[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Sanierung von Rissen in Asphaltflächen
oder ähnlich gearteten Flächen gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie eine Vorrichtung
gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 4.
[0002] Ein Verfahren gattungsgemäßer Art ist in der Fachwelt als "Riss-Abdeck-Verfahren"
bekannt. Bei diesem Verfahren wird ein in einer Asphaltfläche oder in einer ähnlich
gearteten Fläche vorhandener Riss zunächst durch erhitzte Druckluft gereinigt und
der Flankenbereich des Risses thermisch aktiviert. Anschließend wird der so gesäuberte
Riss mit einer Heiss-Vergussmasse auf Bitumenbasis versiegelt. Der Auftrag erfolgt
mittels eines Ziehschuhes in der Breite von vier bis fünf Zentimeter. Das heiße, zähflüssige
Bitumen dringt dabei auch in den Rissspalt ein. Auf das heiße Bitumen wird anschließend
Abstreugut aufgebracht. Dieses Abstreugut besteht in der Regel aus Edelbrechsand bzw.
Edelsplit mit der Korngröße 1/3, wobei es ggf. vorbituminiert ist. Das Abstreugut
soll einerseits die Restklebekraft des Bitumens reduzieren, um Anhaftungen an Verkehrsteilnehmern
zu verhindern, und andererseits langfristig den Reibungswert der Sanierungsfläche
erhöhen, da das erkaltete Bitumen der Sanierung besonders in Verbindung mit Feuchtigkeit
und Nässe mit seiner Glätte ein Verkehrsrisiko darstellen kann, insbesondere für Zweiradfahrer.
Das Abstreugut wird bisher "aufgerieselt", d. h. allein durch Schwerkraft entweder
per Hand, per Streu- bzw. Rieselwagen oder per Abstreuautomaten aufgebracht. Um eine
festere Verbindung zwischen dem Abstreugut und der Abdeckung des Risses herzustellen,
wird das Abstreugut in die Bitumenmasse eingedrückt, z. B. durch Einwalzen, was allerdings
nicht sehr praxistauglich ist, da die Gefahr besteht, dass die frisch vergossene Abdeckung
durch Anhaftung der noch heißen, klebrigen Vergussmasse an der Walze beschädigt wird.
Zum Abschluss der Risssanierung muss überschüssiges Korn durch manuelles oder maschinelles
Abfegen entfernt werden. Die sanierte Fläche kann dann befahren bzw. begangen werden.
[0003] Das "Riss-Abdeck-Verfahren" ist in "Hinweise für das Schließen und die Sanierung
von Rissen sowie schadhaften Nähten und Anschlüssen in Verkehrsflächen aus Asphalt"
der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, Arbeitsgruppe Asphaltstraßen,
Ausgabe 2003 beschrieben. Diese Broschüre wurde von der FGSV Verlag GmbH, Wesselinger
Straße 17, 50999 Köln, hergestellt und vertrieben.
[0004] Eine nach dem "Riss-Abdeck-Verfahren" arbeitende Vorrichtung ist in der
DE 103 40 051 A1 offenbart. Bei dieser Vorrichtung erfolgt das Aufbringen des Abstreuguts durch ein
absenkbares Laufrad mit unrundem Lauf oder profiliertem Rad, welches auf eine Rutschfläche
im Auslass für das Abstreugut einwirkt.
[0005] Es ist auch bekannt, eine Risssanierung mit einer Kalt-Vergussmasse durchzuführen.
Es handelt sich dabei um ein Zweikomponentensystem, das kalt in den Riss eingebracht
wird und dort durch eine chemische Reaktion aushärtet. Vor dem Aushärten wird das
Abstreugut, wie oben bei der Heiß-Vergussmasse beschrieben, aufgebracht. Ein Eindrücken
des Abstreugutes in die Masse, z. B. durch Einwalzen, ist auch bei diesem Verfahren
nicht sehr praxistauglich, da die Gefahr besteht, dass die frisch vergossene Abdeckung
durch Anhaftung der noch klebrigen Vergussmasse an der Walze beschädigt wird.
[0006] Die Überberdeckung der sanierten Risse wird durch Verkehrsteilnehmer im Laufe der
Nutzung ab- und breitgefahren. Es hat sich in nachteiliger Weise gezeigt, dass die
Abdeckung von nach dem oben beschriebenen Verfahren sanierten Rissen relativ schnell
zur Glättebildung neigt.
[0007] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zur Sanierung von Rissen gattungsgemäßer Art zur Verfügung zu stellen, bei dem bzw.
bei der die Vergussmasse der sanierten Risse eine langlebige Griffigkeit aufweist.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einem Verfahren gelöst, welches die Merkmale
des Anspruchs 1 aufweist bzw. mit einer Vorrichtung, die die Merkmale von Anspruch
4 aufweist.
[0009] Bei dem erfindungsgemäßen Sanierungsverfahren wird das Abstreugut nicht mehr wie
bisher aufgerieselt, d. h. allein durch Schwerkraft aufgebracht, sondern in die Abdeckung
hineingeschossen. Das Abstreugut haftet dadurch nicht nur auf der Oberfläche der Abdeckung
bzw. in einer der Oberfläche nahen Schicht, sondern es dringt tief in die Abdeckung
ein, so dass dort ein Depot in Form einer Kornmatrix gebildet wird. Wenn derartig
sanierte Risse befahren werden, wird durch den normalen Verschleiß der Vergussschicht
sukzessive das eingelagerte Korn des Abstreugutes an der Oberfläche freigelegt und
steht somit für einen durchgehenden Griffigkeitserhalt zur Verfügung. Diese Funktion
hält solange an, bis sich die Abdeckung gänzlich aufgebraucht hat und somit auch das
Depot nicht mehr vorhanden ist. Dadurch wird Glättebildung bei Nässe und Feuchtigkeit
über verhindert.
[0010] In vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung erfolgt die Beschleunigung des Streugutes
entweder auf mechanischem oder pneumatischem Wege. Erfindungsgemäße Vorrichtungen
weisen entsprechende pneumatische oder mechanische Beschleunigungsvorrichtungen für
das Abstreugut auf.
[0011] Die Erfindung wird nachstehend anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
In der dazugehörigen Zeichnung zeigt in schematischer Weise:
- Fig. 1
- einen verschmutzten Riss in einer Asphaltfläche,
- Fig. 2
- einen gesäuberten Riss,
- Fig. 3
- einen abgedeckten Riss,
- Fig. 4
- eine Darstellung gemäß Fig. 3 bei in die Abdeckung eingeschossenem Abstreugut,
- Fig. 5
- eine Darstellung gemäß Fig. 4 bei zum Teil abgenutzter Abdeckung,
- Fig. 6
- eine Vorrichtung zum Einschießen von Abstreugut durch Fliehkraft, und
- Fig. 7
- eine Vorrichtung zum Einschießen von Abstreugut mittels Druckluft.
[0012] Die Erfindung wird nachstehend am Beispiel des "Riss-Abdeck-Verfahrens" beschrieben.
[0013] Fig. 1 zeigt einen Schnitt durch einen Riss 1 in einer Asphaltfläche 2 mit Verschmutzung
3 durch Straßenstaub, Reifenabrieb, etc. Die übliche Rissbreite beträgt bis zu einem
Zentimeter, die übliche Risstiefe bis 2,5 Zentimeter.
[0014] Zur Sanierung muss der in Fig. 1 gezeigte verschmutzte Riss 1 gesäubert werden. Dazu
wird eine Heißdruckluftlanze verwendet, die mit erhitzter Druckluft bei einem Druck
von 4 bis 6 bar und einer Temperatur von 500°C arbeitet. Mit der Heißdruckluft wird
der Riss freigeblasen und der Asphalt im Flankenbereich des Risses 1 aufgeheizt, d.
h., thermisch aktiviert. Fig. 2 zeigt den gesäuberten Riss 1.
[0015] Im unmittelbaren Anschluss an die Säuberung erfolgt das Verfüllen des Risses 1 mit
Heiß-Vergussmasse auf Bitumenbasis (Fig. 3). Die Vergussmasse wird bei 160°C mittels
eines Ziehschuhes aufgetragen, wobei die Abdeckung 4 des Risses 1 eine Breite B von
ca. 5 Zentimeter und eine Dicke D von nicht mehr als 2 Millimeter haben soll. Das
heiße, zähflüssige Material dringt dabei auch in den Riss 1 ein und kühlt in Abhängigkeit
von der Umgebungstemperatur innerhalb von 15 bis 30 Minuten aus. Insoweit entspricht
das erfindungsgemäße Verfahren dem bisher üblichen Stand der Technik.
[0016] In Abwendung von dem bisherigen Stand der Technik wird in dem nächsten Verfahrensschritt,
dessen Ergebnis in Fig. 4 dargestellt ist, das Abstreugut nicht mehr auf die Abdeckung
4 aufgerieselt, sondern in dieses hineingeschossen. Die Körner 6.1 des Abstreugutes
6 bleiben dadurch nicht nur an der Oberfläche der Abdeckung 4 haften, sondern dringen
tief in diese ein, so dass sich in der Abdeckung 4 ein Depot an Körnern 6.1 ausbildet.
[0017] Die Überdeckung 4 wird im Laufe der Nutzung durch Verkehrsteilnehmer ab- und breitgefahren.
Das ist in Fig. 5 dargestellt. Aus dieser Darstellung ist auch ersichtlich, dass im
Laufe der Abnutzung der Abdeckung 4 immer wieder neue Körner 6.1 des Abstreugutes
6 freigelegt werden, so dass die Griffigkeit der sanierten Stelle bis zur völligen
Abnutzung der Abdeckung 4 erhalten bleibt.
[0018] Fig. 6 zeigt eine erste Ausführungsform einer Vorrichtung 7 zum Beschießen der Abdeckung
4 mit Abstreugut 6. Diese Vorrichtung 7 weist einen Vorratsbehälter 8 für das Abstreugut
6 auf. Der Vorratsbehälter 8 besitzt einen trichterförmigen Boden 8.1, der in ein
Fallrohr 9 mündet. Das Fallrohr 9 bindet tangential in ein Gehäuse 10 eines Schaufelrades
11 ein. Das Schaufelrad 11 dreht sich, bezogen auf die Darstellung, in Uhrzeigerrichtung
und saugt dadurch zum einen Abstreugut 6 an, und zum anderen beschleunigt es dieses
auf eine Geschwindigkeit, die ausreicht, damit die Körner 6.1 des Abstreugutes 6 tief
in die Abdeckung 4 eindringen und dort ein Depot bildet, wie vorstehend beschrieben.
[0019] Fig. 7 zeigt eine weitere Vorrichtung 12 zum Beschießen der Abdeckung 4 mit Abstreugut
6. Diese Vorrichtung 12 besitzt ebenfalls wieder einen Vorratsbehälter 8 für das Abstreugut
6. Der trichterförmige Boden 8.1 des Vorratsbehälters 8 mündet auch hier in ein Fallrohr
9. Das Fallrohr 9 bindet in eine Druckleitung 13 ein, welche mit einer Druckluftquelle
14 verbunden ist. Die die Druckleitung 13 durchströmende Druckluft erzeugt an der
Einmündungsstelle des Fallrohres 9 einen Unterdruck, wodurch Abstreugut 6 angesaugt
und gleichzeitig beschleunigt wird. Die Druckleitung 13 besitzt einen Anschluss 14,
an dem ein Ende eines Schlauches 15 angeschlossen ist. Das andere Ende dieses Schlauches
15 ist über einen weiteren Anschluss 16 mit einer Handlanze 17 verbunden, die von
einer Bedienperson gehalten wird. Die Bedienperson kann das Mundstück 17.1 der Lanze
17 exakt auf die Abdeckung 4 ausrichten, so dass das Abstreugut 6 zielgerichtet in
die Abdeckung 4 eingeschossen werden kann.
[0020] Die Dosierung des Abstreugutes 6 erfolgt durch Abstimmung von Druckluftmenge, Druckluftdruck
und Menge des zugeführten Abstreugutes 6.
1. Verfahren zur Sanierung von Rissen in Asphaltflächen oder in ähnlich gearteten Flächen,
wobei die Risse (1) zunächst gesäubert, dann mittels einer Heiß-Vergussmasse oder
Kalt-Vergussmasse mit einer bandartigen Abdeckung (4) versiegelt werden und anschließend
die Abdeckung (4) mit einem Abstreugut (6) versehen wird, dadurch gekennzeichnet, dass das Abstreugut (6) in die Abdeckung (4) eingeschossen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschleunigung des Abstreugutes (6) auf Einschussgeschwindigkeit pneumatisch
erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschleunigung des Abstreugutes (6) auf Einschussgeschwindigkeit mechanisch erfolgt.
4. Vorrichtung zur Sanierung von Rissen in Asphaltflächen oder in ähnlich gearteten Flächen
zur Durchführung des Verfahrens gemäß Anspruch 2 mit einer Heiß-Vergussmasse, aufweisend
eine Heißdruckluftlanze mit Kompressor, einen temperaturgesteuerten, indirekt beheizten
Rührwerkskocher für die Vergussmasse, einen Ziehschuh und eine Einrichtung zur Versorgung
der Abdeckung mit Abstreugut, dadurch gekennzeichnet, dass die Einrichtung zur Versorgung der Abdeckung (4) mit Abstreugut (6) eine pneumatische
Beschleunigungsvorrichtung für das Abstreugut (6) aufweist.