[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Wertdokuments, wie eine
Banknote, eine Urkunde oder ein Ausweisdokument.
[0002] Bei der Herstellung von Wertdokumenten erfolgt der Druckvorgang zumeist in mehreren
Druckschritten, wobei vielfältige aufeinanderfolgende Druck-und Veredelungsverfahren
zum Einsatz kommen können. Einer der ersten Schritte ist hierbei in der Regel ein
einfarbiger oder mehrfarbiger Untergrunddruck im Offset- und/oder Letterset-Verfahren.
Die hierfür verwendete Druckausstattung kann stark variieren und ist von den folgenden
Parametern abhängig:
- die verwendeten Sicherheitsfarben bzw. Sicherheitspigmente;
- die Art des verwendeten Wertdokumentsubstrats (z.B. Substrate auf Basis von Baumwollfasern;
auf Mischfasern beruhende Substrate; Substrate auf Basis von Kunststofffolien);
- die Bereitstellung von zu bedruckenden Substraten, die einen inhomogenen Aufbau aufweisen
(z.B. Papiersubstrate, die mit einem Folienelement versehen sind; teilweise vorbedruckte
Substrate);
- die Bereitstellung von zu bedruckenden Substraten, die an verschiedenen Stellen einen
unterschiedlichen pH-Wert und/oder eine unterschiedliche Papierfeuchte aufweisen.
[0003] Während Produktionsfehler, die zu einer sichtbaren Verschlechterung des Druckergebnisses
führen, bereits an der Druckmaschine entdeckt und ausgeglichen werden können (z.B.
die Farbführung), besteht bei sich auf die Substrattrocknung und/oder die Substratabmessungen
auswirkenden Produktionsfehlem die Gefahr, dass diese den weiteren Produktionsprozess
stark verzögern und zudem die Makulaturmenge erhöhen. Die für die Bedruckung notwendigen
unterschiedlichen Druckausstattungen haben zudem einen starken Einfluss auf das Verhalten
der Druckbögen in den weiteren Druckschritten. Druckschritte, die Wärme zuführen,
führen zu Substratschrumpfungen. Bei Druckschritten, die unter hohem mechanischem
Druck erfolgen, zeigen sich Dimensionsveränderungen (insbesondere Dimensionsvergrößerungen)
am Substrat. Vor allem der im Wertpapier- und Sicherheitsdruck weitverbreitete Stichtiefdruck
belastet Substrat und Farbschichten in besonderer Weise, so dass eine ausreichende
Trocknung essentiell ist.
[0004] Wenn die Dimensionsveränderungen am Substrat bestimmte Toleranzgrenzen überschreiten,
bleibt oft nur der Neudruck mit einer veränderten Druckausstattung. Alternativ kann
die Druckausstattung der nachfolgenden Druckschritte angepasst werden, was mit hohem
Aufwand und hohen Kosten verbunden ist.
[0005] Die mangelnde Trocknung eines bedruckten Wertdokumentsubstrats infolge einer problematischen
Farbrezeptur oder infolge eines nicht wegschlagenden Substrats lässt sich zum Teil
durch die Zufuhr von Wärme beschleunigen. Allerdings führt die Erwärmung von Druckerzeugnissen
häufig zu einer schlecht kontrollierbaren Veränderung der Abmessungen des bedruckten
Substrats. Dies ist insbesondere bei Zellulose-, Baumwoll- und weiteren Papiersubstraten
der Fall, bei denen der Wärmeeintrag zu Feuchtigkeitsverlust führt. Als Folge kann
der Passer bei den nachfolgenden Druckschritten oft nicht eingehalten werden. Auch
bei der Verwendung von Kunststoffsubstraten oder hybriden Substraten (z.B. mehrlagige
Folie/Papier/Folie-Substrate, wie sie aus
WO 2004/028825 A2 bekannt sind) tritt der Effekt auf. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass sich
das Ablegen von Druckfarbe innerhalb eines Stapels von Wertdokumenten auf diese Weise
nicht wesentlich verbessern lässt. Das Ablegen von Druckfarbe bezeichnet hierin die
Erscheinung, dass sich die noch nasse Druckfarbe am nächsten Druckbogen abbildet und
dort das Druckergebnis stört.
[0006] Die Trocknung eines bedruckten Wertdokumentsubstrats lässt sich des Weiteren durch
den Zusatz von metallhaltigen Trockenstoffen beschleunigen. Oxidativ trocknende Druckfarben
(d.h. Druckfarben, die nicht zu den UV-Farben oder UV-Lacken gehören) enthalten üblicherweise
einen Trockenstoff bzw. Sikkativ. Trockenstoffe sind insbesondere organische Salze
bestimmter Metalle wie Cobalt (z.B. Cobaltoctoat, Cobaltnaphthenat), Mangan, Calcium
(z.B. Calciumoctoat), Zirkonium oder Cer. Metallhaltige Trockenstoffe entfalten lediglich
in der Anwesenheit von Sauerstoff ihre Wirkung. Unter der Voraussetzung, dass Lagerung
und Transport weitgehend unter Luftabschluss erfolgen, kann ein Trockenstoff bereits
ab Werk in die Farbe eingearbeitet werden. Der Nachteil an diesen Trockenstoffen ist
allerdings, dass die Verwendung von (Schwer-)Metallverbindungen aus Gründen der arbeitsbedingten
Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen problematisch sind. Eine geringe Einsatzkonzentration
wäre daher wünschenswert, was aber zu langen Trocknungszeiten führt.
[0007] Die Trocknung eines bedruckten Wertdokumentsubstrats lässt sich darüber hinaus durch
den Zusatz von peroxidhaltigen Stoffen, wie etwa anorganische oder organische Peroxide,
beschleunigen. Diese setzen beim Zerfallen radikalischen Sauerstoff frei und beschleunigen
so die oxidative Trocknung der Farbschicht. Dies funktioniert auch an Stellen, an
denen Luft- bzw. Sauerstoffmangel herrscht, folglich auch bei nicht wegschlagenden
Substraten und in hohen bzw. großflächigen Wertdokument-Stapeln. Von Nachteil ist
allerdings, dass peroxidhaltige Stoffe der Farbe erst verhältnismäßig kurz vor dem
Druck hinzugefügt werden dürfen, weil die Farbe durch die mit dem Hinzufügen des Peroxids
einsetzende chemische Reaktion nicht über einen längeren Zeitraum gelagert werden
kann.
[0008] Die Trocknung eines bedruckten Wertdokumentsubstrats lässt sich darüber hinaus durch
den Einsatz von UV-trocknenden Untergrundfarben oder hybriden UV-Systemen anstelle
von oxidativ trocknenden Systemen beschleunigen. Solche Farben sind allerdings deutlich
teurer, besitzen häufig sensibilisierende Eigenschaften und weisen unter Umständen
eine schlechte Überdruckbarkeit auf. Zudem besitzen sie als Fertigfarbe nur eine begrenzte
Haltbarkeit. Ähnliches gilt auch für neuartige hybride Farbformulierungen, die sowohl
konventionelle, oxidativ trocknende Farbbestandteile, als auch UVhärtende Farbbestandteile
enthalten.
[0009] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein im Hinblick auf
die Trocknung bedruckter Wertdokumentsubstrate verbessertes Verfahren bereitzustellen.
[0010] Das Verfahren sollte insbesondere einen oder mehrere der folgenden technischen Effekte
bewirken:
- die Anpassung der Schrumpfung des Druckbogens an die Bedürfnisse der nachfolgenden
Druckschritte;
- die Behebbarkeit von Problemen mit der Farbrezeptur (z.B. der Gehalt an Trockenstoffen),
bevorzugt auch nach dem erfolgten Druck;
- die Verkürzung der Trocknungszeit, um auf diese Weise eine kürzere Produktionszeit
und eine Verkleinerung der Lagerfläche zu ermöglichen.
[0011] Diese Aufgabe wird durch die Merkmalskombinationen gemäß dem unabgängigen Anspruch
gelöst. Die abhängigen Ansprüche stellen bevorzugte Ausführungsformen dar.
[0012] Die
WO 2009/013169 beschreibt das Trocknen von Druckfarben, bei denen eine oxidativ härtende Tinte eine
Kombination aus schmelzfähigem Wachs und einer UV-häutenden Bindemittelkomponente
umfasst.
Zusammenfassung der Erfindung
[0013] Ein erster Aspekt der Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Wertdokuments,
umfassend:
- a) das Bedrucken eines Wertdokumentsubstrats mit einer oxidativ trocknenden Druckfarbe,
d.h. einer Druckfarbe, die nicht zu den UV-Farben oder UV-Lacken gehört;
- b) das Behandeln des bedruckten Wertdokumentsubstrats mit UV-Strahlung durch eine
mit einem UV-Trocknungssystem ausgerüstete Druckmaschine; und
- c) das Trocknen des mit UV-Strahlung behandelten, bedruckten Wertdokumentsubstrats
bei Raumtemperatur in einem Stapel.
[0014] Es wird bevorzugt, dass im Schritt b) das Behandeln des Wertdokumentsubstrats mit
UV-Strahlung und zusätzlich mit Ozon erfolgt. Die zusätzliche Behandlung mit Ozon
erfolgt bevorzugt durch Beaufschlagen des Wertdokumentsubstrats mit Ozon in Raumluft
mit einer Konzentration in einem Bereich von 1 bis 15 ppm.
[0015] Weiterhin wird bevorzugt, dass im Schritt b) das Behandeln mit UV-Strahlung durch
eine mit einem UV-Trocknungssystem ausgerüstete (Simultan-)Druckmaschine erfolgt,
wobei bevorzugt eine UV-Dosisleistung von 10 mJ/cm
2 bis 200 mJ/cm
2 pro Seite gewählt wird. Eine UV-Dosisleistung von 15 mJ/cm
2 bis 80 mJ/cm
2 pro Seite wird insbesondere bevorzugt. Die Messung der UV-Dosis kann mittels eines
fotochromatischen Films, z.B. mittels eines 70 mm x 19 mm großen Messstreifens "tesa®
UV Strip" der Firma Dr. Hönle AG erfolgen.
[0016] Im Schritt c) erfolgt das Trocknen bevorzugt bei Raumtemperatur. Des Weiteren wird
bevorzugt, das Trocknen der Wertdokumente in Form eines Wertdokument-Stapels durchzuführen,
wobei der Wertdokument-Stapel insbesondere 200 bis 10 000 Druckbögen, bevorzugt 5000
bis 7000 Druckbögen, aufweist.
Ausführliche Beschreibung der Erfindung
[0017] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von bevorzugten Ausführungsformen beschrieben.
[0018] Die erfindungsgemäße Verfahren ist bei allen üblichen Wertdokumentsubstraten anwendbar,
insbesondere bei Papiersubstraten, Polymersubstraten und sogenannten Hybridsubstraten,
worunter Folienverbundsubstrate zu verstehen sind, die entweder einen Kern auf der
Basis von Papier und Außenschichten auf der Basis von Polymeren oder aber einen Kern
aus einem Kunststoffmaterial und Außenschichten auf Papierbasis aufweisen. Es wird
bevorzugt, Substrate auf Basis von Baumwollfasern zu verwenden.
[0019] Das Substrat kann bestimmte Beschichtungen, Imprägnierungen oder auch Aufdrucke und/oder
Sicherheitselemente bzw. Folienelemente aufweisen. Im Falle eines Polymersubstrats
oder eines Verbundsubstrats mit einem Kern aus Papier und Außenschichten auf der Basis
von Polymeren ist es zweckmäßig, auf das polymere Material eine oder mehrere Beschichtungen
aufzubringen, die die Haftung des auf das jeweilige Substrat aufzubringenden Aufdrucks
sicherstellen. Diese auf das polymere Material aufgebrachte Schicht wird üblicherweise
als Farbannahmeschicht bezeichnet. Im Falle eines Papiersubstrats sind Farbannahmeschichten
in der Regel entbehrlich, allerdings kann das Papiersubstrat ganz oder teilweise beschichtet
werden, um es mit bestimmten Eigenschaften, z.B. lumineszierenden Eigenschaften aufgrund
aufgebrachter Lumineszenzstoffe, auszustatten.
[0020] Oxidativ trocknende Druckfarben umfassen (oder bestehen aus nachfolgenden Komponenten):
oxidativ trocknende Filmbildner, (Farb-)Pigmente, Füllstoffe, Lösungsmittel und Additive.
Entsprechend DIN 55 945 ist der Filmbildner derjenige Bestandteil des Bindemittels,
der für das Zustandekommen des Films wesentlich ist (siehe auch:
Thomas Brock: "Lehrbuch der Lacktechnologie", 2. Auflage, Curt R. Vincentz Verlag,
2000, Seite 190). Filmbildner sind insbesondere makromolekulare organische Stoffe. Entsprechend dieser
Norm versteht man unter dem Bindemittel den nichtflüchtigen Anteil eines Beschichtungsstoffes
ohne Pigment und Füllstoff, aber einschließlich Weichmachern, Trockenstoffen und anderen
nichtflüchtigen Hilfsstoffen. Unter dem Begriff nichtflüchtiger Anteil" ist hierin
der nichtflüchtige Anteil gemäß ISO 4618 zu verstehen.
[0021] Mit Bezug auf den für die oxidativ trocknende Druckfarbe verwendbaren oxidativ trocknenden
Filmbildner werden Filmbildnermoleküle, die durch Einwirkung von Luftsauerstoff über
Sauerstoffbrücken an aliphatische Doppelbindungen verknüpfbar sind, bevorzugt. Insbesondere
werden oxidativ trocknende Alkydharze, Urethanalkyde, Epoxidharzester mit ungesättigten
Fettsäuren, ölmodifizierte Phenolharze, sowie natürliche oder synthetische Triglyceride
mit mindestens zum Teil ungesättigten Fettsäureresten als Filmbildner bevorzugt.
[0022] Die oxidativ trocknende Druckfarbe kann bevorzugt Trockenstoffe bzw. Sikkative, insbesondere
organische Salze bestimmter Metalle wie Cobalt (z.B. Cobaltoctoat, Cobaltnaphthenat),
Mangan, Calcium (z.B. Calciumoctoat), Zirkonium, Cer, Zink, Blei oder Eisen aufweisen.
Zur Bildung der organischen Salze können organische Säuren, insbesondere höhere Fettsäuren
wie Leinölfettsäure oder Tallölfettsäure, Harzsäuren, Naphthensäure oder 2-Ethylhexansäure
verwendet werden. Bei oxidativ trocknenden Filmbildnern katalysieren die Trockenstoffe
durch Redoxreaktionen die Sauerstoff-Übertragung aus der Luft und beschleunigen durch
Polymerisation die Filmbildung.
[0023] Die oxidativ trocknende Druckfarbe ist insbesondere eine Untergrunddruckfarbe.
[0024] Der Schritt des Behandelns des bedruckten Wertdokumentsubstrats mit UV-Strahlung
erfolgt zweckmäßigerweise durch Anwendung von UV-Trocknungssystemen, die insbesondere
auf Quecksilber-UV-Mitteldruckstrahlern oder Eisen- oder Gallium-dotierten Quecksilber-UV-Mitteldruckstrahlern
basieren können. Die Strahlerleistung pro Lampe liegt im Bereich von 120 W/cm bis
250 W/cm, bevorzugt bei 180 W/cm. Ein geeignetes Strahlersystem sind zum Beispiel
die von der Firma IST METZ GmbH angebotenen Aggregate BLK-5 oder BLK-2.
[0025] Im Falle einer mit einem UV-Trocknungssystem ausgerüsteten (Simultan-)Druckmaschine
erfolgt das Verfahren zweckmäßigerweise bei einer Druckgeschwindigkeit von 8000 bis
12000 Bögen/h, insbesondere 10000 Bögen/h, und einer Einstellung einer Einzelstrahlerdosisleistung
innerhalb eines Bereichs von 4 mJ/cm
2 bis 100 mJ/cm
2. Mit Bezug auf die Vermeidung der Schrumpfung des Druckbogens wird bevorzugt, die
Strahlerleistung innerhalb eines Bereichs von 4 mJ/cm
2 bis 60 mJ/cm
2 einzustellen, wobei der Bereich von 10 mJ/cm
2 bis 40 mJ/cm
2 insbesondere bevorzugt wird.
[0026] Der Schritt des Trocknens des mit UV-Strahlung behandelten, bedruckten Wertdokumentsubstrats
erfolgt bei Raumtemperatur oder bei erhöhter Temperatur. Unter Raumtemperatur wird
hierin eine Temperatur von 20°C verstanden. Die Trocknung bei erhöhter Temperatur
kann insbesondere bei einer Temperatur in einem Bereich von 35°C bis 40°C erfolgen.
[0027] Um die Schrumpfung des Wertdokumentsubstrats zu vermeiden, wird bevorzugt, den Schritt
des Trocknens der Wertdokumente in Form eines Wertdokument-Stapels durchzuführen.
Der Wertdokument-Stapel kann insbesondere 200 bis 10 000 Druckbögen, bevorzugt 5000
bis 7000 Druckbögen, aufweisen. Ein Wertdokument-Stapel mit ca. 6000 Druckbögen wird
für das Trocknen insbesondere bevorzugt. Des Weiteren wird bevorzugt, dass die Stapelkerntemperatur
eine Temperatur von 40°C nicht überschreitet. Das Trocknen der Wertdokumente in Form
eines Wertdokument-Stapels erfolgt bevorzugt bei Raumtemperatur.
[0028] Weitere Ausführungsbeispiele sowie Vorteile der Erfindung werden nachfolgend in Verbindung
mit den Figuren erläutert.
[0029] Es zeigen:
Fig. 1 die Ergebnisse der Versuchsreihe gemäß Ausführungsbeispiel D, die auf Basis
eines Rußschwarzpigments ohne Trockenstoff erhalten wurden;
Fig. 2 die Ergebnisse der Versuchsreihe gemäß Ausführungsbeispiel E, die auf Basis
eines Rußschwarzpigments mit Trockenstoff erhalten wurden;
Fig. 3 die Ergebnisse der Versuchsreihe gemäß Ausführungsbeispiel F, die auf Basis
eines organischen Buntpigments mit Trockenstoff erhalten wurden.
[0030] In den Ausführungsbeispielen wurde eine für den Druck mit konventionell trocknenden
Druckfarben geeignete Simultandruckmaschine mit nachgerüstetem UV-Trocknungssystem
der Firma IST Metz ("BLK-5", zwei Strahler pro Seite mit einer Strahlerleistung von
jeweils 180 W/cm) verwendet.
Ausführungsbeispiel A:
[0031] Baumwollvelinpapier wurde in einer Simultan-Bogendruckmaschine beidseitig mit jeweils
einer Offset- und zwei Lettersetfarben bedruckt. Die Farben enthielten 3 Gew.-% Trockenstoff
auf Cobalt-/Mangansalzbasis. Die Druckgeschwindigkeit betrug 8000 Bögen/h. Die Druckbögen
wurden bei Raumtemperatur in Stapeln von jeweils 6000 Bögen getrocknet und konnten
frühestens nach 48 Stunden im Stichtiefdruckverfahren weiterverarbeitet werden. Nach
Zuschalten von zwei UV-Aggregaten (Firma IST Metz, Modell "BLK-5") je Seite bei 40
% der Maximalleistung und anschließender Trocknung bei Raumtemperatur in Stapeln von
jeweils 6000 Bögen konnte eine Weiterverarbeitbarkeit im Stichtiefdruckverfahren bereits
nach 20 Stunden erreicht werden.
[0032] Es konnte gezeigt werden, dass das Papiersubstrat durch die zur Reduzierung der Trocknungszeit
auf weniger als 20 Stunden benötigten UV-Dosen nicht spürbar in seiner Dimension bzw.
räumlichen Abmessung verändert wird, während ein höherer Wärmeeintrag durch Heißluft
sehr wohl zu einem höherem Schrumpf des Substrats führt. Im Falle, dass ein erhöhter
Schrumpf erwünscht ist, kann die Leistung der UV-Strahler erhöht werden.
Ausführungsbeispiel B:
[0033] Baumwollvelinpapier wurde in einer Simultan-Bogendruckmaschine beidseitig mit jeweils
drei Lettersetfarben bedruckt. Die Farben enthielten 3 Gew.-% Trockenstoff auf Cobalt-/Mangansalzbasis.
Die Druckgeschwindigkeit betrug 10000 Bögen/h. Die Druckbögen wurden bei Raumtemperatur
in Stapeln von jeweils 6000 Bögen bis zur Weiterverarbeitung getrocknet. Je fünf Bögen
von der Stapeloberseite, der Stapelmitte und der Stapelunterseite wurden nach einer
Stunde dem Stapel entnommen, vermessen und der Durchschnitt der Messwerte bestimmt.
[0034] Bei einer Strahlungsleistung von 90 % der maximalen Leistung wurde eine durchschnittliche
Schrumpfung des Substrats in einem Bereich von 1,5 mm bis 1,9 mm festgestellt. Eine
Weiterverarbeitung nach 20 Stunden im Stichtiefdruck war problemlos möglich. Die durch
den Stichtiefdruck verursachte Dimensionsvergrößerung des Substrats lag in der gleichen
Größenordnung, so dass mit der beschriebenen Methode eine weitgehende Dimensionsneutralität
erreicht werden konnte.
Ausführungsbeispiel C:
[0035] Baumwollvelinpapier mit in Teilbereichen applizierten Folienelementen wurde in einer
Simultan-Bogendruckmaschine beidseitig mit jeweils einer Offset- und drei Lettersetfarben
bedruckt. Die Farben enthielten 3 Gew.-% Trockenstoff auf Cobalt-/Mangansalzbasis.
Die Druckgeschwindigkeit betrug 8000 Bögen/h. Besonders die Folienbereiche, die mit
der Nassoffsetfarbe bedruckt wurden, waren bei der Anordnung der bedruckten Bögen
im Stapel nicht ausreichend getrocknet, so dass starkes Ablegen im Stapel auf die
jeweilige nächste Bogenrückseite zu beobachten war. Nach Zuschalten von zwei UV-Aggregaten
(Firma IST Metz, Modell "BLK-5") je Seite bei 50 % der Maximalleistung trat das Problem
des Ablegens nicht weiter auf. Folglich bewirkte die UV-Strahlung bereits innerhalb
weniger Minuten eine deutliche Härtung der Farboberfläche.
[0036] Die weiteren Ausführungsbeispiele D, E und F wurden an Labordruckaggregaten durchgeführt.
Die prinzipielle Vorgehensweise war wie folgt:
An einem Probedruckgeräte der Firma IGT Metz wurde ein Probedruck mit einer Auftragsmenge
der Druckfarbe von 1 g/m2 auf Baumwollvelinpapier durchgeführt. Nach einer Trocknung unter den angegebenen
Bedingungen wurde die bedruckte Seite auf ein unbedrucktes Stück Papier gleicher Größe
gelegt und dieser Zusammenschluss gemeinsam verpresst. Die Menge der auf das zuvor
unbedruckte Papier übertragenen Farbe wurde als Maß der Trocknung verwendet. Diese
Methode spiegelt die realen Produktionsbedingungen gut wieder, weil auch hier die
bedruckten Bögen im nächsten Verarbeitungsschritt einer ähnlichen Belastung standhalten
müssen.
Bereitstellung der Referenzproben:
[0037] Die Druckstreifen wurden offen an der Raumluft bei einer Temperatur von 20 °C für
vier Stunden getrocknet.
Durchführung der Trocknung mittels UV-Strahlung:
[0038] Die Druckstreifen wurden unmittelbar nach dem Druck in einem Durchlauf-UV-Bandtrockner
mit der angegebenen UV-Dosisleistung bestrahlt. Als UV-Strahler kamen sowohl normale
Quecksilber-UV-Mitteldruckstrahler (Firma IST, Spektrentyp CK) als auch eisendotierte
Quecksilber-UV-Mitteldruckstrahler (Firma IST, Spektrentyp CK-II) zum Einsatz. Die
Druckstreifen wurden zudem auf einem Metallträger zur schnellen Wärmeableitung fixiert.
Die Temperatur der Druckstreifen erreichte bereits nach 5 bis 10 Sekunden nach dem
Trockner-Durchlauf wieder Raumtemperatur. Die Streifen wurden dann vier Stunden lang
neben den Referenzstreifen getrocknet.
Durchführung der Trocknung mittels Wärme:
[0039] Die Druckstreifen wurden unmittelbar nach dem Druck in einem Trockenschrank umluftfrei
bei 35 °C für ein, zwei oder drei Stunden getrocknet. Nach der jeweiligen Zeit wurden
die Streifen aus dem Trockenschrank genommen und für die verbleibende Zeit bis zur
Gesamttrocknungszeit von vier Stunden neben den Referenzsteifen bei Raumtemperatur
weitergetrocknet.
Durchführung der Trocknung mittels Ozon:
[0040] Die Druckstreifen wurden unmittelbar nach dem Druck in einer Kammer mit einer Mischung
aus atmosphärischer Luft und Ozon unter den angegebenen Bedingungen bei Raumdruck
begast. Nach Ablauf der angegebenen Zeit wurden die Streifen aus der Kammer genommen
und für die verbleibende Zeit bis zur Gesamttrocknungszeit von vier Stunden neben
den Referenzsteifen bei Raumtemperatur weitergetrocknet. Der angeschlossene Ozongenerator
wurde mit getrockneter Raumluft betrieben und arbeitete mit einer Koronaentladung.
Ausführungsbeispiel D (Versuchsreihe):
[0041] Eine schwarze Lettersetfarbe auf Basis eines Rußschwarzpigments ohne Trockenstoff
wurde mit einer Auftragsmenge von 1 g/m
2 auf Baumwollvelinsubstrat aufgebracht und auf verschiedene Arten getrocknet:
- Referenz:
- vierstündige Trocknung bei Raumtemperatur.
- UV 1:
- Bestrahlung mit einer UV-Dosisleistung von 70 mJ/cm2, mit anschließender vierstündiger Trocknung bei Raumtemperatur.
- UV 2:
- Bestrahlung mit der doppelten UV-Dosisleistung von UV 1, mit anschließender vierstündiger
Trocknung bei Raumtemperatur.
- UV 3:
- Bestrahlung mit der dreifachen UV-Dosisleistung von UV 1, mit anschließender vierstündiger
Trocknung bei Raumtemperatur.
- Wärme 1:
- einstündige Trocknung bei 35 °C mit anschließender dreistündiger Weitertrocknung bei
Raumtemperatur.
- Wärme 2:
- zweistündige Trocknung bei 35 °C mit anschließender zweistündiger Weitertrocknung
bei Raumtemperatur.
- Wärme 3:
- zweistündige Trocknung bei 35 °C mit anschließender einstündiger Weitertrocknung bei
Raumtemperatur.
[0042] Figur 1 zeigt die durch die Verpressung auf das unbedruckte Substrat übertragene
Farbmenge. Je größer diese ist, desto schlechter war die Farbe zum Zeitpunk des Abklatschs
getrocknet.
[0043] Üblicherweise muss eine Farbe ohne Trockenstoff bei Raumtemperatur mindestes eine
Woche oder länger trocknen, bis die Druckbögen weiterverarbeitet werden können. Es
ist also keine industrielle Produktion möglich. Auch die Trocknung im Wärmeschrank
erfordert eine verhältnismäßig lange Trocknungsdauer und verändert zudem die Abmessung
des Papiersubstrats. So zeigt sich auch im Ausführungsbeispiel D, dass ein dreistündiger
Wärmeeintrag keinen signifikanten Effekt gegenüber der Referenz erzielen kann. Die
UV-Strahlung hingegen erzielt bereits eine messbare Wirkung.
Ausführungsbeispiel E (Versuchsreihe):
[0044] Eine schwarze Lettersetfarbe auf Basis eines Rußschwarzpigments mit 3 Gew.-% eines
Trockenstoffs auf Cobaltsalzbasis wurde mit einer Auftragsmenge von 1 g/m
2 auf ein Baumwollvelinsubstrat aufgebracht und auf verschiedene Arten getrocknet:
- Referenz:
- vierstündige Trocknung bei Raumtemperatur.
- UV 1:
- Bestrahlung mit einer UV-Dosisleistung von 70 mJ/cm2 mit anschließender vierstündiger Trocknung bei Raumtemperatur.
- UV 2:
- Bestrahlung mit der doppelten UV-Dosisleistung von UV 1 mit anschließender vierstündiger
Trocknung bei Raumtemperatur.
- UV 3:
- Bestrahlung mit der dreifachen UV-Dosisleistung von UV 1 mit anschließender vierstündiger
Trocknung bei Raumtemperatur.
- Wärme 1:
- einstündige Trocknung bei 35 °C mit anschließender dreistündiger Weitertrocknung bei
Raumtemperatur.
- Wärme 2:
- zweistündige Trocknung bei 35 °C mit anschließender zweistündiger Weitertrocknung
bei Raumtemperatur.
- Wärme 3:
- zweistündige Trocknung bei 35 °C mit anschließender einstündiger Weitertrocknung bei
Raumtemperatur.
[0045] Figur 2 zeigt die durch die Verpressung auf das unbedruckte Substrat übertragene
Farbmenge. Je größer diese ist, desto schlechter war die Farbe getrocknet.
[0046] Es zeigt sich also deutlich, dass die UV-Strahlung gegenüber der Referenz Effekte
in einer Größenordnung erzielen kann, wie sie sonst nur durch Wärme hervorgerufen
werden können.
Ausführungsbeispiel F (Versuchsreihe):
[0047] Eine rote Lettersetfarbe auf Basis eines organischen Buntpigments wurde mit einer
Auftragsmenge von 1 g/m
2 auf ein Baumwollvelinsubstrat aufgebracht und auf verschiedene Arten getrocknet.
Die Farbe enthielt 3 Gew.-% Trockenstoff:
- Referenz:
- vierstündige Trocknung bei Raumtemperatur.
- UV 1:
- Bestrahlung mit einer UV-Dosisleistung von 70 mJ/cm2 mit anschließender vierstündiger Trocknung bei Raumtemperatur.
- UV 2:
- Bestrahlung mit der doppelten UV-Dosisleistung von UV 1 mit anschließender vierstündiger
Trocknung bei Raumtemperatur.
- UV 3:
- Bestrahlung mit der dreifachen UV-Dosisleistung von UV 1 mit anschließender vierstündiger
Trocknung bei Raumtemperatur.
- Wärme 1:
- einstündige Trocknung bei 40 °C mit anschließender dreistündiger Weitertrocknung bei
Raumtemperatur.
- Wärme 2:
- zweistündige Trocknung bei 40 °C mit anschließender zweistündiger Weitertrocknung
bei Raumtemperatur.
- Wärme 3:
- zweistündige Trocknung bei 40 °C mit anschließender einstündiger Weitertrocknung bei
Raumtemperatur.
- Ozon 1:
- einminütige Beaufschlagung mit Ozon in Raumluft mit einer Konzentration von ca. 10
ppm mit anschließender vierstündiger Weitertrocknung bei Raumtemperatur.
[0048] Figur 3 zeigt die durch die Verpressung auf das unbedruckte Substrat übertragene
Farbmenge. Je größer diese ist, desto schlechter war die Farbe getrocknet.
[0049] Es zeigt sich also deutlich, dass die UV-Strahlung gegenüber der Referenz Effekte
in einer Größenordnung erzielen kann, wie sie sonst nur durch Wärme hervorgerufen
werden können. Auch Ozon zeigt eine vorteilhafte Wirkung.
[0050] In Kombinationsversuchen konnte gezeigt werden, dass Ozon die Wirkung der UV-Strahlung
noch weiter verstärkt.
[0051] Die Wirkung einer UV-Behandlung von unter einer Sekunde Dauer mit anschließender
vierstündiger Weitertrocknung bei Raumtemperatur hat z.B. bei einer getesteten Farbe,
die ein normales Sikkativ enthält, eine ähnlich hohe Wirkung wie die vierstündige
Trocknung bei einer Temperatur von 35 °C gezeigt. Besonders interessant ist die zusätzliche
Beobachtung, dass die UV-Bestrahlung bei Farben ohne Sikkativ ebenfalls eine Wirkung
zeigt, während die Beaufschlagung mit Wärme innerhalb das beobachteten Zeitraums keine
nennenswerte Trocknung bewirkt hat.