[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Metallbauteils gemäß Oberbegriff
des Patentanspruches sowie dessen Verwendung und einen Chargenofen mit den Merkmalen
des Oberbegriffs des Patentanspruches 11.
[0002] Warmumgeformte Metallbauteile finden in der Automobilindustrie, insbesondere bei
Crash relevanten, hohen Querbeanspruchungen ausgesetzten Bereichen der Karosserie
weit verbreitete Anwendung. So werden B-Säulen bzw. B-Säulenverstärkungen häufig aus
hochfestem, warmumgeformtem Mangan-Borstahl gefertigt. Durch die Verarbeitung solcher
Werkstoffe in einem Warmumformprozess können hohe Streck- und Zugfestigkeiten im Bauteil
erreicht werden, so dass die notwenige Blechdicke gegenüber konventionell hergestellten
Stahlbauteilen deutlich reduziert werden und somit ein Beitrag zum Leichtbau und damit
zur CO2-Reduktion erzielt werden kann. Der Nachteil vollständig warmumgeformter Metallbauteile
liegt darin, dass die Bruchdehnung eines warmumgeformten Metallbauteils relativ gering
ist. Daher können warmumgeformte Metallbauteile zwar gut in querbeanspruchten Bereichen
eingesetzt werden, da hier die hohen Festigkeiten, insbesondere die Streckgrenze,
ein Knicken des Metallbauteils vermeidet. Bei längsbeanspruchten Metallbauteilen,
wie beispielsweise Längsträgern, können warmumgeformte Metallbauteile jedoch nicht
eingesetzt werden, da die geringe Bruchdehnung kein regelmäßiges Falten der Metallbauteile
erlauben würde und ein Werkstoffversagen bei einer relativ niedrigen Energieaufnahme
die Folge wäre.
[0003] In der
DE 102 56 621 B3 wird eine Platine in einem Durchlaufofen unterschiedlich erwärmt, so dass sich aufgrund
der verschiedenen Werkstofftemperaturen nach der Umformung verschiedene Festigkeiten
im Metallbauteil ergeben. Bei diesem Verfahren wird die Platine im Durchlauf in zwei
Ofenkammern unterschiedlich temperiert, so dass sich unterschiedliche Gefügebereiche
im Härteprozess einstellen. Dieses Verfahren hat den Nachteil, dass nur zwei bis drei
unterschiedliche Zonen bezüglich der Festigkeit und der Bruchdehnung im Metallbauteil
zu erzielen sind. Diese können darüber hinaus auch nur in Durchlaufrichtung der Platine
ausgebildet werden. Die Durchlaufrichtung eines Stahlteils bzw. einer Platine entspricht
in der Regel der größten Längserstreckung des Stahlteils bzw. der Platine.
[0004] Mit dem Ziel, warmumgeformte Metallbauteile auch in längsbeanspruchten Bereichen
einzusetzen, offenbart die
DE 10 2006 019 395 A1 eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Umformen von Platinen aus höher und höchstfesten
Stählen. Das Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass das Umformwerkzeug zur Warmumformung
Mittel zur Temperierung aufweist, mit denen ein Stahlteil in verschiedenen Temperaturzonen
während des Umformens auf verschiedene, vorgegebene Temperaturwerte temperiert werden
kann. Auf diese Weise ist es möglich, die Gefügestruktur im Metallbauteil lokal zu
beeinflussen, so dass Metallbauteile mit ortsabhängigen Materialeigenschaften herstellbar
sind. Unter ortsabhängigen Materialeigenschaften wird verstanden, dass sich die Materialeigenschaften
in mindestens zwei Teilbereichen des Metallbauteils unterscheiden. Die verschiedenen
Gefügearten werden durch unterschiedliche Abkühlraten des Materials erreicht. Die
Umformwerkzeuge mit den Mitteln zur Temperierung sind jedoch relativ aufwendig herzustellen
und daher kostenaufwendig.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die technische Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
und eine Vorrichtung zur Herstellung eines Metallbauteils zur Verfügung zu stellen,
welches eine lokale Einstellung des Gefüges im Metallbauteil erlaubt und gleichzeitig
kostengünstig und einfach durchzuführen ist.
[0006] Diese Aufgabe wird bei einem gattungsgemäßen Verfahren dadurch gelöst, dass die voneinander
verschiedenen Kühlraten durch zu den Teilbereichen des Stahlteils korrespondierende
Sektionen der Werkzeugoberfläche bewirkt werden, welche sich in ihrer Wärmeleitfähigkeiten
voneinander unterscheiden.
[0007] Es wurde erkannt, dass die Abkühlung des Stahlteils in dem Umformwerkzeug stark durch
die Wärmeleitfähigkeit der Umformwerkzeugoberfläche beeinflusst wird. Unter der Wärmeleitfähigkeit
wird dabei insbesondere der Wärmeleitkoeffizient verstanden.
[0008] Bei einer hohen Wärmeleitfähigkeit der angrenzenden Oberfläche erfolgt eine schnelle
Abkühlung des Stahlteils, während bei einer niedrigen Leitfähigkeit das Stahlteil
langsamer abgekühlt wird. Aufgrund der Einstellung der Abkühlrate durch die Wärmeleitfähigkeit
der Werkzeugoberfläche lässt sich die Zahl der Temperierungselemente, d.h. der Heiz-
oder Kühlelemente reduzieren, so dass sich eine Kostenersparnis ergibt. Weiterhin
kann auf eine ungleichmäßige Anordnung bzw. eine notwendige Ansteuerbarkeit der Temperierungselemente
verzichtet werden. Auch hieraus ergibt sich eine Kostenreduzierung.
[0009] Durch die verschiedenen Abkühlraten wird im Stahlteil bzw. im hergestellten Metallbauteil
das Vorhandensein verschiedener Gefügearten bewirkt. Beträgt die Kühlrate in einem
Teilbereich des Metallbauteils mehr als 27 K/s, ergibt sich dort ein vorwiegend martensitisches
Gefüge mit einer hohen Festigkeit und geringer Bruchdehnung. Bei einer geringeren
Abkühlrate entsteht ein ferritisch-bainitisches Gefüge mit einer mittleren Festigkeit
und einer mittleren Bruchdehnung, ein ferritisch-perlitisches Gefüge mit einer geringen
Festigkeit und einer hohen Bruchdehnung oder ein Gemisch daraus. Ferritisch-bainitische
und ferritisch-perlitische Gefüge weisen eine Zugfestigkeit unterhalb von 860 MPa
auf.
[0010] In einer Ausführungsform des Verfahrens besteht das Werkzeug im Bereich der mindestens
zwei Sektionen der Werkzeugoberfläche aus verschiedenen Werkstoffen mit verschiedenen
Wärmeleitfähigkeiten. Durch die Wahl verschiedener Werkstoffe kann auf einfache Weise
die Wärmeleitfähigkeit der Werkzeugoberfläche beeinflusst werden. Insbesondere sind
auf diese Weise benachbarte Sektionen mit stark unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeiten
herstellbar.
[0011] Die Zahl der Sektionen ist generell natürlich nicht auf zwei beschränkt, sondern
kann beliebig groß sein. Bevorzugt werden mindestens drei Sektionen vorgesehen, so
dass sich im Metallbauteil drei Teilbereiche mit unterschiedlichen Gefügearten bzw.
Festigkeiten einstellen, wobei mindestens ein Teilbereich ein überwiegend martensitisches
Gefüge und mindestens zwei weitere Teilbereiche überwiegend ferritisch-bainitisches
und/oder ferritisch-perlitisches Gefüge aufweisen.
[0012] Eine besonders günstige Wärmeleitfähigkeit bei gleichzeitig ausreichender Stabilität
für den Einsatz in einem Werkzeug wird in einem weiteren Ausführungsbeispiel dadurch
erreicht, dass die Sektionen aus Stählen, Stahllegierungen und/oder Keramiken bestehen.
[0013] In einem weiteren Ausführungsbeispiel des Verfahrens weist mindestens eine der zwei
Sektionen der Werkzeugoberfläche eine wärmeleitfähigkeitsreduzierende oder -erhöhende
Oberflächenbeschichtung auf. Auf diese Weise wird die Wärmeleitung der Werkzeugoberfläche
durch die Oberflächenbeschichtung modifiziert. Dies erlaubt sehr komplexe und lokale
Änderungen der Wärmeleitfähigkeit und somit die Herstellung von Metallbauteilen mit
komplexer und lokal variierender Gefügestruktur. Ein weiterer Vorteil ergibt sich
dadurch, dass eine Beschichtung einer Werkzeugoberfläche leicht nachzurüsten und/oder
zu verändern ist. So können mit einem Werkzeug durch Änderung der Beschichtung Metallbauteile
mit verschiedenen angepassten Gefügestrukturen hergestellt werden.
[0014] Gemäß einer ersten Lehre der vorliegenden Erfindung kann die oben genannte Aufgabe
bei einem Verfahren zur Herstellung eines Metallbauteils, insbesondere eines Kraftfahrzeugbauteils,
bei dem ein Stahlteil erwärmt wird, bei dem das erwärmte Stahlteil durch eine Abkühlung
in einem Werkzeug mindestens teilweise gehärtet wird, wobei das Stahlteil nach dem
Härten mindestens zwei Teilbereiche mit unterschiedlicher Gefügestruktur aufweist,
dadurch gelöst werden, dass das Stahlteil vor dem Härten in einem mindestens zwei
Bereiche aufweisenden Chargenofen temperiert wird, wobei die Bereiche voneinander
verschiedene Temperaturen aufweisen.
[0015] Unter einem Chargenofen wird ein Ofen verstanden, in dem das zu erwärmende Stahlteil
während des Erwärmungsvorgangs im Wesentlichen nicht bewegt wird. Der Chargenofen
steht damit im Gegensatz zum Durchlaufofen, bei dem das Stahlteil während des Erwärmens
kontinuierlich durch den Ofen bewegt wird.
[0016] Es ist erkannt worden, dass eine Beeinflussung der Gefügestruktur im herzustellenden
Metallbauteil auf einfache Weise dadurch erreicht werden kann, dass das Stahlteil
vor dem Härten in einem Chargenofen lokal auf verschiedene Temperaturen temperiert
wird. Die sich daraus ergebenen lokal variierenden Temperaturdifferenzen zur Oberfläche
des Härtwerkzeugs führen zu unterschiedlichen Abkühlgeschwindigkeiten und daher zur
Ausbildung verschiedenartiger Gefügestrukturen im Stahlteil bzw. Metallbauteil. Weiterhin
kann durch eine lokale Temperatur unterhalb der Austenitisierungstemperatur und das
nachfolgende Abkühlen im Härtwerkzeug gezielt ein ferritisch-perlitisches Gefüge erzeugt
werden.
[0017] Das Verfahren hat gegenüber den aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren den
Vorteil, dass die Temperaturen des Stahlteils vor dem Härten sehr lokal und ohne Richtungsbeschränkung
eingestellt werden können. Insbesondere ist mit diesem Verfahren eine Vielzahl verschiedener
Sektionen mit voneinander verschiedenen Temperaturen möglich. Weiterhin kann auf den
Einsatz kostenaufwändiger Umformwerkzeuge mit ungleichmäßig angeordneten oder angesteuerten
Temperierungsmitteln verzichtet werden.
[0018] In einer bevorzugten Ausführung des Verfahrens wird zusätzlich ein Verfahren gemäß
der ersten Ausführungsform durchgeführt. Durch die Kombination der ersten Ausführungsform
mit der Lehre der Erfindung, lässt sich der Effekt auf die Gefügestruktur des Metallbauteils
verstärken, so dass beispielsweise stark unterschiedliche Gefügestrukturen in benachbarten
Teilbereichen des Metallbauteils hergestellt werden können. Bevorzugt entspricht die
Anordnung der Bereiche des Chargenofens der Anordnung der Sektionen der Werkzeugoberfläche.
Es sind jedoch auch voneinander abweichende Anordnungen denkbar.
[0019] Eine effizientere Erwärmung bzw. Temperierung des Stahlteils wird in einer bevorzugten
Ausführungsform der Erfindung dadurch erreicht, dass das Stahlteil vor dem Temperieren
im Chargenofen in einem zweiten Ofen, insbesondere in einem Durchlaufofen, erwärmt
wird. In diesem zweiten Ofen kann insbesondere eine homogene Erwärmung, vorzugsweise
auf eine Temperatur im Bereich oder oberhalb der Austenitisierungstemperatur bzw.
der Ac
3-Temperatur durchgeführt werden. Bei der Temperierung im Chargenofen können die Teilbereiche
des Stahlteils dann auf die Zieltemperaturen für den nachfolgenden Härtevorgang erwärmt
bzw. gekühlt werden. Dabei erfolgt insbesondere die Kühlung vorzugsweise derart, dass
es noch nicht zu einer vorzeitigen Härtung des Stahlbauteils kommt. Der zweite Ofen
kann insbesondere als Durchlaufofen ausgebildet sein. Auf diese Weise wird eine schnelle
und kontinuierliche Bereitstellung der Metallbauteile für den Chargenofen ermöglicht.
[0020] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
das Stahlteil in einem Presswerkzeug gehärtet. Auf diese Weise lässt sich eine hohe
Vergütung des Stahlteils erreichen. Das Härten des Stahlteils erfolgt vorzugsweise
unmittelbar nach der Temperierung im Chargenofen, um ein Angleichen der verschieden
temperierten Teilbereiche durch die Wärmeleitung des Stahlteils zu vermeiden.
[0021] Ein kontinuierlicher Verlauf der Materialeigenschaften im Metallbauteil wird in einer
bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens dadurch erreicht, dass
der Chargenofen mindestens einen Bereich mit einem Temperaturgradienten aufweist.
[0022] Beim erfindungsgemäßen Verfahren wird das Stahlteil in mindestens einem Teilbereich
des Chargenofens durch ansteuerbare Gasdüsen, insbesondere mit Stickstoff, gekühlt.
[0023] Durch die Kühlung mittels der Gasdüsen werden auf einfachste Weise die Bereiche mit
voneinander verschiedenen Temperaturen im Chargenofen realisiert. Insbesondere kann
die Zahl an Heizelementen reduziert werden. Weiterhin ist durch die Ansteuerbarkeit
der Gasdüsen eine flexible Einstellung der Temperaturen im Chargenofen möglich. So
können durch die Ansteuerungen verschiedene Bereiche für verschiedenartige Metallbauteile
eingestellt werden. Die ansteuerbaren Gasdüsen können alternativ zu ansteuerbaren
Heizelementen oder in Kombinationen mit diesen eingesetzt werden. Als bevorzugtes
Kühlgas wird Stickstoff verwendet, da dies preisgünstig und inert ist.
[0024] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Stahlteil
direkt oder indirekt warmumgeformt und/oder pressgehärtet. Auf diese Weise wird eine
große Flexibilität bei der Durchführung des Herstellungsverfahrens ermöglicht. Bei
einer indirekten Warmumformung wird das Stahlteil in mindestens zwei Schritten umgeformt,
bevorzugt zunächst durch eine Kaltumformung und dann durch eine Warmumformung. Bei
einer direkten Warmumformung erfolgt die Umformung hingegen in einem einzigen Warmumformschritt.
Die indirekte Warmumformung kann besonders bei hohen Ziehtiefen vorteilhaft sein.
[0025] Eine besonders flexible Gestaltung des Metallbauteils wird in einer weiteren Ausführungsform
dadurch erreicht, dass mindestens eine Grenze zwischen den Teilbereichen quer oder
schräg zur größten Längserstreckung des Stahlteils und/oder nicht linear verläuft.
Das Verfahren erlaubt mithin eine im Wesentlichen beliebige Einstellung der Teilbereichsgrenzen
zueinander. Die Grenzen zwischen den Teilbereichen sind weiterhin bevorzugt außerhalb
von Fügebereichen des Stahlteils angeordnet, um eine Beeinträchtigung von Fügeverbindungen,
insbesondere Schweißnähten, durch den Übergangsbereich im Bereich einer Grenze zu
vermeiden.
[0026] In einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird als Stahlteil
ein Halbzeug, insbesondere ein Tailored-Blank, ein Tailored-Welded-Blank, ein Patchwork-Blank
oder ein Tailored-Rolled-Blank, oder eine zugeschnittene Platine verwendet. Das Verfahren
erlaubt folglich eine maximale Flexibilität bei der Herstellung eines Metallbauteils
mit ortsabhängigen Materialeigenschaften. Unter einem Tailored-Blank wird eine Blechplatine
verstanden, welche aus verschiedenen Werkstoffgüten und/oder Blechdicken zusammengesetzt
ist. Bei einem Tailored-Welded-Blank sind verschiedene Blechplatinen aneinander geschweißt.
Ein Tailored-Rolled-Blank weist durch ein flexibles Walzverfahren hergestellte unterschiedliche
Blechdicken auf. Ein Patchwork-Blank besteht aus einer Platine, auf welche flickenartig
weitere Bleche gefügt sind. Sehr gute Materialeigenschaften des Metallbauteils werden
in einer bevorzugten Ausführungsform dadurch erreicht, dass ein Stahlteil aus Mangan-Borstahl,
insbesondere MBW 1500, MBW 1700 oder MBW 1900, vorzugsweise in Kombination mit einem
mikrolegierten Stahl, beispielsweise MHZ 340, und/oder aus einem mikrolegierten Stahl,
beispielsweise MHZ 340, verwendet wird.
[0027] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens weist das Stahlteil
eine organische Beschichtung, insbesondere eine Lackbeschichtung, z.B. einen Verzunderungsschutz,
vorzugsweise einen lösemittel- oder wasserbasierten, ein-, zwei- oder mehrkomponentigen
Verzunderungsschutz auf. Alternativ oder zusätzlich kann das Stahlteil eine anorganische
Beschichtung, vorzugsweise eine Aluminium- oder Aluminium-Silizium-basierende Beschichtung,
insbesondere eine feueraluminierte Beschichtung (fal), und/oder eine Zink-basierende
Beschichtung aufweisen. Auf diese Weise ist eine Funktionalisierung der Oberfläche
des Metallbauteils möglich, so dass die Materialeigenschaften noch flexibler angepasst
werden können.
[0028] Die technische Aufgabe wird gemäß einer zweiten Lehre der vorliegenden Erfindung
durch eine Verwendung eines Metallbauteils, hergestellt nach einem der zuvor beschriebenen
Verfahren, in einem Kraftfahrzeug, insbesondere als A-, B- oder C-Säule, Seitenwand,
Dachrahmen oder Längsträger, gelöst. Durch die flexibel und lokal einstellbaren Materialeigenschaften
der Metallbauteile können diese optimal an die Belastungen in einem Kraftfahrzeug,
insbesondere zur Verbesserung des Crashverhaltens, angepasst werden.
[0029] Die technische Aufgabe wird gemäß einer alternativen Ausführungsform bei einem Werkzeug
zum Warmumformen und Härten von Stahlteilen, insbesondere zur Durchführung eines der
zuvor beschriebenen Verfahren, erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die mit dem Stahlteil
in Kontakt tretende Werkzeugoberfläche mehrere Sektionen aufweist, welche sich in
ihren Wärmeleitfähigkeiten unterscheiden.
[0030] Durch diese verschiedenen Sektionen werden auf einfache Weise verschiedene Kühlraten
bei der Härtung eines Stahlteils und somit verschiedene Gefügearten im hergestellten
Metallbauteil erreicht. Insbesondere kann die Zahl der Temperierungselemente, z.B.
die Zahl der Heizelemente in dem Werkzeug reduziert werden.
[0031] Der Unterschied in der Wärmeleitfähigkeit kann in einer bevorzugten Ausführungsform
des Werkzeugs dadurch erreicht werden, dass die Sektionen aus verschiedenen Werkstoffen,
insbesondere Stählen, Stahllegierungen und/oder Keramiken, mit verschiedenen Wärmeleitfähigkeiten
bestehen.
[0032] In einer weiteren Ausführungsform ist die mit dem Stahlteil in Kontakt tretende Werkzeugoberfläche
zumindest teilweise auf verschiedenen austauschbaren Segmenten und/oder Werkzeugeinsätzen
des Werkzeugs angeordnet. Auf diese Weise ist es möglich, die austauschbaren Segmente
oder Werkzeugeinsätze im Werkzeug flexibel an- bzw. umzuordnen, so dass mit einem
Werkzeug Metallbauteile mit verschiedenen Gefügeanordnungen und folglich mit verschiedenen
Eigenschaften hergestellt werden können.
[0033] Eine einfache Realisierung der verschiedenen Wärmeleitfähigkeiten wird in einer weiteren
Ausführungsform des Werkzeugs dadurch erreicht, dass mindestens eine der Sektionen
eine wärmeleitfähigkeitreduzierende oder -erhöhende Oberflächenbeschichtung aufweist.
Auf diese Weise können insbesondere sehr lokale Änderungen der Wärmeleitfähigkeit
erreicht werden. Weiterhin kann die Oberflächenbeschichtung entfernt und bedarfsgerecht
neu aufgebracht werden.
[0034] Die technische Aufgabe wird gemäß einer dritten Lehre der vorliegenden Erfindung
weiterhin bei einem Chargenofen zum Erwärmen eines Stahlteils für ein Warmumformverfahren
und/oder Presshärtverfahren, insbesondere zur Durchführung eines der zuvor beschriebenen
Verfahren, erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass der Chargenofen mindestens zwei Bereiche
aufweist, in denen voneinander verschiedene Temperaturen eingestellt werden können.
[0035] Auf diese Weise kann ein Stahlteil auf verschiedene Temperaturen temperiert werden,
so dass bei einem nachfolgenden Härtvorgang verschiedene Gefügearten im hergestellten
Metallbauteil erreicht werden.
[0036] Erfindungsgemäß weist mindestens ein Bereich des Chargenofens ansteuerbare Gasdüsen
zur Kühlung auf. Dadurch können die Bereiche mit den verschiedenen Temperaturen flexibel
und einfach realisiert werden.
[0037] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung können der nachfolgenden Beschreibung
mehrerer Ausführungsbeispiele entnommen werden, wobei auf die beigefügte Zeichnung
Bezug genommen wird. In der Zeichnung zeigen
- Fig. 1
- ein Werkzeug zur Herstellung eines Metallbauteils aus dem Stand der Technik,
- Fig. 2
- ein erstes Ausführungsbeispiel eines Werkzeugs bzw. Verfahrens,
- Fig. 3
- zwei weitere Ausführungsbeispiele eines Werkzeugs bzw. Verfahrens,
- Fig. 4
- ein drittes Ausführungsbeispiel eines Werkzeugs bzw. Verfahrens,
- Fig. 5
- ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Chargenofens bzw. Verfahrens,
- Fig. 6
- ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Chargenofens bzw. Verfahrens,
- Fig. 7
- ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Verfahrens,
- Fig. 8
- ein erstes mit einem erfindungsgemäßen Verfahren hergestelltes Metallbauteil,
- Fig. 9
- ein zweites mit einem erfindungsgemäßen Verfahren hergestelltes Metallbauteil und
- Fig. 10
- ein drittes mit einem erfindungsgemäßen Verfahren hergestelltes Metallbauteil.
[0038] Fig. 1 zeigt ein Werkzeug zur Herstellung eines Metallbauteils aus dem Stand der
Technik im Längsschnitt. Das Werkzeug 2 ist als Warmumformwerkzeug ausgebildet und
weist einen unteren Stempel 4, einen oberen Stempel 6 sowie zwei Flanschschneiden
8 und 10 auf. Die einander zugewandten Oberflächen 12 und 14 des unteren bzw. oberen
Stempels 4, 6 weisen ein Profil auf, welches der Außenkontur des aus einem Stahlteil
16 herzustellenden Metallbauteils entspricht. Im oberen Stempel 6 sind weiterhin Temperierungselemente
18 vorgesehen, mit denen die Temperatur im Bereich der Oberfläche 14 des oberen Stempels
6 eingestellt werden kann. Vergleichbare Temperierungselemente können auch im unteren
Stempel 4 vorgesehen sein. Die Abstände zwischen den benachbarten Temperierungselementen
18 unterscheiden sich voneinander, so dass die Oberfläche 14 ein ortsabhängiges Temperaturprofil
aufweist. Bei den Herstellungsverfahren aus dem Stand der Technik wird das als Platine
ausgebildete Stahlteil 16 zwischen dem auseinandergefahrenen Stempel 4 und 6 angeordnet
und der Stempel 6 auf den Stempel 4 abgesenkt. Auf diese Weise wird die Platine gleichzeitig
warmumgeformt und erfährt eine Abkühlung mit ortsabhängigen Abkühlraten. Dies führt
zu einer entsprechend ortsabhängigen Gefügeänderung im Stahlteil. Die Flanschbereiche
20 des Stahlteils 16 können durch Senken der Flanschschneiden 8 und 10 beschnitten
werden. Durch die ungleichmäßige Anordnung der Temperierungselemente 18 weist das
Werkzeug 2 einen komplizierten Aufbau auf, der insbesondere den Einsatz einer hohen
Zahl von Temperierelementen erfordert.
[0039] Fig. 2 zeigt nun ein erstes Ausführungsbeispiel eines Werkzeugs bzw. Verfahrens im
Längsschnitt. Mit der Darstellung in Fig. 1 übereinstimmende Teile sind in dieser
und in den folgenden Figuren mit denselben Bezugszeichen versehen. Das Werkzeug 30
unterscheidet sich von dem in Fig. 1 dargestellten Werkzeug 2 dadurch, dass der untere
Stempel 4 verschiedene Sektionen 32, 34, 36, 38 aufweist, die aus verschiedenen Werkstoffen
mit unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeiten bestehen. Als Werkstoffe werden bevorzugt
Stähle, Stahllegierungen und/oder Keramiken eingesetzt. Alternativ oder zusätzlich
kann auch der obere Stempel 6 aus mehreren Sektionen aus verschiedenen Werkstoffen
bestehen. Die Sektionen können auch lediglich im Bereich der Oberflächen 12 und 14
aus verschiedenen Werkstoffen bestehen. Durch die unterschiedliche Wärmeleitfähigkeit
der einzelnen Sektionen 32, 34, 36, 38 kommt es bei der Warmumformung bzw. Härtung
eines Stahlteils 16 zu unterschiedlichen Abkühlraten und damit zur Ausbildung verschiedener
Gefügestrukturen innerhalb des Stahlteils 16.
[0040] Die Figuren 3a und 3b zeigen zwei weitere Ausführungsbeispiele eines Werkzeugs bzw.
Verfahrens im Längsschnitt. In den Figuren ist jeweils ein alternativer unterer Stempel
für ein Werkzeug, beispielsweise das in Fig. 2 gezeigte Werkzeug, dargestellt. Der
untere Stempel 50 in Fig. 3a besteht aus einer Mehrzahl separater Segmente 52a bis
52p, welche aus verschiedenen Werkstoffen mit verschiedenen Wärmeleitfähigkeiten bestehen
können. Die gesamte Oberfläche 54 des Stempels 50 weist damit eine ortsabhängige Wärmleitfähigkeit
auf, so dass mit einem, diesen Stempel 50 beinhaltenden Werkzeug bei einem Warmumform-
bzw. Härteverfahren unterschiedliche Abkühlraten im Stahlteil bewirkt werden können.
Einige oder alle Segmente 52a bis 52p können im Wesentlichen beliebig ausgetauscht
oder vertauscht werden. So sind bei dem in Fig. 3b dargestellten unteren Stempel 56
eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Werkzeugs die Segmente 52f und
52j durch andere Segmente 52q und 52r aus einem anderen Werkstoff ersetzt. Weiterhin
sind die Segmente 52d und 52e sowie die Segmente 52g und 52h in ihrer Position vertauscht.
Abhängig von der Zahl der Segmente und der zur Verfügung stehenden Werkstoffe können
so auf einfache Weise die sich in ihren Wärmeleitfähigkeiten unterscheidenden Sektionen
der Oberfläche 54 der unteren Stempel 50, 56 flexibel angepasst werden. Alternativ
können natürlich auch der obere Stempel bzw. beide Stempel aus separaten Segmenten
bestehen.
[0041] Fig. 4 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Werkzeugs bzw.
eines erfindungsgemäßen Verfahrens im Längsschnitt. Bei dem Werkzeug 64 weist die
Oberfläche 14 des unteren Stempels 4 Sektionen 66, 68, 70 und 72 auf, von denen die
Sektionen 66, 70 und 72 mit Oberflächenbeschichtungen 74, 76 und 78 beschichtet sind.
Die Oberflächenbeschichtungen 74, 76 und 78 reduzieren oder erhöhen die Wärmeleitfähigkeit
der Oberfläche 14 in der jeweiligen Sektion. In der unbeschichteten Sektion 68 entspricht
die Wärmeleitfähigkeit der des Stempelmaterials. Bei den Oberflächenbeschichtungen
kann es sich beispielsweise um Lacke, insbesondere um temperaturbeständige Lacke,
vorzugsweise um hochtemperaturbeständige Lacke, handeln. Bei der Herstellung eines
Metallbauteils mit dem Werkzeug 64 bewirken die verschiedenen Beschichtungen unterschiedliche
Abkühlungsraten in dem Stahlteil 16, so dass die Gefügestruktur ortsabhängig verändert
wird. Die Oberflächenbeschichtungen sind vorzugsweise wieder entfernbar und können
flexibel und bedarfsgerecht angepasst werden.
[0042] Fig. 5 zeigt ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Chargenofens in Aufsicht
bzw. ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Verfahrens. Der Chargenofen 90
weist drei Bereiche 92, 94 und 96 auf, die sich in ihren Temperaturen unterscheiden.
So kann in dem Bereich 96 beispielsweise eine Temperatur oberhalb der Austenitisierungstemperatur
vorliegen, während die Temperatur im Bereich 94 unterhalb der Austenitisierungstemperatur
liegt. Der Bereich 92 weist einen durch einen Pfeil 98 symbolisierten Temperaturgradienten
auf, d.h. dass die Temperatur von der linken Seite 100 zur rechten Seite 102 des Bereichs
92 zunimmt. Durch die ortsabhängigen Temperaturen im Chargenofen 90 wird ein im Chargenofen
90 angeordnetes, als Platine ausgebildetes Stahlteil 104 lokal auf verschiedene Temperaturen
erwärmt bzw. gekühlt. Im Anschluss daran wird die Platine in Richtung des Pfeils 106
aus dem Chargenofen zu einem Härtewerkzeug, insbesondere zu einem Presswerkzeug, transportiert.
In diesem erfährt die Platine beim Umformen bzw. Härten aufgrund der lokalen unterschiedlichen
Temperaturen unterschiedliche Gefügeübergänge, so dass sich ein Metallbauteil mit
ortsabhängiger Gefügestruktur und somit ortsabhängigen Eigenschaften ergibt.
[0043] Fig. 6 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Chargenofens
bzw. eines erfindungsgemäßen Verfahrens im Längsschnitt. Der Chargenofen 114 weist
Heizelemente 116 und 118 auf, mit denen die im Chargenofen 114 angeordnete Platine
120 erwärmt wird. Die Platine 120 liegt auf Rollen 122 auf, mit denen sie in Richtung
der Pfeile 123 in den Chargenofen 114 hinein- und herausbefördert werden kann. In
dem Heizelement 116 sind Gasdüsen 124 vorgesehen, welche durch eine Leitung 126 mit
Gas, insbesondere Stickstoff, versorgt werden. Die Gasdüsen 124 weisen weiterhin Steuerungen
128 auf, mit denen der durch die Gasdüsen 124 strömende Gasfluss eingestellt werden
kann. Auf diese Weise ist es möglich, die Platine im Bereich einer Gasdüse zu kühlen,
so dass sich in diesem Bereich des Chargenofens 114 eine effektiv geringere Temperatur
einstellt. Die Gasdüsen 124 sind vorzugsweise einzeln oder in Gruppen ansteuerbar,
so dass das Temperaturprofil der Bereiche und/oder die Anordnung der Bereiche mit
verschiedenen Temperaturen flexibel wählbar sind.
[0044] Fig. 7 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens als
Ablaufdiagramm. Bei dem Verfahren 134 wird ein Stahlteil in einem ersten Schritt 136
in einem Ofen auf eine Temperatur im Bereich der Austenitisierungstemperatur erwärmt.
In einem zweiten Schritt 138 wird das Stahlteil dann in einem erfindungsgemäßen Chargenofen
temperiert, so dass das Stahlteil Teilbereiche mit verschiedenen Temperaturen aufweist.
In einem dritten Schritt 140, der sich vorzugsweise unmittelbar an den zweiten Schritt
136 anschließt, wird das Stahlteil in einem Werkzeug warmumgeformt und/oder pressgehärtet.
Der erste Schritt 136 ist optional und kann auch entfallen.
[0045] Fig. 8 zeigt ein mit einem erfindungsgemäßen Verfahren hergestelltes Metallbauteil
150 in Form einer einteiligen Seitenwand eines Kraftfahrzeugs. Das Metallbauteil 150
weist zwei Teilbereiche 152 und 154 auf, welche bei der Härtung des Metallbauteils
150 verschiedene Temperaturverläufe durchlaufen haben. Der Teilbereich 152 wurde mit
einer hohen Abkühlrate von einer Temperatur oberhalb der Austenitisierungstemperatur
abgekühlt. Er weist dadurch ein vorwiegend martensitisches Gefüge und somit eine große
Festigkeit auf. Der Teilbereich 154 wurde mit einer geringeren Abkühlungsrate und/oder
von einer Temperatur unterhalb der Austenitisierungstemperatur abgekühlt. Er weist
somit ein ferritsch-bainistisch oder ferrisch-perlitisches Gefüge und folglich eine
höhere Bruchdehnung auf.
[0046] Das in Fig. 9 dargestellte, ebenfalls mit einem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte
Metallbauteil 160 in Form einer Seitenwand weist eine komplexere Ortsabhängigkeit
der Gefügestrukturen auf und ist so besser an die Belastungsbeanspruchungen im Kraftfahrzeug
angepasst. Während der Teilbereich 162 vorwiegend martensitisches Gefüge aufweist,
weist der Teilbereich 164, der insbesondere den Fuß der B-Säule 166 sowie ferritsch-perlitisches
Gefüge und somit eine höhere Bruchdehnung auf. Diese ist beim Seitenschweller 168
aufgrund der strukturmechanischen Beanspruchungen beim seitlichen Poletest notwendig,
am Fuß der B-Säule 166 ist diese erforderlich, um den bei einem IIHS-Crash auftretenden
hohen Deformationen Stand halten zu können. Die dargestellte B-Säule 166 ist aus einem
Tailored-Blank aus zwei im Stumpfstoß gefügten Platinenzuschnitten aus einem Mangan-Borund
einem mikrolegierten Stahl hergestellt. Im Vergleich zu der in Fig. 8 dargestellten
Seitenwand ist die in Fig. 9 gezeigte Seitenwand aufgrund der komplexeren Teilbereichsanordnung
und der entsprechenden komplexeren ortsabhängigen Materialeigenschaften insgesamt
besser an die Beanspruchungen im Kfz angepasst. Derartige Metallbauteile können mit
dem erfindungsgemäßen Verfahren bzw. dem erfindungsgemäßen Werkzeug bzw. Chargenofen
günstig und einfach hergestellt werden.
[0047] In Fig. 10 ist ein drittes mit einem erfindungsgemäßen Verfahren hergestelltes Metallbauteil
170 dargestellt. Das Metallbauteil 170 weist eine nicht linear verlaufende Grenze
173 auf, welche einen ersten Bereich 172 von hoher Festigkeit von einem zweiten Bereich
171 von geringer Festigkeit und hoher Duktilität trennt. Nicht linear verlaufende
Grenzen zwischen zwei Bereichen im Sinne der vorliegenden Erfindung können Grenzverläufe
die nur teilweise geradlinig oder zumindest teilweise kurvenförmig, also anwendungsspezifisch
verlaufen, sein. Das Metallbauteil 170 veranschaulicht, dass die Bereiche mit verschiedenen
Materialeigenschaften, beispielsweise verschiedenen Festigkeiten, und/oder die Übergänge
zwischen den Bereichen mit dem erfindungsgemäßen Verfahren individuell eingestellt
werden können. Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt eine ideale, bedarfsgerechte
Anpassung der unterschiedlichen Gefügestrukturen in den herzustellenden Metallbauteilen,
insbesondere für den Kraftfahrzeugbau.
[0048] Darüber hinaus sind auch die folgenden Ausführungsformen vom Offenbarungsgehalt umfasst:
- 1. Ein Verfahren zur Herstellung eines Metallbauteils, insbesondere eines Kraftfahrzeugbauteils,
bei dem ein Stahlteil (16, 104) warmumgeformt und zumindest abschnittsweise durch
den Kontakt mit einer Werkzeugoberfläche (14) gehärtet wird, bei dem das Stahlteil
(16, 104) während des Härtens in mindestens zwei Teilbereichen (152, 154, 162, 164)
mit voneinander verschiedenen Kühlraten gekühlt wird, so dass sich die Teilbereiche
(152, 154, 162, 164) nach dem Härten in ihrer Gefügestruktur unterscheiden,
bei welchem die voneinander verschiedenen Kühlraten durch zu den Teilbereichen (152,
154, 162, 164) des Stahlteils (16, 104) korrespondierende Sektionen (32, 34, 36, 38,
66, 68, 70, 72) der Werkzeugoberfläche (14) bewirkt werden, welche sich in ihrer Wärmeleitfähigkeiten
voneinander unterscheiden.
- 2. Verfahren nach Ausführungsform 1,
bei welchem das Werkzeug (30, 64) im Bereich der mindestens zwei Sektionen (32, 34,
36, 38, 66, 68, 70, 72) der Werkzeugoberfläche (14) aus verschiedenen Werkstoffen
mit verschiedenen Wärmeleitfähigkeiten besteht.
- 3. Verfahren nach Ausführungsform 1 oder 2,
bei welchem die Sektionen (32, 34, 36, 38, 66, 68, 70, 72) aus Stählen, Stahllegierungen
und/oder Keramiken bestehen.
- 4. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 bis 3,
bei welchem mindestens eine der zwei Sektionen (32, 34, 36, 38, 66, 68, 70, 72) der
Werkzeugoberfläche (14) eine wärmeleitfähigkeitsreduzierende oder -erhöhende Oberflächenbeschichtung
aufweist.
- 5. Verfahren zur Herstellung eines Metallbauteils,
insbesondere eines Kraftfahrzeugbauteils, bei dem ein Stahlteil (16, 104) erwärmt
wird, bei dem das erwärmte Stahlteil (16, 104) durch eine Abkühlung in einem Werkzeug
(2, 30, 64) mindestens teilweise gehärtet wird, wobei das Stahlteil (16, 104) nach
dem Härten mindestens zwei Teilbereiche (152, 154, 162, 164) mit unterschiedlicher
Gefügestruktur aufweist, bei welchem das Stahlteil (16, 104) vor dem Härten in einem
mindestens zwei Bereiche (92, 94, 96) aufweisenden Chargenofen (90, 114) temperiert
wird, wobei die Bereiche (92, 94, 96) voneinander verschiedene Temperaturen aufweisen.
- 6. Verfahren nach Ausführungsform 5,
bei welchem zusätzlich ein Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4 durchgeführt
wird.
- 7. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 bis 6,
bei welchem das Stahlteil (16, 104) vor dem Temperieren im Chargenofen (90, 114) in
einem zweiten Ofen, insbesondere einem Durchlaufofen, erwärmt wird.
- 8. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 bis 7,
bei welchem das Stahlteil (16, 104) in einem Presswerkzeug gehärtet wird.
- 9. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 bis 8,
bei welchem der Chargenofen (90, 114) mindestens einen Bereich (92) mit einem Temperaturgradienten
aufweist.
- 10. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 bis 9,
bei welchem das Stahlteil (16, 104) in mindestens einem Teilbereich (152, 154, 162,
164) des Chargenofens durch ansteuerbare Gasdüsen (124), insbesondere mit Stickstoff,
gekühlt wird.
- 11. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 bis 10,
bei welchem das Stahlteil (16, 104) direkt oder indirekt warmumgeformt und/oder pressgehärtet
wird.
- 12. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 bis 11,
bei welchem mindestens eine Grenze zwischen den Teilbereichen (152, 154, 162, 164)
quer oder schräg zu größten Längserstreckung des Stahlteils (16, 104) und/oder nicht
linear verläuft.
- 13. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 bis 12,
bei welchem als Stahlteil (16, 104) ein Halbzeug, insbesondere ein Tailored-Blank,
ein Tailored-Welded-Blank, ein Patchwork-Blank oder ein Tailored-Rolled-Blank, oder
eine zugeschnittene Platine verwendet wird.
- 14. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 bis 13,
bei welchem ein Stahlteil (16, 104) aus MBW 1500, MBW 1700 oder MBW 1900, vorzugsweise
in Kombination mit einem mikrolegierten Stahl, beispielsweise MHZ 340, und/oder aus
einem mikrolegierten Stahl, beispielsweise MHZ 340, verwendet wird.
- 15. Verfahren nach einer der Ausführungsformen 1 bis 14,
bei welchem das Stahlteil (16, 104) eine organische Beschichtung, insbesondere einen
Verzunderungsschutz, vorzugsweise einen lösemittel- oder wasserbasierten, ein-, zwei-
oder mehrkomponentigen Verzunderungsschutz, und/oder eine anorganische Beschichtung,
vorzugsweise eine Aluminiumoder Aluminium-Silizium-basierende Beschichtung, insbesondere
eine feueraluminierte Beschichtung, und/oder einer Zink-basierende Beschichtung, aufweist.
- 16. Verwendung eines Metallbauteils, hergestellt nach einer der Ausführungsformen
1 bis 15, in einem Kraftfahrzeug, insbesondere als A-, B- oder C-Säule, Seitenwand,
Dachrahmen oder Längsträger.
- 17. Werkzeug zum Warmumformen und Härten von Stahlteilen, insbesondere zur Durchführung
eines Verfahrens nach einer der Ausführungsformen 1 bis 15,
bei welchem die mit dem Stahlteil (16, 104) in Kontakt tretende Werkzeugoberfläche
(14) mehrere Sektionen (32, 34, 36, 38, 66, 68, 70, 72) aufweist, welche sich in ihrer
Wärmeleitfähigkeit unterscheiden.
- 18. Werkzeug nach Ausführungsform 17,
bei welchem die mindestens eine der Sektionen (32, 34, 36, 38, 66, 68, 70, 72) eine
wärmeleitfähigkeitsreduzierende oder -erhöhende Oberflächenbeschichtung (74, 76, 78)
aufweist.
- 19. Werkzeug nach Ausführungsform 17 oder 18,
bei welchem die Sektionen (32, 34, 36, 38, 66, 68, 70, 72) aus verschiedenen Werkstoffen,
insbesondere Stählen, Stahllegierungen und/oder Keramiken, mit verschiedenen Wärmeleitfähigkeiten
bestehen.
- 20. Werkzeug nach einer der Ausführungsformen 17 bis 19,
bei welchem die mit dem Stahlteil (16, 104) in Kontakt tretende Werkzeugoberfläche
(14) zumindest teilweise auf verschiedenen austauschbaren Segmenten (52a-r) und/oder
Werkzeugeinsätzen des Werkzeugs (2, 30, 64) angeordnet ist.
- 21. Chargenofen zum Erwärmen eines Stahlteils für ein Warmumformverfahren und/oder
Presshärtverfahrens, insbesondere zur Durchführung eines Verfahrens nach einer der
Ausführungsformen 1 bis 15,
bei welchem der Chargenofen (90, 114) mindestens zwei Bereiche (92, 94, 96) aufweist,
in denen voneinander verschiedene Temperaturen eingestellt werden können.
- 22. Chargenofen nach Ausführungsform 21,
bei welchem mindestens ein Bereich (92, 94, 96) des Chargenofens (90, 114) ansteuerbare
Gasdüsen (124) zur Kühlung, insbesondere mit Stickstoff, aufweist.
1. Verfahren zur Herstellung eines Metallbauteils, insbesondere eines Kraftfahrzeugbauteils,
bei dem ein Stahlteil (16, 104) erwärmt wird, bei dem das erwärmte Stahlteil (16,
104) durch eine Abkühlung in einem Werkzeug (2, 30, 64) mindestens teilweise gehärtet
wird, wobei das Stahlteil (16, 104) nach dem Härten mindestens zwei Teilbereiche (152,
154, 162, 164) mit unterschiedlicher Gefügestruktur aufweist, wobei das Stahlteil
(16, 104) vor dem Härten in einem mindestens zwei Bereiche (92, 94, 96) aufweisenden
Chargenofen (90, 114) temperiert wird und wobei die Bereiche (92, 94, 96) voneinander
verschiedene Temperaturen aufweisen
dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlteil (16, 104) in mindestens einem Teilbereich (152, 154, 162, 164) des
Chargenofens durch ansteuerbare Gasdüsen (124), insbesondere mit Stickstoff, gekühlt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlteil (16, 104) vor dem Temperieren im Chargenofen (90, 114) in einem zweiten
Ofen, insbesondere einem Durchlaufofen, erwärmt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlteil (16, 104) in einem Presswerkzeug gehärtet wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass der Chargenofen (90, 114) mindestens einen Bereich (92) mit einem Temperaturgradienten
aufweist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlteil (16, 104) direkt oder indirekt warmumgeformt und/oder pressgehärtet
wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine Grenze zwischen den Teilbereichen (152, 154, 162, 164) quer oder
schräg zu größten Längserstreckung des Stahlteils (16, 104) und/oder nicht linear
verläuft.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass als Stahlteil (16, 104) ein Halbzeug, insbesondere ein Tailored-Blank, ein Tailored-Welded-Blank,
ein Patchwork-Blank oder ein Tailored-Rolled-Blank, oder eine zugeschnittene Platine
verwendet wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass ein Stahlteil (16, 104) aus MBW 1500, MBW 1700 oder MBW 1900, vorzugsweise in Kombination
mit einem mikrolegierten Stahl, beispielsweise MHZ 340, und/oder aus einem mikrolegierten
Stahl, beispielsweise MHZ 340, verwendet wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlteil (16, 104) eine organische Beschichtung, insbesondere einen Verzunderungsschutz,
vorzugsweise einen lösemittel- oder wasserbasierten, ein-, zwei- oder mehrkomponentigen
Verzunderungsschutz, und/oder eine anorganische Beschichtung, vorzugsweise eine Aluminiumoder
Aluminium-Silizium-basierende Beschichtung, insbesondere eine feueraluminierte Beschichtung,
und/oder einer Zink-basierende Beschichtung, aufweist.
10. Verwendung eines Metallbauteils, hergestellt nach einem der Ansprüche 1 bis 9, in
einem Kraftfahrzeug, insbesondere als A-, B- oder C-Säule, Seitenwand, Dachrahmen
oder Längsträger.
11. Chargenofen zum Erwärmen eines Stahlteils für ein Warmumformverfahren und/oder Presshärtverfahren,
insbesondere zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 9, wobei
der Chargenofen (90, 114) mindestens zwei Bereiche (92, 94, 96) aufweist, in denen
voneinander verschiedene Temperaturen eingestellt werden können,
dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Bereich (92, 94, 96) des Chargenofens (90, 114) ansteuerbare Gasdüsen
(124) zur Kühlung, insbesondere mit Stickstoff, aufweist.