[0001] Die Erfindung betrifft eine Etikettiervorrichtung zum Aufbringen von Etiketten auf
eine mit einer Bahngeschwindigkeit in einer Transportrichtung bewegten Materialbahn,
umfassend einen Etikettenspender und eine Transfervorrichtung, die mittels Haltemitteln
die Etiketten vom Etikettenspender übernimmt, zur Materialbahn bewegt und an einer
Übergabestelle auf die Materialbahn aufbringt.
[0002] Solche Etikettiervorrichtung werden in vielen industriellen Produktionsprozessen
benötigt. Dabei stellen stetig steigende Laufgeschwindigkeiten von Produktionsanlagen
immer höhere Anforderungen an die Leistung der Etikettiervorrichtungen. Insbesondere
wenn die Materialbahnen kontinuierlich bei hohen Geschwindigkeiten bewegt werden und
gleichzeitig Etiketten in großen Abständen auf die Materialbahnen aufgetragen werden,
stoßen konventionelle Etikettiervorrichtungen an ihre Grenzen.
[0003] Etiketten werden meist auf Trägerfolien gespeichert. Da es zwischen den Etiketten
auf den Trägerfolien üblicherweise keine oder nur sehr geringe Abstände gibt, müssen
diese Abstände bei Bedarf an größere Abstände zwischen den Etiketten auf den zu etikettierenden
Materialien angepasst werden. Dies kann zum Beispiel durch eine Transfervorrichtung
zwischen Etikettenspender und Materialbahn erreicht werden.
[0004] Die
DE10228243B4 beschreibt dazu eine Etikettiervorrichtung, bei der selbstklebende Etiketten quer
zur Transportrichtung der Materialbahnen über einen Etikettenspender an ein Transportband
geführt werden, welches die Etiketten an ihrer nicht klebenden Seite ansaugt und diese
quer über die Materialbahnen führt. Die Etikettenabstände werden beim Spenden der
Etiketten auf das Transportband durch das Verhältnis der Geschwindigkeit der Trägerfolie
zur Geschwindigkeit des Transportbandes angepasst, wobei sowohl das Trägerband als
auch das Transportband kontinuierlich laufen. Diese Art der Anpassung ist jedoch nur
möglich, wenn sich die Abstände der Etiketten am Trägerband und auf den Verpackungsfolienabschnitten
nicht wesentlich oder um ein Vielfaches unterscheiden. Außerdem werden bei dieser
bekannten Etikettiervorrichtung die Etiketten quer zur Transportrichtung zugeführt,
was eine weitere Vorrichtung zum Auftragen der Etiketten und einen taktweisen Betrieb
der Materialbahn erfordert.
[0005] Durch die Verwendung einer Vakuumtrommel als Transfervorrichtung zwischen dem Etikettenspender
und der Materialbahn kann auf eine weitere Vorrichtung zum Auftragen der Etiketten
auf die Materialbahn verzichtet werden kann. So eine Vakuumtrommel wird in der
DE3915987A1 beschrieben. Dabei werden selbsthaftende Etiketten von der Trägerfolie mit ihrer
nicht klebenden Seite an eine Vakuumtrommel übergeben, wobei sich mehrere Ansaugpositionen
an der zylindrischen Mantelfläche dieser Vakuumtrommel befinden. Die Fördergeschwindigkeit
des Trägerbandes, der Vakuumtrommel und der zu etikettierenden Gegenstände ist bei
dieser Erfindung kontinuierlich, wobei die Geschwindigkeit des Trägerbandes an die
Geschwindigkeit der zu etikettierenden Gegenstände angepasst wird. Die Abstände der
Etiketten sind bei dieser Erfindung über die Abstände der Etiketten auf der Vakuumtrommel
vordefiniert. Größere Abstände zwischen den Etiketten auf den zu etikettierenden Materialien
könnten hier nur durch größere Abstände der Etiketten auf dem Trägerband und größere
Abstände der Etiketten auf der Vakuumtrommel erreicht werden. Das würde einerseits
zu extrem großen Durchmessern der Etiketten-Vorratsrollen und sehr hohem Trägerbandverbrauch
führen, andererseits würde eine Vergrößerung der Etikettenabstände auch den Austausch
der Vakuumtrommel erforderlich machen.
[0006] Durch einen kontinuierlichen Betrieb des Etikettenspenders und der Transfervorrichtung
lässt sich der Abstand zwischen den Etiketten vom Trägerband zur Materialbahn nicht
wesentlich bzw. um ein Vielfaches vergrößern, wenn die Etiketten mit gleicher Geschwindigkeit
wie die Materialbahn bewegt werden müssen, um exaktes und einwandfreies Auftragen
der Etiketten auf dem Bahnmaterial zu erreichen.
[0007] Bei taktweise betriebenen Etikettenspendern stellt die Spendegeschwindigkeit bei
hohen Produktionsgeschwindigkeiten einen limitierenden Faktor dar, da die Etiketten
nicht auf die hohen Geschwindigkeiten von Materialbahnen beschleunigt werden können.
Insbesondere bei länglichen Etiketten, deren Längsachse quer zur Transportrichtung
angeordnet ist und die in Transportrichtung auf die Materialbahn aufgetragen werden,
ist die Spendegeschwindigkeit durch die hohen Massen der langen Bauteile und der langen
Etiketten limitiert.
[0008] Zusammenfassend können bei kontinuierlich laufenden Etikettenspendern nur geringe
Abstände zwischen Etiketten auf einer Materialbahn erreicht werden, und bei diskontinuierlich
laufenden Etikettenspendern können keine hohen Materialbahngeschwindigkeiten erreicht
werden.
[0009] Es ist daher die Aufgabe der Erfindung Etiketten, (insbesondere längliche Etiketten
mit ihrer Längsachse quer zur Materialbahn), exakt und faltenfrei auf eine sich kontinuierlich
mit hoher Geschwindigkeit bewegende Materialbahn aufzubringen, wobei die Abstände
der Etiketten nach ihrem Aufbringen auf der Materialbahn wesentlich größer sind als
in ihrem gespeicherten Zustand vor dem Aufbringen, insbesondere ihrem gespeicherten
Zustand auf einem Trägerband.
[0010] Die vorliegende Erfindung löst die gestellte Aufgabe durch Bereitstellen einer Etikettiervorrichtung
zum Aufbringen von Etiketten auf eine mit einer Bahngeschwindigkeit in einer Transportrichtung
bewegten Materialbahn, umfassend einen Etikettenspender und eine Transfervorrichtung,
die mittels Haltemitteln die Etiketten vom Etikettenspender übernimmt, zur Materialbahn
bewegt und an einer Übergabestelle auf die Materialbahn aufbringt,
dadurch gekennzeichnet, dass die Haltemittel der Transfervorrichtung in einer Umlaufbahn mit variabler Umlaufgeschwindigkeit
in und entgegen der Transportrichtung bewegbar sind, wobei die Haltemittel, wenn sie
sich an der Übergabestelle befinden, die Bahngeschwindigkeit in der Transportrichtung
aufweisen.
[0011] Damit die Transfervorrichtung die Etiketten vom Etikettenspender ohne Faltenbildung,
Einreißen, etc. übernehmen kann, ist vorgesehen, dass der Etikettenspender an einer
Spendestelle die Etiketten mit einer Geschwindigkeit in Spenderichtung abgibt und
die Haltemittel der Transfervorrichtung dieselbe Geschwindigkeit und Richtung aufweisen,
wenn sie sich an der Spendestelle befinden.
[0012] Da die Umlaufgeschwindigkeit der Haltemittel variabel steuerbar ist und insbesondere
die Haltemittel von einer niedrigeren Geschwindigkeit an der Spendestelle zu einer
höheren Geschwindigkeit an der Übergabestelle beschleunigt werden können, können enge
Abstände der Etiketten in der Etikettiervorrichtung in große Abstände der Etiketten
an der Materialbahn übersetzt werden, indem die Geschwindigkeitssteuerung der Haltemittel
so erfolgt, dass die Zeit, die die Haltemittel für einen ganzen Umlauf benötigen,
dieselbe Zeit ist, die die Materialbahn benötigt, um sich um den Abstand zwischen
zwei aufgebrachten Etiketten weiter zu bewegen.
[0013] In einer bevorzugten Ausführungsform ist die Transfervorrichtung ein rotierender
Zylinder mit einer Drehachse quer zur Transportrichtung, wobei die Haltemittel auf
der Mantelfläche des Zylinders angeordnet sind. Alternativ dazu umfasst die Transfervorrichtung
zumindest ein angetriebenes Endlosband, auf dem die Haltemittel angeordnet sind.
[0014] Bevorzugt ist die Bewegung der Haltemittel auf ihrer Umlaufbahn umkehrbar, weil dies
ermöglicht, die Transportrichtung der Materialbahn umzukehren, ohne den Etikettenspender
umdrehen zu müssen.
[0015] Einen sehr schnellen und verlässlich steuerbaren Betrieb der Etikettiervorrichtung
erzielt man, indem die Haltemittel als Vakuumsauger, vorzugsweise mit einstellbarer
Vakuumkraft, ausgebildet sind. Wenn die Etiketten als einseitige Klebeetiketten ausgebildet
sind, und die Haltemittel die Klebeetiketten an ihrer nicht klebenden Seite halten,
ist es für eine einfache, aber verlässliche Übergabe der Etiketten von der Transfervorrichtung
auf die Materialbahn vorteilhaft, wenn die Vakuumkraft, mit der die Haltemittel die
Klebeetiketten halten, kleiner ist als die Haftkraft zwischen der Klebeseite der Klebeetiketten
und der Materialbahn.
[0016] Die Herstellung einseitiger Klebeetiketten kann online während des Transfers der
Etiketten durch einen Kleberapplikator erfolgen, der so positioniert ist, dass er
einen Kleber auf der von der Transfervorrichtung abgewandten Seite der Etiketten aufbringt.
[0017] Mit der Erfindung ist es sogar möglich, dass der Etikettenspender die Etiketten mit
ihrer Längsachse quer zur Transportrichtung abgibt, obwohl es prinzipiell bei taktweise
betriebenen Etikettenspendern schwierig ist hohe Spendegeschwindigkeiten zu erreichen,
wenn man längliche Etiketten quer zur Transportrichtung spendet, da der Weg und die
Zeit für die Beschleunigung des Etikettes geringer ist, als wenn die Etiketten mit
ihrer Längsachse in Transportrichtung gespendet werden.
[0018] Knappste Abstände der Etiketten im Etikettenspender und besonders große Abstände
der Etiketten auf der Materialbahn können eingestellt werden, wenn der Etikettenspender
die Etiketten taktweise, insbesondere auf einem Trägerband, zur Abgabestelle bewegt.
[0019] Damit die Etiketten von der Transfervorrichtung fest an die Materialbahn gedrückt
werden kann ist weiters vorgesehen, dass an der Übergabestelle eine der Transfervorrichtung
gegenüberliegende Gegendruckeinrichtung, insbesondere eine rotierende Gegendruckwalze
mit einer Rotationsachse quer zur Transportrichtung, angeordnet ist.
[0020] Bei einer besonders vorteilhaften Ausführungsform umfasst der Etikettenspender eine
Schneidevorrichtung, die einzelne Etiketten von einem bahnförmigen Etikettenmaterial
abschneidet. Mit dieser Ausführungsform ist es möglich, im laufenden Betrieb der Etikettiervorrichtung
die Breite der Etiketten zu verändern.
[0021] Die Erfindung wird nun anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme auf die
Zeichnungen näher beschrieben. In den Zeichnungen zeigen
Fig. 1 bis 4 schematische Darstellungen von Ausführungsformen der Erfindung in unterschiedlichen
Betriebsstellungen; und
Fig. 5 ein Geschwindigkeits/Zeit-Diagramm der variablen Geschwindigkeit der Haltemittel
während eines Umlaufs der Transfervorrichtung.
[0022] Es wird nun auf die Figuren 1 bis 3 Bezug genommen, die schematisch eine erfindungsgemäße
Etikettiervorrichtung 1 zeigen. Die Etikettiervorrichtung 1 dient zum Aufbringen von
Etiketten 2 auf eine mit einer Bahngeschwindigkeit V1 in einer Transportrichtung T1
bewegten Materialbahn 10. Zur Durchführung dieser Aufgabe umfasst die Etikettiervorrichtung
1 einen Etikettenspender 4 und eine Transfervorrichtung 7, die mittels Haltemitteln
8 die Etiketten 2 vom Etikettenspender 4 übernimmt, zur Materialbahn 10 hin bewegt
und an einer Übergabestelle 11 auf die Materialbahn 10 aufbringt. Die Haltemittel
8 der Transfervorrichtung 7 sind in einer Umlaufbahn mit variabler Umlaufgeschwindigkeit
Vx in und entgegen der Transportrichtung T1 bewegbar, wobei die Umlaufgeschwindigkeit
Vx von einer nicht dargestellten Maschinensteuerung, so geregelt wird, dass die Haltemittel
8, wenn sie sich an der Übergabestelle 11 befinden, die Bahngeschwindigkeit V1 in
Transportrichtung T1 aufweisen. Der Etikettenspender 4 wird taktweise betrieben, die
Materialbahn 10 bewegt sich kontinuierlich mit der Bahngeschwindigkeit V1.
[0023] Im vorliegenden Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen Etikettiervorrichtung 1
ist die Transfervorrichtung 7 ein rotierender Zylinder mit einer Drehachse quer zur
Transportrichtung T1, und die Haltemittel 8 sind auf der Mantelfläche des Zylinders
angeordnet. Somit ist die Umlaufbahn der Haltemittel 8 eine Kreisbahn, und die Umlaufgeschwindigkeit
Vx der Haltemittel ergibt sich durch die Drehzahl des angetriebenen, rotierenden Zylinders.
Die Bewegung des Zylinders und somit der Haltemittel 8 ist umkehrbar und kann im und
entgegen dem Urzeigersinn erfolgen. Die Haltemittel 8 sind als Vakuumsauger, vorzugsweise
mit einstellbarer Vakuumkraft, ausgebildet. Die Zuführung des Vakuums 14 zu den Haltemitteln
8 kann durch das Innere des Zylinders erfolgen.
[0024] Der Etikettenspender 4 verfügt über eine Vorratsrolle 5, auf der die - in diesem
Beispiel - einseitig selbstklebenden Etiketten mit ihrer klebenden Seite an einem
Trägerband 3 anhaftend aufgewickelt sind. Das Trägerband 3 mit den Etiketten 2 wird
dem Etikettenspender 4 zugeführt.
[0025] In einer Variante der Erfindung, die in Fig. 2 strichliert als Option dargestellt
ist, sind die Etiketten 2 nicht klebende Etiketten, es ist aber ein Kleberapplikator
12 neben der Transfervorrichtung 7 angeordnet, der einen Kleber 15 auf die von der
Transfervorrichtung 7 abgewandten Seite der Etiketten 2 appliziert.
[0026] In einer weiteren, ebenfalls in Fig. 2 schematisch angedeuteten Variante der Erfindung
werden die Etiketten 2 nicht als einzelne Etiketten in der Vorratsrolle 5 gespeichert,
sondern als bahnförmiges Etikettenmaterial 2'. Der Etikettenspender 4 weist eine Schneidevorrichtung
13 auf, die einzelne Etiketten 2 von dem bahnförmigen Etikettenmaterial 2' abschneidet.
[0027] Die Etiketten 2 sind längliche Etiketten, die mit ihrer Längsachse quer zur Transportrichtung
T1 angeordnet an einer Spendestelle 6 des Etikettenspenders 4 in Transportrichtung
T1 gespendet werden. Dazu wird ein entsprechend breiter Etikettenspender 4 mit breiter
Spendestelle 6 benötigt. Durch die große Masse der langen Bauteile des Etikettenspenders
4 und die länglichen Etiketten 2 ist die Beschleunigung der Etiketten beim Spenden
und somit die Spendegeschwindigkeit V2, jedoch limitiert. Um die Geschwindigkeit der
Etiketten 2 von der Spendegeschwindigkeit V2 auf die Transportgeschwindigkeit V1 der
Materialbahn 10 zu erhöhen, werden die Etiketten 2 von den Haltemitteln 8 der zylindrischen
Transfervorrichtung 7 übernommen, indem ein Etikett 2 an der Spendestelle 6 an seiner
nicht klebenden Seite mittels Vakuum 14 an die Ansaugmittel 8 der Transfervorrichtung
7 angesaugt wird. Um eine exakte Übernahme des Etiketts 2 auf die Transfervorrichtung
7 gewährleisten zu können ist es wichtig, dass die Haltemittel 8 der Transfervorrichtung
7 mit derselben Geschwindigkeit, mit der das Etikett gespendet wird, an der Spendestelle
6 vorbeigeführt wird.
[0028] In Fig. 4 wird die Materialbahn 10 über Rollen 17,18,19 in Transportrichtung T1'
der Übergabestelle 11 zugeführt. Dadurch können auch auf der Rückseite der Materialbahn
10 Etiketten 2 aufgebracht werden. Dazu wird die Transfervorrichtung 7 mit Spendegeschwindigkeit
V2 entgegen der Transportrichtung T1' (in Spenderichtung) am Etikettenspender vorbeigeführt.
Wurde ein Etikett vom Haltemittel 8 übernommen wird die Bewegungsrichtung umgekehrt
und das Etikett wird an der Übergabestelle in Transportrichtung T1' mit Bahngeschwindigkeit
V1 auf die Rückseite der Materialbahn übertragen.
[0029] Fig. 5 zeigt ein Diagramm der variierenden Geschwindigkeit Vx der rotierenden Haltemittel
8 über der Zeit t für eine ganze Umdrehung der zylinderförmigen Transfervorrichtung
7. Die Sektion A zeigt den Status, in dem die Haltemittel 8 mit der Spendegeschwindigkeit
V2 an der Spendestelle 6 vorbeigeführt werden.
[0030] Befindet sich das Etikett nun an den Ansaugmitteln 8 der Transfervorrichtung 7, so
muss der Zylinder auf die Transportgeschwindigkeit V1 der kontinuierlich bewegten
Materialbahn 10 beschleunigt werden, damit das Etikett 2 mit seiner Klebeseite exakt
und faltenfrei auf die Materialbahn 10 aufgebracht werden kann. Dieser Beschleunigungsvorgang
entspricht der Sektion B des Geschwindigkeits/Zeit-Diagramm von Fig. 4. Die entsprechende
Stellung der Haltemittel 8 ist in Fig. 2 dargestellt. Die Vakuumkraft/Ansaugkraft
muss das Etikett während des Beschleunigungsvorgangs an den Haltemitteln 8 halten
können, soll jedoch kleiner als die Klebekraft des Etiketts 2 sein, damit dieses an
der Übergabestelle 11 auf die Materialbahn 10 aufgebracht werden kann. Es ist auch
eine Regelung oder ein positionsgesteuertes Ein- und Ausschalten der Ansaugkraft denkbar.
[0031] Wenn die Haltemittel 8 die Übergabestelle 11 erreichen, sind sie bereits auf die
Transportgeschwindigkeit V1 beschleunigt worden und bewegen sich konstant mit der
Transportgeschwindigkeit V1, wie in Sektion C des Geschwindigkeitsdiagramms von Fig.
4 zu sehen ist. Zur Erzielung einer besseren Anpresskraft der Etiketten 2 auf der
Materialbahn 10 ist die Materialbahn 10 im Bereich der Übergabestelle 1 durch eine
Gegendruckeinrichtung 9, in diesem Ausführungsbeispiel eine mit der Transportgeschwindigkeit
V1 rotierende Gegendruckwalze mit einer Rotationsachse quer zur Transportrichtung
(T1), abgestützt.
[0032] Nachdem das Etikett 2 an der Übergabestelle auf der Materialbahn 10 aufgebracht wurde,
werden die Haltemittel 8 durch Verlangsamen der Drehgeschwindigkeit der zylindrischen
Transfervorrichtung 7 wieder auf die Spendegeschwindigkeit V2 abgebremst, wie in Sektion
D des Geschwindigkeitsdiagramms von Fig. 4 zu sehen ist. Die entsprechende Stellung
der Haltemittel 8 ist in Fig. 3 dargestellt. Alle Sektionen A, B, C, D zusammen beschreiben
eine ganze Umdrehung der Haltemittel 8. Zusammengefasst ist die variable Umlaufgeschwindigkeit
Vx der Haltemittel 8 so gesteuert, dass die Zeit, die die Haltemittel 8 für einen
ganzen Umlauf benötigen, gleich der Zeit ist, die die Materialbahn 10 benötigt, um
sich um den Abstand L zwischen zwei aufgebrachten Etiketten 2,2 weiter zu bewegen.
[0033] Da die zylindrische Transfervorrichtung 7 umschaltbar im und entgegen dem Uhrzeigersinn
drehbar ist, ist es auch möglich ein Etikett 2 in der dargestellten Spenderichtung
aufzunehmen und sobald dieses an den Haltemitteln 8 haftet die Transfervorrichtung
7 in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen. Dies ermöglicht auch bei einer Änderung
der Bewegungsrichtung T1 der Materialbahn 10 Etiketten 2 spenden zu können, ohne die
Ausrichtung des Etikettenspenders 4 umdrehen zu müssen.
[0034] Durch die elektronische Geschwindigkeitsteuerung der zylindrischen Transfervorrichtung
7 können die Abstände L (siehe Fig. 3) zwischen Etiketten 2 auf der Materialbahn 10
jederzeit verändert werden, ohne dabei die Etikettiervorrichtung 1 durch den Austausch
von zylindrischen Transfervorrichtungen mit anderen Durchmessern umbauen zu müssen.
Herkömmliche kontinuierlich laufende Vakuumzylinder müssen bei einer Änderung des
Etikettenabstandes ausgetauscht werden, was natürlich zu einer Verzögerung im Herstellungsprozess
führt.
[0035] Weiters ist es möglich durch die Geschwindigkeitsregelung zylindrischen Transfervorrichtungen
7 mit kleinen Durchmessern einzubauen, was zu Platz- und Gewichtseinsparungen führt.
Je geringer die Masse des Zylinders, desto geringer ist auch das Massenträgheitsmoment
und desto höhere Beschleunigungen können erreicht werden. Die Masse des Zylinders
kann durch Werkstoffe, wie z.B. kohlefaserverstärkte Kunststoffe, sehr gering gehalten
werden. Ein weiterer Vorteil von Zylindern mit kleinem Durchmesser ist, dass die Fliehkraft,
die auf die Etiketten 2 wirkt, bei gleicher Umlaufgeschwindigkeit auf Zylindern mit
kleinem Durchmesser geringer ist, als bei Zylindern mit großem Durchmesser. Dadurch
wird bei kleinen Zylindern weniger Ansaugkraft benötigt, um die Etiketten an den Haltemitteln
8 zu halten.
[0036] Durch das Zuführen länglicher Etiketten 2 mit ihrer Längsachse quer zur Transportrichtung
T1 ist die Anzahl der speicherbaren Etiketten 2 bei gleichem Durchmesser der Vorratsrolle
5 wesentlich höher als bei Etiketten, die mit ihrer Längsachse parallel zur Materialbahn
10 angeordnet sind. Somit muss die Produktion weniger häufig für einen Wechsel der
Vorratsrolle 5 unterbrochen werden, was die Effizienz der Etikettiervorrichtung 1
erhöht.
[0037] In einer alternativen, nicht dargestellten Ausführungsform der Etikettiervorrichtung
1 kann die Transfervorrichtung 7 zumindest ein angetriebenes Endlosband umfassen,
auf dem die Haltemittel 8 angeordnet sind.
[0038] Die erfindungsgemäße Etikettiervorrichtung ist besonders gut in Anlagen zur Herstellung
von Säcken mit gefaltetem Boden verwendbar, bei der längliche Etiketten z.B. zum Verstärken
einer Materialschwächung (z.B. Easy Open Feature) aufgebracht werden oder als Sackmundverstärkung
dienen.
[0039] Die erfindungsgemäße Etikettiervorrichtung kann nicht klebende Etiketten (mit dem
optionalen Kleberapplikator), selbstklebende Etiketten, sowie Etiketten mit druckempfindlichem
Adhesiv bzw. Hotmelt verarbeiten. Unterschiedliche Etikettenabstände können je nach
den Anforderung der Materialbahnen (z.B. bei unterschiedlichen Rapportlängen von Sackkörpern)
einfach durch eine Regelung der Umlaufgeschwindigkeit der Haltemitteln an der Transfervorrichtung
eingestellt werden. Weiters können Druckmarken als Signal für die Geschwindigkeitsregelung
der Transfervorrichtung benutzt werden, um die Position der Etiketten festzulegen.
[0040] Die Vorratsrolle für die Etiketten muss nicht im Etikettenspender positioniert sein,
sondern kann z.B. seitlich neben dem Maschinengestell angeordnet oder in der Maschine
verbaut sein.
1. Etikettiervorrichtung (1) zum Aufbringen von Etiketten (2) auf eine mit einer Bahngeschwindigkeit
(V1) in einer Transportrichtung (T1) bewegten Materialbahn (10), umfassend einen Etikettenspender
(4) und eine Transfervorrichtung (7), die mittels Haltemitteln (8) die Etiketten (2)
vom Etikettenspender (4) übernimmt, zur Materialbahn (10) bewegt und an einer Übergabestelle
(11) auf die Materialbahn (10) aufbringt, dadurch gekennzeichnet, dass die Haltemittel (8) der Transfervorrichtung (7) in einer Umlaufbahn mit variabler
Umlaufgeschwindigkeit (Vx) in und entgegen der Transportrichtung (T1) bewegbar sind,
wobei die Haltemittel (8), wenn sie sich an der Übergabestelle (11) befinden, die
Bahngeschwindigkeit (V1) in Transportrichtung (T1) aufweisen.
2. Etikettiervorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Etikettenspender (4) an einer Spendestelle (6) die Etiketten (2) mit einer Spendegeschwindigkeit
(V2) abgibt und die Haltemittel (8) der Transfervorrichtung (7) dieselbe Geschwindigkeit
wie die Spendegeschwindigkeit (V2) aufweisen, wenn sie sich an der Spendestelle (6)
befinden.
3. Etikettiervorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die variable Umlaufgeschwindigkeit (Vx) der Haltemittel (8) so gesteuert ist, dass
die Zeit, die die Haltemittel (8) für einen ganzen Umlauf benötigen, gleich der Zeit
ist, die die Materialbahn (10) benötigt, um sich um den Abstand (L) zwischen zwei
aufgebrachten Etiketten (2,2) weiter zu bewegen.
4. Etikettiervorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Transfervorrichtung (7) ein rotierender Zylinder mit einer Drehachse quer zur
Transportrichtung (T1) ist und die Haltemittel (8) auf der Mantelfläche des Zylinders
angeordnet sind.
5. Etikettiervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Transfervorrichtung (7) zumindest ein angetriebenes Endlosband umfasst, auf dem
die Haltemittel (8) angeordnet sind.
6. Etikettiervorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bewegung der Haltemittel (8) auf ihrer Umlaufbahn umkehrbar ist.
7. Etikettiervorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Haltemittel (8) als Vakuumsauger, vorzugsweise mit einstellbarer Vakuumkraft,
ausgebildet sind.
8. Etikettiervorrichtung nach Anspruch 7, wobei die Etiketten (2) als einseitige Klebeetiketten
ausgebildet sind, und die Haltemittel (8) die Klebeetiketten an ihrer nicht klebenden
Seite halten, dadurch gekennzeichnet, dass die Vakuumkraft, mit der die Haltemittel (8) die Klebeetiketten halten, kleiner ist
als die Haftkraft zwischen der Klebeseite der Klebeetiketten und der Materialbahn
(10).
9. Etikettiervorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch einen Kleberapplikator (12) zum Aufbringen von Kleber auf der von der Transfervorrichtung
(7) abgewandten Seite der Etiketten (2).
10. Etikettiervorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Etiketten (2) längliche Etiketten sind und der Etikettenspender (4) die Etiketten
mit ihrer Längsachse quer zur Transportrichtung (T1) abgibt.
11. Etikettiervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Etikettenspender (4) die Etiketten (2) taktweise, insbesondere auf einem Trägerband
(3), zur Spendestelle (6) bewegt.
12. Etikettiervorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass an der Übergabestelle eine der Transfervorrichtung gegenüberliegende Gegendruckeinrichtung
(9), insbesondere eine rotierende Gegendruckwalze mit einer Rotationsachse quer zur
Transportrichtung (T1), angeordnet ist.
13. Etikettiervorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Etikettenspender eine Schneidevorrichtung (13) umfasst, die einzelne Etiketten
(2) von einem bahnförmigen Etikettenmaterial abschneidet.