[0001] Die Erfindung betrifft ein Werkzeugwechselsystem und ein Werkzeugwechselverfahren.
[0002] Entsprechende Werkzeugwechselsysteme und -verfahren sind für Walzmaschinen bzw. Reck-
bzw. Querwalzen beispielsweise aus der
EP 2 368 647 A1, der
DE 10 2005 056 649 B3, der
EP 0 163 104 A2, der
US 5,600,988 oder auch der
DE 103 17 312 A1 bekannt, bei denen insbesondere jeweils Walzenpaare an zwei beidseits der Walzenpaare
angeordneten Walzenträgern horizontal übereinander gelagert sind. Auch aus anderen
Druckschriften, wie beispielsweise aus der
DE 196 33 668 C1, aus der
DE 10 2004 063 547 B3 und aus der
JP 6-47412 A, sind Walzenwechselsysteme und -verfahren bekannt, bei denen jedoch wesentlich komplexere
Walzmaschinen mit einer Vielzahl an Walzen vorgesehen sind. Hierbei setzen diese Anordnungen
bis auf die
DE 103 17 312 A1 und die
DE 10 2005 056 659 B3 auf verhältnismäßig komplexe Ausgestaltungen, bei denen ein Werkzeugwechselgestell
sowohl einen Quertransport als auch einen Vertikaltransport der zu wechselnden Walzen
ermöglicht. Sowohl die
DE 10 2005 056 649 B3 als auch die
DE 103 17 312 A1 hingegen setzen darauf, dass die Walzen vertikal gemeinsam oder hintereinander von
Wellenstummeln der Walzenträgern entfernt bzw. wieder in ihre Position eingesetzt
werden können, was jedoch einen erheblichen baulichen Aufwand bedingt und insbesondere
nur sehr schwer nachgerüstet werden kann.
[0003] Auch offenbaren die
DE 969 977, die
DE 88 06 968 U1 und die
US 5,735,788 in einer Arbeitsposition auf einer Walzwelle einer Walze angeordnete und über einen
Spannring verspannte Werkzeuge und Schnellspann- und -löseeinheiten mit ein Spannelementen,
die jeweils über relativ schwierig zugängliche Betätigungselemente verspannt und gelöst
werden können.
[0004] Es ist Aufgabe vorliegender Erfindung, Werkzeugwechselsysteme und Werkzeugwechselverfahren
bereitzustellen, bei denen ein Werkzeugwechsel schnell und betriebssicher durchführbar
ist und die gegebenenfalls auch in bestehenden Walzmaschinen zur Anwendung kommen
können.
[0005] Die Aufgabe der Erfindung wird durch Werkzeugwechselsysteme und Werkzeugwechselverfahren
mit den Merkmalen der unabhängigen Ansprüche gelöst. Weitere ggf. auch unabhängig
hiervon vorteilhafte Ausgestaltungen finden sich in den Unteransprüchen sowie der
nachfolgenden Beschreibung.
[0006] Beispielsweise lässt sich ein Werkzeugwechselsystem zum Wechsel wenigstens eines
auf einer Walzwelle in einer Arbeitsposition angeordneten Werkzeugs, umfassend ein
Werkzeugwechselgestell, einen Vertikaltransport und einen Quertransport, nachrüsten
und gewährleistet einen schnellen und betriebssicheren Werkzeugwechsel, wenn sich
das Werkzeugwechselsystem dadurch auszeichnet, dass das Werkzeugwechselsystem einen
von dem Werkzeugwechselgestell separaten und bezüglich des Werkzeugwechselgestells
getrennt quer transportierbaren Zugrahmen umfasst, wobei das Werkzeugwechselgestell
eine Einrichtung zur Verbindung mit dem Vertikaltransport und eine Werkzeugaufnahme
zur Aufnahme des Werkzeugs sowie der Zugrahmen eine Einrichtung zur Verbindung mit
dem Quertransport und eine Einrichtung zur Verbindung mit dem Werkzeug aufweist.
[0007] Eine derartige Anordnung setzt auf die Trennung zwischen Quertransport, welche an
dem Zugrahmen ansetzt, der mit dem zu wechselnden Werkzeug verbunden werden kann,
und dem Vertikaltransport, welcher an dem Werkzeugwechselgestell ansetzt und welcher
die über den Quertransport bereitgestellten. Werkzeuge in einer Werkzeugaufnahme aufnehmen
bzw. zum Auswechseln bereitstellen kann.
[0008] Bei den zu wechselnden Werkzeugen handelt es sich um Baugruppen, welche bei bestimmungsgemäßem
Einsatz in unmittelbaren Kontakt mit dem zu bearbeitenden Werkstück gelangen. Das
heißt, die Werkzeuge dienen beispielsweise beim Reckwalzen und/oder Querwalzen zur
Konturierung und/oder zum Vorformen des Werkstücks.
[0009] Dementsprechend erfolgt ein schnell und betriebssicher durchführbarer Werkzeugwechsel,
der ggf. auch in bestehenden Walzmaschinen zur Anwendung kommen kann, auch mittels
eines Werkzeugwechselverfahrens zum Wechsel wenigstens eines auf einer Walzwelle in
einer Arbeitsposition angeordneten Werkzeugs, die ihrerseits wiederum in einem Walzenständer
angeordnet ist, welches sich dadurch auszeichnet, dass zunächst das Werkzeug mit einem
Zugrahmen zu einem Verbund verbunden und ein Quertransport mit dem Zugrahmen verbunden
werden und hiernach das Werkzeug mittels des Quertransports im Verbund mit dem Zugrahmen
von seiner Arbeitsposition auf ein Werkzeugwechselgestell oder von dem Werkzeugwechselgestell
in seine Arbeitsposition verbracht wird.
[0010] Das Werkzeugwechselgestell kann dann mittels des Vertikaltransports von und/oder
zu einer Wechselposition gebracht werden, was in der Regel bereits mit vorhandenen
Vertikaltransporten ohne weiteres betriebssicher gewährleistet werden kann.
[0011] Die Trennung zwischen Vertikaltransport und Quertransport ermöglichst eine große
Flexibilität in der konkreten Ausgestaltung des Werkzeugwechselsystems, so dass dieses
an bestehende Walzmaschinen oder Systeme ohne weiteres angepasst werden kann. Insbesondere
ist es ohne weiteres möglich, hierdurch einen entsprechenden Werkzeugwechsel auch
bei komplexeren Walzmaschinen oder Systemen durchzuführen, wenn die zugehörigen Komponenten,
wie beispielsweise der Quertransport, der Zugrahmen, das Werkzeugwechselgestell und
ähnliches geeignet ausgestaltet sind.
[0012] Vorzugsweise werden, wenn mehrere Werkzeuge gewechselt werden sollen, die Werkzeuge
zu einem Verbund verbunden, während der Wechsel durchgeführt wird. Auf diese Weise
ist es möglich, den Werkzeugverbund gemeinsam mit dem Zugrahmen, der dementsprechend
den Werkzeugen verbunden ist, als eine Einheit zu wechseln, was dementsprechend zeitsparend
ist.
[0013] Hierbei ist es denkbar, die Werkzeuge untereinander zu einem Verbund zu verbinden,
so dass diese gemeinsam von einer Walzwelle beziehungsweise von einer, insbesondere
zentralen, Walze abgesetzt, beispielsweise abgezogen, bzw. aufgesetzt, beispielsweise
aufgeschoben, werden können. Ebenso kann der Verbund aus Werkzeugen über den Zugrahmen
realisiert werden, so dass der Zugrahmen die entsprechenden Werkzeuge verbindet und
hierdurch gleichzeitig auch eine Verbindung des Zugrahmens mit den Werkzeugen bereitgestellt
ist.
[0014] Hierbei versteht es sich, dass der Verbund von Werkzeugen und Zugrahmen nicht zwingend
auf eine Walze und/oder Walzwelle beschränkt ist. Vielmehr ist es denkbar, dass der
Zugrahmen auch Werkzeuge von unterschiedlichen Walzen und/oder Walzwellen verbinden
bzw. mit diesen verbunden sein kann.
[0015] Vorliegend umfasst eine Walze eine Walzwelle mit mindestens einem auf der Walzwelle
angeordnetem Werkzeug, wie dieses insbesondere bei Reck- oder Querwalzen zu finden
ist. Da insbesondere beispielsweise bei Reck- und Querwalzen zwei Walzen, also zwei
mit Werkzeugen bestückte Walzwellen wechselwirken, kann zwischen einer oberen und
einer unteren Walzwelle und somit auch zwischen einer oberen und unteren Walze unterschieden
werden.
[0016] Insofern kann es möglich sein, dass zum Wechseln der Werkzeuge mehrere Verbünde von
Werkzeugen erfolgen. Dies kann beispielsweise derart erfolgen, dass zwei oder mehr
Werkzeuge auf einer Walzwelle miteinander verbunden werden. Das heißt, dass zwei oder
mehr Werkzeuge auf einer Walzwelle angeordnet sind und zu einem Verbund verbunden
werden. Es ist aber auch möglich ein oder mehr Werkzeuge, die auf einer oberen Walzwelle
angeordnet sind, mit einem oder mehr Werkzeugen, die auf einer unteren Walzwelle angeordnet
sind, zu einem Verbund zu verbinden. Beispielsweise können die jeweils außenliegenden
Werkzeuge der oberen und unteren Walzwelle miteinander zu einem Verbund verbunden
werden. Jegliche Kombination von Verbunden ist grundsätzlich möglichen.
[0017] Es sei betont, dass der Begriff "Zugrahmen" die entsprechende Baugruppe nicht auf
einen reinen Zuganker reduziert. Vielmehr kann dieser Rahmen auch mit Schubbelastungen
und anderen Tragekräften belastet werden. Werden die Belastungen des Zugrahmens jedoch
auf die Querverlagerungen der Werkzeuge bzw. Walzen beschränkt, so kann der Zugrahmen
verhältnismäßig leicht bauen, was insbesondere seine Handhabung auch bei einem Einsatz
in komplexeren Strukturen innerhalb der Walzmaschine erleichtert.
[0018] Dem gegenüber kann das Werkzeugwechselgestell wesentlich stabiler und auch zum Aufnehmen
von Belastungen bei Vertikalbewegungen ausgebildet seien, da durch die Trennung zwischen
Quertransport und Vertikaltransport bzw. zwischen einer Quer- und einer Vertikalbewegung
das Werkzeugwechselgestell flexibler positioniert werden kann, so dass dessen stabiler
Aufbau nicht zum Hindernis wird.
[0019] Ein schnell und betriebssicher durchführbarer Werkzeugwechsel, der gegebenenfalls
auch in bestehenden Walzmaschinen zur Anwendung kommen kann, wird auch durch ein Werkzeugwechselsystem
zum Wechsel wenigstens eines auf einer Walzwelle in einer Arbeitsposition angeordneten
Werkzeugs, umfassend ein Werkzeugwechselgestell, einen Vertikaltransport und eine
Wechselgestellführung, wobei die Wechselgestellführung als Kulissenführung zwischen
dem Werkzeugwechselgestell und einem Führungsträger ausgebildet ist, ermöglicht, wenn
sich das Werkzeugwechselsystem dadurch auszeichnet, dass die Kulissenführung eine
oben offene, das Werkzeugwechselgestell in Bezug auf die Arbeitsposition bis zu einer
Wechselposition führende Führungsbahn aufweist, die ständig eine vertikale Bahnkomponente
umfasst.
[0020] Auch hier wird die Trennung zwischen Quertransport und Vertikaltransport umgesetzt,
da ein entsprechender Vertikaltransport ohne weitere ein entsprechendes Werkzeugwechselgestell
von oben in die Führungsbahn einführen und bis zu der Wechselposition absenken bzw.
ausgehend von der Wechselposition das Werkzeugwechselgestell wieder aus dieser Führung
abnehmen kann. Auf diese Weise kann das Werkzeugwechselgestell schnell und betriebssicher
zu seiner Wechselposition verbracht werden, ohne dass es eines Einsatzes eines separaten
Quertransports bedarf.
[0021] Dieses gilt insbesondere, wenn an einem im Bereich der Führungsbahnöffnung angeordneten
Führungseingang der Führungsbahn eine Einführhilfe vorgesehen ist. Eine Führungsbahn
kann auch als Kulissenbahn bezeichnet werden. Insbesondere durch eine derartige Einführhilfe,
die beispielsweise in einer Nuterweiterung einer Führungsnut umgesetzt werden kann,
können ein einfacher Kran bzw. ein ohnehin bei entsprechenden Anlagen bereits vorhandenen
Hallenkran oder ähnliches als Vertikaltransport ohne weiteres genutzt werden. Durch
diese Ausführung ergibt sich der Vorteil, dass ein bestehender, in der Regel ein großer
Hallenkran verwendet werden kann, um in Kombination beziehungsweise Zusammenwirken
mit der Führungsbahn eine exakte Ablageposition zu erreichen.
[0022] Es versteht sich, dass die Kulissenführung bzw. die Führungsbahn neben der ständigen
vertikalen Komponente, welche einen betriebssicheren Bewegungsablauf entlang der Führungsbahn
nur unter Einsatz eines Vertikaltransports gewährleistet, auch horizontale Bahnkomponenten
aufweisen können, mit denen eine bestimmte Bewegungsbahn bzw. Führungsbahn des Werkzeugwechselgestells
erzwungen werden kann, solange gleichzeitig auch eine vertikale Komponente vorliegt.
Dieses ermöglicht insbesondere eine einfache Anpassbarkeit des entsprechenden Werkzeugwechselsystems
bzw. des entsprechenden Werkzeugwechselverfahrens an unterschiedliche bauliche Gegebenheiten,
wie sie insbesondere bei Nachrüstvorgängen zu finden sind.
[0023] So kann hierdurch das Werkzeugwechselgestell beispielsweise kurz vor Erreichen der
Wechselposition horizontal verlagert und näher an die zu wechselnden Walzen gebracht
werden. Ebenso können hierdurch ggf. vorhandene bauliche Gegebenheiten umgangen werden.
[0024] In diesem Zusammenhang sei betont, dass der Begriff "Führungsbahn" abstrakt zu verstehen
ist, da er letztlich auf die Bewegung des Werkzeugwechselgestells in Bezug auf ortsfeste
Baugruppen abstellt. Insofern muss die entsprechende Kulissenführung - und dementsprechend
die zugehörige Führungsnut - nicht zwingend oben offen sein, um eine oben offene Führungsbahn
zu realisieren, wenn beispielsweise die Führungsnut an dem Werkzeugwechselgestell
und eine korrespondierende Führungsfeder der Kulissenführung an dem Führungsträger
vorgesehen ist. In letzterem Fall wäre die Kulissenbahn dann unten offen, würde jedoch
trotzdem zu einer oben offenen Führungsbahn führen, da das Werkzeugwechselgestell
oberhalb der Führung frei und beim Absenken in die Führungsbahn geführt ist.
[0025] Dementsprechend kann ein schnell und betriebssicher durchführbarer Werkzeugwechsel,
der gegebenenfalls auch in bestehenden Walzmaschinen zur Anwendung kommen kann, durch
ein Werkzeugwechselverfahren zum Wechsel von auf Walzwellen in einer Arbeitsposition
angeordneten Werkzeugen, die ihrerseits wiederrum in einem Walzenständer angeordnet
sind, realisiert werden, wenn ein Werkzeugwechselgestell entlang einer das Werkzeugwechselgestell
in Bezug auf die Arbeitsposition führenden Führungsbahn von einer Wechselposition
wegbewegt bzw. zu der Wechselposition hin bewegt wird und sich das Werkzeugwechselverfahren
dadurch auszeichnet, dass das Werkzeugwechselgestell mittels eines Vertikaltransports
in die Führungsbahn eingeführt und von oben bis zu der Wechselposition abgesenkt und/oder
von der Wechselposition ausgehend nach oben bis zum Verlassen der Führungsbahn angehoben
wird. Auch dieses Verfahren setzt darauf, dass das Werkzeugwechselgestell mittels
des Vertikaltransports bis zu seiner Wechselposition verbracht werden kann, während
eine etwaige Querbewegung dann auf andere Weise, bei in seiner Wechselposition befindlichen
Werkzeugwechselgestell, realisiert wird. Dementsprechend wird auch hier eine Trennung
zwischen Vertikaltransport und Horizontal- bzw. Quertransport vorgesehen.
[0026] Vorzugsweise ist der Führungsträger separat von einem Walzenträger, in welchem die
Walzwellen angeordnet sind, ausgebildet, so dass der Führungsträger einerseits seine
führende Funktion ausführend einen einfacher und betriebssicheren Werkzeugwechsel
ermöglicht und andererseits ohne weiteres nachgerüstet werden kann. Dementsprechend
ist, kumulativ bzw. alternativ zu den übrigen Merkmalen vorliegender Erfindung, auch
ein Werkzeugwechselsystem zum Wechsel wenigstens eines auf einer Walzwelle in einer
Arbeitsposition angeordneten Werkzeugs, umfassend ein Werkzeugwechselgestell, einen
Vertikaltransport und eine Wechselgestellführung, wobei die Wechselgestellführung
als Kulissenführung zwischen dem Werkzeugwechselgestell und einem Führungsträger ausgebildet
ist, vorteilhaft, wenn sich das Werkzeugwechselsystem dadurch auszeichnet, dass der
Führungsträger separat von dem Walzenträger, in welchem die Walzen angeordnet sind,
ausgebildet ist, um einen Werkzeugwechsel schnell und betriebssicher durchzuführen
und diesen gegebenenfalls auch in bestehenden Walzmaschinen zur Anwendung kommen zu
lassen.
[0027] Wie bereits vorstehend angeläutet, kommt als Vertikaltransport insbesondere ein Kran
in Frage. Dieses hat den Vorteil, dass in Werkshallen regelmäßig entsprechende Kräne
vorhanden sind, mit denen auch sehr große Lasten getragen werden können. Insbesondere
durch die separat vorgesehenen Führungsträger kann ein Kran ein Werkzeugwechselgestell
einfach und betriebssicher zu den Führungsträgern und mithin zu der Führungsbahn verbringen,
da diese ohne weiteres an entsprechender Position und vorzugsweise mit einer oben
offenen Führungsbahn und einer Einführhilfe versehen werden können.
[0028] Der Quertransport hingegen lässt sich besonders einfach beispielsweise durch einen
Seilzug realisieren, der an sich mit seiner Seilwinde auch etwas entfernt von der
Walzmaschine aufgestellt werden kann, während das Seil als solches nicht viel Raum
braucht und auch unter komplexeren baulichen Gegebenheiten noch bis zu dem Zugrahmen
geführt werden kann. Hierbei ist es insbesondere von Vorteil, wenn für das Seil eine
Umlenkrolle vorgesehen ist, so dass mit demselben Seilzug verschiedene Bewegungsrichtungen
realisiert werden können. Insbesondere ist es mithin möglich, mit demselben Seil sowohl
ein Abziehen als auch ein Aufziehen von Werkzeugen auf Walzwellen umzusetzen.
[0029] Wie bereits eingangs angedeutet, sind derartige Werkzeugwechselsysteme bzw. Werkzeugwechselverfahren
insbesondere bei Querwalzen bzw. bei Reckwalzen von Bedeutung. Obgleich hier lediglich
zwei Walzen miteinander wechselwirken, sind die entsprechenden Werkzeuge doch sehr
schwer und mithin schwierig zu handhaben. Auch müssen die Walzenträger verhältnismäßig
große Walzenkräfte aufnehmen, so dass diese sehr kompakt und aufwendig bauen, was
wiederrum den Zugang zu diesen Walzen erheblich erschwert.
[0030] Dieses gilt insbesondere für Reckwalzen, bei denen die Werkzeuge axial von den Walzen
abgezogen und wieder auf diese aufgeschoben werden müssen, insbesondere wenn nicht
entsprechend ausgebildete und komplexe Wechseleinrichtungen zum Wechseln des gesamten
Werkzeugsatzes bereits vorhanden sind. Dementsprechend ist es von Vorteil, wenn die
Werkzeuge axial zu den Walzenachsen von den Walzwellen auf das Werkzeugwechselgestell
und von dem Werkzeugwechselgestell auf die Walzwellen verlagert werden. Dieser Vorteil
gilt ggf. natürlich auch für andere Walzen als Reckwalzen, ist jedoch insbesondere
bei Reckwalzen von erheblicher Bedeutung.
[0031] Durch die Trennung von Quertransport und Vertikaltransport, wie sie bereits vorstehend
beschrieben ist, kann die axiale Bewegungskomponente ohne weiteres mittels des Quertransports
realisiert werden, wobei bei geeigneter Ausgestaltung es möglich ist, dass die Werkzeuge
lediglich axial verschoben und mithin immer entweder in den Walzenträgern oder auf
entsprechenden nicht verschobenen Walzenbestandteile einerseits bzw. an Werkzeugaufnahmen
des Werkzeugwechselgestells gegen die Schwerkraft abgestützt sind. Dementsprechend
kann der Quertransport auch verhältnismäßig leicht und einfach händelbar ausgestaltet
werden. Sind die Werkzeuge einmal an dem Werkzeugwechselgestell aufgenommen, kann
dann der Vertikaltransport, der ohne weiteres für sehr hohe Lasten ausgelegt werden
kann, den Weitertransport übernehmen.
[0032] In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der Vertikaltransport durchaus auch für
Querbewegungen ausgelegt sein kann, wie dieses beispielsweise bei Hallenkränen üblich
ist. Innerhalb der Führung bzw. näherer Umgebung der Walzmaschine wird jedoch auf
seine querverlagernden Fähigkeiten weitgehend verzichtet, da dieses dann durch die
Führung realisiert wird.
[0033] Ein schneller Werkzeugwechsel, der auch bei bestehenden Walzmaschinen ohne weiteres
umgesetzt werden kann, kann auch unabhängig von den übrigen Merkmalen vorliegender
Erfindung kumulativ bzw. alternativ durch eine Walze, umfassend eine Walzwelle sowie
auf der Walzwelle in einer Arbeitsposition angeordnete Werkzeuge, realisiert werden,
wenn sich die Walze dadurch auszeichnet, dass sie einen die Werkzeuge verspannenden
Spannring mit einer Schnellspann- und -löseeinheit umfasst.
[0034] Eine derartige Schnellspann- und -löseeinheit kann insbesondere einen Sicherungsstift
und/oder eine Spannschraube umfassen. Der Sicherungsschrift dient vorzugsweise als
Axialsicherung, die Spannschraube kann insbesondere ein Spannelement darstellen.
[0035] Als Axialsicherung kann vorzugsweise ein Sicherungselement dienen, welches verliersicher
an dem Spannring angeordnet ist und von einer Sicherungsposition in eine Löseposition
und zurück verlagert werden kann. Dieses kann beispielsweise durch eine entsprechende
Drehung des Sicherungselements oder eine entsprechende Axialverlagerung geschehen.
Ggf. kann auch eine Kipphebelanordnung oder sonstiges zur Anwendung kommen, wobei
sich ein Sicherungselement, welches durch eine Drehbewegung zwischen seiner Sicherungsposition
in seiner Löseposition verlagert werden kann, als besonders kompakt und einfach zu
betätigen herausstellt.
[0036] Insbesondere kann an der Walzwelle eine Nut oder eine ähnliche Ausnehmung vorgesehen
sein, in welche das Sicherungselement in seiner Sicherungsposition eingreift. Eine
derartige Nut bzw. Ausnehmung kann ohne weiteres im Nachhinein in eine Walzwelle eingebracht
werden. Andererseits können auch entsprechende Vorsprünge an der Walzwelle angebracht
oder auf dieselbe aufgesetzt sein, die von dem Sicherungselement in seiner Sicherungsposition
entsprechend hintergriffen werden, um auf diese Weise eine Axialsicherung zu realisieren.
[0037] Der Sicherungsstift ist vorzugsweise derart ausgebildet, dass er mittels einer einfachen
Drehung von 180° betätigt werden kann. Das heißt, dass dann mittels der einfachen
Drehung der Spannring schnell auf der Walzwelle gesichert beziehungsweise von dieser
gelöst werden kann. Dazu weist der Sicherungsstift eine Aussparung aus, welche durch
Drehung des Sicherungsstiftes eine Sicherung des Spannrings auf der Walzwelle und
eine Entnahme bzw. ein Aufsetzen des Spannrings von der bzw. auf die Walzwelle ermöglicht.
Durch den Sicherungsstift ist es möglich, dass durch eine 180°-Drehung des Sicherungsstifts
der Spannring auf der Walzenwelle gesichert werden kann.
[0038] Es versteht sich, dass die Schnellspann- und -löseeinheit nicht zwingend eine Spannschraube
als Spannelement aufweisen muss. Vielmehr können auch andere Spannelemente vorgesehen
sein, die entsprechend axial wirksam sind. Vorzugsweise umfassen diese Spannelemente
ein Betätigungselement, mit welchem diese betätigt, als verspannt oder entspannt werden
können. Ein derartiges Betätigungselement kann dementsprechend insbesondere ein Schraubenkopf
einer Spannschraube sein. Vorzugsweise ist das Betätigungselement axial außen, also
von den Werkzeugen wegweisend angeordnet, so dass es - anders als bei den in der
DE 88 06 968 U1 oder in der
US 5,735,788 offenbarten Walzenanordnungen - leicht und verhältnismäßig frei zugänglich ist. Hierdurch
lassen sich die Rüstzeiten erheblich minimieren, da für die Betätigung insbesondere
schnell arbeitende Werkzeuge genutzt werden können.
[0039] Vorzugsweise ist das Spannelement axial, also parallel zur Achse der jeweiligen Walze,
ausgerichtet, so dass die entsprechenden Spannkräfte unmittelbar und ohne weitere
Umlenkungen wirken können und das Spannelement verhältnismäßig unkompliziert baut.
[0040] Die Spannschraube weist vorzugsweise einen Spannkopf und einen Schraubenkopf auf,
wobei der Spannkopf Spannkräfte auf die Werkzeuge aufbringt und der Schraubenkopf
der Betätigung der Spannschraube dient. Insbesondere kann die Spannschraube derart
angeordnet sein, dass der Spannkopf als axial innenliegend, auf die Werkzeuge hinweisend
und der Schraubenkopf als axial außenliegend, von den Werkzeugend wegweisend bezeichnet
werden kann. Durch diese Anordnung der Spannschraube ist es möglich, auf den Schraubenkopf
der Spannschraube ein entsprechendes Werkzeug, beispielsweise in Form eines Schlagschraubers
aufzusetzen und die Spannschraube zu verspannen. Somit ermöglicht der Spannring mit
einer derartigen Schnellspann- und -löseeinheit einen wesentlichen schnelleren Werkzeugwechsel
als bekannte Lösungen.
[0041] Ein derartiger Spannring kann einfach mit auf die Walzwelle aufgesetzt und dann die
Werkzeuge axial verspannen. Durch die Schnellspann- und -löseeinheit kann der entsprechende
Walzenwechsel gegenüber bekannten Anordnungen erheblich beschleunigt werden. Die Ringform
des Spannrings bedingt, dass hier auch eine Trennung zwischen Querverlagerung zum
Abziehen des Spannrings und Vertikalverlagerung, um dann einen anderen Spannring bereit
zu stellen, vorzugsweise umgesetzt werden kann. Ein entsprechender Spannring kann
auch ohne weiteres nachgerüstet werden, da ohnehin in entsprechenden Positionen verspannende
Einrichtungen vorgesehen sind, die durch einen entsprechenden Spannring ersetzt werden
können.
[0042] In einer Ausführungsform kann die Schnellspann- und -löseeinheit an einer Innenseite
des Spannrings zwei Innenanlagenbereiche zur Anlage an die Walze in einem verspannten
Zustand umfassen, die in Umfangsrichtung einander gegenüberliegend aber axial versetzt
angeordnet sind. Wird auf einen derartig ausgebildeten Ring eine axial einseitige
Kraft ausgeübt, die in ihrer Richtung und in ihrem Moment an den Versatz entsprechend
angepasst ist, so verspannen sich die beiden Innenanlagenbereiche. Wird die Richtung
dieser Kraft geändert, so löst sich der Ring, da er dann einem entsprechenden Moment
nachgeben kann
[0043] Dementsprechend ist es vorteilhaft, wenn die Schnellspann- und -löseeinheit zwei
Lösebereiche, die jeweils einem der Innenanlagebereiche gegenüberliegend und dem anderen
der Innenanlagenbereiche benachbart angeordnet sind, umfasst, wobei in den Lösebereichen
die Innenseite gegenüber dem benachbarten Innenanlagenbereich nach außen zurückspringt.
Dieses ermöglicht auf baulich besonders einfache Weise ein Lösen, wenn die axial wirkende
Spannkraft nachlässt bzw. umgekehrt wird.
[0044] Ein entsprechender Spannring kann insbesondere dann baulich einfach bereitgestellt
werden, wenn die Innenseite des Spannrings im Bereich der Innenanlagebereiche und/oder
im Bereich der Lösebereiche teilzylindermantelförmig ausgebildet ist, da entsprechende
Teilzylindermäntel durch rotierende Bearbeitungsvorgänge einfach und präzise bereitgestellt
werden können.
[0045] Vorzugweise stimmen die Achsen der zu den Innenanlagenbereichen zugehörigen Teilzylinder
untereinander überein, so dass die Innenanlagebereiche in einem Arbeitsschritt bereitgestellt
werden können. Dieses ist entsprechend fertigungstechnisch einfach umzusetzen.
[0046] Hierbei kann der Radius der zugehörigen Teilzylinder dieser Innenanlagenbereiche
passend zu dem Radius der zugehörigen Walzwelle der Walze ausgebildet sein, so dass
der Spannring mit seinen Innenanlagenbereiche sehr gut an dieser Walzwelle innen anliegen
und einen entsprechenden Kraftschluss bilden kann.
[0047] Dementsprechend ist es auch vorteilhaft, wenn die Achsen der zu den Lösebereichen
zugehörigen Teilzylinder untereinander übereinstimmen, da dieses ebenfalls fertigungstechnisch
einfach umzusetzen ist.
[0048] Ein Zurückspringen der Lösebereiche kann baulich besonders einfach realisiert werden,
wenn die Achsen der zu den Innenanlagenbereichen zugehörigen Teilzylinder und die
Achsen der zu den Lösebereichen zugehörigen Teilzylinder sich schneiden. Auf diese
Weise öffnet sich der Spannring in den Lösebereichen unmittelbar.
[0049] Kumulativ bzw. alternativ hierzu können die Radien der zu den Lösebereichen zugehörigen
Teilzylinder größer als die der zu den Innenanlagenbereichen zugehörigen Teilzylinder
ausgebildet sein, wodurch ebenfalls ein Rückspringen der Innenseite des Spannrings
im Bereich der Lösebereiche ohne weiteres gewährleistet werden kann, und was insbesondere
dann, wenn sich die Achsen der zu den jeweiligen Bereichen gehörigen Teilzylinder
schneiden auch ohne weiteres baulich realisiert werden kann.
[0050] Der Spannring kann eine zur Walzwelle formschlüssig wirksame Axialsicherung umfassen,
welche in Umfangsrichtung in einem Winkelsegment von 180° angeordnet ist, in dessen
Mitte derjenige der beiden Innenanlagenbereiche angeordnet ist, der axial an den Werkzeugen
näher liegend ist als der andere der beiden Innenanlagenbereiche. Hierdurch kann die
formschlüssig wirksame Axialsicherung insbesondere bei nichtvorhandener Verspannung
den näher an den Werkzeugen liegenden Innenanlagenbereich präzise positionieren, um
insbesondere auch ein Verrutschen während des Verspannens zu vermeiden. Je nach konkreter
Umsetzung kann ein entsprechender Formschluss beispielsweise durch einen Sicherungsstift
realisiert werden, der in eine Nut an der Walze eingreift.
[0051] Ein einfaches Verspannen kann dadurch realisiert werden, dass der Spannring einen
axial auf eines der Werkzeuge wirksames Spannelement umfasst, welches in Umfangsrichtung
in einem Winkelsegment von 180° angeordnet ist, in dessen Mitte derjenige der beiden
Innenanlagenbereiche angeordnet ist, der axial von den Werkzeugen weiter entfernt
ist als der andere der beiden Innenanlagenbereiche.
[0052] Auf diese Weise bedingt die durch dieses Spannelement axial auf das Werkzeug aufgebrachte
Spannkraft ein Rückmoment in dem Spannring, welcher die beiden Innenanlagenbereiche
jeweils gegen die Oberfläche der Walzwelle drückt und mithin einen Kraftschluss bzw.
Reibschluss erzwingt.
[0053] Vorzugsweise sind die Axialsicherung und das Spannelement in Umfangsrichtung des
Spannrings einander gegenüberliegend angeordnet, wobei es sich verstehet, dass hierbei
Abweichungen bis zu 90° angesetzt seien können, ohne dass die Wirkung erheblich beeinträchtigt
wird.
[0054] Insbesondere versteht es sich, dass - gegebenenfalls - auch mehrere Spannelemente
bzw. Axialsicherungen über den Umfang verteilt vorgesehen seien können.
[0055] Es versteht sich, dass die Merkmale der vorstehend bzw. in den Ansprüchen beschriebenen
Lösungen gegebenenfalls auch kombiniert werden können, um die Vorteile entsprechend
kumuliert umsetzen zu können.
[0056] Weitere Vorteile, Ziele und Eigenschaften vorliegender Erfindung werden anhand nachfolgender
Beschreibung von Ausführungsbeispielen erläutert, die insbesondere auch in anliegender
Zeichnung dargestellt sind. In der Zeichnung zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Ansicht einer Walzmaschine mit einem Werkzeugwechselsystem;
- Figur 2
- die Anordnung nach Fig. 1 bei geöffnetem Walzenständer;
- Figur 3
- eine Detaildarstellung zweier Spannringe für die Anordnung nach Fign. 1 und 2;
- Figur 4
- die Anordnung nach Fig. 3 in Aufsicht axial zu den Walzen mit gelöstem Sicherungselement;
- Figur 5
- einen Spannring nach Fign. 3 und 4 mit gesichertem Sicherungselement;
- Figur 6
- eine Detailansicht der Verliersicherung der Spannringe nach Fign. 3 und 4;
- Figur 7
- eine Seitenansicht eines Werkzeugwechselgestells für die Anordnung nach Fign. 1 und
2;
- Figur 8
- eine Frontansicht des Werkzeugwechselgestells nach Fig. 7;
- Figur 9
- die Anordnung nach Fig. 2 bei eingesetztem Werkzeugwechselgestell (Walzenständer nicht
dargestellt); und
- Figur 10
- einen Schnitt durch die Anordnung nach Fig. 9.
[0057] Die in den Figuren dargestellte Walzmaschine 10 umfasst zwei horizontal übereinander
angeordnete Walzen 80, die jeweils eine Walzwelle 12 und eine Vielzahl von Werkzeugen
11, die auf den jeweiligen Walzwellen 12 angeordnet sind, umfassen und die bei diesem
Ausführungsbeispiel als Reckwalzen genutzt werden. Die obere Walzwelle 12a ist über
der unteren Walzwelle 12b angeordnet. Die Walzen 80 sind in Walzenträgern 13 angeordnet,
von denen einer axial verlagerbar ist und welche die bei den Walzprozessen auftretenden
Kräfte zwischen den Walzen 80 aufnehmen.
[0058] Die gesamte Walzmaschine 10 ist in einem Fundament 14 einer Werkshalle (hier nicht
dargestellt) angeordnet (siehe Figur 10).
[0059] Die Walzmaschine 10 ist mit einem Werkzeugwechselsystem 15 versehen, dass gegebenenfalls
auch nachgerüstet werden kann.
[0060] Dieses Werkzeugwechselsystem 15 umfasst ein Werkzeugwechselgestell 20 (siehe Figuren
7 bis 10), einen Vertikaltransport 30, einen Quertransport 40, einen Zugrahmen 50
und eine Wechselgestellführung 60.
[0061] Wie insbesondere den Figuren 7 und 8 entnehmbar, umfasst das Werkzeugwechselgestell
20 zwei Werkzeugaufnahmen 21, die walzenförmig und in ihrem Außendurchmesser dem Innenwerkdurchmesser
der Werkzeuge 11 angepasst sind und an einer Hauptplatte vertikal übereinander befestigt
sind, wobei die Position der Werkzeugaufnahmen 21 an der Hauptplatte 22 der Position
der Walzwellen 12 in den Walzenträgern 13 weitestgehend entspricht, so dass die Werkzeugaufnahmen
21 ohne weiteres axial vor den Walzwellen 12 positioniert werden können, um mittels
einer Querbewegung die Werkzeuge 11 bei einem Werkzeugwechsel aufzunehmen bzw. in
umgekehrter Weise wieder an die Walzwellen abzugeben.
[0062] An der Hauptplatte 22 ist darüber hinaus ein Hakenfortsatz 23 angesetzt, der im Wesentlichen
parallel zu den Werkzeugaufnahmen 21 von der Hauptplatte 22 absteht und eine Vielzahl
kleiner Ausnehmungen (nicht beziffert) trägt, in welcher ein Kranhaken 31 eines Hallenkrans
(nicht dargestellt) der Werkshalle eingehängt werden kann, wie dieses exemplarisch
in Figur 9 angedeutet ist.
[0063] Die Vielzahl von Ausnehmungen des Hakenfortsatzes 23 ermöglicht es, den Kranhaken
31 axial in Bezug auf den Schwerpunkt verschieden zu positionieren, da der Schwerpunkt
dieser Werkzeugwechselgestell 20 mit oder ohne Werkzeugen 11 durchaus in Bezug auf
die Werkzeuge 11 unter Berücksichtigung der Frage, ob diese auf der Werkzeugaufnahme
21 positioniert sind oder nicht, relevant verlagert wird.
[0064] Es versteht sich, dass - je nach konkreter Umsetzung - das Werkzeugwechselgestell
20 auch anders ausgestaltet sein kann, insbesondere im Hinblick auf die Anordnung
der Werkzeugaufnahme 21 und des Hakenfortsatzes 23.
[0065] Darüber hinaus weist das Werkzeugwechselgestell 20 eine Öffnung 24 für einen Seilzug
41 (siehe insbesondere Figur 9) auf, welcher bei diesem Ausführungsbeispiel als Quertransport
40 genutzt wird.
[0066] Der Quertransport 40 umfasst des Weiteren eine Umlenkrolle 42 für den Seilzug 41,
die in den Walzenträger 13 eingebracht werden kann (siehe Figur 9), der von dem Seilzug
41 am weitesten von den beiden Walzenträgern 13 entfernt ist. Auf diese Weise kann
der Seilzug 41 als Quertransport 40 für verschiedene Bewegungsrichtungen genutzt werden.
[0067] An den Werkzeugaufnahmen 21 ist darüber hinaus eine Werkzeugsicherung angeordnet,
welche eine Sicherung in Umfangsrichtung bedingt. Je nach konkreter Ausgestaltung
der Walzen 80, können auch andere Maßnahmen vorgesehen sein.
[0068] Der Zugrahmen 50 (siehe insbesondere Figuren 9 und 10) ist ein im Wesentlichen rechteckiges
Rahmengestell, welches Verbindungsmöglichkeiten zu den Werkzeugen 11 aufweist. Hierbei
sind die Werkzeuge 11 auch untereinander zu einem Verbund verbunden. Es versteht sich,
dass ein alternativer Zugrahmen 50 auch Verbindungselemente zu jedem einzelnen Werkzeug,
wie beispielsweise horizontale Verbindungsbalken, die jeweils mit den Werkzeugen verbunden
sind oder vom Zugrahmen 50 ausgehend bis zu dem jeweils am weitesten entfernten Werkzeug
11 reichend und dann sämtliche Werkzeuge 11 umklammernd ausgestaltet sind, aufweisen
kann, um für den Werkzeugwechsel einen Verbund aus Werkzeugen 11 und Zugrahmen 50
darzustellen, der einen entsprechenden Werkzeugwechsel dann in einer sehr geringen
Zahl an Querbewegungen bzw. Axialbewegungen realisiert. Entsprechend ist es nicht
zwingend notwendig, dass die Werkzeuge 11 ständig untereinander einen Verbund bilden.
[0069] An dem Zugrahmen 50 ist darüber hinaus eine Befestigung 51 für den Quertransport
40 bzw. für den Seilzug 41 vorgesehen, so dass dieser schnell und betriebssicher mit
dem Quertransport 40 verbunden werden kann. Es versteht sich, dass - je nach konkreter
Ausführungsform - anstelle eines Seilzugs 41 auch ein anderer Quertransport zur Anwendung
kommen kann.
[0070] Für ein Aufschieben der Werkzeuge 11 auf die Walzwellen 12 kann die Umlenkrolle 42
genutzt werden, indem der Seilzug 41 über die Umlenkrolle umgelenkt und mithin in
Richtung der Walzwellen 12 ziehend wirksam genutzt werden kann.
[0071] Um das Werkzeugwechselgestell 20 einfach und betriebssicher in einer Wechselposition
(siehe Figuren 9 und 10) zu positionieren, weist die Wechselgestellführung 60 eine
Kulissenführung 61 in zwei Führungsträgern 62 auf, die seitlich des Öffnungsweges
des Walzenträgers 13, welche dem Führungsträger 62 und dem Seilzug 41 am nächsten
angeordnet ist, aufgestellt sind. Auf diese Weise lassen sich die Führungsträger 62
gegebenenfalls auch ohne weiteres nachrüsten.
[0072] Jeder der Führungsträger 62 weist eine Führungsnut 63 auf, in welche zugehörige Führungsfedern
64, die an dem Werkzeugwechselgestell 20 vorgesehen sind, führend eingreifen können.
[0073] Hierbei definieren die Kulissenführungen 61 eine Führungsbahn 70 für das Werkzeugwechselgestell
20, welche oben offen ist und an ihrem oben offenen Führungseingang 71 eine Einführhilfe
72 aufweist, die durch eine Erweiterung der Führungsnut 63 realisiert ist. Es versteht
sich, dass eine entsprechende Führungsbahn 70, die oben offen ist und gegebenenfalls
auch eine Einführhilfe an ihrem oben offenen Führungseingang 71 aufweist, auch auf
andere Weise realisiert werden kann. Hierzu ist nicht zwingend eine Kulissenführung
61 notwendig, insbesondere kann auch an dem Werkzeugwechselgestell eine entsprechende
Führungsnut vorgesehen sein, die, um eine entsprechend oben offene Führungsbahn zu
gewährleisten, nach unten offen ausgebildet ist.
[0074] Für einen Wechsel der Werkzeuge 11, werden zunächst die Walzwellen 12 in Wechselposition
gefahren und vorbereitet. Dann wird der Walzenständer 13, welcher den Führungsträgern
62 am nächsten liegt, aufgefahren, wie ein Vergleich der Figuren 1 und 2 zeigt.
[0075] In einem nächsten Schritt wird dann der Zugrahmen 50 an den Werkzeugen 11 verschraubt
und hierdurch einen entsprechender Verbund bereitgestellt, der sämtliche Werkzeuge
11 der beiden Walzwellen 12, also die Werkzeuge 11 der oberen Walzwelle 12a und der
unteren Walzwelle 12 b, und den Zugrahmen 50 umfasst.
[0076] Hiernach wird das Werkzeugwechselgestell 20 mit dem Kran in die Führungsbahnen 70
eingeführt und in seine Wechselposition abgesenkt. Wie unmittelbar ersichtlich, weist
die Führungsbahn 70 in jeder Position eine vertikale Komponente auf, so dass eine
entsprechendes Absenken und ein hierauf folgendes Anheben ohne weiteres realisiert
werden kann.
[0077] Anschließend wird das Zugseil des Seilzugs 41 durch die Öffnung 24 durchgeführt und
an der Befestigung 51 eingehängt. Die Werkzeuge 11 können dann im Verbund - und zwar
durch den Zugrahmen 50 auch in Verbund mit den Werkzeugen 11 beider Walzwellen 12
- gemeinsam auf die Werkzeugaufnahmen 21 aufgezogen werden, wobei bei diesem Ausführungsbeispiel
zuvor noch Brückenelemente auf die Walzwellen 12 aufgesetzt werden, um den Bewegungsablauf
diesbezüglich zu stabilisieren.
[0078] Im Anschluss hieran wird gegebenenfalls der Kranhaken 31 versetzt, um eine Schwerpunktänderung
des Werkzeugwechselgestells 20 zu kompensieren. Anschließend kann das Werkzeugwechselgestell
20 mit dem Kran angehoben und abtransportiert werden. Hiernach kann ein zweites Werkzeugwechselgestell
20 mit neuen Werkzeugen 11 entsprechend in die Führungsbahn abgelassen und die Wechselposition
verbracht werden. Nunmehr wird die Umlenkrolle 42 am Walzenträger 13 eingehakt, das
Zugseil des Seilzugs 41 in die Umlenkrolle 42 eingelegt und auf der Rückseite des
Zugrahmens 40 in die Befestigung 51 eingehakt. Anschließend können die Werkzeuge 11
im Verbund mit dem Zugrahmen 50 auf die Walzwellen 12 aufgezogen werden.
[0079] Nunmehr wird der Zugrahmen 50 demontiert und entfernt. Der Walzenträger 13 kann wieder
zugefahren werden, wobei hiernach die Walzen 80 wieder in Walzposition verfahren werden
können.
[0080] Bereits durch diese Maßnahmen lassen sich die Rüstzeiten für einen Werkzeugwechsel
bei Walzen 80 gegenüber herkömmlichen Werkzeugwechseln von bisher bis zu mehreren
Stunden auf unter eine Stunde reduzieren, ohne dass eine kostenaufwendige und nicht
nachrüstbare vollautomatisierte Lösung zum Wechseln kompletter Werkzeugpakete zur
Anwendung kommen muss. Insbesondere entfällt auch die Handhabe einzelner Werkzeuge.
[0081] Die Rüstzeit lässt sich darüber hinaus noch durch Spannringe 81 bis auf ungefähr
eine halbe Stunde reduzieren, die vor dem Montieren des Zugrahmens 50 an den Werkzeugen
11 gelöst und demontiert und nach der Demontage des Zugrahmens 50 von den Werkzeugen
11 wieder montiert werden.
[0082] Diese Spannringe 81 (siehe insbesondere Figuren 3 bis 6), wobei Figuren 3 und 4 ausschnittweise
Darstellungen der beiden Walzen 80 in der Walzmaschine 10 (siehe Figuren 1, 2, 9 und
10) sind, umfassen eine Schnellspann- und -löseeinheit 82, die im Wesentlichen durch
einen Sicherungsstift 87 als Axialsicherung und einer Spannschraube 91 realisiert
ist. Ein Spannkopf 92 der Spannschraube 91 ist nach axial innen, also auf die Werkzeuge
weisend, gerichtet, so dass die Spannschraube 91 mit einfachen Werkzeugen, wie beispielsweise
einem Schlagschrauber, eingestellt, beispielsweise gespannt beziehungsweise entspannt
werden kann.
[0083] Jeder der Spannringe 81 weist einen Innenanlagebereich 83 auf, mit welchem der Spannring
81 in verspanntem Zustand an der jeweiligen Walzwelle 12 anliegt. Darüber hinaus weist
jeder Spannring 81 einen Lösebereich 84 auf, der gegenüber dem hierneben liegenden
aber axial leicht versetzten Innenanlagenbereich 83 nach außen zurückspringt.
[0084] Wird nunmehr die Axialverspannung gelöst, so kann der Spannring 81 auf die Lösebereiche
84 verkippt werden, was eine einfache Montage bzw. Demontage ermöglicht.
[0085] In konkreter Umsetzung sind die Innenanlagebereiche 83 und die Lösebereiche 84 jeweils
durch teilzylindermantelförmige Innenbereiche des Spannrings 81 umgesetzt, deren Achsen
85 sich schneiden, wobei der Teilzylindermantel, der zu den Teilzylindermantelflächen
der Lösebereiche 84 zugehörig ist, einen etwas größeren Radius aufweist als der Teilzylindermantel,
der zu den beiden Innenanlagenbereiche 83 gehört.
[0086] Die Achsen 85 dieser beiden Zylinder schneiden sich in etwa in der Mitte des Spannrings
81 (siehe Figur 3 unten), so dass der Spannring 81 auch durch einfache Fertigungstechniken,
die auf rotierende Werkzeuge setzen, gefertigt werden kann.
[0087] Darüber hinaus weist der Spannring 81 eine Axialsicherung 86 auf, die durch einen
senkrecht zur gemeinsamen Achse 85 der Walzwelle 12 und der Innenanlagenbereiche 83
ausgerichteten Sicherungsstift 87 realisiert ist, der in einer entsprechenden Bohrung
den Spannring 81 durchstößt. Diese Bohrung öffnet sich an einer Stelle (siehe Figur
3) nach innen, so dass der Sicherungsstift 87 in eine nicht dargestellte Nut der Walzwelle
12 eingreifen kann, um auf diese Weise den Spannring 81 axial zu sichern. Der Sicherungsstift
87 ist darüber hinaus über eine Sicherungsschraube 88 gegen ein Verlieren gesichert
(siehe Figur 6).
[0088] Diese Verliersicherung des Sicherungsstiftes 87 erfolgt jedoch derart, dass der Sicherungsstift
87 noch in seiner Bohrung gedreht werden kann, so dass eine Ausnehmung 89 des Sicherungsstiftes
zum Sichern bzw. Entsichern der Axialsicherung 86 entsprechend gedreht werden kann.
Weist die Ausnehmung 89 auf die Walzwelle 12 bzw. auf die Nut der Walzwelle 12, so
kann der Spannring 81 entnommen werden, da der axiale Formschluss zwischen dem Sicherungsstift
87 und der Nut geöffnet ist, während die Axialsicherung 86 greift, wenn die Ausnehmung
von der Walzwelle 12 wegweist und somit der Formschluss zwischen Walzwelle 12 und
Sicherungsstift 87 geschlossen ist.
[0089] Darüber hinaus umfasst der Spannring 81 ein Spannelement 90, welches koaxial zur
Achse 85 der Walzwelle 12 eine Spannkraft aufbringen kann. Das Spannelement 90 umfasst
eine Spannschraube 91 mittels welcher ein Spannkopf 92 gegen ein benachbartes Werkzeug
11 axial verspannt werden kann. Hierbei sitzen zumindest zwei der Spannelemente 90
in einem Winkelsegment von 180°, welches in der Mitte den Innenanlagenbereich 83 umfasst,
welcher von dem Werkzeug 11, welches neben dem Spannring 81 liegt, am weitesten entfernt
ist. Auf diese Weise führt die axial durch das Spannelement 90 aufgebrachte Spannkraft
zu einem Kippmoment, welches beide Innenanlagenbereiche 83 gegen die Walze 12 verpresst.
[0090] Die Spannelemente 90 sind der Axialsicherung 86 in Umfangsrichtung gegenüberliegend
angeordnet, so dass die Axialsicherung 86 in einem Winkelsegment von 180° angeordnet
ist, welches in der Mitte den Innenanlagenbereich 83 umfasst, welcher dem Werkzeug
11, welches neben dem Spannring 81 liegt, am nächsten ist.
[0091] Der Spannring 81 mit seiner Schnellspann- und -löseeinheit 82 kann äußerst schnell
montiert und demontiert werden, wodurch die Rüstzeiten weiter minimiert werden können.
Er kann darüber hinaus auch bei bestehenden Walzen 80 zur Anwendung kommen und entsprechend
in getrenntem Quer- und Vertikalbewegungen auf die Walzwellen 12 aufgesetzt und von
diesen abgenommen werden.
Bezugszeichenliste:
| 10 |
Walzmaschine |
60 |
Wechselgestellführung |
| 11 |
Werkzeug (exemplarisch beziffert) |
61 |
Kulissenführung |
| 12 |
Walzwelle |
62 |
Führungsträger |
| 12a |
obere Walzwelle (exemplarisch in Fig. 1 beziffert) |
63 |
Führungsnut |
| 64 |
Führungsfeder |
| 12b |
untere Walzwelle (exemplarisch in Fig. 1 beziffert) |
70 |
Führungsbahn |
| 71 |
Führungseingang |
| 13 |
Walzenträger |
72 |
Einführhilfe |
| 14 |
Fundament |
80 |
Walze |
| 15 |
Werkzeugwechselsystem |
81 |
Spannring |
| 20 |
Werkzeugwechselgestell |
82 |
Schnellspann- und -löseinheit |
| 21 |
Werkzeugaufnahme |
83 |
Innenanlagenbereich |
| 22 |
Hauptplatte |
84 |
Lösebereich |
| 23 |
Hakenfortsatz |
85 |
Achse |
| 24 |
Öffnung für Seilzug 41 |
86 |
Axialsicherung |
| 30 |
Vertikaltransport |
87 |
Sicherungsstift |
| 31 |
Kranhaken eines Hallenkrans |
88 |
Sicherungsschraube |
| 40 |
Quertransport |
89 |
Ausnehmung |
| 41 |
Seilzug |
90 |
Spannelement |
| 42 |
Umlenkrolle für Seilzug 41 |
91 |
Spannschraube |
| 50 |
Zugrahmen |
92 |
Spannkopf |
| 51 |
Befestigung für Quertransport 40 |
|
|