[0001] Zur Überwachung und Regelung des Garnverbrauchs an einer Flachstrickmaschine wird
die Länge des tatsächlich verbrauchten Garnes gemessen und mit einem vorberechneten
Sollwert verglichen. Überschreitet die Abweichung des Istwertes vom Sollwert eine
vorgegebene Toleranzgrenze, so wird durch Veränderung der Maschenlänge durch eine
entsprechende Ansteuerung von Abzugsteilen, insbesondere von Nadelsenkern der Maschine,
der gemessene Istwert des Garnverbrauchs so lange korrigiert, bis seine Abweichung
vom Sollwert wieder innerhalb der Toleranzgrenzen liegt.
[0002] Bei der Berechnung des Sollwerts des Garnverbrauchs für eine zu strickende Reihe
werden außer der für die pro Nadel typische Maschenlänge auch noch gegebenenfalls
vorhandene Übergänge zwischen den Nadelbetten sowie eventuelle Versatzbewegungen der
Nadelbetten und etwaige Flottungen mit eingerechnet. Durch weitere Parameter wie die
verwendete Garnart, die Fadenspannung, der gegenseitige Abstand der Nadelbetten sowie
Eigenschaften der gestrickten Bindungsart wie Rechts-Rechts, einbettig oder Rippgestrick,
die ebenfalls eine Auswirkung auf die Garnlänge haben, ist es jedoch nicht möglich,
den Sollwert absolut präzise zu bestimmen. Bleibt die Bindungsart innerhalb eines
Gestrickteils gleich, so kann durch die Regelung der Garnlänge der Istwert des Garverbrauchs
innerhalb von einigen Strickreihen an den Sollwert herangeführt werden.
[0003] Ändert sich die Bindungsart innerhalb eines Gestrickteils jedoch, können am Übergang
die Istwerte stark von den Sollwerten abweichen, sodass es zu großen Korrektursprüngen
kommt, die sich zum Teil erst über mehrere Strickreihen hinweg einschwingen. Diese
Strickreihen weisen sichtbare Schwankungen der Maschenlänge auf.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Regelung
des Garnverbrauchs bereitzustellen, mit dem sich diese Korrektursprünge am Übergang
zu einer anderen Bindungsart vermeiden lassen.
[0005] Die Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zur Regelung des Garnverbrauchs eines
auf einer Flachstrickmaschine hergestellten Gestricks durch Messung eines Istwerts
des Garnverbrauchs und Regelung auf einen Sollwert durch Anpassen der Maschenlänge,
wobei das Gestrick mit Garnen hergestellt wird, die jeweils über eine Fadenlängenmesseinrichtung
und einen Fadenführer den Nadeln eines vorderen und/oder hinteren Nadelbetts der Flachstrickmaschine
zugeführt werden, das dadurch gekennzeichnet ist, dass zur Ermittlung eines Korrekturwerts
für die Ansteuerung der die Maschenlänge beeinflussenden Abzugsteile der Flachstrickmaschine
die bei der Mustererstellung für das Gestrick für jede Bindungsart des Gestricks angegebene
Abzugsteilposition berücksichtigt wird und zu Beginn der Produktion ein erstes Gestrickstück
mit den gleichen Musterdaten wie für die weiteren zu produzierenden Gestricke hergestellt
und durch fortlaufende Messung des Istwerts des Garnverbrauchs und Vergleichen mit
dem Sollwert der Korrekturwert für jede im Gestrick vorkommende Bindungsart weiter
verbessert und abgespeichert wird und anschließend die Produktion der weiteren Gestricke
unter Verwendung der ermittelten Korrekturwerte zur Ansteuerung der Abzugsteile durchgeführt
wird.
[0006] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren werden nach dem Erfassen der Korrekturwerte am
ersten Gestrickstück bei der Produktion der weiteren Gestrickstücke bereits beim Beginn
eines Bereichs in einer neuen Bindungsart sehr gute Korrekturwerte für die Ansteuerung
der Abzugsteile zur Verfügung gestellt. Während der Produktion müssen nur noch Garnschwankungen
erfasst und in die Korrekturwerte mit eingerechnet werden. Dadurch entfallen die bisher
notwendigen Anpassungsstrickreihen mit sichtbaren Schwankungen in der Maschenlänge.
[0007] Bei der Produktion der weiteren Gestricke können die für die jeweiligen Bindungsarten
ermittelten Korrekturwerte weiter verbessert werden.
[0008] Weitere Vorteile ergeben sich, wenn zur Ermittlung der Korrekturwerte je Bindungsart
die Länge der Maschenreihen nicht berücksichtigt wird. Soll das gleiche Gestrick in
einer anderen Größe hergestellt werden, so muss für die neue Größe keine Neuberechnung
der Korrekturwerte für die im Gestrick vorkommenden Bindungsarten erfolgen. Die einmal
ermittelten Korrekturwerte sind auch für alle neuen Größen gültig.
[0009] Zur weiteren Erhöhung der Genauigkeit können zur Ermittlung der Korrekturwerte je
Bindungsart das Stricken auf dem vorderen oder hinteren Nadelbett, die zur Herstellung
der Bindungsart verwendete/n Fadenlängenmesseinrichtung/en sowie die Richtung des
Schlittens der Flachstrickmaschine berücksichtigt werden. Je nach Schlittenrichtung
können unterschiedliche Garnspannungen auftreten. Auch bei einem Übergang von einem
Nadelbett zum anderen wird zwischen den Maschen mehr Garn benötigt als zwischen benachbarten
Maschen desselben Nadelbetts. Für jedes Garn wird außerdem ein eigener Fadenführer
mit zugehöriger Fadenlängenmesseinrichtung verwendet. Wird daher festgehalten, von
welcher Fadenlängenmesseinrichtung die ermittelte Fadenlänge stammt, geht in die Ermittlung
der Korrekturwerte auch die Garnqualität mit ein.
[0010] Bei einem Bereich mit mehreren in einer bestimmten Bindungsart hergestellten Maschenreihen
des ersten Gestrickstücks oder auch bei Wiederholung eines solchen Bereichs an anderer
Stelle im Gestrick kann aus den in jeder Maschenreihe ermittelten Korrekturwerten
ein Mittelwert gebildet und abgespeichert werden. Der so erhaltene Wert ist sehr stabil,
sodass beim Übergang zur weiteren Produktion des gewünschten Gestricks die Korrekturwerte
für alle Bindungsarten bereits sehr genau sind und nur noch Schwankungen in der Garnqualität
während der Produktion ausgeglichen werden müssen.
[0011] Bei modernen Flachstrickmaschinen werden die Gestricke an sogenannten Designentwurfsanlagen
oder Musterungsanlagen entworfen, die einem Designer diverse grafische Hilfsmittel
und Darstellungsmöglichkeiten seines Gestricksentwurfs bieten und die außerdem aus
dem Design automatisch Maschinensteuerungsdaten erstellen. Auch beim erfindungsgemäßen
Verfahren ist es daher zweckmäßig, dass die Musterdaten des Gestricks mit den Bindungsarten
und den Abzugsteitpositionen von einer solchen Gestrickdesign-Entwurfsanlage an die
Flachstrickmaschine übergeben werden.
[0012] Weiter ist es vorteilhaft, wenn die je Bindungsart abgespeicherten Korrekturwerte
für die Ansteuerung der Abzugsteile für andere Gestricke mit gleichen Bindungsarten
verwendet und/oder an andere Strickmaschinen übergeben werden können. Dazu können
die Korrekturwerte vorzugsweise in einem Speicher der Maschine und/oder auf einem
externen Speichermedium abgelegt werden, auf das mehrere Maschinen Zugriff haben.
[0013] Die Regelung des Garnverbrauchs kann für bestimmte oder alle Gestrickbereiche auch
abgeschaltet werden. Dies kann insbesondere dann vorteilhaft sein, wenn aus stricktechnischen
Gesichtspunkten eine Regelung in einem Bereich wie beispielsweise einem Bündchen nicht
gewünscht wird. Die Regelung kann jederzeit wieder aktiviert werden. Das Ermitteln
der Korrekturwerte anhand von Musterdaten und eines ersten Gestrickstücks ist in diesem
Fall nicht mehr erforderlich, auch wenn auf andere Größen und/oder Garnqualitäten
übergegangen wird.
[0014] Für das Bedienpersonal der Flachstrickmaschine ist es weiter vorteilhaft, wenn während
der Produktion des Gestricks auf einer Anzeigeeinrichtung die gerade gestrickte Bindungsart
mit den verwendeten Korrekturwerten angezeigt wird. Dies ermöglicht eine optische
Kontrolle des Produktionsvorgangs.
[0015] Die Erfindung betrifft außerdem eine Flachstrickmaschine zur Durchführung eines erfindungsgemäßen
Verfahrens mit mindestens zwei Nadelbetten, einem Schlitten mit mindestens einem Schlosssystem
und mehreren Fadenführern mit zugeordneten Fadenlängenmesseinrichtungen, die dadurch
gekennzeichnet ist, dass sie eine Einrichtung zur Maschenlängensteuerung aufweist,
die aus Daten der Fadenlängenmesseinrichtungen einen Vergleich der Istwerte des Garnverbrauchs
mit in einem Speicher hinterlegten Sollwerten des Garnverbrauchs durchführt und mit
Hilfe von Daten einer Gestrickdesign-Entwurfseinrichtung für jede Bindungsart Korrekturwerte
für die Position von Abzugsteilen des mindestens einen Schlosssystems erzeugt und
daraus Steuerungssignale für die Abzugsteile an dem mindesten einen Schlosssystem
generiert.
[0016] Die Einrichtung zur Maschenlängensteuerung kann dabei auch einen Speicher für die
je Bindungsart ermittelten Korrekturwerte aufweisen. Die Korrekturwerte können jedoch
an anderer Stelle der Flachstrickmaschine und/oder auf einem externen Speichermedium
abgespeichert werden.
[0017] Im Folgenden wird ein erfindungsgemäßes Verfahren mit Bezug auf die Zeichnung noch
näher beschrieben.
[0018] Die einzige Figur zeigt eine schematische Ansicht einer Gestrickdesign-Entwurfseinrichtung
1 und einer Flachstrickmaschine 2.
[0019] Die Gestrickdesign-Entwurfsanlage 1 aus Fig.1 weist als zentrale Einheit einen Rechner
10 auf, auf dem Programme zur Erstellung von Gestrickmustern laufen. Mit Hilfe einer
Tastatur 11 oder einem Pad 12 können die gewünschte Form, die Bindungsart, die zu
verwendenden Garne sowie die Größe des Gestricks eingegeben werden. Die auf dem Rechner
10 vorhandenen Programme erstellen daraus einen Entwurf für das Gestrick und zeigen
dieses auf einer Anzeigeeinrichtung 13 in verschiedenen Darstellungsformen an. Beim
Entwurf des Gestricks werden je nach gewünschter Maschenoptik und-größe auch Angaben
über die Abzugsteilpositionen für die verschiedenen Bindungsarten festgelegt. Nach
Fertigstellung des Entwurfs werden die Entwurfsdaten vom Rechner 10 an eine Flachstrickmaschine
2 übergeben, was durch den Pfeil W angedeutet ist.
[0020] Auf der Maschine 2 wird mit den Entwurfsdaten zunächst ein erstes Gestrickstück 21
mit den gleichen Musterdaten wie die nachfolgend zu fertigenden Gestrickteile erstellt.
Während der Fertigung des ersten Gestrickstücks werden alle für die jeweiligen Bindungsarten
geltenden Abzugsteilangaben, die Kombination einer Maschenbildung auf dem vorderen
und dem hinteren Nadelbett sowie die Richtung eines Schlittens 23 der Maschine 2 erfasst.
Weiter wird eine Fadenlängenmessung vor jedem verwendeten Fadenführer vorgenommen
und die zugehörige Fadenlängenmesseinrichtung 22 erfasst. Diese Daten werden abgespeichert
und der gemessene Istwert des Garnverbrauchs mit einem abgespeicherten Sollwert verglichen.
Bei einer Abweichung des Istwerts vom Sollwert außerhalb einer Toleranzgrenze wird
ein Korrekturwert für die Maschenlänge errechnet und die Abzugsteilangabe für die
Bindungsart entsprechend korrigiert und abgespeichert. Mit den korrigierten Werten
werden dann entsprechende Steuerungssignale für die Abzugsteile der Maschine 2 generiert.
Nach Fertigstellung des ersten Gestrickstücks werden die nachfolgenden Gestrickstücke
unter Verwendung der Korrekturwerte je Bindungsart hergestellt, wobei die Maschenlänge
gegebenenfalls noch wegen auftretender Garnschwankungen weiter angepasst wird.
1. Verfahren zur Regelung des Garnverbrauchs eines auf einer Flachstrickmaschine (2)
hergestellten Gestricks durch Messung eines Istwerts des Garnverbrauchs und Regelung
auf einen Sollwert durch Anpassen der Maschenlänge, wobei das Gestrick mit Garnen
hergestellt wird, die jeweils über eine Fadenlängenmesseinrichtung (22) und einen
Fadenführer den Nadeln eines vorderen und/oder hinteren Nadelbetts der Flachstrickmaschine
(2) zugeführt werden, dadurch gekennzeichnet, dass zur Ermittlung eines Korrekturwerts für die Ansteuerung der die Maschenlänge beeinflussenden
Abzugsteile der Flachstrickmaschine die bei der Mustererstellung für das Gestrick
für jede Bindungsart des Gestricks angegebene Abzugsteilposition berücksichtigt wird
und zu Beginn der Produktion ein erstes Gestrickstück (21) mit den gleichen Musterdaten
wie für die weiteren zu produzierenden Gestricke hergestellt und durch fortlaufende
Messung des Istwerts des Garnverbrauchs und Vergleichen mit dem Sollwert der Korrekturwert
für jede im Gestrick vorkommende Bindungsart weiter verbessert und abgespeichert wird
und anschließend die Produktion der weiteren Gestricke unter Verwendung der ermittelten
Korrekturwerte zur Ansteuerung der Abzugsteile durchgeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Produktion der weiteren Gestricke die für die jeweiligen Bindungsarten ermittelten
Korrekturwerte weiter verbessert werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zur Ermittlung der Korrekturwerte je Bindungsart die Länge der Maschenreihen nicht
berücksichtigt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zur Ermittlung der Korrekturwerte je Bindungsart das Stricken auf dem vorderen oder
hinteren Nadelbett, die zur Herstellung der Bindungsart verwendete/n Fadenlängenmesseinrichtung/en
(22) sowie die Richtung des Schlittens (23) der Flachstrickmaschine (2) berücksichtigt
werden.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei einem Bereich mit mehreren in einer bestimmten Bindungsart hergestellten Maschenreihen
des ersten Gestrickstücks aus den in jeder Maschenreihe ermittelten Korrekturwerten
ein Mittelwert gebildet und abgespeichert wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Musterdaten des Gestricks mit den Bindungsarten und den Abzugsteilpositionen
von einer Gestrickdesign-Entwurfsanlage (1) an die Flachstrickmaschine (2) übergeben
werden.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die je Bindungsart abgespeicherten Korrekturwerte für die Ansteuerung der Abzugsteile
für andere Gestricke mit gleichen Bindungsarten verwendet und/oder an andere Strickmaschinen
übergeben werden können.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Regelung des Garnverbrauchs für bestimmte Gestrickbereiche abgeschaltet werden
kann.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass während der Produktion des Gestricks auf einer Anzeigeeinrichtung die gerade gestrickte
Bindungsart mit den verwendeten Korrekturwerten angezeigt wird.
10. Flachstrickmaschine zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis
8 mit mindestens zwei Nadelbetten, einem Schlitten (23) mit mindestens einem Schlosssystem
und mehreren Fadenführern mit zugeordneten Fadenlängenmesseinrichtungen (22), dadurch gekennzeichnet, dass sie eine Einrichtung zur Maschenlängensteuerung aufweist, die aus Daten der Fadenlängenmesseinrichtungen
(22) einen Vergleich der Istwerte des Garnverbrauchs mit in einem Speicher hinterlegten
Sollwerten des Garnverbrauchs durchführt und mit Hilfe von Daten einer Gestrickdesign-Entwurfseinrichtung
(1) für jede Bindungsart Korrekturwerte für die Position von Abzugsteilen des mindestens
einen Schlosssystems erzeugt und daraus Steuerungssignale für die Abzugsteile an dem
mindesten einen Schlosssystem generiert.
11. Flachstrickmaschine nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Einrichtung zur Maschenlängensteuerung einen Speicher für die je Bindungsart
ermittelten Korrekturwerte aufweist.