[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Onboard-Unit für ein Straßenmautsystem, mit
einem Satellitennavigationsempfänger zur fortlaufenden Erzeugung von Positionsfixen
und zugehörigen Qualitätsmesswerten aus Satellitenrohdaten, einem Funksendeempfänger
und einem an diese Komponenten angeschlossenen Prozessor, der dafür ausgebildet ist,
aus den Positionsfixen Mautdaten zu erzeugen und über den Funksendeempfänger zu senden.
Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zur Funktionsüberwachung in einem Straßenmautsystem
mithilfe einer solchen Onboard-Unit.
[0002] Onboard-Units (OBUs) auf Basis von Satellitennavigationssystemen (global navigation
satellite systems, GNSS) können z.B. "Thick Client"-OBUs sein, welche die erzeugten
Positionsfixe mit einer in der Onboard-Unit hinterlegten digitalen Straßenkarte abgleichen,
dabei gebührenpflichtige Fahrstrecken ermitteln, zugehörige Mautgebühren errechnen
und als Mautdaten über den Funksendeempfänger senden, aber auch "Thin Client"-OBUs,
welche direkt die Positionsfixe als Mautdaten an eine Zentrale senden, die daraus
die Mautgebühren berechnet. Die Funktions- und Leistungsfähigkeit solcher GNSS-OBUs
hängt maßgeblich von der Qualität ihres Satellitenempfangs und der daraus bestimmten
Positionsfixe ab.
[0003] Während die Abrechnung der Mautgebühren meist in der Hand des Straßenerhalters oder
einer Behörde, des sog. "Toll Charger", liegt, wird die Erzeugung von Mautdaten oder
das Berechnen der Mautgebühren meist als Dienstleistung durch einen "Service Provider"
erbracht; der Service Provider hat dabei eine bestimmte Leistungsfähigkeit, z.B. einen
bestimmten Vermautungsgrad auf einer Mautstrecke, zu garantieren.
[0004] Zur Messung der Funktions- und Leistungsfähigkeit eines Straßenmautsystems werden
derzeit Flotten von Testfahrzeugen eingesetzt, die beispielsweise vorgegebene Mautstrecken
stichprobenartig abfahren, um anschließend die in der Zentrale des Toll Chargers anfallenden
Mautgebühren mit den Stichprobenfahrten zu vergleichen. Zur Reduktion des personellen
und organisatorischen Aufwands schlägt die
EP 2 665 044 alternativ dazu vor, dass der Toll Charger einzelne mautpflichtige Onboard-Units
zum stichprobenartigen Sammeln von positionsbezogenen Daten und Senden als Referenzdaten
direkt an die Mautzentrale des Toll Chargers auffordert, wo dieser die Referenzdaten
mit den vom Serviceprovider im laufenden Betrieb erzeugten Mautgebühren vergleicht,
um die Leistungsfähigkeit des Straßenmautsystems zu messen.
[0005] Die Erfindung setzt sich zum Ziel, Vorrichtungen und Verfahren zur Funktionsüberprüfung
in einem Straßenmautsystem zu schaffen, welche in der Folge eine Verbesserung der
Leistungsfähigkeit des Straßenmautsystems und damit eine Erhöhung des Vermautungsgrades
ermöglichen.
[0006] Dieses Ziel wird gemäß einem ersten Aspekt der Erfindung mit einer Onboard-Unit der
einleitend genannten Art erreicht, die sich auszeichnet durch
einen an den Satellitennavigationsempfänger angeschlossenen Ausfallsdetektor, welcher
dafür ausgebildet ist, auf ein Ausbleiben von Positionsfixen über eine vorgegebene
Mindestzeitspanne oder ein Abfallen von Qualitätsmesswerten unter ein vorgegebenes
Mindestqualitätsmaß anzusprechen, und
einen an den Satellitennavigationsempfänger angeschlossenen und vom Ausfallsdetektor
gesteuerten Protokollierer, welcher dafür ausgebildet ist, bei Ansprechen des Ausfallsdetektors
einen Fehlerdatensatz mit zumindest dem letzten Positionsfix vor dem Ansprechen zu
erzeugen,
wobei der Prozessor dafür ausgebildet ist, den Fehlerdatensatz vom Protokollierer
zu empfangen und über den Funksendeempfänger zu senden.
[0007] Gemäß einem zweiten Aspekt schafft die Erfindung ein Verfahren zur Funktionsmessung
in einem Straßenmautsystem mit einer Zentrale und zumindest einer fahrzeuggestützten
Onboard-Unit, die aus Satellitenrohdaten fortlaufend Positionsfixe und zugehörige
Qualitätsmesswerte erzeugt und darauf basierende Mautdaten an die Zentrale sendet,
umfassend:
[0008] Detektieren eines Ausbleibens von Positionsfixen über eine vorgegebene Mindestzeitspanne
oder eines Abfallens von Qualitätsmesswerten unter ein vorgegebenes Mindestqualitätsmaß
in der Onboard-Unit,
im Falle der Detektion, Protokollieren eines Fehlerdatensatzes mit zumindest dem letzten
Positionsfix vor der Detektion in der Onboard-Unit,
Senden des Fehlerdatensatzes von der Onboard-Unit an die Zentrale, und
Auswerten des Fehlerdatensatzes in der Zentrale.
[0009] Erfindungsgemäß wird dadurch erstmals möglich, die Qualität der GNSS-Positionsbestimmung
und -Abdeckung im Straßenmautsystem einer zentralen Auswertung zugänglich zu machen
und dadurch kritische GNSS-Fehlerorte im Straßennetz frühzeitig zu bestimmen und anhand
des letzten Positionsfixes geographisch zuzuordnen. Anstelle einer bloß stichprobenartigen
Leistungsüberprüfung können Positionsermittlungsfehler von GNSS-OBUs sofort oder nur
mit kurzer Sendezeitverzögerung kontinuierlich und - bei entsprechender Verbreitung
der OBUs - flächendeckend in der Zentrale ausgewertet werden. In der Folge kann auf
unterschiedliche GNSS-bedingte Fehler im Straßenmautsystem, z.B. Störsignale, Abschattungen
der Satellitensignale etc. und deren Ursachen, z.B. örtliche oder auch mobile Störsignalquellen
("Jammer") oder geographische Gegebenheiten wie Gebirge oder Tunnels, geschlossen
werden. So können erstmals an den durch die letzten Positionsfixe jeweils eingegrenzten
Fehlerorten zielgerichtet Maßnahmen zur Fehlerbeseitigung, z.B. das Aufstellen von
stationären Positionssendern, Stützbaken, Satellitensignal-Repeatern od.dgl., oder
das Identifizieren und Ausschalten von Störsignalquellen etc., eingeleitet werden.
[0010] Besonders günstig ist es, wenn der von der Onboard-Unit erzeugte Fehlerdatensatz
einen Zeitstempel des genannten letzten Positionsfixes enthält. So kann aus einer
Mehrzahl von Fehlerdatensätzen verschiedener Onboard-Units bzw. ein und derselben
Onboard-Unit zu verschiedenen Tages- bzw. Jahreszeiten auch auf zeitabhängige Fehler
und Fehlerursachen, z.B. zeitveränderliche bzw. periodische Störsignale, ungünstige
Satellitenkonstellationen oder Abschattung der Satellitensignale in Abhängigkeit von
Wetterereignissen oder durch Vegetation während der Wachstumszeiten etc., rückgeschlossen
werden. Ferner kann die Bewegung einer mobilen Störsignalquelle genau verfolgt werden,
um z.B. "Jammer", die bewusst Störsignale senden, um ein korrektes Vermauten zu behindern,
mithilfe von Verkehrskameras und/oder Einsatzfahrzeugen zu identifizieren.
[0011] Um die geographischen Bereiche des detektierten Fehlers noch besser abgrenzen zu
können, ist es besonders vorteilhaft, wenn der Fehlerdatensatz auch den ersten nach
Beendigung des Ansprechens bzw. Detektierens erzeugten Positionsfix enthält. Bevorzugt
enthält dabei der Fehlerdatensatz aus den genannten Gründen auch einen Zeitstempel
des genannten ersten Positionsfixes.
[0012] In einer günstigen Ausführungsform der Erfindung enthält der Fehlerdatensatz auch
zumindest einen während des Ansprechens des Ausfallsdetektors bzw. Detektierens des
Ausfalls erzeugten Qualitätsmesswert. Dadurch kann noch präziser auf Fehlerursachen
rückgeschlossen werden. So könnte, wenn der Qualitätsmesswert z.B. die Anzahl der
zur Erzeugung des zugehörigen Positionsfixes herangezogenen Satelliten oder einen
DOP-Wert (dilution of precision) des zugehörigen Positionsmesswerts enthält, eine
- zufällig oder lokal häufig auftretende - ungünstige Satellitenkonstellation erkannt
werden. Enthält der Qualitätsmesswert z.B. den jeweiligen Signalpegel der zur Erzeugung
des zugehörigen Positionsmesswerts herangezogenen Satelliten und/oder ein Signal/Rausch-Verhältnis
der Satellitensignale, so kann auch auf Störsignale bzw. Signaldämpfungen - z.B. infolge
von lokalen, gegebenenfalls sogar beweglichen Störsendern oder von Wetterereignissen
oder Abschattungen durch Gebirge oder Wald - rückgeschlossen werden.
[0013] Es versteht sich, dass ein Fehlerdatensatz nicht nur einen, sondern auch eine Folge
von während des Ansprechens des Ausfallsdetektors erzeugten Qualitätsmesswerten enthalten
kann, was eine Auswertung des Verlaufs der Qualitätsmesswerte und damit noch genauere
Schlussfolgerungen z.B. über möglicherweise unterschiedliche Fehlerursachen erlaubt.
[0014] Bevorzugt enthält der Fehlerdatensatz auch während des Ansprechens des Ausfallsdetektors
bzw. Detektierens des Ausfalls empfangene Satellitenrohdaten und/oder in einem Sensorelement
erzeugte Sensormesswerte, wodurch für ein späteres Ermitteln möglicher Fehlerursachen
weitere Grundlagen geschaffen werden.
[0015] Besonders günstig ist es, wenn der Ausfallsdetektor einen Watchdog enthält, welcher
von jedem erzeugten Positionsfix neu anstoßbar ist. Dies stellt einen besonders einfachen,
zuverlässigen Baustein für den Ausfallsdetektor dar.
[0016] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
in der Zentrale zumindest ein zweiter, von einer zweiten Onboard-Unit in der genannten
Weise erzeugter und gesandter Fehlerdatensatz empfangen und die Fehlerdatensätze der
zumindest zwei Onboard-Units werden beim Auswerten gegeneinander validiert. Dadurch
können zeitliche Änderungen möglicher Fehlerursachen einfacher berücksichtigt und
individuelle Fehler oder Störungen einzelner Onboard-Units, z.B. infolge einer unsachgemäßen
Anordnung im Fahrzeug, ausgeglichen werden. Zugleich steigt mit der Anzahl der verfügbaren
Onboard-Units bei der Auswertung der Fehlerdatensätze deren Aussagekraft in Bezug
auf mögliche Fehlerursachen.
[0017] Besonders günstig ist es, wenn beim Auswerten durch einen Abgleich der Fehlerdatensätze
mit einer digitalen Landkarte geographische Störungs- und Abschattungsbereiche des
Satellitenempfangs bestimmt werden. Dadurch wird eine "Landkarte von GNSS-Fehlern"
erzeugt, welche mit geographischen Gegebenheiten, z.B. hohen Bergen, engen Tälern,
Tunnels etc. abgeglichen werden kann. Auf diese Weise sind naturgegebene von technisch
bedingten Fehlerursachen leichter unterscheidbar, und Maßnahmen zur Fehlerbeseitigung
können in die Wege geleitet werden.
[0018] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in den beigeschlossenen Zeichnungen dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert. In den Zeichnungen zeigt:
Fig. 1 ein Straßenmautsystem mit fahrzeuggestützten Onboard-Units gemäß der Erfindung
in einer schematischen Draufsicht;
Fig. 2 ein Blockschaltbild einer der Onboard-Units von Fig. 1; und
Fig. 3 beispielhafte Daten- und Signaldiagramme, die in der Onboard-Unit von Fig.
2 und während der Ausführung des Verfahrens der Erfindung auftreten.
[0019] Fig. 1 zeigt ein Straßenmautsystem 1, das auf Onboard-Units (OBUs) 2 basiert, welche
von Fahrzeugen 3 mitgeführt werden, um deren Ortsnutzungen in einem Netz aus Straßen
4 zu vermauten bzw. vergebühren. Die Ortsnutzung kann beispielsweise das Befahren
eines bestimmten Segments einer Straße 4, das Überfahren einer Grenze, der Aufenthalt
in einem bestimmten geographischen Gebiet od.dgl. sein und auf beliebige Weise, z.B.
pro Straßensegment, gefahrener Weglänge, in einem Gebiet verbrachter Zeit (z.B. Parkzeit)
etc., abgerechnet werden.
[0020] Gemäß Fig. 2 verfügt jede Onboard-Unit 2 dazu über einen Satellitennavigationsempfänger
5, welcher aus Satellitensignalen 6 von Navigationssatelliten 7 (Fig. 1) eines globalen
Satellitennavigationssystems (Global Navigation Satellite System, GNSS) fortlaufend
die Position der Onboard-Unit 2 bestimmt und als Positionsfixe p
1, p
2, ..., allgemein p
i, mit zugehörigen Qualitätsmesswerten q
1, q
2, ..., allgemein q
i, ausgibt.
[0021] Jeder Qualitätsmesswert q
i eines Positionsfixes p
i kann dabei verschiedene Qualitätsparameter beinhalten, beispielsweise Anzahl, Signalpegel
und/oder Signal/Rausch-Verhältnis der Signale 6 der zur Bestimmung des jeweiligen
Positionsfixes p
i herangezogenen Navigationssatelliten 7, z.B. auch in ausgewerteter Form von DOP-Werten
(dilution of precision), wie sie von handelsüblichen Satellitennavigationsempfängern
5 für jeden Positionsfix p
i zur Verfügung gestellt werden.
[0022] Zusätzlich zu den Positionsfixen p
i und ihren Qualitätsmesswerten q
i kann der Satellitennavigationsempfänger 5 auch die diesen zugrundeliegenden "rohen"
Satellitendaten, z.B. Ausschnitte der Satellitensignale 6, oder im Verlauf der Erzeugung
der Positionsfixe p
i gebildete Verarbeitungsdaten ausgeben, im Weiteren "Satellitenrohdaten" r
i genannt. Die Ausgabe der Positionsfixe p
i, Qualitätsmesswerte q
i bzw. Satellitenrohdaten r
i kann dabei auf voneinander gesonderten Ausgängen des Satellitennavigationsempfängers
5, auf einem gemeinsamen Ausgang im Multiplexing oder auf einem gemeinsamen Bus in
gesonderten Datenpaketen erfolgen.
[0023] Die Onboard-Unit 2 ist ferner mit einem Funksendeempfänger 8, z.B. nach einem 2G-,
3G-, 4G- oder 5G-Mobilfunkstandard wie GSM, UMTS oder LTE, dem ITS-G5- oder WAVE-Standard
für Kurzreichweiten-Funkkommunikation, einem der IEEE 802.11-Standards für WLAN-Kommunikation
od.dgl., und einem an den Satellitennavigationsempfänger 5 und den Funksendeempfänger
8 angeschlossenen Prozessor 9 ausgestattet.
[0024] Optional können auch ein oder mehrere Sensorelemente 10, z.B. Geschwindigkeits- oder
Beschleunigungssensoren, vorgesehen sein, welche in der Onboard-Unit 2 selbst oder
- mit der Onboard-Unit 2 verbunden - im Fahrzeug 3 angeordnet sein können und Sensormesswerte
m
i, z.B. Geschwindigkeits-, Beschleunigungsoder daraus approximierte Ortsmesswerte,
erzeugen. Ein solches Sensorelement 10 kann auch durch den Funksendeempfänger 8 gebildet
sein, in welchem Fall die Sensormesswerte m
i Metadaten des Funksendeempfängers 8 sind, z.B. Funkzellen- oder Empfangsfeldstärkedaten
einer Funkverbindung 11 mit einer Funkstation 12, hier einer Basisstation eines Mobilfunknetzes,
in dem sich der Funksendeempfänger 8 befindet.
[0025] Der Prozessor 9 erzeugt aus der Folge {p
i} von Positionsfixen p
i Mautdaten M, um diese mithilfe des Funksendeempfängers 8 über die Funkverbindung
11 und die Funkstation 12 an eine Zentrale 13 des Straßenmautsystems 1 zu senden.
[0026] Die Mautdaten M können z.B. Mautgebühren sein, die durch einen Kartenabgleich ("map-matching")
der Positionsfixfolge {p
i} mit einer in der Onboard-Unit 2 hinterlegten digitalen Karte mautpflichtiger Straßen
4 bzw. Orte erzeugt werden. Alternativ könnten die Mautdaten M auch die Positionsfixe
p
i selbst sein, welche einzeln oder - wenn gewünscht nach Qualität gefiltert - zu einem
Bündel zusammengefasst zu beliebigen oder vorgegebenen Zeitpunkten, nach vorgegebenen
Strecken oder einfach bei Verfügbarkeit einer Funkverbindung 11 über den Funksendeempfänger
8 gesendet werden. Im letztgenannten Fall können Kartenabgleich und Gebührenberechnung
beispielsweise in der Zentrale 13 erfolgen.
[0027] Gemäß Fig. 1 durchfahren die Fahrzeuge 3 auf ihren jeweiligen Fahrwegen auf den Straßen
4 einen geographischen Bereich 14, in welchem die von den Satellitennavigationsempfängern
5 empfangenen Satellitensignale 6 gestört bzw. abgeschattet sind, sodass die Qualitätsmesswerte
q
i abfallen und/oder die jeweiligen Satellitennavigationsempfänger 5 keine Positionsfixe
p
i erzeugen.
[0028] Fig. 3 zeigt dazu beispielhaft Zeitverläufe der jeweiligen Signale bzw. Daten einer
Onboard-Unit 2. Gemäß diesem Beispiel erzeugt der Satellitennavigationsempfänger 5
zu Zeitpunkten t
1, t
2, ..., allgemein t
i, aus den Satellitenrohdaten r
i (nicht dargestellt) jeweils einen Positionsfix p
i (Fig. 3a) und einen zugehörigen Qualitätsmesswert q
i (Fig. 3c). Durchfährt das Fahrzeug 3 den genannten geographischen Bereich 14, erzeugt
der Satellitennavigationsempfänger 5 über einen Zeitraum e keine Positionsfixe p
i, im Allgemeinen jedoch weiterhin Qualitätsmesswerte q
i.
[0029] Um Fehler der Positionsbestimmung der Onboard-Unit 2 und damit der Vermautungsfunktion
des Straßenmautsystems 1 z.B. infolge von Signal-Störungen und/oder Abschattungen
der Satellitensignale 6 erfassen und messen zu können, dienen die folgenden Komponenten
und Verfahren.
[0030] Die Onboard-Unit 2 verfügt dazu über einen an den Satellitennavigationsempfänger
5 angeschlossenen Ausfallsdetektor 15, welcher anspricht und ein Ausgangssignal s
(Fig. 3e) erzeugt, z.B. eine logisches "High"- Signal bzw. eine logische "1", wenn
er entweder (a) das Ausbleiben von Positionsfixen p
i über eine vorgegebene Mindestzeitspanne δ und/oder (b) ein Abfallen von Qualitätsmesswerten
q
i unter ein vorgegebenes Mindestqualitätsmaß Q
min detektiert.
[0031] Zur Detektion des Ereignisses (a) kann der Ausfallsdetektor 15 einen Watchdog 16
aufweisen, z.B. in Form eines Totmann- bzw. retriggerbaren Monoflop-Schaltkreises,
der von jedem neuen Positionsfix p
i an seinem Eingang erneut für die Mindestzeitspanne δ angestoßen wird und somit an
seinem (hier: invertierten) Ausgang ein Detektionssignal d (Fig. 3b) ausgibt, wenn
innerhalb der genannten Mindestzeitspanne δ kein neuer Positionsfix p
i einlangt.
[0032] Alternativ oder zusätzlich zum Watchdog 16 kann der Ausfallsdetektor 15 zur Detektion
des Ereignisses (b) einen Komparator 17 aufweisen, welcher die einlangenden Qualitätsmesswerte
q
i mit einem Mindestqualitätsmaß Q
min vergleicht und bei einem Abfallen der Qualitätsmesswerte q
i unter das Mindestqualitätsmaß Q
min ein Ausgangssignal c (Fig. 3d) ausgibt. Je nach Komplexität der Qualitätsmesswerte
q
i könnte es zur Vereinfachung dieses Vergleichs erwünscht sein, dass der Komparator
17 zunächst einen mehrere Parameter (Dimensionen) enthaltenden Qualitätsmesswert q
i zu einem einzigen globalen Qualitätsmaß Q
i zusammenfasst; alternativ könnte das Mindestqualitätsmaß Q
min separate Einzel-Schwellwerte für mehrere in einem Qualitätsmesswert q
i enthaltene Qualitätsparameter aufweisen.
[0033] Die Ausgangssignale c des Watchdogs 16 und d des Komparators 17 können z.B. durch
einen einfachen ODER-Schaltkreis 18 zu dem Ausgangssignal s des Ausfallsdetektors
15 verknüpft werden. Anstelle des ODER-Schaltkreises 18 kann auch eine komplexe Auswertelogik,
welche z.B. auch das Zeitverhalten der Signale c und d mitberücksichtigt, vorgesehen
werden. Wenn der Ausfallsdetektor 15 nur eine der Komponenten Watchdog 16 oder Komparator
17 enthält, entfällt der Schaltkreis 18 und das Ausgangssignal s fällt mit dem Signal
c bzw. d zusammen.
[0034] Das vom Ausfallsdetektor 15 erzeugte Ausgangssignal s steuert einen Protokollierer
19 an, welcher im Falle der genannten Ereignisse (a) und/oder (b) einen Fehlerdatensatz
F erzeugt und für den Prozessor 9 zum Senden über den Funksendeempfänger 8 an die
Zentrale 13 bereithält. Wie in Fig. 2 symbolisch gezeigt, ist der Protokollierer 19
z.B. eine an einen oder mehrere Ausgänge des Satellitennavigationsempfängers 5 angeschlossene
Aufzeichnungseinheit 20 mit einem Pufferspeicher 21.
[0035] Als Fehlerdatensatz F zeichnet der Protokollierer 19 im einfachsten Fall den letzten
Positionsfix p
m auf, den der Satellitennavigationsempfänger 5 gerade noch vor dem Ansprechen des
Ausfallsdetektors 15 erzeugt hat, siehe Fig. 3a. Zusätzlich kann der Protokollierer
19 dem Fehlerdatensatz F je nach Anforderung noch weitere Daten hinzufügen, sodass
dieser - einzeln oder in beliebiger Kombination - ferner enthalten kann:
- einen Zeitstempel tm des genannten letzten Positionsfixes pm;
- den ersten unmittelbar nach Beendigung des Ansprechens des Ausfallsdetektors 15 erzeugten
Positionsfix pn, wenn gewünscht auch mit zugehörigem Zeitstempel tn;
- die zum genannten letzten und/oder ersten Positionsmesswert pm, pn erzeugten Qualitätsmesswerte qm und/oder qn;
- einen oder mehrere der während des Ansprechens des Ausfallsdetektors 15, d.h. solange
der Protokollierer 19 angesteuert (s = "1") ist, erzeugten Qualitätsmesswerte qi, wenn gewünscht auch mit zugehörigen Zeitstempeln ti;
- die zum genannten letzten und/oder ersten Positionsmesswert pm, pn und/oder während des Ansprechens des Ausfallsdetektors 15 (s = "1") empfangenen -
bzw. gebildeten - Satellitenrohdaten ri; und/oder
- die etwa zeitgleich mit dem genannten letzten und/oder ersten Positionsmesswert pm, pn und/oder während des Ansprechens des Ausfallsdetektors 15 (s = "1") erzeugten Sensormesswerte
mi.
[0036] Optional kann der Protokollierer 19 den Fehlerdatensatz F beispielsweise durch Ausscheiden
redundanter oder irrelevanter Daten, Ergänzen um Umfeld-Daten aus der Umgebung der
Onboard-Unit 2 oder interne Zustandsdaten der Onboard-Unit 2, Datenzusammenfassung
etc. situationsabhängig vorverarbeiten.
[0037] In der Zentrale 13 werden die empfangenen Fehlerdatensätze F ausgewertet. Diese Auswertung
kann einerseits einzeln erfolgen, d.h. die Fehlerdatensätze F einer Onboard-Unit 2
werden für sich betrachtet, andererseits können auch mehrere Fehlerdatensätze F verschiedener
Onboard-Units 2 empfangen, gemeinsam ausgewertet und dabei z.B. gegeneinander validiert
werden.
[0038] Beim Auswerten werden die Fehlerdatensätze F in Abhängigkeit vom Ort der darin angegebenen
Positionsfixe p
m, p
n, {p
i} und, wenn erfasst, deren Zeitstempeln t
m, t
n, {t
i}, Qualitätsmesswerten q
m, q
n, {q
i}. Satellitenrohdaten {r
i} und/oder Sensormesswerte {m
i} betrachtet und auf mögliche Fehlerquellen hin analysiert, um Maßnahmen zu deren
Beseitigung vorzubereiten. Optional können beim Auswerten durch einen Abgleich der
Fehlerdatensätze F mit einer digitalen Landkarte geographische Störungs- und Abschattungsbereiche
14 des Satellitenempfangs ebenso wie gegebenenfalls deren Zeitabhängigkeit bestimmt
werden. So können dauerhafte Abschattungen, z.B. durch Tunnels, erkannt und von vorübergehenden
Abschattungen, z.B. in engen Tälern, wo nur zeitweise eine ausreichende Anzahl an
Satellitensignalen 6 in erforderlicher Stärke empfangbar ist, unterschieden werden,
oder wetterbedingte Signalabschwächungen oder jahreszeitabhängige Abschattungen in
dichter Vegetation von fixen oder beweglichen Störquellen ("Jammern") usw. usf. In
der Folge können zielgerichtete Maßnahmen zur Fehlerbeseitigung eingeleitet werden,
um den Vermautungsgrad des Straßenmautsystems 1 zu erhöhen, z.B. stationäre Positionssender
bzw. Satellitensignal-Repeater errichtet oder Störquellen eliminiert oder abgeschaltet
bzw. bewusstes Senden von Störsignalen durch Jammer verfolgt und geahndet werden.
[0039] Die Erfindung ist nicht auf die dargestellten Ausführungsformen beschränkt, sondern
umfasst alle Varianten und Modifikationen, die in den Rahmen der angeschlossenen Ansprüche
fallen. So können die Onboard-Unit 2 im Ganzen bzw. einzelne ihrer Komponenten wie
der Ausfallsdetektor 15, der Protokollierer 19 oder Teile davon sowohl als Hardwarebausteine
als auch als Softwareobjekte, z.B. im Prozessor 9, implementiert werden.
1. Onboard-Unit für ein Straßenmautsystem (1), mit einem Satellitennavigationsempfänger
(5) zur fortlaufenden Erzeugung von Positionsfixen (pi) und zugehörigen Qualitätsmesswerten (qi) aus Satellitenrohdaten (ri),
einem Funksendeempfänger (8) und
einem an diese Komponenten (5, 8) angeschlossenen Prozessor (9), der dafür ausgebildet
ist, aus den Positionsfixen (pi) Mautdaten (M) zu erzeugen und über den Funksendeempfänger (8) zu senden,
gekennzeichnet durch
einen an den Satellitennavigationsempfänger (5) angeschlossenen Ausfallsdetektor (15),
welcher dafür ausgebildet ist, auf ein Ausbleiben von Positionsfixen (pi) über eine vorgegebene Mindestzeitspanne (δ) oder ein Abfallen von Qualitätsmesswerten
(qi) unter ein vorgegebenes Mindestqualitätsmaß (Qmin) anzusprechen, und
einen an den Satellitennavigationsempfänger (5) angeschlossenen und vom Ausfallsdetektor
(15) gesteuerten Protokollierer (19), welcher dafür ausgebildet ist, bei Ansprechen
des Ausfallsdetektors (15) einen Fehlerdatensatz (F) mit zumindest dem letzten Positionsfix
(pm) vor dem Ansprechen zu erzeugen,
wobei der Prozessor (9) dafür ausgebildet ist, den Fehlerdatensatz (F) vom Protokollierer
(19) zu empfangen und über den Funksendeempfänger (8) zu senden.
2. Onboard-Unit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Fehlerdatensatz (F) auch einen Zeitstempel (tm) des genannten letzten Positionsfixes (pm) enthält.
3. Onboard-Unit nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Fehlerdatensatz (F) auch den ersten nach Beendigung des Ansprechens erzeugten
Positionsfix (pn) enthält.
4. Onboard-Unit nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Fehlerdatensatz (F) auch einen Zeitstempel (tn) des genannten ersten Positionsfixes (pn) enthält.
5. Onboard-Unit nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Fehlerdatensatz (F) auch zumindest einen während des Ansprechens erzeugten Qualitätsmesswert
(qi) enthält.
6. Onboard-Unit nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Fehlerdatensatz (F) auch während des Ansprechens empfangene Satellitenrohdaten
(ri) und/oder in einem Sensorelement (10) erzeugte Sensormesswerte (mi) enthält.
7. Onboard-Unit nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Ausfallsdetektor (15) einen Watchdog (16) enthält, welcher von jedem erzeugten
Positionsfix (pi) neu anstoßbar ist.
8. Verfahren zur Funktionsüberwachung in einem Straßenmautsystem (1) mit einer Zentrale
(13) und zumindest einer fahrzeuggestützten Onboard-Unit (2), die aus Satellitenrohdaten
(r
i) fortlaufend Positionsfixe (p
i) und zugehörige Qualitätsmesswerte (q
i) erzeugt und darauf basierende Mautdaten (M) an die Zentrale (13) sendet, umfassend:
Detektieren eines Ausbleibens von Positionsfixen (pi) über eine vorgegebene Mindestzeitspanne (δ) oder eines Abfallens von Qualitätsmesswerten
(qi) unter ein vorgegebenes Mindestqualitätsmaß (Qmin) in der Onboard-Unit (2),
im Falle der Detektion, Protokollieren eines Fehlerdatensatzes (F) mit zumindest dem
letzten Positionsfix (pm) vor der Detektion in der Onboard-Unit (2),
Senden des Fehlerdatensatzes (F) von der Onboard-Unit (2) an die Zentrale (13), und
Auswerten des Fehlerdatensatzes (F) in der Zentrale (13).
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Fehlerdatensatz (F) auch einen Zeitstempel (tm) des genannten letzten Positionsfixes (pm) enthält.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Fehlerdatensatz (F) auch den ersten nach Beendigung der Detektion erzeugten Positionsfix
(pn) enthält.
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Fehlerdatensatz (F) auch einen Zeitstempel (tn) des genannten ersten Positionsfixes (pn) enthält.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Fehlerdatensatz (F) auch zumindest einen während der Detektion erzeugten Qualitätsmesswert
(qi) enthält.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass der Fehlerdatensatz (F) auch während der Detektion empfangene Satellitenrohdaten
(ri) und/oder in einem Sensorelement (10) erzeugte Sensormesswerte (mi) enthält.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass in der Zentrale (13) zumindest ein zweiter, von einer zweiten Onboard-Unit (2) in
der genannten Weise erzeugter und gesandter Fehlerdatensatz (F) empfangen wird und
die Fehlerdatensätze (F) der zumindest zwei Onboard-Units (2) beim Auswerten gegeneinander
validiert werden.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass beim Auswerten durch einen Abgleich der Fehlerdatensätze (F) mit einer digitalen
Landkarte geographische Störungs- und Abschattungsbereiche (14) des Satellitenempfangs
bestimmt werden.