| (19) |
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(11) |
EP 2 855 041 B1 |
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EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
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Hinweis auf die Patenterteilung: |
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31.01.2018 Patentblatt 2018/05 |
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Anmeldetag: 28.05.2013 |
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Internationale Patentklassifikation (IPC):
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| (86) |
Internationale Anmeldenummer: |
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PCT/EP2013/060934 |
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Internationale Veröffentlichungsnummer: |
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WO 2013/178615 (05.12.2013 Gazette 2013/49) |
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VERFAHREN ZUR HERSTELLUNG VON UMGEFORMTEN BLECHTEILEN BEI TIEFTEMPERATUR
METHOD FOR PRODUCING SHAPED SHEET METAL PARTS AT A LOW TEMPERATURE
PROCÉDÉ DE FABRICATION DE PIÈCES EN TÔLE FORMÉES À BASSE TEMPÉRATURE
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Benannte Vertragsstaaten: |
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AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL
NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR |
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Priorität: |
31.05.2012 DE 102012104734
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Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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08.04.2015 Patentblatt 2015/15 |
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Patentinhaber: |
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- ThyssenKrupp Steel Europe AG
47166 Duisburg (DE) Benannte Vertragsstaaten: AL AT BG CH CY CZ DE DK EE ES FR GB HR HU IE IS LI LT LU LV MC MK MT NO PL PT RO RS SK SM
- Outokumpu Nirosta GmbH
47807 Krefeld (DE)
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Erfinder: |
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- GRÜNEKLEE, Axel
47249 Duisburg (DE)
- ZÖRNACK, Markus
48362 Michigan (US)
- HELLER, Thomas
47229 Duisburg (DE)
- BOCHAROVA, Ekaterina
45478 Mülheim an der Ruhr (DE)
- MOUSAVI RIZI, Seyed Amin
50226 Frechen (DE)
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| (74) |
Vertreter: Cohausz & Florack |
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Patent- & Rechtsanwälte
Partnerschaftsgesellschaft mbB
Bleichstraße 14 40211 Düsseldorf 40211 Düsseldorf (DE) |
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Entgegenhaltungen: :
EP-A1- 1 990 109 EP-A2- 1 749 593 DE-A1-102011 012 240 JP-A- H08 108 233 US-A- 3 972 744
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EP-A1- 2 175 041 WO-A1-2006/038868 DE-B3-102010 012 579 JP-A- 2000 178 640 US-A1- 2012 014 626
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| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines umgeformten Blechteils
aus einer Platine oder einem Halbzeug aus einem Werkstoff bestehend aus Stahl mit
mindestens 60 Gew.-% Fe und einem Restaustenitgehalt von mindestens 5 %, bei welchem
die Platine oder das Halbzeug vor dem Umformen zumindest teilweise auf eine Temperatur
von weniger als -20 °C gekühlt wird und bei einer Temperatur unterhalb von -20 °C
in einem Umformwerkzeug umgeformt wird. Daneben betrifft die Erfindung eine Vorrichtung
zur Durchführung des Verfahrens sowie eine vorteilhafte Verwendung der hergestellten
Blechteile.
[0002] Um den zunehmenden Anforderungen zur Gewichtsersparnis, beispielsweise im Kraftfahrzeugbau
gerecht zu werden, wurden Verfahren zur Herstellung von umgeformten Blechteilen entwickelt,
welche insbesondere unter dem Begriff "Warmumformung" einen Presshärtvorgang durchlaufen,
um maximale Festigkeiten, d.h. Streckgrenzen und Zugfestigkeiten im pressgehärteten
Bauteil zu erzielen. Hiermit kann die Wanddicke des Blechteils und damit das Gewicht
auf ein Minimum reduziert werden. Dabei muss die Platine oder das Halbzeug üblicherweise
auf eine Temperatur oberhalb des AC
1-Umwandlungstemperaturpunktes erhitzt werden, so dass im Wesentlichen austenitisches
Gefüge im Blechteil vorliegt, um anschließend bei sehr hoher Temperatur umgeformt
und schnell abgekühlt zu werden. Hierdurch wird erreicht, dass das austenitische Gefüge
sich beim schnellen Abkühlen in Martensit umwandelt, so dass sehr hohe Zugfestigkeiten
und Streckgrenzen bereitgestellt werden können. Mit Mangan-Bor-Stählen, beispielsweise
einem Mangan-Bor-Stahl vom Typ MBW1500 können durch dieses Verfahren Zugfestigkeiten
im Bereich von mehr als 1100 MPa bereitgestellt werden. Die bekannten Verfahren zur
Warmumformung wurden darüber hinaus weiterentwickelt, so dass die Blechteile auch
bereichsweise mit enormen Streckgrenzen und Zugfestigkeiten versehen werden können
und so eine belastungsgerechte Auslegung der Blechteile erzielt werden kann. Die Verwendung
eines "tailored Blanks", welches zusätzliche kostenintensive Arbeitsschritte in Form
von einem Fügeschritt, beispielsweise unter Verwendung eines Laserstrahls benötigt,
oder eines separaten Bauteils kann damit vermieden werden. Nachteilig bei der Warmumformung
ist aber einerseits der enorme Energieaufwand, welcher zur Erwärmung der Platinen
bzw. der Halbzeuge auf oberhalb der AC
1-Umwandlungstemperatur, also meist oberhalb 850 °C, erforderlich ist. Darüber hinaus
ergeben sich erhebliche Probleme mit Oberflächenbeschichtungen, welche beispielsweise
zum Korrosionsschutz erforderlich sind. Konventionell werden feueraluminierte bzw.
mit einer Al-Si-Beschichtung versehene Halbzeuge eingesetzt, besitzen jedoch keinen
kathodischen Korrosionsschutz. Zinkhaltige Oberflächenbeschichtungen besitzen zwar
einen kathodischen Korrosionsschutz, es besteht jedoch die Gefahr des Aufschmelzens
des Zinks an der Oberfläche während der Erwärmung. Unbeschichtete Halbzeuge neigen
zur Verzunderung, wenn nicht unter Schutzgas gearbeitet wird.
[0003] Aus der japanischen Patentanmeldung
JP 2000/178640 A ist dagegen ein Verfahren bekannt, bei welchem die Bauteile bei Tieftemperatur umgeformt
werden und dadurch sehr hohe Zugfestigkeiten und Streckgrenzen durch eine Verfestigung
im Werkstoff erzielt werden konnten. In der japanischen Patentanmeldung wird vorgeschlagen,
die Bauteile zumindest partiell durch flüssigen Sauerstoff, flüssigen Stickstoff oder
Trockeneis oder auf andere Weise zu kühlen und bei Temperaturen von -50 °C bis -200
°C umzuformen. Es wird vorgeschlagen, die Bauteile hierzu in die entsprechenden Kühlmedien
einzutauchen, um diese extrem stark abzukühlen. Einerseits ist das Eintauchen der
Blechformteile in flüssigen Stickstoff oder Sauerstoff oder aber auch Trockeneis für
den großtechnischen Einsatz nicht ohne Weiteres geeignet. Daneben ergeben sich auch
Gefahren für das Bedienpersonal entsprechender Anlagen, welche zu erhöhten Sicherheitsvorkehrungen
führen.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein Verfahren zur Herstellung von
belastungsgerecht ausgelegten Bauteilen vorzuschlagen, welches einerseits einen großtechnischen
Einsatz des Tieftemperaturumformens ermöglicht und besonders einfach ausgestaltet
ist.
[0005] Die oben aufgezeigte Aufgabe wird nach der ersten Lehre der vorliegenden Erfindung
dadurch gelöst, dass eine Reduzierung der Werkstofftemperatur der Platine oder des
Halbzeugs auf unter -20 °C in einer temperierten Kühleinrichtung erfolgt.
[0006] Im Gegensatz zu dem bekannten Stand der Technik wird die Platine oder das Halbzeug
in einer temperierten Kühleinrichtung auf Umformtemperatur unterhalb von -20 °C, vorzugsweise
auf eine Temperatur im Bereich von -40 °C bis -180 °C temperiert. Die tiefen Temperaturen
in Kombination mit einer Umformung bewirken bei dem verwendeten Restaustenitstahl
der Platine oder des Halbzeugs eine teilweise Umwandlung des Austenits in Martensit,
so dass eine erhebliche Steigerung, vor allem der Streckgrenze erzielt wird. Die temperierte
Kühleinrichtung ermöglicht es zudem auf einfache Weise die Gefahr durch Verwendung
von flüssigen, tiefgekühlten Kühlmedien wie beispielsweise flüssigem Sauerstoff, flüssigem
Stickstoff oder auch von flüssigem oder festem Kohlendioxid (Trockeneis) erheblich
zu verringern, so dass der großtechnische Einsatz der Tieftemperaturumformung ermöglicht
wird. Als temperierte Kühleinrichtungen werden im Sinne der vorliegenden Patentanmeldung
Vorrichtungen verstanden, in welchen die Platinen oder Halbzeuge positioniert und
unter Verwendung von entsprechend kalten Kühlmedien auf Tieftemperatur gebracht werden.
Hierzu ist es nicht zwingend erforderlich, dass die Platinen oder Halbzeuge in unmittelbarem
Kontakt mit dem Kühlmedium, beispielsweise mit flüssigem Sauerstoff, Stickstoff oder
Kohlendioxid stehen.
[0007] Bevorzugt wird gemäß einer ersten Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung die Platine
oder das Halbzeug unmittelbar vor dem Umformprozess aus der Kühleinrichtung entnommen
und dem Umformwerkzeug zugeführt. Durch die unmittelbare Entnahme der Platine oder
des Halbzeugs vor dem Umformprozess wird ermöglicht, dass die Platine oder das Halbzeug
möglichst noch auf Umformtemperatur bis zur Umformung gehalten werden kann und insofern
auch zumindest zu Beginn des Umformprozesses die gewünschte Temperatur aufweist.
[0008] Zusätzlich zur Verwendung der temperierten Kühleinrichtung besteht die Möglichkeit
ein temperiertes Umformwerkzeug zu verwenden, so dass die aus der Kühleinrichtung
entnommene Platine oder Halbzeug im Umformwerkzeug möglichst lange auf Tieftemperatur
gehalten werden kann.
[0009] Darüber hinaus ist es gemäß einer weiteren Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung
möglich als Kühleinrichtung das Umformwerkzeug selbst zu verwenden, in welchem die
Platine oder das Halbzeug gekühlt und umgeformt wird. Das Umformwerkzeug weist hierzu
Mittel zur Kühlung der Platine bzw. zur Temperierung der mit der Platine oder des
Halbzeugs in Kontakt stehenden Bereiche auf, so dass ein optimaler Kühlprozess erreicht
wird. Besonders vorteilhaft bei dieser Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist es, dass die Platine oder das Halbzeug lediglich in ein Umformwerkzeug eingebracht
werden muss und in diesem ohne weitere Entnahme oder Transport umgeformt werden kann.
Hierdurch wird eine maximale Prozesskontrolle erreicht, da die Umformtemperaturen
auf einfache Weise über das Umformwerkzeug gesteuert werden können.
[0010] Gemäß einer nächsten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens temperiert das
Umformwerkzeug die umzuformende Platine oder das umzuformende Halbzeug lediglich in
den Bereichen, in denen eine hohe Streckgrenze und Zugfestigkeit gefordert wird. Hierdurch
wird ermöglicht, dass allein durch die Ausgestaltung des Umformwerkzeugs die Bereiche
des umgeformten Blechteils festgelegt werden, welche eine erhöhte Festigkeit, d.h.
eine erhöhte Zugfestigkeit und/oder Streckgrenze aufgrund der Tieftemperaturumformung
aufweisen soll.
[0011] Da das Umformwerkzeug sehr niedrige Temperaturen aufweist, neigen die Flächen des
Umformwerkzeugs bei Kontakt mit feuchter Außenluft zur Vereisung. Insofern kann gemäß
einer weiteren Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens die Prozesssicherheit
dadurch weiter gesteigert werden, dass die Vereisung des Umformwerkzeugs, der Platine
und/oder des Halbzeugs unter Verwendung von Mitteln zur Enteisung vor und während
der Umformungen verhindert wird.
[0012] Wird die Vereisung unter Verwendung von mechanischen Enteisungsmitteln durchgeführt,
kann eine bereits vorhandene Vereisung auf einfache Weise am Umformwerkzeug entfernt
werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass zusätzlich oder alternativ durch
Verwendung eines Schutzgases eine Schutzgasatmosphäre an den gekühlten Bereichen des
Umformwerkzeugs, der Platine oder des Halbzeugs zu erzeugen so dass eine Vereisung
verhindert wird. Durch die Bereitstellung einer Schutzgasatmosphäre an den gekühlten
Bereichen der Platine oder des Umformwerkzeugs wird erreicht, dass keine Luftfeuchtigkeit
an diesen Stellen auskondensieren bzw. ausfrieren kann und sich an den Bereichen der
Platine, des Halbzeugs oder des Umformwerkzeugs niederschlägt. Diese Maßnahme kann
beispielsweise mit mechanischen Enteisungsmitteln kombiniert werden.
[0013] Bevorzugt erfolgt die Kühlung des Umformwerkzeugs, der Platine und/oder des Halbzeugs
durch ein Schutzgas, wobei vorzugsweise das Schutzgas durch im Umformwerkzeug vorgesehene
Strömungskanäle in die entsprechend zu kühlenden Bereiche des Umformwerkzeugs, der
Platine und/oder des Halbzeugs strömt.
[0014] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren können darüber hinaus besonders geringe Wanddicken
der Platine oder des Halbzeugs eingesetzt werden. Diese betragen vorzugsweise 0,5
mm bis 1,80 mm, besonders bevorzugt 0,7 mm bis 1,20 mm. Insbesondere durch die Verwendung
des temperierten Umformwerkzeugs ist eine entsprechende Umformung der Platine oder
des Halbzeugs mit diesen geringen Dicken besonders vorteilhaft, da diese im Umformwerkzeug
besonders schnell auf Tieftemperatur gebracht werden können und damit mit relativ
geringer Zykluszeit belastungsgerechte, umgeformte Blechteile erzeugt werden können,
welche an den höher belasteten Bereichen deutliche Festigkeitssteigerungen aufweisen.
[0015] Besonders bevorzugt wird eine Platine oder ein Halbzeug umgeformt, welche bzw. welches
eine Oberflächenbeschichtung aufweist, wobei als Oberflächenbeschichtung optional
eine Zink enthaltende Oberflächenbeschichtung verwendet wird. Bei dem Tieftemperaturumformen
wird die Oberflächenbeschichtung nicht beschädigt, so dass ohne Weiteres ein kathodischer
Korrosionsschutz durch Verwendung einer Zink enthaltenden Oberflächenbeschichtung
verwendet werden kann, ohne dass diese die Umformung negativ beeinflusst. Das so hergestellte
Blechformteil weist einerseits belastungsgerechte Festigkeitswerte auf und ist darüber
hinaus aufgrund der Oberflächenbeschichtung besonders gut vor Korrosion geschützt.
Selbstverständlich kann neben einer Zink enthaltenden Oberflächenbeschichtung auch
ohne Weiteres eine organische Beschichtung verwendet werden, welche bei den entsprechend
niedrigen Temperaturen umformbar ist.
[0016] Gemäß einem weiteren Aspekt wird die oben aufgezeigte Aufgabe durch eine Vorrichtung
zur Durchführung des Verfahrens dadurch gelöst, dass ein Umformwerkzeug vorgesehen
ist, welches eine Aufnahme zum Einlegen einer Platine oder eines Halbzeugs aufweist
und Mittel zur zumindest bereichsweisen Kühlung der Platine oder des Halbzeugs auf
eine Temperatur unterhalb von -20 °C in der Aufnahme vorgesehen sind. Die Vorrichtung
ermöglicht es, die Platine oder das Halbzeug im Umformwerkzeug auf Umformtemperatur
zu kühlen und ohne weiteren Transportschritt umzuformen. Hierdurch wird eine maximale
Wirtschaftlichkeit dadurch erreicht, dass eine Entnahme der Platine oder des Halbzeugs
zwischen dem Temperier- und Umformschritt aus dem Umformwerkzeug nicht mehr erfolgen
muss.
[0017] Bevorzugt weist das Umformwerkzeug Mittel zur Enteisung der gekühlten Bereiche des
Umformwerkzeugs, der Platine und/oder des Halbzeugs auf, um einen dauerhaften, prozesssicheren
Betrieb zu gewährleisten. Die Mittel können hierzu beispielsweise mechanische Mittel
wie Bürsten oder Schaber umfassen, welche auch bereits vorhandene Vereisungen wieder
entfernen können.
[0018] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Vorrichtung weist das Umformwerkzeug zumindest
in den mit der Platine oder dem Halbzeug in Kontakt tretenden Bereichen Strömungskanäle
auf, durch welche ein Kühlmedium zur lokalen Kühlung der Platine oder des Halbzeugs
strömt. Als Kühlmedium wird vorzugsweise ein wasserfreies Kühlmedium, beispielsweise
Trockeneis oder flüssiger Stickstoff verwendet. Beispielsweise können die Strömungskanäle
bis zur Platine oder zum Halbzeug geführt werden, so dass diese die entsprechenden
Bereiche der im Umformwerkzeug eingelegten Platine bzw. des eingelegten Halbzeugs
auf niedrige Temperaturen kühlen und gleichzeitig ein Schutzgasatmosphäre gebildet
wird, welche die Vereisung der Bereiche verhindert. Darüber hinaus können die Strömungskanäle
aber auch nur im Umformwerkzeug verlaufen, so dass keine Kühlmedien, wie beispielsweise
Sauerstoff, Stickstoff oder Kohlendioxid im bereich des Umformwerkzeugs austreten.
[0019] Gemäß einer Ausgestaltung des Verfahrens wird die Platine oder das Halbzeug als Strukturteil
eines Kraftfahrzeugs umgeformt, wobei das Strukturteil Bereiche mit unterschiedlichen
Festigkeiten aufweist, gelöst. Wie bereits zuvor ausgeführt, besteht die Möglichkeit,
durch das Tieftemperaturumformen ebenfalls große Festigkeitsunterschiede in umgeformten
Blechteilen zu erzielen. Die Erhöhung der Streckgrenze und der Zugfestigkeit wird
dabei aufgrund des Restaustenitgehaltes des Werkstoffes durch Umwandlung des Restaustenitgehaltes
in matensitisches Gefüge erreicht. Durch die Wahl der Tieftemperatur kann eine Steigerung
der Festigkeitserhöhung erreicht werden, wobei berücksichtigt werden muss, dass mit
abnehmender Temperatur die Sprödigkeit des Werkstoffs zunimmt und damit die Umformgrade
beschränkt sind.
[0020] Da darüber hinaus, wie bereits ausgeführt, eine vor Korrosion schützende Oberflächenbeschichtung,
insbesondere eine Zink enthaltende Beschichtung, in dem erfindungsgemäßen Verfahren
keinen Schaden leidet, ist es besonders vorteilhaft, die Platine oder das Halbzeug
als Säule, Träger, großflächiges Bauteil, Bodenblech, Tunnel, Stirnwand oder Radhaus
eines Kraftfahrzeugs umzuformen. Alle genannten Blechteile sind üblicherweise einem
mehr oder weniger starken Korrosionsangriff im Kraftfahrzeug ausgesetzt und erfordern
daher eine vor Korrosion schützende Oberflächenbeschichtung. Darüber hinaus bieten
belastungsgerecht ausgelegte, d.h. Bereiche mit unterschiedlichen Festigkeiten aufweisende
Blechteile die Möglichkeit, Kosten einzusparen, da keine kostspieligeren tailored
Blanks, welche aus mehreren Blechen bestehen, eingesetzt werden müssen. Die einstückigen
Blechteile weisen auch keine die Festigkeit schwächende Schweißnaht auf. Ferner kann
auch eine Bauteilreduktion und damit eine Kostenreduktion erzielt werden, da auf separate
Verstärkungen verzichtet werden kann.
[0021] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die Platine
oder das Halbzeug als A-, B-, C-Säule eines Kraftfahrzeugs umgeformt, wobei mindestens
der Bereich der Dachanbindung der A-, B-, C-Säule eine höhere Festigkeit aufweist
als der Bereich des Säulenfußes der A-, B-, C-Säule.
[0022] Schließlich ergibt sich eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung dadurch, dass die
Platine oder das Halbzeug als Längsträger im Frontbereich eines Kraftfahrzeugs umgeformt
wird und der Längsträger einen vorderen Bereich aufweist, welcher eine geringere Festigkeit
als der hintere Bereich aufweist. Der vordere Bereich des Längsträgers im Frontbereich
mit geringerer
Festigkeit soll im Falle eines Aufpralls sich verformen und insofern die Aufprallenergie
absorbieren. Der hintere Bereich des Längsträgers soll dagegen nach Möglichkeit keiner
Verformung unterliegen und somit den Fahrgastraum schützen. Entsprechende Lösungen
konnten bisher lediglich durch Verwendung von Patches, tailored Blanks oder zusätzlichen
Verstärkungsbauteilen realisiert werden. Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht
es zudem auf einfache Weise ein einstückiges Blechformteil bereitzustellen, welches
neben einem sehr guten kathodischen Korrosionsschutz gleichzeitig auch eine vereinfachte
und wirtschaftliche Herstellung eines Längsträgers mit Bereichen unterschiedlicher
Festigkeiten ermöglicht.
[0023] Im Weiteren soll die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen in Verbindung mit
der Zeichnung näher erläutert werden. Die Zeichnung zeigt in
- Fig. 1
- eine Prinzipskizze eines Ausführungsbeispiels des Verfahrens zur Herstellung eines
umgeformten Blechteils,
- Fig. 2
- eine alternative Ausführungsform zu dem in Fig. 1 dargestellten Verfahren,
- Fig. 3a), b)
- ein Ausführungsbeispiel eines Umformwerkzeugs zur Durchführung des Verfahrens,
- Fig. 4
- ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Umformwerkzeugs zur Durchführung des Verfahrens
zur Herstellung eines umgeformten Blechteils und
- Fig. 5, 6 und 7
- Ausführungsbeispiele von vorteilhaften Verwendungen eines entsprechend hergestellten
Blechteils.
[0024] In Fig. 1 ist zunächst eine Prinzipskizze des Verfahrens zur Herstellung eines umgeformten
Blechteils dargestellt, bei welchem eine Platine 1 in einem Umformwerkzeug 2 umgeformt
werden soll. Das Umformwerkzeug 2 ist als einfaches Tiefziehwerkzeug dargestellt.
Das Umformwerkzeug 2 steht allerdings für beliebige Umformwerkzeuge, wie sie zur Erzeugung
von umgeformten Blechteilen aus ebenen Platinen oder bereits vorgeformten oder zugeschnittenen
Halbzeugen verwendet werden. Die Platine 1 besteht aus einem Stahl mit mindestens
60 Gew.-% Fe und einem Restaustenitgehalt von mindestens 5 %. Typische Vertreter dieser
Stahlsorten sind beispielsweise hoch-manganhaltige Stähle aber auch TRIP-Stähle. Bei
diesen Stählen insbesondere bei den Restaustenitstählen (TRIP-Stählen) wird beobachtet,
dass bei einer Umformung austenitische Bereiche bei sehr tiefen Temperaturen sich
teilweise in martensitisches Gefüge umwandeln und damit zusätzlich zur Verformungsfestigkeit
eine weitere Streckgrenze und Festigkeitssteigerung erreicht wird. Es wurde festgestellt,
dass dieser Effekt bei weiter sinkenden Temperaturen deutlich ansteigt, so dass der
Verfestigungsvorgang, welcher zusätzlich zu dem klassischen Workhardening-Effekt noch
einen sogenannten TRIP-Effekt darstellt, zu sehr hohen Streckgrenzen und Zugfestigkeiten
führen kann. Beispielsweise kann mit einem RA-K 40/70 Stahl (TRIP-Stahl) die Streckgrenze
von 410 MPa auf über 800 MPa gesteigert werden. In dem in Fig. 1 dargestellten Ausführungsbeispiel
des Verfahrens wird die Platine 1 zunächst in einer Kühleinrichtung 3 auf eine Temperatur
von unterhalb von -20 °C, bevorzugt auf eine Temperatur von - 40 °C bis -190 °C abgekühlt.
Hierzu können in der Kühleinrichtung Kühlmedien wie beispielsweise flüssiger Stickstoff,
Trockeneis oder auch flüssiger Sauerstoff verwendet werden, ohne dass eine Sicherheitsgefährdung
von Bedienpersonal der Vorrichtung erfolgt. Die temperierte Kühleinrichtung kann beispielsweise
geschlossene Kreisläufe der entsprechend kalten Kühlmedien aufweisen, welche die Wärme
beispielsweise über direkten Metallkontakt an die Platine oder das Halbzeug übertragen.
Erreicht die Platine, welche eine Wanddicke von vorzugsweise 0,5 mm bis 1,8 mm, besonders
bevorzugt 0,70 mm bis 1,20 mm aufweist, die Umformtemperatur wird diese kurz vor dem
Umformvorgang aus der Kühleinrichtung 3 entnommen und dem Umformwerkzeug 2 zugeführt.
Die Umformung erfolgt dann unmittelbar, so dass der Temperaturanstieg aufgrund der
Entnahme aus der Kühleinrichtung begrenzt wird. Bevorzugt kann das Umformwerkzeug
2 selbst noch temperiert sein, so dass ein deutlicher Temperaturanstieg der Platine
im Umformwerkzeug verhindert wird.
[0025] Wie aus Fig. 1 zu erkennen ist, stellt die Kühleinrichtung 3 einen diskontinuierlichen
Betrieb des Kühlens der Platine 1 zur Verfügung. Im Gegensatz dazu ermöglicht die
in Fig. 2 dargestellte Kühleinrichtung 3' einen kontinuierlichen Durchlauf der Platine
1 oder des Halbzeugs 1 durch die Kühleinrichtung 3', so dass die Platine 1 bzw. das
Halbzeug 1 am Ausgang der Kühleinrichtung 3' auf Umformtemperatur gebracht wurde.
Die Platine 1 bzw. das Halbzeug 1 wird dann unmittelbar nach dem Verlassen der Kühleinrichtung
3' in das Umformwerkzeug 2 eingelegt und umgeformt. Wie bereits zuvor ausgeführt,
ist das Umformwerkzeug 2 hier lediglich stellvertretend als Tiefziehwerkzeug dargestellt.
Grundsätzlich sind auch AHU/IHU-Umformwerkzeuge und beliebig andere Umformwerkzeuge
denkbar, welche eine Umformung und damit eine Verfestigung im Blechteil hervorrufen,
geeignet.
[0026] Eine optionale Ausgestaltung des Umformwerkzeugs ist in den Fig. 3a), b) in perspektivischer,
schematischer Ansicht dargestellt. Das in Fig. 3a) dargestellte Umformwerkzeug 4 weist
eine obere Umformwerkzeughälfte 4a auf, in welcher Strömungskanäle 5 angeordnet sind,
welche einen gekühlten Bereich 6 der Platine erzeugen, welcher dann bei Tieftemperatur
umgeformt wird. Hierzu strömt ein Kühlmedium, beispielsweise flüssiger Stickstoff
oder flüssiger Sauerstoff oder auch tiefgekühltes Kohlendioxid durch die Strömungskanäle
und kühlt dabei die Platine in diesen Bereich stark ab.
[0027] Beim Umformen erfolgt in den stark gekühlten Bereichen ein sehr viel stärkere Verfestigung
durch den TRIP-Effekt als in nicht gekühlten Bereichen, so dass das hergestellte Blechteil
7 einen Bereich 7a aufweist, welcher aufgrund des starken TRIP-Effekts deutlich höhere
Streckgrenzen und Zugfestigkeiten aufweist.
[0028] Um die Vereisung des Umformwerkzeugs aus Fig. 3a) zu verhindern, ist es vorteilhaft,
wenn beim Öffnen des Werkzeuges die obere Werkzeughälfte 4a, welche die Strömungskanäle
aufweist und damit besonders kalt ist, auch während der Öffnung des Werkzeuges das
Kühlmedium durch die Strömungskanäle führt. Hierdurch wird eine Vereisung der Werkzeugoberflächen
dadurch verhindert, dass eine Ausbildung einer Schutzgasatmosphäre 8 im Bereich der
stark gekühlten Oberflächen des Umformwerkzeugs erfolgt.
[0029] In Fig. 4 ist nun ein Ausführungsbeispiel eines Umformwerkzeugs dargestellt, welches
einen geschlossenen Kreislauf in Bezug auf das Kühlmedium aufweist. Das schematisch
dargestellte Umformwerkzeug 9 weist hierzu im Bereich des Stempels bzw. der Matrize
Kühlmittelkanäle 10 auf, durch welche ein entsprechend niedrig temperiertes Kühlmedium
fließt. Die Platine 1, welche zwischen den beiden Hälften des Umformwerkzeugs 9 angeordnet
ist und mit diesen flächigen Kontakt aufweist, wird im Bereich der Kontaktflächen
mit dem gekühlten Stempel sehr stark abgekühlt und auf Umformtemperatur von weniger
als -20 °C gebracht. Sollten eventuell Bereiche vorhanden sein, die nicht auf die
entsprechende Temperatur gebracht werden sollen, sind Mittel im Stempel 11 vorgesehen,
welche eine lokale Erwärmung der Platine 1 zusätzlich ermöglichen. Diese Mittel können
beispielsweise als Heizpatrone oder ähnliche Wärme abgebende Mittel ausgestaltet sein.
Darüber hinaus sind Mittel zur mechanischen Enteisung am Umformwerkzeug 9 vorgesehen
und schematisch dargestellt. Die mechanischen Enteisungsmittel 12 bestehen aus einer
Halterung zur Aufnahme eines Schabers 12a, welcher beispielsweise beim Öffnen des
Umformwerkzeugs 9 die Oberfläche des Stempels 9' säubert. Denkbar ist auch der Einsatz
von Bürsten anstelle des Schabers 12a. Das dargestellte Umformwerkzeug 9 kann jedenfalls
eine eingelegte Platine 1 in relativ kurzer Zeit aufgrund des großen flächigen Kontakts
auf die Umformtemperatur unterhalb von -20 °C abkühlen und damit einen einfachen,
wirtschaftlichen Herstellprozess bereitstellen.
[0030] Die Fig. 5, 6 und 7 zeigen typische Ausführungsbeispiele von vorteilhaften Verwendungen
des umgeformten Blechteils 1. In Fig. 5 ist beispielsweise die Verwendung des Blechteils
als B-Säule 13 eines Kraftfahrzeugs 14 schematisch dargestellt. Die B-Säule 13 soll
vorzugsweise einen mit hoher Streckgrenze und Zugfestigkeit ausgestatteten Dachanbindungsbereich
13b und einen mit geringerer Festigkeit dagegen mit einer größeren Bruchdehnung ausgestatteten
Säulenfuß 13a aufweisen. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann diese B-Säule auf
wirtschaftliche Weise hergestellt werden, indem der obere Bereich der B-Säule 13 im
Umformwerkzeug stark runtergekühlt wird und anschließend umgeformt wird. Hierdurch
erhält der obere Bereich eine deutlich höhere Streckgrenze und Zugfestigkeit im Vergleich
zum Säulenfuß 13a. Gleiches gilt prinzipiell auch für die weiteren Säulen, die dargestellte
A-Säule 15 und die C-Säule 16.
[0031] Fig. 6. zeigt zwei Längsträger eines Frontbereichs einer Fahrzeugkarosserie, welche
zwei unterschiedliche Funktionen in einem Bauteil aufweisen. Die Längsträger 17 dienen
einerseits dazu, im Falle eines Aufpralls zunächst die Aufprallenergie zu absorbieren
und sich zumindest teilweise zu verformen und andererseits den im hinteren Bereich
liegenden Fahrgastraum vor weiterer Verformung zu schützen. Hierzu sind die Längsträger
17 üblicherweise derart ausgestaltet, dass deren vorderer Bereich leichter umzuformen
ist und der hintere Bereich möglichst steif ausgebildet ist. Mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren kann nun ein Längsträger 17 derart hergestellt werden, dass dessen vorderer
Bereich 17a eine geringere Festigkeit als der hintere Bereich 17b aufweist, wobei
im Umformwerkzeug der hintere Bereich des Längsträgers 17b stark gekühlt ist. Hierdurch
wird erreicht, dass die Streckgrenze und Zugfestigkeiten der beiden Bereiche sich
deutlich unterscheiden. So wird beispielsweise in dem mit hoher Streckgrenze versehenen
Teil des Längsträgers 17, wie bei den anderen Verwendungen zuvor ebenfalls, eine Streckgrenze
von mehr als 800 MPa bereitgestellt, so dass dieser Bereich besonders fest ausgebildet
ist. Der Bereich 17a wird dagegen im gleichen Arbeitsgang weich ausgebildet, da dieser
Bereich des Umformwerkzeugs nicht temperiert wird. Auf den Einsatz möglicher tailored
Blanks, welche zusätzlich Arbeitsschritte benötigen, um ein ähnliches Festigkeitsprofil
bereitzustellen, kann daher verzichtet werden.
[0032] Schließlich zeigt Fig. 7 ein Beispiel einer Stirnwand 18, welches bevorzugt auch
mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt wird. Die Stirnwand 18 ist in der
Regel großflächig und weist eine relativ geringe Dicke auf. Um nun möglichst einzelne
Anbindungsbereiche 19 beispielsweise mit einer höheren Streckgrenze und Zugfestigkeit
ausgebildet werden, so dass keine Verstärkungen in Form von Patches, tailored Blanks
oder separaten Bauteilen mehr notwendig sind. Darüber hinaus kann durch gezielte Temperierung
des Umformwerkzeugs nicht nur erreicht werden, dass spezifische Bereiche der Stirnwand
18 ein deutlich anderes Umformverhalten im Falle eines Aufpralls zeigen, sondern auch
lokale Bereiche mit entsprechenden Streckgrenzen und Zugfestigkeiten bereit gestellt
werden, die zur Aufnahmen von Aggregaten, wie beispielsweise Bremskraftverstärker,
Klimaanlage etc. dienen, so dass die Stirnwand 18 ohne zusätzliche Maßnahmen belastungsgerecht
ausgelegt werden kann.
[0033] Bei den in den Fig. 5 bis 7 dargestellten typischen Verwendungen des erfindungsgemäß
umgeformten Blechteils kann insbesondere ohne Weiteres ein kathodischer Korrosionsschutz
basierend auf einer Zink enthaltenden Oberflächenbeschichtung und/oder einer organischen
Oberflächenbeschichtung bereitgestellt werden, da auf eine Warmumformung verzichtet
werden kann.
1. Verfahren zur Herstellung eines umgeformten Blechteils aus einer Platine (1) oder
einem Halbzeug aus einem Werkstoff bestehend aus Stahl mit mindestens 60 Gew.-% Fe
und einem Restaustenitgehalt von mindestens 5 %, dadurch gekennzeichnet, dass die Platine (1) oder das Halbzeug vor dem Umformen zumindest teilweise auf eine Temperatur
von weniger als -20 °C gekühlt wird und bei einer Temperatur unterhalb von -20 °C
in einem Umformwerkzeug umgeformt wird, wobei eine Reduzierung der Werkstofftemperatur
der Platine oder des Halbzeugs auf unter -20 °C in einer temperierten Kühleinrichtung
(3, 3') erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die Platine (1) oder das Halbzeug unmittelbar vor dem Umformprozess aus der Kühleinrichtung
(3, 3') entnommen und dem Umformwerkzeug (2, 4, 9) zugeführt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass als Kühleinrichtung das Umformwerkzeug (2, 4, 9) verwendet wird, in welchem die Platine
(1) oder das Halbzeug gekühlt und anschließend umgeformt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass das Umformwerkzeug (2, 4, 9) die umzuformende Platine (1) oder das umzuformende Halbzeug
lediglich in den Bereichen (6) temperiert, in welchen eine hohe Streckgrenze und Zugfestigkeit
gefordert wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet, dass die Vereisung des Umformwerkzeugs (2, 4, 9), der Platine (1) und/oder des Halbzeugs
unter Verwendung von Mitteln (8, 12) zur Enteisung vor und während der Umformung verhindert
wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass die Vereisung unter Verwendung von mechanischen Enteisungsmitteln (12) und/oder unter
Verwendung eines Schutzgases zur Erzeugung einer Schutzgasatmosphäre (8) an den gekühlten
Bereichen verhindert wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Kühlung des Umformwerkzeugs (2, 4, 9), der Platine (1) und/oder des Halbzeugs
durch ein Schutzgas erfolgt, wobei vorzugsweise das Schutzgas durch im Umformwerkzeug
vorgesehene Strömungskanäle strömt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass die Wanddicke der Platine (1) oder des Halbzeugs 0,5 mm bis 1,80 mm, bevorzugt 0,7
mm bis 1,20 mm beträgt.
9. Verfahren nach Anspruch 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass eine Platine (1) oder ein Halbzeug umgeformt wird, welche bzw. welches eine Oberflächenbeschichtung
aufweist und als Oberflächenbeschichtung optional eine Zink enthaltende Oberflächenbeschichtung
verwendet wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9
dadurch gekennzeichnet, dass die Platine (1) oder das Halbzeug als Strukturteil eines Kraftfahrzeugs, wobei das
Strukturteil Bereiche mit unterschiedlichen Festigkeiten aufweist, umgeformt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, dass die Platine (1) oder das Halbzeug als Säule (13, 14, 15), Träger (17), großflächiges
Bauteil (18), Bodenblech, Tunnel, Stirnwand oder Radhaus eines Kraftfahrzeugs umgeformt
wird.
12. Verfahren nach Anspruch 10 oder 11,
dadurch gekennzeichnet, dass die Platine (1) oder das Halbzeug als B-Säule (13) eines Kraftfahrzeugs umgeformt
wird, wobei mindestens der Bereich der Dachanbindung (13b) der B-Säule eine höhere
Festigkeit aufweist als der Bereich des B-Säulenfußes (13a).
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 12,
dadurch gekennzeichnet, dass die Platine (1) oder das Halbzeug als Längsträger (17) im Frontbereich eines Kraftfahrzeugs
umgeformt wird und der Längsträger (17) einen vorderen Bereich (17a) aufweist, welcher
eine geringere Festigkeit als der hintere Bereich (17b) aufweist.
1. Method for producing a shaped sheet-metal part from a panel (1) or a semifinished
part made of a material consisting of steel with at least 60 wt. % Fe and a residual
austenite content of at least 5 %,
characterised in that
the panel (1) or the semifinished part is at least partially cooled to a temperature
below -20 °C before the shaping and is shaped at a temperature below -20 °C in a forming
tool, wherein a reduction of the material temperature of the panel or the semifinished
part to below -20 °C is carried out in a thermally regulated cooling apparatus (3,3').
2. Method according to Claim 1,
characterised in that
the panel (1) or the semifinished part is removed from the cooling apparatus (3,3')
and delivered to the forming tool (2, 4, 9) immediately before the shaping process.
3. Method according to Claim 1,
characterised in that
the forming tool (2, 4, 9), in which the panel (1) or the semifinished part is cooled
and subsequently shaped, is used as the cooling apparatus.
4. Method according to Claim 3,
characterised in that
the forming tool (2, 4, 9) thermally regulates the panel (1) to be shaped, or the
semifinished part to be shaped, only in the regions (6) in which a high yield point
and tensile strength are required.
5. Method according to Claim 3 or 4,
characterised in that
icing of the forming tool (2, 4, 9), and the panel (1) and/or the semifinished part,
is prevented by using deicing means (8, 12) before and during the shaping.
6. Method according to any one of Claims 3 to 5,
characterised in that
icing is prevented by using mechanical deicing means (12) and/or by using a protective
gas to produce a protective gas atmosphere (8) on the cooled regions.
7. Method according to any one of Claims 3 to 6,
characterised in that
the cooling of the forming tool (2, 4, 9), the panel (1) and/or the semifinished part
is carried out using a protective gas, the protective gas preferably flowing through
flow channels provided in the forming tool.
8. Method according to any one of Claims 3 to 7,
characterised in that
the wall thickness of the panel (1) or of the semifinished part is from 0.5 mm to
1.80 mm, preferably from 0.7 mm to 1.20 mm.
9. Method according to Claim 1 to 8,
characterised in that
a panel (1) or a semifinished part which has a surface coating is shaped, and a surface
coating containing zinc is optionally used as the surface coating.
10. Method according to Claim 1 to 9
characterised in that
the panel (1) or the sheet-metal part is shaped as a structural part of a motor vehicle,
the structural part comprising regions with different strengths.
11. Method according to Claim 10,
characterised in that
the panel (1) or the sheet-metal part is shaped into a pillar (13, 14, 15), support
(17), large-area component (18), base plate, tunnel, end wall or wheel well of a motor
vehicle.
12. Method according to Claim 10 or 11,
characterised in that
the panel (1) or the sheet-metal part is shaped into a B-pillar (13) of a motor vehicle,
at least the region of the roof connection (13b) of the B-pillar having a higher strength
than the region of the B-pillar base (13a).
13. Method according to any one of Claims 10 to 12,
characterised in that
the panel (1) or the sheet-metal part is shaped into a longitudinal beam (17) in the
front region of a motor vehicle, and the longitudinal beam (17) comprises a front
region (17a) which has a lower strength than the rear region (17b).
1. Procédé de fabrication d'une pièce en tôle déformée à partir d'un flan (1) ou d'un
produit semi-fini d'un matériau composé d'acier avec au moins 60 %/poids Fe et une
teneur résiduelle en austénite d'au moins 5%, caractérisé en ce que le flan (1) ou le produit semi-fini est refroidi avant la déformation au moins en
partie à une température inférieure à -20° C et est déformé à une température en dessous
de -20° C dans un outil de formage, une réduction de la température de matériau du
flan ou du produit semi-fini en dessous de -20° C ayant lieu dans un dispositif de
refroidissement (3,3') mis à température.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérrisé en ce que le flan (1) ou le produit
semi-fini sont enlevés du dispositif de refroidissement (3,3') directement avant le
processus de déformation et acheminés à l'outil de formage (2,4,9).
3. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'outil de formage (2,4,9) est utilisé comme dispositif de refroidissement dans lequel
le flan (1) ou le produit semi-fini est refroidi et ensuite déformé.
4. Procédé selon la revendication 3, caractérisé en ce que l'outil de formage (2,4,9) ne met le flan (1) à transformer ou le produit semi-fini
à transformer à température que dans les zones (6) dans lesquelles une limite d'élasticité
et une résistance à la traction élevées sont exigées.
5. Procédé selon la revendication 3 ou 4, caractérisé en ce que le givrage de l'outil de formage (2,4,9), du flan (1) et/ou du produit semi-fini
est évité en utilisant des moyens (8,12) de dégivrage avant et pendant la déformation.
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications 3 à 5, caractérisé en ce que le givrage est évité sur les zones refroidies en utilisant des moyens de dégivrage
mécaniques (12) et/ou en utilisant un gaz protecteur pour produire' une atmosphère
à gaz protecteur (8).
7. Procédé selon l'une quelconque des revendications 3 à 6, caractérisé en ce que le refroidissement de l'outil de formage (2,4,9), du flan (1) et/ou du produit semi-fini
a lieu par un gaz protecteur, le gaz protecteur s'écoulant de préférence à travers
des conduits d'écoulement prévus dans l'outil de formage.
8. Procédé selon l'une quelconque des revendications 3 à 7, caractérisé en ce que l'épaisseur de paroi du flan (1) ou du produit semi-fini est de 0,5 mm à 1,80 mm,
de préférence de 0,7 mm à 1,20 mm.
9. Procédé selon la revendication 1 à 8, caractérisé en ce qu'un flan (1) ou un produit semi-fini est déformé, lequel comporte un revêtement de
surface et un revêtement de surface contenant du zinc est utilisé en option comme
revêtement de surface.
10. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 9, caractérisé en ce que le flan (1) ou le produit semi-fini est déformé en tant que pièce de structure d'un
véhicule automobile, la pièce de structure comportant des zones avec des résistances
différentes.
11. Procédé selon la revendication 10, caractérisé en ce que le flan (1) ou le produit semi-fini est déformé en tant que montant (13,14,15), support
(17), composant à grande surface (18), tôle de plancher, tunnel, paroi frontaleou
logement de roue d'un véhicule automobile.
12. Procédé selon la revendication 10 ou 11, caractérisé en ce que le flan (1) ou le produit semi-fini est déformé en tant que montant B (13) d'un véhicule
automobile, au moins la zone du raccord de toit (13b) du montant B présentant une
résistance supérieure à la zone du pied de montant B (13a) .
13. Procédé selon l'une quelconque des revendications 10 à 12, caractérisé en ce que le flan (1) ou le produit semi-fini est déformé en tant qu'poutre longitudinale (17)
dans la zone avant d'un véhicule automobile et la poutre longitudinale (17) comporte
une zone avant (17a), laquelle présente une résistance plus faible que la zone arrière
(17b) .
IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE
Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information
des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes.
Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei
Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
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