[0001] Die Erfindung betrifft einen Schlauch aus geotextilem Material sowie ein Verfahren
zur Stabilisierung des Untergrundes.
[0002] Die Stabilisierung des Untergrundes mit Schläuchen aus geotextilem Material ist seit
etwa 20 Jahren ein bewährtes Verfahren zur Bildung standfester Bereiche für Verkehrswege
und Bauwerke. Beispielsweise ist aus den Druckschriften
DE 44 08 173 A1 und
DE 195 188 30 B4 ein Verfahren zur Stabilisierung des Untergrundes mittels geotextilen Schläuchen
zur Abtragung von Bauwerks- und Verkehrslasten in standfeste Bereiche bekannt, bei
dem nicht ausreichend tragfähiges Bodenmaterial ausgehoben und tragfähiges Bodenmaterial
aufgefüllt wird, wobei an diskreten Stellen ein säulenförmiger Bereich des nicht ausreichend
tragfähigen ausgehoben wird, indem ein Mantelrohr, welches bis auf den tragfähigen
Untergrund des Bodens reicht, eingebracht wird. Das nicht ausreichend tragfähige Bodenmaterial
wird aus dem Mantelrohr entfernt oder das Mantelrohr wird mit einer Bohrspitze in
den Boden eingebracht, so dass es das nicht ausreichend tragfähige Bodenmaterial verdrängt.
Ein Schlauch aus geotextilem Material kann entweder in das Mantelrohr eingebracht
werden oder das Mantelrohr umhüllen. Dann wird eine Säule tragfähigen Materials erzeugt,
indem tragfähiges Füllmaterial, insbesondere besonders hartes Material wie Kiessand,
Gestein oder dergleichen, in das Mantelrohr geschüttet wird und den Schlauch füllt.
Beim Ziehen des Mantelrohres wird das Füllmaterial unter Aufweitung des Schlauches
verdichtet. Dabei werden die quer, das heißt in Umfangsrichtung des Schlauches verlaufenden
Fäden der schlauchförmigen Hülle so weit gespannt, dass die erreichte Spannung einen
radial nach innen wirkenden Druck auf das Füllmaterial ausübt und dieses stabilisiert,
andererseits aber ausreichend Zugkraftreserven vorhanden sind, so dass die dauerhafte
Tragwirkung der gebildeten Säule aus tragfähigem Material gewährleistet ist. Derartig
zugfest ummantelte Säulen sind aufgrund ihrer Tragwirkung geeignet, Lasten in den
tragfähigen Untergrund abzutragen und auch bei nicht ausreichend tragfähigen Böden
mit weicher, auch schlammartiger Konsistenz einen stabilen Baugrund zu bilden. Die
Stabilität der Säule aus tragfähigem Material wird erheblich durch den von außen wirkenden
Druck auf die Säule gesteigert.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, einen derartigen Schlauch aus geotextilem Material
und ein Verfahren zur Stabilisierung des Untergrundes unter Verwendung dieses Schlauches
derart zu verbessern, dass die Stabilisierung mit geringerem Aufwand bei gleicher
oder größerer Tragfähigkeit erfolgen kann.
[0004] Diese Aufgabe wird in Bezug auf den erfindungsgemäßen Schlauch durch die Merkmale
des unabhängigen Patentanspruchs 1 gelöst.
[0005] Ein Schlauch aus geotextilem Material mit Längsfäden, die sich im Wesentlichen in
axialer Richtung des Schlauches erstrecken, und Querfäden, die sich im Wesentlichen
in Umfangsrichtung des Schlauches erstrecken, und bei dem die Längsfäden und Querfäden
von hochfestem, wenig elastischen Fäden gebildet werden, wird dadurch weitergebildet,
dass er zusätzliche Querfäden mit reduzierter Festigkeit aufweist, die in entspanntem
Zustand kürzer sind als die hochfesten, wenig elastischen Querfäden.
[0006] Dieser Schlauch kann mit einem Mantelrohr mit einem reduzierten Durchmesser in den
Boden eingebracht werden, nämlich mit dem Durchmesser, der durch die Schrumpfkraft
der hochelastischen Querfäden definiert wird. Der Aufwand beim Einbringen des Mantelrohres
und des Schlauches ist aufgrund des geringeren Durchmessers des Mantelrohrs und des
geringeren Kraftaufwandes für das Einbringen dieses Mantelrohrs erheblich reduziert.
[0007] Die Querfäden reduzierter Festigkeit können hochelastisch sein und beispielsweise
unter Spannung in die Struktur des Schlauches eingebracht werden. Nach der Herstellung
des textilen Materials entspannen sich diese hochelastischen Querfäden, so dass der
Schlauch im Wesentlichen einen Umfang erhält, der der Länge der entspannten Querfäden
mit reduzierter Festigkeit entspricht. Die hochelastischen Querfäden können zum Beispiel
um mindestens 50 Prozent ihrer Länge dehnbar sein. Dies wird beispielsweise bei der
Verwendung von Querfäden aus Elastomerfäden erreicht.
[0008] Wie bereits angesprochen, kann der erfindungsgemäße geotextile Schlauch mit einem
Mantelrohr mit einem reduzierten Durchmesser eingebaut werden. Durch den reduzierten
Durchmesser des Mantelrohres werden die Kräfte zum Einbringen des Mantelrohres reduziert.
Auch werden der Aufwand und die Kosten für das Ausheben und Entfernen des nicht ausreichend
tragfähigen Bodenmaterials aus dem Mantelrohr reduziert.
[0009] Die bereits bei dem Verfahren der
DE 44 08 173 erwünschte Wirkung, nämlich die Erweiterung der Säule in den umgebenden Boden, wird
durch das Einbringen eines Mantelrohres mit reduziertem Durchmesser und die Verwendung
eines Geotextils mit durch die zusätzlichen Querfäden reduziertem Ausgangsdurchmesser,
der beim Befüllen erheblich zunimmt, verstärkt. Die bisher zur Herstellung der geotextilen
Schläuche verwendeten hochfesten Querfäden hatten eine Bruchdehnung in der Größenordnung
von 12 Prozent. Mit anderen Worten können sich die Querfäden um bis zu 12 Prozent
ihrer Länge strecken, bevor sie reißen. In der Praxis wird eine Dehnung in der Größenordnung
von 5 bis 7 Prozent akzeptiert, damit die schlauchförmige, geotextile Hülle eine hinreichende
Zugkraftreserve aufweist, um dauerhaft die Tragwirkung zu gewährleisten.
[0010] Bei dem hier beschriebenen Schlauch können erheblich größere Dehnungen und damit
Aufweitungen der textilen Ummantelung zugelassen werden. Der Umfang der fertigen Säule
aus tragfähigem Material kann mehr als doppelt so groß sein wie der Umfang des mit
dem Mantelrohr eingebrachten, entspannten Schlauches. Da Umfang und Durchmesser eines
Kreises linear verknüpft sind, kann auch der Säulendurchmesser beim Verdichten des
tragfähigen Materials um 50 Prozent oder mehr gesteigert werden. Diese erhebliche
Aufweitung des Schlauches während der Verdichtung des eingefüllten Bodenmaterials
erhöht wesentlich den von Außen auf das eingefüllte Bodenmaterial wirkenden Druck
und damit die Festigkeit der entstehenden Säulen aus tragfähigem Material. Gleichzeitig
wird ein großer Teil der nach außen gerichteten Druckkraft beim Verdichten des eingefüllten
tragfähigen Materials durch das außerhalb des geotextilen Schlauches liegende Erdreich
abgefangen, so dass bei gleichem Innendruck innerhalb der Säule aus tragfähigem Bodenmaterial
eine geringere Zugkraft auf die geotextile Hülle bewirkt. Die Gewährleistung der dauerhaften
Tragwirkung der unter Verwendung der oben beschriebenen geotextilen Hülle hergestellten
Säule wird erheblich verbessert.
[0011] Wie erwähnt, können die Querfäden mit reduzierter Festigkeit hochelastisch sein.
Beim Einfüllen des tragfähigen Bodenmaterials werden die elastischen Zugfäden bis
zur Länge der hochfesten, wenig elastischen Fäden gestreckt. Dabei ist zu beachten,
dass die Bezeichnung "wenig elastisch" für die in Querrichtung verlaufenden Fäden
in Bezug auf synthetische Garne zu interpretieren ist. Sogenannte hochfeste, wenig
elastische Fäden bestehen aus synthetischen Garnen mit einer hohen Zugfestigkeit und
mit einer geringen Bruchdehnung. Die Bruchdehnung liegt beispielsweise im Bereich
von 12% bei einem Garn aus Polyester. Dagegen können die hochelastischen Fäden beispielsweise
um 100% ihrer entspannten Länge gedehnt werden.
[0012] Die hochelastischen Fäden können folglich kaum den Innendruck des tragfähigen Materials
innerhalb des geotextilen Schlauches erhöhen sondern dehnen sich beim Befüllen des
Schlauches. Die wenig elastischen und hochfesten Fäden lassen dagegen nur eine geringfügige
Dehnung des Schlauches zu und begrenzen die maximale Ausdehnung des Schlauches.
[0013] In der Praxis besteht der geotextile Schlauch aus rundgewebtem, geotextilem Material,
wobei die Querfäden Schussfäden sind.
[0014] Der Anteil der Querfäden mit reduzierter Festigkeit an der Gesamtzahl der Querfäden
kann in der Praxis bei 25 Prozent oder weniger liegen. Es ist z.B. sinnvoll, jeden
vierten bis sechsten Querfaden durch einen elastischen Querfaden mit reduzierter Festigkeit
auszutauschen. Ab 40 Prozent wird der Anteil der elastischen Fäden unwirtschaftlich
hoch.
[0015] Sinnvollerweise sind die Querfäden mit reduzierter Festigkeit in regelmäßigen Abständen
zwischen die hochfesten Querfäden eingefügt, so dass das schlauchförmige, geotextile
Material in axialer Richtung eine homogene Elastizität und Festigkeit aufweist, wobei
die Festigkeit bis zum Erreichen der ungespannten Länge der hochfesten Fäden gering
und danach hoch ist.
[0016] Die Aufgabe der Erfindung wird in Bezug auf ein Verfahren zum Einbringen von Füllmaterial
in ein Loch im Untergrund, bei dem das Füllmaterial in eine zugfeste vorgefertigte
schlauchförmige Hülle aus Geotextilmaterial mit hochfesten und wenig elastischen Längsfäden
und Querfäden eingefüllt wird, dadurch gelöst, dass als Hülle ein Schlauch der oben
beschriebenen Art verwendet wird.
[0017] In der Praxis können bei diesem Verfahren folgende Schritte ausgeführt werden:
- a) an diskreten Stellen wird ein mit der Hülle umhülltes Mantelrohr in den Untergrund
eingebracht;
- b) tragfähiges Bodenmaterial, insbesondere besonders hartes Material wie Kiessand,
Gestein oder dergleichen, wird durch das Mantelrohr in die Hülle gefüllt,
- c) das tragfähige Material wird durch Vibration des Mantelrohres beim Ziehen des Mantelrohres
verdichtet.
[0018] Auf diese Weise wird gemäß dem oben beschriebenen Verfahren mittels eines Mantelrohres
sehr hartes Füllmaterial in Säulenform in den Untergrund eingebracht und beim Einbringen
durch Vibration des Mantelrohres während des Ziehvorgangs verdichtet. Die das Mantelrohr
umhüllende Hülle, welche aus dem oben beschriebenen Schlauch besteht, dehnt sich aufgrund
der Verdichtung des Füllmaterials durch die Längung der wenig festen Querfäden aus
und verdichtet auf diese Weise das umgebende Erdreich.
[0019] In der Praxis kann durch Aushub oder Bohren zunächst ein Loch hergestellt werden,
in welches anschließend das Mantelrohr mit dem Schlauch eingebracht wird. Diese Vorgehensweise
hat den Vorteil, dass der das Mantelrohr umgebende Schlauch während des Einbaus nur
geringfügig belastet wird.
[0020] Es ist aber auch möglich, eine Spitze am unteren Ende des Mantelrohres anzubringen,
deren Durchmesser etwas größer als der Durchmesser des Mantelrohrs mit dem Schlauch
ist. Die Spitze kann in den Boden eingerüttelt oder durch eine Bohrvorrichtung gedreht
werden. Sie kann nach der Herstellung des Bohrlochs als verlorene Spitze im Grund
des Bohrlochs verbleiben. In diesem Fall wird die aus dem Schlauch bestehende Hülle
gemeinsam mit dem Werkzeug in das Loch abgesenkt.
[0021] Ferner ist es möglich, die schlauchförmige Hülle ohne Mantelrohr in ein Loch im Untergrund
einzubringen. Hierfür kann ein Tiefenrüttler verwendet werden, beispielsweise ein
unter der Bezeichnung TR17 von der Firma Bauer Maschinen GmbH in Schrobenhausen vertriebener
Tiefenrüttler. Ein Tiefenrüttler weist eine Rüttelspitze auf, welche zusammen mit
einem Schotterrohr durch Vibrationen in den Boden getrieben wird. Dabei verdrängt
die Rüttelspitze das Bodenmaterial. Beim Ziehen des Tiefenrüttlers wird durch das
Schotterrohr Füllmaterial in das unter der Rüttelspitze verbleibende Loch geschüttet.
Durch die Vibration und Stopfvorgänge der Rüttelspitze wird das Füllmaterial ähnlich
wie beim Einfüllen durch ein Vibrieren des Mantelrohrs verdichtet.
[0022] In der Praxis werden beim Einfüllen des Füllmaterials die wenig elastischen Querfäden
der schlauchförmigen Hülle so weit gespannt werden, dass einerseits die erforderliche
Spannung erreicht wird, andererseits ausreichende Zugkraftreserven vorhanden sind
und damit die dauerhafte Tragwirkung gewährleistet wird.
[0023] Alternativ ist es aber auch möglich, mit dem oben beschriebenen Schlauch einen aus
Bewehrungseisen gebildeten, säulenförmigen Korb zu umhüllen, und in den Korb Füllmaterial
einzuschütten. Ein derartiges Vorgehen ist beispielsweise bei der Herstellung von
Betonbohrpfählen zur Bodenbefestigung anzuwenden. Bei der Bodenbefestigung von Karstböden,
d.h. Böden mit unterirdischen Hohlräumen, muss verhindert werden, dass Beton die Hohlräume
vollständig ausfüllt. In Bohrlöcher in den Karstboden kann daher ein länglicher säulenförmiger
Korb eingesetzt werden, der aus Eisenstäben besteht. Dieser Korb hält die schlauchförmige
Hülle offen. Anschließend wird Beton als Füllmaterial eingefüllt. Dabei dehnt sich
die schlauchförmige Hülle, so dass der Beton die Eisenstäbe innen und außen umfließt.
Nach dem Spannen der elastischen Fäden mit reduzierter Festigkeit hält der Schlauch
den Beton jedoch zurück, so dass eine Säule mit beschränktem Durchmesser entsteht.
[0024] Schließlich eignet sich die oben beschriebene Schlauchstruktur zum Ummanteln weiterer
in den Boden einzubringender Stabilisierungselemente. Beispielsweise ist aus der
EP 0 499 144 A1 ein Verpressanker bekannt, der mit einer Umhüllung in ein mit Mörtel gefülltes Loch
im Baugrund eingebracht und dort verpresst wird. Die Umhüllung kann von einem Schlauch
der oben beschriebenen Art gebildet werden.
[0025] Ausführungsformen der Erfindung werden nachfolgend unter Bezugnahme auf die beigefügten
Zeichnungen erläutert.
Fig. 1 zeigt eine schematische Seitenansicht mit einem Bodenabschnitt in geschnittener
Darstellung, der das Stabilisierungsverfahren erläutert.
Fig. 2 zeigt die Seitenansicht eines textilen Materials zur Bildung eines erfindungsgemäßen
Schlauches in entspanntem Zustand.
Fig. 3 zeigt den Materialabschnitt aus Fig. 2 in gespanntem Zustand.
Fig. 4 zeigt die vergrößerte Einzelheit IV aus Fig. 2.
Fig. 5 zeigt die vergrößerte Einzelheit V aus Fig. 3.
Fig. 6 und 7 zeigen eine Draufsicht auf einen Schlauch aus dem in den Figuren 2 und
3 gezeigten Textilmaterial in entspanntem bzw. gespanntem Zustand.
Fig. 8 und 9 zeigen den Schlauch aus den Figuren 6 und 7 in dreidimensionaler Darstellung.
Die Figuren 10.1 bis 10.4 zeigen verschiedene Etappen eines alternativen Stabilisierungsverfahrens
unter Verwendung eines Tiefenrüttlers.
Fig. 11 zeigt schematisch einen Verpressanker in einem Loch.
Fig. 12 zeigt einen ummantelten Korb aus Eisenstäben zum Befüllen mit Beton.
[0026] In der Fig. 1 ist ein Bagger 1 zu erkennen, an dem ein Haltegerüst 2 mit einem Mäkler
3 angeordnet ist. Am Mäkler 3 ist ein Wagen 4 vertikal verschiebbar geführt. An dem
Wagen 4 befindet sich ein Rüttler, der ein Mantelrohr 5 in das nicht ausreichend tragfähige
Bodenmaterial einrüttelt. Ein zweites Mantelrohr 5 ist bereits in vollständig eingerütteltem
Zustand rechts von dem einzurüttelnden Mantelrohr 5 dargestellt.
[0027] Mit dem Mantelrohr 5 wird ein nachfolgend näher beschriebener Schlauch aus Geotextilmaterial
in das Erdreich eingebracht, welcher durch einen zweiten Bagger 6 mit hartem Material,
insbesondere Kiessand, Gestein oder dergleichen befüllt wird. In Fig. 1 sind zwei
mit hartem Material befüllte Mantelrohre 7 dargestellt. Die Mantelrohre 7 weisen am
unteren Ende eine aufklappbare Spitze auf, sodass sie wiederum von einem Bagger 8
gezogen werden können. In dem Boden verbleibt dann eine textilummantelte Säule aus
hartem Material 9.
[0028] Das Mantelrohr 5 wird beim Ziehen durch einen Rüttler mit Vibrationen beaufschlagt,
damit das eingefüllte Material verdichtet wird. Da der nachfolgend näher beschriebene
Schlauch 14 aus geotextilem Material elastisch ausgebildet ist, ist der Durchmesser
der Säule 9 nach dem Ziehen des Mantelrohrs 5 größer als der Durchmesser des Mantelrohrs
5 selbst.
[0030] Die Fig. 2 und 3 zeigen einen Ausschnitt eines geotextilen Materials zur Bildung
eines hier beschriebenen Schlauches. In der Fig. 2 ist das geotextile Material 10
in entspanntem Zustand dargestellt. Fig. 3 zeigt den in Fig. 2 erkennbaren Abschnitt
des geotexilen Materials 10 in gespanntem Zustand. Die Fig. 4 und 5 zeigen die Einzelheiten
IV bzw. V aus den Fig. 2 und 3 in vergrößerter Darstellung, die das geotextile Material
10 des Schlauchs in entspanntem und gespanntem Zustand zeigen.
[0031] Das geotextile Material 10 ist gewebt. Es weist hochfeste Kettfäden 11 auf. In Fig.
4 und Fig. 5 ist jeweils nur einer der Kettfäden mit einem Bezugszeichen versehen.
Die Kettfäden 11 verlaufen in regelmäßigen Abständen parallel zueinander und sind
in den Fig. 2 bis 5 vertikal von oben nach unten verlaufend dargestellt.
[0032] Mit den Kettfäden 11 sind in Querrichtung des Gewebes verlaufende Schussfäden 12,
13 verwebt. Die Schussfäden 12 und 13 werden unter Spannung mit den Kettfäden 11 verwebt.
Auf dem Webstuhl hat das fertiggestellte Geotextil die in der Fig. 5 erkennbare Struktur.
Die Schussfäden 12 haben einen geringeren Durchmesser und bestehen aus hochfestem
und wenig elastischem Material. Durch Verwendung hochzugfester und kriecharmer Polymere
für die hochfesten Schussfäden 12 und durch die Herstellung des Schlauches als nahtloses
Ringgewebe lassen sich Festigkeiten in Ringrichtung, das heißt in den Zeichnungen
in horizontaler Richtung, von 500 kN/m erzielen.
[0033] Gleichzeitig werden Schussfäden 13 mit reduzierter Festigkeit eingesetzt, die in
entspanntem Zustand kürzer sind als die hochfesten, wenig elastischen Querfäden 12.
Die quer zu den Kettfäden 11 verlaufenden Schussfäden 13 mit reduzierter Festigkeit
sind in der Regel hochelastisch und werden beim Weben des Textilschlauchs unter Spannung
in die Struktur des Schlauches eingebracht. Ihre Länge im gespannten Zustand ist nahezu
doppelt so groß wie im entspannten Zustand.
[0034] Wenn der fertiggestellte Gewebeschlauch 14 (siehe Figuren 6 und 7) von der Webmaschine
heruntergenommen wird, wirkt die Spannkraft in Querrichtung oder Schussrichtung (in
den Zeichnungen: horizontale Richtung) nicht mehr auf die elastischen Schussfäden
13. Hierdurch entspannen sich die quer verlaufenden Schussfäden 13 mit reduzierter
Festigkeit und ziehen den Schlauch 14 zusammen. Dabei bilden die unelastischen und
hochfesten Schussfäden 12 einen welligen Verlauf. Dieser ist in den Fig. 6 und 8 zu
erkennen. Der Durchmesser des Schlauchs 14 ist im entspannten Zustand etwa 30% kleiner
als im gespannten Zustand.
[0035] Bei der Herstellung der geotextilummantelten Säule 9 in nicht ausreichend tragfähigem
Boden hat die erhebliche elastische Dehnbarkeit des Schlauchmaterials zur Ummantelung
der Säulen mehrere positive Wirkungen. Das Mantelrohr 5 zum Einbringen des Schlauches
14 kann einen kleineren Durchmesser als bisher aufweisen. Mit anderen Worten ist der
Durchmesser des Mantelrohrs 5 erheblich viel kleiner als der Durchmesser der erzeugten
Säule. Hierdurch treten beim Einvibrieren des Mantelrohres 5 in den nicht ausreichend
tragfähigen Boden kleinere Kräfte auf.
[0036] Durch die hohe Elastizität des Schlauches 14 tritt ferner beim Einfüllen des harten
Schüttgutes (z.B. Kiessand oder Gestein) und beim Ziehen des Mantelrohrs 5 eine erhebliche
Erweiterung des Durchmessers der Säule gegenüber dem Durchmesser des Mantelrohrs 5
auf. Hierdurch wird während des Einbaus der Säule 9 ein radial nach außen auf das
umgebende Erdreich wirkender Druck erzeugt. Entsprechend übt das umgebende Erdreich
einen radialen Gegendruck auf die Säule aus hartem Material aus. Mit anderen Worten
stabilisiert der umgebende Boden das eingefüllte harte Material der Säule 9. Die Zugkraft,
die von dem eingefüllten Material auf den geotextilen Schlauch 14 übertragen wird,
ist folglich geringer. Dies führt zu höheren Lastreserven bei späteren Setzungserscheinungen
oder Belastungsspitzen des so bewährten Bodenabschnitts.
[0037] Beim Ziehen des Mantelrohrs ist darauf zu achten, dass gleichzeitig ein Verdichten
des in dem Mantelrohr befindlichen Füllmaterials stattfindet, sodass das Füllmaterial
in der Säule einen Druck aufbaut, der den Durchmesser der Säule vergrößert.
[0038] Die Vergrößerung des Durchmessers des textilen Schlauches 14 beim Befüllen ist besonders
gut in den Fig. 6 und 7 sowie 8 und 9 zu erkennen.
[0039] Das Herstellungsverfahren für das textile Material ist nicht auf ein Webverfahren
beschränkt. Beispielsweise können die Längsfäden und Querfäden auch einander kreuzend
übereinandergelegt und z.B. durch Raschelfäden miteinander verbunden werden.
[0040] Die Fig. 10.1 bis 10.4 zeigen ein dem Verbauverfahren aus der Fig. 1 ähnliches Verfahren.
Wiederum ist an einem Bagger 1 ein Haltegerüst 2 mit einem Mäkler 3 angeordnet. Der
Mäkler 3 trägt einen Tiefenrüttler 15, der gemeinsam mit einem Schotterrohr 16 in
den Boden eingerüttelt wird. Der Tiefenrüttler 15 und das Schotterrohr 16 sind dabei
mit einem Schlauch 14 der oben beschriebenen Art umhüllt. In Fig. 10.2 hat der Tiefenrüttler
15 die vorgegebene Tiefe innerhalb des Bodens erreicht. Durch das Schotterrohr 16
wird anschließend über einen Beschickungsbehälter Kies oder Schotter eingefüllt, während
der Tiefenrüttler 15 und das Schotterrohr 16 gezogen werden. Dabei dehnt sich der
elastische Schlauch 14 aus, wie in Fig. 10.3 ersichtlich. In Fig. 10.4 ist dieser
Vorgang fast abgeschlossen und die aus Kies oder Schotter bestehende Säule reicht
nahezu bis zur Oberfläche des Bodens. Die genaue Funktion des Tiefenrüttlers 15 geht
aus der Druckschrift "Baugrundverbesserung mit Tiefenrüttler" 11/2011 der Bauer Maschinen
GmbH, Schrobenhausen, hervor.
[0041] Die Fig. 11 zeigt einen weiteren Verwendungszweck des erfindungsgemäßen Schlauches
14. Dargestellt ist ein Verpressanker 17 gemäß der europäischen Patentanmeldung
EP 0 499 144 A1. Beim Einführen des Verpressankers 17 in ein Bohrloch 18 ist der Verpressanker 17
mit dem oben beschriebenen Schlauch 14 aus geotextilem Material umhüllt, um Beschädigungen
zu vermeiden oder zu reduzieren.
[0042] Eine weitere Verwendung des oben beschriebenen Schlauches 14 ist in der Fig. 12 zu
erkennen. Hier ist ein runder Korb 19 bestehend aus einem Eisengitter dargestellt,
der in Bohrungen eingeführt werden kann, welche durch Einfüllen von Beton ausgefüllt
und stabilisiert werden. Der Schlauch 14 aus geotextilem Material erstreckt sich in
der Darstellung der Fig. 12 aus Gründen der Klarheit nur über einen Teil der Höhe
des Eisengitterkorbes 19. In der Praxis kann sich der Schlauch 14 über die gesamte
Höhe des Eisengitterkorbes 19 erstrecken. Der Eisengitterkorb 19 wird in eine Bohrung
in dem Boden eingebracht, welche einen größeren Durchmesser hat, als der Eisengitterkorb
19. Beim Einfüllen von Beton dehnt sich der oben beschriebene Schlauch 14 durch Dehnen
seiner Querfäden mit geringer Festigkeit. Diese Anordnung ist insbesondere zur temporären
Ummantelung von Betonpfählen in Bohrungen in Karstböden mit unterirdischen Hohlräumen
vorgesehen. Der Schlauch 14 aus geotextilem Material verhindert weitgehend das Einfließen
des eingefüllten Betons in die Hohlräume. Der durch den Schlauch 14 zurückgehaltene
Beton bildet eine stabile Säule.
[0043] Die in der vorliegenden Beschreibung, in den Zeichnungen sowie in den Ansprüchen
offenbarten Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln als auch in beliebigen Kombinationen
für die Verwirklichung der Erfindung in ihren verschiedenen Ausführungsformen wesentlich
sein.
Bezugszeichenliste
[0044]
- 1
- Bagger
- 2
- Haltegerüst
- 3
- Mäkler
- 4
- Wagen
- 5
- Mantelrohr
- 6
- Bagger
- 7
- befülltes Mantelrohr
- 8
- Bagger
- 9
- textilummantelte Säule
- 10
- geotextiles Material
- 11
- Kettfaden, Längsfaden
- 12
- hochfester, wenig elastischer Querfaden oder Schussfaden
- 13
- Querfaden oder Schussfaden mit reduzierter Festigkeit
- 14
- Schlauch
- 15
- Tiefenrüttler
- 16
- Schotterrohr
- 17
- Verpressanker
- 18
- Bohrloch
- 19
- Eisengitterkorb
1. Schlauch aus geotextilem Material (10) mit Längsfäden (11), die sich im Wesentlichen
in axialer Richtung des Schlauches erstrecken, und Querfäden (12), die sich im Wesentlichen
in Umfangsrichtung des Schlauches erstrecken, wobei die Längsfäden (11) und Querfäden
(12) von hochfesten, wenig elastischen Fäden gebildet werden, dadurch gekennzeichnet, dass er zusätzliche Querfäden (13) mit reduzierter Festigkeit aufweist, die in entspanntem
Zustand kürzer sind als die hochfesten, wenig elastischen Querfäden (12).
2. Schlauch nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Querfäden (13) mit reduzierter Festigkeit hochelastische Fäden sind, die unter
Spannung in die Struktur des Schlauches eingebracht werden.
3. Schlauch nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die hochelastischen Querfäden (13) mit reduzierter Festigkeit um mindestens 50% ihrer
Länge dehnbar sind.
4. Schlauch nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass er aus rundgewebtem geotextilem Material besteht und die Querfäden (12,13) Schussfäden
sind.
5. Schlauch nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil an Querfäden (13) mit reduzierter Festigkeit an der Gesamtzahl der Querfäden
40% oder weniger, vorzugsweise 25% beträgt.
6. Schlauch nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Querfäden (13) mit reduzierter Festigkeit in regelmäßigen Abständen zwischen
die hochfesten Querfäden (12) eingefügt sind.
7. Verfahren zum Einbringen von Füllmaterial in ein Loch im Untergrund, bei dem das Füllmaterial
in eine zugfeste vorgefertigte schlauchförmige Hülle aus Geotextilmaterial (10) mit
hochfesten und wenig elastischen Längsfäden (11) und Querfäden (12) eingefüllt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass als Hülle ein Schlauch nach einem der vorangehenden Ansprüche verwendet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
gekennzeichnet durch folgnde Schritte:
d) an diskreten Stellen wird ein mit der Hülle umhülltes Mantelrohr (5) in den Untergrund
eingebracht;
e) tragfähiges Bodenmaterial, insbesondere besonders hartes Material wie Kiessand,
Gestein oder dergleichen, wird durch das Mantelrohr in die Hülle gefüllt,
f) das tragfähige Material wird durch Vibration des Mantelrohres (5) beim Ziehen des Mantelrohres (5) verdichtet.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass zunächst Bodenmaterial durch Herstellen eines Lochs entfernt wird und anschließend
das Mantelrohr (5) mit dem Schlauch in das Loch eingebracht wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass beim Einfüllen des Füllmaterials die wenig elastischen Querfäden (12) der schlauchförmigen
Hülle so weit gespannt werden, dass einerseits die erforderliche Spannung erreicht
wird, andererseits ausreichende Zugkraftreserven vorhanden sind und damit die dauerhafte
Tragwirkung gewährleistet wird.
11. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die schlauchförmige Hülle mit einem Werkzeug zur Herstellung des Lochs abgesenkt
wird.
12. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Schlauch (14) einen aus Bewehrungseisen gebildeten Korb (19) umhüllt, der mit
Füllmaterial umschüttet wird.
13. Verfahren zum Einbringen eines Verpressankers (17) in ein Loch (18) im Baugrund, dadurch gekennzeichnet, dass der Verpressanker (17) mit einem Schlauch (14) gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6
ummantelt wird.