[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zum betriebsspannungsunabhängigen Erzeugen
eines sicheren, niederohmigen elektrischen Kurzschlusses, umfassend zwei elektrische,
insbesondere plattenförmige Anschlussteile, welche ein unterschiedliches Potential
führen, wobei zwischen den Anschlussteilen eine Isolationsstrecke ausgebildet ist
und der gewünschte Kurzschluss über eine, mindestens teilweise, Durchdringung oder
ein Zerstören der Isolationsstrecke realisiert ist, gemäß dem Oberbegriffes des Anspruches
1. Eine derartige Einrichtung ist besispielsweise aus der Druckschrift
FR 2 884 602 A1 bekannt. Die Realisierung eines gezielten elektrischen Kurzschlusses ist bei unterschiedlichsten
elektrischen Einrichtungen zur Gewährleistung eines sicheren Schaltzustands eine verbreitete
Methode.
[0002] Anwendung findet diese Methode u.a. bei der Überlastung von elektrischen Bauteilen
zur Vermeidung von Überhitzungen oder Bränden, bei der Realisierung definierter Impedanzverhältnisse
zur Vermeidung von gefährlichen Spannungen oder zur Gewährleistung definierter Abschaltbedingungen,
beispielsweise durch Überstromschutzeinrichtungen oder auch zur Löschung von fehlerhaft
entstehenden Lichtbögen.
[0003] Die Maßnahme "Kurzschluss" ist jedoch ein Mittel, das im Allgemeinen erst dann eingeleitet
wird, wenn eine übliche und normale Funktion von elektrischen Geräten infolge einer
Überlastung oder Alterung nicht mehr gegeben ist. Die Möglichkeiten und der Aufwand
zur Realisierung einer solchen zusätzlichen Maßnahme außerhalb von Grundfunktionen
der elektrischen Einrichtungen sind an sich begrenzt. Häufig soll ein gezielter Kurzschluss
auch dann erreichbar sein, wenn keine oder nur eine undefinierte Netzenergie mehr
verfügbar ist. Die Anforderungen bezüglich der Sicherheit und der Wirksamkeit der
Maßnahme eines gezielten Kurzschlusses sind mithin sehr hoch.
[0004] Die Realisierung eines Kurzschlusses zur Herstellung eines sicheren Zustands (Fail-safe)
ist ein bekanntes und übliches Verfahren zur Vermeidung größerer Schäden, z.B. bei
Überlastgefahr von Bauteilen.
[0005] Die Methoden des Standes der Technik zur Realisierung eines Kurzschlusses sind recht
unterschiedlich, wie auch die damit bezweckte jeweilige Schutzfunktion.
[0006] Vielfach werden mechanisch betätigte Schalteinrichtungen zur Realisierung eines niederohmigen
und dauerstromtragfähigen Kurzschlusses eingesetzt. Diese Schalteinrichtungen benötigen
jedoch insbesondere bei dem Wunsch der gezielten Ansteuerung im Allgemeinen eine Hilfsenergie
zur Betätigung und sind konstruktiv sehr aufwendig ausgeführt.
[0007] Der Platzbedarf derartiger Einrichtungen ist neben der Spannungsfestigkeit und der
Stromtragfähigkeit häufig auch von der Art der Betätigung abhängig. Bei hoher Stromtragfähigkeit
ist in vielen Fällen die zu bewegende Masse recht hoch, wodurch die Schließzeit und
der Aufwand zur Betätigung steigen.
[0008] Um diese Betätigungszeiten zu reduzieren, wird häufig weiterer Aufwand für eine beschleunigte
Bewegung bis hin zu Antrieben auf der Basis von Sprengkapseln getrieben.
[0009] Die konzeptionellen und physikalischen Nachteile können trotz vielfältiger Lösungen
im Stand der Technik nicht vollständig beseitigt werden.
[0010] Bei einer passiven Auslösung wird in vielen Fällen, insbesondere bei überlastgefährdeten
Bauteilen, die Erwärmung zur Auslösung des Kurzschlusses genutzt. Üblich sind hier
z.B. federvorgespannte bewegliche Kontakte, welche mittels der Erwärmung von Lot oder
Wachs freigegeben werden.
[0011] Alternativ zu rein mechanischen Antrieben ist auch die Ansteuerung von Halbleitern
bzw. von hybriden Kurzschließern, welche aus Halbleitern und mechanischen Kurzschließern
bestehen, bekannt.
[0012] Durch die Nutzung von Halbleitern kann die Zeit bis zum Erreichen des Kurzschlusszustands
deutlich reduziert werden. Kostengünstige Halbleiter besitzen jedoch in vielen Fällen
keine ausreichende Stromtragfähigkeit. Der realisierte Kurzschluss ist zudem nicht
niederohmig und es ist der Aufwand zur Ansteuerung sowie zum Schutz der Halbleiter
sowie deren EMV-sichere Nutzung in vielen Anwendungsfällen hoch.
[0013] Weiterhin wird der Einsatz durch physikalische Grenzen, z.B. Spannungsfestigkeit,
Spannungs- und Stromsteilheit und Weiterem erschwert. Neben diesen Lösungen ist auch
die Nutzung von Plasmaschaltern oder zündbaren Funkenstrecken zur Realisierung von
Kurzschlüssen vorbekannt.
[0014] Solche Lösungen besitzen den Vorteil einer hohen Zündgeschwindigkeit und einer hohen
Impulsstromtragfähigkeit sowie einer relativ gut einstellbaren Spannungsfestigkeit.
Nachteilig ist jedoch, dass kein galvanischer Kurzschluss realisiert werden kann und
die Dauerstromtragfähigkeit aufgrund des Abbrandes begrenzt ist. Der Aufwand zur raschen
Zündung derartiger Lösungen ist zudem sehr hoch und erfordert im Allgemeinen eine
Hilfsenergie als Energiespeicher. Da das Prinzip dieser bekannten Lösungen zudem auf
der Nutzung eines Schaltlichtbogens beruht, ist der Kurzschluss nur begrenzt zum Schutz
bei sehr niederohmigen Fehlern geeignet.
[0015] Aus dem Bereich des Überspannungsschutzes sind weiterhin Schutzeinrichtungen bekannt,
bei denen z.B. sich bei Erwärmung ausdehnende Materialien genutzt werden, um eine
Bewegung von Kontakten zu bewirken. Auch die gezielte Ansteuerung solcher Materialien,
beispielsweise mit einem zusätzlichen Heizelement, ist bekannt.
[0016] Aus dem Vorgenannten ist es daher Aufgabe der Erfindung, eine weiterentwickelte Einrichtung
zum betriebsspannungsunabhängigen Erzeugen eines sicheren, niederohmigen elektrischen
Kurzschlusses anzugeben, welche platzsparend, kostengünstig und unabhängig von der
Betriebsspannung den gewünschten Kurzschluss realisiert.
[0017] Der Kurzschluss soll dabei einerseits aktiv, also mit Hilfe einer externen oder internen
Ansteuerung gezielt herbeigeführt werden können und andererseits aber auch unabhängig
davon beim Erreichen mindestens einer definierten Bedingung sich passiv ergeben. Die
aktive Ansteuerung soll durch möglichst verschiedene einzelne Kriterien, aber auch
durch Oder-Verknüpfungen dieser Kriterien realisierbar sein. Weiterhin soll die zu
schaffende Kurzschlussvorrichtung ohne aufwendigen mechanischen Antrieb auskommen
und sehr schnell reagieren, so dass Reaktionszeiten ähnlich derjenigen von elektronischen
Schaltelementen gegeben sind. Der zu realisierende Kurzschluss soll auch eine selektive
Abschaltung von Überstromschutzorganen ermöglichen und für das Führen von Dauerströmen
geeignet sein. Demnach ist es gewünscht, dass die Einrichtung eine niederohmige galvanische
Verbindung, welche für Dauerströme geeignet ist, bereitstellt. Auch sollen die für
den Kurzschluss und die Ansteuerung benötigten Teile als anschlussfertige Ergänzungseinheit
ausführbar sein.
[0018] Die Lösung der Aufgabe der Erfindung erfolgt mit der Merkmalskombination nach Patentanspruch
1, wobei die Unteransprüche mindestens zweckmäßige Ausgestaltungen und Weiterbildungen
umfassen.
[0019] Der Grundgedanke der Erfindung besteht darin, zwischen zwei, z.B. plattenförmigen
Teilen, die ein unterschiedliches elektrisches Potential führen, mindestens jeweils
eine Isolationsfolie und eine exotherme Masse, welche bevorzugt ebenfalls als Folie
ausführbar ist, anzuordnen.
[0020] Die Anschlussteile mit unterschiedlichem Potential besitzen einen Abstand von wenigen
10 µm bis zu wenigen 100 µm.
[0021] Die erwähnte exotherme Masse befindet sich bevorzugt erdnah bzw. auf Massepotential.
Die Masse kann nun durch einen Spannungsimpuls, einen Strompuls, durch mechanischen
Schlag oder Druck oder einen intensiven Lichtimpuls oder aber auch bei oder durch
elektrische Entladungs- und Umleitungsprozesse aktiviert werden.
[0022] Zusätzlich soll die exotherme Masse auch bei Erreichen einer definierten Temperatur
quasi passiv einer Aktivierung unterliegen.
[0023] Die Reaktion der exothermen Masse führt zum Schmelzen bzw. zu einer Deformation der
die Isolationsstrecke bildenden Isolationsfolie innerhalb einer sehr kurzen Zeit,
wodurch die Potentialtrennung aufgehoben wird und ein Kurzschluss zwischen den potentialbehafteten
Teilen herstellbar ist. Die Realisierung des Kurzschlusses kann durch zusätzliche
gestalterische Maßnahmen und in den Ausführungsbeispielen beschriebene Varianten unterstützt
werden.
[0024] Bei einer bevorzugten Ausführungsform sind demnach die Anschlussteile eng benachbart
unter Einschluss der Isolationsstrecke angeordnet. Die Isolationsstrecke kann, wie
bereits dargelegt, als Isolationsfolie, aber auch als folienartige Beschichtung ausgebildet
werden. In unmittelbarer Nähe der Isolationsstrecke befindet sich die erwähnte exotherme
Masse, welche bei Energiebeaufschlagung ihre exotherme Energie freigibt und zum Schmelzen
oder Zerstören bzw. Deformieren der Isolationsstrecke führt, so dass die Potentialtrennung
zwischen den Anschlussteilen aufgehoben ist und der gewünschte eindeutige Kurzschlussfall
eintritt.
[0025] Mindestens eines der Anschlussteile kann unter mechanischer Vorspannung stehen, so
dass bei Zerstörung oder Deformation der Isolationsstrecke die Anschlussteile über
eine dann eintretende mechanische Bewegung miteinander in Kontakt gelangen.
[0026] Bei einer Ausführungsform der exothermen Masse als Folie kann diese mit der Isolationsstrecke,
die wiederum auch durch eine Folie gebildet werden kann, eine Sandwichanordnung darstellen.
[0027] Die exotherme Masse ist derart ausgelegt und dimensioniert, dass innerhalb einer
Zeitdauer von ca. 1 bis 10 ms ausreichend Wärme freigegeben ist, um die Isolationsfolie
bzw. Isolationsschicht zu schmelzen oder maßgeblich zu deformieren.
[0028] Bei einer Ausführungsvariante der Erfindung ist die exotherme Masse in einem oder
in beiden der Anschlussteile integriert.
[0029] Weiterhin kann im Bereich der Ausbildung oder Anordnung der exothermen Masse das
Anordnen von leichtschmelzenden Metallen oder Metallschichten erfolgen.
[0030] Die Kurzschlusseinrichtung besteht demnach aus zwei z.B. plattenförmigen elektrisch
leitenden Teilen mit im Allgemeinen unterschiedlichem Potential, zwischen welchen
mindestens jeweils eine Isolationsfolie und eine exotherme Masse, welche bevorzugt
ebenfalls als Folie ausgebildet ist, gebracht wird. Die beiden elektrisch leitenden
Teile mit im Allgemeinen unterschiedlichem Potential können Anschluss- bzw. Verbindungselemente
des durch Kurzschluss zu schützenden Gerätes sein oder auch Bestandteil einer anschlussfertigen
Ergänzungseinheit "Kurzschließer".
[0031] Die elektrisch leitenden Teile besitzen einen Abstand von wenigen 10 µm bis zu wenigen
100 µm. Eines oder beide Teile, können unter einer mechanischen Vorspannung stehen,
welche im einfachsten Fall durch die Fügung der Teile und die Materialeigenschaften
erzeugt wird. Die Dicke und die Materialeigenschaften der elektrischen Isolationsfolie
bestimmen die maximale Nennspannung und die transiente Spannungsfestigkeit der Kurzschlusseinrichtung.
Neben den Durchschlagseigenschaften der Folie sind selbstverständlich auch die Überschlagseigenschaften
und die Einflüsse der entsprechenden Umgebungsbedingungen zu beachten. Der Betriebsspannungsbereich
kann jedoch leicht vom Bereich der Schutzkleinspannung bis über den Niederspannungsbereich
hinaus ohne funktionale Einschränkungen gewählt werden.
[0032] Die exotherme Masse entwickelt nach ihrer aktiven oder passiven Aktivierung unmittelbar
am Aktivierungsort innerhalb einer Zeitdauer kleiner 1 ms so viel Wärme, dass die
Isolationsfolie schmilzt. Bei der Verwendung der exothermen Masse in Folienform und
bei aktiver Zündung an nur einer Stelle der Masse setzt sich die exotherme Reaktion
innerhalb der Folie mit hoher Geschwindigkeit fort, so dass auch bei großen benötigten
Kontaktflächen im Allgemeinen eine Aktivierungsstelle ausreichend ist. Durch die rasche
Freisetzung der Wärme ist der Einfluss der Wärmekapazität und Wärmeleitung der elektrisch
leitenden Anschlussteile (Kurzschlusskontakte) nahezu vernachlässigbar.
[0033] Der Energieeintrag kann als nahezu adiabatisch betrachtet und die Energiemenge der
exothermen Masse muss nur zum Schmelzen der Folie bemessen werden. Dies erlaubt eine
sehr einfache Integration der Vorrichtung in zahlreiche bestehende zu schützende Geräte,
da der Platzbedarf im üblichen Toleranzbereich der Einzelteile von technischen Geräten
besteht.
[0034] Die exotherme Masse befindet sich bevorzugt erdnah bzw. auf Massepotential. Die Masse
oder Folie kann auch in einem elektrisch leitenden Anschlussteil integriert werden,
so dass nur die Isolationsfolie den Abstand der leitenden Teile bestimmt. Bei der
Ausbildung der exothermen Masse als Folie kann die Folie auch selbst elektrisch leitend
und ähnlich dünn wie die Isolationsfolie gestaltet sein, so dass auch der Aufwand
zur Einbringung der exothermen Masse vernachlässigbar ist. Die Isolationsfolie und
die exotherme Folie kann auch als Verbundmaterial in Sandwichform bei geeigneter Gestaltungsform
der elektrisch leitenden Teile gestaltet werden. Die Isolationsfolie kann auch beidseitig
von einer exotherm reagierenden Masse (Folie) umgeben sein. Dies intensiviert den
Schmelzprozess der Isolationsfolie.
[0035] Sollen großflächige elektrische Verbindungen, beispielsweise für höhere Dauerströme
realisiert werden, ist es sinnvoll für das Material der geschmolzenen Isolationsfolie
einen oder mehrere Bereiche zu schaffen, in welche die Schmelzrückstände gedrängt
werden können, um den Kurzschluss möglichst niederohmig zu gestalten. Die Hohlräume
bzw. Kanäle können in die elektrisch leitenden Anschlussplatten integriert werden.
Bei einer elektrisch leitenden exothermen Masse kann auch diese zur Aufnahme oder
gezielten Verdrängung der Schmelze gestaltet sein.
[0036] Der gezielte Einfluss auf die Schmelzmasse des Isolationsmaterials ist auch bei geringen
Betriebs- bzw. Restspannungen im Fehlerzustand, z.B. bei Lichtbögen sinnvoll, damit
auch bei den geringen Folienstärken keine minimale Luft- bzw. Gleitstrecke trotz geschmolzener
Folie vorhanden bleibt. Der reine Verdrängungseffekt der Schmelze der Isolationsfolie
wird durch die Reaktionswärme, den ersten Stromfluss, gegebenenfalls bei minimaler
Entladungsbildung, und durch eine minimale Vorspannung der Anschlussteile unterstützt.
Zusätzlich können im Reaktionsbereich auch leicht schmelzende Metalle (geringe Wärmeleitung,
geringe Wärmekapazität, geringe Schmelztemperatur) beispielsweise als Beschichtung
der Folien, der exothermen Folie oder der Anschlussteile eingesetzt werden. Die dabei
entstehende Metallschmelze brückt die minimalen Spalte nach dem Schmelzen der Isolationsfolie.
[0037] Bei vielen Anwendungen ist es jedoch ausreichend, nur die Isolationsfolie und die
exotherme Masse als Folie nur zwischen die elektrisch leitenden Anschlussteile zu
stapeln. Selbst bei unzureichender Verdrängung der Schmelze der Reaktionsfolie tritt
bei minimalen Spannungsdifferenzen nach der Reaktion der Folie ein Überschlag der
Foliereste ein. Eine Unstetigkeitsstelle, welche diesen Gleitüberschlag bei minimaler
Spannung fördert, ist beispielsweise der Überlappungsbereich zwischen Isolationsfolie
und exothermer Folie/n, welcher insbesondere bei einfachen Stapelanordnungen ohnehin
zur Gewährleistung einer ausreichenden Spannungsfestigkeit der Gleitstrecke des zu
schützenden Gerätes im Normalbetrieb erforderlich ist.
[0038] Neben dem bevorzugten Schmelzen einer definierten Isolationsschicht kann die exotherme
Reaktion aber auch zur Beschleunigung von thermischen Prozessen zum Schmelzen bzw.
zur Bewegung von Teilen genutzt werden.
[0039] Die vorgestellte Anordnung erlaubt die bi-funktionale Nutzung der exothermen Reaktion
zur bevorzugten Realisierung eines Kurzschlusses. Die Reaktion kann einerseits gezielt
und unabhängig von den Umgebungsbedingungen der Folie oder des Gerätes, beispielsweise
durch eine Fernbetätigung ausgelöst werden. Andererseits können Einfluss- bzw. Bezugsgrößen
der unmittelbaren Umgebung der Folie bzw. Signalgrößen des Gerätes direkt oder indirekt
genutzt werden. Die Anwendungsmöglichkeiten sind daher nahezu unbegrenzt.
[0040] Die rein passive Reaktion der Folie bei Erreichen einer Grenztemperatur kann beispielsweise
bei Bauteilen oder Geräten genutzt werden, bei denen höhere Temperaturen zu einer
Überlastung oder einer Brandgefahr führen. Diese Funktion besitzt in vielen Anwendungen
gleichzeitig eine redundante Wirkung, bei welchen eine aktive Aktivierung fehlschlägt.
Zur passiven thermischen Aktivierung kann die Folie in direkten thermischen Kontakt
mit dem überlastgefährdeten Bauteil, oder die Wärme über eine thermische Kopplung
eingebracht werden. Die passive thermische Reaktion der Folie kann auch über ein zusätzliches
Heizelement genutzt werden. Aufgrund der sehr geringen Wärmekapazität und geringen
Wärmeleitung kann die exotherme Reaktion auch nur mit einer nahezu punktuellen Energieeinkopplung
und mit einer geringen Leistung erreicht werden. Die benötigte Leistung entspricht
hierbei nur einem Bruchteil von thermisch sensiblen Schmelzmassen, wie Lote, Wachse
etc.
[0041] Neben der bereits beschriebenen reinen Reaktion der Folie bei einer definierten Temperatur
bestehen zusätzlich zahlreiche Möglichkeiten zur aktiven Aktivierung. Die Masse kann
beispielsweise durch einen Spannungsimpuls, einen Stromfluss, durch mechanischen Schlag,
einen intensiven Lichtimpuls oder auch elektrische Entladungs- bzw. Umladungsprozesse
aktiviert werden.
[0042] Die benötigte Aktivierungsenergie ist dabei jeweils äußerst gering. Dies erlaubt
zahlreiche Möglichkeiten zur gezielten internen Aktivierung der Masse in Abhängigkeit
von spezifischen Funktionen der zu schützenden Geräte bzw. auch zur externen Aktivierung.
Ein Spannungsimpuls kann im einfachsten Fall durch eine definierte Überschlagsstrecke
oder auch mittels diskreten Bauteilen, welche auf Überspannungen reagieren, generiert
werden. Ein Stromfluss kann durch die gezielte elektronische oder mechanische Zuschaltung
beispielsweise der Versorgungsspannung des Gerätes oder einer zur Verfügung stehenden
Hilfsspannungsquelle generiert in der exothermen Masse erzeugt werden. Hierzu ist
die Umladung einer Kapazität, eine Batterie oder Ähnliches ebenfalls ausreichend.
[0043] Neben der Nutzung von Strom und Spannung bzw. auch der damit verbundenen Funkenbildung
kann auch beispielsweise ein Laserimpuls oder auch ein starker mechanischer Impuls
beispielsweise direkt durch einen Schlagbolzen oder auch durch starke Erschütterung
genutzt werden. Diese Möglichkeiten erlauben daher den Einsatz eines einfachen mechanischen
oder auch elektronischen Schließers z.B. durch Beaufschlagung der Masse mit einem
Stromfluss bzw. einer Ladung, welcher fernbetätigt sein kann. Neben der Fernbetätigung
können auch Hilfsgrößen genutzt werden. Bauteile, wie Thermoschalter, NTC, PTC, GDT'
s, Varistoren, Hallsensoren, Piezoelemente etc., welche auf interne Belastungsgrößen
definiert reagieren können, intern angeschlossen werden oder auch bewusst von außen
zugeschaltet werden. Ebenfalls zur Zündung der Masse ist die thermische Überlastung
von Strombrücken z.B. Schmelzleitern geeignet, welche sowohl zur thermischen Aufheizung
bzw. zur Funkenbildung genutzt werden können.
[0044] Bei Geräten oder Bauteilen, welche keine (oder keine rechtzeitige) Auslösung eines
Aktivierungssignals z.B. bei sehr schneller Überlastung erlauben, kann die Zündung
der Masse auch durch die Zerstörung der Bauteile selbst erfolgen und das Gerät durch
die Realisierung eines definierten Kurzschlusses in einen sicheren Zustand verbracht
werden. Bei dem Überschlag bzw. der Zerstörung von elektrischen bzw. elektronischen
Bauteilen entstehen im Allgemeinen Funken, Lichtbögen oder heiße ionisierte Gase.
Die Begleiterscheinungen könnten für eine Aktivierung der Masse unmittelbar genutzt
werden.
[0045] Neben den bisher beschriebenen Maßnahmen, welche insbesondere auf das Schmelzen einer
Isolationsfolie durch die Reaktion der Masse hinzielen, kann ein weiterer Effekt zur
Realisierung eines Kurzschlusses genutzt werden. Bei der Gestaltung der Masse als
elektrisch leitfähige Folie führt die exotherme Kettenreaktion innerhalb der Folie
zu schlagartigen Verformungen. Durch diesen Effekt wird die Folie in zur Verfügung
stehende Hohlräume hineingedrückt, ähnlich einem Tiefziehprozess. Die dabei auftretende
Verformung und Kraftentwicklung kann zur gezielten direkten oder indirekten Überbrückung
von Isolationsdistanzen genutzt werden, wodurch bereits vor dem vollständigen Schmelzen
einer Isolationsfolie ein Kurzschluss realisiert werden kann. Die Realisierung des
Kurzschlusses kann daher durch entsprechende zusätzliche gestalterische Maßnahmen
und Ausgestaltungsvarianten der Kontakte unterstützt werden. Aufgrund der zahlreichen
Anwendungs- und Ausführungsmöglichkeiten können die dargestellten Varianten nur einen
groben und nicht einschränkenden Überblick geben. Die Darstellungen beschränken sich
aus Übersichtlichkeit zudem auf die Ausführung der exothermen Masse als Folie.
[0046] Die Erfindung soll nachstehend anhand von Ausführungsbeispielen, die den Erfindungsgedanken
nicht einschränkend interpretieren, näher erläutert werden.
[0047] Die Figuren zeigen hierbei:
- Fig. 1
- eine prinzipielle Grundanordnung zur Realisierung eines Kurzschlusses mit exothermer
Masse;
- Fig. 2
- eine Anordnung, bei der die Isolationsfolie zwischen zwei Folien aus exothermer Masse
befindlich ist;
- Fig. 3
- eine Anordnung, bei welcher die Anschlussteile bzw. die Folie zusätzlich mit einer
elektrisch leitenden Masse mit niedriger Schmelztemperatur beschichtet ist;
- Fig. 4
- die Anordnung von Hohlräumen oder Kanälen in einem Anschlussteil;
- Fig. 5
- eine Darstellung ähnlich derjenigen nach Fig. 4, jedoch mit einem größeren Hohlraum,
in dem ergänzend ein Dorn angebracht ist;
- Fig. 6
- eine Anordnung, bei welcher die Isolationsfolie eine Ausnehmung im Bereich eines Hohlraums
besitzt,
- Fig. 7
- eine Anordnung ähnlich derjenigen nach Fig. 6, jedoch nach erfolgter exothermer Reaktion
und Verformung;
- Fig. 8
- eine grundsätzliche Anordnungsvariante, bei der die Aktivierungsteile relativ zentral
an der Folie befindlich sind, um bei relativ großen Flächen zu gewährleisten, dass
durch die interne Reaktionsgeschwindigkeit innerhalb der Folie an den Randbereichen
die notwendige Schmelzwärme für die Folie nahezu zeitgleich zur Verfügung steht;
- Fig. 9
- eine Anordnung ähnlich derjenigen nach Fig. 8, wobei ein zusätzliches Element z.B.
als Impedanz, Funkenstrecke oder Schmelzdraht vorhanden ist;
- Fig. 10 und 11
- Anordnungen mit einem Gehäuse, welches für eine nachträgliche Anbringung des Kurzschließers
an das zu schützende Gerät oder Bauteil geeignet sind, und
- Fig. 12 und 13
- einen beispielhaften Einsatz der Kurzschließeranordnung mit einem zu schützenden Bauteil
in einem gemeinsamen Gehäuse.
[0048] In Fig. 1 wird eine prinzipielle Grundanordnung zur Realisierung eines Kurzschlusses
dargestellt. Die plattenförmigen Anschlussteile 1 und 2 können vorhandene elektrisch
leitfähige Teile des zu schützenden Gerätes oder auch zusätzliche Teile, welche in
das Gerät eingefügt werden sein. Die wesentlichen Komponenten stellen die exotherme
Masse z.B. in Folienform 3 und die Isolationsfolie 4 dar. Beide Teile besitzen jeweils
eine Stärke von nur einigen 10 µm. Das als Federelement 5 dargestellte Teil ist nicht
zwingend erforderlich. Aufgrund der geringen Distanzen reicht im Allgemeinen eine
Klemmverbindung der Teile oder bereits die Eigenelastizität der Teile aus. Bei der
Integration der exothermen Masse 3 in das Anschlussteil 1 beispielsweise in eine muldenförmige
Ausnehmung kann die Distanz zwischen den Anschlussteilen 1 und 2 auf die Dicke der
Isolationsfolie 4 reduziert werden. Die Isolationsfolie 4 und die Anschlussteile 2
sind so gestaltet, dass die elektrische Spannungsfestigkeit zwischen den Anschlussteilen
1 und 2 der elektrischen Durchschlagsspannung der Isolationsfolie entspricht. In Fig.
1 wird die beispielsweise ausschließlich durch die entsprechende Bemessung des Überstandes
der Isolationsfolie, also einer entsprechenden Bemessung der Gleitstrecke der Folie
4 von Teile 1 zu Teil 2 realisiert. Alternativ hierzu können selbstverständlich alle
üblichen Maßnahmen zur Erhöhung der Spannungsfestigkeit zwischen den Teile 1 und 2
genutzt werden.
[0049] Die Fig. 1 beschränkt sich auf die passive Auslösung der exothermen Reaktion, im
Falle der Erwärmung der Folie 3 auf die Reaktionstemperatur. Diese Erwärmung könnte
beispielsweise durch Wärmleitung über das Anschlussteil 1 erfolgen. Bei Erreichen
der Reaktionstemperatur würde die Folie 3 innerhalb von einigen µs bis ms eine ausreichende
Energiemenge freisetzen, um die Isolationsfolie 4 im Kontaktbereich zu schmelzen.
Hierdurch wird die elektrische Isolationsfestigkeit der Folie zwischen den Teilen
1 und 2 aufgehoben und es kommt zum Kurzschluss zwischen den beiden Anschlussteilen.
Bei der Anordnung entsprechend Fig. 1 ist die exotherme Masse 3 sowohl vor der Reaktion,
als auch nach der Reaktion elektrisch leitfähig. Dies ist aufgrund der geringen Abmessungen
der Folie 3 jedoch nicht zwingend erforderlich. Im Allgemeinen ist bei einer Klemmverbindung
die Eigenspannung der Teile ausreichend, um eine niederohmige metallische Verbindung
der Teile 1 und 2 mit ausreichender Stromtragfähigkeit zu realisieren. Die Schmelzrückstände
der Folie 4 werden im Allgemeinen aus dem Kontaktbereich durch den anstehenden Druck
der Klemmverbindung verdrängt. Bei einer Integration der Masse 3 in das Anschlussteil
1 ist die Distanz zwischen den elektrisch leitenden Teilen 1 und 2 zudem unabhängig
von den Eigenschaften der Masse 3.
[0050] Fig. 2 zeigt eine Anordnung, bei welcher die Isolationsfolie 4 zwischen zwei Folien
aus exothermer Masse 3 angeordnet ist. Bei dieser Anordnung kann der Isolationsfolie
die benötigte Schmelzwärme von beiden Seiten zugeführt werden. Dies besitzt mehrere
Vorteile. Eine Folie 3 kann z. B. ausschließlich zur passiven Auslösung durch Erwärmung
genutzt werden und die andere Folie kann aktiv angesteuert werden. Ebenfalls können
beide Seiten bei Bedarf zur passiven Überwachung bei gleicher oder auch unterschiedlicher
Auslösetemperatur genutzt werden. Neben den Vorteilen der alternativen Auslösung ergibt
sich auch der Vorteil, dass stärkere Isolationsfolien zerstört werden können und dass
die Zerstörung der Isolationsschicht beschleunigt werden kann. Bei der Reaktion einer
Folie 3 entsteht eine so hohe Strahlungsintensität, dass die Folie auf der gegenüberliegenden
Seite der Isolationsfolie automatisch aktiviert wird, z.B. bei optisch durchlässigen
Isolationsfolien 4.
[0051] In Fig. 3 ist eine Anordnung dargestellt, bei welcher die Anschlussteile bzw. auch
die Folie 3 zusätzlich mit einer elektrisch leitenden Masse mit niedriger Schmelztemperatur
6 z.B. Niedertemperaturlot beschichtet ist. Das Lot kann auch als zusätzliche Folie
angefügt sein. Dieses zusätzliche Material kann mehrere Funktionen realisieren. Das
Material kann als definierte Wärmeübergangsbarriere zu den Anschlüssen dienen, um
die entstehende Reaktionswärme optimal auf die Isolationsfolie und das zusätzliche
Material zu leiten. Die entstehende Schmelze des niederschmelzenden Materials kann
zur raschen und großflächigen Brückung des Isolationsspalts genutzt werden. Die Schmelze
kann zudem zur dauerhaften Verlötung der Anschlüsse 1 und 2 dienen und damit neben
der elektrischen Funktion auch eine mechanische Funktion nach der Reaktion zur Realisierung
eines dauerhaften Kurzschlusses übernehmen.
[0052] Die Einarbeitung von Kanälen, Nuten oder Hohlräumen in einen oder beiden Anschlüssen
kann insbesondere bei größeren benötigten Kontaktflächen zwischen den Anschlüssen
zur Aufnahme von Schmelzrückständen der Isolationsfolie bzw. zu deren gezielten Verdrängung
aus dem Kontaktbereich dienen.
[0053] Fig. 4 zeigt in dem Anschluss 2 beispielsweise eine solche Anordnung von Hohlräumen/Kanälen
7. Hierbei muss jedoch beachtet, dass die reale Kontaktfläche ausreichend groß bleibt.
[0054] In Fig. 5 wird eine ähnliche Anordnung mit einem größeren Hohlraum 7 gezeigt. In
dem Hohlraum kann zudem ein Dorn 8 angebracht sein. Bei dem Einsetzen der exothermen
Reaktion verformt sich das Material 3 sehr stark, wodurch eine Art Tiefziehprozess
des Materials in den Hohlraum 7 bewirkt wird. Bei dünnen bzw. relativ elastischen
Folien 4 werden diese bereits vor dem Schmelzen in den Hohlraum gezogen und am Dorn
8 zerstört, so dass der Kurzschluss bereits vor dem vollständigen Schmelzen der Isolationsfolie
und auch vor der Verdrängung der Reste der Folie realisiert wird.
[0055] Fig. 6 zeigt eine ähnliche Anordnung, bei welcher die Isolationsfolie eine geeignete
Ausnehmung 9 im Bereich des Hohlraums besitzt, wodurch eine Bewegung der Isolationsfolie
4 durch die exotherme Folie 3 bei der Reaktion nicht notwendig ist. Der Kurzschluss
zwischen der elektrisch leitfähigen exothermen Masse 3 wird durch die Berührung des
Dorns 8 bzw. auch direkt des Anschlusses 2 nach der Verformung der Folie 3 realisiert.
[0056] Fig. 7 zeigt die Anordnung entsprechend Fig. 6 nach der exothermen Reaktion und der
Verformung des Teiles 3.
[0057] Die aktive Ansteuerung der exothermen Masse kann, wie bereits beschrieben, auf sehr
unterschiedliche Art und Weise erfolgen. Es können auch hier nur einige beispielhafte
und nicht einschränkende Ausführungen aufgezeigt werden.
[0058] Fig. 8 zeigt eine mögliche grundsätzliche Anordnung, wobei die Aktivierungsstelle
relativ zentral an der Folie 3 erfolgt. Damit ist insbesondere bei relativ großen
Flächen gewährleistet, dass durch die interne Reaktionsgeschwindigkeit innerhalb der
Folie an den beiden Randbereichen die notwendige Schmelzwärme für die Folie 4 nahezu
zeitgleich zur Verfügung steht. Prinzipiell kann jedoch die Folie 3 auch an einem
Randbereich oder auch an mehreren Stellen aktiviert werden. Die Aktivierung der Folie
3 erfolgt in der Anordnung über eine elektrisch leitende Anschlussleitung 11.
[0059] Diese Leitung kann an die Folie 3 angelötet, geklemmt oder auch nur aufgelegt sein.
Es kann auch eine minimale Distanz zwischen der Leitung 11 und dem Teil 3 bestehen.
Der Leitungsquerschnitt kann dabei sehr gering sein << 1mm
2. Die Anforderungen der elektrischen Isolation der Leitung 11 gegenüber dem Anschlussteil
1 ist vernachlässigbar, solange der Kontakt bzw. die Distanz zum Teil 3 gewährleistet
bzw. geringer ist. Das Bauteil 10 in der elektrischen Anschlussleitung 11 kann sich
innerhalb des zu schützenden Gerätes oder auch außerhalb befinden. Das Bauteil 10
selbst kann ein Sensor bzw. ein ansteuerbares Element sein, welches auf Anforderungen
innerhalb des zu schützenden Gerätes oder auch externe Bedingungen bzw. Signale reagiert.
Das Bauteil 10 kann ein elektrischer Schalter bzw. mechanischer Schalter sein. Durch
seine Betätigung wird ein Potential an die Folie 3 angelegt, welches sich von dem
der Folie 3 bzw. des Anschlusses 1 unterscheidet, wodurch ein Ladungsausgleich erfolgt.
Die Folie 3 wird dabei durch den Stromfluss bzw. die Entladung (Funkenbildung durch
Stromfluss bzw. Spannungsüberschlag) im Kontaktbereich Teil 3 und Teil 11 aktiviert.
Das Teil 10 kann ebenfalls als NTC, PTC, GDT, Varistor, Z-Diode, Thermoschalter, Piezoelemente
etc. ausgeführt sein. Durch die Wahl des Sensors können verschiedenste interne bzw.
externe Größen zur Aktivierung herangezogen werden. Durch den sehr geringen Energiebedarf
zum Aktivieren sind auch leitungslose Methoden (Sender-Empfänger) uneingeschränkt
nutzbar.
[0060] In Fig. 9 wird eine ähnliche Anordnung gezeigt. Das zusätzliche Element 12 kann beispielsweise
als eine Impedanz, Funkenstrecke oder auch als Schmelzdraht mit definiertem I
2 t-Wert ausgelegt sein. Dies erlaubt unabhängig von der zur Verfügung stehenden Ladungsmenge
eine definierte Generierung von Funken, welche sehr effektiv und sehr schnell die
Reaktion der Folie 3 bewirken. Die Geschwindigkeit zur Auslösung der Folie kann dabei
gegenüber der Aufheizung der Folie durch einen Stromfluss ohne Funkenbildung deutlich
erhöht werden.
[0061] Alternativ zu der Aktivierung entsprechend Fig. 8 und 9 können selbstverständlich
auch Laser oder Schlagbolzen z.B. analog zur Sicherung auf die Folie 3 einwirken und
diese gezielt auslösen.
[0062] Die Fig. 10 und Fig. 11 zeigen Anordnungen mit einem Gehäuse, welche für eine nachträgliche
Anbringung des Kurzschließers an ein zu schützendes Gerät / Bauteil geeignet sind.
In Fig. 10 wird die aus Fig. 1 bekannte Anordnung in ein Gehäuse 13 aus Metall eingebracht.
Das Anschlusselement 1 ist dabei unmittelbar mit dem Gehäuse verbunden. Das Gehäuse
13 kann jedoch auch selbst als Anschlusselement 1 genutzt werden. Der Anschluss 2
wird gegenüber dem Gehäuse 13 isoliert nach außen geführt. Zur Isolierung dient die
Durchführung 14 und zum äußeren Anschluss das Teil 15. Durch das Gehäuse 13 kann ein
weiterer Anschluss 23 geführt werden, welcher zur aktiven Aktivierung der Folie 13
mit einem äußeren Bauteil 10 genutzt werden kann. Die passive Aktivierung der Folie
3 erfolgt durch den Wärmeübergang vom Gehäuse bzw. Anschluss 1 auf die Folie 3.
[0063] Fig. 11 zeigt eine ähnliche Anordnung, jedoch ist das Gehäuse 13 aus Isolationsmaterial
und besitzt zwei Durchführungen für die äußeren Anschlüsse 15, 16 der Anschlusselemente
1 und 2. Die passive Erwärmung der Folie 3 kann über den Anschluss 16 erfolgen. Alternativ
kann das Gehäuse 13 auch ein nach außen geführtes Wärmeübergangselement 24 beinhalten.
Diese kann elektrisch isoliert oder auch elektrisch leitend mit dem Anschlusselement
1 verbunden sein.
[0064] Fig. 12 und Fig. 13 zeigen einen beispielhaften Einsatz der Kurzschließeranordnung
mit einem zu schützenden Bauteil in einem gemeinsamen Gehäuse. Das Gehäuse besitzt
jeweils drei Anschlüsse 17, 18, 20, welche bei einem Gehäuse aus Isolationsmaterial
22 alle separat nach außen geführt werden. Dies erlaubt eine separate äußere Verdrahtung
des Kurzschließers über die äußeren Anschlüsse. Prinzipiell kann der Kurzschließer
jedoch auch innerhalb des Gehäuses verdrahtet werden, wodurch der äußere Anschluss
20 entfallen würde. Als zu schützendes Bauelement wurde zur Erklärung der Funktion
ein Überspannungsableiter, insbesondere ein Varistor 19 ausgewählt. Es ist allgemein
bekannt, dass Varistoren bei der Gefahr einer Überlastung sich stark erwärmen oder
auch überschlagen können. In Fig. 12 ist ein Überschlag, welcher mit einer Funkenentladung
21 verbunden ist, angedeutet. Bei der Anordnung des Kurzschließers entsprechend Fig.
12 wird die Folie 3 direkt durch den Varistor erwärmt. Der Anschluss 1 des Kurzschließers
kann hierbei gleichzeitig das Anschlussblech 18 des Varistors sein. Bei dem Erreichen
der Reaktionstemperatur des Teiles 3 wird die Isolationsfolie 4 geschmolzen und ein
Kurzschluss zwischen den Anschlüssen 18 und 20 bewirkt. Wird der Varistor durch eine
Funkenentladung 21 gebrückt, werden ebenfalls die Anschlüsse 18 und 20 nach der Aktivierung
der Folie 3 durch den Funkenüberschlag niederohmig kurzgeschlossen, wodurch das Bersten
des Gehäuses 22 infolge eines offenen Lichtbogens verhindert werden kann. Die Isolationsfolie
4 kann zur Erhöhung der Überschlagsfestigkeit zwischen dem Anschluss 18 und dem Anschluss
2 bzw. 20 in dem Gehäuse 22 vergossen sein.
[0065] Fig. 13 zeigt eine ähnliche Anordnung wie Fig. 12, jedoch ist der Überstand der Isolationsfolie
4 zwischen dem Anschluss 1 bzw. der Folie 3 und dem Anschluss 2 als Gleitfunkenstrecke
ausgeprägt. Die Funkenstrecke kann so dimensioniert sein, dass bei einer entsprechenden
Verschaltung der Anschlüsse 17, 18, 20 ein undefinierter Überschlag des Varistors
zwischen den Anschlüssen 17 und 18 vermieden und die Folie 3 zur Realisierung eines
Kurzschlusses sofort gezündet wird. Die Gefährdung des Gehäuses 22 durch die Druckentstehung
bei einem undefinierten Überschlag kann durch diese Maßnahme weiter reduziert werden.
Alternativ zur Gleitentladung können selbstverständlich auch GDT' s oder andere spannungsschaltende
Elemente eingesetzt werden. Neben diesen Beispielen für eine bi-funktionale Auslösung
des Kurzschließers innerhalb eines Gerätes können selbstverständlich weitere interne
oder auch äußere Sensoren zur Aktivierung herangezogen werden. Neben reinen Oder-Verknüpfungen
können auch bereits mit diskreten Bauteilen auch Und-Verknüpfungen zur Aktivierung
des Kurzschließers realisiert werden (ohne Logik- bzw. SPS-Einheiten).
[0066] Die in der Beschreibung und im Ausführungsbeispiel verwendeten Begriffe einer aktiven
oder passiven Aktivierung der exothermen Masse sind auf die Art und Weise der Einbringung
einer entsprechenden Aktivierungsenergie bezogen. Als passiv sind hier Mechanismen
zu verstehen, welche sich bei der üblichen Nutzung des zu schützenden Gerätes ohne
gezieltes Zutun bei der Gefahr einer Überlastung oder durch die Überlastung selbst
ergeben. Dies kann bei einem Varistor beispielsweise die Erwärmung infolge einer Strombelastung
sein. Die exotherme Masse, z.B. ausgeführt als Reaktionsfolie, zündet dabei als Folge
des passiven Wärmeeintrags bei ihrer Zündtemperatur ohne zusätzliche Zündhilfe. Dabei
kann der Schutzmechanismus gegebenenfalls vor einer Schädigung des zu schützenden
Bauteils ausgelöst werden. Unter passiver Aktivierung soll aber auch die Auslösung
infolge der Funkenbildung bei einem äußeren Überschlag des Varistors zu verstehen
sein, wobei in diesem Fall bereits eine Schädigung des eigentlichen Bauteils vorliegt
und die Schutzmaßnahme nur zur Schadensbegrenzung dient, um z.B. ein Bersten eines
Gehäuse zu vermeiden.
[0067] Aktive Mechanismen sind solche, die unabhängig vom Zustand der Bauteile sind. Dies
können Strom, Spannung, Leistung des entsprechenden Bauteils sein, das es gilt entsprechend
zu schützen. Aktive Mechanismen sind aber auch derartige, die außerhalb des passiv
geschützten Bauteils für eine Auslösung nutzbar sind. Beispielsweise kann der erfindungsgemäße
Kurzschließer, welcher passiv zum Schutz eines Überspannungsschutzgeräts genutzt wird,
durch eine aktive Ansteuerung auch zur Löschung eines äußeren Störlichtbogens genutzt
werden, der über die passiven Auslösemechanismen, z.B. aufgrund der örtlichen Distanz
den Kurzschließer nicht betätigen würde.
[0068] Bei einer rein passiven Nutzung ist also keine aktive Ansteuerung, aber auch keine
separate Zündeinrichtung notwendig. Bei einer aktiven Zündung erfolgt die Aktivierung
immer über eine separate Zündeinrichtung.
[0069] Die bevorzugt einzusetzende Reaktionsfolie als exothermer Masse soll eine geringe
Dicke besitzen und eine schnelle, sich selbst fortpflanzende exotherme Reaktion ermöglichen.
Die Folie soll sowohl passiv als auch aktiv zu ihrer exothermen Reaktionsauslösung
geführt werden können, wobei eine Druckentwicklung zu vermeiden und primär eine Wärmeentwicklung
sicherzustellen ist.
[0070] Als Reaktionsfolie kann z.B. das Produkt Nanofoil (eingetragene Marke) verwendet
werden.
[0071] Als Isolationsfolie kann eine bekannte technische Isolationsfolie für elektrische
Verwendungszwecke Anwendung finden, die eine hohe Durchschlagsfestigkeit besitzt und
eine Dauergebrauchstemperatur aufweist, die der Anwendung des zu schützenden Gerätes
entspricht. Beispielsweise geeignet sind hier PE, PET, PS, PP, PSU, PA6 und PC-Folien
mit einer elektrischen Durchschlagsfestigkeit von > 30 KV/mm.
[0072] Die Reaktionsfolie als exotherme Masse und die elektrische Isolationsfolie können
sandwichartig aufgebaut werden, d.h. auch derart, dass beidseitig der Isolationsfolie
Reaktionsfolien befindlich sind.
Bezugszeichenliste:
[0073]
- 1
- erstes plattenförmiges Anschlussteil
- 2
- zweites plattenförmiges Anschlussteil
- 3
- exotherme Masse in Folienform
- 4
- Isolationsfolie
- 5
- elastische bzw. selbstfedernde Masse bzw. Feder mit minimalen Hubweg
- 6
- leicht schmelzendes elektrisch leitfähiges Material
- 7
- Hohlräume bzw. Kanäle
- 8
- Dorn
- 9
- Öffnung
- 10
- Sensor; Schaltelement
- 11
- elektrisch leitfähige Verbindung, Kontakt
- 12
- Impedanz, Funkenstrecke
- 13
- Metallisches Gehäuse
- 14
- elektrisch isolierende Durchführung
- 15
- Anschlusselement
- 16
- Anschlusselement
- 17
- Anschluss des Überspannungsschutzelementes
- 18
- Anschluss des Überspannungsschutzelementes
- 19
- Überspannungsschutzelement z.B. Varistor
- 20
- externer Anschluss des zweiten plattenförmigen Anschlussteiles 2
- 21
- Überschlagsweg
- 22
- Gehäuse des Überspannungsschutzelementes
- 23
- Anschluss zur Aktivierung der Folie 3
- 24
- Wärmeübergangselement
1. Einrichtung zum betriebsspannungsunabhängigen Erzeugen eines sicheren, niederohmigen
elektrischen Kurzschlusses, umfassend zwei elektrische, insbesondere plattenförmige
Anschlussteile (1; 2), welche ein unterschiedliches Potential führen, wobei zwischen
den Anschlussteilen (1; 2) eine Isolationsstrecke (4) ausgebildet ist und der gewünschte
Kurzschluss über eine, mindestens teilweise, Durchdringung oder ein Zerstören der
Isolationsstrecke (4) realisiert ist,
wobei die Anschlussteile (1 ;2) eng benachbart angeordnet sind, und die Isolationstrecke
(4) als Isolationsfolie oder folienartige Beschichtung ausgebildet ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Anschlussteile (1; 2) unter Einschluss der Isolationsstrecke (4) gestapelt angeordnet
sind und in unmittelbarer Nähe der Isolationsstrecke (4) eine exotherme Masse (3)
befindlich ist, welche bei Energiebeaufschlagung ihre exotherme Energie freisetzt
und zum Schmelzen oder Deformieren der Isolationsstrecke (4) führt, so dass die Potentialtrennung
zwischen den Anschlussteilen (1; 2) aufgehoben ist und der Kurzschlussfall eintritt,
wobei die exotherme Masse (3) als Folie ausgebildet ist, welche mit der Isolationsstrecke
(4) eine Sandwichanordnung bildet.
2. Einrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
mindestens eines der Anschlussteile (2) unter mechanischer Vorspannung steht, so dass
bei Zerstörung oder Deformation der Isolationsstrecke (4) die Anschlussteile (1; 2)
miteinander in mechanischen und elektrischen Kontakt gelangen.
3. Einrichtung nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Anschlussteile (1; 2) im kurzschlussfreien Zustand einen Abstand zueinander von
wenigen 10 µm bis zu wenigen 100 µm besitzen.
4. Einrichtung nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Aktivieren der exothermen Masse (3) mittels Spannungsimpuls, Lichtimpuls, Stromfluss,
mechanischem Schlag oder Druck, durch elektrische Umladungsprozesse, aber auch bei
Überschreiten einer Grenztemperatur erfolgt.
5. Einrichtung nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die exotherme Masse (3) derart ausgelegt und dimensioniert ist, dass innerhalb einer
Zeitdauer von ca. 1 ms bis 10 ms ausreichend Wärme freigegeben wird, um die Isolationsfolie
oder Isolationsschicht (4) zu schmelzen oder maßgeblich zu deformieren.
6. Einrichtung nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die exotherme Masse (3) in einem oder in beiden der Anschlussteile (1; 2) integriert
oder dort aufgebracht ist.
7. Einrichtung nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
im Bereich der Ausbildung oder Anordnung der exothermen Masse (3) leichtschmelzende
Metalle oder Metallschichten befindlich sind.
1. A device for generating a reliable low-impedance electric short-circuit independently
of the operating voltage, comprising two electric connection parts (1; 2) which are
plate-shaped in particular and which carry a different potential, wherein an insulating
section (4) is formed between the connection parts (1; 2), and the desired short-circuit
is implemented by at least partly penetrating or destroying the insulating section
(4), wherein the connection parts (1; 2) are arranged closely adjacent to each other,
and the insulating section (4) is formed as an insulating foil or a foil-like coating,
characterized in that the connection parts (1; 2) are arranged in a stacked manner under inclusion of the
insulating section (4), and an exothermic mass (3) is located in the direct vicinity
of the insulating section (4), said mass releasing its exothermic energy when energy
is applied and thus producing the melting or deformation of the insulating section
(4), such that the galvanic isolation between the connection parts (1; 2) is removed
and the short-circuit event occurs, wherein the exothermic mass (3) is formed as a
foil which forms a sandwich assembly with the insulating section (4).
2. A device according to claim 1, characterized in that at least one of the connection parts (2) is under mechanical pretension, such that
upon destruction or deformation of the insulating section (4) the connection parts
(1; 2) come into mechanical and electrical contact with each other.
3. A device according to one of the preceding claims, characterized in that the connection parts (1; 2), in the short-circuit-free state, have a distance from
each other of a few 10 µm up to a few 100 µm.
4. A device according to one of the preceding claims, characterized in that the activation of the exothermic mass (3) occurs by means of voltage pulses, light
pulses, current flow, mechanical impact or pressure, by electrical charge reversal
processes, and also upon exceeding a limit temperature.
5. A device according to one of the preceding claims, characterized in that the exothermic mass (3) is formed and dimensioned in such a way that within a duration
of approximately 1 ms to 10 ms sufficient heat is released in order to melt or relevantly
deform the insulation foil or insulation layer (4).
6. A device according to one of the preceding claims, characterized in that the exothermic mass (3) is integrated in one or both of the connection parts (1;
2) or is applied there.
7. A device according to one of the preceding claims, characterized in that easily fusible metals or metal layers are disposed in the region of the formation
or arrangement of the exothermic mass (3).
1. Dispositif pour produire un court-circuit électrique sûr à faible résistance, indépendamment
de la tension de fonctionnement, comportant deux parties de connexion électriques
(1 ; 2) en particulier en forme de plaques, qui ont des potentiels différents, dans
lequel une section d'isolation (4) est réalisée entre les parties de connexion (1
; 2) et le court-circuit désiré est réalisé par une perforation au moins partielle
ou par une destruction de la section d'isolation (4),
dans lequel les parties de connexion (1 ; 2) sont agencées étroitement au voisinage
l'une de l'autre et la section d'isolation (4) est réalisée sous forme de feuille
d'isolation ou de revêtement en forme de feuille,
caractérisé en ce que
les parties de connexion (1 ; 2) sont agencées en étant empilées avec inclusion de
la section d'isolation (4) et une masse exotherme (3) se trouve à proximité directe
de la section d'isolation (4) et dégage son énergie exothermique lors de l'application
d'une énergie et provoque la fusion ou la déformation de la section d'isolation (4),
de telle sorte que la séparation de potentiel entre les parties de connexion (1 ;
2) est annulée et qu'il se produit le cas de court-circuit, la masse exothermique
(3) étant réalisée sous forme de feuille qui forme un agencement en sandwich avec
la section d'isolation (4).
2. Dispositif selon la revendication 1,
caractérisé en ce que
l'une au moins des parties de connexion (2) est sous précontrainte mécanique, de sorte
que lors d'une destruction ou d'une déformation de la section d'isolation (4), les
parties de connexion (1 ; 2) viennent en contact mécanique et électrique l'une avec
l'autre.
3. Dispositif selon l'une des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
dans l'état exempt de court-circuit, les parties de connexion (1 ; 2) possèdent une
distance l'une de l'autre de quelques dizaines µm à quelques centaines µm.
4. Dispositif selon l'une des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
l'activation de la masse exothermique (3) s'effectue par une impulsion de tension,
par une impulsion de lumière, par un flux électrique, par un choc mécanique ou par
une pression, par des processus de rechargement électrique, mais également par dépassement
d'une température limite.
5. Dispositif selon l'une des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
la masse exothermique (3) est conçue et dimensionnée de telle sorte que pendant une
durée temporelle d'environ 1 ms à 10 ms, suffisamment de chaleur est dégagée pour
faire fondre ou déformer significativement la feuille d'isolation ou la couche d'isolation
(4).
6. Dispositif selon l'une des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
la masse exothermique (3) est intégrée ou appliquée dans une ou dans les deux parties
de connexion (1 ; 2).
7. Dispositif selon l'une des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
des métaux ou des couches métalliques qui fondent facilement se situent dans la zone
de la réalisation ou de l'agencement de la masse exothermique (3).