Gebiet der Erfindung
[0001] Die Erfindung betrifft eine thermodynamische Kreisprozessvorrichtung, insbesondere
eine Organic-Rankine-Cycle-Vorrichtung, umfassend: ein Arbeitsmedium; einen Verdampfer
zum Verdampfen des Arbeitsmediums; eine Expansionsmaschine zum Erzeugen von mechanischer
Energie unter Entspannung des verdampften Arbeitsmediums; einen Kondensator zum Kondensieren
und möglichen Unterkühlen des Arbeitsmediums, insbesondere des in der Expansionsmaschine
entspannten Arbeitsmediums; und eine Pumpe zum Pumpen des kondensierten Arbeitsmediums
zum Verdampfer im Betrieb der thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung. Die Erfindung
betrifft weiterhin ein Verfahren zum Starten einer derartigen thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung.
Stand der Technik
[0002] Ein ORC System besteht aus den folgenden Hauptkomponenten: Eine Speisepumpe, die
das flüssige Arbeitsmedium unter großer Druckerhöhung zum Verdampfer fördert, ein
Verdampfer in dem das Arbeitsmedium verdampft wird, eine Expansionsmaschine, in welcher
der unter hohem Druck stehende Dampf entspannt wird und dabei mechanische Energie
erzeugt wird, welche über einen Generator zu elektrischer Energie gewandelt werden
kann, und einem Kondensator, in dem der Niederdruckdampf aus der Expansionsmaschine
verflüssigt wird. Aus dem Kondensator gelangt das flüssige Arbeitsmedium über einen
möglichen Vorratsbehälter (Speisebehälter) und eine Saugleitung wieder zur Speisepumpe
des Systems.
[0003] Beim Startvorgang soll das Arbeitsmedium möglichst in ausreichender Menge in der
Saugleitung der Pumpe, oder auch dem Speisebehälter vorliegen, so dass während des
gesamten Starts die Pumpe ausreichend Medium zur Verfügung hat.
[0004] Eine zweite Bedingung für die störungsfreie Förderung von Arbeitsmedium durch die
Pumpe ist eine ausreichende Vorlaufhöhe des an der Pumpe anliegenden Fluids (Arbeitsmediums).
Die Vorlaufhöhe (NPSH) ist ein Parameter, der neben der geodätischen Vorlaufhöhe auch
vom thermodynamischen Zustand des Arbeitsmediums beeinflusst wird, was wie folgt erklärt
werden kann. Ist die Unterkühlung (der Abstand zum Siedepunkt) des Fluids am Eintritt
der Pumpe nicht ausreichend hoch, kann es zur kurzzeitigen Verdampfung des Fluids
am Pumpeneintritt kommen. Dieses Phänomen kann zu Schäden an der Pumpe und zum teilweisen
oder vollständigen Erliegen des Förderstromes führen. Man spricht von Kavitation.
Der Abstand zum Siededruck des Fluids am Eintritt der Pumpe wird als Vorlaufhöhe bezeichnet.
Ein Parameter zur Quantifizierung dafür ist der NPSH-Wert (Net Positive Suction Head).
Hierbei wird zwischen benötigter, pumpenspezifischer (NPSH
r) und anliegender (NPSH
a) Vorlaufhöhe unterschieden, wobei der anliegende NPSH
a-Wert von mehreren anlagen- und betriebsspezifischen Parametern (Temperatur, Druck
aufgrund von geodätischer Vorlaufhöhe, Sättigungsdruck, Inertgaspartialdruck, wobei
der Inertgaspartialdruck ein zusätzlicher Partialdruck eines nicht-kondensierenden
Gases ist, das zusätzlich im Kreislauf vorliegen kann) abhängig ist. Für einen sicheren
Betrieb der Pumpe muss der anliegende NPSH
a-Wert immer über dem benötigten NPSH
r-Wert liegen.
[0005] Speziell für Kreislaufsysteme wie einem ORC stellt Kavitation eine Herausforderung
dar. Hier muss flüssiges Kondensat mit geringem oder sogar keinem Abstand zum Siedepunkt
und folglich geringem anliegendem NPSH
a-Wert gepumpt werden. Da der benötigte NPSH
r-Wert durch die Pumpenkonstruktion festgelegt ist, kann dieser nur begrenzt beeinflusst
werden und es muss prozesstechnisch zu jedem Betriebszeitpunkt sichergestellt werden,
dass der anliegende NPSH
a-Wert nicht den benötigten Wert unterschreitet.
[0006] Wird ein ORC System heruntergefahren z.B. durch Wegfall / Abstellen der Wärmequelle
oder durch ein Notabfahren des Systems, kann es zu einer unkontrollierten Verteilung
von Arbeitsmedium im System kommen (z.B. in Expansionsmaschine, horizontalen Rohren
oder Flüssigkeitssäcken), wobei das Arbeitsmedium nicht zum Speisebehälter fließt.
Das kann dazu führen, dass nicht ausreichend Arbeitsmedium für die Speisepumpe für
den gesamten Anfahrvorgang zur Verfügung steht. Der Anfahrvorgang umfasst das Füllen
des Verdampfers, Verdampfen von Arbeitsmedium und dabei Aufbau von Druck, Starten
der Expansionsmaschine und Beginn der Kondensation und damit Rückfluss von Arbeitsmedium
zur Speisepumpe.
[0007] Die ungünstige Verteilung von Arbeitsmedium und das damit verbundene schwierige oder
sogar nicht mögliche Anfahren ist ein bekanntes Problem, wofür es nach dem Stand der
Technik verschiedene Lösungsvorschläge gibt. In
EP 2 613 025 A1 (System and methods for cold startup of rankine cycle devices) wird eine geordnete
Verteilung des Arbeitsmediums durch ein schlagartiges Öffnen eines Ventils und ein
"Freispülen" von Anlagenteilen mit Ansammlungen von flüssigem Arbeitsmedium vorgeschlagen.
Hierzu werden allerdings ein oder mehrere Ventile als zusätzliche Komponenten benötigt.
In
EP 2 345 797 A2 (Fluid feedback pump to improve cold start performance of organic rankine cycle plants)
wird das Arbeitsmedium mittels zusätzlicher Pumpen an die richtigen Stellen des Systems
gepumpt. Auch hier sind zusätzliche Komponenten in Form von Pumpen notwendig um einen
zuverlässigen Start des Systems zu garantieren.
[0008] Der Stand der Technik lehrt weiterhin, dass Dampfleitungen stets fallend zum Kondensator
/ Speisebehälter zu verlegen sind. Dies bedeutet, dass der Verdampfer an der höchsten
Stelle untergebracht werden muss und im Stillstand Kondensat über den Kondensator
in Richtung Speisebehälter fließt. Dies ist aber bei der kompakten Bauweise von ORC-Systemen
nur schwer oder gar nicht zu realisieren, insbesondere wenn eine maximale Bauhöhe
eingehalten werden soll. Selbst wenn der Verdampfer an der höchsten Stelle untergebracht
wird, was das automatische Sammeln des Arbeitsmediums im Kondensator / Speisebehälter
zur Folge hätte, würde das Problem von Systemzuständen mit nicht ausreichender anliegender
Vorlaufhöhe NPSH
a wie oben beschrieben nicht behoben.
[0009] Durch die beiden aufgeführten Offenbarungen aus dem Stand der Technik kann aber ein
weiteres Problem nicht gelöst werden: Beim Anfahren des ORC-Systems kann es zu einer
Situation kommen, in der die Speisepumpe und ggf. auch deren Zuleitung eine höhere
Temperatur aufweisen als das angesaugte Arbeitsmedium aus dem Kondensator oder als
das gerade im Kondensator kondensierende Arbeitsmedium. Der Kondensator, der im Kreislauf
als Wärmesenke dient, kann im Stillstand zur kältesten Stelle im System werden, z.B.
bei Außenaufstellung des externen Kondensators an Luft bei kalten Außentemperaturen
und einer sich in einem Maschinengehäuse/- gebäude befindlichen Pumpe, welche auf
eine im Vergleich zur Außentemperatur höheren Temperatur temperiert ist. Aufgrund
der im Kondensator großen vorhandenen Wärmeüberträgerflächen oder aufgrund der Verweilzeit
des Mediums im Kondensator kann die Pumpe selbst bei gleichen Umgebungstemperaturen
von Pumpe und Kondensator zeitweise höher temperiert sein als der Kondensator. Somit
gibt es also eine Temperaturzunahme vom Kondensator zur Speisepumpe und diese verringert
die anliegende Vorlaufhöhe am Pumpeneinlass (NPSH
a). Als Folge kavitiert die Pumpe und es wird kein Arbeitsmedium gefördert. Dies verhindert
einen Start des Systems und kann zu Schädigungen an der Pumpe führen. Selbst nach
einem Temperaturausgleich von Speisepumpe, Zuleitung und Kondensator kann, besonders
bei kompakt aufgebauten Systemen ohne große Höhendifferenzen und damit geodätischer
Vorlaufhöhe, die dann anliegende Vorlaufhöhe NPSH
a geringer sein als die notwendige Vorlaufhöhe NPSH
r, was wiederum Kavitation zur Folge hat.
[0010] Das Problem der Kavitation bei ORC Anlagen ist bekannt und kann gemäß der Offenbarung
in
DE 10 2009 053 390 B3 z.B. durch Zugabe von Inertgas in einen Speisebehälter / Kondensator gelöst werden.
[0011] Zusammenfassend kann Folgendes als Motivation für die vorliegende Erfindung festgehalten
werden. Zum sicheren Anfahren eines ORC-Systems muss ausreichend Arbeitsmedium mit
einer ausreichenden Vorlaufhöhe an der Speisepumpe des Systems vorliegen. In einem
ORC Kreislauf kann sich im Stillstand oder bei schlecht kontrolliertem Herunterfahren
des Systems eine Fehlverteilung von flüssigem Arbeitsmedium ergeben, was ein Anfahren
auf Grund von fehlendem Medium vor der Speisepumpe verhindert. Außerdem kann sich
eine nachteilige Temperaturverteilung im Arbeitsmedienkreis einstellen, z.B. könnte
das Arbeitsmedium im Vorlagebereich der Speisepumpe wärmer sein als an der kältesten
Stelle im System. Durch die in diesem Zustand geringe an der Pumpe anliegende Vorlaufhöhe
kann es zur Kavitation der Pumpe kommen. Dies verhindert einen zuverlässigen Start
des Systems. Bei kälterer Witterung kann außerdem ein kalter Systemzustand das Anfahren
der Anlage verhindern. Beispielsweise kann es zu einer Viskositätssteigerung des Arbeitsmediums
oder eines weiteren im Kreislauf vorhandenen Mediums, wie z.B. ein Schmiermittel,
kommen, was ein Fördern des Mediums durch die Speisepumpe beeinträchtigen kann.
Beschreibung der Erfindung
[0012] Aufgabe der Erfindung ist es, die oben beschriebenen Nachteile zumindest teilweise
zu überwinden.
[0013] Diese Aufgabe wird gelöst durch eine Vorrichtung nach Anspruch 1.
[0014] Die erfindungsgemäße thermodynamische Kreisprozessvorrichtung, insbesondere ORC-Vorrichtung,
umfasst ein Arbeitsmedium; einen Verdampfer zum Verdampfen und optional zusätzlichen
Überhitzen des Arbeitsmediums; eine Expansionsmaschine zum Erzeugen von mechanischer
Energie unter Entspannung des verdampften Arbeitsmediums; einen Kondensator zum Kondensieren
und optional zusätzlichen Unterkühlen des Arbeitsmediums, insbesondere des in der
Expansionsmaschine entspannten Arbeitsmediums; und eine Pumpe zum Pumpen des kondensierten
Arbeitsmediums zum Verdampfer im Betrieb der thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung,
wobei die geometrische Anordnung des Verdampfers so gewählt ist, dass vor einem Starten
der Pumpe das kondensierte Arbeitsmedium vom Kondensator durch Schwerkraft zum Verdampfer
fließen und das Arbeitsmedium in einem geschlossenen Kreislauf über den Verdampfer
und den Kondensator umlaufen kann, wodurch insbesondere wenigstens eine vorbestimmte
Mindest-Vorlaufhöhe des flüssigen Arbeitsmediums an der Pumpe bereit gestellt werden
kann.
[0015] Vorteilhaft ist dabei, dass eine zum störungsfreien Starten der Pumpe hinreichende
Vorlaufhöhe beim Anfahren der thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung bereitgestellt
wird. Der geschlossene Kreislauf (wobei im Stillstand Absperreinrichtungen, welche
die Zirkulation hindern könnten, nicht geschlossen sind) ist in der Art konstruiert
sind, dass das im Kreislauf befindliche Fluid durch Gravitationskräfte ohne zusätzlichen
Antrieb zum Verdampfer strömt. Beim Start des Systems aus dem Stillstand wird der
Verdampfer mit Wärme beaufschlagt, so dass dieser die wärmste Komponente im System
ist. Das darin befindliche Arbeitsmedium wird verdampft und möglicherweise auch überhitzt
und der entstandene Dampf heizt alle über dem Verdampfer liegenden Anlagenteile. Sollte
sich in anderen Anlagenteilen (z.B. in Expansionsmaschine, horizontalen Rohren oder
Flüssigkeitssäcken) flüssiges Medium angesammelt haben, wird dieses durch die Erwärmung
verdampft und kondensiert anschließend an der kältesten Stelle der Anlage. Die kälteste
Stelle im System ist im Normalfall der Kondensator. Sollte dies im Stillstand nicht
der Fall sein, kann der Kondensator über eine Regelung der Wärmesenke als kälteste
Stelle eingestellt werden (z.B. Start der Kühlung am Kondensator). Vom Kondensator
aus strömt das Arbeitsmedium als Vorlage zur Speisepumpe. Die geometrische Anordnung
wird so gewählt (Höhenunterschied), dass das Kondensat durch Schwerkraft zum Verdampfer
fließen kann (Dichteunterschied zwischen Dampf und Flüssigkeit). Es entsteht ein Naturumlauf,
der eine selbständige Ordnung des flüssigen Arbeitsmediums einstellt. Das bedeutet,
dass flüssiges Arbeitsmedium im tiefliegenden Anlagenteil (u.a. vor der Pumpe) gesammelt
wird, und dass vor einem Start der Pumpe ausreichend Arbeitsmedium mit hinreichender
Vorlaufhöhe vor der Pumpe vorhanden ist.
[0016] Gemäß einer Weiterbildung der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann sich der Verdampfer
in der geometrischen Anordnung in einer geringeren Höhe als der Kondensator befinden.
Ein gegenüber dem Kondensator tiefliegender Verdampfer und ggf. auch tiefer liegende
Rohrleitungen stellen eine Möglichkeit dar, dass das im Kreislauf befindliche Fluid
durch Gravitationskräfte ohne zusätzlichen Antrieb zum Verdampfer strömt.
[0017] Eine andere Weiterbildung besteht darin, dass der geschlossene Kreislauf zwischen
Kondensator und Verdampfer auch die nichtgestartete Pumpe umfasst und/oder wobei der
geschlossene Kreislauf zwischen Verdampfer und Kondensator auch die Expansionsmaschine
umfasst. Auf diese Weise kann bei im Stillstand fluiddurchlässigen Bauformen der Pumpe
das Arbeitsmedium im Kreislauf auch durch die Pumpe strömen, ohne dass diese gestartet
ist.
[0018] Nach einer anderen Weiterbildung kann sich die Pumpe in einer geringeren Höhe als
der Verdampfer befinden. Somit kann die Vorlaufhöhe weiter gesteigert werden.
[0019] Eine andere Weiterbildung besteht darin, dass die thermodynamische Kreisprozessvorrichtung
weiterhin ein Bypassventil zur Umgehung der Expansionsmaschine im Kreislauf umfassen
kann.
[0020] Gemäß einer anderen Weiterbildung kann die thermodynamische Kreisprozessvorrichtung
weiterhin einen Speisebehälter zum Sammeln des kondensierten Arbeitsmediums umfassen,
wobei der Speisebehälter im geschlossenen Kreislauf zwischen Kondensator und Verdampfer,
insbesondere zwischen Kondensator und Pumpe angeordnet ist.
[0021] Eine andere Weiterbildung besteht darin, dass weiterhin wenigstens ein Sensor zum
Messen der Vorlaufhöhe des Arbeitsmediums vor der Pumpe, insbesondere ein Sensor zum
Messen des Drucks des Arbeitsmediums und/oder ein Sensor zum Messen der Temperatur
des Arbeitsmediums vorgesehen sein können.
[0022] Nach einer anderen Weiterbildung kann die thermodynamische Kreisprozessvorrichtung
weiterhin ein Bypassventil zur Umgehung der Pumpe im Kreislauf umfassen.
[0023] Gemäß einer anderen Weiterbildung kann die thermodynamische Kreisprozessvorrichtung
weiterhin einen Rekuperator zum Übertragen von Wärmeenergie von dem entspannten Arbeitsmedium
auf das zwischen Pumpe und Verdampfer gepumpte Arbeitsmediums im Betrieb der thermodynamischen
Kreisprozessvorrichtung umfassen, wobei der Rekuperator zwischen Expansionsmaschine
und Kondensator angeordnet ist; und ein Bypassventil zum Überbrücken des Rekuperators
im Kreislauf, wobei das Bypassventil zum Überbrücken des Rekuperators insbesondere
auch das Bypassventil zur Umgehung der Pumpe sein kann.
[0024] Wenn ein Rekuperator eingesetzt wird, und beispielsweise die Rohrleitung zwischen
Pumpe und Verdampfer über den Rekuperator läuft, um das darin gepumpte Arbeitsmedium
im Betrieb (Normalbetrieb) der thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung mit Wärme
aus dem entspannten verdampften Arbeitsmedium nach der Expansionsmaschine und vor
dem Kondensator vorzuwärmen, so muss zum erfindungsgemäßen Starten der Kreisprozessvorrichtung
ein Bypassventil zum Überbrücken des Rekuperators vorgesehen sein, weil ansonsten
durch den Rekuperator, der höher als der Verdampfer angeordnet ist, kein Naturumlauf
erfolgen kann.
[0025] Die oben genannte Aufgabe wird weiterhin gelöst durch ein Verfahren nach Anspruch
10.
[0026] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Starten einer erfindungsgemäßen thermodynamischen
Kreisprozessvorrichtung oder einer deren Weiterbildungen umfasst die folgenden Schritte:
Beaufschlagen des Verdampfers mit Wärme und Verdampfen des Arbeitsmediums im Verdampfer,
optional zusätzlich auch Überhitzen des Arbeitsmediums im Verdampfer, wodurch Arbeitsmedium
zum Kondensator strömt; Kondensieren des Arbeitsmediums im Kondensator; Starten der
Pumpe bei Erreichen oder Überschreiten einer vorbestimmten Vorlaufhöhe des Arbeitsmediums
an der Pumpe.
[0027] Das erfindungsgemäße Verfahren hat die Vorteile, die bereits im Zusammenhang mit
der erfindungsgemäßen Vorrichtung beschrieben worden sind.
[0028] Das erfindungsgemäße Verfahren kann dahingehen weitergebildet werden, dass das Starten
der Pumpe nach Erreichen oder Überschreiten einer gemessenen Vorlaufhöhe erfolgt oder
nach einer vorbestimmten Zeit nach dem Beginn des Beaufschlagens des Verdampfers mit
Wärme erfolgen kann.
[0029] Nach einer anderen Weiterbildung kann das Verfahren die folgenden weiteren Schritte
umfassen: Einstellen der Kondensationstemperatur auf einen ersten Temperaturwert;
und Einstellen der Kondensationstemperatur auf einen zweiten Temperaturwert nachdem
das kondensierte Arbeitsmedium mit dem ersten Temperaturwert die Pumpe erreicht hat;
wobei der zweite Temperaturwert größer als der erste Temperaturwert ist. Die kälteste
Stelle im System ist im Normalfall der Kondensator. Sollte dies im Stillstand nicht
der Fall sein, kann der Kondensator auf diese Weise z.B. über eine Regelung der Wärmesenke
als kälteste Stelle eingestellt werden (z.B. Start der Kühlung am Kondensator).
[0030] Gemäß einer anderen Weiterbildung kann das Einstellen der Kondensationstemperatur
auf einen zweiten Temperaturwert durch eine Absenkung der Drehzahl eines Kondensatorlüfters
und/oder durch Absenkung eines Kühlwassermassenstroms oder des Luftmassenstroms und/oder
durch eine Temperaturerhöhung des Kühlwassermassenstroms oder des Luftmassenstroms
durch den Kondensator erfolgen. Es können alternativ oder zusätzlich auch weitere
Maßnahmen, wie z.B. das Schließen von Jalousien oder Klappen des Kondensators zu einer
Erhöhung der Kondensationstemperatur führen.
[0031] Eine andere Weiterbildung besteht darin, dass die weiteren Schritte Öffnen des Expansionsmaschinen-Bypassventils
vor oder zeitgleich mit dem Beaufschlagen des Verdampfers mit Wärme oder Öffnen des
Expansionsmaschinen-Bypassventils eine vorbestimmte erste Zeitdauer nach dem Beaufschlagen
des Verdampfers mit Wärme oder nach Erreichen eines vorbestimmten ersten Drucks an
der Expansionsmaschine; und Schließen des Expansionsmaschinen-Bypassventils nach oder
zeitgleich mit dem Start der Pumpe oder Schließen des Expansionsmaschinen-Bypassventils
eine vorbestimmte zweite Zeitdauer vor dem Start der Pumpe oder nach Erreichen eines
vorbestimmten zweiten Drucks an der Expansionsmaschine vorgesehen sein können.
[0032] Nach einer anderen Weiterbildung können die folgenden weiteren Schritte vorgesehen
sein: Öffnen des Pumpen-Bypassventils und/oder Rekuperator-Bypassventils vor, während
oder eine vorbestimmte dritte Zeitdauer nach dem Beaufschlagen des Verdampfers mit
Wärme; und Schließen des Pumpen-Bypassventils und/oder Rekuperator-Bypassventils nach,
während oder eine vorbestimmte vierte Zeitdauer vor dem Start der Pumpe.
[0033] Die genannten Weiterbildungen können einzeln eingesetzt oder geeignet miteinander
kombiniert werden.
[0034] Weitere Merkmale und beispielhafte Ausführungsformen sowie Vorteile der vorliegenden
Erfindung werden nachfolgend anhand der Zeichnungen näher erläutert. Es versteht sich,
dass die Ausführungsformen nicht den Bereich der vorliegenden Erfindung erschöpfen.
Es versteht sich weiterhin, dass einige oder sämtliche der im Weiteren beschriebenen
Merkmale auch auf andere Weise miteinander kombiniert werden können.
Zeichnungen
[0035]
- Figur 1
- zeigt die Höhenanordnung in einer thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung, insbesondere
in einem ORC-System, gemäß der vorliegenden Erfindung.
- Figur 2
- zeigt eine Ausführungsform mit kombinierbaren vorteilhaften Weiterbildungen der thermodynamischen
Kreisprozessvorrichtung gemäß Figur 1.
- Figur 3
- zeigt eine andere Ausführungsform der erfindungsgemäßen thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung.
Ausführungsformen
[0036] Figur 1 zeigt eine thermodynamische Kreisprozessvorrichtung, insbesondere ein ORC-System
und die höhengeordnete Anordnung der Hauptkomponenten. Das System umfasst eine Speisepumpe
1, die das flüssige Arbeitsmedium unter großer Druckerhöhung zu einem Verdampfer 2
fördert, in dem das Arbeitsmedium verdampft wird, eine Expansionsmaschine 3, in welcher
der unter hohem Druck stehende Dampf entspannt wird und dabei mechanische Energie
erzeugt wird. Diese kann beispielsweise über einen Generator G in elektrische Energie
gewandelt werden. Aus dem Kondensator 4, in dem der Niederdruckdampf aus der Expansionsmaschine
3 verflüssigt wird, gelangt das flüssige Arbeitsmedium über einen möglichen (optionalen)
Vorratsbehälter (Speisebehälter) und eine Saugleitung wieder zur Speisepumpe 1 des
Systems.
[0037] Im Folgenden wird eine Beschreibung des Anfahrvorgangs gegeben und die Problemlösung
durch die beschriebene Anordnung dargelegt.
[0038] Automatische Ordnung des flüssigen Arbeitsmediums: Die Anlage soll aus dem Stillstand
anfahren. Zunächst wird der Verdampfer mit Wärme beaufschlagt (Sollte die Wärme nicht
ungesteuert z.B. durch dauerhafte Durchströmung mit einem Wärmeträgermedium am Verdampfer
anliegen, muss diese zugeschaltet werden). Im Verdampfer bildet sich Dampf, der die
Anlagenkomponenten erwärmt, in anderen Anlagenteilen (z.B. in Expansionsmaschine,
horizontalen Rohren oder Flüssigkeitssäcken) flüssig lagerndes Arbeitsmedium verdampft
und mit diesen zusammen zum Kondensator strömt und dort nach einiger Zeit verflüssigt
wird. Es passiert somit eine Fluidverlagerung vom Verdampfer zum Kondensator. Dies
führt zu einem Anstieg des Fluidspiegels auf der Kondensatorseite, was wiederum zu
einem Druckgradienten von der kalten Kondensatorseite zur warmen Verdampferseite führt.
Durch die beschriebene Verbindung (ohne geschlossene Absperreinrichtungen) wird eine
Strömung erzeugt, die Medium aus dem Kondensator über die Pumpe zum Verdampfer strömen
lässt. Die Strecke muss dabei so konzipiert sein, dass sich die Strömung allein durch
die Schwerkraft einstellt. Es müssen hierfür die Druckverluste der verbauten Komponenten
oder Öffnungsdrücke verbauter Ventile beachtet werden.
[0039] Erzeugung von Vorlaufhöhe und Systemstart: Die geordnete Verteilung von flüssigem
Medium (wie oben beschrieben) und sammeln einer ausreichende Menge an Arbeitsmedium
vor der Pumpe garantiert allerdings noch nicht, dass das Medium mit ausreichender
Vorlaufhöhe (NPSH
a) an der Pumpe anliegt um den Start der Pumpe zu ermöglichen. Um eine ausreichende
Vorlaufhöhe herzustellen, kann folgendermaßen vorgegangen werden. Durch eine Kühlung
des Kondensators (durch eine Wärmesenke wie z.B. Umgebungsluft oder Kühlwasser) wird
zunächst die Kondensationstemperatur und folglich der Druck im Kondensator verringert.
Kondensat mit geringer Temperatur strömt aus dem Kondensator in den Speisebehälter
(falls vorhanden) und folgend in die Zuleitung zur Pumpe. Nach einiger Zeit erreicht
das Fluid mit der sich einstellenden niedrigen Kondensationstemperatur durch den Naturumlauf
die Pumpe. Nun wird, z.B. durch eine Regelung der Wärmesenke, die Temperatur im Kondensator
angehoben womit auch der Druck im Kondensator steigt. Dies kann z.B. durch eine Absenkung
der Drehzahl eines Kondensatorlüfters und/oder durch Absenkung eines Kühlwassermassenstroms
oder des Luftmassenstroms und/oder durch eine Temperaturerhöhung des Kühlwassermassenstroms
oder des Luftmassenstroms durch den Kondensator erfolgen. Durch das kältere, an der
Pumpe anliegende Fluid, und dem gestiegenen Druck im Kondensator, erhöht sich die
anliegende Vorlaufhöhe an der Pumpe. Nach Überschreitung eines Grenzwertes der Vorlaufhöhe
(NPSH
a>NPSH
r) oder nach einer gewissen, erfahrungsbasierten Zeit, kann die Pumpe gestartet werden
um den regulären Anfahrprozess des ORC-Systems zu beginnen.
[0040] Der Stand der Technik lehrt im Gegensatz dazu (wie oben dargelegt), dass Dampfleitungen
stets fallend zum Kondensator / Speisebehälter zu verlegen sind.
[0041] Die Vorrichtung nach Figur 2 umfasst zur Verbesserung der in Figur 1 dargestellten
Anordnung zusätzliche Komponenten. Diese und deren Funktion werden anhand von im Folgenden
beschrieben.
[0042] Komponente 5 bezeichnet ein Bypassventil an der Expansionsmaschine 3. Dieses Bypassventil
5 über die Expansionsmaschine ermöglicht z.B. bei volumetrischen Expansionsmaschinen,
dass eine ausreichende Menge vom im Verdampfer erzeugten Dampf zum Kondensator 4 strömen
kann. Das Bypassventil kann außerdem als Not-Abfahrventil dienen, das im Gefahrenfall
eine schnelle Entspannung des Hochdruckdampfes vor der Expansionsmaschine ermöglicht.
Das Bypassventil kann z.B. als stromlos geöffnetes Magnetventil ausgeführt werden.
Im Falle des Anfahrens mit der beschriebenen Anordnung der Komponenten bleibt das
Ventil geöffnet und ermöglicht somit den natürlichen Umlauf des Arbeitsmediums. Das
Ventil wird für die beschriebene Funktion benötigt, wenn die Arbeitsmedienmenge über
eine stillstehende (oder auch drehende) Expansionsmaschine nicht für die angestrebte
natürliche Umwälzung des Fluids ausreicht.
[0043] Die Komponente 6 bezeichnet einen Speisebehälter. Der Speisebehälter kann benötigt
werden um in jedem Betriebszustand ausreichend Arbeitsmedium an der Speisepumpe anliegend
zur Verfügung zu stellen. Er puffert die Gesamtmenge Arbeitsmedium und verhindert
somit den Stillstand der Anlage bei Verlust von Arbeitsmedium, Ungleichverteilung
von Arbeitsmedium, unterschiedlichen Dampfdichten und damit Dampfmassen bei Betrieb
und Stillstand oder ungenauer Befüllung des Systems. In Verbindung mit der Benutzung
mit Inertgas fällt dem Behälter eine weitere Funktion zu. Er erhöht das Gasvolumen
im System. Damit kann die Vorlaufhöhe über alle Betriebszustände hinweg relativ konstant
gehalten werden (siehe dazu auch die Offenbarung in
DE 10 2009 053 390 B3). Bei Verwendung von Inertgas zur Verhinderung von Kavitation ergibt sich ein weiterer
Vorteil durch die beschriebene Anordnung im Naturumlauf. Eine stetige Umwälzung von
Arbeitsmedium, die alleine durch den Temperaturunterschied und den daraus resultierenden
Druckunterschied zwischen Verdampfer und Kondensator hervorgerufen wird und unabhängig
vom Betrieb der Speisepumpe ist, sorgt dafür, dass sich das im Kreislauf befindliche
Inertgas automatisch im Kondensator und Speisebehälter sammelt. Wie in
DE 10 2009 053 390 B3 beschrieben, erhöht das Inertgas, das im Speisebehälter vorliegt, aufgrund seines
konzentrationsabhängigen Partialdrucks die Vorlaufhöhe zur Pumpe. Da sich das Inertgas
im Stillstand durch Diffusion in der gesamten Anlage verteilt und somit der Partialdruck
im Speisebehälter sinkt, kann ohne eine Konzentration des Inertgases im Speisebehälter
durch z.B. den beschriebenen Naturumlauf ein kavitationsfreies Anfahren der Pumpe
aus dem Stillstand nicht immer gewährleistet werden. Dies muss durch eine größere
Inertgasmenge und / oder einen größeren Speisebehälter mit größerem Dampfvolumen kompensiert
werden, so dass das System auch aus dem Stillstand sicher angefahren werden kann.
Die nötige Inertgasmenge kann durch das beschriebene Verfahren verringert werden,
was zu einer steigenden Druckdifferenz an der Expansionsmaschine und einer höheren
erzeugten Leistung führt (Steigerung der Systemeffizienz).
[0044] Die Komponente 7 bezeichnet Sensoren zur Messung der anliegenden Vorlaufhöhe (NPSH
a). Durch eine mögliche Anbringung von Sensoren (hier z.B. Druck P und Temperatur T)
kann die Vorlaufhöhe (NPSH
a) bestimmt werden. Dies kann als Startkriterium für den Start der Pumpe beim beschriebenen
Anfahrvorgang des Systems dienen.
[0045] Die Komponente 8 bezeichnet ein Bypassventil um die Speisepumpe. Dieses Ventil 8
zur Umgehung der Speisepumpe kann im beschriebenen Fall verwendet werden, um eine
ausreichende Strömung von flüssigem Arbeitsmedium vom Kondensator zum Verdampfer zu
gewährleisten. Dies wird beispielsweise notwendig, wenn die Speisepumpe auf Grund
ihrer Konstruktion / Bauform (z.B. Verdrängerpumpe) im Stillstand undurchlässig für
Medium ist. Ein weiterer Grund könnte die große zu überwindende Höhendifferenz in
der Pumpe (z.B. in vertikalen mehrstufigen Kreiselpumpen) sein, welche eine natürliche
Strömung verhindert. Das Bypassventil kann schaltbar oder regelbar gestaltet werden.
Außerdem kann es als federbelastetes Ventil mit einstellbaren oder festen Öffnungs-
und Schließdrücken ausgeführt werden. Das Ventil öffnet somit erst bei einer gewissen
anliegenden Druckdifferenz zwischen Saug- und Druckseite der Pumpe und bleibt im Betrieb
der Anlage geschlossen oder das Ventil ist bis zu einer gewissen Druckdifferenz zwischen
Druck- und Saugseite geöffnet und schließt automatisch bei Betrieb ab dieser gewissen
Druckdifferenz zwischen Druck- und Saugseite. Die Druckdifferenz zum Öffnen des Ventils
muss so klein sein, dass eine natürliche Umwälzung möglich ist. Außerdem kann das
Ventil als Sicherheitsventil im Gefahrenfall dienen. Durch das schnelle Öffnen des
Ventils im Gefahrenfall kann Medium aus dem Verdampfer in Richtung Kondensator fließen.
Dies verhindert einen übermäßigen Druckanstieg im Verdampfer durch weiteres Verdampfen
von Arbeitsmedium. Um Zurückströmen von Arbeitsmedium vom Verdampfer zur Pumpe in
gewissen Betriebspunkten zu verhindern, beispielsweise zum Schutz der Pumpe vor heißem
Arbeitsmedium, kann zudem ein Rückschlagventil (nicht in Zeichnung dargestellt) stromabwärts
der Pumpe eingesetzt werden.
[0046] In Figur 3 ist eine Ausführungsform der thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung
mit einem Rekuperator 9 dargestellt. Der Rekuperator 9 dient zum Übertragen von Wärmeenergie
von dem entspannten Arbeitsmedium auf das zwischen Pumpe 1 und Verdampfer 2 gepumpte
Arbeitsmedium im Betrieb der thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung, wobei der
Rekuperator 9 zwischen Expansionsmaschine 3 und Kondensator 4 angeordnet ist. Weiterhin
ist ein Bypassventil 8 zum Überbrücken des Rekuperators 9 im Kreislauf vorgesehen,
wobei das Bypassventil 8 zum Überbrücken des Rekuperators 9 hier gleichzeitig auch
das Bypassventil 8 zur Umgehung der Pumpe 1 ist. Wenn die Rohrleitung zwischen Pumpe
1 und Verdampfer 2 über den Rekuperator 9 läuft, um das darin gepumpte Arbeitsmedium
im Normalbetrieb der thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung mit Wärme aus dem entspannten
verdampften Arbeitsmedium zwischen der Expansionsmaschine 3 und dem Kondensator 4
vorzuwärmen, so muss zum erfindungsgemäßen Starten der Kreisprozessvorrichtung das
Bypassventil 8 zum Überbrücken des Rekuperators 9 geöffnet sein, weil durch den Rekuperator
9, der höher als der Verdampfer 2 angeordnet ist, ansonsten kein Naturumlauf des Arbeitsmediums
erfolgen kann.
[0047] Zusammenfassend ist festzustellen: Das erfindungsgemäße Verfahren sowie die erfindungsgemäße
Vorrichtung (Höhenanordnung) stellen sicher, dass der ORC zuverlässig und schnell
gestartet werden kann. Das Verfahren benötigt in der einfachen Anordnung keinerlei
Sensoren oder Aktoren (z.B. Ventile) zum sicheren Start. Durch die automatische Verteilung
des Arbeitsmediums im System kann im Vergleich zu anders angeordneten Systemen (z.B.
mit erhöht angebrachten Verdampfer und tiefliegenden Kondensator oder Expansionsmaschine)
die Gesamtmenge an Arbeitsmedium im System reduziert werden, da durch die antriebslose
Ordnung von flüssigen Arbeitsmedium immer ausreichend Fluid in der Saugleitung der
Pumpe vorliegt. Die automatische Aufheizung des Systems durch den Naturumlauf bei
Wärmezufuhr sorgt für eine Vorwärmung der Komponenten. Bei kalter Witterung kann dies
den Start des Systems beschleunigen und sich verlängernd auf die Lebensdauer der Komponenten
auswirken. Das sichere, kavitationsfreie Anfahren der Anlage verhindert mögliche Schäden
an der Pumpe, die durch eine (Teil-) Kavitation an der Pumpe auftreten können. Durch
das Verfahren kann eine ausreichende Vorlaufhöhe für die Speisepumpe im Anfahrvorgang
gewährleistet werden. Somit können andere Methoden, welche ansonsten zum Erzeugen
einer Vorlaufhöhe nötig wären, wegfallen bzw. deren Auswirkung auf den Wirkungsgrad
der Anlage können verringert werden. Da andere Methoden (z.B. Unterkühlung des Kondensats
oder Inertgaszugabe) leistungsmindernd auswirken, führt die beschriebene Methode zum
Anstieg der Gesamteffizienz des ORC Systems. Durch das beschriebene Verfahren kann
die Füllmenge an Arbeitsmedium eingespart werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Startfähigkeit
von ORC-Systemen sonst nur durch große Mengen an Arbeitsmedium garantiert werden kann.
Das Arbeitsmedium hat mit Preisen von 20-80 €/kg einen erheblichen Einfluss auf die
Wirtschaftlichkeit von ORC-Systemen. Durch geringere Inhaltsmengen können außerdem
vorgeschriebene Wartungsintervalle verlängert und der Wartungsaufwand reduziert werden
(F-Gas Regulation) was zu deutlichen Kostensenkungen im Betrieb führen kann. Zu beachten
ist jedoch, dass der Wärmeeintrag ins System nicht selbsthemmend - wie z.B. durch
einen oben liegenden Verdampfer - gestoppt werden kann. Dies kann zwar ein Nachteil
z.B. für Wartungstätigkeiten sein, wobei gegebenenfalls der Wärmeeintrag über andere,
zusätzliche Maßnahmen verhindert werden muss.
[0048] Die dargestellten Ausführungsformen sind lediglich beispielhaft und der vollständige
Umfang der vorliegenden Erfindung wird durch die Ansprüche definiert.
1. Thermodynamische Kreisprozessvorrichtung, insbesondere eine Organic-Rankine-Cycle-Vorrichtung,
umfassend:
ein Arbeitsmedium;
einen Verdampfer zum Verdampfen und optional zusätzlichen Überhitzen des Arbeitsmediums;
eine Expansionsmaschine zum Erzeugen von mechanischer Energie unter Entspannung des
verdampften Arbeitsmediums;
einen Kondensator zum Kondensieren und optional zusätzlichen Unterkühlen des Arbeitsmediums,
insbesondere des in der Expansionsmaschine entspannten Arbeitsmediums; und
eine Pumpe zum Pumpen des kondensierten Arbeitsmediums zum Verdampfer im Betrieb der
thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung;
wobei die geometrische Anordnung des Verdampfers so gewählt ist, dass vor einem Starten
der Pumpe das kondensierte Arbeitsmedium vom Kondensator durch Schwerkraft zum Verdampfer
fließen und das Arbeitsmedium in einem geschlossenen Kreislauf über den Verdampfer
und den Kondensator umlaufen kann, wodurch insbesondere wenigstens eine vorbestimmte
Mindest-Vorlaufhöhe des flüssigen Arbeitsmediums an der Pumpe bereit gestellt werden
kann.
2. Thermodynamische Kreisprozessvorrichtung nach Anspruch 1, wobei der Verdampfer sich
in der geometrischen Anordnung in einer geringeren Höhe als der Kondensator befindet.
3. Thermodynamische Kreisprozessvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, wobei der geschlossene
Kreislauf zwischen Kondensator und Verdampfer auch die nichtgestartete Pumpe umfasst
und/oder wobei der geschlossene Kreislauf zwischen Verdampfer und Kondensator auch
die Expansionsmaschine umfasst.
4. Thermodynamische Kreisprozessvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei sich
die Pumpe in einer geringeren Höhe als der Verdampfer befindet.
5. Thermodynamische Kreisprozessvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, weiterhin
ein Bypassventil zur Umgehung der Expansionsmaschine im Kreislauf umfassend.
6. Thermodynamische Kreisprozessvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, weiterhin
einen Speisebehälter zum Sammeln des kondensierten Arbeitsmediums umfassend, wobei
der Speisebehälter im geschlossenen Kreislauf zwischen Kondensator und Verdampfer,
insbesondere zwischen Kondensator und Pumpe angeordnet ist.
7. Thermodynamische Kreisprozessvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, weiterhin
umfassend: wenigstens einen Sensor zum Messen der Vorlaufhöhe des Arbeitsmediums vor
der Pumpe, insbesondere einen Sensor zum Messen des Drucks des Arbeitsmediums und/oder
einen Sensor zum Messen der Temperatur des Arbeitsmediums.
8. Thermodynamische Kreisprozessvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, weiterhin
ein Bypassventil zur Umgehung der Pumpe im Kreislauf umfassend.
9. Thermodynamische Kreisprozessvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, weiterhin
umfassend:
einen Rekuperator zum Übertragen von Wärmeenergie von dem entspannten Arbeitsmedium
auf das zwischen Pumpe und Verdampfer gepumpte Arbeitsmediums im Betrieb der thermodynamischen
Kreisprozessvorrichtung, wobei der Rekuperator zwischen Expansionsmaschine und Kondensator
angeordnet ist; und
ein Bypassventil zum Überbrücken des Rekuperators im Kreislauf, wobei in Kombination
mit Anspruch 8 das Bypassventil zum Überbrücken des Rekuperators insbesondere auch
als Bypassventil zur Umgehung der Pumpe vorgesehen ist.
10. Verfahren zum Starten einer thermodynamischen Kreisprozessvorrichtung gemäß einem
der Ansprüche 1 bis 9, wobei das Verfahren die folgenden Schritte umfasst:
Beaufschlagen des Verdampfers mit Wärme und Verdampfen des Arbeitsmediums im Verdampfer,
optional zusätzlich auch Überhitzen des Arbeitsmediums im Verdampfer, wodurch Arbeitsmedium
zum Kondensator strömt;
Kondensieren des Arbeitsmediums im Kondensator;
Starten der Pumpe bei Erreichen oder Überschreiten einer vorbestimmten Vorlaufhöhe
des Arbeitsmediums an der Pumpe.
11. Verfahren nach Anspruch 10, wobei das Starten der Pumpe nach Erreichen oder Überschreiten
einer gemessenen Vorlaufhöhe erfolgt oder nach einer vorbestimmten Zeit nach dem Beginn
des Beaufschlagens des Verdampfers mit Wärme erfolgt.
12. Verfahren nach Anspruch 10 oder 11, mit den weiteren Schritten:
Einstellen der Kondensationstemperatur auf einen ersten Temperaturwert; und
Einstellen der Kondensationstemperatur auf einen zweiten Temperaturwert nachdem das
kondensierte Arbeitsmedium mit dem ersten Temperaturwert die Pumpe erreicht hat;
wobei der zweite Temperaturwert größer als der erste Temperaturwert ist.
13. Verfahren nach Anspruch 12, wobei das Einstellen der Kondensationstemperatur auf einen
zweiten Temperaturwert durch eine Absenkung der Drehzahl eines Kondensatorlüfters
und/oder durch Absenkung eines Kühlwassermassenstroms oder des Luftmassenstroms und/oder
durch eine Temperaturerhöhung des Kühlwassermassenstroms oder des Luftmassenstroms
durch den Kondensator erfolgt.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 13, mit den weiteren Schritten:
Öffnen des Expansionsmaschinen-Bypassventils vor oder zeitgleich mit dem Beaufschlagen
des Verdampfers mit Wärme oder Öffnen des Expansionsmaschinen-Bypassventils eine vorbestimmte
erste Zeitdauer nach dem Beaufschlagen des Verdampfers mit Wärme oder nach Erreichen
eines vorbestimmten ersten Drucks an der Expansionsmaschine; und
Schließen des Expansionsmaschinen-Bypassventils nach oder zeitgleich mit dem Start
der Pumpe oder Schließen des Expansionsmaschinen-Bypassventils eine vorbestimmte zweite
Zeitdauer vor dem Start der Pumpe oder nach Erreichen eines vorbestimmten zweiten
Drucks an der Expansionsmaschine.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 14, mit den weiteren Schritten:
Öffnen des Pumpen-Bypassventils und/oder Rekuperator-Bypassventils vor, während oder
eine vorbestimmte dritte Zeitdauer nach dem Beaufschlagen des Verdampfers mit Wärme;
und
Schließen des Pumpen-Bypassventils und/oder Rekuperator-Bypassventils nach, während
oder eine vorbestimmte vierte Zeitdauer vor dem Start der Pumpe.