[0001] Aus dem Stand der Technik sind Gaslöschanlagen und Löschverfahren bekannt, bei denen
während der Entladung ein Löschfluid aus einem Druckbehälter über ein Behälterventil
und Leitungssystem zu einer oder mehreren Löschdüsen geführt wird. Das im Druckbehälter
gespeicherte Löschfluid weist eine Löschflüssigkeit und ein Treibgas auf. Die Löschflüssigkeit
ist vorzugsweise eine chemisch wirkende Löschflüssigkeit. Sie basiert insbesondere
auf Halogenkohlenwasserstoffen (Halone), wie z.B. auf HFC-227ea oder HFC-23, oder
auf fluorierten Ketonen, wie z.B. auf FK-5-1-12, das unter dem Markennamen Novec®
1230 vertrieben wird. Das Treibgas ist vorzugsweise ein Inertgas wie Stickstoff oder
Argon, oder Kohlenstoffdioxid.
[0002] Das Löschfluid liegt im Leitungssystem zu Beginn der Entladung hauptsächlich in flüssiger
Phase vor. Nach Austragung der Löschflüssigkeit geht dann das Löschfluid im Leitungssystem
in eine hauptsächlich gasförmige Phase über. Mit "hauptsächlich" ist hier ein Volumenanteil
der jeweiligen Phase gegenüber der anderen Phase von mehr als 90% gemeint. In zeitlicher
Hinsicht des Phasenübergangs ist dies der Zeitraum, in dem das Treibgas im Druckbehälter
die dortige Löschflüssigkeit aus dem Druckbehälter fördert bzw. "hinauspresst", bis
letztendlich nur noch das Treibgas im Druckbehälter vorhanden ist. Auch dieses restliche
Treibgas entleert sich über das angeschlossene Leitungssystem und weiter über die
Düsen bis zum typischerweise drucklosen Zustand.
[0003] Bekannt ist auch, dass beim Auslösen und während der Entladung einer solchen Gaslöschanlage
Lärmpegel bis zu 110 dB und mehr auftreten können. Befinden sich in geschützten Räumen,
wie z.B. in Datencentern, die mit einer solchen Gaslöschanlage verbunden sind, magnetische
Festplatten, so ist bekannt, dass diese ab Lärmpegel von mehr als 100 dB beeinträchtigt
werden und zum Teil auch ausfallen können.
[0004] Ausgehend von dem eingangs genannten Stand der Technik ist es eine Aufgabe der Erfindung,
ein Verfahren anzugeben, welches den Lärm und Raumluftüberdruck reduziert.
[0005] Die Aufgabe wird mit den Gegenständen des Hauptanspruchs gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0006] Erfindungsgemäss wird in einem Phasenübergangsbereich, der mit einer signifikanten
Abnahme des Löschfluid-Mengenstroms und einem signifikanten Anstieg des Lärms und
des Raumluftdrucks einhergeht, der Mengenstrom bzw. der Massenstrom reduziert oder
gestoppt.
[0007] Dadurch wird vorteilhaft wirksam die weitere Zunahme von Lärm wirksam reduziert,
sodass lärmsensitive Komponenten, wie z.B. magnetische Festplatten, im Bereich der
Löschdüsen nicht beeinträchtigt werden.
[0008] Ein weiterer Vorteil ist, dass Druckausgleichsklappen in geschützten Räumen, welche
im Falle der Auslösung einer Gaslöschanlage zur Reduzierung des Raumüberdrucks geöffnet
werden, um Gebäude- und Personenschäden zu minimieren, nun kleiner dimensioniert werden
können. Der bauliche sowie kostenmässige Aufwand reduziert sich.
[0009] Nach einer Verfahrensvariante wird der Mengenstrom derart reduziert, dass der Schallpegel
des entstehenden Lärms auf einen Wert von maximal 100 dB begrenzt.
[0010] Einer Verfahrensvariante zufolge wird der Mengenstrom derart reduziert, dass der
Raumluftüberdruck auf einen Überdruckwert in einem Bereich von 200 bis 1000 Pa begrenzt
wird.
[0011] Dadurch wird das Schädigungsrisiko von Personen, die sich in geschützten Räumen befinden,
vorteilhaft minimiert. Der Raumluftüberdruck ist dabei auf den in der Umgebung der
Gaslöschanlage herrschenden atmosphärischen Normaldruck als Bezugsniveau bezogen.
Es entspricht im Normalfall, d.h. im nicht ausgelösten Zustand der Gaslöschanlage,
dem Umgebungsluftdruck.
[0012] Vorzugsweise erfolgt die (aktive) Reduzierung des Mengenstroms zeitgesteuert. In
diesem Fall erfolgt die Reduzierung über ein Zeitglied mit einer vorgegebenen Verzögerungszeit,
wie z.B. mittels eines Zeitrelais. Über dieses kann zumindest mittelbar getriggert
durch ein Auslösesignal der Gaslöschanlage eine Drossel bzw. ein Reduzierventil im
Leitungssystem der Gaslöschanlage angesteuert werden, um den Mengenstrom des Löschfluids
zu reduzieren. Das Zeitglied kann auch pneumatisch oder hydraulisch realisiert sein,
ebenso wie die Ansteuerung der Drossel. Die einstellbare Verzögerungszeit liegt vorzugsweise
im Bereich von 5 bis 15 Sekunden, insbesondere in einem Bereich von 7 bis 10 Sekunden.
[0013] Die Mengenstromreduzierung kann auch leitungsdruckgesteuert erfolgen, wie z.B. mittels
eines Drucksensors zur Erfassung des Leitungsdrucks.
[0014] Die Mengenstromreduzierung kann auch umgebungsluftdruckgesteuert, d.h. gesteuert
über den in der Gaslöschanlage vorherrschenden Raumluftdruck, erfolgen, wie z.B. mittels
eines Luftdrucksensors oder Differenzdrucksensors. Überschreitet der Raumluftüberdruck
einen vorgegebenen Überdruckwert, wie z.B. einen Druckwert von 200 Pa, so erfolgt
die Ansteuerung der Drossel zur Reduzierung des Mengenstroms.
[0015] Die Mengenstromreduzierung kann auch lärmgesteuert erfolgen, wie z.B. durch ein Mikrophon
oder einen Körperschallsensor.
[0016] Die Mengenstromreduzierung kann weiterhin alternativ oder zusätzlich über den aktuellen
Füllstand des Druckbehälters erfolgen. In diesem Fall kann im Druckbehälter ein Füllstandsmesser
angeordnet sein, wie z.B. ein Schwimmer. Der Füllstandsmesser kann auch ein Ultraschall-Füllstandsmesser
sein.
[0017] Weiterhin kann die Mengenstromreduzierung über das aktuelle Gewicht des Druckbehälters
erfolgen, welches mit zunehmender Entladung des Druckbehälters abnimmt. Das aktuelle
Gewicht des Behälters kann mittels einer Wiegevorrichtung, wie z.B. mittels einer
Waage oder Kraftmessdose, gemessen werden.
[0018] Weiterhin alternativ oder zusätzlich kann die Mengenstromreduzierung über einen messtechnisch
erfassten Wert für den Mengenstrom erfolgen, wie z.B. mittels eines Durchflussmessers,
eines Volumenstrommessers oder eines Massenstrommessers. Derartige Messgeräte können
in technologischer Hinsicht den Durchfluss auf Basis eines sich drehenden Flügelrades
oder eines entlang einer Messstrecke abfallenden Fluiddrucks erfassen. Die Messung
kann auch auf optischem Wege, wie z.B. auf Basis der Änderung des Brechungsindex bei
flüssiger und gasförmiger Phase, oder mittels Ultraschall erfolgen.
[0019] Nach einer Verfahrensvariante erfolgt die Reduzierung des Mengenstroms einstufig.
Dadurch ist eine besonders einfache Realisierung des Mengenstroms des Löschfluids
möglich. Alternativ ist auch eine zweistufige oder allgemein eine mehrstufige Reduzierung
des Mengenstroms vorstellbar.
[0020] Die Aufgabe der Erfindung wird weiterhin durch eine Gaslöschanlage gelöst, die zumindest
einen Druckbehälter zur Druckbevorratung eines Löschfluids aufweist. Das Löschfluid
weist eine Löschflüssigkeit und ein Treibgas auf. Der jeweilige Druckbehälter ist
über ein Behälterventil oder über einen Behälterventilauslöser an ein Leitungssystem
an zumindest einer Löschdüse angeschlossen. Das Leitungssystem kann Leitungsrohre,
Sammelrohre und/oder Druckschläuche umfassen.
[0021] Weiterhin weist die Gaslöschanlage einen Auslöser zum Öffnen des jeweiligen Behälterventils
auf, um das Löschfluid in das Leitungssystem auszutragen.
[0022] Typischerweise weisen alle Behälterventile einen Auslöser auf. Der Auslöser auf dem
ersten Behälterventil wird von der Brandmeldezentrale angesteuert. Die verbleibenden
Auslöser werden dann vorzugsweise durch den ersten geöffneten Druckbehälter gemeinsam
angesteuert.
[0023] Der Auslöser kann ein elektrisch, pneumatisch oder hydraulisch ansteuerbarer Auslöser
sein, der mechanisch mit dem jeweiligen Behälterventil zum Öffnen verbunden ist. Die
Gaslöschanlage umfasst zudem eine Drossel oder Reduzierventil, die bzw. das im Leitungssystem
angeordnet ist. Die Drossel ist über eine Steuervorrichtung der Gaslöschanlage zum
(weiteren aktiven) Reduzieren oder auch zum Stoppen des Löschfluids-Mengenstroms ansteuerbar.
Die Steuervorrichtung ist dazu eingerichtet, die Drossel beim Phasenübergang von einer
hauptsächlich flüssigen Phase in eine hauptsächlich gasförmige Phase anzusteuern.
[0024] Durch die Ansteuerung der Drossel wird der Löschfluid-Mengenstrom reduziert. Erfolgt
bereits eine Reduktion des Mengenstroms aufgrund des Phasenübergangs des Löschfluids
von der hauptsächlich flüssigen Phase in die hauptsächlich gasförmige Phase, so wird
durch die Ansteuerung der Drossel der Mengenstrom aktiv weiter reduziert.
[0025] Nach einer Ausführungsform der Gaslöschanlage ist die Drossel zur Reduktion des Mengenstroms
im Leitungssystem derart bemessen, dass der Schallpegel des entstehenden Lärms auf
einen Wert von maximal 100 dB begrenzbar ist. Dies kann z.B. im Rahmen einer Typprüfung
einer solchen Gaslöschanlage erfolgen. Im Rahmen der Bemessung können z.B. Lochblenden
mit unterschiedlichen Strömungsdurchmessern getestet werden.
[0026] Einer weiteren Ausführungsform zufolge ist die Drossel derart bemessen, dass der
Raumluftüberdruck auf einen Überdruckwert in einem Bereich von 200 bis 1000 Pa begrenzbar
ist. Die Bemessung kann auch so erfolgen, dass sowohl der zuvor genannte maximale
Schallpegelwert als auch der Überdruckwert eingehalten werden.
[0027] Die Steuervorrichtung der erfindungsgemässen Gaslöschanlage kann z.B. ein triggerbares
Zeitverzögerungsglied, d.h. einen sogenannten Timer, aufweisen. Im einfachsten Fall
weist die Steuervorrichtung hierzu einen externen elektrischen Eingang zum Triggern
des Zeitverzögerungsglieds auf. Das Zeitverzögerungsglied kann dann durch den Auslöser,
durch eine vorgeschaltete Brandmeldezentrale oder auch durch einen manuell auslösbaren
Löschtaster zum Ansteuern der Drossel getriggert werden. Der Auslöser, die Brandmeldezentrale
wie auch der Löschtaster können dann an den elektrischen Triggereingang als Schalteingang
der Steuervorrichtung angeschlossen werden.
[0028] Die Steuervorrichtung kann auch einen ersten Drucksensor zur Erfassung des Leitungsdrucks
im Leitungssystems der Gaslöschanlage und/oder einen zweiten Drucksensor zur Erfassung
des Raumluftüberdrucks in einem von den Löschdüsen entfernten Bereich der Gaslöschanlage
aufweisen. Mit "entfernt" ist hier gemeint, dass der zweite Drucksensor nicht im Auslasssektor
bzw. Ausströmbereich der Löschdüsen angeordnet sein soll.
[0029] Weiterhin alternativ oder zusätzlich weist die Steuervorrichtung ein Mikrophon zur
Erfassung des Lärms im Bereich der Gaslöschanlage und/oder einen an Komponenten der
Gaslöschanlage angebrachten Körperschallsensor zur Erfassung des Körperschalls auf.
[0030] Die Steuervorrichtung kann weiterhin einen Mengenstrommesser zur Erfassung des im
Leitungssystem fliessenden Löschfluid-Mengenstroms aufweisen. Der Mengenstrommesser
kann dabei in Flussrichtung des Löschfluids gesehen vor der Drossel oder auch nach
der Drossel angeordnet sein.
[0031] Nach einer Ausführungsform sind die Steuervorrichtung und die Drossel zu einer Baueinheit
zusammengefasst. Die Steuervorrichtung weist hydrodynamisch und/oder hydrostatisch
wirkende Komponenten zum Betätigen der Drossel auf. Die Baueinheit aus Steuervorrichtung
und Drossel kann auch "elektronikfrei", das heisst ohne elektrische Komponenten realisiert
sein, wie z.B. durch Verwendung von mechanischen, hydraulischen und/oder pneumatischen
Komponenten.
[0032] Nach einer weiteren Ausführungsform weist das Löschfluid eine chemisch wirkende Löschflüssigkeit
auf Basis von Halogenwasserstoffen und ein Inertgas, wie Stickstoff oder Argon, oder
Kohlenstoffdioxid als Treibgas auf.
[0033] Die Erfindung sowie vorteilhafte Ausführungen der vorliegenden Erfindung werden am
Beispiel der nachfolgenden Figuren erläutert. Dabei zeigen:
- FIG 1
- beispielhaft den zeitlichen Verlauf des während der Entladung einer Gaslöschanlage
auftretenden Lärms und Raumluftüberdrucks nach dem Stand der Technik,
- FIG 2
- beispielhaft den zeitlichen Verlauf des während der Entladung einer Gaslöschanlage
auftretenden reduzierten Lärms und Raumluftüberdrucks durch aktive Reduktion des Löschfluid-Mengenstroms
gemäss dem erfindungsgemässen Verfahren,
- FIG 3
- ein Beispiel für eine erfindungsgemässe Gaslöschanlage mit einer im Leitungssystem
angeordneten Drossel, welche über eine Steuervorrichtung zum Reduzieren oder Stoppen
des Löschfluids-Mengenstroms ansteuerbar ist,
- FIG 4
- ein Beispiel für eine erfindungsgemässe Gaslöschanlage nach einer ersten Ausführungsform
und
- FIG 5
- ein Beispiel für eine erfindungsgemässe Gaslöschanlage nach einer weiteren Ausführungsform.
[0034] FIG 1 zeigt beispielhaft den zeitlichen Verlauf des während der Entladung einer Gaslöschanlage
auftretenden Lärms und Raumluftüberdrucks nach dem Stand der Technik.
[0035] Im oberen Teil der FIG 1 ist über der Zeit t der Schallpegel LP in dB als Mass für
den Lärm, im unteren Teil der FIG 1 der Raumluftüberdruck p
R in bar aufgetragen.
[0036] Wie die FIG 1 zeigt, nimmt beim Übergang des Löschfluids von der flüssigen in die
gasförmige Phase einerseits der Lärm und andererseits der Raumluftdruck bzw. der Umgebungsdruck
signifikant zu. Der eingetragene Raumluftüberdruck p
R ist dabei auf den in der Umgebung der Gaslöschanlage herrschenden atmosphärischen
Normaldruck als Bezugsniveau bezogen und weist typischerweise im nicht ausgelösten
Fall der Gaslöschanlage etwa den Druckwert 0 Pa auf. Der Phasenübergang ist im vorliegenden
Beispiel idealisiert als Zeitpunkt t1 dargestellt. In der Praxis erfolgt der Phasenübergang
innerhalb weniger Sekunden. Im vorliegenden Beispiel liegt der Maximalschallpegelwert
L
Max im Zeitpunkt t2 bei knapp über 110 dB. Derartige Schallpegelwerte sind hochkritisch
für den ordnungsgemässen Betrieb von magnetischen Laufwerken in Datencentern. Zugleich
fällt der Raumluftdruck ab, erholt sich schliesslich und nimmt dann signifikant zu.
Bezogen auf den eingetragenen Raumluftüberdruck p
R bedeutet dies, dass dieser zunächst negativ wird, dann wieder zu Null wird, d.h.
sich wieder dem vor der Auslösung herrschenden Normaldruck annähert, dann signifikant
ansteigt und seinen Maximalüberdruckwert P
Max im Zeitpunkt t3 erreicht. Um Gebäude- und Sachschäden im Bereich der Gaslöschanlage
durch zu hohe Raumluftüberdruckwerte zu vermeiden, sind daher Druckausgleichsklappen
vorgesehen.
[0037] FIG 2 zeigt beispielhaft den zeitlichen Verlauf des während der Entladung einer Gaslöschanlage
auftretenden reduzierten Lärms und Raumluftüberdrucks durch aktive Reduktion des Löschfluid-Mengenstroms
ṁ gemäss dem erfindungsgemässen Verfahren.
[0038] Im unteren Teil der FIG 2 ist über der Zeit t wiederum der Schallpegel LP und darunter
der Raumluftüberdruck p
R aufgetragen. Rechts vom Zeitpunkt t1 ist der Verlauf des Schallpegels LP und Raumüberdrucks
p
R für den nicht aktiv reduzierten Fall des Mengenstroms
ṁ gestrichelt eingetragen, dagegen sind die korrespondierenden Verläufe für den Fall
mit erfindungsgemässer Reduktion des Mengenstroms
ṁ punktgestrichelt und mit grösserer Linienstärke eingetragen. Im oberen Teil der FIG
2 ist zusätzlich der Verlauf des Mengenstroms
ṁ des Löschfluids aufgetragen.
[0039] Erfindungsgemäss wird nun in einem Phasenübergangsbereich T, der mit einer signifikanten
Abnahme des Löschfluid-Mengenstroms
ṁ und einem signifikanten Anstieg des Lärms und des Raumluftdrucks einhergeht, der
Mengenstrom
ṁ reduziert.
[0040] Im oberen gezeigten Verlauf des Mengenstroms
ṁ wird im Zeitpunkt t0 die signifikante Abnahme des Mengenstroms
ṁ detektiert. Rechts davon ist der Verlauf des Mengenstroms
ṁ dargestellt, wie dieser ohne die erfindungsgemässe weitere Reduzierung des Mengenstroms
ṁ verlaufen würde. Die Detektion der signifikanten Abnahme des Mengenstroms
ṁ bewirkt beispielhaft eine Änderung eines darunter eingezeichneten Verlaufs eines
logischen binären Schaltzustandes S von dem Wert 0 auf den Wert 1. Der logische Wert
1 kann z.B. der Ansteuerung einer Drossel zur aktiven weiteren Reduzierung des Mengenstroms
ṁ entsprechen. Ein logischer Wert von 0 entspricht folglich keiner aktiven Reduzierung
des Mengenstroms
ṁ. Der Verlauf des nun reduzierten Mengenstroms
ṁ ist darunterliegend aufgetragen. Diese Reduzierung bewirkt letztlich die Begrenzung
des sonstigen Lärmanstiegs auf einen reduzierten Schallpegelwert L
Red von knapp 100 dB im Zeitpunkt t2 sowie eine Begrenzung des Raumluftüberdrucks p
R auf einen Maximaldruckwert P
Red im Zeitpunkt t3.
[0041] FIG 3 zeigt ein Beispiel für eine erfindungsgemässe Gaslöschanlage A mit einer im
Leitungssystem LS angeordneten Drossel DR, welche über eine Steuervorrichtung SV zum
Reduzieren oder Stoppen des Löschfluids-Mengenstroms ansteuerbar ist. Am ausgangsseitigen
Ende des Leitungssystems LS ist beispielhaft nur eine Löschdüse D dargestellt. Letztere
ist die eigentliche Quelle für den Lärm und für den Anstieg des Raum- bzw. Umgebungsdrucks.
[0042] Die Gaslöschanlage A umfasst beispielhaft nur einen einzigen Druckbehälter B zur
Druckbevorratung eines Löschfluids F. Letzteres weist eine Löschflüssigkeit L, wie
z.B. Novec® 1230, und ein Treibgas G, wie z.B. Stickstoff, auf. Der Druckbehälter
B ist über ein Behälterventil BV an das Leitungssystem LS und an die Löschdüse D angeschlossen.
Die Gaslöschanlage A weist weiterhin einen Auslöser AL zum Öffnen des Behälterventils
BV auf, um das Löschfluid F in das Leitungssystem LS auszutragen. Im vorliegenden
Beispiel wird der Auslöser AL durch eine Brandmeldezentrale BMZ getriggert.
[0043] Gemäss der Erfindung ist im Leitungssystem LS eine Drossel DR angeordnet, welche
über eine Steuervorrichtung SV zum Reduzieren oder Stoppen des Löschfluids-Mengenstroms
ansteuerbar ist. Die Steuervorrichtung SV ist dazu eingerichtet, die Drossel DR beim
Phasenübergang des Löschfluids F von einer hauptsächlich flüssigen Phase in eine hauptsächlich
gasförmige Phase anzusteuern. Die Feststellung des Phasenübergangs kann z.B. sensorisch,
d.h. mittels Sensoren, erfolgen. Der Phasenübergang kann auch nach Ablauf einer vorgegebenen
Verzögerungszeit nach Auslösen der Gaslöschanlage A als festgestellt gelten.
[0044] FIG 4 zeigt ein Beispiel für eine erfindungsgemässe Gaslöschanlage A nach einer ersten
Ausführungsform. In diesem Beispiel weist die Gaslöschanlage A mehrere Druckbehälter
B auf. Der linke Druckbehälter B ist über ein Behälterventil BV und über einen Druckschlauch
DS an das Leitungssystem LS angeschlossen. Das Behälterventil BV wird dabei im Auslösungsfall
von einem Auslöser AL zum Öffnen angesteuert. Die beiden anderen sind je über einen
Behälterventilauslöser BVA und über je einen Druckschlauch DS an ein gemeinsames Sammelrohr
SR angeschlossen. Die beiden rechten Behälterventilauslöser BVA werden gemeinsam durch
das vorgeschaltete Behälterventil BV des linken Druckbehälters B ausgelöst. Sowohl
die Druckschläuche DS, gemeinsames Sammelrohr SR als auch das Rohr R zur Verbindung
des Sammelrohrs SR mit der Löschdüse D sind Bestandteile des Leitungssystems LS.
[0045] Wie die FIG 4 weiter zeigt, sind die Steuervorrichtung SV, die lediglich einen Drucksensor
S1 zur Erfassung des Leitungsdrucks aufweist, und die Drossel DR zu einer Baueinheit
BE zusammengefasst. Die Steuervorrichtung SV kann dabei (ausschliesslich) mechanische,
hydrodynamisch und/oder hydrostatisch wirkende Komponenten zum Betätigen der Drossel
DR aufweisen, wie z.B. einen Druckschalter S1 als Drucksensor, der bei Unterschreitung
eines vorgegebenen Druckwertes seinen Schaltzustand mechanisch ändert.
[0046] Die Steuervorrichtung SV und die Drossel DR können als Baueinheit BE z.B. eine gemeinsame
Strömungsklappe oder ein gemeinsames Strömungsventil aufweisen, welche bzw. welches
bei dem Phasenübergang des Löschfluids F vorzugsweise unumkehrbar umklappt bzw. umspringt
oder umschnappt, und folglich den Strömungsquerschnitt für das Löschfluid F reduziert.
Diese Baueinheit BE kann auch so ausgeführt sein, dass das Strömungsklappe bzw. das
Strömungsventil nach dem Entladen der Gaslöschanlage A wieder zurückgesetzt werden
kann.
[0047] FIG 5 zeigt ein Beispiel für eine erfindungsgemässe Gaslöschanlage A nach einer weiteren
Ausführungsform. In diesem Beispiel sind verschiedene Ausgestaltungen der Steuervorrichtung
SV gemeinsam in einer Figur dargestellt.
[0048] Im vorliegenden Fall weist die Steuervorrichtung SV eine Schaltlogik SL auf, die
z.B. durch einen prozessorgestützten Steuerrechner realisiert sein kann. Die Schaltlogik
SL kann alternativ ein oder mehrere Schaltrelais oder Schwellwertschalter mit einem
vorzugsweise potentialfreien Schaltkontakt aufweisen. Ausgangsseitig steuert die Schaltlogik
SL zum Reduzieren des Mengenstroms
ṁ die Drossel DR an. Letztere ist im gezeigten Beispiel eine elektrisch ansteuerbare
Drossel.
[0049] Die Steuervorrichtung SV kann nur einen der gezeigten Detektoren bzw. Sensoren S1,
S2, M, KS, MM zur Detektion des Phasenübergangs von der hauptsächlich flüssigen Phase
des Löschfluids F in die hauptsächlich gasförmige Phase aufweisen.
[0050] Sie kann alterativ oder zusätzlich einen Schalteingang zum Triggern eines Zeitverzögerungsglieds
TIMER mit einer vorgegebenen Verzögerungszeit durch den Auslöser AL oder durch die
vorgeschaltete Brandmeldezentrale BMZ aufweisen. Im Falle von zumindest zwei Eingangssignalen
können diese durch die Schaltlogik ODER-verknüpft sein, so dass das in zeitlicher
Hinsicht das zuerst eintreffende Eingangssignal bei Detektion des Phasenübergangs
oder das zeitverzögerte Signal vom Zeitverzögerungsglied TIMER massgeblich für die
Ansteuerung der Drossel DR ist.
[0051] Im vorliegenden Beispiel weist die Steuervorrichtung SV als einen von mehreren Sensoren
einen ersten Drucksensor S1 zur Erfassung des Leitungsdrucks p
L im Leitungssystems LS der Gaslöschanlage A auf. Alternativ kann die Steuervorrichtung
SV signal- oder datentechnisch an diesen Drucksensor S1 angeschlossen sein. Unterschreitet
ein erfasster Leitungsdruckwert einen vorgebbaren Vergleichswert, so erfolgt die Ansteuerung
der Drossel DR.
[0052] Weiterhin kann die Steuervorrichtung SV einen zweiten Drucksensor S2 zur Erfassung
des Raumluftüberdrucks p
R im Bereich der Gaslöschanlage A aufweisen oder signal- oder datentechnisch an diesen
angeschlossen sein. Überschreitet ein erfasster Raumluftüberdruckwert einen vorgebbaren
Vergleichswert, so erfolgt die Ansteuerung der Drossel DR.
[0053] Die Steuervorrichtung SV kann weiterhin alternativ oder zusätzlich ein Mikrophon
M zur Erfassung des Lärms im Bereich der Gaslöschanlage A umfassen oder signal- oder
datentechnisch an diesen angeschlossen sein. Überschreitet ein erfasster Lärmpegelwert
einen vorgebbaren Vergleichswert, so erfolgt die Ansteuerung der Drossel DR.
[0054] Weiterhin kann die Steuervorrichtung einen an Komponenten der Gaslöschanlage A angebrachten
Körperschallsensor KS zur Erfassung des Körperschalls aufweisen oder signal- oder
datentechnisch an diesen angeschlossen sein, wie z.B. an einem Rohr des Leitungssystems
LS. Überschreitet ein erfasster Körperschall-Lärmpegelwert einen vorgebbaren Vergleichswert,
so erfolgt die Ansteuerung der Drossel DR.
[0055] Weiterhin kann die Steuervorrichtung SV einen Mengenstrommesser MM zur Erfassung
des im Leitungssystem LS fliessenden Löschfluid-Mengenstroms
ṁ aufweisen. Unterschreitet ein erfasster Wert für den Löschfluid-Mengenstroms
ṁ einen vorgebbaren Vergleichswert, so erfolgt die Ansteuerung der Drossel DR.
[0056] Die Steuervorrichtung SV kann alternativ oder zusätzlich signal- oder datentechnisch
an einen Füllstandsmesser FM eines Druckbehälters B angeschlossen sein. Unterschreitet
ein erfasster Füllstandswert einen vorgebbaren Vergleichswert, so erfolgt die Ansteuerung
der Drossel DR.
[0057] Schliesslich kann die Steuervorrichtung SV auch eine Wiegevorrichtung W, wie z.B.
eine Waage oder eine Kraftmessdose, aufweisen oder signal- oder datentechnisch an
diese angeschlossen sein. Unterschreitet ein erfasster Gewichtswert einen vorgegebenen
Vergleichswert, so erfolgt auch hier die Ansteuerung der Drossel DR.
Bezugszeichenliste
[0058]
- A
- Gaslöschanlage
- AL
- Auslöser
- B
- Druckbehälter
- BE
- Baueinheit
- BMZ
- Brandmeldezentrale
- BV
- Behälterventil
- BVA
- Behälterventilauslöser
- D
- Löschdüse
- DR
- Drossel, Reduzierventil, Absperrventil
- DS
- Druckschlauch
- F
- Löschfluid
- FM
- Füllstandsmesser, Schwimmer
- G
- Treibgas
- KS
- Körperschallsensor
- L
- Löschflüssigkeit
- LMax
- Maximalschallpegelwert
- LP
- Schallpegel
- LRed
- reduzierter Schallpegelwert
- LS
- Leitungssystem
- ṁ
- Mengenstrom, Massenstrom
- M
- Mikrophon
- MM
- Mengenstrommesser, Massenstrommesser
- pL
- Leitungsdruck
- PMax
- Maximalüberdruckwert
- pR
- Raumluftüberdruck
- PRed
- Überdruckwert
- R
- Rohr, Rohrsystem
- S
- Schaltzustand
- S1, S2
- Drucksensor
- SL
- Schaltlogik, Steuerrechner
- SR
- Sammelrohr
- SV
- Steuervorrichtung
- T
- Phasenübergangsbereich
- t, t0-t3
- Zeit, Zeitpunkte
- TIMER
- Zeitverzögerungsglied, Timer, Zeitglied
- W
- Wiegevorrichtung, Waage
1. Verfahren zur Reduktion von Lärm und Raumluftüberdruck beim Entladen einer Gaslöschanlage
(A), wobei während der Entladung aus einem Druckbehälter (B) ein Löschfluid (F) über
ein Behälterventil (BV) und Leitungssystem (LS) zu einer Löschdüse (D) geführt wird,
wobei das im Druckbehälter (B) gespeicherte Löschfluid (F) eine Löschflüssigkeit (L)
und ein Treibgas (G) aufweist, wobei das Löschfluid (F) im Leitungssystem (LS) zu
Beginn der Entladung hauptsächlich in flüssiger Phase vorliegt und dann nach Austragung
der Löschflüssigkeit (L) in eine hauptsächlich gasförmige Phase übergeht, und wobei
in einem Phasenübergangsbereich (T), der mit einer signifikanten Abnahme des Löschfluid-Mengenstroms
(ṁ) und einem signifikanten Anstieg des Lärms und des Raumluftdrucks einhergeht, dann
der Mengenstrom (ṁ) reduziert oder gestoppt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Mengenstrom (ṁ) derart reduziert wird, dass der Schallpegel (LP) des entstehenden Lärms auf einen
Wert von maximal 100 dB begrenzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei der Mengenstrom (ṁ) derart reduziert wird, dass der Raumluftdruck (pR) auf einen Überdruckwert (PRed) in einem Bereich von 200 bis 1000 Pa begrenzt wird.
4. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die Reduzierung des Mengenstroms
(ṁ) zeitgesteuert, leitungsdruckgesteuert, umgebungsluftdruckgesteuert, lärmgesteuert,
gesteuert über den Füllstand oder das Gewicht des Druckbehälters (B) oder gesteuert
über einen messtechnisch erfassten Wert für den Mengenstrom (ṁ) erfolgt.
5. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die Reduzierung des Mengenstroms
(ṁ) einstufig erfolgt.
6. Gaslöschanlage mit zumindest einem Druckbehälter (B) zur Druckbevorratung eines Löschfluids
(F), wobei das Löschfluid (F) eine Löschflüssigkeit (L) und ein Treibgas (G) aufweist
und wobei der jeweilige Druckbehälter (B) über ein Behälterventil (BV) oder über ein
Behälterventilauslöser (BVA) an ein Leitungssystem (LS) an zumindest eine Löschdüse
(D) angeschlossen ist, wobei die Gaslöschanlage aufweist
- einen Auslöser (AL) zum Öffnen des jeweiligen Behälterventils (BV), um das Löschfluid
(F) in das Leitungssystem auszutragen,
- eine im Leitungssystem (LS) angeordnete Drossel (DR), welche über eine Steuervorrichtung
(SV) zum Reduzieren oder Stoppen des Löschfluids-Mengenstroms (ṁ) ansteuerbar ist, und
- die Steuervorrichtung (SV), welche dazu eingerichtet ist, die Drossel (DR) beim
Phasenübergang des Löschfluids (F) von einer hauptsächlich flüssigen Phase in eine
hauptsächlich gasförmige Phase anzusteuern.
7. Gaslöschanlage nach Anspruch 6, wobei die Drossel (DR) zur Reduktion des Mengenstroms
(ṁ) im Leitungssystem (LS) derart bemessen ist, dass der Schallpegel (LP) des entstehenden
Lärms auf einen Wert von maximal 100 dB begrenzbar ist.
8. Gaslöschanlage nach Anspruch 6 oder 7, wobei die Drossel (DR) zur Reduktion des Mengenstroms
(ṁ) im Leitungssystem (LS) derart bemessen ist, dass der Raumluftüberdruck (pR) auf einen Überdruckwert (PRed) in einem Bereich von 200 bis 1000 Pa begrenzbar ist.
9. Gaslöschanlage nach einem der Ansprüche 6 bis 8, wobei die Steuervorrichtung (SV)
ein durch den Auslöser (AL), durch eine vorgeschaltete Brandmeldezentrale (BMZ) oder
durch einen manuell auslösbaren Löschtaster triggerbares Zeitverzögerungsglied (TIMER)
zum Ansteuern der Drossel (DR) aufweist.
10. Gaslöschanlage nach einem der Ansprüche 6 bis 9, wobei die Steuervorrichtung (SV)
einen ersten Drucksensor (S1) zur Erfassung des Leitungsdrucks (pL) im Leitungssystems (LS) der Gaslöschanlage und/oder einen zweiten Drucksensor (S2)
zur Erfassung des Raumluftüberdrucks (pR) in einem von den Löschdüsen (D) entfernten Bereich der Gaslöschanlage aufweist oder
daran (S1, S2) angeschlossen ist.
11. Gaslöschanlage nach einem der Ansprüche 6 bis 10, wobei die Steuervorrichtung (SV)
ein Mikrophon (M) zur Erfassung des Lärms im Bereich der Gaslöschanlage und/oder einen
an Komponenten der Gaslöschanlage angebrachten Körperschallsensor (KS) zur Erfassung
des Körperschalls aufweist oder daran (M, KS) angeschlossen ist.
12. Gaslöschanlage nach einem der Ansprüche 6 bis 11, wobei die Steuervorrichtung (SV)
einen Mengenstrommesser (MM) zur Erfassung des im Leitungssystem (LS) fliessenden
Löschfluid-Mengenstroms (ṁ) aufweist oder an diesen angeschlossen ist.
13. Gaslöschanlage nach einem der Ansprüche 6 bis 12, wobei die Steuervorrichtung (SV)
einen Füllstandsmesser (FM) zur Erfassung des Füllstands eines Druckbehälters (B)
und/oder eine Wiegevorrichtung (W) zur Erfassung des Gewichts eines Druckbehälters
(B) aufweist oder daran (FM, W) angeschlossen ist.
14. Gaslöschanlage nach einem der Ansprüche 6 bis 13, wobei die Steuervorrichtung (SV)
und die Drossel (DR) zu einer Baueinheit (BE) zusammengefasst sind, wobei die Steuervorrichtung
(SV) mechanische, hydrodynamisch und/oder hydrostatisch wirkende Komponenten zum Betätigen
der Drossel (DR) aufweist.
15. Gaslöschanlage nach einem der Ansprüche 5 bis 14, wobei das Löschfluid (F) eine chemisch
wirkende Löschflüssigkeit (L) auf Basis von Halogenwasserstoffen und ein Inertgas,
wie Stickstoff oder Argon, oder Kohlenstoffdioxid als Treibgas (G) aufweist.