[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung einer insbesondere
thermisch gespritzten, dünnwandigen Zylinderlaufbuchse zum Einfügen in ein Zylinderkurbelgehäuse.
Beschreibung des Standes der Technik
[0002] Bei Motoren ohne Zylinderlaufbuchsen muss für den Motorblock ein Material verwendet
werden, welches die vorrangigen Anforderungen erfüllt, die sich durch den direkten
Kontakt mit dem Reibpartner Kolben bzw. den Kolbenringen ergeben. Insbesondere sind
eine hohe Verschleißfestigkeit sowie eine geringe Reibung erforderlich. Nachrangig
sind weitere Anforderungen wie etwa geringes Gewicht, niedrige Materialkosten, niedrige
Herstellkosten und hohe Wärmeleitfähigkeit. Die Anforderungen sind bei buchsenlosen
Motoren nur schwer, wenn überhaupt, in Einklang zu bringen.
[0003] Die Verwendung von Zylinderlaufbuchsen bei Verbrennungskraftmaschinen gestattet es,
für den Motorblock ein anderes Material zu verwenden, welches nur die dafür maßgeblichen
Anforderungen erfüllt. Die Zylinderlaufbuchse hingegen kann speziell für die Anforderungen
Verschleißfestigkeit und geringe Reibung optimiert werden. Da der Materialanteil der
Laufbuchse im Vergleich zum Motorblock relativ gering ist, können hier auch hochwertigere
und daher teurere Werkstoffe eingesetzt werden, ohne sich allzu nachteilig auf die
Gesamtkosten auszuwirken.
[0004] Im Stand der Technik sind Verfahren zur Herstellung von Leichtmetall-Zylinderlaufbuchsen
zum thermischen Fügen in Zylinderkurbelgehäusen aus Eisen oder Leichtmetall bekannt
(siehe etwa die Broschüre "Überholung von Aluminium-Motoren" der Firma MSI Motor Service
International GmbH, Ausgabe 03/99). Solche Buchsen werden z.B. über einen Prozess
des Sprühkompaktierens mit anschließender mechanischer Bearbeitung hergestellt. Diese
unter dem Markennamen Alusil® vertriebenen Buchsen haben allerdings den Nachteil einer
mäßigen Verschleißbeständigkeit an der Zylinderlauffläche. Des Weiteren ist hier ein
aufwendiger Prozess des Freilegens von Siliziumkristallen bei der Endbearbeitung der
Zylinderlaufflächen notwendig.
[0005] Unter dem Markennamen Silitec® vertriebene Aluminium-Silizium-Zylinderlaufbuchsen
oder Zylinderlaufflächen aus Blocklegierungen (Alusil®, Lokasil®) besitzen eine hohe
Wärmeleitfähigkeit. Die Verschleißfähigkeit der jeweiligen Zylinderlaufflächen wird
durch die vorliegenden, nach dem Honen herausragenden Siliziumpartikel bestimmt. Bei
Gusswerkstoffen ist verfahrenstechnisch ein Siliziumanteil von maximal etwa 20% erreichbar.
Bei sprühkompaktierten Werkstoffen können höhere Siliziumanteile erzielt werden; prozessbedingt
führt dies jedoch zu ansteigenden Bauteilkosten. Aufgrund der hohen mechanischen Belastung
bei neuen Motoren, beispielsweise Ottomotoren mit Benzindirekteinspritzung oder modernen
Dieselmotoren, sind die mechanischen Festigkeitswerte mit konventionellen Aluminium-Silizium-Legierungen
allerdings grenzwertig.
[0006] Weiterhin sind Slip-Fit Liner aus Grauguss als Zylinderlaufbuchsen bekannt. Die Liner
werden mechanisch aus geschleuderten Grauguss-Rohren gefertigt. Zur Erzielung der
geforderten Oberflächenrauheit und Zylinderform wird der Außendurchmesser geschliffen.
Zum Einsetzen von Grauguss-Buchsen ist es nötig, dass die Buchse bei Raumtemperatur
einen größeren Durchmesser hat, als die Bohrung des Zylinderkurbelgehäuses. Danach
ist der Durchmesser mindestens einer der beiden Fügekörper durch thermische Ausdehnung
derart zu verändern, dass sich die Buchse sicher in das Zylinderkurbelgehäuse einsetzen
lässt. Dies geschieht im Allgemeinen durch Aufheizen des Zylinderkurbelgehäuses, da
aufgrund des zu geringen Wärmeausdehungskoeffizienten von Grauguss ein Abkühlen der
Buchse alleine nicht ausreicht. Dies macht das Einsetzen von Grauguss-Buchsen aufwändig
und teuer.
[0007] Eine bekannte Form von Zylinderlaufbuchsen ist in dem deutschen Patent mit der Veröffentlichenungsnummer
DE10308562 (B3) offenbart, bei der eine Zylinderlaufbuchse mit einer Innenbeschichtung als Verschleißschutzschicht
versehen wird.
[0008] Aus der europäischen Patentanmeldung
EP1949401 (A2) ist ein Verfahren zum Beschichtung einer Zylinderlaufbahn von Aluminium-Motorblöcken
offenbart, in dem durch thermisches Spritzen eine Eisenlegierung innen auf die Zylinderinnenfläche
aufgebracht wird.
[0009] Die deutsche Patentanmeldung mit der Veröffentlichungsnummer
DE102008013813 (A1) zeigt ein Verfahren zur Herstellung eines Zylinderkurbelgehäuses, das die folgenden
Schritte umfasst: Herstellen eines Kernes, Einlegen des Kernes in ein Gießwerkzeug,
Gießen des Zylinderkurbelgehäuses unter erhöhtem Druck und unter Verwendung eines
Leichtmetalls, Herauslösen des Kernes aus dem gegossenen Zylinderkurbelgehäuse, und
Beschichten einer Zylinderwand durch ein thermisches Spritzverfahren.
[0010] Die deutsche Patentanmeldung Nr.
DE 102008053642 (A1) betrifft eine thermisch gespritzte Zylinderlaufbuchse für Verbrennungsmotoren die
im Wesentlichen aus einer Eisenbasislegierung mit einem Kohlenstoffgehalt von 0,8
bis 0,9 Gewichtsprozent und hierin dispergierten reibungsmindernden Füllstoffen aus
Graphit, Molybdändisulfid oder Wolframdisulfid aufgebaut ist.
[0011] Das Patentdokument
DE102010053029 A1 offenbart ein Verfahren zur Herstellung eines aus zumindest zwei Metallschichten
bestehenden hohlzylinderförmigen Bauteils, wobei zur Herstellung eines aus zumindest
zwei Metallschichten bestehenden hohlzylinderförmigen Bauteils, auf ein rohrförmiges
Substrat eine Funktionsschicht und anschließend eine Tragschicht jeweils durch Sprühkompaktieren
aufgebracht wird und anschließend das Substrat entfernt wird, wobei das Substrat unter
Verwendung eines Metalls gefertigt wurde, das Bestandteil der Funktionsschicht ist,
und durch zerspanende Bearbeitung entfernt wird.
[0012] Eine weitere bekannte Form von Zylinderbewehrungen sind auf die Zylinderlauffläche
gespritzte Schichten. In der
DE 197 33 205 A1 werden eine Beschichtung einer Zylinderlauffläche einer Hubkolbenmaschine auf Eisen-,
Aluminium- oder Magnesium-Basis mit einer übereutektischen Aluminium/Silizium-Legierung
und/oder einem Aluminium/Silizium-Verbundwerkstoff und ein Verfahren zur Herstellung
dieser Beschichtung offenbart. Die Beschichtung wird hier direkt auf die Innenwand
der Zylinderbohrung im Motorblock aufgetragen.
[0013] Hierzu wird entweder ein um die Mittelachse der Zylinderbohrung rotierender Innenbrenner,
der auf einem rotierenden Aggregat aufgebaut ist, in die Zylinderbohrung eingeführt
und axial bewegt. Oder es wird der Innenbrenner in die Zylinderbohrung des rotierenden
Kurbelgehäuses eingeführt und entlang der Mittelachse der Zylinderbohrung axial bewegt,
um die Beschichtung auf die Zylinderwand aufzuspritzen. Die Zylinderoberfläche muss
im Allgemeinen vor der Beschichtung aufwändig vorbereitet werden, beispielsweise durch
Aufrauhen mittels Hochdruckwasserstrahlen, oder durch Einbringen einer definierten
Profilierung mit Hinterschnitten über einen Drehprozess.
[0014] Die Herstellung der Beschichtung direkt auf der Wand der Zylinderbohrung benötigt
außerdem entweder ein kompliziertes Aggregat mit Innenbrenner, das selber innerhalb
der Bohrung rotiert, um die Beschichtung gleichmäßig auftragen zu können, oder es
ist erforderlich, dass der gesamte Motorblock mit der Zylinderbohrung um einen nicht
rotierenden Innenbrenner rotiert. Beide Verfahren sind aufwendig und kostenintensiv.
Aufgrund der Grösse des Beschichtungsaggregates können nur Zylinderbohrungen mit einem
Bohrungsdurchmesser von größer als 80 mm zuverlässig beschichtet werden.
[0015] Es ist daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein einfacheres Verfahren zur
Herstellung einer verbesserten Zylinderlaufbuchse sowie eine entsprechende Laufbuchse
bereitzustellen, bei dem/der die vorstehend aufgeführten Nachteile beseitigt oder
zumindest verringern können.
Zusammenfassung der Erfindung
[0016] Gemäß einem ersten Gesichtspunkt der Erfindung wird ein Verfahren zur Herstellung
einer Zylinderlaufbuchse bereitgestellt das die Merkmale des Anspruchs 1 umfasst.
Bevorzugte Ausführungen sind in den abhängigen Ansprüchen beschrieben. Das Verfahren
zur Herstellung einer Zylinderlaufbuchse, umfasset: thermisches Spritzen eines ersten
Werkstoffes auf einen Formkörper zur Bildung einer verschleiß- und korrosionsbeständigen
ersten Schicht, wobei der erste gespritzte Werkstoff umfasst, mindestens 67% Eisen,
Fe; maximal 3% Kohlenstoff, C; zwischen 0 und maximal 20% Chrom, Cr; zwischen 0 und
maximal 10% Nickel, Ni; und thermisches Spritzen eines zweiten Werkstoffes zur Bildung
einer zweiten äußeren Schicht auf der ersten, inneren Schicht, wobei der zweite gespritzte
Werkstoff umfasst, Aluminium, eine Aluminiumlegierung oder ein Mehrelementmaterial
aus Leichtmaterialund Eisen.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
[0017] Fig. 1 zeigt einen Schnitt einer Zylinderlaufbuchse gemäß einer Ausführungsform der
Erfindung.
Ausführliche Beschreibung der Erfindung
[0018] Die Erfindung schlägt ein Verfahren zur Herstellung einer Zylinderlaufbuchse mittels
thermischem Spritzen vor.
[0019] In dem erfindungsgemäßen Verfahren wird ein erster Werkstoff zur Bildung einer ersten,
inneren Lage auf einem Formkörper bereitgestellt, der als wesentliche Elemente mindestens
67% Fe und max. 3,0% C aufweist. Um die Korrosionsbeständigkeit der ersten Lage zu
verbessern können bis zu 20% Cr und oder 10% Nickel zulegiert werden.
[0020] In einer bevorzugten Ausführungsform enthält der erste Werkstoff mindestens 70 %
Fe, mehr bevorzugt mindestens 80 % Fe, noch mehr bevorzugt mindestens 90 % Fe und
darüber, sogar noch mehr bevorzugt mindestens 95 % Fe. Der Kohlenstoffgehalt sollte
nicht über 3% liegen, da andernfalls der Werkstoff zu hart und spröde, d.h. schwer
zu bearbeiten ist. Es besteht die Gefahr von Schichtabplatzung bzw. Rissbildung. Der
Kohlenstoffgehalt liegt deshalb bei vorzugsweise ≤ 2 % und noch mehr bevorzugt ≤ 1%.
[0021] Der Werkstoff kann weiter zwischen 0 und max. 30% Cr und zwischen 0 und max. 10%
Ni enthalten. Diese Komponenten dienen normalerweise dazu die Korrosionsbeständigkeit
zu erhöhen, bedeuten jedoch auch höhere Materialkosten bzw. einen höheren Fertigungsaufwand
bei der Nachbearbeitung der Lauffläche z.B. beim Honen. Es hat sich jedoch gezeigt,
dass die in diesem Schritt erfindungsgemäß hergestellte erste bzw. innere Lage der
Zylinderlaufbuchse auch ohne Vorhandensein der genannten Elemente bei aktuellen Motorendesigns
keine Korrosionsanfälligkeit zeigt, so dass der eingesetzte Werkstoff, diese Elemente
nur in geringen Mengen wenn überhaupt enthalten muss. Bevorzugte Bereiche für diese
Komponenten sind zwischen 0 und 19 %, mehr bevorzugt zwischen 0 und 5 %, mehr bevorzugt
zwischen 0 und 3 %, sogar noch mehr bevorzugt zwischen 0 und 1 % für Cr. Gleichermaßen
ist für Ni ist ein Bereich bevorzugt von zwischen 0 und 5 %, mehr bevorzugt von zwischen
0 und 3 % und noch mehr bevorzugt von zwischen 0 und 2 %, sogar noch mehr bevorzugt
von zwischen 0 und 1%.
[0022] Der Werkstoff liegt vor dem Beschichtungsprozess als Massiv- oder Fülldraht vor und
wird mittels bekannter Drahtbeschichtungsverfahren, wie beispielsweise mittels Lichtbogendrahtspritzen
oder Drahtflammspritzen u.ä. aufgeschmolzen und auf einen rotierenden Formkörper aufgetragen.
[0023] Der Werkstoff wird auf die Außenfläche des rotierenden Formkörpers aufgetragen, welcher
eine im Wesentlichen zylindrische Form aufweist. Mit Maßgabe der zylindrischen Form
ist die weitere Form des Formkörpers, insbesondere dessen Abmessungen lediglich von
dem beabsichtigten Einsatzgebiet beschränkt. So kann insbesondere der Aussendurchmesser
des Formkörpers im Hinblick auf die unterschiedlichen Durchmessern von Zylinderlaufbuchsen
im Bereich von ca. 20 mm bis zu ca. 1000 mm liegen, vorzugsweise für den Automobilbereich
zwischen 60 mm bis ca. 100 mm. Die Länge des Formkörpers ist nach oben nicht beschränkt,
da eine gewünschte Länge der Zylinderlaufbuchse durch Nachbearbeiten eines ersten
erhaltenen Werkstückes hergestellt werden kann. Der Formkörper muss lediglich die
Länge der gewünschten Zylinderlaufbuchse aufweisen und kann daher von ca. 50 mm bis
zu ca. 5 m betragen. Für die Herstellung von Zylinderlaufbuchsen für den Automobilsektor
beträgt die Länge des Formkörpers von ca. 100 mm bis ca. 400 mm, wobei auf einem Formkörper
2 bis 4 Zylinderlaufbuchsen auf einmal hergestellt werden können.
[0024] Der Formkörper kann aus jedem Werkstoff bestehen, der bei den angelegten Verfahrensbedingungen
formstabil bleibt, d.h. insbesondere den Temperaturen des aufgeschmolzenen und aufgetragenen
Materials widerstehen kann, beispielsweise bei Eisen Temperaturen von ca. 1400 °C
und ein Ablösen der ersten, inneren Schicht nach dem Auftragen ermöglicht. Optional
kann die Außenfläche des Formkörpers mit einer dünnen, anorganischen Trennschicht
versehen werden.
[0025] In einem weiteren Schritt wird eine zweite, äussere Lage auf die erste, innere Lage
aufgebracht, die noch auf dem Formkörper befindlich sein kann oder vorher vom Formkörper
entfernt wurde, d.h. in Form einer Hülse als Freikörper vorliegt. Der Aussendurchmesser
der ersten Lage ist "as sprayed", d.h. er wird vor dem Auftragen der zweiten Lage
mechanisch nicht bearbeitet.
[0026] Dabei kann das gleiche thermische Spritzverfahren wie im ersten Schritt eingesetzt
werden kann oder auch ein anderes. Dies wird in Abhängigkeit von dem eingesetzten
Werkstoff und den anderen bei der Produktion vorherrschenden Gegebenheiten gewählt.
[0027] Der im zweiten Schritt aufgebrachte Werkstoff wird im Allgemeinen derart gewählt,
dass er einen Wärmeausdehnungskoeffizient aufweist, der möglichst ähnlich ist zu dem
des Zylinderkurbelgehäuses. Der Werkstoff kann, beispielsweise ausgewählt werden unter
Aluminium oder einer Aluminiumlegierung aus Al und Si bzw. Al und Mn bzw. Al und Mg
oder einer Mehrelementschicht aus einer Aluminiumlegierung und Eisen. Diese ist insbesondere
von Vorteil, da eine derartige Kombination beim Auftragen punktuell über die Oberfläche
verteilt wird, was hinsichtlich eines nachfolgenden Bearbeitungsschrittes, insbesondere
Schleifen, eine geringere Oberflächenrauheit liefert.
[0028] Durch das erfindungsgemäß Verfahren lassen sich Lagen mit einer Porösität von < 8
Vol.-%, vorzugsweise < 5 Vol.-%, mehr bevorzugt < 3 Vol.-% und Porengrössen von <
15 µm, vorzugsweise < 10 µm, mehr bevorzugt < 8 µm erzielen. Dies ist im Gegensatz
zu Innenbeschichtungen des Standes der Technik wesentlich verbessert, die eine Porösität
von etwa > 10 Vol.-% und eine Porengrösse von etwa 20 µm liefern.
[0029] Wenn der zweite Auftragschritt auf dem Formkörper durchgeführt wurde, kann das so
erhaltene Produkt vor weiteren Bearbeitungsschritten auf dem Formkörper belassen oder
von dem Formkörper getrennt werden.
[0030] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens wird die nach dem Spritzen
noch raue Außenmantelfläche der äußeren, zweiten Lage durch Schleifen oder Drehen
bearbeitet, wodurch der gewünschte Aussendurchmesser, die notwendige Zylindrizität
und die erforderliche Oberflächenrauheit der mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten
Zylinderlaufbuchse erreicht wird. Die damit zu erzeugende Rauhtiefe (Rz) der Außenmantelfläche
liegt normalerweise im Bereich von maximal etwa 50 µm, vorzugsweise maximal etwa 30
µm, mehr bevorzugt maximale 10 µm. Die gewünschte Rauhtiefe kann jeweils durch ein
geeignetes Bearbeitungsverfahren, wie z.B. Fein-Drehen erreicht werden. Werden höhere
Anforderungen an die Zylindrizität gestellt, dann kann die Außenmantelfläche auch
geschliffen werden.
[0031] Die gewünschte Gesamtlänge der in eine Kraftmaschine einzusetzenden Zylinderlaufbuchse
kann durch Drehen, Fräsen oder Laserschneiden aus der erzeugten Zylinderlaufbuchse
hergestellt werden.
[0032] Gemäß einer Ausführungsform weist die erste innere Schicht der mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren hergestellten Zylinderlaufbuchse eine Schichtdicke von etwa 0,2 bis 2,0
mm auf, vorzugsweise von 0,2 bis 1 mm, mehr bevorzugt von 0,2 bis 0,8 mm auf. Die
zweite äussere Schicht der mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Zylinderlaufbuchse
weist nach dem Auftragen eine Schichtdicke von etwa 0,2 bis 2 mm auf, vorzugsweise
von 0,3 bis 2,0 mm noch mehr bevorzugt von 0,3 bis 1,0 mm. Durch die Bearbeitungsschritte
des Drehens bzw. Schleifens wird die Schichtdicke der äusseren Lage im Allgemeinen
um etwa 0,1 mm bis etwa 0,5 mm verkleinert.
[0033] Folglich weist die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Zylinderlaufbuchse
eine Gesamtwandwandstärke von 0,4 bis maximal etwa 10 mm auf, vorzugsweise von etwa
1 mm bis 2 oder 3 mm.
[0034] Das so erhaltene Produkt wird nun, wenn noch auf dem Formkörper befindlich, zur wahlweisen
weiteren Behandlung von diesem getrennt.
[0035] Gemäß einer Ausführungsform umfasst das Verfahren weiter, die mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren hergestellte Zylinderlaufbuchse an einer oder an beiden axialen Enden am
Außendurchmesser und/oder am Innendurchmesser mit einer Fase zu versehen. Dadurch
kann einerseits das Fügen der Buchse erleichtert, andererseits das Positionieren eines
Honwerkzeuges für die Innenbearbeitung verbessert werden.
[0036] Gemäß einer weiteren Ausführungsform umfasst das Verfahren weiter am Buchsenmantel
Aussparungen und/oder Überströmkanäle vorzusehen, welche durch Bearbeiten mit geometrisch
bestimmter Schneide oder thermischem Laserschneiden erzeugt werden können.
[0037] Die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Zylinderlaufbuchse kann an einem
Ende optional mit Pulsationsbohrungen oder mit einem Bund versehen werden. Die Pulsationsbohrungen
können entweder durch Fräsen oder mittels Schneiden mit einem Laser erzeugt, der Bund
beispielsweise durch eine Drehbearbeitung hergestellt werden.
[0038] Gemäß einer Ausführungsform umfasst das Verfahren weiter, die Innenseite der gebildeten
Zylinderlaufbuchse nach dem Fügen in den Motorblock zu honen, wodurch die Dicke der
ersten, inner Schicht auf bis zu 0,05 mm verringert werden kann, dies um eine bessere
Wärmeleitfähigkeit zu erzielen.
[0039] Gemäß einem weiteren Gesichtspunkt der Erfindung wird eine Zylinderlaufbuchse bereitgestellt,
die durch das vorstehend beschriebene Verfahren hergestellt wurde.
[0040] Die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Zylinderlaufbuchse wird nach
Fertigstellung und Bearbeitung in eine Zylinderbohrung einer Kraftmaschine eingesetzt.
Dies kann, wie beispielsweise im Automobilbereich gemäß herkömmlicher Verfahren erfolgen,
indem der Motorblock (Aluminium) auf eine Temperatur von ca. 250 °C aufgeheizt wird,
und die Buchse in die Zylinderbohrungen eingefügt wird. Die erfindungsgemäße Buchse
kann jedoch auch aufgrund der ihr innewohnenden Eigenschaften auch in einen nicht
aufgeheizten Motorblock eingesetzt werden, indem diese selbst vorher gekühlt wird,
beispielsweise auf Temperaturen von etwa -20°C, oder -30 °C oder -40°C bis zu -78,5
°C (festes Kohlendioxid) oder vorzugsweise in Flüssigstickstoff auf Temperaturen von
etwa -20 °C usw. bis zu -196°C und dann in die Zylinderbohrung überführt wird. Dies
ist mit einer Grauguss-Buchse nicht möglich, da deren Ausdehnungskoeffizient zu gering
ist. Damit erleichtert die erfindungsgemäße Buchse die Handhabung und verringert Aufwand
und Kosten des Einsetzens der Buchse.
[0041] Auch bei einem mechanischen Einbau ("Loose-fit") der erfindungsgemäßen Zylinderlaufbuchse
ergeben sich Vorteile, da sich die Aluminium enthaltende äussere Schicht sich beim
Betrieb ausdehnt und einen besseren Kontakt mit der Zylinderbohrungswand mit einhergehender
verbesserter Wärmeabfuhr sicherstellt. Die Laufbuchse wird bei Raumtemperatur über
den Bund axial in der Zylinderbohrung fixiert.
Beispiel
[0042] Mittels Lichtbogendrahtspritzen wurde eine 0.8 mm dicke erste Lage aus einem Stahldraht
(99%Fe, 0.8% C, Rest Verunreinigungen wie Mn, Cr, Ni) auf einen metallischen zylinderförmigen
Formkörper (Durchmesser 80 mm, Länge 1000 mm) gespritzt. Die 3.2 mm dicken Massivdrähte
wurden mit einer Vorschubgeschwindigkeit von 1 m/min bei einer Spannung von 36V und
Stromstärke von 800A im Beschichtungsaggregat aufgeschmolzen und auf den mit 150 U/min
rotierenden Formkörper aufgespritzt. Der Beschichtungsabstand betrug 150 mm, die Schichtdicke
von 0.8mm wurde in 6 Beschichtungsbahnen aufgetragen.
[0043] Die erste Lage wurde vom Formkörper getrennt, zwischen 2 konischen Aufnahmen eingespannt
und in eine zweite Beschichtungsanlage ebenfalls mittels Lichtbogendrahtspritzen mit
einer 1.0 mm dicken AlSi12 Schicht versehen. Die 3.2 mm Massivdrähte wurden mit einer
Vorschubgeschwindigkeit von 1.2m/min in das Beschichtungsaggregat geführt und bei
30V bzw. 650A aufgeschmolzen. Die 1.0 mm dicke schicht wird in 4 Beschichtungsbahnen
bei einer Rotationsgeschwindigkeit von 150 U/min. aufgetragen.
[0044] Mittels metallografischer Untersuchungen wurde das Schichtgefüge von beiden Schichten
analysiert, die Härte der St0.8 Schicht lag bei 400 HV1, die AlSi12 Schicht bei 100HV1.
Die Porosität betrug in beiden Schichten <3% die maximale Porengrösse betrug 10µm.
[0045] Das komplett gespritzte, zylindrische Bauteil mit einem Innendurchmesser von 80mm,
einer Gesamtlänge von 180 mm und einer Wanddicke von 1.8 mm wurde aus der Beschichtungsanlage
entnommen, in eine Drehmaschine eingespannt und am Aussenmantel zylindrisch überdreht.
Die Oberflächenrauheit betrug Ra < 6µm, die Buchse wurde auf einen Aussendurchmesser
von 83.6 mm gedreht. Zuletzt wurde die Zylinderlaufbuchse an beiden Enden mittels
Drehbearbeitung auf 142 mm abgelängt bzw. aussen und innen mit einer 30° Fase angefast.
1. Verfahren zur Herstellung einer Zylinderlaufbuchse, umfassend:
- thermisches Spritzen eines ersten Werkstoffes auf einen Formkörper zur Bildung einer
verschleiß- und korrosionsbeständigen ersten Schicht, wobei der erste gespritzte Werkstoff
besteht aus:
mindestens 67% Eisen, Fe;
maximal 3% Kohlenstoff, C;
zwischen 0 und maximal 20% Chrom. Cr;
zwischen 0 und maximal 10% Nickel, Ni;
Rest Fe bis zu einem Eisengehalt des ersten Werkstoffes von maximal 99%, und unvermeidliche
Verunreinigungen;
- thermisches Spritzen eines zweiten Werkstoffes zur Bildung einer zweiten äußeren
Schicht auf der ersten, inneren Schicht, wobei der zweite gespritzte Werkstoff umfasst:
Aluminium, eine Aluminiumlegierung oder ein Mehrelementmaterial aus einer Aluminiumlegierung
und Eisen; und
- Entfernen des Formkörpers zur Freilegung der gebildeten Zylinderlaufbuchse, wobei
der Schritt des Entfernens vor oder nach dem Schritt des thermischen Spritzens des
zweiten Werkstoffes erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1. weiter umfassend:
- Bearbeiten der äußeren Schicht durch Schleifen, Fein- oder Feinstdrehen.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei die maximale Rauhtiefe der Außenmantelfläche
50 µm, vorzugsweise 10 µm beträgt.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei jede Schicht eine Schichtdicke
von 0,05 bis 2,0 mm aufweist.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die gebildete Zylinderlaufbuchse
eine maximale Gesamtwandstärke von 4,0 mm, bevorzugt von 0,7 bis 2,0 mm aufweist.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, weiter umfassend:
- Versehen der gebildeten Zylinderlaufbuchse mit einer Fase am Außendurchmesser.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, weiter umfassend:
- Versehen der gebildeten Zylinderlaufbuchse mit einer Fase am Innendurchmesser.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, weiter umfassend:
- Erzeugen von Aussparungen an der Buchsenunterseite und/oder Überströmkanälen durch
Fräsen oder thermisches Laserschneiden.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, weiter umfassend:
- Honen der Innenseite der gebildeten Zylinderlaufbuchse.
1. A method for producing a cylinder liner, comprising:
- thermal spraying of a first material onto a mould body to form a wear- and corrosion-resistant
first layer, the first sprayed material consisting of:
at least 67% iron, Fe;
no more than 3% carbon, C;
between 0 and no more than 20% chromium, Cr;
between 0 and no more than 10% nickel, Ni;
remainder Fe up to an iron content of the first material of no more that 99%, and
unavoidable impurities;
- thermal spraying of a second material to form a second outer layer on the first,
inner layer, the second sprayed material comprising:
aluminium, an aluminium alloy or a multi-element material consisting of an aluminium
alloy and iron; and
- removal of the mould body to expose the cylinder liner formed, wherein the step
of removal takes place before or after the step of thermal spraying of the second
material.
2. The method according to Claim 1, further comprising:
- machining of the outer layer by grinding or fine or ultra-fine turning.
3. The method according to Claim 1 or 2, wherein the maximum roughness depth of the outer
lateral surface is 50 µm, preferably 10 µm.
4. The method according to any one of the preceding claims, wherein each layer has a
layer thickness of 0.05 to 2.0 mm.
5. The method according to any one of the preceding claims, wherein the cylinder liner
formed has a maximum total wall thickness of 4.0 mm, preferably of 0.7 to 2.0 mm.
6. The method according to any one of the preceding claims, further comprising:
- provision of the cylinder liner formed with a bevel on the outer diameter.
7. The method according to any one of the preceding claims, further comprising:
- provision of the cylinder liner formed with a bevel on the inner diameter.
8. The method according to any one of the preceding claims, further comprising:
- producing cut-outs on the liner underside and/or overflow channels by milling or
thermal laser-cutting.
9. The method according to any one of the preceding claims, further comprising:
- honing of the inside of the cylinder liner formed.
1. Procédé de fabrication d'une chemise de cylindre, comprenant:
- la projection thermique d'un premier matériau sur un corps moulé afin de former
une première couche résistante à l'usure et à la corrosion, le premier matériau appliqué
par projection étant constitué de :
au moins 67 % de fer, Fe :
au maximum 3 % de carbone, C ;
entre 0 et au maximum 20 % de chrome, Cr ;
entre 0 et au maximum 10 % de nickel, Ni ;
le reste étant du Fe, la teneur en fer du premier matériau ne dépassant pas 99 %,
et des impuretés inévitables ;
- la projection thermique d'un deuxième matériau afin de former une deuxième couche
extérieure sur la première couche intérieure, le deuxième matériau appliqué par projection
comprenant :
de l'aluminium, un alliage d'aluminium ou un matériau à éléments multiples composé
d'un alliage d'aluminium et de fer ; et
- le retrait du corps moulé pour libérer la chemise de cylindre ainsi formée, l'étape
de retrait étant réalisée avant ou après l'étape de la projection thermique du deuxième
matériau.
2. Procédé selon la revendication 1, comprenant en outre :
- l'usinage de la couche extérieure par rectification, tournage fin ou tournage très
fin.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, la surface extérieure présentant une rugosité
de surface qui est inférieure ou égale à 50 µm, de préférence à 10 µm.
4. Procédé selon l'une des revendications précédentes, chacune desdites couches présentant
une épaisseur de couche comprise entre 0,05 et 2,0 mm.
5. Procédé selon l'une des revendications précédentes, la chemise de cylindre ainsi formée
présentant une épaisseur de paroi totale inférieure ou égale à 4,0 mm, de préférence
comprise entre 0,7 et 2,0 mm.
6. Procédé selon l'une des revendications précédentes, comprenant en outre :
- la réalisation d'un chanfrein sur le diamètre extérieur de la chemise de cylindre
ainsi formée.
7. Procédé selon l'une des revendications précédentes, comprenant en outre :
- la réalisation d'un chanfrein sur le diamètre intérieur de la chemise de cylindre
ainsi formée.
8. Procédé selon l'une des revendications précédentes, comprenant en outre :
- la réalisation d'évidements sur face inférieure de ladite chemise et/ou de canaux
de trop-plein par fraisage ou découpage thermique au laser.
9. Procédé selon l'une des revendications précédentes, comprenant en outre :
- le pierrage de la face intérieure de la chemise de cylindre ainsi formée.