsfalle
vier Blechschichten 2, 3, 4, und 5 zum herzustellenden Blechteil bzw. Bauteil 1 zusammengefügt
werden, wozu bei der in diesen Figuren dargestellten Ausführungsform vorzugsweise
jeweils eine sogenannte Durchsetzung DS vorgesehen ist, die, wie Fig. 2B verdeutlicht,
eine Vernoppung darstellt, um die Blechschichten 2 bis 5 in der gewünschten Art und
Weise zur Herstellung der Form F des Blechteils 1 zusammenfügen zu können. Die Abfolge
der Fig. 3A bis 3C verdeutlicht eine Ausführungsform, bei der zur Verbindung der Blechschichten
2 bis 5 ein Laser-Schweiß-Verfahren LS verwendet worden ist.
[0015] Die Zusammenschau der Fig. 4A bis 4C verdeutlicht ferner, dass das Blechteil 1 in
einem Funktionsbereich 6 mit einem Metallplättchen 7 versehen werden kann, das vorzugsweise
vergütet und gleitbeschichtet ist, um die gewünschten Gleit- und Festigkeitsanforderungen
des Funktionsbereichs 6 noch weiter verbessern zu können.
[0016] Das Vorsehen eines derartigen Plättchens 7 ist jedoch nicht obligatorisch. Alternativ
wäre es möglich, den Funktionsbereich 6, oder ggf. mehrere am Blechteil 1 vorgesehene
Funktionsbereiche, nach dem Zusammenfügen zu vergüten oder sämtliche Blechschichten
2 bis 5 aus einem bereits vor dem Stanzvorgang vergüteten Material, wie beispielsweise
einem speziellen Stahl, auszustanzen, der vorzugsweise zumindest im Funktionsbereich
gleitbeschichtet sein kann.
[0017] Ferner ist es alternativ möglich, nur den bzw. die Funktionsbereiche 6 zu vergüten
oder mit geeigneten Veredelungsverfahren zu bearbeiten, um die gewünschte Festigkeit
und Verschleißbeständigkeit zu erlangen.
[0018] Neben dem in Fig. 3A bis 3C schematisch vereinfachten Laser-Schweiß-Verfahren LS
ist es auch möglich, die Blechschichten 2 bis 5 zu verkleben, zu löten oder mittels
eines Clinchverfahrens oder auch Toxen zu verbinden.
[0019] Das durch die zusammengefügten Blechschichten 2 bis 5 gebildete und das Blechteil
1 darstellende Blech- bzw. Stanzpaket 8 kann ferner mit Kunststoff umspritzt werden
oder von zwei Kunststoffschalen, die in den Figuren jedoch nicht dargestellt sind,
umgeben werden. Für das Verbinden der Kunststoffschalen mit dem Blechpaket 8 ist es
möglich, die Kunststoffschalen zu stecken, zu kleben, zu schweißen, zu löten oder
auf ähnliche Art und Weise miteinander zu verbinden
[0020] Ferner ist es alternativ möglich, dass Blechpaket 8 mittels einer gleitbeständigen
Folie zu ummanteln.
[0021] Neben der voranstehenden schriftlichen Offenbarung der Erfindung wird zu deren Ergänzung
hiermit explizit auf die zeichnerische Darstellung der Erfindung in den Figuren 1
A bis 4C Bezug genommen.
Bezugszeichenliste
[0022]
- 1
- Blechteil/Bauteil, insbesondere Drehfalle/Sperrklinke
- 2-5
- Blechschichten/Bauteilschichten
- 6
- Funktionsbereich
- 7
- Metallplättchen
- 8
- Blechpaket/Stanzpaket
- F
- Form/Außenkontur
- WS
- Wandstärke der Blechschichten
- WB
- Wandstärke des Blechteils bzw. Bauteils
- LS
- Laser-Verschweißung
- DS
- Durchsetzung
1. Verfahren zur Herstellung eines Blechteils (1) mit großer Wandstärke (W
B) mit folgenden Verfahrensschritten:
- Aufteilen des herzustellenden Blechteils (1) in eine Mehrzahl von Blechschichten
(2 - 5), die jeweils eine Wandstärke (WS) aufweisen, die geringer ist als die Wandstärke (WB) des Blechteils (1);
- Stanzen der Blechschichten (2 - 5) in die Form (F) des herzustellenden Blechteils
(1); und
- Zusammenfügen so vieler gestanzter Blechschichten (2 - 5) zu einem Stanz- bzw. Blechpaket
(8), dass die Summe der Wandstärken (WS) der Blechschichten (2 - 5) gleich der Wandstärke (WB) des herzustellenden Blechteils (1) ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein oder mehrere Funktionsbereiche (6) des Blechteils (1) vergütet oder mittels eines
Veredelungsverfahrens bearbeitet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Blechschichten (2 - 5) aus einem vergüteten und vorzugsweise gleitbeschichteten
Stahl gestanzt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass ein oder mehrere Funktionsbereiche (6) mit einem vergüteten und vorzugsweise gleitbeschichteten
Metallplättchen (7) versehen werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Metallplättchen (7) auf dem Funktionsbereich (6) aufgelötet, geklebt, oder aufgeschweißt
wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zur Verbindung des Stanz- bzw. Blechpakets (8) ein Schweiß-Verfahren, insbesondere
ein Laser-Schweiß-Verfahren verwendet wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zum Verbinden der Blechschichten (2 - 5) des Stanz- bzw. Blechpakets (8) ein Kleberverfahren
verwendet wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zur Verbindung der Blechschichten (2 - 5) des Stanz- bzw. Blechpakets (8) ein Clinchverfahren
oder Toxen verwendet wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Blech- bzw. Stanzpaket (8) mit Kunststoff umspritzt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Blech- bzw. Stanzpaket (8) mit zwei Kunststoffschalen ummantelt wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Blech- bzw. Stanzpaket (8) mit einer gleitbeständigen Folie ummantelt wird.
12. Blechteil (1) mit großer Wandstärke (WB) und einer vorbestimmbaren Form (F), gekennzeichnet durch eine Mehrzahl von in die Form (F) gestanzten Blechschichten (2 - 5), die jeweils
eine Wandstärke (WS) aufweisen, die geringer ist als die Wandstärke (WB), wobei im zusammengesetzten Zustand der gestanzten Blechschichten (2 - 5) die Summe
der Wandstärken (WS) der Blechschichten (2 - 5) gleich der Wandstärke (WB) des Blechteils (1) ist.