[0001] Die Erfindung betrifft eine Aluminiumbronzelegierung sowie ein Herstellungsverfahren
für eine Aluminiumbronzelegierung. Ferner behandelt die Erfindung ein Produkt aus
einer solchen Aluminiumbronze.
[0002] Die Anforderungen an Legierungen für Reibanwendungen, wie sie beispielsweise für
Kolbenbuchsen oder Axiallager eines Turboladers vorliegen, sind vielfältig. Eine geeignete
Legierung muss einen niedrigen Reibwert aufweisen, um die durch die Reibung bedingte
Verlustleistung zu minimieren und die Wärmeentwicklung im Bereich des Reibkontakts
zu verringern. Ferner ist zu berücksichtigen, dass sich für typische Anwendungen die
Reibpartner in einer Schmiermittelumgebung befinden, wobei grundsätzlich ein gutes
Haftungsvermögen des Schmiermittels auf der Legierung gefordert wird. Zusätzlich soll
sich beim Kontakt mit dem Schmiermittel unter Reibbelastung eine stabile tribologische
Schicht ausbilden, die ebenso wie die unterlagerte Grundmatrix der Legierung eine
hohe thermische Stabilität und gute Temperaturleitfähigkeit aufweisen muss. Zusätzlich
wird eine breitbandige Ölverträglichkeit verlangt, sodass eine weitgehende Unempfindlichkeit
der Legierung und der tribologischen Schichten gegenüber Veränderungen des Schmiermittels
resultiert.
[0003] Des Weiteren besteht die Zielsetzung, eine mechanisch hoch belastbare Legierung anzugeben,
die eine hinreichend hohe 0,2 %-Dehngrenze aufweist, um plastische Verformungen unter
Last gering zu halten. Des Weiteren muss eine hohe Zugfestigkeit und Härte vorliegen,
sodass die Legierung abrasiven und adhäsiven Belastungen standhält. Auch die dynamische
Belastbarkeit sollte so hoch sein, dass eine gute Zähigkeit gegen stoßende Beanspruchungen
gegeben ist. Zusätzlich verlangsamt eine möglichst hohe Bruchzähigkeit die Risswachstumsgeschwindigkeit
ausgehend von Mikrodefekten, wobei im Hinblick auf ein Defektwachstum eine Legierung
gefordert wird, die möglichst frei von Eigenspannungen ist.
[0004] Geeignete Legierungen für reibbeanspruchte Bauteile sind vielfach Sondermessinge,
die neben Kupfer und Zink als Hauptbestandteile eine Zulegierung wenigstens eines
der Elemente Nickel, Eisen, Mangan, Aluminium, Silizium, Titan oder Chrom aufweisen.
Dabei erfüllen insbesondere Siliziummessinge die voranstehend genannten Anforderungen,
wobei CuZn31Si1 eine Standardlegierung für Reibanwendungen, etwa für Kolbenbuchsen,
darstellt.
[0005] Ferner ist bekannt, Zinnbronzen, die neben Zinn und Kupfer zusätzlich Nickel, Zink,
Eisen und Mangan aufweisen, für Reibanwendung oder auch für Bergbauanwendungen einzusetzen.
Eine weitere, für reibbelastete Bauteile interessante Legierungsklasse, bilden Aluminiumbronzen,
die neben Kupfer und Aluminium Legierungszusätze aufweisen können, die aus der Gruppe
Nickel, Eisen, Mangan, Aluminium, Silizium, Zinn und Zink gewählt sind. Dabei ergibt
sich für schneller bewegte reibbelastete Komponenten bei der Verwendung von Aluminiumbronzen
der zusätzliche Vorteil einer Gewichtsreduktion aufgrund des leichten Elements Aluminium.
In Bezug auf Bauteile als reibbelastete Komponenten aus Messing oder Rotguß sind die
aus den vorbekannten Aluminiumbronzen hergestellten Bauteile nur für relativ langsam
bewegte Reibkomponenten geeignet.
[0006] Eine Verwendung einer Kupfer-Aluminiumlegierung mit einer Deckschicht aus Aluminiumoxid
für die Anwendung als Lagerwerkstoff zur Herstellung eines Gleitlagers ist aus der
DE 101 59 949 C1 bekannt. Offenbart wird ein Aluminiumanteil von 0,01 bis 20 % sowie die Verwendung
weiterer Wahlelemente aus der Gruppe Eisen, Kobalt, Mangan, Nickel, Silizium, Zinn
bis insgesamt maximal 20 % und zusätzlich wahlweise bis 45 % Zink. Weitere breitbandige
Legierungszusammensetzungen für Siliziumbronze werden durch
US 6,699,337 B2,
JP 04221033 A und
DE 22 39 467 A sowie
JP 10298678 A beschrieben.
[0007] Der Erfindung liegt, ausgehend von dem vorstehend umrissenen Stand der Technik, die
Aufgabe zugrunde, eine Aluminiumbronzelegierung und ein Produkt aus einer Aluminiumbronzelegierung
vorzuschlagen, die sich durch verbesserte mechanische Eigenschaften und insbesondere
durch eine gute Einstellbarkeit der Materialparameter auf die vorliegende statische
und dynamische Belastung auszeichnen. Zusätzlich sollen eine hohe Korrosionsbeständigkeit,
eine gute Ölverträglichkeit und eine hohe thermische Stabilität sowie eine ausreichende
Wärmeleitfähigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht gegeben sein. Des Weiteren sind
ein Verfahren zur Herstellung einer Aluminiumbronzelegierung und eines Produkts aus
einer Aluminiumbronzelegierung anzugeben.
[0008] Die vorstehende Aufgabe wird gelöst durch eine Aluminiumbronzelegierung mit
7,0 - 10,0 Gew.-% Al;
3,0 - 6,0 Gew.-% Fe;
3,0 - 5,0 Gew.-% Zn;
3,0 - 5,0 Gew.-% Ni;
0,5 - 1,5 Gew.-% Sn;
≤ 0,2 Gew.-% Si;
≤ 0,1 Gew.-% Pb;
und Rest Cu.
[0009] Eine Verbesserung der gewünschten Eigenschaften lässt sich nochmals erreichen, wenn
die Aluminiumbronzelegierung folgende Zusammensetzung aufweist:
7,0 - 9,0 Gew.-% , insbesondere 7,0 - 7,8 Gew.-% Al,
4,0 - 5,0 Gew.-% Fe;
3,8 - 4,8 Gew.-% Zn;
3,8 - 4,1 Gew.-% Ni;
0,8 - 1,3 Gew.-% Sn;
≤ 0,2 Gew.-% Si;
≤ 0,1 Gew.-% Pb;
und Rest Cu.
[0010] Bei allen Legierungszusammensetzungen, die im Rahmen dieser Ausführungen beschrieben
sind, können unvermeidbare Verunreinigungen je Element von 0,05 Gew.-% enthalten sein,
wobei die Gesamtmenge an Verunreinigungen 1,5 Gew.-% nicht überschreiten sollte. Es
ist jedoch bevorzugt, die Verunreinigungen möglichst gering zu halten und einen Anteil
von 0,02 Gew.-% je Element eine Gesamtmenge von 0,8 Gew.-% nicht zu überschreiten.
[0011] Für eine besonders vorteilhafte Ausführung ist das Verhältnis zwischen Aluminium
und Zink bezogen auf die Gewichtsanteile in der Aluminiumbronzelegierung in einem
Bereich von 1,4 - 3,0 und besonders bevorzugt zwischen 1,5 und 2,0 eingestellt.
[0012] Der Bleigehalt der Legierung beträgt vorzugsweise weniger als 0,05 Gew.-%. Die Legierung
ist somit bis auf unvermeidbare Verunreinigungen bleifrei.
[0013] Die Legierung ist ebenfalls bis auf unvermeidbare Verunreinigungen manganfrei. Dass
diese Legierung die besonderen, nachstehend beschriebenen Eigenschaften aufweist,
war auch vor dem Hintergrund überraschend, dass vorbekannte niedrig-zinklegierte Kupferlegierungen
regelmäßig Mangan als obligatorisches Legierungselement enthalten, um die gewünschten
Festigkeitseigenschaften zu erzielen.
[0014] Wesentlich bei der beanspruchten Legierung ist die Kombination der Legierungselemente
Aluminium, Nickel, Zinn und Zink in den beschriebenen Anteilen. Besonders bevorzugt
ist eine Ausgestaltung, bei der die Summe dieser Elemente nicht kleiner als 15 Gew.-%
und nicht größer als 17,5 Gew.-% ist.
[0015] Die Zusammensetzung der erfindungsgemäßen Aluminiumbronzelegierung führt bei einer
an die Legierungsschmelze anschließenden Warmumformung und einem nachfolgenden Abkühlen
unter 750°C zu einer Legierungsmatrix mit einer dominanten α-Phase. Im Folgenden wird
dieser Zustand als Strangpresszustand bezeichnet. Dabei wird bevorzugt die chemische
Zusammensetzung der Aluminiumbronzelegierung so eingestellt, dass im Strangpresszustand
der Anteil der β-Phase unter 1 Vol.-% der Legierungsmatrix liegt. Diese Legierung
erstarrt aus der Schmelze quasi direkt im α-β-Zweiphasenraum. Dieses führt bei der
Warmumformung , bevorzugt ein indirektes Strangpressen, für die α-Phase zu einer dynamischen
Rekristallisation gefolgt von einer statischen Rekristallisation, die ein feines Legierungsgefüge
entstehen lässt. Für den β-Phasenanteil verläuft der Rekristallisationsvorgang bei
der Warmumformung über eine dynamische Erholung gefolgt von einer statischen Rekristallisation.
Zusätzlich treten κ
II und/oder κ
IV-Phasen mit Eisen- und/oder Nickelaluminiden auf.
[0016] Dabei wird das im Strangpresszustand vorliegende Gefüge nicht nur durch die Wahl
des Aluminiumgehalts geprägt, sondern auch durch die weiteren zulegierten Elemente
bestimmt. Für Eisen ist eine kornverfeinernde Wirkung anzunehmen. Zinn wirkt stabilisierend
für die β-Phase, bevor der Strangpresszustand mit dem im Wesentlichen durch die α-Phase
bestimmten Gefüge nahe dem Grenzbereich zur α-β-Mischphase erreicht wird. Dabei hat
sich für den Strangpresszustand und die daraus resultierende Einstellbarkeit der mechanischen
Eigenschaften durch nachfolgende Kaltumformungs- und Wärmebehandlungsschritte das
gewählte Verhältnis von Aluminium zu Zink als relevant erwiesen.
[0017] Gegenüber einer herkömmlichen, für reibbelastete Bauteile eingesetzte Legierung des
Typs CuAl10Ni5Fe4 erweist sich als Vorteil bei der beanspruchten Legierung, dass bei
gleicher Temperaturführung einer wärmebeinhaltenen Behandlung oberhalb der Rekristallisationsschwelle
nach der Abkühlung diese deutlich geringere β-Phasenanteile aufweist. Daher ist ein
aus einer solchen Legierung hergestelltes Produkt deutlich korrosionbeständiger als
ein solches aus der vorgenannten vorbekannten Legierung hergestelltes Produkt. Gerade
für solche Anwendungen macht sich zudem der relativ hohe Zinkgehalt positiv bemerkbar,
da dieses höhere Gleitgeschwindigkeiten erlaubt.
[0018] Untersuchungen haben gezeigt, dass die besonderen Eigenschaften der beanspruchten
Aluminiumbronzelegierung nicht mehr gegeben sind, wenn die eng beanspruchten Bereiche
in einem oder in mehreren der obligatorischen Elemente unterschritten oder auch überschritten
werden. Diesen Untersuchungen zur Folge stellt sich überraschend nur in dem beanspruchten
Bereich die vorgeschriebene besondere Legierungsmatrix mit der sehr dominanten α-Phase
und einer volumenmäßig nur untergeordnet vorhandenen β-Phase, wenn vorhanden, ein.
[0019] Ferner hat sich gezeigt, dass ausgehend vom Strangpresszustand eine hohe Kaltverfestigung
für ein Produkt aus der erfindungsgemäßen Aluminiumbronzelegierung möglich ist, die
zu einem wesentlichen Anstieg der 0,2 %-Dehngrenze R
P0,2 und der Zugfestigkeit R
m führt. Durch diese weitgehende Verfestigung bei der Kaltumformung wird die Reserve
der Legierung für plastische Verformungen reduziert. Die damit einhergehende Verringerung
der Bruchdehnung kann für die erfindungsgemäße Legierung durch ein Endglühen in einem
Temperaturbereich von 300 bis etwa 500° C mit einer Temperatureinstellung unterhalb
der Lösungsglühtemperatur angehoben werden. Dabei tritt beim Endglühen keine Reduzierung
der 0,2 %-Dehngrenze und der Zugfestigkeit ein, stattdessen erfolgt - wider Erwarten
- eine weitere Festigkeitssteigerung.
[0020] Für Wärmebehandlungsschritte, die nach dem Erreichen des Strangpresszustands so ausgeführt
werden, dass die verwendeten Temperaturen unterhalb der Rekristallisationsschwelle
und innerhalb des Löslichkeitsbereichs der α-Phase liegen, folgt keine Veränderung
der Phasenzusammensetzung der Matrix des Strangpresszustands. Dennoch besteht für
eine Wärmebehandlung in diesem Temperaturbereich eine überraschend breitbandige Einstellbarkeit
der mechanischen Parameter, sodass ein hoch belastbares und anpassbares Produkt der
erfindungsgemäßen Aluminiumbronzelegierung mit einer 0,2-Dehngrenze R
P0,2 im Bereich von 650 - 1000 MPa, einer Zugfestigkeit R
m im Bereich von 850 - 1050 MPa und einer Bruchdehnung A
5 im Bereich von 2 - 8 % und bevorzugt im Bereich von 4 - 7 % entsteht. Bevorzugt resultiert
nach der Warm- und Kaltumformung und dem abschließenden Glühen ein Legierungsendzustand,
der zusätzlich ein Streckgrenzverhältnis SV im Bereich von 85 - 95 % und eine Brinellhärte
von 250 - 300 HB 2,5/62,5 aufweist.
[0021] Das erfindungsgemäße Produkt der Aluminiumbronzelegierung bildet im Kontakt mit einer
großen Bandbreite von Schmierstoffen unter Reibbelastung stabile tribologische Schichten,
in die neben Aluminiumoxid Zink in Verbindung mit Schmiermittelkomponenten eingebaut
ist und in die eine hinreichende Notlauffähigkeit sicherstellendes Zinn eindiffundiert.
Zusätzlich liegen Hartphasenausscheidungen in Form von intermetallischen κ
II und/oder κ
IV-Phasen mit Eisen- und/oder Nickelaluminiden vor, die hoch belastbare Auflagepunkte
der Reibschicht in einer duktileren Grundmatrix darstellen.
[0022] Die Aluminide bilden sich bevorzugt an den Korngrenzen der α-Matrix der Legierung,
wobei im Legierungsendzustand die mittlere Korngröße der α-Matrix ≤ 50 µm ist. Die
intermetallischen κ
II und/oder κ
IV-Phasen nehmen aufgrund der Legierungsumformung eine längliche Gestalt mit einer mittleren
Länge von ≤10 µm und einem mittleren Volumen von ≤1,5 µm
2 an, wobei bei einer Warmumformung durch indirektes Strangpressen eine Ausrichtung
in Streckrichtung erfolgt, die durch die nachfolgende Kaltumformung kaum beeinflusst
wird. Ferner wird eine zusätzliche Aluminidausscheidung beobachtet, die zu intermetallischen
Phasen mit einer rundlichen Form und einer geringen mittleren Größe von ≤ 0,2 µm im
Legierungsendzustand nach dem abschließenden Glühen führen.
[0023] Das erfindungsgemäße Verfahren geht von der voranstehend genannten erfindungsgemäßen
Legierungszusammensetzung aus und verwendet ein Warmumformverfahren, bevorzugt ein
indirektes Strangpressen, nach dem Aufschmelzen der Legierungsbestandteile. Die nachfolgende
Kaltumformung wird gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung als Kaltziehen mit einem
Umformungsgrad im Bereich von 5 - 30 % ausgeführt.
[0024] Besonders bevorzugt wird eine Legierungszusammensetzung, die zu einem Strangpresszustandführt,
der nach einer Abkühlung eine direkte Kaltumformung ohne eine weitere Wärmebehandlung
ermöglicht. Damit weist der Legierungsendzustand eines Produkts der Aluminiumbronzelegierung
und besonders bevorzugt bereits der Strangpresszustand eine α-Matrix mit einem maximalen
β-Phasenanteil von 1 Vol.% auf. Liegt der β-Phasenanteil im Strangpresszustand höher,
kann alternativ ein Weichglühen in einem Temperaturbereich von 450 - 550° C zwischen
dem Warmumformen und dem Kaltumformen erfolgen.
[0025] Das abschließende Glühen nach dem Kaltumformungsschritt wird bezüglich der Temperatur
so gewählt, dass die Legierung unter der Lösungsglühtemperatur in einem Bereich von
300 - etwa 500° C temperiert wird. Bevorzugt wird jedoch eine Ausgestaltung, bei dem
dieser Warmbehandlungsschritt nur bis zu einer Temperatur von maximal 400° C durchgeführt
wird. Als Folge wird eine 0,2 %-Dehngrenze im Bereich von 650 - 1000 MPa, eine Zugfestigkeit
R
m im Bereich von 850 - 1050 MPa und eine Bruchdehnung A
5 im Bereich von 2 - 8 % und bevorzugt im Bereich von 4 - 7 % eingestellt, ohne ein
temperaturgeführtes Abkühlen zu verwenden. Dabei beeinflusst das abschließende Glühen
vor allem die Bruchdehnung A
5, sodass diese selektiv und breitbandig einstellbar ist. Die 0,2 %-Dehngrenze und
die Zugfestigkeit R
m werden ausgehend von einem definierten Strangpresszustand insbesondere durch die
Wahl des Umformgrades beim Kaltziehen gewählt.
[0026] Die erfindungsgemäße Legierung eignet sich für zeitlich konstante Reibbelastungen
ebenso wie aufgrund seiner besonderen Eigenschaften vor allem auch zur Herstellung
eines Bauteils, auf das eine zeitlich variable Reibbelastung wirkt, wie beispielsweise
eine Lagerbuchse für ein Lager einer Kolbenwelle, ein Gleitschuh oder ein hoch reibbelastetes
Schneckenrad. Eine weitere mögliche Verwendung eines aus der Legierung hergestellten
Bauteils stellt ein Axiallager für einen Turbolader dar. Eine zeitlich variable Reibbelastung
kann auch zu einer Mangelschmierung führen, wobei der in der Legierung enthaltene
Zinn-Gehalt Sorge dafür trägt, dass das einer derartigen Belastung ausgesetzte Bauteil
auch den diesbezüglichen Anforderungen genügt.
[0027] Im Folgenden wird die Erfindung anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels unter
Bezug auf die Figuren erläutert. Es zeigen:
- Fig.1:
- eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der erfindungsgemäßen Aluminiumbronzelegierung
mit 3000-facher Vergrößerung,
- Fig. 2:
- eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der erfindungsgemäßen Aluminiumbronzelegierung
mit 6000-facher Vergrößerung,
- Fig. 3:
- eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der erfindungsgemäßen Aluminiumbronzelegierung
mit 9000-facher Vergrößerung.
[0028] Für ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wurde die Legierungszusammensetzung erschmolzen
und mittels eines vertikalen Stranggießens bei einer Gießtemperatur von 1170°C und
einer Gießgeschwindigkeit von 60 mm/min bei einer Presstemperatur von 900°C warmumgeformt.
[0029] Die diesbezügliche Legierung hat folgende Zusammensetzung:
| Cu |
Zn |
Pb |
Sn |
Fe |
Mn |
Ni |
Al |
| Rest |
4,64 |
0,01 |
1,01 |
4,08 |
0,03 |
3,90 |
7,30 |
[0030] Die nach dem Abkühlen im Strangpresszustand vorliegende Versuchslegierung wurde mittels
rasterelektronenmikroskopischer Aufnahmen und energiedispersen Analysen (EDX) charakterisiert,
wobei nach dem Abkühlen der in den Figuren 1 und 2 gezeigte Werkstoffzustand vorlag.
Die in den Figuren 1 und 2 dargestellten Aufnahmen mit Sekundärelektronenkontrast
bei den Vergrößerungen 3000x und 6000x zeigen eine α-Phase, die die Legierungsmatrix
bildet, und Hartphasenausscheidungen in Form von κ
II- und κ
IV-Phasen, die aus Eisen- und Nickelaluminiden bestehen und die sich vor allem an den
Korngrenzen ablagern. Des Weiteren dokumentiert die in Figur 3 gezeigte Aufnahme mit
einer 9000-fachen Vergrößerung, dass zusätzlich Hartphasenausscheidungen mit einer
mittleren Größe von ≤ 0,2 µm vorliegen.
[0031] Für die α-Phase ergaben EDX-Messungen im Mittel eine chemische Zusammensetzung mit
84,2 Gew.-% Cu, 5,0 Gew.-%. Zn, 4,4 Gew.-%. Fe, 3,4 Gew.-%. Ni, 2,8 Gew.-%. Al und
0,1 Gew.-%. Si. Für die untersuchten κ
II-Phasen wurde im Strangpresszustand die mittlere Zusammensetzung 15,2 Gew.-% Cu, 2,4
Gew.-%. Zn, 67,6 Gew.-%. Fe, 9,4 Gew.-%. Ni, 4,7 Gew.-%. Al und 0,7 Gew.-%. Si gefunden.
Ferner wurde der Anteil der intermetallischen Phasen mit 7 Vol.-% bestimmt während
der β-Phasenanteil im Strangpresszustand unter 1 Vol.-% lag. Messungen der sich nach
den nachfolgend dargestellten Kaltumformungs- und Wärmebehandlungsschritten ergebenden
Werkstoffzustände ergaben keine Veränderung der Phasenzusammensetzung.
[0032] Zur Einstellung der mechanischen Eigenschaften, ausgehend von dem im Wesentlichen
durch die chemische Zusammensetzung der Aluminiumbronzelegierung bestimmten Strangpresszustand,
wurde ein Weichglühen bei 550°C und anschließend eine Kaltumformung in Form eines
Streckziehens ausgeführt. Dabei wurden die weichgeglühten Zwischenprodukte in einem
Seifenbad mit 50°C für das Kaltziehen vorbereitet. Als Prozessparameter wurden unterschiedliche
Querschnittsminderungen (QM) von 8 - 25 % für das Streckziehen gewählt. In einem abschließenden
Behandlungsschritt erfolgte ein Endglühen der umgeformten Aluminiumbronzeprodukte
bei 380°C für 5 Stunden, wobei sich im Mittel die in Tabelle 1 zusammengefassten mechanischen
Eigenschaften für die 0,2 %-Dehngrenze R
P0,2, die Zugfestigkeit R
m, die Bruchdehnung A
5, die Brinell-Härte HB und das Streckgrenzverhältnis ergaben:
| Zustand |
RP0,2 [MPa] |
Rm [MPa] |
A5 [%] |
HB 2,5/62,5 |
SV [%] |
| Strangpresszustand |
360 |
690 |
26 |
176 |
48,8 |
| Kaltumformung 8% QM |
700 |
810 |
9,6 |
211 |
85,7 |
| Kaltumformung 15% QM |
840 |
840 |
6,1 |
225 |
86,9 |
| Kaltumformung 20% QM |
850 |
930 |
5,5 |
233 |
91,2 |
| Kaltumformung 25% QM |
830 |
950 |
3,9 |
242 |
87,0 |
| Endglühen 380°C/5h (nach 8% QM) |
830 |
870 |
5,9 |
250 |
95,1 |
| Endglühen 380°C/5h (nach 15% QM) |
810 |
900 |
6,5 |
260 |
90,3 |
| Endglühen 380°C/5h (nach 20% QM) |
850 |
930 |
5,5 |
275 |
91,2 |
| Endglühen 380°C/5h (nach 25% QM) |
940 |
1000 |
2,5 |
291 |
94,1 |
[0033] Das Endglühen zur Einstellung des Endlegierungszustands der Aluminiumbronzeprodukte
wurde für weitere Messreihen unterhalb der Weich- oder Lösungsglühtemperatur ausgeführt.
Für die Versuche wurden bevorzugt Endglühtemperaturen im Bereich von 300 - 400°C gewählt,
wobei in Kombination mit einer Variation der Abziehgrade der vorgeschalteten Kaltumformung
eine große Bandbreite für die mechanischen Eigenschaften des Endlegierungszustands
einstellbar ist, ohne aufwendige Maßnahmen zur temperaturgeführten Abkühlung anzuwenden.
[0034] Die Beschreibung der Erfindung, auch anhand des konkreten Ausführungsbeispiels macht
deutlich, dass die besonderen, positiven Eigenschaften der beanspruchten Erfindung
vor dem Hintergrund der Offenbarungen im Stand der Technik in dem engen beanspruchten
Bereich der an der Legierung beteiligten Elemente nicht zu erwarten war. Es war daher
überraschend für den Erfinder festzustellen, dass durch Einstellen der Legierungsparameter
in dem beanspruchten Intervall gegenüber den aus vorbekannten Legierungen bekannten
Daten derart verbessert sind. Dieses gilt auch im Hinblick auf die überraschend robuste
Verarbeitbarkeit dieser Legierung zum Einstellen der gewünschten Festigkeitseigenschaften.
1. Aluminiumbronzelegierung mit
7,0 - 10,0 Gew.-% Al;
3,0 - 6,0 Gew.-% Fe;
3,0 - 5,0 Gew.-% Zn;
3,0 - 5,0 Gew.-% Ni;
0,5 - 1,5 Gew.-% Sn;
≤ 0,2 Gew.-% Si;
≤ 0,1 Gew.-% Pb;
und Rest Cu nebst unvermeidbaren Verunreinigungen.
2. Aluminiumbronzelegierung nach Anspruch 1 mit 7,0 - 7,8 Gew.-% Al;
4,0 - 5,0 Gew.-% Fe;
3,8 - 4,8 Gew.-% Zn;
3,8 - 4,1 Gew.-% Ni;
0,8 - 1,3 Gew.-% Sn;
≤ 0,2 Gew.-% Si;
≤ 0,1 Gew.-% Pb;
und Rest Cu nebst unvermeidbaren Verunreinigungen.
3. Aluminiumbronzelegierung nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis zwischen Aluminium und Zink bezogen auf die Gewichtsanteile in der
Aluminiumbronzelegierung in einem Bereich von 1,4 - 3,0 und besonders bevorzugt zwischen
1,5 und 2,0 liegt.
4. Aluminiumbronzeprodukt mit einer Legierungszusammensetzung nach einem der Ansprüche
1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass Produkt durch ein einer Kaltumformung nachfolgendem zu einem Legierungsendzustand
führenden Endglühen unterhalb der Lösungsglühtemperatur in einem Temperaturbereich
von 300-500°C derart eingestellt wird, dass die 0,2 %-Dehngrenze RP0,2 im Bereich von 650 - 1000 MPa, die Zugfestigkeit Rm im Bereich von 850 - 1050 MPa und die Bruchdehnung A5 im Bereich von 2 - 8 % und bevorzugt im Bereich von 4 - 7 % liegen.
5. Aluminiumbronzeprodukt nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass im Legierungsendzustand das Streckgrenzverhältnis SV im Bereich von 85 - 97% liegt.
6. Aluminiumbronzeprodukt nach einem der Ansprüche 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass im Legierungsendzustand die Härte im Bereich von 250 - 300 HB 2,5/62,5 liegt.
7. Aluminiumbronzeprodukt nach einem der Ansprüche 4 - 6, dadurch gekennzeichnet, dass im Legierungsendzustand eine α-Matrix mit einem maximalen β-Phasenanteil von 1 Vol.-%
vorliegt.
8. Aluminiumbronzeprodukt nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass im Legierungsendzustand die mittlere Korngröße der α-Matrix ≤ 50 µm ist.
9. Aluminiumbronzeprodukt nach einem der Ansprüche 4 - 8, dadurch gekennzeichnet, dass im Legierungsendzustand intermetallische κII und/oder κIV-Phasen mit Eisen- und/oder Nickelaluminiden vorliegen.
10. Aluminiumbronzeprodukt nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass im Legierungsendzustand die intermetallischen κII und/oder κIV-Phasen eine längliche Form mit einer mittleren Länge von ≤10 µm und einem mittleren
Volumen von ≤ 1,5 µm2 aufweisen.
11. Aluminiumbronzeprodukt nach einem der Ansprüche 4 - 10, dadurch gekennzeichnet, dass im Legierungsendzustand eine zusätzliche Aluminidausscheidung mit einer rundlichen
Form und mit einer mittleren Größe von ≤ 0,2 µm vorliegt.
12. Aluminiumbronzeprodukt nach einem der Ansprüche 4 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Produkt ein auf eine zeitlich variable Reibbelastung ausgelegtes Bauteil ist,
insbesondere eine Lagerbuchse, ein Gleitschuh, ein Schneckenrad oder ein Axiallager
für einen Turbolader.
13. Verfahren zum Herstellen eines Produktes aus einer Aluminiumbronze mit den Verfahrensschritten:
- Herstellen eines Gussrohlings aus einer Schmelze mit den Legierungsbestandteilen
7,0 - 10,0 Gew.-% Al;
3,0 - 6,0 Gew.-% Fe;
3,0 - 5,0 Gew.-% Zn;
3,0 - 5,0 Gew.-% Ni;
≤ 0,2 % Gew.-% Si;
≤ 0,1 % Gew.-% Pb;
und Rest Cu nebst unvermeidbaren Verunreinigungen;
- Warmumformen des Gussrohlings zu einem Zwischenprodukt; Kaltumformen des Zwischenprodukts
und
- Endglühen des Produktes unterhalb der Lösungsglühtemperatur in einem Temperaturbereich
von 300 - 500°C, wobei nach dem abschließenden Glühen die 0,2 %-Dehngrenze RP0,2 im Bereich von 650 - 1000 MPa, die Zugfestigkeit Rm im Bereich von 850-1050 MPa und die Bruchdehnung A5 im Bereich von 2 - 8 % und bevorzugt im Bereich von 4 - 7% liegen.
14. Verfahren nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, dass die Schmelze zur Herstellung des Gussrohlings folgende Zusammensetzung aufweist:
7,0 - 7,8 Gew.-% Al;
4,0 - 5,0 Gew.-% Fe;
3,8 - 4,8 Gew.-% Zn;
3,8 - 4,1 Gew.-% Ni;
0,8 - 1,3 Gew.-% Sn;
≤ 0,2 % Gew.-% Si;
≤ 0,1 % Gew.-% Pb;
und Rest Cu nebst unvermeidbaren Verunreinigungen.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass das Warmumformen als indirektes Strangpressen ausgeführt wird.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 15 , dadurch gekennzeichnet, dass das Kaltumformen als Kaltziehen mit einem Umformgrad von 5 - 30% ausgeführt wird.