[0001] Bei einem Stiefel, der nach einem konventionellen Design gefertigt ist, kann eine
Schaftweite eines Stiefels dadurch eingestellt werden, dass ein Schlitz vorgesehen
ist, dessen Weite durch Schnürsenkel eingestellt wird, wie zum Beispiel in der
EP 0569012 B1 gezeigt. Des Weiteren ist es bekannt, einen fertigen Schuh durch einen Schuhweiter
nachträglich geringfügig zu verformen, um ihn an eine individuelle Fußform anzupassen,
wie zum Beispiel in der
US 2006/0117501A1 offenbart ist.
[0002] Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Beschreibung, ein Verfahren zum Herstellen eines
Stiefels mit einem nahtlosen Schaft anzugeben.
[0003] Die vorliegende Beschreibung offenbart ein Verfahren zur Formung eines Oberleders,
bei dem zunächst ein schlauchförmiges einstückiges Oberleder als Abschnitt eines Beinbereichs
einer Bovidenhaut bereitgestellt wird, der vor der Verarbeitung als Oberleder besonders
gegerbt und danach geweitet wird. Mit Beinbereich ist der Bereich um einen der Läufe
gemeint. Insbesondere eignet sich der Vorderlaufbereich um die Vorderläufe.
[0004] Bei der hier eingesetzten Ledergerbung erhält eine Tierhaut Beständigkeit gegenüber
Wasser- und Fäulnis durch einen Prozess, der bisher synthetisch nicht nachgebildet
werden kann. Die Eiweißfaser wird dabei in Lederfaser umgewandelt.
[0005] Vor dem eigentlichen Gerben wird das Leder in einer Wasserwerkstatt vorbearbeitet.
Beim ersten Arbeitsgang, der Weiche, wird die Haut in Wasser eingelegt, damit sie
gereinigt und auf den ursprünglichen, natürlichen Wassergehalt gebracht wird. Anschließend
wird sie zur Entfernung der behaarten Oberhaut und zur Auflockerung des Fasergefüges
einige Stunden bis Tage in den Äscher eingelegt. Der Äscher kann beispielsweise Kalkmilch,
Kalk und Sulfide und/oder Enzyme aufweisen. Die geweichte und enthaarte Haut wird
als Blöße bezeichnet.
[0006] In einem weiteren Schritt des Entfleischens wird die Unterhaut mechanisch entfernt,
so dass schließlich nur noch die Lederhaut übrig bleibt. Beim Spalten wird die Lederhaut
horizontal über die ganze Fläche durchgeschnitten. Durch die starke alkalische Behandlung
des Äschers quillt die Haut stark auf. Beim Entkälken werden die Äscherchemikalien
aus der Haut entfernt, der pH-Wert wird weitgehend neutralisiert, und die Haut erhält
ihren natürlichen Quellungszustand. Dadurch können die Chemikalien und Gerbstoffe
leichter in die Haut eindringen.
[0007] Die vorliegende Beschreibung setzt eine sehr langsame Vegetabilgerbung mit pflanzlichen
Gerbstoffen (Tannine in Blättern, Rinden, Hölzern und Früchten) und/oder eine Fettgerbung
beziehungsweise Sämischgerbung zum Beispiel mit Fisch-, und Seetierölen (Trane) oder
mit Fetten des Gehirns ein, oder auch eine synthetische Gerbung mit synthetisch hergestellten
Gerbstoffen (Syntane, Harzgerbstoffe, Polymergerbstoffe, Polyphosphate, Paraffinsulfochlorid),
die man auch zur Gerbung von Transmissionsriemen einsetzen könnte.
[0008] Die Natur der Vegetabilgerbstoffe erfordert eine behutsame Vorgerbung zur ersten
Stabilisierung des Fasergefüges der Haut. Insbesondere kann eine bis zu zwölf Monate
dauernde Vorgerbung in verdünntem Gerbstoff durchgeführt werden, die auch als "Altgrubengerbung"
bezeichnet wird.
[0009] Bei der Fettgerbung werden Fette mit gerbender Wirkung, wie zum Beispiel Trane bzw.
Fischöle in das Leder eingebracht. Zum Einbringen der wasserabweisenden Fettstoffe
in das nasse Leder werden Leder nicht mit den rohen Fettstoffen behandelt, sondern
mit Gemischen, die erhebliche Anteile emulgierender Stoffe enthalten. Das können Seifen,
sulfierte oder oxidierte oder chlorierte Fette sein, die dann "Licker" genannt werden.
Unter "Lickern" versteht man unter anderem das Nachfetten mit emulgierten Fetten und
verwandten Stoffen (Lickerfette) im Fass bei mittleren Temperaturen.
[0010] Sofern in der vorliegenden Beschreibung Produktangaben genannt sind handelt es sich
um solche der Firma Bayer/Lanxess.
[0011] Das Oberleder wird durch eine Fettgerbung unter Verwendung von Fett und Licker vorgegerbt,
wobei sich insbesondere Tran und Baykanollicker, wie zum Beispiel Baykanollicker T,
eignen.
[0012] Danach wird das Oberleder durch eine Vegetabilgerbung unter steigender Konzentration
einer Gerbstoffmischung nachgegerbt, wobei die Konzentration der Gerbstoffmischung
im Bereich von 3 - 6 Beaume-Grad liegt.
[0013] Bei den in der vorliegenden Beschreibung genannten äußeren Bereichsgrenzen bei den
Mengenangaben handelt es sich um solche, bei denen sich eine ausreichende Dehnbarkeit
des nahtlosen Schaftes ohne Zerreißen bei einer noch hinnehmbaren Dauer der Gerbung
einstellt. Mehr Toleranz im Hinblick auf die Mengenangaben führt jedoch zu unbrauchbaren
Ergebnissen, soweit nicht explizit etwas anderes angegeben ist. In der Beschreibung
und in den Patentansprüchen wird diese Toleranz durch die Bezeichnung "etwa" zum Ausdruck
gebracht.
[0014] Die Gerbstoffmischung zum Nachgerben weist etwa 49 Teile eines pflanzlichen Gerbstoffs
auf und etwa 51 Teile eines synthetischen Tannin-Gerbstoffes auf. Das oben genannte
Gewichtsverhältnis von 49 zu 51 Teilen ergibt eine besonders intensive Nachgerbung.
Jedoch ergibt sich auch bei einem Verhältnis von 40 zu 60 Teilen oder bei einem Verhältnis
von 55 zu 45 Teilen von pflanzlich zu synthetisch noch eine gute Nachgerbung. Jedoch
wird bei mehr als 55 Teilen pflanzlichen Gerbstoffs die Gerbwirkung zu schwach.
[0015] Als pflanzlicher Extrakt kann insbesondere ein aus der Rinde oder dem Holz eines
Baumes gewonnener Extrakt verwendet werden und dabei insbesondere ein kaltlöslicher
Quebrachoextrakt. Der synthetische Tannin-Gerbstoff besteht vollständig oder zum überwiegenden
Teil aus einem synthetisch hergestellten Tannin wie zum Beispiel aus Tanigan der Firma
Bayer/Lanxess.
[0016] Bei der Nachgerbung erweist sich die Verwendung von Tanigan in dem synthetischem
Tannin-Gerbstoff als vorteilhaft, wobei sich der Anteil des synthetischen Tannin-Gerbstoffes
aus etwa 96 Gewichtsprozent Tanigan und etwa 4 Gewichtsprozent eines weiteren synthetischen
Gerbstoffes zusammensetzt.
[0017] Dies ergibt bei 51 Teilen synthetischen Tannin-Gerbstoffes etwa 49 Teile Tanigan
und etwa 2 Teile des weiteren synthetischen Tannin-Gerbstoffes. Auch bei einer Zusammensetzung
von 48 Teilen zu 3 Teilen, entsprechend 96 Gew.% zu 4 Gew.%, ergibt sich noch eine
sehr brauchbare Gerbwirkung. Auch mit nur 40 - 45 Teilen Tanigan, entsprechend 78
Gew.% bis 88 Gew.% Tanigangehalt, lässt sich die Gerbung noch durchführen, allerdings
mit immer deutlicher verminderter Qualität. Mit weniger als 40 Anteilen ist das Ergebnis
nicht mehr zufriedenstellend.
[0018] Insbesondere erweist sich eine Mischung des Produkts Tanigan extra NR zum beschleunigten
Durchgerben und Aufhellen der Lederfarbe und dem Produkt Tanigan BL zum Bleichen als
vorteilhaft.
[0019] In einem weiteren Schritt wird das Oberleder mit einer Lickermischung gelickert,
die Wasser, einen anionischen Emulgator und einen Licker aufweist. Das Wasser hat
dabei vorzugsweise eine Temperatur von etwa 45 °C, jedoch kann auch Wasser im Temperaturbereich
von 40 - 50°C verwendet werden. Erfahrungsgemäß ist auch eine Lickertemperatur von
bis zu 60 °C noch möglich. Andererseits kann auch eine Lickertemperatur von 30 °C
noch zu brauchbaren Ergebnissen führen, jedoch verlängert sich dann die Behandlungsdauer
erheblich.
[0020] Zum Lickern werden 200 - 300 % Wasser, bezogen auf das vor dem Lickern vorliegenden
Ledergewicht benötigt. Auch die weiteren Prozentangaben der Mischungen für das Vorgerben
und Lickern beziehen sich, sofern nicht anders angegeben, auf ein vor dem jeweiligen
Verfahrensschritt vorliegenden Ledergewicht. Wird vor dem Lickern gewelkt so ist das
Ledergewicht das Abwelkgewicht. Wird zusätzlich noch gefalzt so ist es das Falzgewicht.
[0021] Eine gute Durchfettung ergibt sich bei Verwendung von 2% Cutisan BS und 1% Baykanollicker
T, bezogen auf das Ledergewicht. Auch bei einer Verwendung von nur 1% Cutisan BS und/oder
von nur 0.5% Baykanollicker T ergibt sich noch eine akzeptable Durchfettung. Es ist
auch möglich, mehr Cutisan BS oder mehr Baykanollicker T als angegeben zu verwenden,
jedoch sind 2% Cutisan BS und 1% Baykanollicker völlig ausreichend. Anstatt von Baykanollicker
T kann auch ein anderer Baykanollicker verwendet werden. Auch das Produkt Coripol
eignet sich.
[0022] In einem weiteren Ausführungsbeispiel werden der Lickermischung aus dem Licker und
dem anionischen Emulgator nach dem Lickern des Oberleders etwa 2% Tanigan supra LH
als Nachsatz hinzugefügt, so dass eine verbesserte Gerbung erreicht wird. Auch mit
einem Nachsatz von nur 1% Tanigan supra LH wird die Gerbwirkung noch merklich intensiviert.
[0023] Die besondere Gerbung der für das Oberleder des Stiefels eingesetzten Haut ermöglicht
ein großes Weiten, wie es für einen einteiligen Stiefelschaft notwendig ist. Ohne
die besondere Gerbung gemäß der Anmeldung würde das Oberleder beim Weiten reißen.
[0024] Zum Weiten des Schaftes wird, nachdem die oben beschriebenen Verfahrensschritte durchgeführt
wurden, ein Stiefelschaftweiters in einen Schaft des Oberleders eingeführt. Mit dem
Stiefelschaftweiter wird das Oberleder um mindestens 100 % bezogen auf den Umfang
an der engsten Stelle eines Schaftbereichs des Oberleders geweitet.
[0025] Beim Weiten durch den Stiefelschaftweiter wird ein Vortrieb mittels eines Keileffekts
in eine Spreizbewegung umgewandelt wird. Die Spreizbewegung kann insbesondere so erfolgen,
dass ein Vorderkeil und ein Hinterkeil des Stiefelschaftweiters scharnierartig auseinanderklappen.
Gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel kann die Schaftweitung auch so erfolgen,
dass ein oder mehrere Teile durch einen Schraubenmechanismus und/oder einen Keil auseinanderbewegt
werden.
[0026] Gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel wird eine verbesserte Fettgerbung und ein
Weichmachen des Leders dadurch erreicht, dass das Vorgerben einen Schritt des Walkens
mit einer Mischung aus 100 % Wasser, 12 - 15 % Tierfett, beispielsweise Tran, und
etwa 4% Licker bei einer Temperatur von etwa 28 - 30 °C aufweist. Auch ein Temperaturbereich
von bis zu 26 °C bis 35 °C ist noch möglich. Der Anteil an Tierfett kann auch nur
10 % oder sogar 17 % betragen.
[0027] Bei einem Gehalt von 4% Licker, bezogen auf das Ledergewicht ergibt sich eine gute
Durchdringung mit Fett. Auch bei Verwendung von nur 2% Licker und nur 10% Tierfett
ist die Durchdringung mit Fett noch ausreichend. Auch hierbei ist die Verwendung von
Baykanollicker T als Licker vorteilhaft, jedoch können auch andere Licker verwendet
werden. Als Tierfett eignet sich vorzugsweise Tran, jedoch können auch Hirnfett, Talg
oder Mark oder eine Mischung von Tran mit diesen Fetten verwendet werden.
[0028] Das Walken kann von Hand oder mit der Zuhilfenahme von Werkzeugen durchgeführt werden
oder aber auch in einem Walkfass, das mit hoher Drehzahl rotiert.
[0029] Um das Gerben zu beschleunigen und einen bessere Durchdringung des Leders mit Gerbstoffen
zu erreichen, kann das Leder vor dem Gerben gepickelt werden. Hierbei erweist sich
ein Pickeln mit einer Mischung aus 100% Wasser, etwa 10% Salz und etwa 3% - 5% Salzsäure
für mindestens 4 Stunden, als wirkungsvoll, wobei die Gewichtsangaben auf das vor
dem Pickeln vorliegende Ledergewicht bezogen sind, also zum Beispiel auf das Blößengewicht.
Es kann auch nur 1% Salzsäure oder 7% Salzsäure zum Pickeln verwendet werden. Bei
höherem Salzsäuregehalt könnte jedoch das Leder beschädigt werden. Der Salzgehalt
kann von 5 bis 15% variieren. Anstatt Salzsäure und Salz können auch Ameisensäure,
Essigsäure oder Milchsäure zum Pickeln verwendet werden. Anstatt 100% Wasser können
auch nur 90% Wasser oder bis zu 110% Wasser verwendet werden.
[0030] Des Weiteren offenbart die vorliegende Beschreibung einen Stiefel mit einem einteiligen
nahtlosen Schaft aus Bovidenleder, wobei das Oberleder des Stiefels mit Fett und Licker
vorgegerbt ist, mit pflanzlichem Gerbstoff und synthetischem Tannin-Gerbstoff nachgegerbt
ist und mit anionischem Emulgator und Licker gelickert ist, wobei der Schaft aus einem
Beinstück der Bovidenhaut geschnitten ist und wenigstens um 100% aufgeweitet ist,
bezogen auf den kleinsten Umfang im Schaftbereich. Das Oberleder kann aber auch auf
den dreifachen Umfang oder mehr aufgeweitet sein.
[0031] Insbesondere offenbart die vorliegende Beschreibung einen Stiefel der nach einem
der vorgenannten Verfahren behandelt und aufgeweitet ist.
[0032] Der Gegenstand der vorliegenden Beschreibung wird nunmehr unter Bezugnahme auf die
folgenden Figuren näher erläutert.
- Fig. 1
- zeigt einen Bereich eines Rinderfelles zur Herstellung eines Oberleders,
- Fig. 2
- zeigt das Abziehen des Bereichs von Fig. 1,
- Fig. 3
- zeigt den Bereich von Fig. 1 nach dem Abziehen,
- Fig. 4
- zeigt eine Streckeinrichtung für ein Oberleder,
- Fig. 5
- zeigt eine Schablone zur Formung eines Oberleders,
- Fig. 6
- zeigt einen Schaftweiter,
- Fig. 7
- zeigt eine perspektivische Detailansicht des Schaftweiters von Fig. 7,
- Fig. 8
- zeigt eine Stellung des Schaftweiters nach erfolgter Schaftweitung, und
- Fig. 9
- zeigt eine Anordnung zur Streckung eines Oberleders.
[0033] Für die Herstellung eines einteiligen Schuhoberleders wird zunächst ein trichterförmiges
Oberleder 10 aus einer Rinderhaut 11 herausgeschnitten. Dieses Oberleder 10 kann beispielsweise
von einer Keule eines Rindes gewonnen werden, wie in Fig. 1 bis 3 veranschaulicht.
In Fig. 1 ist der auszuschneidende Bereich des Oberleders 10 durch gestrichelte Linien
markiert. Das Oberleder 10 wird von oben nach unten von der Rinderkeule abgestreift,
wie in Fig. 2 gezeigt.
[0034] Fig. 3 zeigt das gemäß Fig. 1 und Fig. 2 aus der Rinderhaut 11 ausgeschnittene und
von dem Rinderkörper abgestreifte trichterförmige Oberleder 10. Das Oberleder 10 weist
einen schlauchartigen Bereich 12 bzw. einen Schaft 12 und einen in Bezug zu dem schlauchartigen
Bereich 12 asymmetrisch ausgebildeten trichterförmig erweiterten Bereich 13 auf.
[0035] Abgesehen von Rinderleder können auch Lederstücke aus dem Keulenbereich anderer Boviden
verwendet werden, die eine ausreichend große Keule aufweisen. Insbesondere kommen
hierfür Mitglieder der Unterfamilie "Bovinae" wie zum Beispiel Rinder, Büffel und
Bisons in Betracht.
[0036] Im Folgenden wird der oben beschriebene Gerbvorgang durch ein konkretes Beispiel
weiter verdeutlicht.
[0037] Das Oberleder 10 wird nun entfleischt, enthaart und gepickelt. Das daraus gewonnene
Leder bezeichnet man auch als "Lederblöße" oder als Blöße. Das Pickeln kann zum Beispiel
so erfolgen, dass das Leder mit einer Mischung aus 100 % Wasser, 10 % Salz und 3 -
5 % Salzsäure für mindestens 4 Stunden gepickelt und danach mit einer Mischung, die
12 bis 16 % Antichlor enthält, wieder entpickelt wird, wobei eine möglichst gute Durchentpickelung
anzustreben ist.
[0038] Die Lederblößen werden danach einer Ledergerbung gemäß der vorliegenden Beschreibung
unterzogen. Durch eine Ledergerbung gemäß der vorliegenden Beschreibung kann unter
anderem die Reißfestigkeit und die Dehnbarkeit des Leders verbessert werden, so dass
eine Behandlung mit Dehnungs- und Streckeinrichtungen ohne den Stiefelschaft zu zerreißen
überhaupt erst ermöglicht wird.
[0039] Die gepickelten Lederblößen werden mit einer Mischung aus 12 - 15 % Tran und 4% Baykanollicker
T bei einer Temperatur von 28 - 30 °C gewalkt bis sie völlig durchgegerbt sind.
[0040] Die Lederhaut wird zur Oxydation für ungefähr 1 bis 2 Wochen aufgehängt. Wenn die
Oxidation erfolgt ist, was zum Beispiel an einem goldgelben Schnitt des Leders erkennbar
ist, wird das Leder mit 1 - 3 % Soda bei 38 - 42 °C ausgewaschen. Das Auswaschen wird
so oft wiederholt, bis beim doppelten Biegen kein Tran mehr austritt. Anschließend
wird das Leder lauwarm ausgespült und abgelüftet.
[0041] In einem weiteren Gerbungsprozess wird das Leder unter steigender Konzentration eines
Gerbstoffmittels von 3 bis 6 Baumé-Grad (° Be) nachgegerbt. Dabei hat es sich als
wirkungsvoll erwiesen, die Konzentration des Gerbstoffmittels während des Nachgerbens
von 3 Grad zu 6 Grad Be ansteigen zu lassen anstatt gleich mit der höheren Konzentration
zu arbeiten. Insbesondere kann die Nachgerbung in mehreren Arbeitsgängen erfolgen,
zum Beispiel in 3 Arbeitsgängen, wobei die Konzentration des Gerbstoffmittels für
jeden Arbeitsgang ansteigt.
[0042] Die Konzentration gemäß Beaumé kann beispielsweise mit einer Beaumé-Spindel bzw.
mit einem Aräometer ermittelt werden. Gemäß der vorliegenden Beschreibung enthält
das Gerbstoffmittel 49 Teile kaltlöslichem Quebrachogerbstoff bzw. Quebrachoextrakt,
49 Teile Tanigan extra NR und 2 Teile Tanigan BLG, jeweils auf den Reingerbstoff bezogen.
[0043] Anschließend wird das Leder aufgebockt, gespült und gelickert, wobei der Licker 200
- 300 % Wasser bei 45 °C, 2 % Cutisan und 1% Baykanollicker T, sowie 2 % Tanigan supra
LH als Nachsatz enthält.
[0044] Baykanol-Licker T ist ein Fettungsmittel, das von der Bayer AG hergestellt wird.
Ähnliche Produkte, die ebenfalls verwendet werden können, sind zum Beispiel Baykanol-Licker
KM, Baykanol-Licker SCLM und Baykanol-Licker TSI sowie Baykanol PFM, Baykanol SL und
OC-Produkt 2101, die von der Lanxess AG erhältlich sind.
[0045] Tanigan extra NR, BLG und supra LH sind synthetische Tannine, die von der Bayer AG
hergestellt werden. Bei Tanninen handelt es sich um Polyhydroxyphenole. Ähnliche Produkte,
die ebenfalls verwendet werden können sind zum Beispiel Tanigan 3LN liquid, Tanigan
BN liquid, Tanigan CF liquid, Tanigan HO liquid, Tanigan MB liquid, Tanigan NH, TANIGAN
UW EXP 4006, Tanigan 3LN, Tanigan AN, Tanigan BL-I Tanigan BN, Tanigan CLS 50 liquid,
Tanigan F, Tanigan HO, Tanigan OS, Tanigan OS-N flüssig, Tanigan PAK, Tanigan PAK-N
liquid, Tanigan PR, Tanigan PV, Tanigan QF, Tanigan RFS, Tanigan S EXP 4005 und Tanigan
VR, die von der Lanxess AG erhältlich sind.
[0046] Bei Cutisan BS handelt es sich um einen anionischen Emulgator, der ein Sulfonat des
Typs R-SO3Na ist, und der ein Sulfitierungsprodukt von ungesättigten fetten Ölen und
Fettsäuren ist, wobei "R" für einen langkettigen Alkylrest mit 8 - 24 Kohlenstoffatomen
steht.
[0047] Anionische Emulgatoren sind beispielsweise Sulfate des Typs R-OSO3Na, insbesondere
- Fettalkoholsulfate, primäre und sekundäre, wie zum Beispiel EPPOL DL, PERAMIT ML,
- Fettalkoholether-Sulfate wie zum Beispiel TEXAPON,
- Monoglyceridsulfate wie zum Beispiel VEL,
- Sulfatierungsprodukte von ungesättigten Ölen und Fettsäuren, wie zum Beispiel LEDEROLINOR
DKMS, Sulfonate R-S03Na, insbesondere
- Alkylbenzolsulfonate (ABS, TPS) wie MARLOPON oder MARLON,
- Alkylsulfonat, wie zum Beispiel MERSOLA T,
- Fettsäurekondensationsprodukte wie IGEPONA oder IGEPONT,
- Petrolsulfonate wie GRASSAN,
- Sulfitierungsprodukte von ungesättigten fetten Ölen und Fettsäuren, wie zum Beispiel
CUTISAN BS,
- kurzkettige Alkylbenzolsulfonate, z. B. des Cumols, Toluols oder Xylenols.
[0048] "Antichlor" ist eine andere Bezeichnung für Natriumthiosulfat, das in der Gerbtechnik
dazu verwendet wird, überschüssiges Chlor oder überschüssige Salzsäure aus einer Lösung
zu entfernen.
[0049] Quebrachoextrakt wird aus dem inneren roten Kernholz des Quebrachostammes, der in
Südamerika und hauptsächlich in Argentinien und Paraguay wächst, gewonnen. Mit Quebracho
gegerbtes Leder ergibt ein sehr festes, zähes und rötliches Leder. Das Leder ist nach
der Gerbung lichtempfindlich und wird dunkler.
[0050] Der aus dem Quebrachoholz ausgelaugte Extrakt gehört der Catecholgruppe an und wird
dem kondensierten Gerbstofftyp zugerechnet. Der kaltlösliche Quebrachoextrakt ist
ein sulfitierter Quebrachoextrakt mit erhöhtem Gerbstoffgehalt von 72 bis 80 % ansteigend,
bei dem durch eine besondere Behandlung der Quebrachoholzauszüge mit Sulfit bzw. Bisulfit
die schwerlöslichen Anteile so verändert sind, dass dieser Extrakt mit kaltem Wasser
gelöst werden kann.
[0051] Im Gegensatz dazu sind beim warmlöslichen Quebrachoextrakt, die schwerlöslichen Anteile
nur in warmem Wasser löslich und fallen beim Erkalten aus (Phlobaphene). Diese haben
einen durchschnittlichen Gerbstoffgehalt von etwa 66 % und etwa 7 % Unlöslichem.
[0052] Die oben beschriebene Gerbung mit Tran ist ein Beispiel für eine Fettgerbung. Anstatt
des Trans können Kernseife, Klauenöl, Türkisch Rotöl, Yakbutter oder Eigelb verwendet
werden.
[0053] Anstatt des Quebrachoextraktes können auch andere pflanzliche bzw. vegetabile Gerbstoffe
verwendet werden. Pflanzliche Gerbstoffe werden unter anderem aus folgenden Pflanzenteilen
gewonnen:
| Rinden |
Hölzer |
Früchte |
Blätter |
Wurzeln |
Auswüchse |
| Eichenrinde |
Eichenholz |
Valonea |
Sumach |
Badan |
Gallen |
| Fichtenrinde |
Quebrachoholz |
Trillo |
Gambier |
Canaigre |
Knoppern |
| Mimosarinde |
Kastanienholz |
Myrobalanen |
|
|
|
| Mangroverinde |
Urundayholz |
Algarobilla |
|
|
|
| Malettorinde |
Tizeraholz |
Dividivi |
|
|
|
| Weidenrinde |
Katechuholz |
Tara |
|
|
|
| Hemlockrinde |
|
Bablah |
|
|
|
[0054] Die Auswahl des pflanzlichen Gerbstoffes hängt von den Eigenschaften ab, die mit
dem Gerbstoff erzielt werden sollen. So eignet sich zum Beispiel Eichenrinde für ein
festes, zähes gelb-braunes Leder mit dunklem Schnitt, Gambier-Extrakt für weiches,
elastisches Leder, Kastanienholz-Extrakt für gleichmäßiges, kompaktes und ständiges
Leder mit hoher Lichtechtheit, Mimosa-Extrakt für die Herstellung von Sohlen-, Riemen-,
Taschen- und Möbelleder, Mimosa-Rinde für festes, helles und leicht rot-stichiges
Leder, Myrabolan-Extrakt für die Kombination mit anderen Gerbstoffen und für weiches
Leder, Sumach für weiches, flexibles und helles Leder, Tara für ein gut färbbares
Leder mit hoher Lichtechtheit, Trillo für anschmiegsam weiche wie auch feste und ständige
Leder, und Valonea-Extrakt für weiche Leder.
[0055] Nach dem Gerbvorgang wird das Oberleder 10 geweitet und geformt. In Fig. 4, 5 und
6 sind verschiedene Vorrichtungen gezeigt, die gemäß der vorliegenden Beschreibung
dafür verwendet werden können.
[0056] Da in den Rezepturen für die Lederherstellungsprozesse die Mengenangaben meistens
in % angegeben werden, benötigt man hierfür Bezugsgrößen, wobei häufig das Ledergewicht,
das vor der jeweiligen Phasen des Gerbvorgangs vorliegt, genommen wird.
[0057] Wird die Blößenherstellung und die Entkälkung und Beize sowie die nachfolgende Gerbung
in einem ununterbrochenen Prozess-Ablauf durchgeführt, wird als Bezugspunkt das Salzgewicht
genommen, d. h. dasjenige Gewicht, das das Hautmaterial nach der Konservierung vor
der Einarbeitung in der Gerberei besitzt.
[0058] Wird nach der Schmutzweiche entfleischt bzw. nach der Hauptweiche entfleischt, wird
hier gewogen und das sich hierbei ergebende Gewicht als Bezugspunkt für die folgenden
Prozesse inkl. der Gerbung herangezogen. Wird nach dem Äscher entfleischt und evtl.
gespalten, wird für die Rezepturen der Weiche und des Äschers das Salzgewicht, für
Entkälkung bis inkl. Gerbung dann das Gewicht des entfleischten und evtl. gespaltenen
Hautmaterials = Blößengewicht als Bezugspunkt herangezogen.
[0059] Eine Auflistung der bei der Lederherstellung verwendeten Bezugsgrößen bietet die
folgende Tabelle:
| Salzgewicht SG |
ca. 45% Wassergehalt |
| Grüngewicht GG |
Salzgewicht + 10-15% = 60 - 70 % Wassergehalt |
| Trockengewicht (Konservierung) |
ca. 15-20% Wassergehalt |
| Trockensalzgewicht |
ca. 20-25% Wassergehalt |
| Blößengewicht |
ca. 80 - 90% Wassergehalt |
| Ausreckgewicht |
ca. 70 % Wassergehalt |
| Abwelkgewicht |
ca. 50 - 60 % Wassergehalt |
| Falzgewicht |
ca. 45 - 50% Wassergehalt |
| Wassergehalt Finalprodukt Leder |
ca.7 - 15% Wassergehalt |
[0060] Fig. 4 zeigt vier Schraubzwingen 15, 16, 17, 18, die an einem Sohlenbereich 19 des
Oberleders 10 festgeklemmt sind. Der Sohlenbereich entspricht dem Rand des trichterförmigen
Bereiches 13. Der schlauchartige Bereich 13 bildet den Schaft 13 des Oberleders. Der
Bereich, der weiter von dem schlauchartigen Bereich 12 absteht, und der aus der Vorderseite
einer Keule herausgeschnitten ist, bildet den Vorderteil 20 des Oberleders 10 und
der Bereich, der weniger von dem schlauchartigen Bereich 12 absteht, und der aus dem
Hinterteil der Keule herausgeschnitten ist, bildet den Hackenbereich 21 des Oberleders.
[0061] Fig. 5 zeigt eine Formschablone 22 aus Holz, die ähnlich zu einem Querschnitt eines
Fußes geformt ist, und die so bemessen ist, dass sie sich in das Oberleder 10 von
dem Sohlenbereich 19 her einführen lässt. Insbesondere kann die Formschablone in Zusammenhang
mit den in Fig. 4 gezeigten Schraubzwingen verwendet werden. Dies ist besonders gut
in Fig. 9 zu erkennen.
[0062] Fig. 6 zeigt einen Stiefelschaftweiter 23, der in den Schaft 12 des Oberleders eingeführt
ist. Der Stiefelschaftweiter 23 ist in Fig. 7 in weiteren Einzelheiten gezeigt.
[0063] Der Stiefelschaftweiter 32 weist einen Frontkeil 24 und einen Rückkeil 25. Der Frontkeil
24 ist mit dem Rückkeil 25 über einen Verbindungsbereich 26 so miteinander verbunden,
dass sich der Frontkeil 24 und der Rückkeil 25 auseinanderklappen lassen, wobei der
Verbindungsbereich 26 ein Scharnier bildet.
[0064] Ein Gestänge 27, an dessen einen Ende ein Handrad 28 befestigt ist, ist in einen
Zwischenraum 30 zwischen dem Frontkeil 24 und dem Rückkeil 25 von der Seite des Verbindungsbereichs
26 her hineingeführt. Das Gestänge 27 weist ein Außengewinde 27 auf, das in ein Innengewinde
eingreift, dass sich im Inneren des Stiefelschaftweiters 32 befindet, und das in Fig.
7 nicht gezeigt ist.
[0065] Dieses Innengewinde ist in Richtung des Gestänges 27 stationär mit dem Vorderkeil
24 und dem Rückkeil 25 verbunden. Ein Druckkörper 30 ist so mit der Gewindestange
27 verbunden, dass er sich bei einer Bewegung der Gewindestange 27 entlang der Längsrichtung
der Gewindestange 27 mit der Gewindestange 27 mitbewegt. Der Druckkörper 30 ist so
bemessen, dass er an den Innenseiten des Vorderkeils 24 und des Rückkeils 25 anliegt,
oder dass er an den Innenseiten eines weiteren Körpers anliegt, der mit den Innenseiten
des Vorderkeils 24 und des Rückkeils 25 in Berührung steht.
[0066] Für ein Weiten des Schafts 12 werden der Vorderkeil 24 und der Rückkeil 25 des Stiefelschaftweiters
23 in den Schaft 12 eingeführt, so dass die äußeren Oberflächen des Vorderkeils 24
und des Rückkeils 25 von innen an dem Schaft 12 anliegen. Hierbei kann eine anfängliche
Winkelstellung zwischen dem Vorderkeil 24 und dem Rückkeil 25 in der weiter unten
beschriebenen Weise eingestellt werden.
[0067] Das Handrad 28 wird in einer Vortriebrichtung 31 gedreht, so dass sich die Gewindestange
27 entlang ihrer Längsachse und in einer Vorwärtsrichtung 32 in den Zwischenraum zwischen
dem Vorderkeil 24 und dem Rückkeil 25 bewegt. Die Vortriebrichtung 31 ist hier für
ein Rechtsgewinde gezeigt und wäre für ein Linksgewinde entsprechend andersherum einzutragen.
Die Verwendung eines Links- oder Rechtsgewindes hängt unter anderem davon ab, ob der
Stiefelschaftweiter 23 von einem Rechts-oder einem Linkshänder bedient werden soll.
[0068] Durch die Bewegung der Gewindestange 27 wird der Druckkörper 30 entlang der Vorwärtsrichtung
32 in den Zwischenraum zwischen dem Vorderkeil 24 und dem Rückkeil 25 hineingetrieben,
so dass eine Keilwirkung entsteht, die den Vorderkeil 24 und den Rückkeil 25 scharnierartig
gegeneinander aufklappen lässt, wobei sich ein Drehpunkt der Aufklappbewegung im Bereich
des Befestigungsbereichs 26 befindet. Somit wirkt der Befestigungsbereich 26 als eine
Art Scharnier.
[0069] Die Aufweitung des Schafts 12 kann insbesondere so erfolgen, dass der Stiefelschaftweiter
23 immer wieder in seiner letzten Stellung festgehalten wird, um das Leder arbeiten
zu lassen. Falls hierfür die Selbsthemmung des Gewindes nicht ausreicht, kann zu diesem
Zweck eine gesonderte Feststellvorrichtung vorgesehen werden. Bei der Weitung des
Stiefelschafts kann eine Verdoppelung oder Verdreifachung des Durchmessers des Schafts
erreicht werden oder sogar ein noch größere Aufweitung. Dies erfolgt, damit der Stiefel
später bequem angezogen werden kann, ohne dass eine zusätzliche Naht, etwa für einen
Reißverschluss, notwendig ist. Außerdem entsteht dadurch ein besonders wasserdichter
und haltbarer Lederstiefel im "the real one piece"-Design.
[0070] Zum Entfernen des Stiefelschaftweiters 23 wird das Handrad 28 entgegen der Vortriebsrichtung
31 gedreht bis sich der Stiefelschaftweiter 23 von der Innenseite des Schafts 12 löst.
[0071] Fig. 8 zeigt eine Stellung des Stiefelschaftweiters 23 nach erfolgter Stiefelschaftweitung,
in der sich der Zwischenraum 33 zwischen Vorderkeil 24 und Rückkeil 25 keilförmig
erweitert hat und in der der Schaft 12 sich soweit erweitert hat, dass er den Durchmesser
eines menschlichen Fußgelenks angenommen hat.
[0072] Fig. 9 zeigt eine weitere Vorrichtung zur Formung eines Oberleders 10, die eine Schablone
22 aufweist, die in das Oberleder 10 von der Seite der Sohle her eingeführt ist. In
dem Beispiel von Fig. 9 sind drei Schraubzwingen 15, 16, 17 jeweils an Auflageplatten
34 nach unten hin gegen eine untere Kante der Schablone 22 abgestützt und eine weitere
Schraubzwinge 18 ist über eine hier nicht gezeigte Auflageplatte nach vorne gegen
eine vordere Kante der Schablone abgestützt.
[0073] Ein erster Bereich des Sohlenbereichs 19 ist jeweils mit einer ersten Befestigungsschraube
35 und einer ersten Halteplatte 36 an der jeweiligen Schraubzwinge 15, 16, 17, 18
befestigt und ein dem ersten Bereich gegenüberliegender zweiter Bereich des Sohlenbereichs
19 ist jeweils mit einer zweiten Befestigungsschraube 37 und einer zweiten Halteplatte
38 an der jeweiligen Schraubzwinge 15, 16, 17, 18 befestigt.
[0074] Weiterhin weisen die Schraubzwingen jeweils eine Gewindestange 39 und einen Drehknauf
40 auf, die in einer im Prinzip bekannten Weise mit einem hier nicht gezeigten Innengewinde
eines Gehäuses 41 und mit der Auflageplatte 34 in Verbindung stehen.
[0075] Wenn beispielsweise der Knauf 40 der Schraubzwinge 15 in einer Vortriebsrichtung
42 gedreht wird, dann bewegt sich das Gehäuse 41 in einer Streckrichtung 43 von der
Unterkante der Schablone 22 fort, so dass das Leder in einer Streckrichtung 44 gestreckt
wird.
[0076] Ähnlich wie bei dem Stiefelschaftweiter 23 kann auch hier ein Links- oder eine Rechtsgewinde
vorgesehen sein. Bei der Vorrichtung von Fig. 9 entspricht die Streckrichtung 43 der
Gegenrichtung der Vorwärtsrichtung 32 von Fig. 7, die Vortriebsrichtung 42 entspricht
der Vortriebsrichtung 31 von Fig. 7, der Drehknauf 40 entspricht dem Handrad 28 von
Fig. 7 und die Gewindestange 39 entspricht der Gewindestange 27 von Fig. 7.
[0077] Anders als bei dem Stiefelschaftweiter 23 von Fig. 7 wird durch die Vorrichtung von
Fig. 9 jedoch eine Streckung durch eine Zugkraft und keine Aufweitung des Oberleders
10 durch einen Keileffekt bewirkt.
[0078] In weiteren Bearbeitungschritten kann zum Beispiel ein Innenschaft bzw. Innenfutter
und ein Zwischenschaft bzw. Zwischenfutter innerhalb des Oberschuhs 10 befestigt werden,
beispielsweise durch Vernähen und eine Innensohle bzw. Brandsohle und eine damit verbundene
Laufsohle kann an dem Sohlenbereich befestigt werden, beispielsweise durch Annageln
oder durch Vernähen.
1. Verfahren zur Formung eines Oberleders, das aufweist:
- Bereitstellen eines schlauchförmigen einstückigen Oberleders als Abschnitt eines
Beinbereichs einer Bovidenhaut,
- Vorgerbung des Oberleders unter Verwendung von Fett und Licker,
- Nachgerbung des Oberleders unter steigender Konzentration einer Gerbstoffmischung,
wobei die Konzentration im Bereich von 3 - 6 Beaumé-Grad liegt, und wobei die Gerbstoffmischung
etwa 49 Teile eines pflanzlichen Gerbstoffs und etwa 51 Teile eines synthetischen
Tannin-Gerbstoffes enthält,
- Lickern des Oberleders mit einer Lickermischung, die Wasser, einen anionischen Emulgator
und einen Licker aufweist, wobei das Wasser etwa 45 °C warm ist,
- Einführen eines Stiefelschaftweiters in einen Schaft des Oberleders,
- Weiten des Schafts mit dem Stiefelschaftweiter um mindestens 100 %.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei sich der Anteil des synthetischen Tannin-Gerbstoffes
aus etwa 96 Gewichtsprozent Tanigan und etwa 2 Gewichtsprozent eines weiteren synthetischen
Tannin-Gerbstoffes zusammensetzt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder Anspruch 2, wobei sich der Anteil des synthetischen
Tannin-Gerbstoffes aus etwa 96 Gewichtsprozent Tanigan extra NR und etwa 4 Gewichtsprozent
Tanigan BL zusammensetzt.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der pflanzliche Gerbstoff
einen kaltlöslichen Quebrachoextrakt aufweist.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Lickermischung zum Lickern
des Oberleders 200 - 300 % Wasser, etwa 2 % Cutisan BS und etwa 1% Baykanollicker
T aufweist.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei nach dem Lickern des Oberleders
mit der Lickermischung aus dem Licker und dem anionischen Emulgator etwa 2% Tanigan
supra LH als Nachsatz hinzugefügt werden.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Vorgerben einen Schritt
des Walkens mit einer Mischung aus etwa 100% Wasser, etwa 12 - 15 % Tierfett und etwa
4% Licker bei einer Temperatur von etwa 28 - 30 °C aufweist.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, das weiterhin einen Schritt des
Pickelns mit einer Mischung aus etwa 100 % Wasser, etwa 10 % Salz und etwa 3 - 5 %
Salzsäure für mindestens 4 Stunden aufweist.
9. Stiefel mit einem einteiligen nahtlosen Schaft aus Bovidenleder, vorbehandelt mit
den folgenden Substanzen:
- Fett und Licker zum Vorgerben,
- pflanzlichem Gerbstoff und synthetischem Tannin-Gerbstoff zum Nachgerben,
- anionischem Emulgator und Licker zum Lickern,
wobei der Schaft aus einem Beinbereich der Bovidenhaut geschnitten ist und wenigstens
um 100% aufgeweitet ist.
10. Stiefel nach Anspruch 9, der mit einem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8
behandelt und aufgeweitet ist.