[0001] Die Erfindung betrifft eine Haltevorrichtung zur Aufnahme und Halterung von mindestens
einem Bauteil innerhalb eines mit Schleifkörpern gefüllten Troges einer Gleitschleifvorrichtung,
mittels welcher jeweilige Oberflächen des mindestens einen Bauteils unter Relativbewegung
zwischen dem mindestens einen Bauteil und den Schleifkörpern abschleifbar sind. Des
Weiteren betrifft die Erfindung ein Gleitschleifverfahren unter Verwendung einer Haltevorrichtung
für die zu schleifenden Bauteile.
[0002] Um Bauteile mit komplexer Oberflächenkontur (z. B. viele Einzeloberflächen, wenige
ebene Flächen oder z.B. komplexe Krümmungen) und insbesondere eine große Stückzahl
derartiger Bauteile besonders wirtschaftlich bearbeiten zu können, ist das sogenannten
Gleitschleifverfahren, welches eine Untergruppe der Schlichtverfahren darstellt, bekanntermaßen
besonders geeignet. Bei dem Gleitschleifverfahren wird ein Behälter bzw. ein Trog
einer Gleitschleifvorrichtung mit losen Schleifkörpern gefüllt und die zu bearbeitenden
bzw. abzuschleifenden Bauteile in den mit Schleifkörpern gefüllten Trog gelegt. Als
Behälter bzw. Trog kann ein sogenannter Schwingtrog verwendet werden, welcher durch
einen Vibrationsmotor der Gleitschleifvorrichtung in Schwingung versetzt werden kann.
Mittels des Vibrationsmotors oder alternativ mittels z.B. einer angetriebenen Exzenterwelle,
werden die im Schwingtrog, bzw. Behälter enthaltenen Schleifkörper derart angeregt,
dass sie sich relativ zu den abzuschleifenden Bauteilen bewegen. Infolge des Kontaktes
der zu bearbeitenden Oberflächen des Bauteils mit den relativ dazu bewegten Schleifkörpern
werden die Rauigkeiten an den Bauteiloberflächen verringert und dementsprechend die
Bauteile abgeschliffen. Zur Vergrößerung des Durchsatzes besteht auch die Möglichkeit
mehrere der Bauteile gleichzeitig in einem Schwingtrog abzuschleifen bzw. zu schlichten.
Hierbei gilt es jedoch zu vermeiden, dass sich die Bauteile in Folge der Schwingung
des Behälters bzw. Troges gegenseitig berühren bzw. zusammenstoßen, wodurch es zur
gegenseitigen Beschädigung kommen könnte.
[0003] Aus der
DE 2 344 639 A1 ist eine Vorrichtung zur Halterung von Werkstücken innerhalb eines mit einer Schleifkörperschüttung
gefüllten Schwingtroges einer nach dem Gleitschleifverfahren arbeitenden Schleif-
oder Poliermaschine bekannt. Die bekannte Vorrichtung weist lose, in den Schwingtrog
einsetzbare und für die Schleifkörper durchlässige Aufnahmekäfige für jeweils mindestens
ein Werkstück auf. Diese Aufnahmekäfige weisen zudem jeweils zwei als Speichenrad
ausgebildete Stirnteile auf und sind dementsprechend aufwendig und unter vergleichsweise
hohem Materialeinsatz hergestellt.
[0004] Es ist Aufgabe der Erfindung, eine Haltevorrichtung zur Aufnahme und Halterung von
mindestens einem Bauteil innerhalb eines mit Schleifkörpern gefüllten Troges einer
Gleitschleifvorrichtung bereitzustellen, welche besonders einfach und unter geringem
Materialeinsatz herstellbar ist und zudem eine besonders gleichmäßige Oberflächenbearbeitung
des Bauteils gewährleistet. Des Weiteren ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung,
ein entsprechendes Gleitschleifverfahren zum Schleifen jeweiliger Oberflächen mindestens
eines Bauteils bereitzustellen.
[0005] Diese Aufgaben werden durch eine Haltevorrichtung mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1 und durch ein Gleitschleifverfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 13 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen mit zweckmäßigen Weiterbildungen der Erfindung sind in
den abhängigen Patentansprüchen angegeben, wobei vorteilhafte Ausgestaltungen der
Haltevorrichtung als vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens und umgekehrt anzusehen
sind.
[0006] Die erfindungsgemäße Haltevorrichtung zur Aufnahme und Halterung von mindestens einem
Bauteil innerhalb eines mit Schleifkörpern gefüllten Troges bzw. Arbeitsraums einer
Gleitschleifvorrichtung, mittels welcher jeweilige Oberflächen des mindestens einen
Bauteils unter Relativbewegung zwischen dem mindestens einen Bauteil und den Schleifkörpern
abschleifbar sind, umfasst mindestens eine Achse zur lösbaren Aufnahme und Halterung
des mindestens einen Bauteils, wobei die Achse derart ausgebildet ist, dass sie durch
mindestens eine Öffnung im Bauteil und/oder durch mindestens eine Öffnung einer mindestens
ein Bauteil aufnehmenden Bauteilaufnahme führbar ist. Dies bedeutet, dass die zu bearbeitenden
Bauteile direkt oder indirekt über eine Bauteilaufnahme an der Achse lösbar befestigt
werden können. Eine derartige Achse ist besonders einfach und unter geringem Materialeinsatz
zu fertigen. Im Gegensatz zu aus dem Stand der Technik bekannten Aufnahmekäfigen zur
Aufnahme des Bauteils bzw. mehrerer Bauteile sind die Oberflächen des Bauteils bzw.
der Bauteile mittels der erfindungsgemäßen Haltevorrichtung besonders gut für die
Schleifkörper zugänglich. Mit anderen Worten wird also in Folge der Halterung des
mindestens einen Bauteils oder der mindestens einen Bauteilaufnahme an der Achse eine
besonders gleichmäßige Geschwindigkeitsverteilung der Relativgeschwindigkeit zwischen
den Schleifkörpern und der abzuschleifenden Oberflächen des Bauteils gewährleistet,
wobei der Schleifvorgang zudem über einen erweiterten Bereich der abzuschleifenden
Oberflächen stattfinden kann. Dies ist insbesondere bei den aus dem Stand der Technik
bekannten Vorrichtungen mit Aufnahmekäfigen nicht möglich, da es hier zu einer bereichsweisen
Verzögerung der Schleifkörper bzw. unterschiedlichen Relativgeschwindigkeiten zwischen
den Schleifkörpern und den Bauteiloberflächen kommt. Durch die Aufnahme bzw. Halterung
des mindestens einen Bauteils oder der mindestens einen Bauteilaufnahme mittels der
mindestens einen Achse ergeben sich insbesondere keine lokalen Unterschiede der Relativgeschwindigkeit
zwischen den Schleifkörpern und der Bauteiloberflächen, so dass die Schleifqualität
auf der gesamten, mit den Schleifkörpern in Berührung kommenden Bauteiloberfläche
gleichmäßig hoch ist. Die Verwendung einer Bauteilaufnahme ermöglicht auch die Bearbeitung
kleinerer Bauteile. Zudem können vorteilhafterweise mehrere Bauteile zeitgleich in
einer Gleitschleifvorrichtung bearbeitet werden. Des Weiteren ist es möglich, dass
die Bauteilaufnahme derart ausgebildet ist, dass mehrere Bauteile rotationssymmetrisch
an der Bauteilaufnahme anordenbar sind. Beispielhaft kann hierbei die Bauteilaufnahme
scheiben- oder ringförmig ausgebildet sein. Damit ergibt sich vorteilhafterweise ein
gleichmäßiger Abrieb an den Bauteiloberflächen der auf der Bauteilaufnahme aufgebrachten
Bauteile.
[0007] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Haltevorrichtung weist
diese mindestens ein auf die Achse aufbringbares Abstandselement auf, mittels welchem
das mindestens eine Bauteil und/oder die mindestens eine Bauteilaufnahme zu mindestens
einem weiteren auf der Achse gelagerten Bauteil und/oder einer weiteren Bauteilaufnahme
in einem vorbestimmten axialen Abstand anordenbar ist. Durch das Anordnen des mindestens
einen Abstandelements auf der Achse können gegenseitige Berührungen der jeweiligen
Bauteile zuverlässig ausgeschlossen werden. Dabei kann das Abstandselement hinsichtlich
seiner axialen Erstreckung auch unterschiedlich dimensioniert werden, so dass der
axiale Abstand zwischen den Bauteilen exakt vorgebbar ist. Somit kann auch die Relativgeschwindigkeit
zwischen den Schleifkörpern und den jeweiligen einander zugewandten Oberflächen benachbarter
Bauteile, welche durch den Abstandshalter voneinander beabstandet sind, direkt eingestellt
werden, indem die Größe des Abstandes, also der Spalt zwischen den Bauteilen mittels
des Abstandhalters vorgegeben wird. Daher ist es einerseits möglich, einen in axialer
Ersteckung kurzen Abstandshalter zu verwenden und dementsprechend einen relativ engen
Spalt zwischen den einander gegenüberliegenden Bauteiloberflächen zu schaffen, wobei
dadurch die Anzahl der mittels der Achse lagerbaren Bauteile und/oder Bauteilaufnahmen
vergrößert wird und so die Anlagenauslastung erhöht werden kann. Im Gegensatz dazu
kann mittels eines dementsprechend dimensionierten Abstandhalters auch ein besonders
großer Abstand zwischen den Bauteilen und/oder Bauteilaufnahmen geschaffen werden,
wodurch zwar insgesamt weniger Bauteile auf der Achse aufgenommen werden können, jedoch
eine besonders homogene und hohe Schleifqualität auch an einander zugewandten Bauteiloberflächen
erreicht wird. Zudem kann es zweckmäßig sein, eine möglichst geringe Kontaktfläche
zwischen dem jeweiligen Abstandshalter und dem Bauteil zu schaffen, um eine möglichst
gute Zugänglichkeit der Bauteiloberfläche für die Schleifkörper bereitzustellen. Dementsprechend
können beispielsweise Hülsen mit besonders dünner Wandstärke als Abstandselemente
bereitgestellt werden, welche eine besonders kleine Kontaktfläche zu den jeweiligen,
zu beabstandenden Bauteilen aufweisen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass
die Bauteilaufnahme bereits ein integriertes Abstandselement aufweist, welches insbesondere
im Bereich um die Öffnung zum Einführen der Achse ausgebildet sein kann.
[0008] In weiteren vorteilhaften Ausgestaltungen der erfindungsgemäßen Haltevorrichtung
umfasst diese mindestens einen Adapter, mittels dessen wenigstens ein Größenunterschied
und/oder ein Unterschied in der geometrischen Ausgestaltung zwischen der Achse und
der Öffnung des Bauteils und/oder der Öffnung der Bauteilaufnahme, durch die die Achse
geführt ist, ausgleichbar ist. Der Adapter kann beispielsweise einen Konus aufweisen,
auf welchen das Bauteil oder die Bauteilaufnahme zumindest bereichsweise aufgeschoben
werden und dementsprechend spielfrei an der Achse gehalten werden kann. Das im Vorhergehenden
beschriebene Abstandselement und der Adapter können dabei als separate Bauelemente
oder einstückig ausgebildet sein.
[0009] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Haltevorrichtung
weist diese mindestens zwei Radialabstandshalter auf, wobei die Radialabstandshalter
derart an der Achse angeordnet sind, dass das wenigstens eine Bauteil und/oder die
Bauteilaufnahme zwischen den Radialabstandshalter gelagert ist. Die Radialabstandshalter
weisen dabei eine Erstreckung und/oder einen Durchmesser (D
R) auf, welcher größer ist, als die maximale Erstreckung und/oder der maximale Durchmesser
(D
B) der direkt an der Achse gelagerten Bauteile oder dem mindestens einen an der Bauteilaufnahme
angeordneten Bauteil. Den Radialabstandshaltern kommen mehrere vorteilhafte Funktionen
zu. Dadurch, dass die Bauteile zwischen den Radialabstandshaltern angeordnet sind,
wird ein Kontaktieren der Bauteile in axialer Richtung der Achse mit den Behälterinnenwänden
des Troges unterbunden. Aufgrund des im Vergleich zu der Erstreckung und/oder dem
Durchmesser der oder des Bauteils größeren Erstreckung und/oder Durchmessers der Radialabstandshalter
wird zudem ein Kontaktieren der zwischen den Radialabstandshaltern aufgenommenen Bauteile
mit den jeweiligen Behälterwänden auch in radialer Richtung unterbunden. Mittels der
Radialabstandshalter wird somit das Berühren zwischen den Bauteilen bzw. Werkstücken
und der Bearbeitungsanlage, insbesondere den Innenwänden des Trogs der Gleitschleifvorrichtung
besonders wirksam und vollständig unterbunden.
[0010] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Haltevorrichtung
weist diese mindestens zwei Klemm- oder Fixierelemente auf, mittels welchen die Bauteile
und/oder die mindestens eine Bauteilaufnahme und/oder das mindestens eine Abstandselement
und/oder der mindestens eine Adapter und/oder die mindestens zwei Radialabstandshalter
auf der Achse fixierbar sind. Mit Hilfe der Klemm- oder Fixierelemente, welche beispielsweise
als auf die Achse aufschraubbare Muttern ausgebildet sein können, können die Bauteile
und/oder Bauteilaufnahmen besonders wirksam gegenüber einer axialen Verschiebung bzw.
gegenüber einem ungewollten Lösen von der Achse gesichert werden. Zudem können die
Klemm- oder Fixierelemente auch beispielsweise als Sicherungsringe oder andere zum
Halten der Bauteile und/oder Bauteilaufnahmen geeignete Klemmmittel ausgebildet sein.
Werden die Klemm- oder Fixierelemente an einander gegenüberliegenden Seiten der Achse
fixiert, kann ein besonders großer Bereich der Achse zur Aufnahme der Bauteile und/oder
Bauteilaufnahmen genutzt werden. Des Weiteren können mittels der Klemm- oder Fixierelemente
auch die Radialabstandshalter, die Abstandshalter und/oder die Adapter an der Achse
fixiert werden. Es ist aber auch möglich, dass die Achse zur Aufnahme und Halterung
der Bauteile und/oder Bauteilaufnahmen zumindest bereichsweise ein Außengewinde aufweist.
Auf dieses Außengewinde können dann Bauteile und/oder Bauteilaufnahmen mit ein entsprechendes
Innengewinde aufweisenden Öffnungen geschraubt und damit befestigt werden. Entsprechendes
gilt für die Radialabstandshalter, die Abstandshalter und/oder die Adapter.
[0011] In weiteren vorteilhaften Ausgestaltungen der erfindungsgemäßen Haltevorrichtung
weist die Achse einen konstanten oder sich verändernden Achsdurchmesser auf. Dadurch
ist es möglich, den Durchmesser der Achse auf einen oder mehrere gleiche oder unterschiedliche
Durchmesser der Öffnungen der Bauteile und/oder Bauteilaufnahmen, durch die die Achse
geführt wird, einfach baulich und ohne zusätzliche Zwischenelemente anzupassen.
[0012] Die erfindungsgemäße Haltevorrichtung eignet sich insbesondere zur Aufnahme und Halterung
von mindestens einer Komponente eines Flugzeugtriebwerks. Komponenten eines Flugzeugtriebwerks
sind meist besonders stark beansprucht, weshalb eine exakte Fertigung bzw. eine besonders
gleichmäßige und hohe Schleifqualität von besonderer Bedeutung ist. Dementsprechend
ist die Haltevorrichtung zur Aufnahme derartiger Komponenten geeignet, da dadurch
eine besonders hohe Schleif- und Oberflächenqualität an den mit den Schleifkörpern
in Kontakt kommenden Bauteiloberflächen sichergestellt werden kann. Bei den genannten
Komponenten kann es sich beispielhaft um eine sogenannte Blisk (Blade Integrated Disc),
die aus mehreren Schaufeln (blades) und einer Scheibe (disc) integral aufgebaut ist
oder um einen sogenannten Bling (Bladed Ring), bei dem die Schaufeln integral mit
einem tragenden Ring hergestellt sind, handeln. Die Anordnung dieser Blisks bzw. Blings
an der Haltevorrichtung sowie das Abschleifen der Oberflächen mittels der Gleitschleifvorrichtung
ist besonders vorteilhaft, da die Oberflächen der Blisks bzw. Blings trotz ihrer komplexen
Struktur besonders homogen abgeschliffen werden können. Auch andere Bauteile mit mindestens
einem rotationssymmetrischen Bereich können mit der erfindungsgemäßen Haltevorrichtung
innerhalb einer Gleitschleifvorrichtung besonders vorteilhaft bearbeitet werden. Dabei
ist vorteilhafterweise die Öffnung für den Durchtritt der Achse der Haltevorrichtung
im Bereich der Rotationsachse des rotationssymmetrischen Bereichs angeordnet. Als
Öffnungen können beispielsweise bei Blisks und Blings die um deren Rotationsachse
ausgebildeten Nabenbereiche verwendet werden. Dies trägt insbesondere zu einer gleichmäßigen
Bearbeitung, d.h. einen gleichmäßigen Abtrag der zu bearbeitenden Oberflächen des
Bauteils bei. Mögliche, durch einen ungleichmäßigen Abtrag entstehende Unwuchten werden
zuverlässig vermieden. Entsprechendes gilt für Bauteile, die an der Bauteilaufnahme
rotationssymmetrisch angeordnet sind. Beispielhaft seien hier Schaufeln einer Turbine
eines Flugtriebwerks genannt. Dabei kann die Bauteilaufnahme vorteilhafterweise scheiben-
oder ringförmig ausgebildet sein.
[0013] Die Erfindung umfasst weiterhin ein Gleitschleifverfahren, welches unter Verwendung
einer im Vorhergehenden beschriebenen Haltevorrichtung mindestens folgende Schritte
umfasst: Aufbringen und lösbares Befestigen von mindestens einem Bauteil und/oder
mindestens einer mindestens ein Bauteil aufnehmenden Bauteilaufnahme auf mindestens
einer Achse der Haltevorrichtung, wobei die Achse derart ausgebildet ist, dass sie
durch mindestens eine Öffnung im Bauteil und/oder der Bauteilaufnahme führbar ist;
Einbringen der Haltevorrichtung in einen mit Schleifkörpern gefüllten oder zu füllenden
Trog bzw. Arbeitsraum einer Gleitschleifvorrichtung, welche zum Schleifen jeweiliger
Oberflächen des mindestens einen Bauteils unter Relativbewegung zwischen dem mindestens
einen Bauteil und den Schleifkörpern ausgelegt ist; Versetzen des Troges und der darin
befindlichen Schleifkörper in Bewegung zur Durchführung des Schleifvorgangs; und Stoppen
des Bearbeitungsvorgangs und Entnahme der Haltevorrichtung. Durch das erfindungsgemäße
Gleitschleifverfahren ergeben sich unter Einsatz der Haltevorrichtung eine besonders
einfache Anlagenbestückung, eine mannarme Fertigung sowie minimale Durchlaufzeiten,
wobei eine universelle Anwendbarkeit der Haltevorrichtung bzw. des Gleitschleifverfahrens
für eine Vielzahl von Bauteilformen gegeben ist. Zudem können mehrere Bauteile zeitgleich
bearbeitet werden. Des Weiteren kann vor der Entnahme der Haltevorrichtung die Bewegungs-
bzw. Fließrichtung der Schleifkörper in dem Trog umgekehrt werden. Dadurch "schwimmt"
die Haltevorrichtung mit dem mindestens einen Bauteil und/oder Bauteilaufnahme auf
den Schleifkörpern auf und kann so einfach aus dem Trog entnommen werden.
[0014] Die vorstehend in der Beschreibung genannten Merkmale und Merkmalskombinationen sowie
die nachfolgend in der Figurenbeschreibung genannten und/oder in den Figuren alleine
gezeigten Merkmale und Merkmalskombinationen sind nicht nur in der jeweils angegebenen
Kombination, sondern auch in anderen Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar,
ohne den Rahmen der Erfindung zu verlassen.
[0015] Dabei zeigt:
- Figur 1
- eine schematische Schnittdarstellung einer erfindungsgemäßen Haltevorrichtung innerhalb
einer Gleitschleifvorrichtung; und
- Figur 2
- eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Haltevorrichtung gemäß einer
weiteren Ausführungsform.
[0016] Figur 1 zeigt in einer schematischen Schnittansicht eine Gleitschleifvorrichtung
10 mit einem mit Schleifkörpern 16 gefüllten Trog 12. Der Trog 12 wird mittels einer
nicht dargestellten Vibratoreinrichtung der Gleitschleifvorrichtung 10 in Schwingung
versetzt. Als Schleifkörper 16 können bekannte Elemente verwendet werden, die insbesondere
aus Stahl, Korund oder anderen geeigneten Materialien bestehen. Typische Abmessungen
der Schleifkörper 16 liegen im Millimeterbereich. Zudem können die Schleifkörper 16
kugel-, pyramiden- oder tetraederförmig ausgebildet sein. Auch andere Formen und Größen
sind jedoch denkbar. Durch die Schwingungen des Troges 12 werden die Schleifkörper
16 ebenfalls in Bewegung, insbesondere eine Fließbewegung versetzt.
[0017] Man erkennt, dass eine Haltevorrichtung 18 in den Trog 12 beziehungsweise in das
Schüttgut der Schleifkörper 16 eingelegt ist. Die Haltevorrichtung 18 weist eine Achse
20 auf, an der in dem Ausführungsbeispiel drei Bauteile 22, 26, 34 gelagert sind.
Die Bauteile 22, 26, 34 sind dabei über eine jeweilige Öffnung 24 auf die Achse 20
aufgeschoben. Zwischen den Bauteilen 22, 26, 34 sind zwei Abstandselemente 30 angeordnet,
welche die Bauteile 22, 26, 34 voneinander axial beabstanden. Beispielhaft ist der
axiale Abstand a zwischen den Bauteilen 22 und 26 dargestellt. Des Weiteren erkennt
man, dass es sich bei den in dem Ausführungsbeispiel dargestellten Bauteilen 22, 26,
34 um so genannte Blisks handelt, die einen rotationssymmetrischen Bereich 28 aufweisen.
Die Öffnungen 24 der Bauteile 22, 26, 36 sind in dem rotationssymmetrischen Bereich
28 ausgebildet, wobei die zentralen Achsen der Öffnungen 24 koaxial zu einer Längsachse
der Achse 20 angeordnet sind.
[0018] Die Haltevorrichtung 18 umfasst weiterhin zwei Radialabstandshalter 36, die an den
jeweiligen Enden der Achse 20 angeordnet sind. Zwischen den Radialabstandshaltern
36 sind die Bauteile 22, 26, 34 sowie die entsprechenden Abstandselemente 30 gelagert.
Man erkennt, dass die beiden Radialabstandshalter 36 einen Durchmesser D
R aufweisen, welcher größer ist als ein maximaler Durchmesser D
B der Bauteile 22, 26, 34. Die Anordnung der beiden Radialabstandshalter 36 und der
dazwischen liegenden Bauteile 22, 26, 34 mit den Abstandselementen 30 wird durch zwei
Klemm- oder Fixierelemente 32 an der Achse 20 fixiert. Bei den Klemmelementen 32 kann
es sich zum Beispiel um auf die entsprechenden Enden der Achse 20 aufschraubbare Muttern
handeln. Die Klemmelemente 32 können gegebenenfalls auch in den Radialabstandshaltern
36 integriert sein. Da der Durchmesser D
R der Radialabstandshalter 36 größer ist als der maximale Durchmesser D
B der sich zwischen den Radialabstandshaltern 36 befindlichen Bauteile wird zuverlässig
verhindert, dass die zu bearbeitenden Bauteile 22, 26, 34 an den Innenseiten 14 des
Troges 12 anstoßen und gegebenenfalls beschädigt werden. Ein gegenseitiges Kontaktieren
der Bauteile 22, 26, 34 wird wiederum durch die zwischen den Bauteilen 22, 26, 34
angeordneten Abstandselemente 30 unterbunden. In dem dargestellten Ausführungsbeispiel
sind die Radialabstandshalter 36 scheibenförmig dargestellt und ausgebildet. Es besteht
natürlich auch die Möglichkeit, dass diese zum Beispiel ringförmig ausgebildet sind
oder auch eine andere geometrische Form aufweisen. Entscheidend dabei ist, dass die
Erstreckung und/oder der Durchmesser der Radialabstandshalter 36 an jeder Stelle immer
größer ist als der maximale Durchmesser und/oder die maximale Erstreckung des in der
Haltevorrichtung 18 fixierten Bauteils 22, 26, 34.
[0019] Die Achse 20 weist in dem dargestellten Ausführungsbeispiel einen konstanten Achsdurchmesser
auf. Es ist aber auch möglich, dass dieser Achsdurchmesser variiert und an unterschiedliche
Durchmesser der Öffnungen 24 der zu bearbeitenden Bauteile angepasst ist. Derartige
Größenunterschiede in den Durchmessern der Öffnungen 24 könnten auch durch entsprechende
Adapter (nicht dargestellt) ausgeglichen werden.
[0020] Figur 2 zeigt eine schematische Darstellung einer Haltevorrichtung 18' gemäß einer
weiteren Ausführungsform. Die Haltevorrichtung 18' umfasst dabei eine Achse 20 zur
lösbaren Aufnahme und Halterung einer Bauteilaufnahme 38. Die Achse 20 weist dabei
ein Außengewinde 46 auf, auf welches die Bauteilaufnahme 38 mit einem entsprechenden
Innengewinde (nicht dargestellt) einer in der Bauteilaufnahme 38 ausgebildeten Öffnung
40 aufschraubbar und befestigbar ist. Die Öffnung 40 ist dabei zentriert innerhalb
der Bauteilaufnahme 38 ausgebildet. Zur axialen Lagefixierung der Bauteilaufnahme
38 ist zudem mindestens ein ebenfalls auf die Achse 20 aufschraubbares Klemm- oder
Fixierelement 32 vorgesehen, welches im dargestellten Beispiel als Schraubmutter ausgebildet
ist. Die Bauteilaufnahme 38 kann aus Kunststoff, Keramik, Holz, Metall und/oder einer
Metall-Legierung gefertigt sein.
[0021] Des Weiteren erkennt man, dass die Bauteilaufnahme 38 scheibenförmig ausgebildet
ist. An den radial außen liegenden Rändern der Bauteilaufnahme 38 sind Befestigungsvorrichtungen
44 zur lösbaren Befestigung der Bauteile 42 angeordnet. Die Befestigungsvorrichtungen
44 können dabei als Schraub-, Klemm- oder Steckverbindungen ausgebildet sein. Auch
andere Befestigungsarten sind denkbar. Bei den Bauteilen 42 handelt es bei dem dargestellten
Ausführungsbeispiel um Schaufeln einer Turbine eines Flugtriebwerks. Die Befestigungsvorrichtungen
44 sind dabei in einem gleichen Winkelabstand zueinander angeordnet, so dass sich
insgesamt ein ungefähr rotationssymmetrischer Aufbau der Bauteilaufnahme 38 mit den
Bauteilen 42 bzw. eine ungefähr rotationssymmetrische Anordnung der Bauteile 42 ergibt.
Neben den in Figur 2 dargestellten drei Befestigungsvorrichtungen 44 kann natürlich
eine beliebige Anzahl von gleichen oder unterschiedlichen Befestigungsvorrichtungen
an der Bauteilaufnahme 38 ausgebildet sein, soweit dies die Baugröße der jeweiligen
Bauteilaufnahme 38 erlaubt.
[0022] Unter Verwendung der Haltevorrichtungen 18, 18' wird ein besonders effizientes Gleitschleifverfahren
geschaffen, bei welchem die dargestellten Bauteile 22, 26, 34, 42 auf der Achse 20
der Haltevorrichtung 18 direkt oder indirekt über die Bauteilaufnahme 38 gelagert
und zusammen mit der Haltevorrichtung 18 in den mit Schleifkörpern 16 gefüllten Trog
12 der Gleitschleifvorrichtung 10 eingelegt werden. Durch die Relativbewegung zwischen
den Schleifkörpern 16 und den Bauteilen 22, 26, 34, 42 beziehungsweise deren Bauteiloberflächen
werden Letztere geschliffen und/oder poliert und/oder entgratet.
Bezugszeichenliste
[0023]
- 10
- Gleitschleifvorrichtung
- 12
- Trog
- 14
- Behälterwand
- 16
- Schleifkörper
- 18
- Haltevorrichtung
- 18'
- Haltevorrichtung
- 20
- Achse
- 22
- Bauteil
- 24
- Öffnung
- 26
- Bauteil
- 28
- rotationssymmetrischer Bereich
- 30
- Abstandselement
- 32
- Klemm- oder Fixierelement
- 34
- Bauteil
- 36
- Radialabstandshalter
- 38
- Bauteilaufnahme
- 40
- Öffnung
- 42
- Bauteil
- 44
- Befestigungsvorrichtung
- 46
- Außengewinde
- a
- axialer Abstand
- DR
- Durchmesser
- DB
- maximaler Durchmesser
1. Haltevorrichtung (18) zur Aufnahme und Halterung von mindestens einem Bauteil (22,
26, 34, 42) innerhalb eines mit Schleifkörpern (16) gefüllten Troges (12) einer Gleitschleifvorrichtung
(10), mittels welcher jeweilige Oberflächen des mindestens einen Bauteils (22, 26,
34, 42) unter Relativbewegung zwischen dem mindestens einen Bauteil (22, 26, 34) und
den Schleifkörpern (16) abschleifbar sind,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Haltevorrichtung (18) mindestens eine Achse (20) zur lösbaren Aufnahme und Halterung
des mindestens einen Bauteils (22, 26, 34, 42) umfasst, wobei die Achse (20) derart
ausgebildet ist, dass sie durch mindestens eine Öffnung (24) im Bauteil (22, 26, 34)
und/oder durch mindestens eine Öffnung (40) einer mindestens ein Bauteil (42) aufnehmenden
Aufnahme (38) führbar ist.
2. Haltevorrichtung (18) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Haltevorrichtung (18) mindestens einen auf die Achse (20) aufbringbares Abstandselement
(30) aufweist, mittels welchem das mindestens eine Bauteil (22) und/oder die mindestens
eine Aufnahme (38) zu mindestens einem weiteren auf der Achse (20) gelagerten Bauteil
(26) und/oder einer weiteren Bauteilaufnahme in einem vorbestimmten axialen Abstand
(a) anordenbar ist.
3. Haltevorrichtung (18) nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Haltevorrichtung (18) mindestens einen Adapter aufweist, mittels dessen wenigstens
ein Größenunterschied und/oder ein Unterschied in der geometrischen Ausgestaltung
zwischen der Achse (20) und der Öffnung (24) des Bauteils (22, 26, 34) oder der Öffnung
(40) der Bauteilaufnahme (38), durch die die Achse (20) geführt ist, ausgleichbar
ist.
4. Haltevorrichtung (18) nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Abstandselement (30) und der Adapter als separate Bauelemente oder einstückig
ausgebildet sind.
5. Haltevorrichtung (18) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Haltevorrichtung (18) mindestens zwei Radialabstandshalter (36) aufweist, wobei
die Radialabstandshalter (36) derart an der Achse (20) angeordnet sind, dass das wenigstens
eine Bauteil (22, 26, 34) und/oder die Bauteilaufnahme (38) zwischen den Radialabstandshaltern
(36) gelagert ist und die mindestens zwei Radialabstandshalter (36) eine Erstreckung
und/oder einen Durchmesser (DR) aufweisen, welcher größer ist, als eine maximale Erstreckung und/oder ein maximaler
Durchmesser (DB) der Bauteile (22, 26, 34) oder dem mindestens einen an der Bauteilaufnahme (38)
angeordneten Bauteil (42) .
6. Haltevorrichtung (18) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Haltevorrichtung (18) mindestens zwei Klemm- oder Fixierelemente (32) aufweist,
mittels welchen die Bauteile (22, 26, 34) und/oder die Bauteilaufnahme (38) und/oder
das mindestens eine Abstandselement (30) und/oder der mindestens eine Adapter und/oder
die mindestens zwei Radialabstandshalter (36) auf der Achse (20) fixierbar sind.
7. Haltevorrichtung (18) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Achse (20) zumindest bereichsweise ein Außengewinde (46) aufweist.
8. Haltevorrichtung (18) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Achse (20) einen konstanten oder sich verändernden Achsdurchmesser aufweist.
9. Haltevorrichtung (18) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Bauteil (22, 26, 34) eine Komponente eines Flugzeugtriebwerks ist.
10. Haltevorrichtung (18) nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Komponente eine Blisk oder ein Bling ist.
11. Haltevorrichtung (18) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Bauteilaufnahme (38) derart ausgebildet ist, dass mehrere Bauteile (42) rotationssymmetrisch
an der Bauteilaufnahme (38) anordenbar sind.
12. Haltevorrichtung (18) nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Bauteilaufnahme (38) scheiben- oder ringförmig ausgebildet ist.
13. Gleitschleifverfahren,
dadurch gekennzeichnet, dass unter Verwendung einer Haltevorrichtung (18) gemäß einem der Ansprüche 1 bis 12 das
Verfahren mindestens folgende Schritte umfasst:
- Aufbringen und lösbares Befestigen von mindestens einem Bauteil (22, 26, 34) und/oder
mindestens einer mindestens ein Bauteil aufnehmenden Bauteilaufnahme (38) auf mindestens
einer Achse (32) der Haltevorrichtung (18), wobei die Achse (20) derart ausgebildet
ist, dass sie durch mindestens eine Öffnung (24, 40) im Bauteil (22) und/oder der
Bauteilaufnahme (38) führbar ist;
- Einbringen der Haltevorrichtung (18) in einen mit Schleifkörpern (16) gefüllten
oder zu füllenden Trog (12) einer Gleitschleifvorrichtung (10), welche zum Schleifen
jeweiliger Oberflächen des mindestens einen Bauteils (22, 26, 34, 42) unter Relativbewegung
zwischen dem mindestens einen Bauteil (22, 26, 34, 42) und den Schleifkörpern (16)
ausgelegt ist;
- Versetzen des Troges (12) und der darin befindlichen Schleifkörper (16) in Bewegung
zur Durchführung des Schleifvorgangs; und
- Stoppen des Bearbeitungsvorgangs und Entnahme der Haltevorrichtung (18).
14. Verfahren nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, dass
vor der Entnahme der Haltevorrichtung (18) mit dem mindestens einen Bauteil (22, 26,
34, 42) die Bewegungs- bzw. Fließrichtung der Schleifkörper (16) in dem Trog (12)
umgekehrt wird.