TECHNISCHES GEBIET
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Feuerleitvisier für eine Handfeuerwaffe nach
dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1. Sie betrifft weiterhin eine Handfeuerwaffe
mit einem derartigen Feuerleitvisier sowie ein Verfahren zum Ausrichten einer solchen
Handfeuerwaffe.
STAND DER TECHNIK
[0002] Aus der
EP 0 785 406 A2 ist ein an einer Handfeuerwaffe anbringbarer Granatwerfer mit einem Laserentfernungsmesser
und einer digitalen Kompasseinrichtung versehen. Der Laserentfernungsmesser ist mit
einer LED-Anzeigevorrichtung versehen, mittels derer der Schütze das Ziel einweisen
kann. Der Schütze ist bei dieser bekannten Vorrichtung vollständig auf die elektronische
Zieleinweisungsvorrichtung angewiesen. Bei einem eventuellen Ausfall der Elektronik
fehlt jegliche redundante Zieleinweisungsmöglichkeit.
[0003] Die
US 6,499,382 B1 zeigt und beschreibt eine elektronische Visiereinrichtung als Zielsystem für eine
schwere Waffe, die auf einem Stativ oder einer anderen Sockeleinrichtung schwenkbar
und neigbar befestigt ist. Dieses Zielsystem ist mit der Waffe derart verbunden, dass
sich das Zielsystem mit der Waffe in Azimutrichtung drehen und in Elevationsrichtung
verschwenken kann. Das Zielsystem weist eine Kamera und einen Bildschirm auf, über
den der Schütze das Ziel einweisen kann. Diese bekannte Vorrichtung ist für den Einsatz
an einer Handfeuerwaffe zu groß und zu schwer.
[0004] Aus der
US 2005/0268521 A1 ist eine elektronische Visiervorrichtung für eine Feuerwaffe bekannt, die mit einem
Neigungssensor, einem Beschleunigungsmesser und einem Wendekreisel ausgestattet ist.
Auch diese Visiervorrichtung ist groß und schwer und für eine Handfeuerwaffe weniger
geeignet. Zudem steht beim Ausfall dieser elektronischen Visiervorrichtung keine Redundanz
zur Verfügung.
[0005] Bisher übliche Visieranzeigen verwenden häufig eine in den optischen Strahlengang
eingeblendete Markierung des Haltepunktes, was den Nachteil hat, dass der Öffnungswinkel
der Visieroptik den maximalen Elevationswinkel abdecken muss. Für weit entfernte Ziele
überschreitet dieser Winkel jedoch schnell die üblichen Visier-Öffnungswinkel, da
Elevationen von bis zu 45° vorkommen. Gerade bei diesen hohen Elevationen wird ein
weit entferntes Ziel (zum Beispiel 450 Meter entfernt) bekämpft, für dessen Vermessung
man andererseits ein vergrößerndes Visier mit einem kleinen Öffnungswinkel benötigen
würde.
[0006] Eine weitere allgemein bekannte Lösung für die vorgenannte Zielantagonie ist die
"Kippung" des Strahlengangs über einen motorgetriebenen Spiegel oder ein Prisma innerhalb
der Visieroptik. Damit wird das Problem des Widerspruchs großer Sichtwinkel und hinreichender
Vergrößerung gelöst. Allerdings weisen solche Systeme eine relativ große Trägheit
des gesamten Visiersystems auf, die durch den motorischen Schwenkvorgang des Spiegels
verursacht wird. Zudem ist das Sichtfeld des Schützen auf den geringen Öffnungswinkel
des Visiers eingeengt.
[0007] Bei all diesen bekannten elektronischen Visiereinrichtungen muss der Schütze als
Rückfalllösung zusätzlich ein klassisches Leitervisier mitführen, damit er auch beim
Ausfall der elektronischen Visiereinrichtung die Waffe noch nutzen kann.
[0008] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein gattungsgemäßes Feuerleitvisier
bereitzustellen, das durch intuitive Darstellungen eine schnelle und exakte Elevationskontrolle
für den Schütze ermöglicht, ohne dass dabei ein wesentlich erhöhtes Gewicht an einer
Feuerwaffe mitgeführt werden muss. Zudem sollte das Feuerleitvisier Redundanzfähigkeit
besitzen, falls die elektronischen Hilfsanzeigen ausfallen. Eine weitere Aufgabe ist
es, eine Handfeuerwaffe mit einem solchen Feuerleitvisier sowie ein Verfahren zum
Ausrichten einer solchen Handfeuerwaffe anzugeben.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0009] Die auf das Feuerleitvisier gerichtete Lösung der Aufgabe wird erzielt durch das
Feuerleitvisier mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1.
[0010] Dieses Feuerleitvisier für eine Handfeuerwaffe, insbesondere für eine Granatpistole,
ist versehen mit einem Visiergehäuse, einem Visierkorn, einer Visierleiter, die zwei
Visierleiterholme mit einer Mehrzahl von Visierkimmen bildenden Visiersprossen aufweist
und zeichnet sich aus durch eine Entfernungsmesseinrichtung, zumindest einen Inertialsensor
und/oder einen Magnetfeldsensor und/oder eine andere richtungserhaltende Sensoreinheit,
einen Steuerungsrechner und eine Anzeigerichtung zur Anzeige einer vom Steuerungsrechner
ermittelten optimalen Ausrichtung der Laufachse der Handfeuerwaffe.
VORTEILE
[0011] Dieses erfindungsgemäße Feuerleitvisier integriert ein elektrooptisches Anzeigesystem
in ein klassisches Leitervisier, das dem Schützen den optimalen Haltepunkt signalisiert
sowie durch eine nichtlineare optische Balkenanzeige eine genaue Feinausrichtung ermöglicht.
Die Entfernungsdaten werden über eine Entfernungsmesseinrichtung, beispielsweise einen
Laser-Abstandsmesser, gemessen und die Lage der Handfeuerwaffe wird über zumindest
einen Inertialsensor bestimmt. Die Erfindung besteht somit in der Integration einer
Anzeigeeinrichtung zur Anzeige einer vom Steuerungsrechner ermittelten optimalen Ausrichtung
der Laufachse der Handfeuerwaffe in ein standardmäßiges Leitervisier. Die Anzeigeeinrichtung
wird von einem Steuerungsrechner angesteuert, der über angeschlossene Sensoren die
aktuelle Lage der Handfeuerwaffe um den Nickwinkel, den Rollwinkel und den Azimutwinkel
kennt. Weiterhin wird die Entfernung zum Ziel durch eine Abstandsmessung mit der integrierten
Entfernungsmesseinrichtung bestimmt und die Richtung auf das Ziel wird mittels des
Magnetfeldsensors oder einer anderen richtungserhaltenden Sensoreinheit (zum Beispiel
mittels Kreiseln) ermittelt. Der Steuerungsrechner ist mit einer elektronischen Speichereinrichtung
versehen oder verbunden, in der eine Tabelle des Feuerleitvisiers mit darin abgelegten
Geschossparametern gespeichert ist. Aus diesen Geschossparametern und den aufgenommenen
Messdaten berechnet der Steuerungsrechner nach dem Vermessen der Zielposition die
optimale ballistische Flugbahn des von der Handfeuerwaffe zu verschießenden Geschosses,
beispielsweise einer Granate, und zeigt dem Schützen auf der Anzeigeeinrichtung die
Soll-Elevation an. Diese erfinderische Kombination aus klassischem mechanischen Leitervisier
und elektronischem Feuerleitvisier kann als "aktives Leitervisier" bezeichnet werden.
[0012] Dabei ist es besonders vorteilhaft, wenn die Anzeigeeinrichtung zur Anzeige der optimalen
Elevation der Laufachse der Handfeuerwaffe zumindest eine sich entlang zumindest eines
Abschnitts eines Visierleiterholms erstreckende Reihe von elektrooptischen Elevations-Signalelementen,
die vorzugsweise von LEDs gebildet sind, aufweist und wenn der Steuerungsrechner ausgebildet
ist, um eine Ansteuerungseinrichtung für die elektrooptischen Elevations-Signalelemente
mit einem Elevations-Anzeigesignal zu beaufschlagen.
[0013] Dieses besonders vorteilhafte Feuerleitvisier stelle eine ideale Hybridisierung des
klassischen Leitervisiers mit der darauf angebrachten elektronischen Anzeigeeinrichtung
dar. Dem Schützen wird dadurch eine Visiereinrichtung geboten, die es ihm aufgrund
der elektronischen Anzeigeeinrichtung erlaubt, schnell und präzise eine Zieleinweisung
der Waffe vorzunehmen, die ihm andererseits aber auch bei Ausfall der elektronischen
Anzeigeeinrichtung oder anderer elektronischer Elemente das klassische Anvisieren
eines Ziels mittels des mechanischen Leitervisiers ermöglicht, ohne dass ein zusätzliches
Leitervisier mitgeführt und im Versagensfall der Elektronik erst an der Handfeuerwaffe
angebracht werden muss.
[0014] Vorzugsweise können die elektrooptischen Elevations-Signalelemente jeweils unterschiedliche,
vorzugsweise zumindest zwei, Anzeigezustände einnehmen. Sind die Signalelemente beispielsweise
durch LEDs gebildet, so können sie die Anzeigezustände AUS, EIN sowie im eingeschalteten
Zustand auch unterschiedliche Farben einnehmen. Sind die Anzeigeelemente beispielsweise
nicht als diskrete LEDs ausgebildet, sondern von einer Bildschirmanzeige gebildet,
so können alternativ zu unterschiedlichen Farben auch unterschiedliche Formen eines
jeden Anzeigeelements vorgesehen sein.
[0015] Es ist weiterhin von Vorteil, wenn die Anzeigeeinrichtung zur Anzeige der optimalen
Azimut-Ausrichtung der Laufachse der Handfeuerwaffe zumindest ein, vorzugsweise im
Bereich des Visierkorns, angeordnet ist und ein elektrooptisches Azimut-Signalelement
aufweist. Diese zusätzliche Maßnahme gestattet es, nicht nur den Elevationswinkel
optimal einzustellen, sondern dem Schützen auch eine Hilfestellung beim horizontalen
Verschwenken der Waffe bereitzustellen. Dabei ist es von Vorteil, wenn das zumindest
eine elektrooptische Azimut-Signalelement unterschiedliche, vorzugsweise zumindest
zwei, Anzeigezustände einnehmen kann. Auch hier können die gleichen Anzeigezustände
wie bei der Elevationsanzeige vorgesehen sein.
[0016] Besonders vorteilhaft ist es, wenn das Feuerleitvisier zusätzlich noch einen Lufttemperatursensor,
einen Luftdrucksensor und/oder einen Luftfeuchtigkeitssensor aufweist. Damit lassen
sich die Berechnungen der optimalen Flugbahn des Geschosses und damit die Berechnung
der optimalen Elevation noch präziser durchführen.
[0017] Es ist außerdem vorteilhaft, wenn für den Schützen sichtbar eine Entfernungsanzeige
zum Anzeigen der von der Entfernungsmesseinrichtung gemessenen Entfernung vorgesehen
ist.
[0018] Der auf die Handfeuerwaffe gerichtete Teil der Aufgabe wird gelöst durch eine Handfeuerwaffe,
die mit einem Feuerleitvisier gemäß der Erfindung versehen ist. Dieses Feuerleitvisier
kann beispielsweise mittels einer Picatinny-Schiene an der Handfeuerwaffe, beispielsweise
an der Granatpistole, angebracht sein. Eine solche Picatinny-Schiene ist eine standardisierte,
gezahnte Schiene zur schnellen Montage von Zubehörteilen auf Handfeuerwaffen gemäß
dem internationalen Standard MIL-STD 1913.
[0019] Der auf das Verfahren gerichtete Teil der Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren
zum Ausrichten einer erfindungsgemäßen Handfeuerwaffe auf ein Ziel mit den Schritten
- a) Direktes Anvisieren des Ziels mittels des Feuerleitvisiers;
- b) Bestimmen der Entfernung zum Ziel mittels der Entfernungsmesseinrichtung;
- c) Berechnung der Flugbahn und des Elevationswinkels mittels des Steuerungsrechners;
- d) Anzeige des berechneten Elevationswinkels und der Abweichung des aktuellen Elevationswinkels
vom berechneten Elevationswinkel mittels der Anzeigeeinrichtung.
[0020] Bei diesem Verfahren werden dem Schützen, der durch die am Visierleiterholm vorgesehenen
Visierkimmen über das Visierkorn das Ziel anvisiert, mittels der beispielsweise auf
dem oder am Visierleiterholm vorgesehenen Anzeigeeinrichtung der berechnete Elevationswinkel
und die Abweichung des aktuellen Elevationswinkels vom berechneten Elevationswinkels
angezeigt, so dass der Schütze beim klassischen optischen Anvisieren des Ziels eine
Zusatzinformation über die Anzeigeeinrichtung erhält, mittels der er die Handfeuerwaffe
schnell und präzise so ausrichten kann, dass das Geschoss auf seiner ballistischen
Bahn zuverlässig ins Ziel trifft.
[0021] Eine vorteilhafte Weiterbildung dieses Verfahrens zeichnet sich dadurch aus, dass
die Anzeige der Abweichung aktuellen Elevationswinkels vom berechneten Elevationswinkel
im Schritt d) mittels zumindest einer sich entlang zumindest eines Abschnitts eines
Visierleiterholms erstreckenden Reihe von elektrooptischen Elevations-Signalelementen,
vorzugsweise LEDs, derart erfolgt, dass der berechnete Elevationswinkel durch ein
erstes Elevations-Signalelement in einer ersten Farbe und/oder Symboldarstellung in
Höhe jener Visierkimme angezeigt wird, mit der das Ziel über das Visierkorn anvisiert
werden muss, dass eines oder mehrere der unterhalb des ersten Elevations-Signalelements
angeordneten unteren Elevations-Signalelemente in einer zweiten Farbe und/oder Symboldarstellung
angezeigt werden, wenn der aktuelle Elevationswinkel geringer ist als der berechnete
Elevationswinkel, dass eines oder mehrere der oberhalb des ersten Elevations-Signalelements
angeordnete obere Elevations-Signalelemente in der zweiten Farbe und/oder Symboldarstellung
angezeigt werden, wenn der aktuelle Elevationswinkel größer ist als der berechnete
Elevationswinkel und dass das erste Elevations-Signalelement seine Farbe und/oder
Symboldarstellung wechselt, wenn der aktuelle Elevationswinkel gleich dem berechneten
Elevationswinkel ist. Unter dem Begriff Symboldarstellung ist beispielsweise eine
Form oder ein Helligkeitszustand eines Signalelements zu verstehen. So kann eine Änderung
der Symboldarstellung beispielsweise eine Formänderung der Anzeige (z.B. Wechsel zwischen
Kreis und Dreieck) oder eine Helligkeitsänderung der Anzeige (z.B. eine Daueranzeige
oder ein Blinken mit unterschiedlichen Frequenzen) sein.
[0022] Mit dieser Ausgestaltung des erfinderischen Verfahrens wird eine einfache, schnelle
und sichere Ausrichtung der Laufachse der Handfeuerwaffe erzielt. Der Verfahrensablauf
ist dabei so gestaltet, dass ein Schütze ohne große Schulung die Waffe intuitiv bedienen
kann und sich ihm durch die besondere Ausgestaltung des sogenannten aktiven Leitervisiers
mit den Elevations-Signalelementen die korrekte Bedienung des erfindungsgemäßen Feuerleitvisiers
quasi aufdrängt.
[0023] Vorzugsweise erfolgt im Schritt c) zusätzlich eine Berechnung des Azimutwinkels zum
Ziel mittels des Steuerungsrechners und im Schritt d) wird zusätzlich die Abweichung
des aktuellen Azimutwinkels vom berechneten Azimutwinkel mittels der Anzeigeeinrichtung
angezeigt. Diese vorteilhafte Funktionalität, die auf den Messungen des zumindest
einen Inertialsensors und/oder des zumindest einen Magnetfeldsensors beruht, gewährleistet,
dass der Schütze beim Anvisieren des Ziels nicht nur eine Hilfestellung für die Elevationsausrichtung
der Waffe, sondern auch für die Azimutausrichtung der Waffe erhält und somit eine
sichere Zieleinweisung auch in horizontaler Richtung erzielt wird.
[0024] Dabei ist es besonders von Vorteil, wenn die Anzeige der Abweichung des aktuellen
Elevationswinkels vom berechneten Elevationswinkel im Schritt d) mittels zumindest
einer sich entlang zumindest eines Abschnitts eines Visierleiterholms erstreckenden
Reihe von elektrooptischen Elevations-Signalelementen, vorzugsweise LEDs, derart erfolgt,
dass der berechnete Elevationswinkel durch ein erstes Elevations-Signalelement in
einer ersten Farbe und/oder Symboldarstellung in Höhe der Visierkimme angezeigt wird,
mit der das Ziel über das Visierkorn anvisiert werden muss, dass eines oder mehrere
der unterhalb des ersten Elevations-Signalelements angeordnete untere Elevations-Signalelemente
in einer zweiten Farbe und/oder Symboldarstellung angezeigt werden, wenn der aktuelle
Elevationswinkel geringer ist als der berechnete Elevationswinkel, dass eines oder
mehrere der oberhalb des ersten Elevations-Signalelements angeordnete obere Elevations-Signalelemente
in der zweiten Farbe und/oder Symboldarstellung angezeigt werden, wenn der aktuelle
Elevationswinkel größer ist als der berechnete Elevationswinkel und dass das erste
Elevations-Signalelement seine Farbe und/oder Symboldarstellung wechselt, wenn der
aktuelle Elevationswinkel gleich dem berechneten Elevationswinkel ist.
[0025] Durch diese Verfahrensschritte wird der Schütze intuitiv zur korrekten Azimutausrichtung
der Waffe geführt. Bei einer Kombination dieser geführten Azimutausrichtung mit der
geführten Elevationsausrichtung kann eine schnelle und exakte Zieleinweisung auch
von weniger geübten Schützen bewerkstelligt werden.
[0026] Durch die erfindungsgemäße Kombination eines klassischen Leitervisiers mit einer
beispielsweise LEDs aufweisenden Anzeigeeinrichtung, die beispielsweise in Form von
jeweils einer Leuchtzeile links und rechts auf den Holmen der Visierleiter angeordnet
sind, wird ein kombiniertes Feuerleitvisier geschaffen, das sowohl in klassischer
Weise als optisches Leitervisier als auch in elektro-optisch unterstützender Weise
genutzt werden kann. Beispielsweise werden in den Leuchtzeilen der Anzeigeeinrichtung
LEDs mit zwei unterschiedlichen Farbelementen verwendet, mit denen drei Farben (Farbe
1, Farbe 2 und die Mischfarbe 1 +2) dargestellt werden können. Der Einfachheit halber
werden hier die Farben rot, grün und gelb vorgeschlagen, wobei aber auch beliebige
andere Farben und Farbkombinationen möglich sind. Diese einfache und für sich aussagekräftige
Farbkodierung trägt dazu bei, dass die Funktion des Feuerleitvisiers selbsterklärend
ist und der Schütze die Ausrichtungsschritte des erfindungsgemäßen Verfahrens nahezu
intuitiv richtig durchführen kann.
[0027] Bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung mit zusätzlichen Ausgestaltungsdetails
und weiteren Vorteilen sind nachfolgend unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen
näher beschrieben und erläutert.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
[0028] Es zeigt:
- Fig. 1
- eine mit einem erfindungsgemäßen Feuerleitvisier ausgestattete Handfeuerwaffe;
- Fig. 2
- ein zum Teil schematisch dargestelltes erfindungsgemäßes Feuerleitvisier in der Seitenansicht
in aufgeklappter einsatzbereiter Stellung;
- Fig. 2A
- die Rückansicht des Feuerleitvisiers gemäß dem Pfeil IIA in Fig. 2;
- Fig. 2B
- die Rückansicht des Kornträgers gemäß Pfeil IIB in Fig. 2;
- Fig. 3
- eine Blockschaltbild-Darstellung der Komponenten des erfindungsgemäßen Feuerleitvisiers;
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung der Ausrichtung einer mit dem Feuerleitvisier versehenen
Waffe zum Erzielen einer ballistischen Geschoßflugbahn;
- Fig. 4A
- den Ausschnitt IVA aus Fig. 4 mit dem dort gezeigten Feuerleitvisier und der Visierlinie;
- Fig. 5
- ein Ablaufdiagramm eines erfindungsgemäßen Verfahrens zum Ausrichten einer Handfeuerwaffe
mit dem erfindungsgemäßen Feuerleitvisier;
- Fig. 6
- eine schematische Darstellung der Ausrichtung der mit dem Feuerleitvisier versehenen
Handfeuerwaffe zur Entfernungsmessung;
- Fig. 7
- die Anzeige am Feuerleitvisier bei der Ausrichtung der Waffe gemäß Fig. 6;
- Fig. 8
- die Ausrichtung der mit dem Feuerleitvisier versehenen Waffe bei zur Zielerreichung
optimalen Elevation der Laufachse der Handfeuerwaffe;
- Fig. 9
- die Anzeige auf dem Feuerleitvisier bei der Ausrichtung der Waffe gemäß Fig. 8;
- Fig. 10A bis 10D
- unterschiedliche Elevations-Anzeigen am erfindungsgemäßen Feuerleitvisier bei unterschiedlichen
Elevations-Ausrichtungen der Längsachse der Handfeuerwaffe und
- Fig. 11 A bis 11 E
- unterschiedliche Anzeigen am Feuerleitvisier bei unterschiedlichen Azimut-Ausrichtungen
der mit dem erfindungsgemäßen Leitvisier versehenen Handfeuerwaffe.
DARSTELLUNG VON BEVORZUGTEN AUSFÜHRUNGSBEISPIELEN
[0029] In Fig. 1 ist ein erfindungsgemäßes Feuerleitvisier 1 gezeigt, das an einer von einem
Sturmgewehr gebildeten Handfeuerwaffe W angebracht ist. An der Handfeuerwaffe W ist
ebenfalls eine Granatpistole W' angebracht, für deren Benutzung das Feuerleitvisier
1 vorgesehen ist.
[0030] Das Feuerleitvisier 1 weist ein Visiergehäuse 10, ein nach oben herausklappbares
Visierkorn 12 und eine nach oben herausklappbare Visierleiter 14 auf.
[0031] In Fig. 2 ist das Feuerleitvisier 1 in teilweise geschnittener Seitenansicht dargestellt.
Dabei sind die im Visiergehäuse vorgesehenen funktionalen Komponenten schematisch
gezeigt. Das Feuerleitvisier 1 ist mit einer Entfernungsmesseinrichtung 2 ausgestattet,
die einen Laserentfernungsmesser 20 aufweist. Weiterhin sind zumindest ein Inertialsensor
3 und zumindest ein Magnetfeldsensor 6 oder eine andere richtungserhaltende Einrichtung
(zum Beispiel mittels Kreiseln) vorgesehen. Schließlich sind noch ein Lufttemperatursensor
70, ein Luftdrucksensor 71 und ein Luftfeuchtigkeitssensor 72 vorgesehen. Die Sensoren
3, 6, 70, 71, 72 sind mit einem Steuerungsrechner 4 verbunden, der ebenfalls im Visiergehäuse
10 vorgesehen ist. Auch die Entfernungsmesseinrichtung 2 ist mit dem Steuerungsrechner
4 verbunden. Eine Stromspeichereinrichtung 40 versorgt den Steuerungsrechner 4 sowie
die Sensoren und die Entfernungsmesseinrichtung sowie die weiter unten noch beschriebene
Anzeigeeinrichtung 5 mit elektrischer Energie.
[0032] Die Anzeigeeinrichtung 5, die ebenfalls mit dem Steuerungsrechner 4 verbunden ist,
umfasst eine Mehrzahl von elektrooptischen Signalelementen, die jeweils vom Steuerungsrechner
4 mit einem elektrischen Signal beaufschlagbar sind, um in einer oder unterschiedlichen
Farben zu leuchten.
[0033] Die in Fig. 2A in einer für den Schützen sichtbaren Ansicht gezeigte Visierleiter
14 ist in klassischer Weise aufgebaut und weist einen linken Visierleiterholm 15,
einen rechten Visierleiterholm 16 sowie eine Mehrzahl von Visiersprossen 18a, 18a',
18b, 18b', 18c, 18c', 18d, 18d', 18e, 18e' auf, von denen jeweils eine linke und eine
rechte Visiersprosse zwischen sich eine Lücke bestimmen, die eine jeweilige Visierkimme
17a, 17b, 17c, 17d, 17e bildet. Dieser Aufbau entspricht im Wesentlichen einer klassischen
mechanischen Visierleiter.
[0034] Bei der Visierleiter 14 der Erfindung ist auf jedem der beiden Visierleiterholme
15, 16 eine Reihe von elektrooptischen Elevations-Signalelementen 51, 53 vorgesehen,
die jeweils aus einer Reihe von lichtemittierenden Dioden (LEDs) gebildet ist. Diese
LEDs werden, wie es weiter unten noch beschrieben ist, vom Steuerungsrechner 4 so
angesteuert, dass sie ausgeschaltet oder eingeschaltet sein können, wobei zumindest
ein Teil der LEDs im eingeschalteten Zustand in unterschiedlichen Farben leuchten
kann.
[0035] Dazu beaufschlagt der Steuerungsrechner 4 eine (nicht gezeigte) Ansteuerungseinrichtung
für die elektrooptischen Elevations-Signalelemente 51, 53 mit einem Elevations-Anzeigesignal.
[0036] Weiterhin ist in der Ansicht der Fig. 2A zu erkennen, dass die Rückseite des Visiergehäuses
10 mit einer elektrooptischen Anzeigeeinrichtung 22 zum Anzeigen der von der Entfernungsmesseinrichtung
2 gemessenen Entfernung versehen ist.
[0037] Fig. 2B zeigt die für den Schützen sichtbare Ansicht des Visierkorns 12, das auf
einem herausklappbaren Visierkornträger 11 vorgesehen ist. Unterhalb dieses Visierkorns
12 ist ein elektrooptisches Azimut-Signalelement 54 vorgesehen, das ebenfalls zur
Anzeigeeinrichtung 5 gehört und von einer LED gebildet ist. Links und rechts vom Azimut-Signalelement
54 sind ein linkes Azimut-Korrektur-Signalelement 54' und eine rechtes Azimut-Korrektur-Signalelement
54" vorgesehen, die ebenfalls von einer LED gebildet sind und zur Anzeigeeinrichtung
5 gehören. Die beiden Azimut-Korrektur-Signalelemente 54', 54" können, wie in Fig.
2B gezeigt, von separat am Visierkornträger 11 angebrachten Signalelementen gebildet
sein. Die Aufgabe dieser beiden Azimut-Korrektur-Signalelemente kann aber auch von
entsprechenden Signalelementen auf dem linken beziehungsweise rechten Visierleiterholm
15, 16 übernommen werden, die in der Visierlinienebene links und rechts vom Azimut-Signalelement
54 liegen.
[0038] Fig. 3 zeigt ein Blockschaltbild der Komponenten des erfindungsgemäßen Feuerleitvisiers.
Der Steuerungsrechner 4 umfasst eine Computereinheit 42 mit einem darin vorgesehenen
flüchtigen Speicher sowie einen mit der Rechnereinheit 42 verbundenen Flashspeicher
44. Die Stromversorgungseinrichtung 40 ist mit einem Batteriepaket 41 verbunden und
weist einen Spannungsregler mit Stromsparfunktion und automatischer Abschaltung der
angeschlossenen Geräte auf. Mit dem Steuerungsrechner 4 verbunden sind eine Vielzahl
von Sensoren, nämlich drei Beschleunigungssensoren 30, 31, 32, drei Drehratensensoren
33, 34, 35, drei Magnetfeldsensoren 60, 61, 62, die gemeinsam einen Magnetfeldsensor
6 bilden, den Lufttemperatursensor 70, den Luftdrucksensor 71 und den Luftfeuchtigkeitssensor
72 einen im Laserentfernungsmesser 20 der Entfernungsmesseinrichtung 2 vorgesehenen
Laser-Abstandssensor 21 und einen Helligkeitssensor 73. Des Weiteren ist der Steuerungsrechner
4 mit einem am Feuerleitvisier üblicherweise vorgesehenen Pilotlaser 19 verbunden,
der ausgebildet ist, um einen Laserstrahl in minimalem Abstand und (im korrekt justierten
Zustand des Feuerleitvisiers 1) parallel zur Strahlrichtung des Lasers des Laserentfernungsmessers
20 und auch parallel zur Laufachse X auszusenden. Der Pilotlaser 19 und der Laserentfernungsmesser
20 sind herstellerseitig bezüglich Ihrer Strahlengänge harmonisiert.
[0039] Weiterhin ist der Steuerungsrechner 4 mit Ein- und Ausgabeeinrichtungen verbunden.
So sind beispielsweise ein Ein-/Ausschalter 45, eine Taste 46 zum Starten der Entfernungsmessung,
ein Multifunktions-Steuerungsschalter 47 sowie eine Datenübertragungsschnittstelle
48 vorgesehen und mit dem Steuerungsrechner 4 verbunden.
[0040] Schließlich ist der Steuerungsrechner 4 noch mit der Anzeigeeinrichtung 5 verbunden,
die, wie bereits beschrieben, die beiden Reihen von elektrooptischen Elevations-Signalelementen
51, 53 auf dem jeweiligen Visierleiterholm 15, 16, die elektrooptischen Signalelemente
auf dem Visierkornträger 11 (Azimut-Signalelement 54 und Azimut-Korrektur-Signalelemente
54', 54") sowie die Anzeigeeinrichtung 22 als Zusatzdisplay aufweist.
[0041] Fig. 4 und die Ausschnittsvergrößerung der Fig. 4A zeigen schematisch die Ausrichtung
der in Fig. 1 dargestellten Handfeuerwaffe W mit der Laufachse X, die unter einem
Elevationswinkel α zur Horizontalen H derart geneigt ist, dass das von der Granatpistole
W' an der Handfeuerwaffe verschossene Geschoss der ballistischen Bahn B folgend das
Ziel Z trifft. Dabei verläuft die Visierlinie V vom Ziel Z über das Visierkorn 12
zur obersten Visierkimme 17e der an der Visierleiter 14 vorgesehenen Mehrzahl von
übereinander angeordneten Visierkimmen.
[0042] Fig. 5 zeigt in einem Flussdiagramm den Ablauf der Zielerfassung, der Waffenausrichtung
und der Bekämpfung des Ziels Z. Im linken vertikalen Block der Fig. 5 sind die einzelnen
dabei ablaufenden Verfahrensschritte aufgeführt und im rechten vertikalen Block der
Fig. 5 sind den einzelnen Verfahrensschritten übergeordnete Schrittgruppenbezeichnungen
zugeordnet. Das erfindungsgemäße Verfahren zum Ausrichten einer Handfeuerwaffe auf
ein Ziel umfasst dabei die oberen drei Verfahrensschrittgruppen.
[0043] Der Ablauf des Einsatzes des Feuerleitvisiers mit aktivem optoelektronischen Leitervisier,
der in Fig. 5 dargestellt ist, gliedert sich nach dem Einschalten in vier Phasen:
- Zielerfassung durch das Waffenvisier (vom Schützen)
- interne Datenverarbeitung und Flugbahnberechnung (automatisch)
- Ausrichten der Waffe auf den optimalen Ausrichtwinkel in Elevation und Azimut (durch
den Schützen basierend auf der Anzeige am Leitervisier und am Visierkornträger)
- Auslösen des Schusses und gegebenenfalls Nachladen für einen weiteren Schuss auf dasselbe
Ziel.
[0044] Fig. 6 zeigt die Ausrichtung der Waffe W im Schritt der Zielanmessung, also bei dem
Schritt, bei welchem die Waffe W direkt auf das Ziel Z gerichtet ist und wobei der
vorzugsweise in einem schlecht detektierbaren Infrarot-Strahlenbereich arbeitende
Laserstrahl L des Laserentfernungsmessers 20 auf das Ziel weist.
[0045] Zur Justierung des Laserentfernungsmessers 20 an der Waffe, also zur Harmonisierung
der Waffenvisieroptik mit der Laseroptik, wird zunächst der im sichtbaren Spektrum
des Lichts arbeitende Pilotlaser 19 eingeschaltet, auf ein 20 Meter bis 30 Meter entferntes
Objekt gerichtet und die Einbaulage des Laserentfernungsmessers 20 wird mit beispielsweise
zwei Justierschrauben so nachgestellt, dass durch das Waffenvisier der Spot des Pilotlasers
19 zentral anvisiert wird. Dieser Justageschritt erfolgt zumindest unmittelbar nach
der erstmaligen Montage des Feuerleitvisiers auf der Waffe, kann aber bei Bedarf auch
noch einmal vor einem jeweiligen Einsatz der Waffe durchgeführt werden.
[0046] Zur Zielerfassung verwendet der Schütze das ihm geläufige Visier der Waffe. Er richtet
die Waffe klassisch auf das Ziel aus und drückt den Taster 46 zur Zielerfassung durch
das Feuerleitvisier. Dieser Taster 46 ist üblicherweise mit einem Kabel an das Feuerleitvisier
angeschlossen und an einer für den Schützen geeigneten Position an der Waffe befestigt.
[0047] Mit dem Laserentfernungsmesser 20 wird lediglich der direkte Abstand zum Ziel Z bestimmt.
Die Entfernung wird numerisch im in Fig. 5 als Zusatzdisplay bezeichneten Display
der Anzeigeeinrichtung 22 angezeigt. Die Inertialsensoren (Beschleunigungssensoren
30, 31, 32 und Drehratensensoren 33, 34, 35) sowie die Magnetfeldsensoren 60, 61,
62 messen die Ausrichtung der Waffe W zum Ziel. Eventuelle Höhenunterschiede zwischen
dem Standort des Schützen und dem Ziel Z werden auch erfasst. Parallel werden die
aktuellen Werte für Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit aus den Sensoren 70,
71, 72 ausgelesen. Von der Rechnereinrichtung 42 des Steuerungsrechners 4 wird nun
aus diesen Größen, den gespeicherten Geschossparametern, die aus dem Flashspeicher
44 ausgelesen werden, der optimale Schusswinkel (Elevationswinkel) berechnet. Der
Azimut wird primär aus der Messung übernommen.
[0048] Die Fig. 7 zeigt die Elevations-Anzeige der elektrooptischen Elevations-Signalelemente
auf dem Leitervisier beim direkten Anvisieren des Ziels gemäß Fig. 6, nachdem die
Entfernung zum Ziel gemessen worden ist und der Steuerungsrechner 4 den erforderlichen
Elevationswinkel berechnet hat. Das linke und das rechte Elevations-Signalelement
55, 55', die beide in Höhe jener Visierkimme 17d liegen, durch die die Visierlinie
V bei korrekter Elevations-Ausrichtung der Waffe W verläuft, leuchten rot auf, da
die Waffe W noch nicht korrekt ausgerichtet ist. Die unterhalb dieser beiden liegenden
Elevations-Signalelemente 56, 56' leuchten gelb auf und die darüber angeordneten Elevatiöns-Signalelemente
sind ausgeschaltet. Diese Anzeige, die auch noch einmal in Fig. 10B dargestellt ist,
weist den Schützen darauf hin, dass er die Waffe zu niedrig hält.
[0049] In Fig. 8 ist schematisch die Ausrichtung der Waffe W bei korrektem Elevationswinkel
α gezeigt. Das von der Granatpistole W' der Waffe W unter diesem Elevationswinkel
α verschossene Geschoss folgt der ballistischen Bahn B ins Ziel Z.
[0050] Die Fig. 9 zeigt das Bild der Anzeigeeinrichtung 5 in dem in Fig. 8 dargestellten
Fall der korrekten Elevations-Ausrichtung der Waffe W, wobei jetzt die Elevations-Signalelemente
55 und 55' nicht mehr rot, sondern grün aufleuchten. Lediglich jeweils ein linkes
und ein rechtes elektrooptisches Elevations-Signalelement 56A, 56A' unterhalb der
grün aufleuchtenden Elevations-Signalelemente 55, 55' und ein linkes und ein rechtes
darüber angeordnetes Elevations-Signalelement 57A, 57A' leuchtet gelb. Dieses Bild,
das auch in Fig. 10D wiedergegeben ist, zeigt dem Schützen an, dass er die Waffe W
in der optimalen Elevation ausgerichtet hat.
[0051] Die Fig. 10A bis 10D zeigen unterschiedliche Signaldarstellungen, die die Anzeigeeinrichtung
5 dem Schützen bei unterschiedlicher Elevationsausrichtung der Waffe W anzeigt. Durch
diese Leuchtbalkenanzeige muss der Schütze die Soll-Überhöhungslage nicht von den
Sprossen der Visierleiter ablesen, sondern sie wird ihm durch die Leuchtbalkenanzeige
signalisiert. Im Fall einer viel zu niedrig ausgerichteten Waffe wird dem Schützen
das in Fig. 10A dargestellte Bild angezeigt, bei welchem etwa die unteren zwei Drittel
der jeweils auf den Visierleitersprossen vorgesehenen Elevations-Signalelemente 51,
53 gelb aufleuchten, während etwa das obere Drittel nicht aufleuchtet.
[0052] Nähert der Schütze die Elevation der Waffe W an den korrekt berechneten Elevationswinkel
α an, so sieht er das in Fig. 10B dargestellte Bild. Die Soll-Überhöhungslage der
Waffe W, also der Soll-Elevationswinkel, wird ihm durch ein in der Sollhöhe zum Beispiel
rot leuchtendes rechtes und linkes Elevations-Signalelement 55, 55' signalisiert.
Ein in einer anderen Farbe, beispielsweise in gelb, dargestellter Leuchtbalken weist
eine Länge proportional zur Abweichung vom Idealwinkel auf. Die Funktion, mit der
der Abweichungswinkel in der Elevation in die Leuchtbalkenlänge, also in die Anzahl
der in dieser anderen Farbe (gelb) aufleuchtenden Elevations-Signalelemente, übertragen
wird, ist nichtlinear und spreizt den Bereich um den Optimalwert, um eine möglichst
gute Trefferwahrscheinlichkeit zu gewährleisten.
[0053] Im Bild der Fig. 10B wird der optimale Schusswinkel dem Schützen durch die rot aufleuchtenden
Elevations-Signalelemente 55, 55' in Höhe jeder Visierkimme 17d signalisiert, mit
der er für einen optimalen Schuss das Visierkorn 12 und das Ziel Z in eine Linie bringen
muss. Weiterhin wird dem Schützen im Display der Anzeigeeinrichtung 22 die Entfernung
zum Ziel angezeigt. Sobald der Schütze die Waffe aufrichtet, wechselt die Anzeige
der Anzeigeeinrichtung 22 auf den Abstand, in dem ein unter diesem Elevationswinkel
abgefeuerter Schuss vom Ziel entfernt einschlagen würde.
[0054] Während in Fig. 10A die Visieranzeige gezeigt ist, die der Schütze sieht, wenn er
die Waffe in der horizontalen Messausrichtung noch nicht unter einem Elevationswinkel
angestellt hält und er mit den gelben Leuchtbalken angezeigt bekommt, dass die Waffe
zu tief gehalten wird, ist in Abbildung 10B die Darstellung gezeigt, in der der Schütze
die Waffe nur noch leicht zu niedrig hält. Die Länge des jeweiligen gelben Leuchtbalkens
ist nichtlinear proportional zur vertikalen Fehlausrichtung und ist in der Nähe des
optimalen Elevationswinkels gespreizt, so dass die Anzeige vom Übergang der in Fig.
10A gezeigten Darstellung zur in Fig. 10B gezeigten Darstellung sensibler wird.
[0055] Ähnlich der Darstellung in Fig. 10B ist in Fig. 10C die Anzeige der Elevations-Signalelemente
dargestellt, die sich dem Schützen bietet, wenn er die Waffe zu hoch ausgerichtet
hält. In diesem Fall ist oberhalb der den optimalen Elevationswinkel anzeigenden Elevations-Signalelemente
55, 55' jeweils ein kurzer gelber Balken von den darüber gelegenen Elevations-Signalelementen
57, 57' gebildet.
[0056] Die Abbildung 10D zeigt das sich dem Schützen bietende Bild bei optimal ausgerichteter
Elevation der Waffe W. Hier schalten die den optimalen ElevationsWinkel anzeigenden
Elevations-Signalelemente 55, 55' aus der ersten Farbe (zum Beispiel rot) in eine
zweite Farbe (zum Beispiel grün) um und jeweils ein Elevations-Signalelement oberhalb
und unterhalb leuchten noch gelb auf, was der besseren Visualisierung des korrekten
Elevationswinkels dient, aber nicht zwangsläufig vorgesehen sein muss.
[0057] Auf ähnliche Weise wird dem Schützen die korrekte Azimut-Ausrichtung der Waffe angezeigt,
wie in Fig. 11A bis 11E dargestellt ist. Da der Schütze üblicherweise das Ziel direkt
durch die Visierkimme über das Visierkorn 12 anvisieren kann, ist diese Azimut-Unterstützung
nicht zwingend erforderlich. Die in Fig. 11A bis 11E dargestellte Visualisierung erfolgt
ähnlich wie bei der in Fig. 10A bis 10D dargestellten Elevations-Ausrichtung der Waffe.
Das zentrale Azimut-Signalelement 54 leuchtet rot auf, solange noch keine optimale
horizontale Ausrichtung erfolgt ist. Das rechts daneben gelegene Azimut-Korrektur-Signalelement
54" leuchtet gelb auf, wenn die Waffe zu weit nach rechts gehalten wird (Fig. 11A).
Das linke Azimut-Korrektur-Signalelement 54' leuchtet gelb auf, wenn die Waffe zu
weit nach links ausgerichtet ist (Fig. 11 B). Bei nur noch geringfügiger seitlicher
Fehlausrichtung der Waffe leuchtet neben dem in gelb aufleuchtenden entsprechenden
Korrektur-Signalelement (54' beziehungsweise 54") das mittlere Azimut-Signalelement
bereits grün auf, wie in Fig. 11C für eine etwas zu weit links ausgerichtete Waffe
gezeigt ist.
[0058] Ist die horizontale Ausrichtung korrekt, so leuchtet das mittlere Azimut-Signalelement
54 grün auf und die beiden seitlichen Azimut-Korrektursignalelemente 54', 54" leuchten
gelb auf (Fig. 11 D).
[0059] Ist sowohl die Elevation als auch der Azimut korrekt, leuchten alle drei Signalelemente,
also das Azimut-Signalelement 54, das linke Azimut-Korrektur-Signalelement 54' und
das rechte Azimut-Korrektur-Signalelement 54" grün (Fig. 11E).
[0060] Ist die optimale Ausrichtung der Waffe W erfolgt, löst der Schütze den Schuss aus.
Er kann dann bei Bedarf die Waffe neu laden und das noch gespeicherte Ziel erneut
bekämpfen und gegebenenfalls die Zielposition leicht korrigieren, indem er unter Beachtung
der Entfernungsanzeige auf dem Display der Anzeigeeinrichtung 22 bewusst eine vorgegebene
Distanz weiter oder weniger weit schießt.
[0061] Der in Fig. 3 schematisch gezeigte und bereits erwähnte Multifunktions-Steuerungsschalter
47 kann dazu dienen, unterschiedliche Funktionen zu schalten, beispielsweise:
- eine manuelle Entfernungskorrektur der am Display der Anzeigeeinrichtung 22 angezeigten
Zielentfernung, zum Beispiel zur Korrektur für weitere Schüsse,
- eine Umschaltung zwischen unterschiedlichen abgelegten Parametersätzen für unterschiedliche
Munitionstypen,
- eine Umschaltung der Sprache und der verwendeten Einheiten (zum Beispiel Meter oder
feet),
- eine Aktivierung des Pilotlasers,
- eine Nachjustage der Display-Helligkeit,
- eine Anzeige einer Wartungsinformation.
[0062] Die Helligkeit der elektrooptischen Signalelemente und der Hintergrundbeleuchtung
für das Display der Anzeigeeinrichtung 22 stellt sich in Abhängigkeit von der äußeren
Helligkeit automatisch ein. Dazu wird das Signal des Helligkeitssensors 73 ausgewertet.
Zudem kann, beispielsweise über den Multifunktions-Steuerungsschalter 47, ein Restlichtverstärker-Modus
ausgewählt werden, bei welchem die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung des Displays
der Anzeigeeinrichtung 22 und auch die Helligkeit der elektrooptischen Signalelemente
so weit minimiert wird, dass sie mit bloßem Auge nahezu unsichtbar ist, aber mittels
des Restlichtverstärkers noch erkennbar ist.
[0063] Das erfindungsgemäße Feuerleitvisier 1 verfügt zudem über eine Stromsparfunktion
sowie über eine automatische Abschaltung in Abhängigkeit von einem vorgegebenen Zeitlimit
und von einer Bewegung des Feuerleitvisiers beziehungsweise der damit ausgestatteten
Waffe.
[0064] Über die Datenübertragungsschnittstelle 48 können neue Munitionsparameter in den
entsprechenden Speicher (zum Beispiel den Flashspeicher 44) des Feuerleitvisiers 1
geladen werden. Weiterhin können über die Datenübertragungsschnittstelle 48 Statusinformationen
wie Fehlercodes ausgelesen werden und interne Konfigurationsdaten verändert werden.
[0065] Bezugszeichen in den Ansprüchen, der Beschreibung und den Zeichnungen dienen lediglich
dem besseren Verständnis der Erfindung und sollen den Schutzumfang nicht einschränken.
Es bezeichnen:
[0066]
- 1
- Feuerleitvisier
- 2
- Entfernungsmesseinrichtung
- 3
- Inertialsensor
- 4
- Steuerungsrechner
- 5
- Anzeigeeinrichtung
- 6
- Magnetfeldsensor
- 10
- Visiergehäuse
- 11
- Visierkornträger
- 12
- Visierkorn
- 14
- Visierleiter
- 15
- linker Visierleiterholm
- 16
- rechter Visierleiterholm
- 17a, 17b, 17c, 17d, 17e
- Visierkimme
- 18a, 18b, 18c, 18d, 18e
- Visiersprossen
- 18a', 18b', 18c', 18d', 18e'
- Visiersprossen
- 19
- Pilotlaser
- 20
- Laserentfernungsmesser
- 21
- Laser-Abstandssensor
- 22
- elektrooptischen Anzeigeeinrichtung
- 30, 31, 32
- Beschleunigungssensoren
- 33, 34, 35
- Drehratensensoren
- 40
- Stromspeichereinrichtung
- 42
- Rechnereinheit
- 44
- Flashspeicher
- 45
- Ein-/Ausschalter
- 46
- Taste zum Starten der Entfernungsmessung
- 47
- Multifunktions-Steuerungsschalter
- 48
- Datenübertragungsschnittstelle
- 51
- elektrooptisches Elevations-Signalelement
- 53
- elektrooptisches Elevations-Signalelement
- 54
- elektrooptisches Azimut-Signalelement
- 54', 54"
- Azimut-Korrektur-Signalelement
- 55, 55'
- Elevations-Signalelement
- 56, 56', 56A, 56A'
- Elevations-Signalelement
- 57, 57', 57A, 57A'
- Elevations-Signalelement
- 60, 61, 62
- Magnetfeldsensoren
- 70
- Lufttemperatursensor
- 71
- Luftdrucksensor
- 72
- Luftfeuchtigkeitssensor
- 73
- Helligkeitssensor
- α
- Elevationswinkel
- B
- ballistische Bahn
- H
- Horizontale
- L
- Laserstrahl
- V
- Visierlinie
- W
- Handfeuerwaffe
- W'
- Granatpistole
- X
- Laufachse
- Z
- Ziel
1. Feuerleitvisier für eine Handfeuerwaffe (W), insbesondere für eine Granatpistole,
mit einem Visiergehäuse (10), einem Visierkorn (12), einer Visierleiter (14), die
zwei Visierleiterholme (15, 16) mit einer Mehrzahl von Visierkimmen (17a, 17b, 17c,
17d, 17e) bildenden Visiersprossen (18a, 18a', 18b, 18b', 18c, 18c', 18d, 18d', 18e,
18e') aufweist,
gekennzeichnet durch
eine Entfernungsmesseinrichtung (2),
zumindest einen Inertialsensor (3) und/oder einen Magnetfeldsensor (6) und/oder eine
andere richtungserhaltende Sensoreinheit;
ein Steuerungsrechner (4), und
eine Anzeigeeinrichtung (5) zur Anzeige einer vom Steuerungsrechner (4) ermittelten
optimalen Ausrichtung der Laufachse (X) der Handfeuerwaffe (W).
2. Feuerleitvisier nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Anzeigeeinrichtung (5) zur Anzeige der optimalen Elevation der Laufachse (X)
der Handfeuerwaffe (W) zumindest eine sich entlang zumindest eines Abschnitts eines
Visierleiterholms (15, 16) erstreckende Reihe von elektrooptischen Elevations-Signalelementen
(51, 53), vorzugsweise LEDs, aufweist und
- dass der Steuerungsrechner (4) ausgebildet ist, um eine Ansteuerungseinrichtung für die
elektrooptischen Elevations-Signalelemente (51, 53) mit einem Elevations-Anzeigesignal
zu beaufschlagen.
3. Feuerleitvisier nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die elektrooptischen Elevations-Signalelemente (51, 53) jeweils unterschiedliche,
vorzugsweise zumindest zwei, Anzeigezustände einnehmen können.
4. Feuerleitvisier nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Anzeigeeinrichtung (5) zur Anzeige der optimalen Azimut-Ausrichtung der Laufachse
(X) der Handfeuerwaffe (W) zumindest ein, vorzugsweise im Bereich des Visierkorns
(12) angeordnetes, elektrooptisches Azimut-Signalelement (54) aufweist.
5. Feuerleitvisier nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass das zumindest eine elektrooptische Azimut-Signalelement (54) unterschiedliche, vorzugsweise
zumindest zwei, Anzeigezustände einnehmen kann.
6. Feuerleitvisier nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Lufttemperatursensor (70), ein Luftdrucksensor (71) und/oder ein Luftfeuchtigkeitssensor
(72) vorgesehen ist.
7. Feuerleitvisier nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Anzeigeeinrichtung (22) zum Anzeigen der von der Entfernungsmesseinrichtung
(2) gemessenen Entfernung vorgesehen ist.
8. Handfeuerwaffe mit einem Feuerleitvisier nach einem der vorhergehenden Ansprüche.
9. Verfahren zum Ausrichten einer Handfeuerwaffe nach Anspruch 8 auf ein Ziel mit den
Schritten:
a) Direktes Anvisieren des Ziels (Z) mittels des Feuerleitvisiers (1);
b) Bestimmen der Entfernung zum Ziel (Z) mittels der Entfernungsmesseinrichtung (2);
c) Berechnung der Flugbahn (B) und des Elevationswinkels (α) mittels des Steuerungsrechners
(4);
d) Anzeige des berechneten Elevationswinkels und der Abweichung des aktuellen Elevationswinkels
vom berechneten Elevationswinkel (α) mittels der Anzeigeeinrichtung (5).
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Anzeige der Abweichung des aktuellen Elevationswinkels vom berechneten Elevationswinkel
(α) im Schritt d) mittels zumindest einer sich entlang zumindest eines Abschnitts
eines Visierleiterholms (15, 16) erstreckenden Reihe von elektrooptischen Elevations-Signalelementen
(51, 53), vorzugsweise LEDs, derart erfolgt,
- dass der berechnete Elevationswinkel (α) durch ein erstes Elevations-Signalelement (55,
55') in einer ersten Farbe und/oder Symboldarstellung in Höhe der Visierkimme (17d)
angezeigt wird, mit der das Ziel (Z) über das Visierkorn (12) anvisiert werden muss,
- dass eines oder mehrere der unterhalb des ersten Elevations-Signalelements (55, 55') angeordnete
untere Elevations-Signalelemente (56, 56') in einer zweiten Farbe und/oder Symboldarstellung
angezeigt werden, wenn der aktuelle Elevationswinkel geringer ist als der berechnete
Elevationswinkel (α),
- dass eines oder mehrere der oberhalb des ersten Elevations-Signalelements (55, 55') angeordnete
obere Elevations-Signalelemente (57, 57') in der zweiten Farbe und/oder Symboldarstellung
angezeigt werden, wenn der aktuelle Elevationswinkel größer ist als der berechnete
Elevationswinkel (α) und
- dass das erste Elevations-Signalelement (55, 55') seine Farbe und/oder Symboldarstellung
wechselt, wenn der aktuelle Elevationswinkel gleich dem berechneten Elevationswinkel
(α) ist.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet,
- dass im Schritt c) zusätzlich eine Berechnung des Azimutwinkels zum Ziel mittels des Steuerungsrechners
(4) erfolgt und
- dass im Schritt d) zusätzlich die Abweichung des aktuellen Azimutwinkels vom berechneten
Azimutwinkel mittels der Anzeigeeinrichtung (5) angezeigt wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Anzeige der Abweichung des aktuellen Azimutwinkels vom berechneten Azimutwinkel
im Schritt d) mittels zumindest eines im Bereich des Visierkorns (12) angeordneten
elektrooptischen Azimut-Signalelements (54, 54', 54"), vorzugsweise LEDs, derart erfolgt,
- dass der berechnete Azimutwinkel durch ein erstes, mittleres Azimut-Signalelement (54)
in einer ersten Farbe und/oder Symboldarstellung angezeigt wird,
- dass zumindest ein auf der linken Seite des ersten Azimut-Signalelements (54) angeordnetes
linkes Azimut-Signalelement (54') in einer zweiten Farbe und/oder Symboldarstellung
angezeigt wird, wenn der aktuelle Azimutwinkel in Bezug zum berechneten Azimutwinkel
zu weit nach links gerichtet ist,
- dass zumindest ein auf der rechten Seite des ersten Azimut-Signalelements (54) angeordnetes
rechtes Azimut-Signalelement (54") in der zweiten Farbe und/oder Symboldarstellung
angezeigt wird, wenn der aktuelle Azimutwinkel in Bezug zum berechneten Azimutwinkel
zu weit nach rechts gerichtet ist, und
- dass das erste Azimut-Signalelement seine Farbe und/oder Symboldarstellung wechselt, wenn
der aktuelle Azimutwinkel gleich dem berechneten Azimutwinkel ist.