[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Aufbereitung von tierischen und
pflanzlichen Wachsen.
[0002] Typische tierische Wachse sind z.B. Bienenwachs oder Wollwachs; unter den pflanzlichen
Wachsen finden sich z.B. Zuckerrohrwachs, Reiswachs, Carnaubawachs oder Candelillawachs,
um nur einige Beispiele zu nennen.
[0003] Wachse finden sich in einer Vielzahl von unterschiedlichen Produkten. Insbesondere
bei pharmazeutischen Produkten ist es erforderlich und bei kosmetischen Produkten
zumindest erwünscht, dass die dort verarbeiteten Wachse die in der Pharmakopöe festgelegten
Kriterien erfüllen, d.h. möglichst keine schädlichen Fremdstoffe enthalten.
[0004] Ein wesentliches Problem in Bezug auf die Wachsreinheit stellt der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln
wie Pflanzenschutzmitteln oder Insektiziden dar. In sensiblen Produkten wird daher
zumeist pflanzliches bzw. tierisches Wachs verwendet, das aus Gegenden stammt, in
denen keine Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt werden.
[0005] Diese Strategie ist aber zunehmend schwieriger umzusetzen. Insbesondere der weltweite
Vormarsch unterschiedlicher Schädlinge, wie z.B. der für das Bienensterben mitverantwortlichen
Varroa-Milbe, macht einen flächendeckenden Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln
erforderlich, der auch vor bislang unberührten Gebieten nicht halt macht oder halt
machen wird. Man muss daher damit leben, dass in Zukunft zunehmend nur noch begrenzt
pflanzliche oder tierische Wachse zur Verfügung stehen, die den Anforderungen der
Pharmakopöe genügen.
[0006] Zukünftig wird es also zunehmend erforderlich sein, die zur Verfügung stehenden belasteten
Wachse so aufzubereiten, dass sie den Reinheitsanforderungen entsprechen.
[0007] Ein bekanntes Verfahren zur Aufreinigung von Wachsen ist z.B. die Kurzwegdestillation
unter Hochvakuum. Dieses Verfahren wird insbesondere bei Wollwachs eingesetzt, um
darin angereicherte Pestizide zu entfernen, mit denen die Schafe zur Vermeidung von
Zeckenbefall behandelt werden. Bei diesem Verfahren wird allerdings auch der Anteil
der freien Fettalkohole in dem Wollwachs verringert und damit die Emulsionseigenschaften
des Wollwachses verschlechtert.
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zu schaffen, mit dem sich der Anteil
an unerwünschten schädlichen Substanzen, insbesondere Schädlingsbekämpfungsmitteln,
in Wachs schonend verringern lässt.
[0009] Gelöst wird diese Aufgabe mit einem Verfahren, das die Merkmale des Anspruches 1
aufweist.
[0010] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass das aufzureinigende Wachs gelöst und dann mit
einem polaren Lösungsmittel vermischt wird, das auf eine Temperatur oberhalb der Schmelztemperatur
des Wachses erwärmt ist. Das Gemisch wird für einen definierten Zeitraum auf dieser
Temperatur gehalten. Der Zeitraum sollte ausreichend sein, um dem Lösungsmittel eine
möglichst quantitative Extraktion von in dem Wachs enthaltenen in polaren Lösungsmitteln
löslichen Stoffen zu ermöglichen. Um den Grad der Extraktion zu verbessern, kann insbesondere
vorgesehen sein, dass das Gemisch agitiert, z.B. geschüttelt oder sonstwie bewegt
wird.
[0011] Anschließend lässt man dann das Gemisch soweit abkühlen bis sich das Wachs wieder
verfestigt hat und entfernt dann das flüssige polare Lösungsmittel.
[0012] Ähnliche Verfahren sind bekannt, mit denen Duftstoffe aus z.B. Bienenwachs extrahiert
werden. Diese reichern sich in dem polaren Lösungsmittel, in der Regel Ethanol, an
und können daraus in Form eines in der Parfümindustrie eingesetzten sogenannten Absolues
isoliert werden.
[0013] Überraschend wurde nun von der Anmelderin festgestellt, dass sich mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren auch die üblichen in dem Wachs angereicherten Schädlingsbekämpfungsmittel
wie z.B. Fluvalinate, Brompropylate, DDT oder Dicofol, um nur einige Beispiele zu
nennen, entfernen lassen. Dies war insbesondere deswegen überraschend, weil nicht
zu erwarten war, dass die in der Regel fettlöslichen Schädlingsbekämpfungsmittel mit
polaren Lösungsmitteln aus dem Wachs extrahiert werden können.
[0014] Im Rahmen der Erfindung einsetzbare polare Lösungsmittel sind insbesondere Alkohole.
Bevorzugt wird Ethanol eingesetzt. Bei der Aufbereitung höher schmelzender Wachse
kann es allerdings auch erforderlich sein, einen ebenfalls höher siedenden Alkohol
einzusetzen. Hier würde sich z.B. Propanol anbieten.
[0015] Wie oben bereits angesprochen, eignet sich das Verfahren zur Aufbereitung aller Wachse,
deren Quellen möglicherweise in Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln oder Schädlingsbekämpfungsmitteln
kommen können.
[0016] Das Verfahren nutzt die Unlöslichkeit von Wachsen in kurzkettigen Alkoholen wie Methanol,
Ethanol, Propanol und seine Isomere, Butanol und seine Isomere aus.
[0017] Grundsätzlich kann das Verfahren in einer Ausgestaltung wie folgt ablaufen:
[0018] Das aufzureinigende Wachs wird geschmolzen, mit Alkohol versetzt im Verhältnis Wachs
zu Alkohol von z.B. 20% zu 80% und eine gewisse Zeit (20 min. - 60min.) extrahiert,
z.B. unter Rühren. Anschließend wird unter Rühren auf ca. 8°C abgekühlt, damit das
Wachs quantitativ ausfällt. Es ist vorteilhaft, dass dabei konstant gerührt wird,
damit eine pumpfähige Wachs-Alkoholaufschlämmung erhalten wird. Diese wird dann in
einer geeigneten Vorrichtung (Filterpresse, Klärzentrifuge) abfiltriert. Dabei wird
der gewonnene Alkohol wieder verwertet und der Rektifikation zugeführt. Der Filterrückstand
wird ein zweites Mal aufgeschmolzen und wird ein zweites Mal mit frischem Alkohol
im Verhältnis 20% Wachs und 80% Alkohol extrahiert. Es wird nach ca. 20-60 min. wieder
unter Rühren auf ca. 8°C gekühlt und anschließend abfiltriert. Der Filterrückstand
wird alkoholfrei destilliert (z.B. Vakuumdestillation) und kann als Wachs den entsprechenden
Anwendungen zugeführt werden. Die Alkoholfraktionen werden vereinigt und können rektifiziert
werden und können damit beim nächsten Mal wieder verwendet werden.
[0019] Besonders angesprochen im Rahmen der Erfindung sind Wachse wie z.B. Bienenwachs,
Carnaubawachs.
[0020] Im Folgenden soll die Erfindung anhand einiger Beispiele näher erläutert werden.
Beispiel 1
Reinigung von Bienenwachs
[0021] Aus einer Charge Bienenwachs wurden circa 20g Probematerial genommen und darin nach
gängigen Methoden der Gehalt an Fluvalinat bestimmt. Fluvalinat kann als Leitsubstanz
betrachtet werden, d.h. diese Substanz ist bei Belastung eines Wachses mit Schädlingsbekämpfungsmitteln
in der Regel immer präsent.
[0022] Das Ergebnis betrug 3,2mg/kg und liegt damit deutlich über dem in der Pharmakopöe
vorgeschriebenen Grenzwert von 0,05mg/kg.
[0023] Aus derselben Charge wurde Bienenwachs nach dem erfindungsgemäßen Verfahren wie folgt
aufbereitet:
[0024] Es wurden 50g Bienenwachs in einem Erlenmeierkolben mit Rückflusskühler geschmolzen
und nach dem Aufschmelzen mit 200ml Ethanol versetzt. Es wurde anschließend 20 min.
bei 75-80°C weitergerührt. Danach wurde der Rückflusskühler abgebaut und durch einen
KPG-Rührer ersetzt und es wurde unter kräftigem Rühren abgekühlt. Zur Vervollständigung
der Kristallisation wurde die Wachs-AlkoholAufschlämmung für ca. 60 min in den Kühlschrank
bei 4-8 °C gestellt. Anschließend wurde über eine Filternutsche das Wachs vom Ethanol
angetrennt. Das Wachs wurde wie unter den obigen Bedingungen beschrieben einer zweiten
Extraktion unterworfen. Nach dem Trennen von Wachs und Ethanol wurde der Restethanol
abgedampft oder im Vakuum abdestilliert.
[0025] Es wurde dann wiederum der Gehalt an Fluvalinat bestimmt, der nun 0,6 mg/kg betrug.
Das aufbereitete Wachs war damit deutlich geringer belastet als das nicht behandelte
Ausgangsmaterial. Der Wert liegt zwar nach wie vor über dem Grenzwert. Allerdings
handelte es sich hier nur um ein Experiment mit dem grundsätzlich die Eignung des
Verfahrens zur Entfernung von Fluvalinat und gezeigt werden sollte.
[0026] In weiteren Beispielen wird gezeigt, dass sich mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
noch höhere Reinheitsgrade erreichen lassen.
Beispiel 2:
Reinigung von mit unterschiedlichen Pestiziden dotiertem Wachs
[0027] Hier sollte gezeigt werden, dass und wie sich verschiedene Pestizidtypen mit dem
erfindungsgemäßen Verfahren entfernen lassen. Dazu wurde ein unbelastetes Bienenwachs
mit folgenden Pestiziden in den jeweiligen Konzentrationen versehen:
Lindan: 0,36 ppm
a-HCH: 0,32 ppm
2,4'- DDT: 0,36 ppm
Coumaphos: 2,00 ppm
Brompropylat: 2,16 ppm
tau-Fluvalinat: 2,16 ppm
[0028] Es wurden 50g derart dotiertes Bienenwachs in einem Erlenmeierkolben mit Rückflusskühler
geschmolzen und nach dem Aufschmelzen mit 200ml Ethanol versetzt. Es wurde anschließend
45 min bei 75-80°C weitergerührt. Danach wurde der Rückflusskühler abgebaut und durch
einen KPG-Rührer ersetzt und es wurde unter kräftigem Rühren abgekühlt. Zur Vervollständigung
der Kristallisation wurde die Wachs-Alkohol-Aufschlämmung für ca. 60 min. in den Kühlschrank
bei 4-8 °C gestellt. Anschließend wird über eine Filternutsche das Wachs vom Ethanol
angetrennt. Das Wachs wurde wie unter den obigen Bedingungen beschrieben einer zweiten
Extraktion unterworfen. Nach dem Trennen von Wachs und Ethanol wurde der Restethanol
abgedampft oder im Vakuum abdestilliert.
[0029] Die anschließende Pestizidanalyse zeigte folgendes Ergebnis:
Lindan: 0,01 ppm
a-HCH: 0,01 ppm
2,4'- DDT: < 0,01 ppm
Coumaphos: < 0,03 ppm
Brompropylat: < 0,1 ppm
tau-Fluvalinat: < 0,1 ppm
[0030] Das Verfahren zeigt also eine gute bis sehr gute Entfernung der verschiedenen Pestizide,
wobei insbesondere die Verlängerung der Extraktionszeit auf 45 min. (gegenüber dem
Beispiel 1) für eine noch bessere Entfernung des tau-Fluvalinats gesorgt hat.
Beispiel 3
Reinigung von mit unterschiedlichen Pestiziden dotiertem höherschmelzenden Wachs
[0031] Hier soll gezeigt werden, dass das Verfahren auch für höher schmelzende Wachse anwendbar
ist.
[0032] Dazu wurde ein unbelastetes Sonnenblumenwachs mit folgenden Pestiziden in den jeweiligen
Konzentrationen versehen:
Lindan: 0,85 ppm
a-HCH: 0,46 ppm
2,4'- DDT: 0,50 ppm
Coumaphos: 3,00 ppm
Brompropylat: 3,50 ppm
tau-Fluvalinat: 3,10 ppm
[0033] Es wurden 50g derart dotiertes Sonnenblumenwachs in einem Erlenmeierkolben mit Rückflusskühler
geschmolzen und nach dem Aufschmelzen mit 200 ml Ethanol versetzt. Es wurde anschließend
45 min bei 75-80°C weitergerührt. Danach wurde der Rückflusskühler abgebaut und durch
einen KPG-Rührer ersetzt und es wurde unter kräftigem Rühren abgekühlt. Zur Vervollständigung
der Kristallisation wurde die Wachs-Alkohol-Aufschlämmung für ca. 60 min. in den Kühlschrank
bei 4-8 °C gestellt. Anschließend wurde über eine Filternutsche das Wachs vom Ethanol
angetrennt. Das Wachs wurde wie unter den obigen Bedingungen beschrieben einer zweiten
Extraktion unterworfen. Nach dem Trennen von Wachs und Ethanol wurde der Restethanol
abgedampft oder im Vakuum abdestilliert.
[0034] Die anschließende Pestizidanalyse zeigte folgendes Ergebnis:
Lindan: 0,07 ppm
a-HCH: 0,04 ppm
2,4'- DDT: < 0,01 ppm
Coumaphos: < 0,03 ppm
Brompropylat: 0,2 ppm
tau-Fluvalinat: 0,2 ppm
[0035] Das Verfahren zeigt also auch bei höher schmelzenden Wachsen eine gute bis sehr gute
Entfernung der verschiedenen Pestizide.
Beispiel 4:
Kalte Extraktion eines Bienenwachses mit großer Oberfläche
[0036] Dazu wurden 50 g gesprühtes Bienenwachs mit einer Teilchengröße von ca. 300µm mit
250 g Ethanol versetzt und es wurde eine Temperatur von 40°C eingestellt. Anschließend
wurde bei dieser Temperatur 45 min. gerührt. Nach dem Abfiltrieren wurde der Filterrückstand
erneut mit 250 g Ethanol versetzt und es wurde wieder eine Temperatur von 40°C eingestellt.
Anschließend wurde bei dieser Temperatur 45 min. gerührt. Nach dem Abfiltrieren wurde
der Rückstand bei 80-90°C vom restlichen Ethanol befreit.
[0037] Mit folgenden Pestiziden war das Ausgangsmaterial belastet:
| DDE, o,p- |
0,056 ppm |
| DDE, p,p'- |
0,024 ppm |
| DDT (gesamt) |
0,10 ppm |
| DDT, o,p'- |
0,078 ppm |
| Dicofol, p,p- |
0,45 ppm |
| S421 |
0,11 ppm |
| Tau-Fluvalinat |
4,0 ppm |
| Coumaphos |
1,2 ppm |
[0038] Nach der Extraktion wurden folgende Werte ermittelt:
| DDE, o,p- |
Spuren < 0,01 ppm |
| DDE, p,p'- |
Spuren < 0,01 ppm |
| DDT (gesamt) |
0,016 ppm |
| DDT, o,p'- |
0,016 ppm |
| Dicofol, p,p- |
0,11 ppm |
| S421 |
nicht nachweisbar |
| Tau-Fluvalinat |
0,7 ppm |
| Coumaphos |
nicht nachweisbar |
[0039] Die Kaltextraktion mit Ethanol zeigt bei allen Pestiziden eine deutliche Reduktion,
die teilweise sogar bis unter die Nachweisgrenze geht.
1. Verfahren zur Aufbereitung von tierischen und pflanzlichen Wachsen, bei dem das Wachs
in flüssigem Zustand mit einem auf eine Temperatur oberhalb der Schmelztemperatur
des Wachses erwärmten polaren Lösungsmittel für einen definierten Zeitraum vermischt
wird, dann die Mischung soweit abgekühlt wird, dass das Wachs sich verfestigt, während
das Lösungsmittel flüssig bleibt, und dann das Lösungsmittel entfernt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Lösungsmittel um Alkohol, insbesondere Ethanol oder Propanol sowie
deren Isomere, handelt.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das aufzureinigende Wachs Bienenwachs, Reiswachs, Carnaubawachs ist.