Stand der Technik
[0001] Die Erfindung geht aus von einem schallemissionsgeminderten Bremsbalken von Elektrodynamischen
Gleisbremsen, nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] In Eisenbahnrangieranlagen müssen die unter Ausnutzung der Schwerkraft von einem
Ablaufberg in die einzelnen Sortier- bzw. Richtungsgleise einlaufenden Güterwagen
auf eine definierte, vom Füllungsgrad des aufnehmenden Richtungsgleises abhängige
Geschwindigkeit herunter gebremst werden. Hierbei kommen üblicherweise Gleisbremsen
zum Einsatz, welche ortsfest am oder im Gleis montiert sind und deren Bremskraft bei
jedem ablaufenden Waggon durch eine zentrale Steuerungsinstanz berechnet und eingestellt
wird.
[0003] Elektrodynamische Gleisbremsen stellen hierzu eine bewährte und weit verbreitete
Bauform dar. Das funktionale Prinzip der Elektrodynamischen Gleisbremse, welche bisweilen
auch als Wirbelstrom-Gleisbremse bezeichnet wird, basiert darauf, dass ein im Wesentlichen
U-förmiger Trog aus ferromagnetischem Material jede Fahrschiene von unten her umgreift.
Mit Hilfe von elektrisch durchflossenen Spulenwicklungen, die im Zwischenraum zwischen
Fahrschiene und Trog angeordnet sind, wird in dem U-förmigen Trog ein magnetisches
Feld induziert, so dass ein offener Magnetkreis entsteht, wobei die freien Enden der
beiden Schenkel des U-förmigen Troges magnetische Polflächen bilden. Auf diesen Polflächen
sind translatorisch verschiebbare Bremsbalken gelagert, deren Gleitflächen auf dem
Trog zur Verschleißminderung und zum Ermöglichen des Schließens der Bremse ohne Rad
in regelmäßigen Abständen geschmiert werden müssen.
[0004] Bedingt durch eine Zwangsführung sind die Bremsbalken nur in Querrichtung zur Schienenlängsachse
verschiebbar. Die Bremsbalken sind dabei so angeordnet, dass die einander gegenüberliegenden
Bremsbalken jeweils eine Bremsrille bilden, durch die jedes auf der zugehörigen Fahrschiene
rollende Rad eines Schienenfahrzeuges hindurch laufen muss. Sobald ein metallisches
Rad eines Schienenfahrzeuges die Bremsrille zwischen den beiden Bremsbalken durchfährt,
werden die Bremsbalken durch Einwirkung magnetischer Kräfte an das Rad des Schienenfahrzeuges
angelegt bzw. angepresst. Durch Einstellen der Stromzufuhr kann somit die auf das
Fahrzeugrad wirkende Bremskraft reguliert werden. Die Bremswirkung der Elektrodynamischen
Gleisbremse wird dabei zum überwiegenden Teil durch Reibung der Bremsbalken an den
Rädern erzeugt. In einem weitaus geringeren Anteil, der unter 10% liegt, bewirkt der
so genannte Wirbelstromeffekt eine Bremswirkung. Im Falle der Elektrodynamischen Gleisbremse
entsteht der Wirbelstromeffekt dadurch, dass das durch die Bremsrille rollende Rad
die aus dem Bremsflächen der Bremsbalken austretenden bzw. eintretenden magnetischen
Feldlinien schneidet. Die dadurch im metallischen Rad induzierten Wirbelströme bewirken
eine bremsende Kraft auf das Rad.
[0005] Um eine möglichst große Reibung zwischen der Bremsfläche des Bremsbalkens mit dem
Rad zu erzeugen, wird die Härte der Bremsfläche ungefähr gleich der Härte des Rades
eingestellt. Dies wird gewöhnlich durch eine Auftragsschweißschicht mit der entsprechenden
Härte auf die Bremsfläche der aus gewöhnlichem Baustahl (St37-2) bestehenden Bremsbalken
erreicht.
[0006] Es ist bekannt, dass es bei metallischen Reibpaarungen gleicher Härte zu Fresserscheinungen,
infolge von Kaltverschweißungen und deren Aufreißen kommt. Der davon herrührende Verschleiß
der Bremsflächen an den Bremsbalken der Elektrodynamischen Gleisbremsen ist aber erfahrungsgemäß
gering, so dass eine Standzeit von mehreren Jahren erreicht wird. Das Fressen an den
Reibflächen regt aber den Bremsbalken sowie das Rad zu Schwingungen an, was sich in
starker Geräuschemission, insbesondere in Quietschgeräuschen äußert.
[0007] Bekannt ist eine Gleisbremse für Schienenfahrzeuge, die aus einer Vielzahl von länglichen
Bremsklötzen besteht, die mit Abstand hintereinander auf einem durchgehenden Bremsbalken
mittels Schraubbolzen befestigt sind. Die dem Schienenrad zugewandte Fläche der Bremsklötze
wird als Bremsfläche bezeichnet und besteht aus einem Matrixwerkstoff, z. B. in Form
eines Gusskörpers aus Kugelgraphit. In diese Bremsflächen sind Einsätze aus einem
unter Bremslast temperaturfesten, Abrieb erzeugenden Werkstoff, beispielsweise zylindrische
Bolzen aus Sinterkeramik, eingefügt, beispielsweise in Sacklochbohrungen eingepresst.
[0008] Die unangenehmen hochfrequenten Bremsgeräusche werden durch die durch den Bremsvorgang
zwischen Bremsfläche und Schienenrad erzeugten Abriebpartikel erheblich reduziert.
Außerdem wird durch die Abriebpartikel der Reibwert erhöht, was zu einer besseren
Bremsleistung der Gleisbremse führt (
DE 10 2011 115 089 A1).
[0009] Der Nachteil dieser Erfindung besteht darin, dass zur Schallreduzierung spezielle
Einsatzkörper erforderlich sind, die eine Zwischenschicht zwischen Schienenrad und
Bremsfläche bilden. Abgesehen davon, dass Abrieb immer eine Umweltbelastung darstellt,
müssen die Abriebkörper fest in die Bremsfläche der Bremsklötze eingepresst werden,
was einen erhöhten Fertigungsaufwand erfordert.
[0010] Bekannt sind ferner Bremsbalken für Balkengleisbremsen mit segmentierten Verschleißelementen,
die über schwingungsdämpfende Materialien auf dem Bremsbalken aufliegen bzw. an diesem
angeformt sind und dort über Bolzen mit Spiel befestigt sind. Zwischen benachbarten
Verschleißelementen befinden sich ebenfalls schwingungsdämpfende Materialien. Jeder
Bremsbalken weist ein zu den abzubremsenden Fahrzeugrädern hin offenes U-Profil auf,
das durch Stege in eine Vielzahl von in Längsrichtung des Bremsbalkens aneinandergrenzenden
Kammern unterteilt ist. In jeder Kammer ist ein Verschleißelement mittels einer dieses
allseitig umschließenden Tasche schwimmend gelagert und ragt aus den Kammern hervor.
Die Taschen selbst bestehen aus einem schwingungsdämpfenden Material, beispielsweise
Gummi, bestimmten Kunst- oder Schaumstoffen. Jedes Verschleißelement ist zusammen
mit seiner Tasche über mindestens einen Bolzen gehalten, der durch mindestens einen
Schenkel des U-Profils hindurchgeführt ist und zumindest in das Verschleißelement
hineinragt. Die Ausnehmung im Verschleißelement zur Aufnahme des Bolzens ist berührungslos
zum Verschleißelement ausgebildet (
DE 39 30 332 A1).
[0011] Der Nachteil dieser auf einer schallgedämmten Trennung von mit dem Schienenrad in
Berührung kommenden Verschleißelement und Bremsbalken beruhenden technischen Lösung
besteht in ihrem ausgesprochen hohen Fertigungsaufwand. Die Verschleißelemente werden
von dem schwingungsdämpfenden Material formschlüssig aufgenommen und müssen mit diesem
und mit dem U-Profil des Bremsbalkens verbunden werden, wobei zudem eine Berührung
zwischen dem Verschleißelement und dem Verbindungsmittel vermieden werden muss.
[0012] Beide technische Lösungen haben zudem den Nachteil, dass zur Aufnahme und Arretierung
des schwingungsdämpfenden Materials separate Bremsleisten oder Bremsklötze erforderlich
sind, die über Schraubverbindungen mit dem Bremsbalken verbunden sind. Das bedingt
einen zusätzlichen Montageaufwand und birgt die Möglichkeit des Lösens der Verbindung,
wodurch die Bremsgeräusche noch verstärkt werden.
[0013] Eine direkte Verbindung des schwingungsdämpfenden Materials mit dem Bremsbalken ist
bei einer Gleisbremse bekannt, bei der auf dem Bremsbalken mit Abstand hintereinander
Segmente als Bremsbeläge angeordnet sind. Die Bremsbeläge sind in Aussparungen des
Bremsbalkens, die durch quer zur Längsachse des Bremsbalkens verlaufende Stege getrennt
sind, formschlüssig eingebaut und mittels Schraubenbolzen befestigt. Zur Reduzierung
der Lärmbelästigung beim Bremsvorgang sind die Segmente als Sandwichsegmente ausgebildet,
die mindestens zwei horizontale, aufeinanderliegende Schichten aus voneinander unterschiedlichem
Material aufweisen. Die einzelnen Schichten können z. B. aus einem Oberteil aus Stahl
und einem Unterteil ebenfalls aus Stahl bestehen. Die zwischen Ober- und Unterteil
befindliche mittlere Schicht kann z. B. aus Kunststoff, Eisen, Eisenlegierungen, Nicht-Eisenmetallen,
Sintermetallen, Keramik oder einem organischen Werkstoff bestehen (
CH 634 514 A5).
[0014] Die in dieser Veröffentlichung beschriebene Sandwichbauweise ist aus maschinenbautechnischer
Sicht nicht standfest genug, da die Einspannung von Materialien geringerer Druckfestigkeit
in einer Schraubverbindung nur geringe Vorspannkräfte zulässt und zudem schnell ein
Verlust der Vorspannung durch Setzung eintritt. Die Bestandteile der Sandwichbremsbeläge,
die einen geringeren Elastizitätsmodul aufweisen, also plastische oder quasielastische
Eigenschaften aufweisen, geben dem Druck der Schraubverbindung nach, so dass sich
diese lockert und durch die dadurch entstehenden Schwingungen wiederum die Bremsgeräusche
lauter werden. Zudem begünstigen die je Sandwichsegment vorhandenen beiden Trennfugen
zwischen den unterschiedlichen Materialien die Setzerscheinungen. Ein wesentlicher
Nachteil besteht auch in einem erhöhten Fertigungs- und Montageaufwand der Sandwichbremsbeläge.
Sie müssen exakt entsprechend der Länge der Aussparungen des Bremsbalkens hergestellt
und zudem durch mehrere Schraubverbindungen mit dem Bremsbalken verbunden werden.
Die Erfindung und ihre Vorteile
[0015] Der erfindungsgemäße schallemissionsgeminderte Bremsbalken mit den Merkmalen des
Anspruchs 1 lässt sich wesentlich einfacher herstellen als die aus dem Stand der Technik
bekannten Balkengleisbremsen, an denen zur Aufnahme der schalldämmenden Materialien
Bremsleisten oder -klötze befestigt sind. Das wird dadurch erreicht, dass die sich
in Längsrichtung des Bremsbalkens erstreckende schalldämmende Einlage mit hoher innerer
Dämpfung unmittelbar in den Grundkörper des Bremsbalkens von dessen Bremsfläche her
eingebracht ist. Hierzu wird in den Grundkörper des Bremsbalkens ein Schlitz, beispielsweise
durch Fräsen, eingearbeitet. Anschließend wird in die entstandene Nut die schalldämmende
Einlage eingebracht. Dadurch, dass der Grundkörper des Bremsbalkens lediglich genutet
ist und das Dämmmaterial in diese Nuten eingepresst wird, entfallen die o. g. zusätzliche
Teile zur Aufnahme der Einlagen und jegliche Schraubverbindung. Darin besteht auch
der wesentliche Unterschied zum Stand der Technik, dass der Grundkörper des Bremsbalkens
selbst die schalldämmende Einlage in seinem Inneren aufnimmt. Somit ist die Herstellung
der Bremsbalken wesentlich einfacher und damit auch kostengünstiger. Überraschenderweise
sind die zwischen oberer und unterer "Lamelle" des Bremsbalkens vorhandenen Schallbrücken
für die Bremsgeräuschentwicklung von untergeordneter Bedeutung, da die nahe Anordnung
des Dämpfungsmaterials zum Ort der Schwingungserregung, nämlich der Bremsfläche, eine
effektive Dämpfung bewirkt. Außerdem wird das Dämpfungsmaterial nicht durch Teile
oder Befestigungsmittel der Balkengleisbremse unterbrochen, so dass es als kompakte,
ununterbrochene Einlage wirksam ist. Im Unterschied zum Stand der Technik berührt
das Dämpfungsmaterial das abzubremsende Rad nicht, wodurch, abgesehen von dem beim
Bremsvorgang selbst entstehenden Abrieb, ein zusätzlicher Abrieb vermieden wird.
[0016] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die schalldämmende Einlage
einstückig ausgebildet. Eine einstückige Einlage lässt sich einfacher in den Grundkörper
des Bremsbalkens einbringen und befestigen. Selbstverständlich ist es auch möglich,
dass die Einlage aus mehreren, dicht aneinander liegenden Teilstücken besteht. Durch
ihre Elastizität werden ihre Berührungsflächen im eingebauten Zustand dicht aneinander
gepresst, so dass sie quasi wie eine ununterbrochene Einlage wirken.
[0017] Nach einer ebenfalls vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die schalldämmende
Einlage in der ausgearbeiteten Nut des Bremsbalkens kraftschlüssig befestigt, beispielsweise
eingepresst. Durch diese einfache Technologie wird eine noch kostengünstigere Herstellung
der Bremsbalken erreicht.
[0018] Nach einer anderweitigen vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung besteht die schalldämmende
Einlage aus einem Elastomer.
[0019] Nach einer diesbezüglich vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung werden die Eigenschaften
des Elastomers so gewählt, dass eine innige Verbindung, ähnlich einer Vulkanisierung,
mit der Metalloberfläche in der Nut erfolgt, wodurch das Dämpfungsmaterial ungeachtet
der Schwingungsbeanspruchung sicher in der Nut verbleibt und nicht nach außen in Richtung
Bremsfläche wandert.
[0020] Nach einer zusätzlichen vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung besteht die schalldämmende
Einlage aus einem Gummi mit einer Härte von 50 bis 55 Shore (A). Versuche haben gezeigt,
dass bei Verwendung eines solchen Materials eine besonders hohe Dämpfung beim Bremsvorgang
und somit Verringerung der Schallemission erreicht wird.
[0021] Weitere Vorteile und vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind der nachfolgenden
Beschreibung, der Zeichnung und den Ansprüchen entnehmbar.
Zeichnung
[0022] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und im Folgenden
näher beschrieben. In der Zeichnung zeigen:
- Fig. 1
- einen Bremsbalken in einer teilgeschnittenen Seitenansicht und
- Fig. 2
- den Bremsbalken aus Fig. 1 im Schnitt.
Beschreibung des Ausführungsbeispiels
[0023] Fig. 1 zeigt einen Bremsbalken 1 in stehender Lage mit einer Bremsfläche 2, in den
eine Nut 3 eingebracht ist, die mit einem Elastomer 4 als schalldämmende Einlage ausgefüllt
ist. Die Bremsfläche 2 wird durch eine Auftragsschweißung 5 gebildet.
[0024] Fig. 2 zeigt den Bremsbalken im Schnitt. Die Breite der Nut 3 beträgt 20 bis 25%
der Bremsbalkendicke, ihre Tiefe 50 bis 60% der Bremsbalkenbreite.
[0025] Es ist auch zu erkennen, dass die schalldämmende Einlage 4 nicht bis an die Bremsfläche
2 heran ragt, sondern noch vor der Auftragsschweißung 5 endet.
[0026] Alle in der Beschreibung, den nachfolgenden Ansprüchen und der Zeichnung dargestellten
Merkmale können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination miteinander erfindungswesentlich
sein.
Bezugszahlenliste
[0027]
- 1
- Bremsbalken
- 2
- Bremsfläche
- 3
- Nut
- 4
- Elastomer
- 5
- Auftragsschweißung
1. Schallemissionsgeminderter Bremsbalken für Elektrodynamische Gleisbremsen, bestehend
aus einem Grundkörper mit einer Bremsfläche sowie sich in Längsrichtung des Grundkörpers
erstreckenden schalldämmenden Materialien mit hoher innerer Dämpfung,
dadurch gekennzeichnet,
dass die sich in Längsrichtung des Bremsbalkens (1) erstreckenden schalldämmenden Materialien
aus einer Einlage (4) bestehen, die zurückgesetzt von der Bremsfläche (2) innerhalb
des Grundkörpers des Bremsbalkens (1) angeordnet ist.
2. Bremsbalken nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die schalldämmende Einlage (4) einteilig ausgebildet ist.
3. Bremsbalken nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die schalldämmende Einlage (4) in einer in den Grundkörper des Bremsbalkens (1) eingearbeiteten
Nut (3) kraftschlüssig befestigt ist.
4. Bremsbalken nach Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die schalldämmende Einlage aus einem Elastomer (4) besteht.
5. Bremsbalken nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Eigenschaften des Elastomers (4) so gewählt sind, dass eine innige Verbindung,
ähnlich einer Vulkanisierung, mit der Metalloberfläche in der Nut (3) erfolgt.
6. Bremsbalken nach Anspruch 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Elastomer (4) eine Härte von 50 bis 55 Shore (A) aufweist.