[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Holzwerkstoffplatte gemäß dem Oberbegriff
des Anspruchs 1 und ein Verfahren zu deren Herstellung gemäß Anspruch 14.
Beschreibung
[0002] Gegenwärtig werden jedes Jahr weltweit mehrere hundert Millionen Quadratmeter Holzwerkstoffplatten,
insbesondere in Form von Laminatböden, hergestellt und verkauft. Laminatböden haben
sich in den letzten zwanzig Jahren im weltweiten Fußbodenmarkt etabliert, wobei in
vielen Teilmärkten allerdings noch keine Sättigung zu beobachten ist. Dieser Erfolg
und die hohe Akzeptanz von Laminatböden beruht vor allem auf dem guten Eigenschaftsprofil
und der Möglichkeit der Imitation von Holzfußböden. Ein weiterer positiver Aspekt
ist, dass der Belag zum überwiegenden Teil aus Holz besteht und somit ökologische
Vorteile gegenüber vielen anderen Bodenbelägen besitzt.
[0003] Allerdings weisen Laminatböden auch einige Nachteile auf, die sich zum Teil auf die
Trägerplatte und zum Teil auf die Oberfläche beziehen.
[0004] So besteht die Oberfläche von Laminatböden üblicherweise aus einem ausgehärteten
Kunstharz. Dieses Kunstharz ist typischerweise ein Melamin-Formaldehyd-Harz, aus dem
unter anderem auch Gebrauchsgegenstände wie Geschirr und Besteck hergestellt werden.
Bei einer Oberfläche aus Melaminharz wird insbesondere bemängelt, dass sie sich beim
Begehen oder beim Anfassen hart und kalt anfühlt. Dieses Phänomen wird durch die-gegenüber
anderen Kunststoffen - hohe Wärmeleitfähigkeit verursacht.
[0005] Zur Verbesserung der Haptik von Laminatböden wurde in der Vergangenheit der Ansatz
versucht, Melaminharz-Oberflächen nach zu lackieren. Dabei hat sich jedoch regelmäßig
gezeigt, dass sich auf einer ausgehärteten Melaminharz-Oberfläche keine guten Haftungsergebnisse
erzielen ließen. Außerdem betraf dieses Überlackieren meist nur Möbeloberflächen,
bei denen die mechanische Beanspruchung deutlich geringer ist als bei Bodenbelägen.
Allenfalls bei der Verwendung von sehr hochwertigen Polyurethan-Lacken ließen sich
nur nach Anschliff gute Haftungsergebnisse erreichen. Allerdings sind diese Lacke
teuer und sind zudem technisch anspruchsvoll.
[0006] Beim Einsatz von anderen Lacken konnte nur bei ganz speziell vorbereiteten Melaminoberflächen
befriedigende Haftungsergebnisse erzielt werden. Dazu musste bereits bei der Herstellung
der Melaminoberflächen darauf geachtet werden, dass die Oberfläche möglichst wenig
ausgehärtetes Melaminharz enthält. Dies wurde während des Imprägnierprozesses der
dekorativen Papiere durch eine sehr niedrige Beharzung erreicht. Damit wurden nach
der Beschichtung von Holzwerkstoff-Platten in der Kurztaktpresse Oberflächen erzielt,
die eine leichte Porosität der Oberfläche besaßen. Man nennt diese Beschichtungsvariante
Grundierfolien. Selbst diese Oberflächen mussten jedoch vor der Lackierung aufwändig
gereinigt und geschliffen werden.
[0007] Somit besteht nach wie vor ein sehr großer Bedarf an Laminaten mit einer ausgehärteten
Melaminharzoberfläche mit den daraus resultierenden guten Eigenschaften einerseits
und einer wärmeren und weicheren Haptik andererseits.
[0008] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine mit einer Harzschicht
versehene Holzwerkstoffplatte, insbesondere in Form eines Laminatbodens, mit einer
für den Benutzer verbesserten Haptik auszustatten. Dabei sollten bisherige positive
Produkteigenschaften so wenig wie möglich verändert werden und auch keine erheblichen
technischen oder finanziellen Aufwendungen nötig sein.
[0009] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Werkstoffplatte mit den Merkmalen des
Anspruchs 1 und ein Verfahren zu deren Herstellung mit den Merkmalen des Anspruchs
14 gelöst.
[0010] Entsprechend wird eine Holzwerkstoffplatte bereitgestellt, die mindestens eine Trägerplatte
und mindestens einer auf mindestens einer Seite der Trägerplatte angeordnete Harzschicht
umfasst. Auf der mindestens einen Harzschicht ist mindestens eine Primerschicht angeordnet,
wobei die mindestens eine Primerschicht mindestens eine Verbindung mit der allgemeinen
Formel (I)
R1aSiX(4-a) (I)
,
und/oder deren Hydrolyseprodukte aufweist, wobei
- X H, OH oder ein hydrolysierbarer Rest ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend Halogen,
Alkoxy, Carboxy, Amino, Monoalkylamino oder Dialkylamino, Aryloxy, Acyloxy, Alkylcarbonyl,
- R1 ein nicht-hydroliserbarer organischer Rest R1 ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes Alkyl,
substituiertes und nicht-substituiertes Aryl, substituiertes und nicht-substituiertes
Cycloalkyl, die durch - O- oder -NH- unterbrochen sein können, und
- wobei R1 mindestens eine funktionelle Gruppe Q1 aufweisen kann, die ausgewählt ist aus einer Gruppe enthaltend eine Hydroxy-, Ether-,
Amino-, Monoalkylamino-, Dialkylamino-, substituierte und nicht-substituierte Anilino-,
Amid-, Carboxy-, Mercapto-, Alkoxy-, Aldehyd- und Alkylcarbonyl-Gruppe, und
- a = 1, 2, 3, insbesondere 1 oder 2 ist.
[0011] In einer bevorzugten Ausführungsform kann auch ein Gemisch von Silanen der allgemeinen
Formel (I) verwendet werden.
[0012] Der Rest X ist vorteilhafterweise ausgewählt aus einer Gruppe enthaltend Fluor, Chlor,
Brom, Iod, C
1-6-Alkoxy, insbesondere Methoxy, Ethoxy, n-Propoxy und Butoxy, C
6-10-Aryloxy, insbesondere Phenoxy, C
2-7-Acyloxy, insbesondere Acetoxy oder Propionoxy, C
2-7-Alkylcarbonyl, insbesondere Acetyl, Monoalkylamino oder Dialkylamino mit C
1 bis C
12, insbesondere C
1 bis C
6. Besonders bevorzugte hydrolysierbare Gruppen sind C
1-4 Alkoxygruppen, insbesondere Methoxy und Ethoxy.
[0013] Unter dem Begriff "nicht-hydrolysierbarer organischer Rest" ist im Rahmen der vorliegenden
Anmeldung ein organischer Rest zu verstehen, der in Gegenwart von Wasser nicht zur
Bildung einer mit dem Si-Atom verknüpften OH-Gruppe oder NH
2-Gruppe führt.
[0014] Der nicht hydrolisierbare Rest R
1 ist bevorzugt ausgewählt aus einer Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes
C
1-C
30-Alkyl, insbesondere C
5-C
25-Alkyl, und substituiertes und nicht-substituiertes C
3-C
8-Cycloalkyl.
[0015] Es ist insbesondere von Vorteil, wenn der Rest R
1 ausgewählt ist aus der Gruppe enthaltend Methyl, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl,
s-Butyl, t-Butyl, Pentyl, Hexyl und Cyclohexyl, bevorzugt Methyl, Ethyl oder Propyl.
[0016] Die mindestens eine funktionelle Gruppe Q
1, die im organischen nicht hydrolysierbaren Rest enthalten sein kann, umfasst bevorzugt
eine Aminogruppe, eine Monoalkylaminogruppe oder substituierte oder nicht substituierte
Silyl-Gruppe, eine Arylgruppe, insbesondere eine Phenylgruppe, und eine Hydroxygruppe.
[0017] Typische Verbindungen der allgemeinen Formel (I), die in der Primerschicht zum Einsatz
kommen können, sind z.B. Bis(3-trimethoxysilyl-propyl)amin, Aminopropyltrimethoxysilan,
Aminopropyltriethoxysilan, 3-Aminopropyl-methyl-dimethoxysilan, 3-Aminopropyl-methyl-diethoxysilan,
N-(n-butyl)-3-aminopropyl-trimethoxysilan, N-(n-butyl)-3-aminopropyl-triethoxysilan,
Aminoethyl-aminopropyltrimethoxysilan oder Aminoethyl-aminopropyltriethoxysilan.
[0018] Die Primerschicht wird bevorzugt auf eine Harzschicht einer konventionell hergestellten
Holzwerkstoffplatte aufgetragen. Die Harzschicht kann - muss aber nicht zwingend -
vor dem Auftrag der Primerschicht angeschliffen werden; dies ist abhängig von der
Beschaffenheit der Harzschicht. Der Vorteil des Anschleifens der Harzschicht vor dem
Auftrag der Primerschicht besteht in einer verbesserten Haftung der Primerschicht
auf der Harzschicht.
[0019] In einer Ausführungsform der vorliegenden Werkstoffplatte besteht die Harzschicht
aus einem Formaldehyd-Harz als einem Polykondensat, insbesondere einem Melamin-Formaldehyd-Harz,
einem Melamin-Harnstoff-Formaldehyd-Harz oder Harnstoff-Formaldehyd-Harz.
[0020] Die Harzschicht kann unmittelbar bzw. direkt auf der Oberfläche der Trägerplatte
angeordnet sein. Die Harzschicht kann aber auch auf einem Dekorpapier aufgetragen
sein, welches wiederum auf der Trägerplatte angeordnet ist. Ebenfalls ist es vorstellbar,
dass die Harzschicht auf einer direkt auf der Trägerplatte aufgedruckten Dekorschicht
aufgetragen ist. Auch kann die Harzschicht verschiedene Additive wie natürliche oder
synthetische Fasern, Flammschutzmittel, Farbstoffe bzw. Farbpigmente oder abriebfeste
Partikel aufweisen. Generell sind verschiedene Varianten der auf der Trägerplatte
vorgesehen Harzschicht denkbar.
[0021] Durch die Verwendung einer Silanverbindung der allgemeinen Formel (I) in der Primerschicht
wird eine besonders gute Haftung der Primerschicht auf der Harzschicht, z.B. Melaminharzschicht,
bewirkt, die insbesondere durch die spezifischen Substituenten hervorgerufen wird.
So kann z.B. die OH-Gruppe eine bevorzugte Wechselwirkung mit der Matrix der Harzschicht
eingehen.
[0022] In einer weitergehenden, bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Holzwerkstoffplatte
ist auf der mindestens einen Primerschicht mindestens eine Schicht aus einem Decklack
angeordnet, wobei der mindestens eine Decklack mindestens eine Verbindung der allgemeinen
Formel (II)
R2aSiX(4-a) (II)
,
und/oder deren Hydrolyseprodukte aufweist, wobei
- X die obige Bedeutung aufweist,
- R2 ein nicht-hydroliserbarer organischer Rest R2 ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes Alkyl,
substituiertes und nicht-substituiertes Aryl, substituiertes und nicht-substituiertes
Alkenyl, substituiertes und nicht-substituiertes Alkinyl, substituiertes und nicht-substituiertes
Cycloalkyl, substituiertes und nicht-substituiertes Cycloalkenyl, die durch -O-oder
-NH- unterbrochen sein können, und
- wobei R2 mindestens eine funktionelle Gruppe Q2 aufweisen kann, die ausgewählt ist aus einer Gruppe enthaltend eine Epoxid-, Alkenyl-,
Alkinyl-, Acryl-, Acryloxy-, Methacryl-, Methacryloxy-, Cyano- und Isocyano-Gruppe,
und
- a = 1, 2, 3, insbesondere 1 oder 2 ist.
[0023] In einer bevorzugten Ausführungsform kann auch ein Gemisch von Silanen der allgemeinen
Formel (II) verwendet werden.
[0024] Der nicht-hydrolisierbare Rest R
2 ist bevorzugt ausgewählt aus einer Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes
C
1-C
30-Alkyl, insbesondere C
5-C
25-Alkyl, substituiertes und nicht-substituiertes C
2-C
6-Alkenyl, substituiertes und nicht-substituiertes C
3-C
8-Cycloalkyl und substituiertes und nicht-substituiertes C
3-C
8-Cycloalkenyl.
[0025] Es ist insbesondere von Vorteil, wenn der nicht-hydrolisierbare R
2 ausgewählt ist aus der Gruppe enthaltend Methyl, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl,
s-Butyl, t-Butyl, Pentyl, Hexyl, Cyclohexyl, Vinyl, 1-Propenyl, 2-Propenyl, Butenyl,
Acetylenyl, Propargyl, substituiertes und nicht-substituiertes Butadienyl oder substituiertes
und nicht-substituiertes Cyclohexadienyl, bevorzugt Methyl, Ethyl, Propyl oder Vinyl.
[0026] Die mindestens eine funktionelle Gruppe Q
2, die im Rest R
2 enthalten sein kann, umfasst vorteilhafterweise eine Acrylgruppe, Acryloxygruppe,
Methacrylgruppe oder eine Methacryloxygruppe, eine Epoxid-, bevorzugt ein 1,2-Epoxyethyl-Gruppe,
eine Glycidyl- oder Glycidyloxy-Gruppe, und/oder eine Isocyano-Gruppe.
[0027] Die funktionelle Gruppe Q
2 weist demnach vorteilhafterweise einen Rest mit einer Doppelbindung oder einer Epoxid-Gruppe
auf, der mittels UV-Strahlung aktivierbar und polymerisierbar ist. Dies ermöglicht
eine Härtung der Decklackschicht mittels UV-Bestrahlung.
[0028] Typische Verbindungen der allgemeinen Formel
(II), die in der Decklackschicht zum Einsatz kommen können, sind Methacryloxypropyltrimethoxysilan
(MPTS), Aminoethylaminopropyltrimethoxysilan, Silane mit einer Epoxyfunktionalisierung
wie Glycidyloxypropyltriethoxysilan, oder Silane mit einer Vinylfunktionalisierung
wie z.B. Vinyltrimethoxysilan. Wie bereits erwähnt ist es auch denkbar, dass Gemische
von Silanverbindungen der allgemeinen Formel (II) in einer Decklackschicht verwendet
werden. So kann z.B. das Reaktions- bzw. Hydrolyseprodukt von Methacrylpropyltrimethoxysilan
(MPTS) und Aminoethylaminopropyltrimethoxysilan an zum Einsatz kommen.
[0029] Wie oben beschrieben, verfügen die nicht-hydrolisierbaren Reste R
1 und R
2 jeweils über mindestens eine funktionelle Gruppe Q
1 oder Q
2. Darüber hinaus können die Reste R
1 und R
2 auch mit weiteren Resten substituiert vorliegen.
[0030] Der Begriff "substituiert", in Verwendung mit "Alkyl", "Alkenyl", "Aryl", etc., bezeichnet
die Substitution eines oder mehrerer Atome, in der Regel H-Atome, durch einen oder
mehrere der folgenden Substituenten, bevorzugt durch einen oder zwei der folgenden
Substituenten: Halogen, Hydroxy, geschütztes Hydroxy, Oxo, geschütztes Oxo, C
3-C
7-Cycloalkyl, bicyclisches Alkyl, Phenyl, Naphtyl, Amino, geschütztes Amino, monosubstituiertes
Amino, geschütztes monosubstituiertes Amino, disubstituiertes Amino, Guanidino, geschütztes
Guanidino, ein heterozyklischer Ring, ein substituierter heterozyklischer Ring, Imidazolyl,
Indolyl, Pyrrolidinyl, C
1-C
12-Alkoxy, C
1-C
12-Acyl, C
1-C
12-Acyloxy, Acryloyloxy, Nitro, Carboxy, geschütztes Carboxy, Carbamoyl, Cyano, Methylsulfonylamino,
Thiol, C
1-C
10-Alkylthio und C
1-C
10-Alkylsulfonyl. Die substituierten Alkygruppen, Arylgruppen, Alkenylgruppen, können
einmal oder mehrfach substituiert sein und bevorzugt 1- oder 2-mal, mit denselben
oder unterschiedlichen Substituenten.
[0031] Der Begriff "Alkinyl", wie hier verwendet, bezeichnet bevorzugt einen Rest der Formel
R-C≡C-, insbesondere ein "C
2-C
6-Alkinyl". Beispiele für C
2-C
6-Alkinyle schließen ein: Ethinyl, Propinyl, 2-Butinyl, 2-Pentinyl, 3-Pentinyl, 2-Hexinyl,
3-Hexinyl, 4-Hexinyl, Vinyl sowie Di- und Tri-ine von geraden und verzweigten Alkylketten.
[0032] Der Begriff "Aryl", wie hierin verwendet, bezeichnet bevorzugt aromatische Kohlenwasserstoffe,
beispielsweise Phenyl, Benzyl, Naphthyl, oder Anthryl. Substituierte Arylgruppen sind
Arylgruppen, die, wie oben definiert, mit einem oder mehreren Substituenten substituiert
sind.
[0033] Der Begriff "Cycloalkyl" umfasst bevorzugt die Gruppen Cyclopropyl, Cyclobutyl, Cyclopentyl,
Cyclohexyl und Cycloheptyl.
[0034] Der Begriff "Cycloalkenyl" umfasst bevorzugt substituierte oder nicht-substituierte
cyclische Gruppen wie Cyclopentenyl oder Cyclohexenyl. Auch werden vom dem Begriff
"Cycloalkenyl" cyclische Gruppen mit konjugierten Doppelbindungen wie z.B Cyclohexadiene
abgedeckt.
[0035] Der Begriff "Alkenyl" umfasst im Sinne der vorliegenden Anmeldungen Gruppen mit einer
oder mehreren Doppelbindungen, wobei die Doppelbindungen auch in konjugierter Form
vorliegen können, wie z.B. Butadiene.
[0036] In einer weiteren Variante der vorliegenden Holzwerkstoffplatte sind in der mindestens
einen Decklackschicht Nanopartikel vorgesehen, die eine Einstellung des Glanzgrades
ermöglichen. So können Glanzgrade zwischen 1 und 5, bevorzugt 2 und 4, insbesondere
bevorzugt 3 und 3,5 (DIN EN ISO 2813, Messwinkel 85°) eingestellt werden.
[0037] Die vorliegende Holzwerkstoffplatte weist überraschenderweise keine sogenannten Aufpoliereffekte
auf, die typischerweise bei der Herstellung bzw. bei der Nutzung sehr matter Oberflächen
auftreten. Aufpoliereffekte, z.B. in Form von Glanzstellen, entstehen zum Beispiel
bei einer Reinigung von konventionellen matten Oberflächen mit einem weichen Tuch
(Polieren) oder beim Schieben von Möbeln mit Filzgleitern über einen Bodenbelag mit
entsprechender Oberfläche. Diese Glanzstellen lassen sich nicht mehr entfernen und
sind neben der matten Oberfläche der Gebrauchsgegenstandsoberfläche besonders gut
erkennbar, wodurch der optische Eindruck des Produktes sehr beschädigt wird. Aus diesem
Grund haben sich konventionelle matte Oberflächen in der Vergangenheit keine relevanten
Marktanteile sichern können, obwohl die Oberfläche sowohl in der Haptik als auch in
der allgemeinen Anmutung als sehr angenehm empfunden wird. Umso überraschender ist
es, dass derartige Aufpoliereffekte im Falle der vorliegenden Holzwerkstoffplatte
nicht auftreten.
[0038] Die bevorzugt verwendeten Partikel weisen eine Größe zwischen 2 und 400 nm, bevorzugt
zwischen 2 bis 100 nm aufweist, insbesondere bevorzugt zwischen 2 bis 50 nm auf. Die
Partikel können insbesondere von oxidischer, hydroxidischer oder oxihydroxidischer
Natur sein, die über unterschiedliche Verfahren wie zum Beispiel Ionenaustauschprozess,
Plasma-Prozess, Sol-Gel-Verfahren, Vermahlung oder auch Flammabscheidung, hergestellt
werden können. In einer bevorzugten Ausführungsform werden Partikel auf Basis von
SiO
2, Al
2O
3, ZrO
2, TiO
2, SnO verwendet, wobei SiO
2-Partikel ganz besonders bevorzugt sind.
[0039] Die vorliegend verwendeten Nanopartikel können eine spezifische Oberfläche von 50
bis 500 m
2/g, bevorzugt von 100 bis 400 m
2/g, insbesondere bevorzugt von 200 bis 300 m
2/g aufweisen. Die Bestimmung der spezifischen Oberfläche erfolgte über Messungen der
Adsorption von Stickstoff nach der BET-Methode von Brunauer, Emmett und Teller.
[0040] Zur Verbesserung der Abrieb-/Verschleißfestigkeit der Decklackschicht können dem
Lack auch verschleißhemmende Partikel zugegeben werden. Diese können u. a. aus Aluminiumoxid
(Korund), Carbiden usw. bestehen. Wichtig ist dabei, dass die Größe der Partikel auf
die Auftragsmenge des Decklacks abgestimmt ist. Die Größe der verschleißhemmenden
Partikel kann im Bereich zwischen 1 und 20 µm, bevorzugt 5 und 15 µm, insbesondere
bevorzugt zwischen 7 und 12 µm liegen. und Bei einer Schichtdicke des Decklacks von
z. B. 10 - 12 µm sollten die verschleißhemmenden Materialien Partikelgrößen von 8
- 10 µm nicht überschreiten. In der Decklackschicht können demnach Nanopartikel und/oder
größere abriebfeste Partikel enthalten sein.
[0041] Wie oben erwähnt, können sowohl in der Primerschicht als auch in der Decklackschicht
jeweils Hydrolyseprodukte der mindestens einen Verbindung der allgemeinen Formel (I)
in der Primerschicht und/oder der mindestens einen Verbindung der allgemeinen Formel
(II) in der Decklackschicht enthalten sein. Derartige Hydrolyseprodukte sind bevorzugt
in Gegenwart von mindestens einer hydrolytisch wirksamen Verbindung, insbesondere
einer sauer reagierenden Verbindung erhältlich.
[0042] Die sauer reagierenden Verbindungen können Substanzen ausgewählt aus der Gruppe enthaltend
gesättigte oder ungesättigte Mono- und Polycarbonsäuren, insbesondere Octadecansäure,
Acrylsäure, Methacrylsäure oder Crotonsäure, Dicarbonylverbindungen, insbesondere
Acetylaceton, oder Aminosäuren, organische Derivate der Schwefelsäure wie Alkylsulfate
oder Fettalkoholsulfate, Ester der Sulfonsäuren wie Alkylsulfonsäuren und Alkylsulfonate,
p-Toluolsulfonsäure, organische Phosphate wie (alkyl)ethoxylierte Phosphorsäuren oder
Lecithin, Polysäuren, insbesondere Polyhydroxyasparaginsäure und Polyhydroxystearinsäure
sein. Weitere Beispiele sind 1H,1H-Pentadecafluoroctanol, Octanol, Stearinsäure, Ölsäure,
Hexansäurechlorid, Hexansäuremethylester, Hexylchlorid und Nonafluorbutylchlorid,
verwendet werden. Besonders bevorzugt ist die Verwendung von p-Toluolsulfonsäure,
Phosphorsäure, Octadecansäure oder Gemischen davon.
[0043] Generell ist es auch möglich als hydrolytische wirksame Verbindung eine alkalisch
reagierende Verbindung zu verwenden. Solch eine alkalisch reagierende Verbindung ist
bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe enthaltend Mono- und Polyamine, insbesondere Methylamin,
oder Ethylendiamin, Ammoniak, Alkali - und Erdalkalihydroxide, insbesondere NaOH oder
KOH.
[0044] In einer Ausführungsform werden mehr als eine hydrolytisch wirksame Verbindung eingesetzt,
wobei die Verwendung von zwei Säuren bevorzugt ist.
[0045] Prinzipiell kann als Trägerplatte eine Platte aus einem Holzwerkstoff oder aus Kunststoff
oder einem Holzwerkstoff-Kunststoff-Gemisch verwendet werden, insbesondere eine Span-,
mitteldichte Faser(MDF)-, hochdichte Faser (HDF)- oder Grobspan (OSB)- oder Sperrholzplatten,
eine Zementfaserplatte und/oder Gipsfaserplatte.
[0046] Zusätzlich zu der erfindungsgemäßen Oberflächenschicht aus Harzschicht, Primerschicht
und Decklackschicht kann die Werkstoffplatte in einer Ausführungsform mindestens eine
Dekorlage und/oder mindestens eine schalldämmende Schicht umfassen.
[0047] So ist die Dekorlage bevorzugt zwischen Trägerplatte und Harzschicht vorgesehen.
Die Dekore für die oberen Flächen der Trägerplatten können dabei auf einer Papierlage
oder direkt auf die plattenförmige Basis gedruckt vorliegen. Solche Dekore sind beispielsweise
Holz- oder Steinimitationen. Auch Fantasiedekore sind möglich. Diese können sich beispielsweise
aus Abwandlungen von natürlichen Werkstoffen ergeben.
[0048] Die schalldämmende Schicht ist bevorzugt auf der Unterseite der Trägerplatte, die
der Harzschicht gegenüberliegt, angeordnet. Als schalldämmende Schichten kommen vernetzte
[0049] PE-Matten mit Dicken von 1,0 mm oder 0,3 bis 3 mm dicke gefüllte Schwerfolien, aber
auch geschäumte PE- oder PU-Folien zum Einsatz.
[0050] Auch ist es vorstellbar, wenn in der Decklackschicht weitere Pigmente, wie Farbpigment
oder ähnliches enthalten sind.
[0051] Eine weitere Modifikation der Decklackschicht kann im Einbringen von Strukturen wie
z.B. Vertiefungen oder Erhöhungen in die Decklackschicht bestehen. Derartige Strukturen
können mit strukturierten Auftragswalzen in der Decklackschicht erzeugt werden, die
wenn nötig und/oder gewünscht den verwendeten Dekoren angepasst werden können. Derartige
Methoden zur Strukturierung von Oberflächen sind z.B. aus der
EP 2 251 501 B1 bekannt.
[0052] Die Holzwerkstoffplatte gemäß der vorliegenden Erfindung ist aufgrund der verbesserten
Haptik als Fußbodenplatte aber auch als Wandplatte, Deckenplatte oder Möbelplatte
einsetzbar.
[0053] Die Herstellung der vorliegenden Holzwerkstoffplatte erfolgt in einem Verfahren mit
den folgenden Schritten:
- Auftragen der mindestens einen Primerschicht auf die auf der mindestens einen Seite
(Oberseite) der Trägerplatte angeordnete ausgehärtete Harzschicht;
- Auftragen der mindestens einen Decklackschicht auf die Primerschicht;
- optionale Zugabe von Nanopartikeln zur Decklackschicht zur Einstellung des Glanzgrades,
und
- Aushärten der Decklackschicht durch UV-Bestrahlung.
[0054] In einer Variante des Verfahrens wird die auf der Trägerplatte angeordnete Harzschicht
vor dem Auftrag der Primerschicht angeschliffen. Das Anschleifen kann unter Verwendung
einer Schleifmaschine mit z.B. einer 80er Körnung erfolgen. Die Körnung der Schleifmaschine
ist dabei abhängig von den Eigenschaften (Dicke, Zusammensetzung) der Harzschicht
und entsprechend einstellbar. Nach dem Anschleifen kann in einem weiteren Schritt
die Reinigung der angeschliffenen Harzschicht mit herkömmlichen Methoden z.B. mit
einer Bürste erfolgen.
[0055] Auf die ggf. angeschliffene Harzschicht wird die Primerschicht enthaltend mindestens
eine der Silanverbindungen der allgemeinen Formel (I) in einer Menge von 2 bis 20
g/m
2, bevorzugt 5 bis 15 g/m
2, insbesondere bevorzugt 5 bis 10 g/m
2 in flüssiger Form aufgetragen. Als Lösungsmittel sind insbesondere Alkohole, wie
Methanol, Ethanol, Propanol und Butanol geeignet.
[0056] Der Auftrag der Primerschicht kann mit einer Walzenauftragsmaschine oder auch mit
jeder anderen bekannten Methode erfolgen. Im Anschluss wird die Primerschicht bei
Raumtemperatur angetrocknet bzw. abgelüftet. Dieser Vorgang kann durch Verwendung
eines IR-Strahlers unterstützt werden.
[0057] Auf die Primerschicht wird anschließend die Decklackschicht enthaltend mindestens
eine der Silanverbindungen der allgemeinen Formel (II) in einer Menge von 5 bis 30
g/m
2, bevorzugt 10 bis 20 g/m
2, insbesondere bevorzugt 10 bis 15 g/m
2 aufgetragen. Auch im Falle der Decklackschicht haben sich als geeignete Lösungsmittel
Alkohole wie Methanol, Ethanol, Propanol und Butanol erwiesen.
[0058] Der Auftrag der Decklackschicht kann ebenfalls mit Hilfe einer Walzenauftragsmaschine
oder anderen bekannten Auftragsverfahren erfolgen.
[0059] Wie oben erwähnt können der Decklackschicht Nanopartikel zur Einstellung des Glanzgrades
in die Decklackschicht eingemischt werden. In Abhängigkeit vom gewünschten Glanz-
oder Mattierungsgrad können die Nanopartikel in einer Menge von 5 bis 30 Gew%, bevorzugt
10 bis 20 Gew%, insbesondere bevorzugt 15 Gew% bezogen auf die Decklackschicht zugemischt
werden.
[0060] Die sich im nächsten Verfahrensschritt anschließende Härtung bzw. Aushärtung der
Decklackschicht erfolgt durch UV-Bestrahlung z.B. mit einem Galliumstrahler.
[0061] Die vorliegende Werkstoffplatte weist eine Vielzahl von Vorteilen gegenüber den herkömmlichen
Werkstoffplatten auf.
[0062] So lässt sich durch das nachträgliche Aufbringungen eines sehr dünnen Primers und
eines sehr dünnen Decklacks auf eine bereits mit einer Harzschicht (z.B. Melaminharzschicht)
versehene Oberfläche einer Holzwerkstoffplatte eine deutlich wärmere und angenehmere
Oberfläche erzeugen, wobei die positiven mechanischen Eigenschaften insbesondere einer
Melaminharz-Oberfläche beibehalten werden.
[0063] Wie oben erwähnt, kann es ggf. lediglich erforderlich sein, die Harzoberfläche eines
fertigen konventionell hergestellten Laminats leicht anzuschleifen.
[0064] Der verwendete Primer enthält in geringer Menge Lösemittel, was aber auf Grund der
niedrigen Auftragsmenge akzeptabel ist. Der Decklack ist ein UV-System, welches durch
Zugabe von Mattierungsmittel auf verschiedene Glanzgrade eingestellt werden kann.
[0065] Ein weiterer, wesentlicher Nutzen des vorliegenden Verfahrens ist, dass Produkte
mit leicht fehlerhaften Harzoberflächen oder nicht mehr verkäuflichen Oberflächen,
kostengünstig in neue Produkte umgewandelt werden können.
[0066] Die Vorteile der vorliegenden Holzwerkstoffplatte lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- die technischen Eigenschaften der herkömmlichen Werkstoffplatten wie z.B. der Laminatböden
bleiben im Wesentlichen erhalten;
- der maschinentechnische Aufwand zur Bearbeitung der Holzwerkstoffplatten ist moderat;
- die Zusatzkosten für Lackmaterial und Primerschicht sind gering;
- es sind beliebige Glanzgrade einstellbar;
- eine finale Strukturierung der Decklackschicht ist möglich.
[0067] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die Figuren der Zeichnungen an
mehreren Ausführungsbeispielen näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine perspektivische Ansicht eines Querschnitts einer Holzwerkstoffplatte gemäß einer
Ausführungsform.
[0068] Figur 1 zeigt den Querschnitt durch eine Ausführungsform der vorliegenden Holzwerkstoffplatte
bestehend aus einer Trägerplatte 1 mit einer auf der Oberseite der Trägerplatte 1
vorgesehenen Harzschicht 2. Die Harzschicht 2 kann z.B. eine Melamin-Formaldehyd-Harzschicht
sein, die direkt auf der Trägerplatte oder auf einem auf der Trägerplatte verklebtes
Dekorpapier aufgetragen ist. Ebenfalls ist es möglich, dass auf der Unterseite der
Trägerplatte 1 eine schalldämmende Schicht aufgetragen ist (nicht gezeigt).
[0069] Auf der ggf. angeschliffenen Harzschicht 2 ist eine Primerschicht 3 enthaltend mindestens
eine Silanverbindung der allgemeinen Formel (I) aufgetragen gefolgt von einer Decklackschicht
4 enthaltend mindestens eine Silanverbindung der allgemeinen Formel (II). In der Decklackschicht
4 können Strukturen 5 eingeprägt sein.
Ausführungsbeispiel:
[0070] Ein Laminatboden-Großformat (2800 mm x 2070 mm) in einer beliebigen Stärke von 6
bis 12 mm mit einer Büttenstruktur, das in der Kurztakt-Presse mit Melaminharz imprägnierten
Papieren beschichtet wurde, wird in Zuschnitte (1035 mm x 1400 mm) aufgetrennt. Diese
Zuschnitte werden zunächst in einer Lackstrasse mit Hilfe einer Schleifmaschine angeschliffen
(mit einer 80er Körnung) und mit einer Bürste gereinigt.
[0071] Anschließend wurde in einer Walzenauftragsmaschine ein Primer (Inosil HP17 der Firma
Inomat GmbH) in einer Menge von ca. 5 g/m
2 (flüssig) aufgetragen. Dieser Primer enthält ein Acidolyseprodukt aus Bis(3-trimethoxysilyl-propyl)amin
und p-Toluolsulfonsäure.
[0072] Nach kurzem Ablüften bei Raumtemperatur oder durch einen IR-Strahler unterstützt
erfolgt der Auftrag eines Decklacks (Inoflex NI+ der Firma Inomat GmbH) ebenfalls
mit Hilfe einer Walzenauftragsmaschine in einer Menge von ca. 10 g/m
2 (flüssig). Dieser UV-Lack besteht im Wesentlichen aus einem Reaktions- bzw. Hydrolyseprodukt
von Methacryloxypropyltrimethoxysilan (MPTS) und Aminoethylaminopropyltrimethoxysilan.
[0073] Zur Einstellung des Glanzgrades wurde ein Mattierungsmittel (Siloid 244) in einer
Menge von etwa 15 Gew.% bezogen auf den Lack zugemischt. Der Lack wird mit Hilfe einer
UV-Lampe ausgehärtet (Galliumstrahler, Leistung: 80 Watt/cm).
[0074] An der so lackierten und ausgehärteten Oberfläche wurde ein Gitterschnitttest (DIN
EN ISO 2409) durchgeführt. Dabei wurde die Stufe 0 erreicht welche das beste Ergebnis
gemäß dieser Prüfung darstellt. Eine Glanzgradmessung (DIN EN ISO 2813; Messwinkel:
85°) ergab im Mittel einen Wert von 3,5. Durch die Variation der Menge des Mattierungsmittels
im Decklack sind auch andere Glanzgrade möglich.
[0075] Die Oberfläche fühlte sich beim Anfassen deutlich wärmer und samtiger an als die
Ausgangsoberfläche. Die lackierten und ausgehärteten Zuschnitte wurden anschließend
in Dielenformate aufgetrennt und an den Kanten Verbindungsprofile angearbeitet und
mit Verriegelungsmitteln zum leimlosen Verbinden der Paneele zu einem schwimmend verlegten
Fußbodenbelag versehen werden.
[0076] Überraschend zeigt sich, dass keinerlei Aufpoliereffekte in der lackierten Fläche
bei einer simulierten Reinigung mit einem weichen Tuch auftraten. Bei der Fräsung
der Platten zu Elementen mit Verbindungsprofilen waren keinerlei Lackabsplitterungen
im Kantenbereich zu beobachten.
1. Holzwerkstoffplatte umfassend mindestens eine Trägerplatte (1) und mindestens einer
auf mindestens einer Seite der Trägerplatte angeordnete Harzschicht (2),
dadurch gekennzeichnet, dass
auf der mindestens einen Harzschicht (2) mindestens eine Primerschicht (3) angeordnet
ist, wobei die mindestens eine Primerschicht (3) mindestens eine Verbindung mit der
allgemeinen Formel (I)
R1aSiX(4-a) (I)
,
und/oder deren Hydrolyseprodukt aufweist, wobei
- X H, OH oder ein hydrolysierbarer Rest ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend Halogen,
Alkoxy, Carboxy, Amino, Monoalkylamino oder Dialkylamino, Aryloxy, Acyloxy, Alkylcarbonyl,
- R1 ein nicht-hydroliserbarer organischer Rest R1 ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes Alkyl,
substituiertes und nicht-substituiertes Aryl, substituiertes und nicht-substituiertes
Cycloalkyl, die durch - O- oder -NH- unterbrochen sein können, und
- wobei R1 mindestens eine funktionelle Gruppe Q1 aufweisen kann, die ausgewählt ist aus einer Gruppe enthaltend eine Hydroxy-, Ether-,
Amino-, Monoalkylamino-, Dialkylamino-, substituierte und nicht-substituierte Anilino-,
Amid-, Carboxy-, Mercapto-, Alkoxy-, Aldehyd- und Alkylcarbonyl-Gruppe, und
- a = 1, 2, 3, insbesondere 1 oder 2 ist.
2. Holzwerkstoffplatte nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass X ausgewählt ist aus einer Gruppe enthaltend Fluor, Chlor, Brom, Iod, C1-6-Alkoxy, insbesondere Methoxy, Ethoxy, n-Propoxy und Butoxy, C6-10-Aryloxy, insbesondere Phenoxy, C2-7-Acyloxy, insbesondere Acetoxy oder Propionoxy, C2-7-Alkylcarbonyl, insbesondere Acetyl, Monoalkylamino oder Dialkylamino mit C1 bis C12, insbesondere C1 bis C6.
3. Holzwerkstoffplatte nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass R1 ausgewählt ist aus einer Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes
C1-C30-Alkyl, insbesondere C5-C25-Alkyl, und substituiertes und nicht-substituiertes C3-C8-Cycloalkyl.
4. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass R1 ausgewählt ist aus der Gruppe enthaltend Methyl, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl,
s-Butyl, t-Butyl, Pentyl, Hexyl und Cyclohexyl, bevorzugt Methyl, Ethyl oder Propyl.
5. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die funktionelle Gruppe eine Aminogruppe, eine Monoalkylaminogruppe, bevorzugt Propyl-amino,
Butylamino-Gruppe, Aminoethylamino-Gruppe oder Silylpropylamino-Gruppe, eine Arylgruppe,
insbesondere eine Phenylgruppe, und eine Hydroxygruppe ist.
6. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass auf der mindestens einen Primerschicht (3) mindestens eine Schicht aus einem Decklack
(4) angeordnet ist, wobei der mindestens eine Decklack (4) mindestens eine Verbindung
der allgemeinen Formel (II)
R2aSiX(4-a) (II)
,
und/oder deren Hydrolyseprodukt aufweist, wobei
- X H, OH oder ein hydrolysierbarer Rest ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend Halogen,
Alkoxy, Carboxy, Amino, Monoalkylamino oder Dialkylamino, Aryloxy, Acyloxy, Alkylcarbonyl,
- R2 ein nicht-hydroliserbarer organischer Rest R2 ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes Alkyl,
substituiertes und nicht-substituiertes Aryl, substituiertes und nicht-substituiertes
Alkenyl, substituiertes und nicht-substituiertes Alkinyl, substituiertes und nicht-substituiertes
Cycloalkyl, substituiertes und nicht-substituiertes Cycloalkenyl, die durch -O-oder
-NH- unterbrochen sein können, und
- wobei R2 mindestens eine funktionelle Gruppe Q2 aufweisen kann, die ausgewählt ist aus einer Gruppe enthaltend eine Epoxid-, Alkenyl-,
Alkinyl-, Acryl-, Acryloxy-, Methacryl-, Methacryloxy-, Cyano- und Isocyano-Gruppe
und
- a = 1, 2, 3, insbesondere 1 oder 2 ist.
7. Holzwerkstoffplatte nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass R2 ausgewählt ist aus einer Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes
C1-C30-Alkyl, insbesondere C5-C25-Alkyl, substituiertes und nicht-substituiertes C2-C6-Alkenyl, substituiertes und nicht-substituiertes C3-C8-Cycloalkyl und substituiertes und nicht-substituiertes C3-C8-Cycloalkenyl.
8. Holzwerkstoffplatte nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass R2 ausgewählt ist aus der Gruppe enthaltend Methyl, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl,
s-Butyl, t-Butyl, Pentyl, Hexyl, Cyclohexyl, Vinyl, 1-Propenyl, 2-Propenyl, Butenyl,
Acetylenyl, Propargyl, substituiertes und nicht-substituiertes Butadienyl oder substituiertes
und nicht-substituiertes Cyclohexadienyl, bevorzugt Methyl, Ethyl, Propyl oder Vinyl.
9. Holzwerkstoffplatte nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die funktionelle Gruppe Q2 eine Acrylgruppe, Acryloxygruppe, Methacrylgruppe oder eine Methacryloxygruppe, eine
Epoxid-, bevorzugt ein 1,2-Epoxyethyl-Gruppe, eine Glycidyl- oder Glycidyloxy-Gruppe,
und/oder eine Isocyano-Gruppe ist.
10. Holzwerkstoffplatte nach einem der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass in der mindestens einen Decklackschicht (4) Nanopartikel mit einer Größe zwischen
2 und 400 nm, bevorzugt zwischen 2 bis 100 nm, insbesondere bevorzugt zwischen 2 bis
50 nm enthalten sein können.
11. Holzwerkstoffplatte nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Nanopartikel oxidische, hydroxidische oder oxihydroxidische Nanopartikel, insbesondere
auf der Basis von SiO2, Al2O3, ZrO2, TiO2, SnO sind.
12. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Hydrolyseprodukt der mindestens einen Verbindung der allgemeinen Formel (I) in
der Primerschicht (3) und/oder der mindestens einen Verbindung der allgemeinen Formel
(II) in der Decklackschicht (4) in Gegenwart von mindestens einer hydrolytisch wirksamen
Verbindung, insbesondere einer sauer reagierenden Verbindung erhältlich ist.
13. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Harzschicht (2) aus einem Formaldehyd-Harz, insbesondere einem Melamin-Formaldehyd-Harz,
einem Melamin-Harnstoff-Formaldehyd-Harz oder Harnstoff-Formaldehyd-Harz besteht.
14. Verfahren zur Herstellung einer Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden
Ansprüche umfassend die Schritte:
- Auftragen der mindestens einen Primerschicht (3) auf die auf der mindestens einen
Seite der Trägerplatte angeordnete ausgehärtete Harzschicht (2);
- Auftragen der mindestens einen Decklackschicht (4) auf die Primerschicht (4);
- Zugabe von Nanopartikeln zur Decklackschicht zur Einstellung des Glanzgrades, und
- Aushärten der Decklackschicht durch UV-Bestrahlung.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Harzschicht (2) vor dem Auftrag der Primerschicht (3) angeschliffen wird.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 137(2) EPÜ.
1. Holzwerkstoffplatte umfassend mindestens eine Trägerplatte (1) und mindestens einer
auf mindestens einer Seite der Trägerplatte angeordnete Harzschicht (2),
dadurch gekennzeichnet, dass
auf der mindestens einen Harzschicht (2) mindestens eine Primerschicht (3) angeordnet
ist, wobei die mindestens eine Primerschicht (3) mindestens eine Verbindung mit der
allgemeinen Formel (I)
R1aSiX(4-a) (I),
und/oder deren Hydrolyseprodukt aufweist, wobei
- X H, OH oder ein hydrolysierbarer Rest ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend Halogen,
Alkoxy, Carboxy, Amino, Monoalkylamino oder Dialkylamino, Aryloxy, Acyloxy, Alkylcarbonyl,
- R1 ein nicht-hydroliserbarer organischer Rest R1 ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes Alkyl,
substituiertes und nicht-substituiertes Aryl, substituiertes und nicht-substituiertes
Cycloalkyl, die durch - O- oder -NH- unterbrochen sein können, und
- wobei R1 mindestens eine funktionelle Gruppe Q1 aufweisen kann, die ausgewählt ist aus einer Gruppe enthaltend eine Hydroxy-, Ether-,
Amino-, Monoalkylamino-, Dialkylamino-, substituierte und nicht-substituierte Anilino-,
Amid-, Carboxy-, Mercapto-, Alkoxy-, Aldehyd- und Alkylcarbonyl-Gruppe, und
- a = 1, 2, 3, insbesondere 1 oder 2 ist, und
wobei auf der mindestens einen Primerschicht (3) mindestens eine Schicht aus einem
Decklack (4) angeordnet ist, wobei der mindestens eine Decklack (4) mindestens eine
Verbindung der allgemeinen Formel (II)
R2aSiX(4-a) (II),
und/oder deren Hydrolyseprodukt aufweist, wobei
- X H, OH oder ein hydrolysierbarer Rest ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend Halogen,
Alkoxy, Carboxy, Amino, Monoalkylamino oder Dialkylamino, Aryloxy, Acyloxy, Alkylcarbonyl,
- R2 ein nicht-hydroliserbarer organischer Rest R2 ist ausgewählt aus der Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes Alkyl,
substituiertes und nicht-substituiertes Aryl, substituiertes und nicht-substituiertes
Alkenyl, substituiertes und nicht-substituiertes Alkinyl, substituiertes und nicht-substituiertes
Cycloalkyl, substituiertes und nicht-substituiertes Cycloalkenyl, die durch -O-oder
-NH- unterbrochen sein können, und
- wobei R2 mindestens eine funktionelle Gruppe Q2 aufweisen kann, die ausgewählt ist aus einer Gruppe enthaltend eine Epoxid-, Alkenyl-,
Alkinyl-, Acryl-, Acryloxy-, Methacryl-, Methacryloxy-, Cyano- und Isocyano-Gruppe
und
- a = 1, 2, 3, insbesondere 1 oder 2 ist.
2. Holzwerkstoffplatte nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass X ausgewählt ist aus einer Gruppe enthaltend Fluor, Chlor, Brom, Iod, C1-6-Alkoxy, insbesondere Methoxy, Ethoxy, n-Propoxy und Butoxy, C6-10-Aryloxy, insbesondere Phenoxy, C2-7-Acyloxy, insbesondere Acetoxy oder Propionoxy, C2-7-Alkylcarbonyl, insbesondere Acetyl, Monoalkylamino oder Dialkylamino mit C1 bis C12, insbesondere C1 bis C6.
3. Holzwerkstoffplatte nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass R1 ausgewählt ist aus einer Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes
C1-C30-Alkyl, insbesondere C5-C25-Alkyl, und substituiertes und nicht-substituiertes C3-C8-Cycloalkyl.
4. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass R1 ausgewählt ist aus der Gruppe enthaltend Methyl, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl,
s-Butyl, t-Butyl, Pentyl, Hexyl und Cyclohexyl, bevorzugt Methyl, Ethyl oder Propyl.
5. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die funktionelle Gruppe Q1 eine Aminogruppe, eine Monoalkylaminogruppe, bevorzugt Propyl-amino, Butylamino-Gruppe,
Aminoethylamino-Gruppe oder Silylpropylamino-Gruppe, eine Arylgruppe, insbesondere
eine Phenylgruppe, und eine Hydroxygruppe ist.
6. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche , dadurch gekennzeichnet, dass R2 ausgewählt ist aus einer Gruppe umfassend substituiertes und nicht-substituiertes
C1-C30-Alkyl, insbesondere C5-C25-Alkyl, substituiertes und nicht-substituiertes C2-C6-Alkenyl, substituiertes und nicht-substituiertes C3-C8-Cycloalkyl und substituiertes und nicht-substituiertes C3-C8-Cycloalkenyl.
7. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche , dadurch gekennzeichnet, dass R2 ausgewählt ist aus der Gruppe enthaltend Methyl, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl,
s-Butyl, t-Butyl, Pentyl, Hexyl, Cyclohexyl, Vinyl, 1-Propenyl, 2-Propenyl, Butenyl,
Acetylenyl, Propargyl, substituiertes und nicht-substituiertes Butadienyl oder substituiertes
und nicht-substituiertes Cyclohexadienyl, bevorzugt Methyl, Ethyl, Propyl oder Vinyl.
8. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die funktionelle Gruppe Q2 eine Acrylgruppe, Acryloxygruppe, Methacrylgruppe oder eine Methacryloxygruppe, eine
Epoxid-, bevorzugt ein 1,2-Epoxyethyl-Gruppe, eine Glycidyl- oder Glycidyloxy-Gruppe,
und/oder eine Isocyano-Gruppe ist.
9. Holzwerkstoffplatte nach einem der einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in der mindestens einen Decklackschicht (4) Nanopartikel mit einer Größe zwischen
2 und 400 nm, bevorzugt zwischen 2 bis 100 nm, insbesondere bevorzugt zwischen 2 bis
50 nm enthalten sein können.
10. Holzwerkstoffplatte nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Nanopartikel oxidische, hydroxidische oder oxihydroxidische Nanopartikel, insbesondere
auf der Basis von SiO2, Al2O3, ZrO2, TiO2, SnO sind.
11. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Hydrolyseprodukt der mindestens einen Verbindung der allgemeinen Formel (I) in
der Primerschicht (3) und/oder der mindestens einen Verbindung der allgemeinen Formel
(II) in der Decklackschicht (4) in Gegenwart von mindestens einer hydrolytisch wirksamen
Verbindung, insbesondere einer sauer reagierenden Verbindung erhältlich ist.
12. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Harzschicht (2) aus einem Formaldehyd-Harz, insbesondere einem Melamin-Formaldehyd-Harz,
einem Melamin-Harnstoff-Formaldehyd-Harz oder Harnstoff-Formaldehyd-Harz besteht.
13. Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Trägerplatte (1) und Harzschicht (2) mindestens eine Dekorlage vorgesehen
ist.
14. Verfahren zur Herstellung einer Holzwerkstoffplatte nach einem der vorhergehenden
Ansprüche umfassend die Schritte:
- Auftragen der mindestens einen Primerschicht (3) auf die auf der mindestens einen
Seite der Trägerplatte angeordnete ausgehärtete Harzschicht (2);
- Auftragen der mindestens einen Decklackschicht (4) auf die Primerschicht (4);
- Zugabe von Nanopartikeln zur Decklackschicht zur Einstellung des Glanzgrades, und
- Aushärten der Decklackschicht durch UV-Bestrahlung.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Harzschicht (2) vor dem Auftrag der Primerschicht (3) angeschliffen wird.